
Acht Jahre ist es her, seit Outlaws veröffentlicht wurde. Acht Jahre hat es gedauert bis mit Gun wieder ein guter Western auf den Markt gekommen ist. Gun ist kein Meisterwerk, aber allemal ein verdammt gutes Spiel.
Das wirft jetzt allerdings die Frage auf, ob Outlaws ein Meisterwerk war. Meine instinktive Antwort war natürlich: Ja! Aber so einfach geht das nicht. Das muss man erstmal prüfen. Ganz wissenschaftlich.
Also die Outlaws Packung aus dem Schrank kramen, und…sich wundern wo die CD ist. Packung? Da. Handbuch? Da. Unausgefüllte Registrierungskarte? Da. Die CDs? Eher nicht so. Verflixt. Mal ausgeliehen und nicht zurückbekommen? Bange Momente.
Aber dann die Erleuchtung. Die CDs stehen im CD-Regal! Schließlich hatte Outlaws nicht nur tolle Musik, sondern hatte diese als ganz normale Audio Tracks auf den CDs gespeichert. Einfach in den CD-Spieler legen, den ersten Titel überspringen und man hat gleich den Soundtrack noch mitgeliefert bekommen.
Dann Recherche betreiben. Wieder bange Momente. Läuft das Ding auf meinem Rechner überhaupt noch? Jawohl, tut es. LucasArts hat doch tatsächlich irgendwann mal einen DirectX Patch herausgebracht. Damit läuft es nicht nur problemlos auf aktuellen Rechnern, man kann sogar die Auflösung auf damals ungeahnte Höhen hochschrauben. Sehr schön.
Und dann das Intro. Immer noch so gut wie am ersten Tag. Wunderbar atmosphärisch, wirklich emotional. Man ist sofort motiviert das Spiel wieder in Angriff zu nehmen. Kurz in die Optionen geguckt, aber keine großen Überraschungen erlebt. WASD + Maus ist Standard.
Der erste Level lädt. Ernüchterung macht sich breit. Alles irgendwie arg flach. Und rechteckig. Und braun. Die satte Farbpalette der Zwischensequenzen ist futsch. Es sieht schon aus wie eine Westernstadt, aber so richtig dicke Atmosphäre kommt nicht auf. Die Gegner sind sogar noch 2D-Bitmaps und keine 3D-Objekte.
Aber gut, wir sind hier einen Job zu erledigen. Also den Sechsschüsser gezückt und erstmal aufgeräumt. Bam! Bam! Bam! Bam! Bam! Bam! Der Gegner fliegt zurück und kracht durch ein Fenster, das spontan zersplittert. Hey, nicht schlecht!
Schnell R gedrückt, zum Nachladen und den nächsten Gegner ins Visier genommen. Bam! Klick! Klick! Klick!
Was?
Und dann erinnere ich mich. Bei Outlaws muss man jede Kugel einzeln nachladen. Wenn man R gedrückt hält, dann schiebt der Marshall brav eine Kugel nach der anderen in die Waffe, aber sobald man loslässt, hört er auf. Einmal R zu drücken, führt also nur zu einer Kugel in der Waffe.
Klingt umständlich, ist aber eigentlich ziemlich cool. Das nette Klickiklickiklicki-Geräusch beim Nachladen ist wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hat. Erinnerungen kommen zurück. Ja, dieses Spiel habe ich schon mal gespielt. Und zwar ziemlich viel.
Moment mal. Da fehlt doch was. Wo ist die Musik? Noch ein Blick in die Optionen. Eingestellt ist die Musik schon. Was läuft also schief? Und noch eine Erinnerung kehrt zurück. Da war doch mal was. So ein kleines Kabel was vom CD-ROM zur Soundkarte ging. Gibt es das noch?
Computer auf. Ja, die Stecker sind auch heute noch da, obwohl seit Jahren kein Mensch mehr dieses Feature verwendet hat. Schrank auf. Kabelkiste durchsuchen. Gut dass ich von diesem Zeug nie was wegwerfe. Ich habe gleich mehrere von diesen Kabeln!
Kabel installiert. Und Outlaws wieder gestartet.
Und schwupps! Die Atmosphäre ist wieder da. Was so ein bisschen gute Musik ausmacht. Die Level werden auch hübscher. Und sind erstaunlich offen. Davon könnten sich heutige Schlauchshooter durchaus eine Scheibe abschneiden. Das mit dem ewigen Suchen irgendwelcher Schlüssel hat man aber aus einem guten Grund abgeschafft. Aber dafür gibt es doch tatsächlich noch Automapping! Warum ist das eigentlich verschwunden? Wahrscheinlich weil man für einen Schlauch keine Karte braucht oder so.
Fünf Level später bin ich durch das Spiel schon wieder halb durch. Und schon wieder ist zwei Uhr nachts. (Als morgens früh der Wecker klingelt, drehe ich mich einfach wieder um. Bleibe ich halt abends länger bei der Arbeit.)
