
Wir schreiben das Jahr 1993 und CD-ROM Laufwerke verkaufen sich gerade wie warme Semmeln. Auch ich laufe ganz aufgeregt in den Laden meiner Wahl (für Münsteraner: GamePort auf der Piusallee, praktischerweise direkt auf meinem Schulweg gelegen) und nehme eins mit. Aber ich nehme auch noch was anderes mit, nämlich das Spiel was mir das CD-ROM Laufwerk verkauft hat: Rebel Assault von LucasArts. Jawohl, Myst mag damals den Mainstream mit der Magie großer Datenmengen bekannt gemacht haben, aber zu dem Zeitpunkt hatten echte Computerspieler schon über ein Jahr so einen Schillerscheibendreher in ihrem Rechner. Und Rebel Assault war der Grund dafür.
Das Spiel war damals eine echte Sensation und erschuf im Handumdrehen sein eigenes Subgenre, den Railshooter. Spielerisch war es eigentlich recht primitiv. Es wurde ein vorgerenderter Film abgespielt über den Gegner kopiert wurden, die man, z.B. aus der Cockpit-Sicht eines X-Wing, abschießen konnte. Klingt primitiv? War es auch. Rebel Assault variierte das Ganze noch ein wenig, da man bei einigen Leveln sein Schiff von hinten sah und es steuern konnte. Dies allerdings auch nur sehr eingeschränkt, denn man konnte die Grenzen des vorher festgelegten Films nicht verlassen. Dennoch, wer sich damals nicht schon in den ersten Level des Spiels – ein Flug durch einen Canyon auf Tatooine – auf Anhieb verliebt hat, in dessen Brust schlägt kein Videospieler-Herz. Spätestens als John Williams glorreiche Musik in glasklarer Qualität durch die Boxen kam, gab es auch für mich kein Halten mehr.
Das Spiel verkaufte sich logischerweise wie warme Semmeln. Und was macht man als phantasieloser Chef eines Videospielevertriebs in so einem Fall? Genau, man gibt massenweise schlechte Kopien in Auftrag. Und was passiert, wenn die fertig sind? Genau, keiner kauft sie. Denn bis dahin war der Glanz der Render- und Videofilmchen längst verblichen und die Leute wollten lieber richtige Spiele auf ihre CD-ROMs gepresst sehen.
Aber unter den Rebel Assault Nachahmern gab es auch einige Perlen, die damals etwas unfairerweise untergegangen sind und von denen ich zwei aus meinem Regal gekramt habe um sie hier vorzustellen.
Kandidat 1 ist Wetlands, von New World Computing. In Wetlands spielt man einen intergalaktischen Kopfgeldjäger namens John Cole, der sich am Steuer seines U-Bootes auf die Suche einem entflohenen Wissenschaftler macht. Die Spur und dabei auf eine Unterwasserwelt namens Wetlands. Ist auch besser so, denn auf einem Wüstenplaneten hätte John mit seinem U-Boot ziemlich doof ausgesehen. Was Wetlands hervorhebt ist sein Grafikstil. Über die üblichen computergerenderten Filme sind nämlich Figuren in klassischer handgezeichneter 2D-Animation gelegt. Sieht auch heute noch ganz akzeptabel aus, wenn man von der starken Kompression absieht. Und davon dass VGA-Pixel auf einem 20 Zoll Monitor ungefähr Faustgröße haben. Wie sehr ich Wetlands damals gemocht habe, wurde mir eben klar, als ich feststellen musste dass ich auch 10 Jahre später die Dialoge noch auswendig kann. Und irgendwie weiß ich noch, dass ich das Spiel damals bei Karstadt gekauft habe. Fragt mich nicht warum. Jedenfalls ist es auch heute noch einen Blick wert. Sonst hätte ich gerade kaum mal nebenbei so drei Level gespielt. Wer dem Spiel eine Chance geben möchte, der sollte sich übrigens nicht vom uninspirierten ersten Level abschrecken lassen. Ich verspreche es wird besser.
Der zweiter Kandidate ist The Hive, von Rainbow Studios, heutzutage eher bekannt für die Motocross Madness Reihe. The Hive ist ebenfalls ein klassischer Weltraum-Railshooter, den aber drei Dinge aus der Masse dieser Spiele hervorstechen lassen. Erstens, es war eines der ersten Spiele die exklusiv für Windows 95 waren. Okay, das ist kaum ein Grund es heute noch zu spielen, aber es ist schon amüsant, wenn auf der Packung Features angepriesen werden wie “Echtes 32 Bit Autoplay!”. Zweitens, es hatte zwei Arten von Leveln. Der erste davon war wie üblich: man flog einen vorberechneten Pfad lang und knallte alle Aliens ab. Im zweiten jedoch war man selber stationär und konnte dafür aber um 360 Grad drehen (und knallte alle Aliens). Das war damals echt neu. Nein, nicht das Abknallen der Aliens. Die freie Rotation um die eigene Achse in schicker Renderoptik. Interessanterweise fand diese Technik später hauptsächlich Verwendung im wesentlich friedfertigeren Adventures. Der wirkliche Grund warum The Hive Spaß machte, war allerdings sein toller Sound kombiniert mit der guten Musik. Da kam echtes Science Fiction Flair auf. Leider konnte ich nicht rausfinden, ob diese Atmosphäre auch heute noch wirkt, denn The Hive läuft auf Windows XP nicht mehr. Schon komisch, dass ein DOS Spiel wie Wetlands heute noch ohne Probleme läuft, während bei The Hive nicht mal mehr das Autoplay Feature (echtes 32 Bit!) funktioniert. Schade. Eine Möglichkeit gibt es aber doch um das alte Gefühl wieder aufleben zu lassen. Die Entwickler waren nämlich zu Recht selber Stolz auf Musik und Ton ihres Spieles und so packten sie ein ca. zehn Minuten langes Medley auf die zweite CD. Und das präsentiere ich euch hiermit. Ich würde das Ding am liebsten zum Download anbieten, aber aus offensichtlichen Gründen werde ich darauf verzichten. Dass ich das Spiel mochte, wurde mir jedenfalls spätestens wieder klar, als ich überrascht gemerkt habe wer die Credits des Spiels bei Mobygames eingetragen hat. Nämlich ich.
Viel Spaß noch bei der Zugfahrt.