

Irgendwo im Münsterland

Liebe Kinder, der Spaß ist vorbei: der Publisher mit dem schlimmsten Namen in der Geschichte schlimmer Publisher-Namen geht gegen Tauschbörsenuser vor, die den aktuellen Strategie-Megahit (Übertreibung) Earth 2160 illegal weiterverbreiten. Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit einer Karlsruher Rechtsanwaltskanzlei die Firma Logistep angeheurt, um beliebte Filesharing-Netzwerke auf Kopien des Spiels zu überwachen und die IP-Adressen der das Spiel anbietenden User zu sammeln, um dann abschließend automatisiert Mails an deren Internet-Provider mit Aufforderung zur Herausgabe der Kundendaten zu versenden. Auf diesem Weg konnten bisher mehr als 18.000 Strafanzeigen gestellt werden, deren Adressaten sich im Sinne der vereinfachten Verfahrenserledigung durch Zahlung eines Betrags zwischen 150 und 500 Euro von einer möglichen Klage “freikaufen” können. Ouch.
Nachdem sich US-User schon seit einer Weile vor den Haudrauf-Aktionen von MPAA und RIAA in Acht nehmen müssen, geht somit der Spaß also auch bei uns in Deutschland los. Noch ein Grund mehr, die Tauschbörsen einfach mal Tauschbörsen sein zu lassen und die Spiele, die es wert sind — so richtig richtig wert sind –, einfach zu kaufen. Ob Earth 2160 dazu gehört, darüber schreiben wir ein anderes Mal.
Wo wir gerade bei der Farbe beige sind. Sämtliche Handhelds der neueren Generation sind aus der Sicht eines Rollenspielers fahlgrau im Gesicht, denn sie sind schwerkrank. Diagnose: Morbus Port.
Zu Zeiten des alten Gameboy war die Welt noch in Ordnung. Das kleine Ding war so leistungsschwach, dass an eine 1:1 Umsetzung von Konsolentiteln nicht zu denken war. Also setzten sich die Entwickler auf ihren Hosenboden und entwickelten neue Spiele, etwas anderes war halt nicht drin. Heraus kamen erstklassige Titel wie Final Fantasy Legend 1-3 oder Mystic Quest, die von ihrem spielerischen Gehalt auf Augenhöhe mit den grossen Brüdern auf den Heimkonsolen waren.
Das lange Leiden begann dann mit der Enthüllung des GB Advance, der von Anfang an als portables SNES bejubelt wurde. Und da sich Publisher über jeden schnellen Euro freuen, wurden sogleich haufenweise Spiele von der Konsole auf das neue Handheld portiert. Nach fünf Jahren GBA ist der Blick zurück aus RPG-Sicht äusserst ernüchternd. Von den zwölf bisher erschienenen klassischen Rollenspielen sind gerade einmal drei exklusiv für den Advance entwickelt worden, der Rest hatte sein Debut bereits auf einem anderen System. Letztens erst hat Squenix die Umsetzung von Final Fantasy IV angekündigt, das inzwischen auch schon 14 Jahre auf dem Buckel hat und bereits auf PS1 und Wonderswan Color portiert wurde. Wenn es wenigstens die Kronjuwelen FF VI und Chrono Trigger wären! Aber nein, erst muss der alte Schrott gewinnbringend vermarktet werde.
Der PSP als tragbare Playstation (2) ist auch nicht viel besser. Nachdem die Uralt-Schmonzette Breath of Fire III bereits erschienen ist, stehen mit Suikoden 1&2, Devil Summoner, Princess Crown und Generation of Chaos bereits die nächsten Genreveteranen in den Startblöcken. Einzig Kingdom of Paradise von Climax steht als Neuentwicklung auf den Releaselisten, obwohl das Studio für seine durchwachsenen Spiele bekannt ist. Der DS stimmt mich auch nicht wesentlich glücklicher. Bisher ist erst ein einziges Rollenspiel für einen Release ausserhalb Japans vorgesehen (Lunar: Dragon Song übrigens), aber immerhin handelt es sich um einen Exklusivtitel. Allerdings ist die Lunar-Reihe für ihr ständiges Wiederkäuen alter Stories berüchtigt, so dass auf jeden Fall eine gesunde Portion Skepsis angebracht ist.
