Prädikat: Besonders Grausam

Wer herausfinden möchte, warum die Spielebranche hoffnungslos kaputt ist, sollte man einen Blick in die aktuelle Gamestar werfen. Oder es besser lassen, denn die wesentlichen Statistiken habe ich hier sowieso schon zusammengefasst:

Verwendung des Wortes Ballern und seiner Derivate: 34 Mal.
Verwendung des Wortes Schießen und seiner Derivate: 37 Mal.
Verwendung des Wortes Shooter:

126 Mal.

Das ist übrigens fast einmal pro Seite.

Ist es da nicht etwas scheinheilig, sich darüber aufzuregen dass Frontal über brutale Computerspiele berichtet? Nicht das ich hier die polemischen und gnadenlos Einschaltquoten-orientierten Berichterstattung von Frontal verteidigen möchte. Das fiele mir im Traum nicht ein. Aber man sollte da meiner Meinung nach auch nicht am Montag mit 50.000 Protest-Unterschriften in der Hand an die Tür klopfen und am Dienstag in seiner Zeitschrift fröhlich allen davon erzählen, dass man in „Call of Duty 2“ im Alleingang Hundertschaften von Gegnern niedermachen könne (Seite 33) und dem Spiel dann noch attestieren, es habe “sehr gutes Potential”.

Noch eine Statistik gefällig? In der aktuellen Gamestar gibt es 32 Tests. Wenn man mal von Sportspielen absieht, wie groß ist wohl die Anzahl der Spiele darunter in denen es nicht darum geht Gegner zu “zerlegen”, zu “plätten” und zu “töten”?

3.

Für alle die es genau wissen wollen, es handelt sich bei diesen Spielen um „Emergency Room“, „Deep Sea Tycoon“ und „Elektromeister Lampe“. Durchschnittswertung dieser Spiele?

35%.

Update: Okay, ich habe habe Myst 5 und Bone übersehen. Sorry dafür. Damit sind es fünf Spiele und die Durchschnittswertung ist 50%. An meiner Aussage ändert das wenig. Ich habe nochmal nachgezählt: In 16 der 33 getesten Spiele tötet man Menschen. Und auch die harmloseren Spiele werden in der Gamestar entsprechend martialisch beschrieben. Bei Creature Conflict werden als Vorteile das “große Arsenal” und die “ausgewogenen Waffen” (“30 Stück”!) hervorgehoben. Und in Black & White 2 kann man mit dem Meteoriteneinschlag “eine komplette Armee vernichten”. Übrigens: Wer seine “Kreatur auf Kampf optimiert”, kann jeden Level in 40 Minuten lösen!

37 Kommentare Autor: Richard
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37 Kommentare

  1. Obwohl ich dir im Prinzip zustimme, muss man das Ganze wie ich finde etwas differenzierter betrachten.

    Die Gamestar ist eine PC-Zeitschrift, und die drei grossen verbliebenen Genres auf dieser Plattform sind First-Person Shooter, Strategiespiele und Online-Rollenspiele. Ständige Gewaltausübung ist nunmal deren kleinster gemeinsamer Nenner. Betrachtet man jedoch den Spielemarkt insgesamt, so ist meinem subjektiven Gefühl nach die Anzahl gewalttätiger Spiele geringer als noch vor zwanzig Jahren. Dafür sorgt allein schon der mehr oder weniger strenge Blick der Konsolenhersteller und Publisher, die in diesem Millionengeschäft um ihren guten Ruf fürchten.

    Gerade für die lieben Kleinen gibt es heute jede Menge gewaltarme, qualitativ gute Spiele. Zusammen mit Massenprintmedien wie Computerbild Spiele haben Eltern inzwischen zumindest die Möglichkeit, ihren Blagen mit Spielen etwas Gutes zu tun. Ob sie die Möglichkeit dann auch nutzen, sei mal dahingestellt (und von mir enorm bezweifelt).

    Aber! Die brutalen Spiele, die moderne Grafikchips heutzutage auf den Bildschirm zaubern sind im wahrsten Sinne des Wortes derart bildgewaltig, dass einem Angst und Bange werden kann. Unsere Generation, die die Computergrafik hat aufwachsen sehen, wird damit wohl keine Probleme haben. Erstkonsumenten werden dagegen direkt mit Fotorealismus (nb: klar, wir sehen Clippingfehler, Kantenflimmern und verwaschene Texturen, aber wir sind ja auch cool) konfrontiert, so dass mich die teilweise heftigen Reaktionen der Boulevardpresse kaum verwundern. Im Endeffekt ist das wohl wie immer ein Fall für die Sozialforscher.

  2. Natürlich führen solche “Statistiken” immer zu provokativen Ergebnissen. Ich finde jedoch, dass es unmöglich ist, die genannten Wörter zu vermeiden. Es bestreitet ja keiner, dass in so einigen Spielen geballert, geplättet und/oder zerlegt wird. Aber ich würde dann doch einen Unterscheid ausmachen wollen, WAS genau geplättet, zerlegt oder erschossen wird. Ich habe diese GS-Ausgabe noch nicht gelesen, aber das würde mich schon interessieren…

  3. Wer genau geplättet, zerlegt und erschossen wird? Na, bei dem mehrseitigen ausführlichen Titelbericht zu Call of Duty 2 ist die Antwort einfach:

    Dein Großvater.

    Allgemein lautet die Antwort natürlich: Menschen. Zumindest bei 15 der 32 Spiele (grob überschlagen). Hey, das ist weniger als die Hälfte! Alles wird gut! Und überhaupt: DIE SIMS!!!1

    Und natürlich lassen sich Worte wie “ballern” und “töten” nicht vermeiden, wenn es in fast jedem Videospiel eben darum geht auf jeden zu schießen, der neben einer Kiste steht.

  4. Man kann auch anders über solche Inhalte schreiben. Wenn die Konsumenten die Gewalt in verharmlosenden (yup, seien wir mal ehrlich – das sind sie) Spielen sagen wir mal, distanziert sehen – dann ist es für die Schreiber der Spielepresse naheliegend, das genauso zu machen.

