Bestes. Handbuch. EVAR.

Indiana Jones and The Emperor’s Tomb ist ein unterbewertetes Spiel gewesen. Ja, technisch war es nicht ganz auf der Höhe der Zeit und die PC Version war ein nicht so gelungener Port, aber ein Metascore von 73 ist ziemlich unfair. Schließlich hatte das Spiel nicht nur wunderbar atmosphärische und abwechslungsreiche Szenarien, es besaß auch das beste Nahkampfsystem das ich je in einem Actionspiel gesehen habe und kam dazu noch mit sehr schöner Musik.

Aber ich will eigentlich gar nicht über das Spiel reden, sondern über das Handbuch.

Denn Emperor’s Tomb hat das wohl coolste Handbuch aller Zeiten.

Das Heft ist komplett als Journal von Indiana Jones gestaltet. Und wenn ich sage “komplett”, dann meine ich “komplett”. Alles, und zwar wirklich alles ist irgendwie in den Kontext von Indy gestellt worden. Die CD-ROM ist plötzlich ein Artefakt einer hoch entwickelten Zivilisation. Die Tastaturbelegung ist ein ins Journal geheftetes Memo an die Lehrkräfte des Barnett College, inklusive einer Notiz von Marcus Brody, dass sich Indy ja wahrscheinlich sowieso nicht an die darin beschriebenen Verhaltensregeln halten würde. Selbst die unsäglichen Lizenzbedingungen sind als Echtheitszertifikat der “American Bullwhip Manufacturers” verpackt.

Alles im Handbuch ist von Hand geschrieben oder “reingeklebt”. Es gibt Fahrscheine von Schiffen nach China, Briefe an Indy vom Schatzmeister der britischen Botschaft in Ceylon, Zeitungsausschnitte, Rezepte für Schmerzmittel (Notiz von Indy: “Whiskey tut es auch.”), handgezeichnete und gedruckte Karten, Formulare des Barnett College, Briefe aus Deutschland per Zeppelinpost, Indys Reisepass, einen eingeklebten Schlüssel, Telegramme, platt gedrückte Pflanzen, Geldscheine, etc, etc.

Indy Fans können stundenlang darin lesen und jede Menge Anspielungen auf die Filme finden. In der Mitte findet man zum Beispiel einen Flyer vom Club “Obi Wan”, in dem der “weltberühmte amerikanische Entertainer” Willie Scott jeden Abend auftritt. In einem der Zeitungsausschnitte findet sich ein Interview mit einem gewissen Professor Ravenwood. Gegen Ende gibt es eine herausgerissene Seite mit Kleinanzeigen für den Abenteurer auf der unter anderem erstklassige Filzhüte angeboten werden. Eine Notiz von Indy deutet allerdings seine Enttäuschung darüber an, dass es scheinbar immer noch kein Abwehrmittel gegen Schlangen gibt.

Es gibt sogar kleine Rätsel zu lösen. So findet man am Rand mit Bleistift etwas in Morse Code geschrieben. Praktischerweise ist ein paar Seiten vorher das Morse-Alphabet eingeklebt. Die Übersetzung überlasse ich euch.

Da man das Spiel inzwischen wahrscheinlich nachgeworfen bekommt, lohnt es sich fast schon für das coole Handbuch. Und wer auch nur ein bisschen was für Indy übrig hat, der dürfte auch an dem Spiel selber viel Freude finden.

21 Kommentare Autor: Richard

21 Kommentare

  1. Ich rate übrigens zur Xbox Version. Die PC Version leidet unter akuter Portitis, auch wenn sie in einem hübschen Schuber kommt.

    Mein Scanner funktioniert übrigens gerade nicht, sonst würde es Bilder geben. Sorry.

  2. Ein Metascore von 73 erscheint mir dennoch gerechtfertigt. Das Spiel war sehr linear, fast schon so, als ob man durch einen engen Tunnel läuft, nur vor oder zurück. Grafisch kann ich nur die PC-Version beurteilen und die war als Port nunmal durchschnittlich.

    Schließlich dann der Schwierigkeitsgrad der zwar anfangs keinerlei Herausforderung war, doch gerne mal mit extremen Hindernissen die Spiellaune geradezu erschlug. Ich errinnere mich da ganz speziell an die Szene, wo man vor dem – ich glaube es war ein – Panzer davonlief (nach 3000 Versuchen bzw. 10 Stunden hab ich es dann aufgegeben). An eine großartige Story kann ich mich übrigens auch nicht errinnern.