Immerhin habe ich jetzt meine Antwort. Sie lautet: Ja! Wenn ein Spiel acht Jahre nach seiner Veröffentlichung, immer noch dafür sorgt, dass ich an einem Wochentag bis in die Nacht hinein spiele, dann müssen die Entwickler schon irgendwas richtig gemacht haben.
Und jetzt entschuldigt mich, ich habe noch eine Verabredung mit einem gewissen Bob Graham.
Vorher aber noch ein kleiner Tipp für Activision und Neversoft. So sieht ein Cover für einen ordentlichen Western aus. Dann muss man sich vielleicht auch nicht mit Platz 14 in den Charts zufrieden geben.
Pah, das Cover ist doch auch nur aus nostalgischen Gründen gut. Immerhin ist eine Waffe drauf. ;)
Sehr schöner Eintrag, auch wenn ich nach den ersten paar Absätzen doch glatt befürchtete, dass du Outlaws nicht mehr gut fändest… Da hätte ich nämlich vehement wiedersprechen müssen, nachdem ich’s vor kurzem selbst nochmal durchspielte. :)
Aha, es gibt/gab doch irgendwann mal einen Nutzen für diese Kabel, ich habe mich schon öfters gefragt, was die wohl bringen sollen :-)
Damals gabs noch Automapping weil die Levels im Grunde zweidimensional waren. Mit 3d-Maps macht Automapping wesentlich mehr Aufwand.
Das Cover ist absolut großartig, mit Nostalgie hat das nichts zu tun.
Was das Automapping betrifft, sollte ein guter Level das auch eigentlich gar nicht verlangen. Sowohl visuell als auch vom Spielfluss her sollte man sich eigentlich nicht so sehr verlaufen, dass man eine Karte bräuchte. Ich war nur irgendwie überrascht überhaupt eine zu finden. Sowas habe ich schon länger nicht mehr gesehen.
Wie witzig… Vor ein paar Wochen hab ich beim durchsuchen des CD Regals die Outlaws CDs in der Hand gehalten. Nach kurzem Wunder, warum diese nicht in der Packung waren, habe ich es kurzerhand installiert und die gleichen Erfahrungen machen dürfen. Ja, Outlaws macht immernoch Spaß und ich musste an viele interessante LAN-Sessions denken, die wir mit diesem Spiel verbracht haben. :)
Ist nunmal noch ein richtiges Lucas Arts Spiel :)
Was sollte denn da schiefgehen?
Alle alten Lucas Arts Titel hauen noch immer voll rein, egal ob Adventure, Flugsim, oder wie hier auch bewiesen wurde, Ego-Shooter… wenn da LA draufsteht, dann ist da zeitloser Spielspass drin!
Jetzt will ich mal Tie Fighter getestet ham ;)
Und das Cover ist nicht in neongelb sondern in schönem, Sonnenuntergangs organge-gelb. Sicherlich hat die Druckerei nur die beiden Farben verwechselt. Dann würde man es auch als Westernspiel erkennen können…
Ich Idiot rede natürlich von GUN, welches die falsche Farebn hat… Outlaws erkennt man ja sogar am Namen daran, dass es ein Westernspiel ist… sry…
Und natürlich muss im Zusammenhang mit Outlaws immer auf die Bonuslevel (Outlaws 2) hingewiesen werden…
Red Dead Revolver war auch nicht sonderlich gut. Nicht so schlecht wie Dead Man’s Hand, aber auch nicht sonderlich gut. Es hatte einen etwas komischen Stil und war natürlich Rockstar-typisch übertrieben gewalttätig.
Okay, Outlaws 2 waren die Bonusmissionen sicher nicht. Aber es war schon ganz cool, dass es sie gab. Allerdings nicht so cool wie der Direct3D Patch, den sie 4(!) Jahre nach Veröffentlichung noch gemacht haben. Das ist Support!
Hmm, wusste garnet das es da nen Direct3D Patch zu gab, dachte da hättes nur einen 3dfx PPatch für gegeben. Das ist definitiv ein Grund das Ding mal wieder auf die Platte zu hauen.
Aber @ Richard: Das Blöde beim nachladen ist das mein keine wirkliche Animation dazu hat. Man sieht nur ein (schönes) Bild und hört das erwähnte klick, aber das wars. Außerdem: Ein Physik Problem, denn wenn man mehrere Dynamitstangen aufeinanderwirft, und eine zur explosion bringt, explodieren sie alle nacheinander. Seis drum, bei Painkiller ist das ja ähnlich.
Wenn ich die CDs noch hätte, würde ich es auch nochmal durchspielen. Was bleibt, ist die Erinnerung, *wäääääääähh*. Verdammt, früher gabs schon paar klasse Spiele. Sehr lustiger Artikel.