Parteien zur Wahl

Zwei Stimmen
Am 18. September ist es mal wieder so weit, wir wählen einen neuen Bundestag. Das Problem ist nun aber dass ich nicht wirklich weiss, wem ich meine wertvollen Stimmen anvertrauen soll. Rot-Grün hat sich schliesslich öffentlich für handlungsunfähig erklärt, und Schwarz-Gelb veranstaltet gerade eine interne Meisterschaft im Schlammwerfen. Was also bleibt dem mündigen Bürger mit Internetzugang, wenn er sich nicht der schweigenden Mehrheit der Nichtwähler anschliessen will? Ganz einfach, er schmökert ein wenig in den Parteiprogrammen, die beispielsweise beim Bundeswahlleiter hinterlegt sind.

Dabei kommt teilweise Erstaunliches zutage. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal das Manifest der Spirituellen Partei, der Feministischen Partei oder der Deutschen Pogoanarchisten durchzulesen, alles Goldminen des bizarren Humors. Aber als passionierten Spieler hat es mich natürlich besonders interessiert, was die werten Herrschaften zum Thema Medien und Jugendschutz zu sagen haben. Ein positives Fazit vorweg, vor lauter Finanzmisere und internationalem Terrorwahn scheint sich augenscheinlich keine der grossen Parteien mehr für Computer- und Videospiele zu interessieren.

“[Kinder] bedürfen des Schutzes vor seelischer und körperlicher Überforderung und Gewalt, auch vor ungehemmtem Medienkonsum”

ist die glorreiche Erkenntnis der SPD. Die CDU holt wie gewohnt zum medialen Rundumschlag aus und erklärt:

“Wir wenden uns gegen eine verharmlosende und immer hemmungslosere Darstellung von Gewalt in Massenmedien, in Videofilmen und Computerspielen, gegen Pornographie sowie entwürdigende Darstellungen in der Werbung.”

Was aber konkret geplant ist verrät selbstredend keiner, man möchte ja nicht Millionen von spielenden Wählern verärgern. Wie nicht anders zu erwarten setzt das bayerische Phänomen CSU noch einen drauf. Von Oberpolterer und Innenministerkandidat Beckstein war ja schon nach dem Schulmassaker von Erfurt 2002 zu vernehmen, dass er einerseits die Produktion nicht näher definierter “Killerspiele” unterbinden will, sie aber wegen seines christlichen Moralethos noch nie ausprobiert hat. Ins gleiche Horn stösst dieses Jahr der Arbeitskreis Jugendmedienschutz des Landesverbandes der Frauen-Union der CSU (was für ein Titel), der in seinem Programmheft schreibt:

“Ego-Shooter sind nicht nur einfache Computerspiele. Viele werden auch in der militärischen Ausbildung der US-Army als Tötungstraining genutzt, zum Teil sogar in den Elite-Einheiten. Es ist verantwortungslos, ein Trainingsprogramm für erwachsene Soldaten Kindern und Jugendlichen zum Spielen anzubieten.”

Dazu auch die Landesvorsitzende der Frauen-Union, Maria Eichhorn MdB:

“Wir müssen den jungen Menschen klar machen, dass es in der Realität andere Regeln gibt als im Film oder auf dem Computerbildschirm. Deshalb setzen wir mit unserer Initiative auf die Vermittlung unseres christlichen Wertefundaments.”

Gott mit dir, du Land der Bayern.

Das Beste zum Schluss. Die meisten kleinen Parteien haben ein zu fokussiertes Wahlprogramm, um sich mit Lappalien wie Videospielen abzugeben. Wie beispielsweise die Partei “AB JETZT für Volksentscheide und gegen Zuwanderung ins soziale Netz”, die ihr gesamtes Programm bereits im Namen trägt. Nicht jedoch die Bürgerrechtsbewegung Solidarität. Obwohl ich ihre Idee von einem transkontinentalen Magnetbahnnetz auf Grundlage des Westfälischen Friedens durchaus attraktiv finde, bin ich über die Äusserungen ihrer Kanzlerkandidatin doch etwas bestürzt.

“Bereits im Herbst 1999 wies [Helga Zepp-LaRouche] auf einer internationalen Konferenz in den USA auf die alarmierende Tatsache hin, daß die Gewalt- und Killervideos für Jugendliche bzw. deren “Einstiegsdrogen” wie Pokémon und Nintendo ursprünglich von der US-Armee für militärische Trainingszwecke entwickelt wurden – was ihre unheuere Effizienz erklärt – und forderte ein weltweites Verbot der Produktion und Verbreitung dieser Filme bzw. Computerspiele.”

Starker Tobak!

Also dann, in drei Wochen ist Wahltag. Wir treffen uns an der Urne.

6 Kommentare Autor: Stefan
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6 Kommentare

  1. Die BüSo ist sowieso ein faszinierender Haufen. Anscheinend sind sie der deutsche Arm eines amerikanischen Politikkultes um einen Herrn Lyndon LaRouche (ja, verheiratet mit Frau Zepp), der auf der Homepage als “Staatsmann und Wissenschaftler” bezeichnet wird, obwohl er niemals ein politisches Amt bekleidet oder gar ein Studium beendet hat.

    Seine bisher größten Leistungen: Er ist der Amerikaner, der am häufigsten in Folge nicht zum Präsidenten gewählt worden ist und er ist ein Ex-Knacki. Man mag es nicht glauben, aber seine Zeit im Gefängnis (Betrug, Steuerhinterziehung, solche Sachen) wird auf einer seiner Internetseiten tatsächlich als seine herrausragenste Qualifikation für das Präsidentenamt genannt. Ooookay.

  2. Hey, wenigstens ist er weder Schauspieler noch Lehrer oder Öl-Unternehmer.

  3. Dieses verdammte Nintendo! ICH WUSSTE ES!! Überall steht das rum und greift den Kindern hinterrücks in die Tasche! Teufelszeug! Kalte Ente!!11

  4. Also mein persönlicher Favorit ist ja die Sache mit “Pokémon und Nintendo”. Das ist so als würde man zum Frühstück Kellogs und Cornflakes essen.

    Der Wahlomat hat mir übrigens gerade gesagt, dass ich doch bitte Die Linke/PDS wählen soll. Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich jetzt lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall fühle ich mich schmutzig.

  5. Der Wahlomat ist seltsam. Seit Jahren ordnet er mich mit erschreckender Zuverlässigkeit irgendwo zwischen der FDP und den Grünen ein. Mit Betonung auf der FDP. Sehr seltsam. Nur dass ich grundsätzlich absolut null Punkte bei der CDU habe, überrascht mich nicht sonderlich.

    Ich glaube meine Zuordnung zur FDP kommt daher, dass sie sich ja immer noch als eine Bürgerrechtspartei sieht. In den letzten Jahren war das immer eher theoretischer Natur, aber in diesem Wahlkampf haben sie sich ja tatsächlich wieder auf diese Tradition besonnen.

    Das Problem ist nur: Wenn ich schwarz-gelb via die FDP wähle, dann bekomme ich ja meinen Lieblingspolitiker Beckstein als Innenminister. Und der Herr frisst Bürgerrechte ja zum Frühstück. Das macht also irgendwie keinen Sinn.

    Womit ich wieder am Anfang bin, und immer noch nicht weiß wen ich wählen soll. Zumindest kann ich CDU und BüSo von der Liste streichen. Danke, Stefan.

  6. Ich habe ja SPD gewählt dieses Jahr, mal schaun obs was bringt :D