Tragbare Konsolen sind also nichts weiter als der Elefantenfriedhof alter Rollenspielserien. Was für mich bedeutet, dass in den nächsten Jahren erstmal kein neuer Handheld angeschafft wird. Schade drum.

Mit der Farbe Beige ist das so eine Sache. Beige ist eine neutrale Farbe. Es gilt als entspannend, beruhigend und konservativ. Alte Menschen lieben Beige. In vielen Kulturen steht Beige für Keuschheit. Dinge die zu lange rum liegen werden beige. Beige ist eine gute Farbe für einen Volvo. In anderen Worten:
Beige wählt CDU.
Insofern ist es interessant, dass Electronic Arts sich dieses Jahre entschlossen hat seine beiden Rennspiel-Franchises beige zu gestalten. Jawohl, Burnout: Revenge und Need for Speed: Most Wanted sind exakt die gleichen Spiele wie letztes Mal. Nur eben in beige.
Und ich weiß auch warum. Es sind nämlich die gleichen Spiele. Und damit meine nicht, dass sie das gleiche Spiel noch mal programmiert haben, wie sie es bisher gemacht haben. Nein, diesmal hat EA die Software einfach den Sommer über in der Sonne liegen lassen und dann in neuer Verpackung erneut auf den Markt geworfen.
Schlussfolgerung: Wenn ihr euch eines dieser Spiele holt, dann steht ihr kurz davor einen VW Bora zu kaufen, einen Hut hinten rein zu legen und dann beim Tatort gucken ganz langsam beige zu werden.
Und sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Gestern nacht habe ich mir fast die Augen dabei ruiniert, die farblich herausfordernde Demo von Serious Sam 2 im Solomodus zu spielen – das hat auch durchaus Spass gemacht, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Nein. Es gibt Wichtigeres zu besprechen, Freunde, Leser, Leidensgenossen.
Ihr ahnt ja vermutlich schon, worum es geht, dem anschaulichen Diagramm weiter oben sei Dank. Ja – richtig – das meiner Ansicht nach eindeutig unangenehmste, deplatzierteste (ist das ein Wort?) Feature für ein 3D-Ego-Perspektiven-Spiel ist zurück aus dem Grab, in dem es leider nur eine kurze Weile unruhig auf eine unheilige Rückkehr gewartet hat: Jump-and-Run Elemente sind es, und inbesondere die gefürchteten Plattformen, die uns erfahrenen Spielern schon seit Jumpman schon viele schlaflose Nächte bereitet haben. Nur machen solcherlei Erfindungen in einem aus der dritten Person betriebenen, zweidimensionalen Hüpfspiel durchaus Sinn. Weil man ziemlich genau sehen kann, wo sich die Spielfigur befindet, und es auf eine Kombination von pixelgenau sicherem Schätzen von Entfernungen, Timing und vermutlich auch ein wenig Geschick ankam, seine Spielfigur (a) von Plattform A sicher auf einen sicheren Standpunkt (b) auf der Plattform B bringen, um dabei Böslingen zu entkommen, die der Einfachheit halber hier nicht eingetragen wurden. Dabei sollte die um eine Winzigkeit später beginnende Idealflugbahn II gewählt werden, und nicht etwas die Kurve I, die zu einem Fehlschlag und mit recht großer Wahrscheinlichkeit zu einem frühen Ableben führt.
