
Noch etwas, das mir bei besagter Entrümpelung meines Spielebestandes aufgefallen ist. Seit Jahren schon sind Anleitungen nicht mehr wirklich notwendig, und doch kriege ich mit jedem neuen Spiel ein schickes neues Hochglanz-Büchlein gratis obendrauf. Warum bloss? Spätestens seit ich mein erstes japanisches RPG gekauft habe (Suikoden für die PS1 übrigens, das heute etwa das Doppelte seines Anschaffungspreises wert ist) erwarte ich einfach, dass erstens die Story so erzählt wird, dass man sie auch ohne Einführungstext kapiert und zweitens, dass mir die Steuerung in einem leicht verständlichen Tutorial erklärt wird. Oder besser noch, die Padbelegung sollte so intuitiv sein, dass man spätestens nach fünf Minuten rumprobieren alle wichtigen Funktionen kennt. Als lobenswertes Beispiel sei hier Ico erwähnt, in dem man sich in den ersten paar Räumen spielerisch und ohne lästige Belehrungen an die Steuerung heranarbeitet.
Und dennoch fische ich mit schöner Regelmässigkeit neben haufenweise Werbemüll und tausendfachen Ermahnungen, alle halbe Stunde eine Pause einzulegen da ich sonst sterbe oder so, immer auch eine Anleitung aus der Packung. Die ist dank DVD-Hülle in Schrumpfgrösse, was den Schreiber aber nicht davon abhält, mir zum wiederholten Mal alle Funktionen meiner Konsole, meines Controllers, meiner Speicherkarte und meiner Spielescheibe zu erklären. Es ist fast so, als solle man absichtlich die Lust am Lesen des Handbuchs verlieren. Insbesondere dann, wenn der selbe Dummfug in vier verschiedenen europäischen Sprachen aus der Packung fällt. Und der eigentliche Inhalt? Na der ist natürlich genauso traurig. Die notdürftigsten Informationen wenig anschaulich zusammengefasst, ein paar kleine Bildchen, die ohne Kenntnis des Spiels keinen Sinn ergeben und die tolle Erkenntnis, dass Charakter X gerne Ramen isst und Blutgruppe AB hat.
Also, nieder mit den Anleitungen, hurra für Tutorials! Und das mir jetzt keiner kommt und sagt “früher war alles besser, Civilization, Gunship, Ultima blablabla mit ihren dicken Schmökern”. Die meisten davon musste man lesen, egal wie grässlich sie geschrieben waren. Und im Zeitalter von Gigahertz und 720p möchte ich die Entstehung der Dampflokomotive nicht mehr in einem Folianten nachschlagen müssen, als satter Dauerkonsument erwarte ich eine multimediale Aufbereitung des Themas im Spiel selbst. Und von einigen Ausnahmen abgesehen, etwa Heinrich Lenhards Übersetzung des Bard’s Tale I Handbuchs, waren die Anleitungen sowieso eine literarische Katastrophe. Rettet den Regenwald, lest weniger Anleitungen.
Ich habe die Videospieleanleitungen mit den Controller-usw-Erklärungen eigentlich immer als für Kinder konzipiert empfunden, die halt erstmal nachlesen müssen, wie der Kram funktioniert (vielleicht ist das Spiel, was sie gerade gekauft und geöffnet haben, ja auch ihr allererstes).
Ich weiß noch, wie ich als Kind Polar Pierre (C64) gekauft habe und beim Entziffern der englischsprachigen Anleitung meine ersten englischen Vokabeln lernte (“Mami, was heißt denn ‘Icon’?” — “Ikone!”). Damals wäre ich für eine mehrsprachige Anleitung dankbar gewesen.
Heute kann ich dank Polar Pierre toll Englisch. Aber meine Kindheit, die hat das Teil versaut. :-(
Polar Pierre war übrigens mal echt scheiße.
Heh, als ob Kinder Anleitungen lesen würden :-)
Die Idee mit dem “ersten Spiel” kam mir ehrlich gesagt auch, aber sollten so simple Sachen wie korrektes Einstöpseln des Pads nicht einmal im Handbuch der Konsole erklärt werden und damit gut? Meine Englischkenntnisse habe ich übrigens grösstenteils von Infocom-Adventuren (Hardcore, ich weiss), obwohl es dann eine Weile gedauert hat, mir so Dinge wie “get book” abzugewöhnen. Und dank Pirates kenne ich mich ziemlich gut in der Karibik aus.
Es gibt deshalb Anleitungen, um jedes mal die Epilepsie Warnung durchzukauen. Mein Gott, wenn ich doch Epilepsie hab, dann weiß ich das doch und lass die Finger von den Games!
Aber generell sind Anleitungen bei einem guten Tutorial bzw. bei einer aufgezeigten Tastenbelegung im Spiel völlig unnötig. Sollen die Publisher lieber Druckkosten sparen und ein PDF o.ä. im Internet zum Download bereit stellen. Aber da fantasier ich auch wieder, denn der eingesparte Preis wird ja eh nicht an den Kunden weitergegeben…
Vielleicht gehen die Hersteller davon aus, dass die Konsolenanleitungen irgendwann weggeschmissen werden, und wollen trotzdem auf Nummer Sicher gehen.
Naja, eigentlich habe ich keine Ahnung. Mich hat das auch schon immer gewundert, aber irgendwo muss ja mal irgendwann irgendwer die Entscheidung getroffen haben, dass es so sein soll und nicht anders.
Ich fand damals manche Anleitungen so toll, das ich sie durchgelesen hatte, bevor das Spiel auch nur installiert war. Ich denke da mal an alte Ultimas, Wizardry.. Rollenspiele waren richtig gut darin.