    Das bedeutet aber immer noch, daß es faul ist, und unjournalistisch. Das Äquivalent zum abtippen von Pressemeldungen.

    Wollen wir wirklichen Journalismus in der Spielepresse?
    Gute Frage. Das wäre auch der Moment, in dem die Autoren zu einem guten Teil aufhören müssen, Fans zu sein.

  5. Ich will hier gar nicht “NEW GAMING JOURNALISM!!!” oder so einen Unsinn propagieren, aber ich finde es einfach erschreckend wie wenig reflektiert in diesen Blätter geschrieben wird.

    Wie kann man “Dabei töten Sie Gegner mit besonders grausamen Finish-Moves.” schreiben, ohne dabei innerlich ein bißchen zusammen zu zucken? Platz für Kritik war in dem Artikel ja noch, nur wurde der für die pixelige Grafik verwendet. Vielleicht kann man die grausamen Finish-Moves nicht deutlich genug sehen? Das wäre natürlich eine Schande.

    Und wenn man acht(!) Seiten lang über Call of Duty schreibt, wäre dann nicht vielleicht ein kleiner Seitenkasten möglich, in dem man mal die Thematik ein bißchen kritisch hinterfragt? Anscheinend nicht. Da wird lieber gezählt wieviele Falten man in der Uniformhose der Soldaten sehen kann. Man muss halt Prioritäten setzen.

    Ich zitiere den Artikel zu Serious Sam 2: “Nicht denken, ballern!” Ist wohl Redaktionsmotto.

  6. einerseits bringt uns der massenmarkt heutzutage auch eine breitere auswahl und dinge die früher unmöglich gewesen wären. andererseits wird gerade für eine größere konsumenten gruppe das niveau immer weiter gesenkt um auch den letzten penner noch für ein computerspiel zu interessieren.
    solange man mit sex&crime mehr geld machen kann als mit anspruchsvolleren themen wird sich da auch nichts ändern. gleiches sieht man ja auch bei der filmindustrie (stichwort “action-komödie”).

    aber ich kann mir durchaus vorstellen das dieses system irgendwann kippt. die musikindustrie ist wohl kurz vor diesem punkt an dem sich entscheidet wie es weiter gehen wird. einerseits die großen unternehmen die mit viel geld die verhältnisse einzementieren wollen und andererseits indi labels die neue wege gehen.
    bei spielen wird sich wohl erst etwas ändern wenn wir endlich die perfektion in form des fotorealismusses erreicht haben. wenn dann jeder shooter gleich echt aussieht treten andere qualitäten in den vordergrund.

    klasse beitrag, weiter machen!

  7. Stimmt nicht ganz – grade die PC Plattform hat sich anfangs aufgrund technischer Limitationen für so ziemlich jedes andere Genre als Action angeboten, so daß die Angebote entsprechend angelegt waren.

  8. Ich denke dass es gerade darum geht, dass am Montag mit Unterschriften bei Frontal auftaucht und sagt, “wir finden eure Berichtestattung unfair und ueberzogen” und am Dienstag eben die Gamestar rausbringt wo “ballern”, “toeten” und eben die besonders grausamen Finish-Moves angepriesen werden.

    Letztendlich ist es ein Zweischneidiges Schwert… wir ganzen coolen Computerhasen die die Klipping Fehler sehen und sowieso schon aus Reflex auf alles Schiessen, was neben der Holzkiste rumlungert, finden das normal oder sehen darin keine Problematik. Aber eben die 12-Jaehrigen, die das erstemal bei einem Kumpel Doom3 spielen, sind von soetwas voellig ueberwaeltigt und haben sicherlich Probleme das einzuordnen. Vorallem, wenn in serioesen Zeitungen dann solche Features noch gelobt werden.

    Solange man nicht vergisst, dass eine Pistole dafuer da ist, jemanden zu toeten und nicht ein Spiel zu gewinnen, sehe ich in so einer Berichterstattung kein Problem. Aber wenn man mit 10 Jahren Counterstrike angefangen hat zu spielen, sind Pistolen vielleicht dafuer da, um ein Spiel zu gewinnen Aber eigentlich sind sie dafuer da, eine Eisenkugel mit hoher Geschwindigkeit in den weichen Koerper eines Menschen eindringen zu lassen, um moeglichst viel Geweben, Muskeln, Knochen, Adern und Organe zu zerfetzten, damit derjenige eben stirbt (und nicht 4 Minuten auf die Naechste Runde warten muss), diesen Gedanken alleine finde ich schon pervers.

  9. traue keiner statistik, die du nicht selber gefälscht hast. auf derlei ergebnisse, lieber richard, kommt man natürlich nur, wenn man strategisch ein paar dinge auslässt:
    etwa die spiele creature conflict, myst 5, bone und eben nicht weniger als 10 sportspiele. und spiele wie black & white 2 sowie fable sind jetzt auch nicht gerade brutalitätsmonster. spiele mit explizit kriegerischem inhalt machen weniger als die hälfte der tests in der aktuellen ausgabe aus.

    was den textausschnitt angeht — die formulierung mit den grausamen moves ist eine distanzierung, kein bejubeln.

    was die inflation des wortes shooter angeht: mir kommt die zahl zu hoch vor, ich habe aber keinen bock nachzuzählen. möchte nur darauf hinweisen, dass 126 erwähnungen auf 220 seiten keineswegs “fast einmal pro seite” ist.

    gamestar hat sich im laufe seiner geschichte mehr als jedes andere magazin im umfeld mit dem thema gewalt in spielen befasst — und das durchaus kritisch und mit distanz. ich erinnere in diesem zusammenhang an unseren gewaltreport vor einigen ausgaben, der frei von jeder verharmlosung war.