    Aber gute Handbücher kommen schon öfter mal vor. Alice beispielsweise. Ich hätte es nie gelesen, wenn die Installation nicht so lange gedauert hätte. Aber die Story war richtig fesselnd. Darüber solltest du vielleicht was schreiben. Das Game war echt genial und mit mehr Tiefgang, als man es der Spiel-Industrie zutraut.

  3. Die PC Version hat einen Metascore von 65, nicht 73. Auf der Xbox sah Emperor’s Tomb defintiv nochmal eine Stufe besser aus, als auf dem PC. Und da 73% ja meistens sowas bedeutet wie “unspielbarer Dreck, bloß nicht kaufen”, bin ich schon der Meinung, dass ein bisschen mehr drin gewesen wäre.

    Die Stelle mit dem Panzer war allerdings echt ätzend. Da gebe ich dir recht.

    Ich habe Alice übrigens nicht sonderlich weit gespielt, insofern kann ich dazu nichts schreiben. Es schien mir jedenfalls nicht sonderlich intellektuell anspruchsvoll Alice ein bißchen Blut auf die Schürze zu sprenkeln, alles braun zu gestaltet und das Ganze als tolle neue Vision vom Wunderland zu verkaufen.

  4. ohne jetzt die nostalgiekeule zu schwingen:

    früher waren die Spieleanleitung (meistens) etwas liebevoller aufgemacht als ehutzutage (der Trend geht ja auch stark zu PDF-Dateien). Leider war es in der Zeit, in der ich nicht im Traum daran gedacht hätte mir ein Spiel zu kaufen (so war das damals in der guten alten c64er zeit nun mal). Dabei gab’s auch zusätzlich zur Anelitung noch weitere Goodies in der Spielepackung.

    hier eine kleine Auflistung (bitte erweitern):

    Ultima:
    da gab es ei jedem Teil eine Stoffkarte von Brittania und bei Underworld I (mein erstes PC Spiel,glaub ich) gabs noch nen Stoffsäkchen gefüllt mit ein paar Runen (im nachhinein etwas albern)

    Zak McKracken:
    war ganz toll: dagab’s ne Ausgabe von der Zeitung für die Zak gearbeitet hat mit versteckten Hinweisen in den einzelnen Artikeln

    Loom:
    …lag eine Kassette bei auf der die Vorgeschichte als Hörspiel war (gibts bei the-underdogs.org glaub als mp3 download)

    die Magnetic Scrolls Adventure hatten immer jede Menge Kram dabei, unter anderem auch Zeitungen, Briefe (mit original Gebrauchsspuren wieKaffrrflecken etc.) und allen möglichen anderen Kram das beste war, dass man die Sachen auch wirklich brauchte um das Spiel zu schlagen

    Berlin 1948 (ich glaub so hieß das Spiel):
    hatte auch eine Audiokassette in der Packung, die hatte so in eta die Funktion von Videoszenen heute, etwas nervig war allerdings das man immer zur richtigen Stelle spulen musste

    (mal ein aktuelleres Beispiel) Manhunt:
    die ganze Anleitung war wie ein illegaler Katalog für Snufffilme (warum sieht man das Wort nie als Beispiel für die Rechtschreibreform?)

    Indy3

    hatte auch schon eine nette Anleitung, die Anleitung war nämlich das Gral’s Tagebuch von Henry Jones, mit jedermenge Skizzen und Kritzeleien

    postet mal welche chicen Anleitungen ihr so kennt, interessiert mich mal….

    PS: was ich auch mal cool fände: “Die besten Highscore Listen” ich hab schon nen favoriten…

  5. Ha! Ich habe nur darauf gewartet bis jemand mit “Früher waren die Anleitungen alle besser!” kommt.

    Obwohl, ist ja auch nicht ganz falsch.

  6. mir ist noch was eingefallen:

    weird dreams (irgendwie tolles, aber scheinbar unschaffbar schwieriges spiel):
    da gabs nen miniroman zum spiel dazu, der gar nicht mal so schlecht sein soll

  7. 2 Richard
    Du solltest Alice noch eine Chance geben. Der Anfang ist tatsächlich bescheiden, doch je weiter man kommt, desto besser wird das Game, bis man schließlich garnicht mehr davon los kommt.
    Und Emporers-Tomb hat zwar keine 65% verdient (75% hielt ich für die PC-Version für gerechtfertigt), doch sei mal ehrlich, hättest du das Spiel auch nur eines Blickes gewürdigt, wenn da nicht Indiana Jones drauf gestanden wäre?