Als ich zu Weihnachten Wing Commander 2 bekommen hatte, konnte ich es nicht direkt installieren. Der einzige PC im Haus gehörte meinem Vater und der Zugang war deswegen eingeschränkt. Meine einzige Zuflucht war das Handbuch. Als es endlich so weit war, kannte ich jedes Schiff im Spiel auswendig, mit Signatur, Waffenbeladung, Schwachstellen, etc. Nie wieder habe ich solche Vorfreude auf ein Spiel empfunden. Insofern habe ich zumindest eine gute Erinnerung an ein Handbuch.
Ansonsten stimme ich aber zu. Handbücher sind unnütz, vor allem der völlig unverständliche Schmuh der da meist beigelegt wird. Da wird ein Neuling eher noch mehr verwirrt, als aufgeklärt.
Thema Tutorials: Absolut korrekt, das Spiel selber hat einem zu erklären wie es funktioniert. Aber bitte nur optional! Wenn ich noch einmal gezwungen werde, erst über einen Baumstamm zu hüpfen und dann unter einem her zu kriechen, gibt es Tote!
@Richard: Hattest du einen fiesen Vater! :D
Erinnert mich an den Tag, an dem wir (ich + 2 Brüder) durch Rumfrickeln an autoexec.bat, emm386.exe und ähnlichem Schwachsinn die Partitionstabelle der Festplatte zerschossen. Huiuiui, das gab Ärger!
Und unser Vater war auch nicht sehr erbaut darüber, dass wir ohne sein Wissen eine Soundkarte in den Rechner einbauten und den Windows-Jingle durch einen Song von den Butthole Surfers ersetzten. War aber lustig ;-)
Soll ich ganz ehrlich sein? Bevor ich ein neues Spiel installiere, lese ich mindestens die Hälfte der Anleitung durch. Es gab mal Zeiten, da habe ich mich an der Aufmachung jener Bücher ergötzt. Das mag zwar lange her sein, aber ich habe mir sagen lassen Raucher können auch ganz schlecht aufhören.
@suicide: Stimmt nicht! Er hatte mir das Wing Commander 2 ja geschenkt! Ich glaube er wußte nur, dass mich die Familie für den Rest von Weihnachten nicht wiedersehen würde, wenn ich das Spiel sofort hätte installieren dürfen. Die Wartezeit kommt mir im nachhinein ewig vor. Aber ich wette es war nur bis zum nächsten Tag oder so.
Immerhin muss man sagen, dass Firmen wie Origin es ganz elegant geschafft haben, das handbuch (und den Kopierschutz) wie ein cooles Gimmick aussehen zu lassen. Das hatte schon was. Aber in den Zeiten von DVD Cases und ingame Tutorials (klar, die sind eher ein gewinn) ist das natürlich vorbei.
Eigentlich bin ich ein grosser Fan von Anleitungen. Von schönen Anleitungen, wo man richtig viel Vorfreude aufs Spiel kriegt. Mein Nonplusultra bis heute: Ultima V. Auf dem C64. Wochenlang gespart, und gegen Weihnachten hatte ich endlich die 80 DM zusammen. Da gab’s nicht nur ein paar Disketten, sondern auch die schicke Stoffkarte und…hm, war’s jetzt eine Münze mit dem Symbol des Kodex? Ja, muss es gewesen sein. Der Mondstein kam glaube ich mit Ultima VI. Ah, zurück zum Thema.
Da gab’s auch das Handbuch. Mit so einer schönen Story und so vielen tollen Informationen, da strahle ich heute noch übers ganze Gesicht. Da kann meine Ultima Collection für den PC mit dem ganzen Kram als PDF einfach nicht mithalten. Ach, Ultima. Was war das schön.
Das letzte Handbuch, das ich in den Fingern hatte, war natürlich WoW (spiel derzeit nix anderes) und da haben mir die Infos zu den Völkern und Örtlichkeiten ganz gut gefallen.
Ich oute mich mal: Ich lese gerne die Handbücher von Videospielen. Ich nehme mir jedes Handbuch zu einem neuen Spiel und lese es je nach dem um die zwei- bis dreitausend mal durch. Manchmal fühle ich mich dabei wortwörtlich von den Entwicklern verar**** (Beispiele: Das Handbuch von Iridion 2 beinhaltet doch tatsächlich nur knapp 6 Seiten pro Sprache; Das Handuch, pardon, Handblatt von Harvest Moon: Friends of Mineral Town ist eine absolute Frechheit), aber es gibt auch hin und wieder mal ausnahmen. So zum Beispiel halte ich das Handbuch von Armed & Dangerous für durchaus gelungen, auch wenn jetzt nicht zwangsweise im Bereich “Design”. Auch besonders gut gefiel mir das Handbuch von Rayman 3. Beide Handbücher haben dabei eins gemeinsam: Sie sind witzig geschrieben und lockern die Textwüsten mit kleinen Gags auf (mein Lieblingsbeispiel: Im Handbuch von Rayman 3 wird der Gebrauch der Memory Card erklärt und dann steht plötzlich folgender Text: “Dazu brauchst du eine Memory Card (8 MB) (für PlayStation 2) (Hast du Klammern auch so gern wie ich?)” Deswegen fordere ich: Handbücher mit Stil, Witz, Charme oder wasauchimmer oder am besten gleich keines.
man bitte ich will wisse wo der modstein ist…in der wintermine weiss ich aber welches level oder ebene….und nochwas wie kann ich das chwarze gras essen……….welchen knopf soll ich drucken?