  10. Hallo Gunnar. Ich habe die Gamestar hier nicht im Büro, kann also jetzt nicht ganz präzise Aussagen machen. Trotzdem:

    Grundsätzlich stimme ich dir natürlich zu, dass solche Statistiken immer recht kontextfrei sind. Trotzdem, ich war von meinen Ergebnissen selber erschrocken. Ich habe das nicht mit dem Ziel angefangen, zu beweisen wie böse und verdorben die Gamestar und/oder die Videospielindustrie ist. (Und ich habe mir auch ehrlich Mühe gegeben. Wenn es ums „Schießen“ ging, habe ich z.B. die Wörter in Artikeln über Fußballspiele nicht gezählt, etc.)

    Die Zahl mit dem Shooter stimmt schon. Sind natürlich auch Seitenüberschriften und Bezeichnungen von Genres darunter, aber wenn die Seite mit “Shooter” übertitelt ist, dann geht es ja wohl auf der gesamten Seite darum. Das ist also kaum entschärfend. Und dass ihr eine ordentliche Zahl von Shooter-Subgenres klassizifiert habt, ist ja auch bezeichnend.

    Ich habe übrigens ungefähr 150 Seiten gezählt, nicht 220. Das kann man meiner Meinung nach fairerweise als “fast einmal pro Seite” bezeichnen. Hast du vielleicht die Werbung mitgezählt? Ja, ja, traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast. Obwohl, in der Werbung werden entsprechende Worte sicher auch inflationär verwendet. Ich bin sicher, wenn man die auch zählt, ändert sich an der Statistik nichts wesentliches.

    Ich muss mich allerdings entschuldigen, Myst 5 und Bone habe ich wohl tatsächlich übersehen. Werde ich heute Abend im Text korrigieren. Sorry. Die Sportspiele habe ich allerdings explizit erwähnt. Aber keine Sorge, die Branche arbeitet hart daran, auch in dieses Genre ordentlich Gewalt rein zu bringen. Siehe “Blitz: The League”.

    Bei Fable besteht das Kerngameplay übrigens aus Kampf. Außer sie haben die PC Version entschärft und man knuddelt seine Gegner ganz herzlich, anstatt ein Schwert in sie rein zu stecken. (Sind das vielleicht die Lost Chapters, die mir in der Xbox Version entgangen sind?)

    Bei Creature Conflict kämpft man zwar mit knuffig bunten Tieren, aber man kämpft. Um nichts anderes geht es. Nur weil das Blut nicht in Strömen fließt, bedeutet das nicht dass es gewaltfrei abgeht. Schließlich ist laut euch eins der herausragenden Features des Spiels seine “20 Waffen”. (Werden nicht exakt 20 sein. Wie gesagt, ich habe das Heft nicht zur Hand.)

    Ähnlich bei Black & White. Wenn ich mich recht entsinne habt ihr das Spiel so beschrieben, dass es dabei darum gehe seine “Feinde für immer und ewig von der Landkarte zu fegen” oder so ähnlich. Ich bin sicher der Text hat noch mehr so feine Zitate zu bieten. Ich wette ihr habt auch darüber geschrieben, welche Zaubersprüche besonders viele Gegner auf einmal vernichten, oder?

    Und zum Thema Distanzierung von den “grausamen Finish-Moves”: Das liest sich aber überhaupt nicht so. Und zwar wirklich überhaupt nicht. Für mich wird da ganz neutral der Inhalt des Spieles beschrieben. Bewertet wird nur die Qualität der Grafik. Das kann niemand als ernst gemeinte Distanzierung interpretieren, selbst wenn es so gemeint war. (Was ihr dir übrigens durchaus glauben will.)

  11. *seufz*

    das b&w-zitat kommt bei uns im text nicht vor, auch die von dir angenommene beschreibung der zauber nicht.

    und bei creature conflict heißt es “ausgewogene waffen”, nicht “20 waffen”.

    und shooter-subgenres gibt es nicht mehr als strategie-subgenres.

    generell weiß ich überhaupt nicht, was dein problem ist. ich sehe durchaus ein, dass man spielen wie cod2 (und der berichterstattung darüber) kritisch gegenüber stehen kann. was allerdings das problem mit titeln wie b&w, fable, creature conflict etc. sein soll, sehe ich nicht.

  12. Okay, ich bin in den Keller gelaufen wo wir die Admins einsperren. Wie vermutet lag da eine Gamestar rum. Also:

    Bei B&W 2 stehen die Sachen genauso wie vermutet. Zitat 1: “…um die Feind ein für alle mal von der Landkarte zu wischen.” Zitat 2: “Ganz heftig ist der Meteoriteneinschlag, der eine komplette Armee vernichten kann.”

    Bei Creature Conflict steht links im Kasten “30 Waffen”. (Und unten bei der Bewertung wird als Pluspunkt das “große Arsenal” gelobt.)

    Und bei Strategiespielen geht es doch auch ums töten, plattmachen und zerlegen, oder? Wundert mich als nicht, dass es da viele Subgenres gibt.

    Aber lassen wir mal diese blöde Erbsenzählerei. Es geht mir hier um zwei Dinge.

    Ding 1: Die gesamte Branche ist absolut gewaltfixiert. Das gilt für die Entwickler, das gilt für die Spieler und das gilt auch für Zeitschriften wie die Gamestar. Ich habe an sich absolut nichts gegen Gewalt in Spielen. Letztes Wochenende habe ich z.B. viel Spaß mit dem Ko-op Modus des neuen Mortal Kombat Spiels gehabt. Aber warum muss es in nahezu jedem Spiel um Gewalt in irgendeiner Form gehen?

