Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)

Offensichtlich wurde vor einigen Tagen eine neue Konsole veröffentlicht, auf der man alle bereits vorhandenen Halo Titel spielen kann. Für mich und viele andere wohl der wichtigste Kaufgrund für die Xbox 360. Aber wie sieht es mit den anderen Launchtiteln aus, die nicht Halo sind? Den Anfang in meiner Xbox 360 Artikelfolge macht Project Gotham Racing 3.

Ersteindruck: Heiliges Kantenflimmern, Batman! Und das selbst in HD 720p – kein Wunder beim völligen Fehlen von Anti-Aliasing oder der texturschärfenden Anisotropischen Filterung. Zum Glück fällt der Gesamteindruck dann aber doch positiv aus.

Auch für den dritten Teil hat Bizzare den Ansatz einer Mischung aus physikalischer Simulation und Arcadegameplay beibehalten. Die Physik des Vorgängers wurde allerdings nicht einfach übernommen, sondern offensichtlich neu entwickelt. Während sich PGR2 im A/B-Vergleich mit dem realistischen Forza Motorsport noch etwas steif und künstlich anfühlte, erwecken die Autos in PGR3 zunächst den Eindruck einer phyikalisch korrekten Simulation. Deutlich sichtbar reagiert die Chassis auf die Eingaben des Spielers und die zerrenden, physikalischen Kräfte. Sehr schön vermittelt wird der Eindruck von Gewicht, das bei Höchstgeschwindigkeiten über die Strassen rollt.
Erst in der Kurvenlage beweist der PGR3 Fuhrpark (der diesmal auch Lamborghinis umfasst) eine ungeahnte Fahrstabilität und Abbremsfähigkeit. Niemals scheint eine Fahrsituation zu entstehen, die nicht noch während ihres Aufretens mit dem korrekten Fahrmanöver passiert werden könnte. Der Eindruck ist dabei so stimmig, daß man geneigt ist an eine besonders überlegene Autokonstruktion zu glauben. Erst bei der intellektuellen Herangehensweise wird klar, daß zugunsten der Spielbarkeit eigentlich etwas gemogelt wird.

Verstärkt wird der Eindruck noch sobald man in den neuen Cockpit-Modus schaltet. Das Bewusstein für die Umgebung bleibt dabei weitgehend erhalten und wird zusätzlich durch unter dem Einfluss der Beschleunigungskräfte simulierte Kopfbewegungen verstärkt. Aufwendige Reflektionen und Unreinheiten auf der Frontscheibe sowie funktioniende Innen- und Aussenspiegel setzen dem Erlebnis optisch noch ein Sahnehäubchen auf. Beim Rundumblick mit dem rechten Analogstick bleibt man allerdings auf die Seitenfenster beschränkt; die Sicht auf Pedale, Decke oder Heck wird blockiert. Schade, ich hätte im Cockpit gerne 360° Freiheit gehabt. Dafür gibt es eine simulierte Bewegungsunschärfe, die den Blick aus dem Seitenfenster zu einem spetakulären Lichtwasserfall macht und beim Spieler garantiert einen Geschwindigkeitsrausch verursacht. Details erkennt man so allerdings bei nahe gelegenden Objekten (realistischerweise) keine mehr. Alles in allem ist die Cockpitperspektive ein wirklich gelungenes Feature, das in dieser Umsetzungsqualität einen dicken Pluspunkt für PGR3 einbuchen kann.

