Nervensäge DS

Stefan hat sich gerade (berechtigerweise) darüber aufgeregt, dass sich Nintendo an seinen 80er Jahre Ikonen festklammert, wie ein Ertrinkender an einem Streichholz. Der folgende Text war eigentlich als Kommentar dazu gedacht, wurde dann aber so lang, dass ich ihn jetzt einfach als eigenen Beitrag reinstelle.

Ich habe nämlich ein ganz ähnliches, aber nicht identisches Problem mit den ganzen Nintendo-Ikonen. Was mich an ihnen nervt, ist dass sich ihre allgegenwärtige Verwendung auch immer negativ auf die Spiele selber auswirkt. Schauen wir uns doch mal Kirby Canvas Curse an. (Kommt hierzulande übrigens unter dem Titel “Kirby: Power-Malpinsel” raus. Kein Scherz.)

Das Spiel hat ja nun ein völlig frisches Spielkonzept. Es ist quasi ein Plattformer, bei dem der Spieler sich selber die Plattformen baut. Es ist auch wirklich gut gelungen, und so ist es mir eigentlich egal, ob ich da jetzt einen rosa Ball namens Kirby steuere, oder einen blauen Ball namens Knut.

Aber – und jetzt fangen die Probleme an – Kirby kommt ja nicht allein. Die Nintendo Figuren sind ja wie wichtige Hollywood Stars und reisen immer mit einer Posse durch die Gegend. Wenn ich also ein Kirby Spiel habe, müssen auch die Gegner so aussehen wie in allen anderen Kirby spielen. Und wie in Hollywood herrscht bei Nintendo Nepotismus. Wenn Mario auftaucht, dann bekommt sein Bruder immer eine Nebenrolle und seine Freundin darf die weibliche Hauptrolle spielen. Das steht in seinem Vertrag, und wer das nicht mag, der braucht gar nicht erst seinen Agenten anrufen.

Aber damit kann ich auch noch leben. Luigi ist ja nicht wie Frank Stallone, der hin und wieder in den Filmen seines Bruders an der Straßenecke steht und ein Lied singt. (Auch kein Scherz.) Luigi ist ja harmlos. Der will bloss spielen.

Was mich wirklich aufregt ist, dass auch gewisse Traditionen bezüglich der Spielinhalte völlig unkritisch fortgeführt werden. Und zwar absolut unabhängig davon, ob sie jetzt sinnvoll für das Spiel sind oder nicht. Ich könnte mich da zum Beispiel stundenlang über das eigentlich wunderbare Wind Waker aufregen. Aber ich habe ja mit Kirby angefangen, also sollte ich auch mit Kirby aufhören.

Kirby hat nämlich irgendwann mal die Fähigkeit bekommen, die Eigenschaften seiner Gegner kopieren zu können. Und jetzt hat diese Fähigkeit in jedem Kirby-Spiel aufzutauchen, komme was wolle. Und da ja die Gegner zu seiner Posse gehören und ihre Eigenschaften festgelegt sind, müssen diese Eigenschaften auch immer gleich sein. Völlig egal, ob das jetzt zum Spiel passt, Sinn macht oder sonst was. Hauptsache die Tradition ist gewahrt.

Und so merkt man Canvas Curse auch ziemlich an, dass die Kopierfähigkeit recht lieblos an das Spiel rangeklatscht wurde. Es gibt im Rainbow Run Modus ein paar Level, die speziell auf diese Gegnereigenschaften ausgelegt sind, und an manche Medaillen kommt man nur ran, wenn man sich in ein Rad oder einen Feuerball verwandelt. Aber im eigentlichen Spiel wird das Feature so gut wie gar nicht verwendet und verwässert eigentlich nur das sehr elegante und innovative Spielkonzept.

Also Nintendo, Traditionen sind eine schöne Sache, aber manchmal sollte man mit ihnen brechen.

Danke.