    Ding 2: Mir ist beim Lesen der Gamestar ein recht scheinheiliger Grundtenor unangenehm aufgestoßen. Einerseits marschierst du bei Frontal ins Büro und fragst warum sie denn bitteschön nur über Gewalt in Videospielen berichten, andererseits füllst du aber jeden Monat als braver Erfüllungsgehilfe der Videospielhersteller nahezu völlig kritiklos eine Zeitschrift mit Tests von Gewaltspielen. Gerade an das Titelthema Call of Duty 2 hätte man doch mal ein bisschen geschickter rangehen können. Zum Beispiel hätte ich gerne mal was zu der undifferenzierten Heldenverehrung gehört, die bei diesen Krachbumm-Spaßspielen immer als ach so edle künstlerische Motivation vorgeschoben wird.

    Ich würde halt gerne mal einen scharfen Angriff auf die ganze Gewalt aus der Branche selber hören. Wenn es von Frontal kommt, nimmt es keiner ernst.

    Euch würde man ernst nehmen.

    Aber wie gesagt, “Ballern, nicht denken!”.

  13. So sehr ich auch deine Ansicht respektiere und gutheisse, ich muss doch auch einmal die Spielepresse ein wenig in Schutz nehmen (keine Sorge, ihr kriegt euer Fett auch noch weg!) – ich glaube nämlich überhaupt nicht, dass man die Gewaltkritik einer Spielezeitschrift sonderlich ernst nehmen würde – insbesondere die Käuferschicht würde sich vermutlich irgendwie verarscht vorkommen, und das Druckstück in der Folge ganz erheblich an seinem Hauptkapital, nämlich der Glaubwürdigkeit und der Akzeptanz unter den Fans verlieren. Das wäre aber noch keine Entschuldigung, aber eine solche will ich auch nicht geben. Nur macht man eine Musikzeitschrift auch nicht gleich für die Taubheit und den schlechten Geschmack unserer Teenies verantwortlich.

    Ich denke nur, daß diese Problematik eine ist, die erheblich grösser als die Spieleszene – wir leben in einer in meiner persönlichen Sicht immer Gewalt als legitimes Mittel zur Problemlösung akzeptierenden Gesellschaft, in der die Spieleszene nur ein kleiner Teil ist: Auch Fernsehen, große Teile der “Mainstream” Printmedien, Kinofilme – ja, auch globale Politik sind Teil *eines* Prozesses.

    Nur, um auf den Vergleich mit einer Musikzeitschrift zurückzukommen, und um gleich den Bogen mit dem allgemeinen Minderwertigkeitskomplex der Spiele als Medium: Um auch ernstgenommen zu werden, muss man reflexiert auftreten. Auch wenn es wehtut. Und damit meine ich keine PR-wirksamen Fernsehauftritte.

    Das Klick->Tot->weiter eine recht faule Masche ist, um darauf ein Spieldesign aufzubauen, ähnlich wie ein 9 jahre recyleter Tekknobeat mit jeweils neuer Hookline – das sollte durchaus angesprochen werden.

  14. Ich verstehe immer noch nicht, worüber sich hier aufgeregt wird. Wenn man nicht gerade wie bekloppt die Seiten nach bestimmten Wörtern durchzählt, kommt man gar nicht erst auf die Idee, dass “Schießen” oder “Zerlegen” oder “Himmelhochja” so oft vorkommen. Abgesehen davon, dass ich Gunnar in einem Punkt recht gebe: Die GameStar hat schon fast inflationär oft über Gewalt in Videospielen berichtet. Und wenn in einigen Spielen geschossen wird und ein Magazin das auch so schreibt – dann ist das auch die Wahrheit und gehört auch da rein. Und wenn “Ballern” das Herz eines Spiels ist (ich greif mir jetzt einfach mal das neue Serious Sam aus der Luft), dann gehört das auch entsprechend beschrieben.

    Der Vorwurf der Doppelmoral ist da relativ haltlos, wie ich finde… (und dabei nörgel ich gerne an der sogenannten Fachpresse herum!)

  15. hupps. b&w2 habe ich zu schnell überflogen. sorry, war keine absicht.

    generell gilt meine frage aus dem vorigen posting noch, das sehe ich nicht beantwortet. aber egal, weiter…

    … keineswegs fülle ich “eine zeitschrift als erfüllungsgehilfe der industrie mit tests von gewaltspielen”. vorwurf und terminologie sind absurd. zum einen schließt deine gewaltdefinition, wenn sie die genannten spiele erfassen will, gleich noch schach, tom&jerry, grimms märchen und anderes mit ein. zum anderen bilden wir einen markt ab, das ist unsere aufgabe. dazu gehört auch, dass wir zuweilen uns mit dem thema gewalt auseinander setzen. dazu gehört nicht, dass wir in jeden test einen “achtung: pixelblut”-kasten einbauen. *das* wäre scheinheilig und unglaubwürdig. unsere leser sind im schnitt 24 jahre alt.

    außerdem stimmt deine angriffsrichtung meiner meinung nach nicht: weder schützen wir bei beschreibung von gewaltspielen einen künstlerischen anspruch vor, noch haben wir dem zdf die berichterstattung über gewalt in spielen vorgeworfen. beim zdf ging es um ausgewogenheit, nicht mehr und nicht weniger.

    wir sind, um gleich auch den bogen zu denis aufzunehmen, eben keine musikzeitschrift, kein kulturmagazin, kein branchenblatt. wir betteln auch nicht darum, ernst genommen zu werden. wir sind eine einzigartige erscheinung in der medienlandschaft: ein massenblatt, das elemente von fanzine, stiftung warentest und wissensmagazin vermengt.

  16. Naja, wenn man über Spiele in denen hauptsächlich schießt berichtet liegt es nahe Worte wie “ballern”, “schießen” oder “töten” zu benutzen. Und da die Gamestar über Computerspiele berichtet und in den meisten Computerspielen Leute umgebracht werden liegt es nahe diese Worte zu benutzen.
    Da kann man der Gamestar keinen Vorwurf machen, dann schon eher der Spieleindustrie, denn wenn die Gamestar in jeden Artikel das Thema Gewalt in Computerspielen erwähnen würde, wäre das für mich schon irgendwie albern.
    Außerdem hat die Gamestar sich schon mit dem Thema Gewalt in Computerspielen befasst.
    Und die Gamestar kann auch nichts dafür, dass Kinder Spiele spielen die sie nicht spielen sollten, nur weil sie darüber berichtet.
    Ansonsten würde das heißen, das alle Spiele mit Gewaltinhalt indiziert werden sollten, denn dann darf niemand mehr darüber berichten…

  17. Du sagst es Smi, Zeitschriften wie die Gamestar sind nicht die Krankheit sondern das Symptom. Was es ja auch ist, worauf Richard mit seinem Artikel hinauswollte, wenn ich den ersten Satz richtig interpretiere.

