Heute möchte ich euch drei Spielemagazine vorstellen, die ich lese, wenn die, äh, Fachzeitschriften wie PC Powerplay und Gamestar meinen Durst nach Spielelektüre nicht zu stillen vermögen.
Als vermeintlich seriöser Gamer mit Interesse an Print-Stoff kommt man um die EDGE eigentlich nicht herum. Sie ist die erste Spielezeitschrift, bei der ich das Gefühl habe, als Erwachsener angesprochen zu werden. Die Tests und Previews sind fair, die Berichte interessant, das Layout fantastisch. Einzig stören tut der manchmal etwas etepetete geratene Schreibstil. Angeblich will Computec in absehbarer Zukunft eine deutsche Ausgabe (mit den übersetzten Artikeln des Originals) auf den Markt bringen. In der Pressemitteilung dazu wird das Ganze als “Premium-Spielemagazin für die Gaming-Elite” bezeichnet — kein gutes Omen. Ich empfehle derweil ein (leider etwas teures) Abo der Originalausgabe.
Die GEE (“Games, Entertainment, Education”) war hierzulande die erste “alternative” Spielezeitschrift — dafür gibt es einen dicken Bonus. Doch sonst sieht’s eher mau aus: ein oft verkrampfter Schreibstil und nur selten wirklich interessante Themen. Einige Ausgaben hatten solch nette Coverartworks, dass ich sie gerne mal im Wohnzimmer hab liegen lassen, aber andere versteckte ich dafür ziemlich schnell unter einem Stapel alter Gamestars (“Höhepunkt” bisher war diesbezüglich das links zu sehende und äußerst grauenvolle Nippelbild zu irgendeinem GTA-Klon, den außer der GEE-Redaktion kein Aas kennt). Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass sich das GEE-Team mehr zum Geekfaktor der Thematik bekennt und nicht mehr so krampfhaft versucht, hip und cool zu sein. Das funktioniert einfach nicht.
Um an ein Exemplar der [ple:] zu kommen, muss man sich schon sehr genau umsehen. Ein Abo gibt es leider (noch) keines, aber man kann einzelne Ausgaben angeblich einfach per Mail + Bargeld direkt beim Team bestellen. Die bisher erschienenen fünf Ausgaben konnten durch nettes Layout, lockeren Schreibstil und — sehr schön — ihren jeweils eigenen Themenschwerpunkt bestechen. Alles in allem hat man beim Lesen der [ple:] im Gegensatz zur GEE noch das Gefühl, dass in die Thematik verknallte Leute dahinter stecken. Ab sofort will das bisher unabhängige [ple:]-Team mit einem Verlag zusammen arbeiten — hoffen wir mal, dass sich das nicht negativ auf die Qualität auswirken wird.
Wer noch weitere lesenswerte Magazine kennt, ist herzlich dazu eingeladen, sie im Kommentarbereich vorzustellen.
Wer sehr junge amerikanische kids mal hat sprechen hören, wird sicher einem Magazin namens “gee!” eher skeptisch gegenübertreten – das ist die lautäußerung, die beim früh-teenie sehr bald zu “THAT’S AWESOME!!” mutiert.
Wenn ich mir die Websites mit den vermutlichen nächsten Ausgaben der Magazine so beschaue, dann komme ich aber auch sehr bald zu dem Punkt, der mich davon abhält, diese Hefte zu kaufen: Sie bieten mir zumindest in diesem Moment nicht eine einzige Information, die ich nicht bereits seit einer Weile habe. Und ich bin in Themen wie Xboxen usw nicht gerade ein Experte.
Um bei dem Beispiel zu bleiben: Natürlich weiss ich, dass ein Großteil des Journalismus gerade im Spielebereich auf den Brocken basiert, die die Spieleindustrie der Presse vorwirft – seien es nun Pressemeldungen, und -konferenzen, Sonderevents, Interviews usw.