Gameplay:
Die Struktur der Solospieler Kampagne gliedert sich nun in thematische Blöcke, wie z.B. “Nachtrennen”. Dabei werden die alten Bekannten wie Street Race, Hotlap, Speed Challenge (mit Mindestgeschwindigkeit Vorgabe durch die Messlinie fahren), Kudos Challenge (Powerslides zu Punkte-Combos verbinden), Cone Challenge (Unter Zeitdruck und mit Punktevorgabe einen Parcours passieren), etc.jeweils in 5 verschiedenen Schwierigkeitsgraden beibehalten. Ein besonderes Merkmal unterscheidet PGR3 allerdings wohltuend von PGR2: Jeder Wagen ist nun zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Kampagne nutzbar, die CPU-Spieler und Rahmenbedingungen passen sich automatisch an die eigene Wahl an. So muss man nicht länger den jeweils besten Wagen innerhalb einer Klasse wählen, um ein Rennen zu gewinnen. Die fahrerische Abwechslung bleibt völlig dem Spieler überlassen; er kann entweder seinen Lieblingswagen durch das gesamte Spiel fahren oder für jedes Rennen einen neuen Wagen ausprobieren (solange er das entsprechende Gefährt mit dem erspielten Geld bereits erstehen kann) – das Spiel bleibt dabei immer fair und ausbalanciert. Prima.

Multiplayer-Rennen zeigen sich von ihrer lagfreien Seite und bieten neuerdings die Möglichkeit Replays nach dem Rennen abzuspeichern und bereits vor dem Spielbeitritt gestarteten Rennen zumindest als Zuschauer beizuwohnen. Wer erstmal in einer freundlichen Onlinegruppe mit 8 Spielern landet, wird sich wohl nur noch mit Gewallt von dem Spiel trennen können.

Grafik:
Zurück zur Grafik: Ist sie Next-Gen? Vermutlich schon, allerdings erschliessen sich viele Details nicht unbedingt auf den ersten Blick. Auch gibt es Schwachpunkte: Automodelle gliedern sich durch das fehlende Anti-Aliasing während der Fahrt leider nicht perfekt in die Umgebung ein; dazu besitzen sie durch ihre einfarbige und bis auf wenige Details texturlose Oberfläche einen leichten Cellshading-Touch. Es fehlt der Einfluss natürlicher Elemente wie Staub und Dreck, struktureller Unebenheiten und eines ausgefeilteren Beleuchtungsmodells um Lack und Chassis natürlicher wirken zu lassen. Durch die fehlende anisotropische Filterung wirkt der Strassenbelag stellenweise (New York) matschig. Tatsächlich scheint Forza Motosport (Xbox) hier einen fortschrittlicheren und besser aussehenden Material-Shader zu nutzen, der während der Fahrt mehr einzigartige Details und Unebenheiten auf dem Boden zeigt. Offensichtlich ging hier viel Rechenzeit auf das Konto des HDR-Effekts, der den wechselnden Lichteindruck beim Übergang von Hell / Dunkel simuliert. Insbesondere aus der Cockpit Perspektive sieht das in der Interaktion mit der Windschutzscheibe auch sehr überzeugend aus. Ich hätte mir aber stattdessen trotzdem eine sauberere Grafik ohne flimmernde Kanten, aber mit scharf gerechneten Texturen gewünscht.
Die neuerdings als 3D-Modell umgesetzten Zuschauer machen sich während der Fahrt dagegen absolut unbemerkbar. Ein LOD-Algorithmus der diese 3D-Modelle bei hoher Fahrgeschwindigkeit mit den üblichen 2D-Pappaufstellern ausgetauscht hätte, wäre hier zugunsten gesparter Rechenzeit sicher sinnvoll gewesen. Die Städte selbst sind mit hochauflösenden Texturen nur so gespickt. Der Hardware scheinen bei der Wiedergabe von Details nahezu keinen Grenzen gesetzt zu sein. Von den sehr detailliert modellierten Fahrzeugen sieht man während der Fahrt typischerweise nur das Heck. Das Auge konzentriert sich hier um so mehr auf simulierte Chassis-Oberflächeneigenheiten, die mit ihren simulierten Reflektionen und Lichteffekten immernoch eine klare Diskrepanz zur Realität zeigen. Der visuelle Gesamteindruck ist also zunächst eher der eines massiv aufgewerteten PGR2. Zu ähnlich ist wohl die verwendete, grundlegende Technik. Es ensteht das Gefühl, daß der große Sprung noch mit PGR4 bevorsteht.