In einem 3D-Egoshooter sieht man aber die eigene Spielfigur nicht. Folglich ist es auch nicht möglich, ohne leidliches Ausprobieren den richtigen Absprung zu finden; und das beleidigt sogar meine Minimalausstattung an Intelligenz. Dazu kommt die notorische Todessehnsucht der Spieldesigns, die wie bei Sam2 jeden Fehlsprung mit dem unausweichlichen Ableben der Spielfigur ahndet. Falls sich jemand findet, der Egoshooterplattformer richtig spassig findet – er möge sich melden, und ich werde einen Kuraufenthalt spendieren, den diese vereinsamte, verletzte Seele mit Sicherheit nötig hat.

Wenn ihr bei jemandem zum Essen eingeladen seid, beschwert ihr euch dann darüber dass die Suppe versalzen und der Reis matschig ist? Natürlich nicht. Das wäre doch unhöflich. Und wenn ihr euch von jemandem etwas ausleiht, gebt ihr es dann mit den Worten “Mann, das war mal echt scheiße.” zurück? Nein, natürlich nicht. Das wäre doch unhöflich.
Dummerweise habe ich genau das letztens gemacht. Manuel hatte mir freundlicherweise Killer 7 geliehen und ich hatte nichts Besseres zu tun, als das Spiel in aller Öffentlichkeit zu verreißen und ihm dann auch noch den Link dazu hämisch unter die Nase zu reiben.
Da ich von Manuel auch in Zukunft noch Spiele ausgeliehen bekommen und zum Essen eingeladen werden möchte, veröffentliche ich deswegen seine Meinung zu dem Spiel. Oder ich veröffentliche sie, weil ich faul bin und mich freue, dass ich selber nichts schreiben muss. Ihr könnt euch einen Grund aussuchen. Wie auch immer, Vorhang auf für Manuel:
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Wir Antigamesler wollen ja nicht nur über aktuelle Spiele motzen berichten, sondern auch einen konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung unserer geliebten Spieleindustrie leisten. Die erschreckende Banalität des offiziellen Oktoberfest-Spiels — wir berichteten — war uns Motivation genug für einen wagemutigen Feldversuch: wie ist das echte Oktoberfest eigentlich wirklich? Wie müsste ein Spiel aussehen, das dem bunten Treiben tatsächlich gerecht wird? Das überraschende Ergebnis: die Wiesn liefert eigentlich genug Stoff für ein echtes Hammergame. Mit Action, Spannung und einer dicken Prise Emotionen. Hier ein paar Ideen:
- Tony Hawk’s Wiesn Dancer: im Rhythmus zu vermeintlich schwungvollen Wiesnhits balanciert man inzwischen lauter anderen Besoffenen auf Bierbänken. Das funktioniert genau so wie das Grinden aus der Pro Skater-Serie, nur ohne dass man sich tatsächlich in irgendeine Richtung voran bewegt. Je höher der Alkoholpegel, desto schwieriger ist es, die Balance zu halten; jedoch darf dieser auf keinen Fall zu weit absinken, weil man sich sonst für die Tatsache zu Tode schämt, dass besagte Wiesnhits nur ca. fünf an der Zahl und alle schrecklich sind.
- Burnout: Oktobercrash: in der Burnout-Serie sammelt man Boost, wenn man im Gegenverkehr fährt. Aber das ist gar nichts im Vergleich zu dem Nervenkitzel, auf dem Weg zum Klo oder zurück zwischen erschreckend stämmigen und mit einem dutzend Wiesnbiermaß oder Schweinshaxn beladenen Bedienungen hindurch zu navigieren. Ohne dabei eine der zahlreich vorhandenen und stets grimmig dreinschauenden Sicherheitskräfte anzurempeln.
