The End

Fin

Ich mag es ein Spiel durchzuspielen. Es gibt mir ein gutes Gefühl. Wieder was geschafft. Nicht aufgegeben. Die blöden Schleicheinlagen überstanden, die langen Ladezeiten ertragen und dabei trotzdem viel Spaß gehabt. Gut investierte 50€. Dann nehme ich das Spiel und stelle es zufrieden in mein Regal. Gut, es ist keine fertige Diplomarbeit oder meine erste Million, aber trotzdem eine kleine Leistung auf die ich irgendwie ein bisschen stolz bin.

Ich bin deswegen etwas frustriert mit Spielen die kein Ende haben. Nehmen wir zum Beispiel Battlefield 1942. Das war doch mal wirklich ein gutes Spiel. Ich bin nicht der größte Fan von Multiplayer-Spielen, aber daran hatte ich wirklich Spaß. Und zwar ziemlich lange. Also eine gute Investition? Irgendwie fühlt es sich nicht so an. Denn das letzte Mal als ich es gespielt habe, war es gerade nicht so toll. Erst keinen Server gefunden, dann ein schlechtes Team gehabt und schließlich alle 20 Sekunden von einem verdammten Scharfschützen erwischt worden. Wahrscheinlich so ein blödes 14-jähriges Blag, das den ganzen Tag nichts anderes macht. Egal, dachte ich mir. Ich packe es in ein paar Tagen wieder aus. Dann macht es bestimmt wieder Spaß.

Nur habe ich es nie wieder angefasst. Seitdem – und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau wann das war – liegt es im Schrank rum. Einsam. Ungespielt. Ungeliebt. Die anderen Spiele lachen es aus. “Mich hat er durchgespielt.”, sagen sie. “Von meinem epischen Finale hat er noch wochenlang seinen genervten Freunden erzählt.”, behaupten sie. Und sie haben Recht. Wenn ich an ihnen vorbei gehe, dann lächle ich sie an. Wie einen guten Freund. Ich habe sie alle in guter Erinnerung, denn sie haben in einem glorreichen Moment des Sieges aufgehört. Ein helles Licht, eine große Explosion, und dann der Abspann.

Aber Battlefield würdige ich keines Blickes. Denn sein hat Licht erst geflackert und ist dann ganz ausgegangen. Und selbst das hat keiner mehr gesehen, hat keinen mehr interessiert. Seitdem liegt es einsam in der Ecke und muss sich von den anderen Spielen verhöhnen lassen

Irgendwie traurig. Und wirklich nicht fair.

Aber was soll ich machen? Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, ein gutes Buch am Schluss zuzuklappen, den Abspann eines tollen Films an sich vorbei ziehen zu lassen oder den finalen Akkord einer großartigen Symphonie verhallen zu hören. Ich brauche das. Was ist ein Buch ohne letzte Seite? Ein Tatort bei dem man nicht raus findet, wer der Mörder war? Eine Symphonie ohne den letzten Takt? Egal wie gut der Anfang ist, da stimmt was nicht.

Aber bei Spielen kommt das häufig vor. Sim City hat kein Ende. Und Counter-Strike auch nicht. Solche Spiele verlieren mehr und mehr an Glanz, machen jedes Mal weniger Spaß, bis man irgendwann aufhört sie zu spielen. Dabei müsste es anders rum sein. Sie müssten jedes Mal besser und besser werden und dann, im besten Moment überhaupt…Ende. Schluss. Aus.

Nur dann fühle ich mich hinterher gut. Und nur dann habe ich das Spiel auch noch lieb, wenn ich es schon lange nicht mehr gespielt habe.

Unfair, aber wahr.

10 Kommentare Autor: Richard

10 Kommentare

  1. Ich gestehe, ich habe Zelda3 nie ganz durchgespielt!
    Und du hast recht, ich spiel immer mal wieder andere Zelda Teile an. Nur kurz zwar aber immerhin. Zelda3 aber nie.
    Ich denke, ich sollte diesen schwarzen Fleck langsam mal tilgen und mit dem Spiel ins reine kommen.
    Gut, dass du mich erinnert hast.

  2. Hmmm. Richard: wie stehst du dann zu World of Warcraft?

  3. Auch wenn ich so etwas nicht oft sage: Du sprichst mir aus der Seele!

  4. Ein Problem das ich in den letzten Jahren mit Abspännen habe ist, dass sie oftmals viel zu kurz sind. Langes Intro, lange Zwischensequenzen, kurzes Ende – häh? Da stimmen irgendwie die Relationen nicht. Schliesslich ist so ein Abspann meiner Meinung nach nicht nur als Epilog, sondern auch als Belohnung gedacht. Ich möchte garnicht wissen wie viele Spiele ich kurz vor dem Ende aufgegeben habe, weil sich die ganze Plackerei dafür dann doch nicht lohnt (ohne es wirklich zu wissen natürlich).

    Das letzte Spiel bei dem ich wirklich zufrieden mit dem Abspann war ist Star Ocean 3. Da wurde neben dem Render-Epilog auch ein “was wurde aus” zu jedem Spieler-Charakter gezeigt. Ganz unaufwändig, ohne viel Tamtam, aber nach über 100 Stunden Spielzeit war ich irgendwie froh zu wissen wie es denen so ergangen ist. Aber das Spiel ist ja auch aus dem Hause Squenix, und deren Abspänne sind immer hervorragend.

    Ansonsten aber ist es mir schnurzegal ob ich einen Abspann zu sehen bekomme oder nicht, wenn sie nur als aufgesetzter Schlusspunkt dienen können sie mir gestohlen bleiben.