    Dennoch, Spieleredakteure stehen definitiv in der Verantwortung, Gewalt als Transportmedium für Unterhaltung kritisch zu hinterfragen, selbst wenn es das ist was die Spieler offenbar haben wollen. Na ja, im Endeffekt ist das wohl die Quadratur des Kreises. Wie kann man ein gutes aber gewalttätiges Spiel so rezensieren, dass nicht der Vorwurf des unkritischen Bejubelns entsteht. Hmm, mir fällt dazu gerade auch nichts Schlaues ein.

  18. Stefan, die Lösung des Problem ist recht einfach. Man überlegt sich bei der Rezension des Spieles, ob die Gewaltdarstellung dem Inhalt und der Thematik des Spieles angemessen ist. Wenn es bloß exzessive Gewaltdarstellung ist, um damit die Verkaufszahlen anzukurbeln, dann hat man das zu kritisieren. Wenn es motiviert und sinnvoll in das Spiel eingebracht ist, dann kann man das durchaus auch lobend erwähnen.

    Es geht übrigens auch andersrum. Meiner Meinung nach enthalten die ganzen Weltkriegsspiele nämlich zu wenig Gewalt. Da wird ständig was davon erzählt, dass COD2 so total realistisch sei und wie wunderbar echt die Schlachtfeldatmosphäre ist, aber damit das Spiel in den USA ein verkaufsförderndes “Teen”-Rating bekommt, sterben alle ganz antiseptisch und harmlos. Da scheitert der Vergleich mit Filmen wie Saving Private Ryan schon an so einer niedrigen Messlatte.

  19. Gunnar, welche Frage ist denn nicht beantwortet worden?

    Ich klage an, dass die Branche gewaltbesessen ist. Und zwar von billiger, sinnfreier Gewalt. Der Gamestar halte ich dabei vor, dass sie da fröhlich mit macht. Der Kreis läuft doch so:

    Hersteller macht Gewaltspiel. -> Gamestar lobt Gewaltspiel über den grünen Klee. -> Leute kaufen Spiel. -> Hersteller macht mehr Gewaltspiele. -> etc.

    Ihr bildet die Branche eben nicht nur ab, ihr seit ein wesentlicher Teil davon. Zu sagen “Wir berichten ja nur drüber”, bedeutet sich aus der Verantwortung zu stehlen. Insofern seit ihr nicht nur ein Symptom, sondern durchaus ein Teil der Krankheit.

    Zum Thema “Wir betteln nicht darum, ernst genommen zu werden”, lies dir doch bitte nochmal Seite 10 durch. Irgendwie scheint sich da links auf der Seite ein Kollege von dir darüber zu beschweren, dass er von Sat.1 nicht ernst genommen wurde.

    Die Sache mit dem Pixelblutkasten ist übrigens so eine typische Lösung einer Videospielzeitschrift. Nicht darüber nachdenken, ob die Gewalt in dem Spiel vielleicht künstlerisch gerechtfertigt ist oder einfach nur zynische provizieren soll, um die Verkaufszahlen anzukurbeln, nein, lieber noch einen Wertungskasten mit Zahlen, Balken und Checkboxen und anderem Firlefanz einbauen. Aber das ist ein anderes Thema. Darüber rege ich mich nächste Woche auf. ;)

    Khesrau, ich bin erst auf die Idee gekommen “wie bekloppt zu zählen”, als mir beim durchlesen aufgefallen ist, wie häufig diese Worte vorgekommen sind. Insofern kommt man sehr wohl auch so auf diese Idee. Jedem Menschen der es nicht gewohnt ist so eine Zeitschrift zu lesen, dem wird das jedenfalls sofort ziemlich deutlich ins Auge stechen.

  20. Finde nett, wie hier kommunikationswissenschaftliche Themen anhand von Gamestar & Pixelblut diskutiert werden. So sollten Proseminare in Publizistik / KW aufgemacht sein, dann würden zumindest die Jungs darin was lernen.

  21. Ich möchte übrigens nur kurz erwähnen, das ich nach wie vor der Meinung bin, daß es sich die Printmedien selbst sehr leicht machen – man möchte mehr als irgendein anderes Magazin das Thema kritisch betrachtet haben (das schreiben die Mitbewerber übrigens auch, liebe Gamestar) – gleichzeitig weist man aber wieder ab, diesem Anspruch selbst gerecht werden zu wollen, und stellt sich in die Reihe mit Fanzines.

    Die es aber tatsächlich nicht in der Spieleszene gibt. Es gibt Dicke, cool aussehende, stellenweise toll geschriebene Hefte. Mit DVD! Und es gibt Fanseiten, die mit Abstrichen, aber vollkommen kostenlos im Grunde dieselben Inhalte bieten.

    Ich sage nicht, daß irgendeiner der Beteiligten irgendetwas tun muss. Nur sehe ich gerade die Spielezeitschriften in einer argen Not, ihre Relevanz gegenüber einer deutlich schnelleren und nicht deutlich schlechteren Onlinekonkurrenz zu erhalten. Die leben davon. Wir nicht.

    Ich denke des weiteren, daß sich die Szene durchaus inzwischen als erhebliche Medienmacht ernstnehmen sollte. Und entsprechend kann auch die Berichterstattung erfolgen – wir sind nicht alles Kinder oder leben auf LAN-Parties. Ok, das ist nichts Neues.