12 Kommentare Autor: Richard
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12 Kommentare

  1. *note to self: ‘Nepotismus’ in aktiven Wortschatz aufnehmen*

    Ahem ja, hoffentlich bin ich nicht der Einzige, der “Touch Kirby’s Magic Paintbrush” und “Touch Dic” für etwas gewagte Titel hält. Und das auch noch für den DS. Oh the humanity!

  2. Tja, Nintendo verhält sich halt suboptimal :D

  3. Das Problem sind die Japaner, die kaufen alles wo Kirby und Mario draufsteht. Gäbs den östlichen Markt nicht, Nintendo hätt schon längst mit den Traditionen brechen müssen.

  4. Das ist so nicht ganz richtig, mit den Verkaufszahlen der klassischen Mario Jump-and-Runs geht es seit Jahren rapide bergab, von Sunshine wurden weltweit gerade mal 150.000 abgesetzt, gegenüber etwa 6 Millionen (!) Super Mario 1. Gerade die Japaner kaufen kaum noch Nintendos Kernprodukte, das sind eher die Amerikaner. Dafür sind wirklich originelle Sachen wie eben Nintendogs oder “Touhoku Daigaku Mirai Kagakugijutsu Kyoudoukenkyuu Center: Kahashima Ryuuta Kyouju no Nou o Kitaeru Otona DS Training” heissbegehrt.

    Bleibt zu hoffen, dass der Erfolg des DS Nintendo jetzt mal so richtig wachrüttelt.

  5. Okay, vergiss was ich eben geschrieben habe. Ich habe gerade nochmal ein paar aktuellere Zahlen gefunden, und offenbar verkaufen sich die Handheld-Versionen von Mario&Co in Japan noch wie geschnitten Brot.

    Unglaublich aber wahr.

  6. Moment, Mario Sunshine hat sich weltweit nur 150.000 mal verkauft? Okay, es war eher schwach, aber das wäre schon schockierend wenig.

    Und die Handheld Versionen sind ja Retrogaming. Das ist eine ganz andere Zielgruppe. Eine Zielgruppe der sich Nintendo sehr wohl bewußt ist, und die auch sehr geschickt bedient wird.

  7. Warum “Retrogaming”? Ich glaub eher die Handheldversionen von Super Mario Bros. 3 oder Yoshi’s Island holen sich eher die Kleineren, die damals noch nicht gezockt haben… aber ich kann mich ja auch komplett irren. Vielleicht ists ja 50:50.

    Schön langsam wirds hier zu einer staubtrockenen Analyse des Videospielmarktes.

  8. Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Spiele hauptsächlich von Leuten gespielt werden, die sie damals schon hatten und jetzt ein bißchen Nostalgie wollen. Das sind auch Leute, die sich neue Spiele eher nicht kaufen.

    Nintendo hat diese Leute ganz speziell als Zielgruppe ins Auge gefasst. Für die ist auch der GBA Mini gedacht und das Download Feature des Revolution.

    Da Nintendo das explizit selber so sagt, gehe ich mal davon aus dass es stimmt.

  9. Also mir ist egal ob die Spiele immer die Gleichen Gegner verwenden, solange ^sie Gut sind. Es gibt ja auch hunderte WWII-Spiele, aber neue verkaufen sich immer noch.

  10. was sind denn das hier für zahlen? Sunshine hat sich allein in den USA 2 millionen mal verkauft.

  11. Ah, pardon. Das habe ich nun davon, Zahlen aus dem Gedächtnis zu zitieren. Hier mal ein paar solidere Zahlen für Japan (siehe Maniac 03/03): SMB1 – 6,81 Mio; SMS – 650.000

    Ist schon eindrucksvoller, ändert aber nichts am grundsätzlichen Problem, das Nintendo hat.

  12. Gut, dann bin ich beruhigt. Ich habe das auch nicht so recht glauben können.

    Kurze Recherche von mir hat auch ergeben, dass es sich in Japan mindestens 600.000 mal verkauft hat und am ersten Wochenende in Europa 175.000 mal. Ob Nintendo mit diesen Zahlen glücklich war, ist natürlich mal eine andere Frage.