- Toiletten-Tetris: muss der Wiesnbesucher nach ein paar Maß sich mal — auf die eine oder andere Art — entleeren, geht er (hoffentlich) aufs Klo. Das Faszinierende am Herrenklo (des Hacker-Pschorr-Zelts, fürs Protokoll) ist, dass es zwar einen unheimlich breiten Eingang und sogar innen drin sehr viel Platz hat, aber nur einen klitzekleinen, engen Ausgang, in dem für den wütenden Mob gerade mal drei Waschbecken angebracht sind. So muss man doch nach verrichtetem Geschäft gerne mal fünf bis zehn Minuten warten, bis man überhaupt raus kommt, denn die meisten Leute wollen die Tischnachbarin später ja mit sauberen Pfoten begrabschen. Jedenfalls habe ich mich da wie der lange Vierer-Block gefühlt, für den gerade mal wieder die maßgeschneiderte Lücke fehlte. Moment, das klingt irgendwie sehr falsch.
- Oktoberfest Tycoon: ähnlich Rollercoaster Tycoon oder Theme Park, aber mit ein paar Extras. Jeden Tag um 23 Uhr verlassen alle Besucher auf einmal das Gelände und müssen irgendwie möglichst sicher zu U-Bahnen, Taxis und Rikschas gelotst werden. Was gar nicht mal so einfach ist, weil viele der Besucher nur noch randalieren wollen oder zu betrunken sind, um sich daran zu erinnern, mit welcher U-Bahn sie überhaupt nachhause kommen. Außerdem werden statt Entertainern ausschließlich Sicherheitskräfte sowie komische Typen im Anzug eingestellt, die verschiedenen Fahrgeschäften die begehrte “Wiesn-Hits für Kids”-Plakette verleihen, obwohl die Betreiber wie drogensüchtige Zuhälter aussehen.
- The Sims 2: Laid’n'Loaded: in diesem Addon zu Sims 2 könnt ihr eure Sims aufs Oktoberfest schicken. Das Besondere daran: die Sims-Wiesn ist eine Online-Komponente, über die eure Sims in Kontakt mit denen aller anderen Spieler auf der ganzen Welt treten können. Sie können sich betrinken, flirten, Autoscooter fahren, auf den Tischen tanzen und vieles mehr. Die Zeit, die die Sims brauchen, um sich in einander zu verlieben, ist im Vergleich zum Hauptspiel wesentlich verkürzt. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, eure Sims nach dem Feiern zu anderen Sims nachhause zu schicken, wodurch sie allerdings für ein paar Tage aus eurem Spiel verschwinden. Manchmal kehren sie auch niemals wieder — Vorsicht ist also geboten. Highlight des Addons: eine von DJ Ötzi produzierte Neuauflage seines nicht totzukriegenden Wiesn-Hits “Hey Baby” — in Simlish.
Seht ihr? Man könnte so viele feine Spiele aus dem Stoff machen. Aber nein, wir müssen uns mit banalem Minigame-Dreck abgeben. Schämen soll sie sich, die unkreative, desinteressierte Spieleindustrie!

Schlossgarten, Münster

Mark Healy, Grafiker bei Lionhead, war langweilig. Also brachte er sich schnell Programmieren bei und baute ein Spiel. Das heißt Ragdoll Kung Fu, und es geht um… Kung-Fu-Puppen. Die sich gegenseitig verprügeln. Online und offline. Gesteuert mit der Maus, denn man steuert seine Figur ausschließlich über die sog. Ragdoll Physics, die sonst in Spielen wie Unreal Tournament und Rogue Cell: Full Spectrum Force dafür sorgen, dass vom Pixelleben in den Pixeltod übergegangene Spielcharaktere möglichst unrealistisch über den Boden hüpfen. Grafik: erfrischend anders und trotzdem hübsch. Das Drumherum: der Entwickler hat mit ein paar Freunden abgedrehte Videosequenzen gedreht und eigene Songs für das Spiel komponiert. Ha! Aber macht’s Spaß? Keine Ahnung. Aus den Beta-Foren ertönt ein freudiges Lustgestöhne. Wenn es keinen Spaß macht, muss ich weinen.
Ab dem 12. Oktober kann man es online über Steam kaufen. Für gerade mal $12.95. Ach ja, weitere Neuigkeiten aus dem Hause Lionhead: Black & White 2 hat den Gold-Status erreicht. Aber wen interessiert das schon?