    Um ehrlich zu sein, bin ich was Packungsbeilagen anbelangt sehr Leidenschaftslos. Ich kann gerne auf Maps, Runen und Mini-Romane verzichten. Da könnt ihr mich ruhig steinigen. Ich kauf mir lieber die Low-Budget-Version eines Titels und spar mir die zusätzlichen Kröten für ein zweites Game oder fürs Add-On.

  8. @zafi

    klar, dieser runenschnickschnack ist schon albern und überflüssig, aber was ich hingegen interessant finde ist, wenn das eigentliche spiel mit den kram verzahnt wird.

    entweder um das thema/motiv/wie du es nennen willst weiter zu vertiefen (zb Manhunt) oder die gegenstände ins spiel eingebunden werden, da man sowas eher nicht gewohnt ist (hat wer von euch metal gear solid 1 gespielt ? da soll man nämlich irgendwann mal die nummer auf dem cd case anrufen, ich hab stunden gebraucht um herauszufinden, dass es die cd hülle des spiels und nicht irgendein item im spiel war).

  9. 2 Krischn

    Wenn externe Beilagen zwingend im Spielverlauf benötigt werden, dann könnte man dies sicherlich als brauchbaren Kopierschutz anwenden. (z.B. externes 200 Seitiges Tagebuch von Indys Vater in einem neuen Indy 3, in dem sich Hinweise zum Verlauf des Spiels finden und ohne dass man nicht spielen könnte, genauso wie im Film).

    Aber irgendwo muss da noch ein Haken sein, den ich hab sowas noch nirgendwo gesehen. Offensichtlich ist dies viel zu viel Arbeit (oder zu riskant, wegen fehlerhafter Übersetzungen und dergleichen).

  10. Die Frage, ob ich es ohne den Namen Indiana Jones gespielt hätte, erübrigt sich ja wohl, da es eben sehr spezifisch ein Indiana Jones Spiel war. Trotzdem lautet die Antwort dank Atmosphäre und toller Faustkämpfe definitiv: Ja!

  11. Übrigens bin ich durchaus ein Special Edition Käufer. Ich mag coole Beigaben.

    Allerdings geht es mir hier spezifisch um das Handbuch. Die Handbücher der diversen Ultimas wurden ja auch nicht spannender und lesbarer durch die Stoffkarten. Ich finde es einfach mal schön, dass sie das Handbuch selber so schön gestaltet haben.

  12. 2 Richard
    So spezifisch war Emporers-Tomb nun auch wieder nicht. Hätte sich Indy ein paar Brüste wachsen lassen, dann wäre das Spiel auch problemlos als Tomb-Raider durchgegangen. Man hätte es auch als erstes Game von Relict-Hunter verkaufen können oder man hätte sich einfach einen neuen Helden überlegt.

    Was ist mit dem Vorwurf der fehlenden Story? Ich weis es wirklich nicht mehr, ist schon etwas her, aber das Game hatte doch überhaupt keine. Das ist eins dieser Games, bei denen man sich rühmen kann, sie durchgespielt zu haben, aber an die Story errinnert man sich nicht.

    Jetzt mal ehrlich, kannst du sagen worum es dabei ging, ohne nochmal nachsehen zu müssen?

  13. Nur dass Tomb Raider eben Indiana Jones mit Boobs ist und Relic Hunter eben Tomb Raider mit, äh, auch mit Boobs halt. Oder so.

    Was ich sagen will, es wäre dann immer noch ein Indiana Jones Spiel gewesen. Nur eben mit Boobies! Und ich hätte es immer noch spielen wollen.

  14. Achso, ja gut… (aber als Boobies-Raider… äh.. Tomb-Raider hät es wohl auch eine 80% Wertung bekommen können).

  15. Handbücher sind klasse! Es ist immer toll gewesen, wenn ein Spiel mit liebevoll aufgemachtem Handbuch oder zusätzlichen Extras wie Stoffkarte, Schlüsselanhänger etc. herauskam. Heute kann man froh sein, wenn man eine 16seitige Schwarzweissversion eines Handbuchs erhält. Am schlimmsten sind irgendwelche Budget-Versionen (PC), bei denen man dann 17 PDFs ausdrucken darf, bevor es losgehen kann!

  16. Jawohl, DER weltberühmte amerikanische Entertainer Willie Scott.

  17. In Sachen Beilagen tut sich was. Neben den Special Editions, die für 10-20 EURO mehr zu haben sind, gibts z.B. Age Of Empires 3 im hiesigen Karstadt mit nem Kompass zum Normalopreis 47 EURO. Ganz nette Idee eigentlich.

  18. XP habens aber nicht gleich gebundelt, wäre sinnvoller

  19. um was geht es eigentlich auf der eite??????????