Was ich mir wünschte, wäre ein Schwerpunkt auf klassischen Journalistischen Themen: Wie tief hängenn denn die ingame-currency Händler wirklich zusammen mit den Publishern? Warum ist der und der Titel nicht erschienen – zu schlecht? oder warum? Dazu wirklich interessante Portraits von Leuten, die auch etwas zu sagen haben, und nicht das 1000ste identische Preview zu einem AAA Titel, das wir schon 20mal im WWW nicht gelesen haben, wenn die Druckmaschine anläuft.
Ach, übrigens: bitte, bitte – ich kann keine eckigen Klammern und sinnlosen Satzeichen mehr in ach so erwachsen- selbstbewussten Computerspielmagazinen [:sehen] :) Ich lese das Ple (“Play?”) gern, wenn ich es mal irgendwo sehe, aber es fällt mir sehr,sehr schwer das Ding auf diese Weise ernstzunehmenk, wenn es aussieht wie ein überdesignetes HipHopomagazin. Entspannt euch, leute.
Die EDGE würde dich sehr, sehr glücklich machen. Glaube ich.
Zur [ple:] (ja, Lautschrift): beim Namen waren sie wohl etwas kreativer als beabsichtigt. :-) Deswegen ist der wohl auch in fast jeder Ausgabe Thema in der Leserbriefsektion. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie ihn selber zu ernst nehmen. So oder so — mir ist ein Titel wie “[ple:]” immer noch sympathischer als “PC GameSuperdipuper Professional”.
EDGE ist mir nicht neu, die schau ich mir immer am Bahnhof an. Die Amis haben ja die Unsitte, ihre Magazine einzuschweissen…
Das sind Engländer ;-)
Verdammt! Tony Blair ist schuld!
CompuTec? Argh!
Von Zeitschriften bin ich eigentlich völlig abgekommen. Die Entwicklung auf dem Printmarkt ist einfach zu deprimierend.
Erst die Powerplay, die war super! Dann gingen die wichtigsten Leute und die Zeitschrift wurde nach und nach PC-only. Bäh!
Dann die neXtLevel (sic), die war auch super! Wurde aber nach drei Jahren wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Bäh!
Dann die Videogames, die war gut. Bis der Future Verlag beschloss, nach kurzem Engagement in Kontinentaleuropa einige Zeitschriften plattzumachen. Bäh!
Dann die Man!ac, die war okay. Bis die Tests auf “Spiel scheisse Grafik scheisse Sound scheisse blablabla 80%” hinausliefen. Bäh!
Und zwischendurch die deutsche Ausgabe der GamesTM, die es auf sage und schreibe 3 Ausgaben gebracht hat. Doppelbäh!
Edge war mir übrigens immer schon zu teuer, und ihr Stil Marke Oberlehrer sagt mir auch nicht wirklich zu. Keine Zeitschriften mehr für mich.
Von der (“deutschen”) GamesTM gab es nur drei Ausgaben? Wie schade, die fand ich nämlich auch ganz unterhaltsam.
Alles in allem gebe ich zu, dass ich meinen Anspruch an Spielezeitschriften ordentlich zurück geschraubt habe und damit jetzt ganz gut fahre. GEE und [ple:] bleiben halt ziemlich viel an der Oberfläche. Kann verstehen, dass das nicht jedermanns Sache ist, aber mir machen sie trotzdem Spaß.
Insgesamt betrachtet beziehe ich aktuelle Informationen zu dem Thema eh aus den üblichen Weblogs.
Ach ja, Mo brachte mich neulich auf The Escapist. Sehr schönes Teil.
Die »PCXtreme« brachte es ja auch nicht auf wesentlich mehr Ausgaben. Leider, wie ich finde.
Oh, erinner mich nicht daran… das war ganz bitter.