    Ich will auch keinen neuen Spielejournalismus. So sehr ich es liebe, Reportagen und Testberichte zu lesen – bisher ist mir der auch der alte Spielejournalismus noch nicht untergekommen. (Ich suche weiter.)

    Was ich meinte: Der Anspruch ist vielleicht an speziell die Gamestar oder die PC Games zu hoch. Ich meine, das wir durchaus reif für eine Spex oder eine VisionsFachblatt Musik gibt es ja mit /dev schon.)

  22. Ist ja eigentlich nicht die richtige Diskussion, aber in dem Zusammenhang finde ich übrigens das Selbstverständnis der Gamestar hochinteressant. Gunnar hat das eben so zusammengefasst:

    wir sind eine einzigartige erscheinung in der medienlandschaft: ein massenblatt, das elemente von fanzine, stiftung warentest und wissensmagazin vermengt.

    Passt finde ich ganz gut. Und erklärt in einem Satz, warum ich seit Jahren keine Spielezeitschriften mehr lese.

  23. dem ist wenig hinzufügen, lieber richard. und eigentlich sollte die diskussion hier enden.

    ich muss aber noch ein, zwei dinge anfügen:

    der pixelblutkasten war eine zuspitzung. was du forderst, machen wir ja schon ewig: wir kritisieren, wenn die gewalt keine dramaturgische grundlage hat und die vermutung nahe liegt, dass sie einzig der verkaufsförderung dient. auch exzesse wurden und werden thematisiert.

    für ein so großes magazin muten wir unserer leserschaft schon einiges an diskussion und meta-ebene zu. wir sind halt nicht die gee, nicht die brand eins, nicht cicero, nicht die spex. im gegensatz zu diesen magazinen werden wir gelesen. von vielen leuten.

    und der vorwurf, gamestar sei ein teil des zirkels hersteller–>gewaltspiel–>kaufwunsch, ist alt und so nicht wahr. wir machen letztendlich keine trends, wir befördern sie. oder eben nicht. unsere handlungsoptionen sind nicht unendlich: wir haben es mit klaren erwartungshaltungen der leser zu tun, gespeist aus einer vielzahl an quellen, nicht zuletzt dem internet. und mit einem mörderischen konkurrenzdruck. wer sich da bestimmten themen verweigert, hat das nachsehen. und nichts gewonnen. da hat man’s als non-kommerzielles weblog leichter. das heißt nicht, dass wir keine verantwortung übernehmen.

    was den kollegen bei sat 1 angeht: *er* wurde ernst genommen. darum ging’s nicht. es ging um das spielen an sich und vor allem um die spieler.

  24. Also dass ich keinen Spass an eurem Konzept habe, hat nichts mit meiner eigentlichen Kritik zu tun, und sollte losgelöst davon betrachtet werden.

    Jedenfalls konnte ich das was “ihr schon ewig macht” in der aktuellen Ausgabe nicht entdecken. Und Möglichkeiten dazu gab es ja genug. Und irgendwie gestehst du ja gerade ein, dass eure Leser die Gewalt wollen, und ihr nur das liefert was der Markt will.

    Das kann ich bis zu einem gewissen Grad natürlich auch nachvollziehen. Irgendwie muss man ja auch seine Stromrechnung bezahlen. Und wenn du sagst, dass ihr euren Kunden vielleicht schon etwas mehr Kritik bietet, als sie haben wollen, dann sagt das natürlich auch eine Menge über eure Kunden aus. Denn was da an Kritik von euch kommt, halte ich eben für sehr mild.

    Aber es ist halt eine traurige Wahrheit, dass die gesamte Szene (Hersteller, Presse und Spieler) sofort jeden angiften, der es wagt sich zu Videospielen auch nur vage kritisch zu äußern, sich aber selbst standhaft weigert, mal in den Spiegel zu schauen und zu gucken, ob nicht vielleicht doch ein klitzekleines bißchen Wahrheit dran ist.

    Da ich euch sonst nicht lese, kann ich den Wahrheitsgehalt deiner Aussagen bezüglich der Diskussion und Meta-Ebene die ihr euren Lesern zumutet natürlich nur begrenzt überprüfen, aber ich glaube dir einfach mal, dass zumindest guter Wille herrscht.

    Na ja, lassen wir das für heute. Ich danke jedenfalls für die lebhafte Diskussion.

  25. Die Presse befördert also Trends – oder nicht – diese Rolle als Steuerungsfaktor würde ich als einen ganz enormem Machtfaktor sehen, wenn das wirklich so sein sollte, was ich wiederum dahingestellt lassen möchte.

    Ich denke das gerade die gedruckte Spielepresse diese Macht in der Tat nicht (mehr) hat, vielleicht der erste Teil der Printmedien der die Auswirkungen des kaum beherrschbaren Chaos der Internetinformationsleitung zu spüren bekam.

    Ansonsten: Stimmt, wir haben es einfach. Deswegen machen wir ja dieses Weblog (ist es ein Weblog? okay, es ist ein Weblog). Ist einfacher, sich hier auszutauschen, als in einer Leserbriefseite/Einem Spieleportal/Einer Fansite oder wie die anderen Leute hier so herkommen.

    Die schreiben auch anderswo nicht so viel über Dinosaurier.

  26. Nach langem hadern konnte ich mich doch noch durchringen meinen Senf zum Thema zu geben in der Hoffnung zu einem Konstruktiven Dialog beizutragen.

    Richards polemischer Beitrag sollte vermutlich in erster Line auf einen bedenklichen Trend hinweisen. Ich halte die angegebenen Statistiken für mild fragwürdig, aber die Wirkung die sie zeigen war sehr fruchtbar.
    Meine erste Reaktion war zu denken, daß Richard auf seinen Koffeinpegel achten sollte. Danach aber fing ich an über das erwähnte Thema nachzudenken um festzustellen das an seinem Argument was dran war.