  5. Wie wahr, wie wahr. Aber ist es nicht sogar so, dass die Geschichte immer mehr in der Hintergrund rückt? Abgesehen von einigen Adventures sind die Geschichten die uns mittlerweile erzählt werden doch alle fast gleich. Wenn sie nicht vom 2. Weltkrieg, von wilden Orks oder von coolen Rennfahrern mit schnellen Autos handeln, ist das Spiel doch schon fast ein vorprogrammierter Flop..

    Ok ok, es gibt Ausnahmen. Aber was wirklich kreatives mit Purpur-Tentakeln oder Piranha Pudeln gab’s schon lange nicht mehr..

  6. Hendrik: World of Warcraft hat in der Hinsicht natürlich auch ein Problem. Allerdings habe ich für mich selber Level 60 und alle Instanzen durch als “durchgespielt” festgelegt.

    SpielerVier, Stefan: Das sind beides reelle Probleme, aber von denen rede ich hier eher nicht. Auch Spiele ohne Geschichte spiele ich gerne durch. Aber es ist natürlich noch zufriedenstellender, wenn sie eine gute Geschichte haben, und reichlich frustrierend, wenn sie ihre Geschichte nicht vernünftig zu Ende bringen. Im übrigen machen Orks noch keine schlechte Geschichte, und Piranha-Pudel noch keine gute. Obwohl mich die ewig gleichen Kriegs- und Gangsterszenarien natürlich auch nerven.

    Es gibt übrigens noch so einen Sondertyp von Spiel, der mich in der Hinsicht auch etwas frustriert. Das sind Spiele wo der Bonusteil wesentlich umfangreicher ist, als das eigentliche Spiel. Ein gutes Beispiel dafür ist Kirby Canvas Curse. Das eigentliche Spiel hatte ich nach drei Stunden durch. Der eigentliche Kern des Spiel ist der Rainbow Run Modus, wo man Medaillen dafür sammelt so schnell wie möglich oder mit so wenig Farbe wie möglich durch einen Level zu kommen. Der Modus macht richtig Spaß und soweit ist alles gut. Er ist aber auch mächtig umfangreich, denn man kann insgesamt 250 Medallien sammeln.

    Und hier wird es frustrierend: Ich weiß genau, dass ich niemals alle 250 Medallien sammeln werde. Es wird immer ein oder zwei Level geben, die so heftig schwer sind, dass ich sie einfach nicht schaffen werden. Und somit weiß ich jetzt schon, dass ich Canvas Curse nie 100% durchspielen werde, obwohl ich im Moment noch ordentlich Spaß dabei habe.

  7. Oftmals werden Spiele wie Sim City oder auch WoW deshalb langweilig, weil es ja auf Dauer keine Abwechslung gibt. Irgendwann hat man die Schnauze voll die X. Stadt zu bauen oder zum X. Mal diese eine bestimmte Instanz zu besuchen. Durch das fehlende “ich habs durch” Gefühl gerät das Spiel in eine quasi Endlosschleife. Diese Regel gilt aber wiederum nicht für Beat’em up oder Sport Games. Die sind meistens ein Dauerbrenner. Liegt wohl auch daran, dass man solche Games eher zu zweit zockt.

    Ich habe einmal kurz vor dem Schluß aufgeben müssen. Es war glaub ich Final Fantasy 10. Meine Charaktere waren einfach zu schwach den letzten Endboss zu besiegen. Ich hatte auf der anderen Seite aber überhaupt keine Lust, sinnlos Monster zu metzeln nur um die HP zu steigern. Also hab ich es nach dem 10. Versuch auf mehrere Tage verteilt dann gelassen. Als ärgerlich habe ich es aber trotzdem empfunden…

  8. Bei Soul Calibur ist das zum Beispiel kein Problem. Wir haben Teil 1 solange gespielt, bis Teil 2 raus kam. Und Teil 2 spielen wir immer noch. Teil 3 kommt ja bald. Insofern sind diese Spiele quasi “durchgespielt” wenn der nächste Teil kommt. Das ist eigentlich okay.

    Ganz am Schluss aufgegeben habe ich glaube ich nur in Lands of Lore 2. Der Endgegner war für mich absolut nicht zu besiegen. Das Schlimme war: Er konnte mich auch nicht besiegen. Ich hatte mit dem wirklich einen mehrstündigen Kampf. Egal wieviele FAQs ich gelesen habe, es war ein absolutes Patt.

  9. Also ich hab mir bei BF2 vorgenommen bis 10.000 Punkten zu spielen und Corporal zu werden. Als ich das erreicht habe, bin ich stolz rumstolziert und hab es befriedigt weggelegt. Zwar kein Abspann aber ein Ziel erreicht. Das Rankingsystem ist doch für was gut!

  10. Also ich schaue auch manchmal in mein Spiele-regal und untersuche die Games genau und frage mich bei allen, ob ich sie auch schon durchgespielt hab, da ich mir blöd vorkomm wenn ich 40 Euro für es bezahlt hab, es aber nur dasteht!
    Und da seh ich welche, die man nicht durchspielen kann: Smackdown (vs. Raw), Mortal Kombat, Tony Hawk´s, usw.
    Diese Spiele werden einfach langweilig, es gibt nämlich keinen Schluss und werden von Tag zu Tag langweiliger und wenn ich mal zocken will und mir die Schlimmen ohne Ende anschau, dann denk ich mir:”Die ham kein Ende, die sind lahm”. Und dann zock ich lieber nochmal Zelda durch als diese langweilige Unedlichkeitstortour nochmal durchzustehn!!!