Von der PCXtreme habe ich alle sechs(!) Ausgaben. Es gab übrigens sogar schonmal ein deutsches EDGE, ist aber sang und klanglos eingegangen, weil sie nur die englischen Artikel vom Vormonat übersetzt haben und das auch noch ziemlich mies. Seltsam, daß man es mit derselben Idee nochmal versucht…
Ja, klar die GEE wirkt oftmals verkrampft, aber um das zu sein was du dir wünscht, ist sind die Leute des GEE-Teams wohl zu wenig “Freak”. Aber grad das macht die GEE für mich im Umkehrschluss wieder so intressant, weil sie die Sache ein wenig von nem anderen Punkt aus sehen und auch mal über den Tellerrand hinausblicken. Die Texte selbst mögen oft verkrampft wirken, aber ich find die größtenteils wieder recht authentisch, die könnten so auch in irgendeinem Spieleblog dieser Welt stehen.
Denis: ich glaub so ein Mag wie du dir es wünscht, kann auch nich zustande kommen, denn dafür ist die ganze “Magszene” mittlerweile zu sehr zur Arschkriecherei verkommen, in dem die Schreiber die Publisher brauchen und wohl auch umgekehrt. So etwas wie einen Bericht, über ein Spiel das wegen mangelnder Qualität eingestampft wurde, würd hier in Deutschland doch gleich als Hochverrat durchgen. Dafür is dieser ganze Sumpf viel zu objektiv.
Ich finde nicht, dass die deutschsprachige Magazineszene zu wenig Freak ist, sondern eher ZU sehr fan, und zu wenig Journalist. “Authentisch” ist mir wurscht, das bin ich selber – ich hab so viel Szene um mich herum, das ich hin und wieder ganz grün vor Glück werde. Okay, falls mich jemand einstellen will… hey, ich bin gern dabei.
Natürlich kann die Printpresse wohl nicht gegen die Entwickler/Publisher existieren; vielleicht war das Beispiel auch falsch gewählt. Aber Rubriken mit solcher Thematik gab es viele, ich kenne denke da nur an Feargus Urquhart (ehemals Black Isle), der oftmals tiefe Einblicke in seine Arbeit und auch seine Fehlschläge gegeben hat; und die alten “Graveyeard” Artikel (von Desslock, damals bei gamespot), über gescheiterte Spiele.
Tatsächlich aber müssen sich die Printmedien Gedanken machen, was sie auszeichnet, und wie sie gegen die WWW-Seiten konkurrieren wollen. Denn die Schreibe ist online nicht automatisch schlechter, und auch die Qualität der Artikel ist heute leider auch nicht nur deshalb besser, weil sie auf Papier erscheinen.
Die Nische, die Spielehefte meiner Ansicht nach besetzen können, ist nicht die “schnellstes Preview der Welt”; auch Exklusivartikel sind da nur eine Therapie gegen ein Symptom, nicht gegen die Wurzel des Problems: Die längeren Erscheinungszyklen sollten die Magazine für größere Tiefe, bessere Recherchen und interessanteren Content sehen. Warum nicht solche TOLLEN Artikel, wie sie zum Beispiel IGN bringt – Entwickler bieten direkte Einblicke in ihre Arbeit mit Skizzen usw – wie nett wäre es, Concept Art auf gutem Papier in ordentlicher Größe zu haben? Ich fände das geil – und wenn ich schon nicht wenig Euros hinlege, dann will ich auch etwas, das ich nicht gleich wieder wegwerfen will. (Übrigens, ein Gamespot Abo ist auch nicht SO teuer…)
Worauf ich eigentlich hinaus will: Man kann auch für nicht-Freaks mit Tiefgang schreiben. Mir ist es schnurz, ob mein Kollege 5 fps flotter unterwegs ist, aber ich will mal was über diese coole neue Apple-Maus lesen. Oder vielleicht mal eine Kolumne von Ron Gilbert. oder so.
Okay, die PCX Leute haben damals auch gesagt, dass die Szene erwachsen wird. Die haben sich bitter geirrt.
Nene, ich meinte ja nicht, die deutsche Maglandschaft mit “zu unfreakig”, sondern konkret die GEE.