    Und in der Tat die Diskrepanz zwischen dem Ton diverser Testberichte und der kritischen Auseinadersetzung zum Thema Gewalt in Spielen ist ein wenig merkwürdig. Zum einem hat die Gamestar durchaus diverse Artikel zum Thema gebracht welche kritisch auf das Thema eingegangen waren aber auf der anderen Seite lassen die Testberichte diese kritische Distanz vermissen.

    Entweder die Kritik bleibt komplett außen vor oder sie versinkt in recht oberflächlicher schwarz-weiß Malerei.

    Ich als einfacher Student habe natürlich leicht reden, ich muß mich nicht mit meiner Spielezeitschrift in einem heiß umkämpften Markt behaupten; ich habe daher nur eine wage Vorstellung wie es sein muß ständig darum zu Kämpfen meine Position zu halten. Es hat genug andere zum Teil hochwertige Magazine kalt erwischt die jetzt nur noch in den Erinnerungen der Fans weiter existieren.
    Trotzdem stellt sich mir schon die Frage wie schwierig es schon sein kann in einer Fachzeitschrift gezielt auf bestimmte Themen einzugehen. Die Idee mal ein paar historische Fakten zum Thema zu liefern halte ich für ganz interessant, oder auch mal die kritische Auseinandersetzung auch im Spielartikel selbst anzusprechen.

    Und wenn eine der erfolgreichsten Spielezeitschriften Deutschland sich schon den Vorurteilen der Leser beugen muß, dann ist das Argument das die Zeitschrift irgendeinen Einfluß auf die Meinung der Leser hat ja auch nicht richtig.
    Es wundert mich nur ein wenig da ich mich daran erinnern kann das ich mir früher meine Meinung durch die Lektüre von Magazinen gebildet habe deren Ansichten ich respektierte.

  27. Wenn es hier überhaupt ein Problem gibt, dann in der Spielelandschaft an sich, nicht bei der GameStar. Es gibt deshalb erstaunlich viele Shooter, weil erstaunlich viele Leute sie spielen. Dem kann und muss ein kommerzielles Magazin logischerweise folgen. Trotzdem verlieren sie damit nicht das Recht auf eine Aktion wie die zu Frontal21, denn:

    Ist es da nicht etwas scheinheilig, sich darüber aufzuregen dass Frontal über brutale Computerspiele berichtet?

    Über den Fakt an sich regt sich doch niemand auf. Natürlich sollte darüber berichtet werden und auch die GS hat das schon mehrfach getan. Sehr wohl aber sollte aufgezeigt werden, dass das bei Frontal21 in einer extrem unausgewogenen Weise geschah und dort mit fragwürdigen Mitteln ein Bild von Spielen und Spielern zurechtgezimmert wurde, das der Realität nicht entspricht. Das war der Kritikpunkt. So habe ich das jedenfalls dem Bericht über die Diskussion bei der Überreichung der Unterschriften entnommen.

    Abgesehen von den “besonders grausamen Finish-Moves”, die deshalb so grotesk wirken, weil sie sich nach einer reinen Funktionsbeschreibung und nicht nach Distanz anhören, finde ich deine Textbeispiele auch nicht übermäßig schlimm. Warum sollte man nicht schreiben, dass der Spieler in B&W2 so mächtige Möglichkeiten wie diesen Meteoritenschlag hat? Sorgen würde ich mir machen, wenn lang und breit darüber berichtet würde, auf wieviele verschiedene Arten ich als “Gott” in diesem Spiel meine Untertanen um die Ecke bringen kann. Und da gibts einige.

    Und, ach ja, mögliche Schwächen in den Texten durch solche Wortstatistiken belegen zu wollen, halte ich für noch gewagter als Prozentwertungen zu Fahrenheit zu vergeben.

    wir sind eine einzigartige erscheinung in der medienlandschaft: ein massenblatt, das elemente von fanzine, stiftung warentest und wissensmagazin vermengt.

    Treffende Beschreibung. Ich persönlich komme inzwischen leider weder mit dem Mix aus Fanzine und Stiftung Warentest klar noch empfinde ich die Warentest-Variante als die optimale Lösung, um Spiele zu rezensieren. Stiftung Warentest testet nicht umsonst Waschmaschinen und keine Literatur.

    unsere leser sind im schnitt 24 jahre alt.

    Das hat mich dann doch überrascht. Weil mir (als 24jährigem) das Heft noch immer auf ein im Schnitt mindestens 6 Jahre jüngeres Publikum zugeschnitten scheint. Das war auch die Zeit (16 bis 20) in der ich die GS regelmäßig gelesen hab.

  28. Wenn ich mir ein Computerspiele kaufen will, kaufe ich mir immer die Gamestar um die Wertung zu lesen. Die Beschreibung des Spiels interessiert mich eigentlich recht wenig. In diesem Sinne ist die Gamestar fuer mich eine Art Stiftung Warentest und fuer mich ist das ihre Hauptfunktion.

    Seit gestern ist die Diskussion ja noch etwas ausgeartet… ich moechte noch kurz anmerken, dass die Gamestar als kommerzielles Magazine nunmal eine grosse Kaeuferschicht ansprechen muss, sonst gibt es sie in ein paar Monaten nicht mehr. Und nur darueber hat sie auch die Moeglichkeit einflussreich ueber vermeintlich unpopulaerere Themen wie Gewalt in Computerspielen zu berichten, vorallem in einer Zielgruppe in der es auch wirkt.

    Berichte in Anti-Gewalt-Computerspielezeitschriften, in denen berichtet wird wie schlimm die Gewalt doch ist, bringt ja rein gar nix. Da kann man sich dann auch selber auf die Schulter klopfen. In diesem Sinne hat die Gamestar sicherlich am meisten Einfluss, um auch all die Kiddies oder nicht sensibiliserten Computerspieler zu erreichen. Solange wir alle Wissen das Waffen da sind um zu toeten und nicht ein Spiel zu gewinnen, ist das alles in Ordnung.

