Reisebericht: Final Fantasy 1&2 - Dawn of Souls
Mittwoch, November 30th, 2005 
Neulich im Saturn. Für eine längere Zugfahrt brauchte ich ein neues GBA-Spiel, logisch. Ich hatte mich schon für eines entschieden (das aktuelle Fire Emblem), aber als ich dann so vorm Regal stand ist mal wieder der Final Fantasy Fanboy mit mir durchgegangen. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, diese absurde Remake-Politik nicht auch noch zu subventionieren. Asche auf mein Haupt. Ja, äh, nun, zwei 18 respektive 17 Jahre alte Rollenspiele auf einem Modul, was kann man da erwarten?
Erstaunlicherweise eine ganze Menge! Das zugrundeliegende Spielprinzip ist verblüffend gut gealtert, man stellt eine Gruppe aus generischen Charakteren zusammen und schon kann die Level-Schinderei beginnen. Die Kämpfe gehen flott von der Hand, die Dungeons gehen einem nicht durch Überlange auf die Nerven und gerade am Anfang regnet es Erfahrungspunkte. Überhaupt ist Dawn of Souls optimal für die schnelle Viertelstunde auf dem Bahnsteig. Keine lange Vorgeschichte, einfach Hack&Slay-Vergnügen der alten Schule. Klar, auf einer Heimkonsole wäre dieses Simpelkonzept einfach nicht mehr zeitgemäss, aber für einen Handheld ist es ideal. Ausserdem war ich als langjähriger Fan von Brian Clevingers 8-bit Theater (aus dem übrigens das obige Panel stammt) hocherfreut, die Abenteuer von Black Mage et al annähernd eins zu eins nachspielen zu können.
Wer die Final Fantasy Serie kennt, der weiss, dass kein Titel dem anderen gleicht. Na ja, zumindest galt das bis Final Fantasy X-2, ansonsten aber hat es nie einen direkten Nachfolger zu einem der Spiele gegeben. Square ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat jedem Final Fantasy ein neues Kampfsystem, neue Charaktere und eine neue Welt verpasst. Natürlich wurden einige Elemente wie etwa viele der Monster in den folgenden Teilen recycelt, aber dennoch muss man den Entwicklern hoch anrechnen, dass sie sich niemals auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben, sondern mit jedem neuen Spiel ein grosses Risiko eingegangen sind. So ist dann das Gemaule vor jedem neuen Final Fantasy gross, viele Leute wollen halt lieber mehr vom gleichen statt öfter mal was Neues.
Jetzt habe ich aber wirklich verdammt weit ausgeholt, dabei wollte ich eigentlich nur auf eines hinaus: obwohl ich das alles weiss, hat Final Fantasy II selbst mich massiv überrascht. Es gibt keine feste Party, Charakterklassen wurden abgeschafft, Erfahrungslevel sind Schnee von gestern. Stattdessen ist learning by doing angesagt, ähnlich wie in Morrowind. Ich möchte einen funky Ninja, der Feuerbälle wirft? Kein Problem, einfach mit blossen Fäusten kämpfen und das entsprechende Zauberbuch lesen. Einen Kensai mit zwei Schwertern und Heilmagie? Nichts leichter als das, alle Charaktere können eine beliebige Kombination aus Waffen und Schilden verwenden, sowie nach eigenem Gusto Zauber lernen. Hinzu kommt ein Dialogsystem, das man am ehesten mit dem der Ultima-Serie vergleichen kann. Bei Gesprächen mit wichtigen NPCs kann man sich gelegentlich Stichworte notieren, auf die man dann nach Belieben andere Leute ansprechen kann. Das ist zwar verglichen mit Ultima sehr rudimentär implementiert, aber dennoch ein Novum für japanische Rollenspiele. Ausserdem hat die Grafik durch das Design von Squenix-Hofzeichner Yoshitaka Amano einen ganz eigenen, ungewöhnlichen Stil, den ich so nicht in einem Final Fantasy Titel erwartet hätte.
Also, wenn ihr eine längere Reise geplant habt und Rollenspiele mögt, gibt es sicher schlechtere Zugbegleiter als Dawn of Souls. Zumal es auch bei wechselnden Lichtverhältnissen gut spielbar bleibt und man jederzeit speichern kann. Solange man nicht allzu viel von diesen alten Schinken erwartet, kriegt man verdammt viel kurzweilige Unterhaltung für sein Geld. Empfehlenswert.


