Klar, deine Vorschläge sind schon richtig und ich fänd sowas auch intressant aber Mags wollen und müssen sich an die Masse richten und die intressieren sich einen Scheiß für Besuche bei Entwicklerteams, Interviews mit denen oder Artworks von ihren Spielen… die Masse will Tests mit vielen Bildern haben und wissen wie hoch die Grafikwertung vom neuen Need for Speed ist.
Vielleicht vergisst du auch, dass ein typischer Mainstreamzocker eher zum Supermarkt geht und sich die neue Gamestar / Maniac / whatever mitnimmt anstatt im Internet Seiten wie Gamesweb, 4players oder schlagmichtot anzusurfen, denn der Mainstreamzocker kennt sowas nicht einmal und tut ihm Internet sicher eher nach Pornos als nach Spielereviews suchen.
Aber klar, wir als Freaks, finden die Lage mit den Mags natürlich scheiße. Is auch so.
Der Mainstreamzocker kauft “Computerbild-Spiele”; alles andere sind Freaks.
Ich will schöne Texte mit Hochglanz. Inhalt is mir scheißegal. So.
Ach ja, Spielemagazine, ein leidiges Thema…
Mir gefallen GEE und [ple:] ganz gut, jedenfalls um ein Vielfaches besser, als Gamestar, PC Games, PC Powerplay und Co. Vor allem der Ansatz der GEE gefällt mir sehr gut, da wird meiner Auffassung nach stärker die spielerische Sicht und spielerisches Erlben auf die Spiele beleuchtet. Bei den anderen Magazinen ist’s ja meistens nur Gejubel und Hype auf die neuesten Spiele. Aber es stimmt schon, selbst die GEE ist nicht perfekt, die überziehen teilweise mit ihren “Kunstbetrachtungen” schon mal ganz heftig. Das ist jedenfalls nicht mein Ding.
[ple:] ist in jedenfall nett, ich hoffe aber, die entwickeln sich noch ein bißchen weiter. Und die Edge kenne ich leider gar nicht, die gibt’s hier nicht mal am Bahnhofshandel. So’n Murks!
Ich lebe nun seit ein paar Monaten ohne Printmagazin (ja, auch GEE und [ple:]) und halte auch von den meisten Online-Newsseiten nichts. Sorry, aber die sind mir auch zu reißerisch. Warum muss ich denn über den neuesten Screenshot informiert sein? Halte ich für Zeitverschwendung, das regelmäßig abzusurfen.
Vielleicht doch noch ein kleiner Zeitschriftentipp, der so mit Spielen direkt erstmal nichts zu tun hat: Gamestar/dev/ Hat Macken und meiner Ansicht nach auch einen dicken Konzeptfehler, aber die Entwicklersicht ist thematisch in jeden Fall sehr interessant aufbereitet. Obwohl ich überhaupt nicht zur Zielgruppe gehöre habe ich bestimmt 60% des Heftes gelesen. Eine Riesenquote! Das haben nicht mal die letzten beiden GEE-Hefte geschafft, die ich mir gekauft hatte.
Wir machen hier was falsch ;)
Das hier ist ja keine Online-Newsseite! :-) Ich glaube, meine Web-Favoriten im Sinne der Informationsbeschaffung zum Thema Spiele sind aktuell Kotaku und Joystiq. Früher war’s (natürlich) Blue’s News, aber der ist mir inzwischen auch eine Runde zu detailliert.
In Sachen [ple:] kann ich Dir nur zustimmen. Schade, dass bisher eben nur erwähnte fünf Ausgaben erschienen sind. Ich mag die Konzentration auf einen jeweiligen Schwerpunkt pro Ausgabe sehr, habe jedoch Bedenken, dass es genug Genres/Themen gibt, um das Konzept mittel- bis langfristig halten zu können…
hab mir grad die Deutsche Ausgabe der Edge gekauft, schicke Aufmachung, interessanter Inhalt!