  29. Die ganze Diskussion über Jugendschutz, FSK und Gewalt in Computerspielen ist scheinheilig von vorne bis hinten.

    Nur ein kleines Beispiel:
    Einerseits darf die Demo von FEAR nicht auf den im Handel verkauften Heft-CDs beiliegen. Andererseits enthält der Testbericht von FEAR in der Gamestar mindestens drei Screenshots die brutaler nicht sein können (ja ja ich weiß es sind nur rote pixel die sich an der Wand verteilen, wenn ich dem Gegner aus Nahdistanz mit der Pixel-Schrotflinte in den Pixel-Kopf schieße)

    Für mich ist das alles gaaaanz einfach. Ein Mensch, auch ein Kind im Alter von 10 Jahren, wird nicht dadurch gewaltätig, das es brutale Videospiele spielt oder Horrorfilme kuckt. Es wird vom Einfluss seiner umgebenen Gesellschaft gewaltätig. Und dazu gehören in erster Linie Eltern, Verwandschaft und Bekanntschaft, Gruppendruck in der Schule, Zwängen in der Clique, dem eigenen Status (materiell und intellektuell) etc. Wenn man dort nicht seinen Platz findet, findet man ihn vielleicht nur noch in Gewalt gegen sich selbst oder gegen andere.

    Wenn ich als Kind stundenlang Shooter spielen darf, heißt das nicht automatisch das ich dadurch zum Amokläufer werde. Viel eher wird derjenige austicken, weil er von seinen Fürsorgern (Eltern) vernachlässigt wird, aus anderen Gruppen ausgeschlossen ist etc. und sich irgendwann sagt, den miesen Typen in der Schule oder in Clique xy, zeig ich es jetzt mal so richtig, wie ich es den Typen im Computerspiel xy gezeigt habe.

    Dieser Exkurs in Sachen persönlicher Meinung in Jugendschutz soll ausdrücken: FSK ist Schwachsinn, da inkonsequent (Siehe Testbericht Fear), Einfluss des Internets etc. und höchstens für unwissende Eltern und zur Beruhigung der breiten BILD-Zeitungsleser-Masse geeignet. Computerspiele sind aktuelle Sündenböcke. Nächstens sinds Horrorfilme in 3D, oder mal wieder Paintball usw.

    Daher ist mir absolut “Scheißegal” welche Begriffe in Spielezeitschriften wie oft vorkommen. Wenn mich Ballerspiele interessieren, will ich wissen, wie “realistisch” sie sind. Ich würd mich kaputtlachen, wenn da stehen würde: “10 Waffen stehen zur Auswahl, auch das böse böse MG, das die Gegner ganz schnell und doll tot macht”

    Die Nachfrage regelt das Geschäft. So lange die breite Masse anscheinend Shooter spielen will, wird es den x-ten Abklatsch mit immer mehr “Realismus” geben.

    Ergo. Wenn jemand der Stil der Gamestar nicht gefällt, liest er die Zeitung nicht mehr und wenn es ihm ein ausreichender Prozentsatz nachmacht, wird die Redaktion der Zeitung reagieren, wenn sie an ihren Jobs hängt.

    Ergo. Wenn man in diesem Blog nicht mehr kontrovers diskutieren kann, so wie WIR es JETZT machen, werd ich das Blog aus meinen Favoriten löschen. Fertig.

  30. Wer hat denn hier gesagt, man dürfe nicht mehr kontrovers diskutieren? Ruhig immer feste drauf.

  31. ähem, Keiner! Sollte nur verdeutlichen, was ich schätze Richard.

  32. ähem, Keiner!

    Ohne jetzt irgendwen mit Grammatiksülze langweilen zu wollen: Deinem Wortlaut zufolge hast du genau das behauptet. Sonst hättest du den Konjunktiv (Möglichkeitsform) verwenden müssen.

    »Wenn man in diesem Blog nicht mehr kontrovers diskutieren könnte, so wie WIR es JETZT machen, würde ich das Blog aus meinen Favoriten löschen.«

  33. @ chris
    shit, schon wieder eine meiner Schwächen offenbart …

    Vor vielen Jahren hat mir meine Deutschlehrerin schon prophezeiht, das ich in Grammatik nie besser als 3 sein werde. Recht hatte sie. *heul*

  34. Ich finde, dass die Gamestar zu Unrecht angeprangert wird. Schließlich scheinen hier tatsächlich einige davon auszugehen, dass ein 12jähriger – oder sonst ein – Jugendlicher, tatsächlich die Artikel in solchen Magazinen liest.

    Nur weil unsereins vor 15 Jahren keine andere Wahl hatte, als sich entsprechende Spielemagazine zu kaufen und sie zu lesen (schließlich auch auf die Meinung des Redakteurs zu vertrauen), um sich über die neuesten Spiele zu informieren, bevor man sie kauft, heißt das nicht, dass auch heute noch so verfahren wird. Es gibt Internet, es gibt Beilagen-CDs und DVDs, es gibt Demos, es gibt Videos, es gibt Promotion-Websites, es gibt downloadbare Screenshots und es gibt Newsletter von Publishern und Entwicklern.

    Wozu sollte also ein 12jähriger 3D-Shooter-Spieler – der ohnehin als solcher einer menschlichen Sprache nicht fähig ist – seine wertvolle Zeit mit “Lesen” verbringen?

  35. Wozu sollte also ein 12jähriger 3D-Shooter-Spieler – der ohnehin als solcher einer menschlichen Sprache nicht fähig ist – seine wertvolle Zeit mit “Lesen

  36. Vieles muss man sicher differenzierter sehen, auch wegen dem Kreislauf “Kundenwunsch – Umsetzung davon im Heft – Bestärkung des Kunden dadurch”.
    Aber: Trotz aller Veränderungen bei GS kann man schlicht nicht leugnen, dass Technik/Grafik und damit einhergehend Ego-Shooter einen hohen Stellenwert bei GS haben. Das CoD2-Preview sagt alles!