Eine kleine Überraschung bieten die Nachtrennen: Aktiviertes Anti-Aliasing. Denn der HDR-Effekt ist aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung deaktiviert und räumt so die nötige Rechenzeit frei. Dank reduziertem Kantenflimmern, toller Fototexturen und sanfter Strassenlampenbeleuchtung wirken die Nachtrennen aus der Cockpit Perspektive in manchen Momenten tatsächlich schon fotorealistisch. Schade, daß es keinen Regeneffekt gibt.

Fazit:
Ist PGR3 der versprochene grafische Quantensprung? Eine schwierige Frage, da trotz vieler Details der visuelle Gesamteindruck noch zu nah an einem hochauflösendem PGR2 mit zusätzlichen grafischen Details ist. Ein neues, einschneidendes Renderparadigma, das neue Enginewege geht, sowie eine bessere Ausnutzung von Effekt- und Polygonbudget wären dazu vonnöten. Könnte ein aktueller Hochleistungs-PC das Spiel also anzeigen? Das bezweifle ich wiederum, da der technische Aufbau massive Anforderungen an die Hardware stellen muss, die eine PC-Architektur heute wohl überfordern würde. Letztendlich zerstreut PGR3 diese Fragen aber mit seiner astreinen Spielbarkeit. Bizarre hat erneut einen würdigen Nachfolger geschaffen, der eine eindeutige Verbesserung zu seinem Vorgänger darstellt und sich wohl auch in den kommenden Monaten und Jahren noch anhaltender Beliebtheit erfreuen dürfte.

22 Kommentare Autor: Marc
Tags: ,

22 Kommentare

  1. “Heiliges Kantenflimmern, Batman!”
    Oh ja, war auch mein erster Gedanke beim Spielen. Das ist so schlimm, ich dachte schon, ich würde vor einer PS2 stehen.

  2. Wo sind die Aston Martin Screenshots? Dude!

  3. Kein Quantensprung?
    Na sowas.

  4. In welchen Szenarien ist man in PGR3 denn unterwegs? Und wie sieht New York so aus? Mein Gott, ich liebe New York. :)

  5. New York, Tokyo, London und Las Vegas – 4 Städte also.

    New York? Sieht recht cool aus, bis auf die laaange Brückenpassage. Die mag’ ich net! Zuviel gerade Strecke und die Bodentextur sieht dort einfach zu matschig aus.

  6. Ich habs mir nicht geholt. MSR damals und das erste PGR hab ich wirklich verdammt lange gespielt, aber irgendwie war bei mir dann schon bei PGR 2 die Luft raus. Hab aber zugegeben auch nie damit online gespielt. Offline soll ja PGR3 nach wenigen Tagen überhaupt keine Reize mehr haben.

  7. Na, etwas länger dürfte die Motivation schon anhalten. Es stimmt aber, dass Spiele wie Forza und Gran Turismo 4 im reinen Singleplayer eine längere Langzeitmotivation haben dürften. Dafür hat PGR3 eben den besseren Multiplayer-Modus. Besonders schön ist die neue Auto-Match Funktion, die auf Knopfdruck und in wenigen Sekunden gleichstarke Gegner automatisch nach dem TrueSkill Algorithmus zusammenwürfelt.

  8. Bitte als nächstes ein interessantes Spiel vorstellen (hint, hint: Kameo).

  9. Als nächstes ist entweder Kameo dran (gefällt mir sehr gut und macht optisch einiges her) oder PDZ (kotz, würg, etc).

  10. Go! Go! KA-ME-OH!

  11. Ich bin doch noch nicht so weit. 3h vielleicht. Ich will eigentlich auch nicht weiterspielen, weil es dann schnell aufhören könnte.

  12. Da blickt der PC Besitzer doch etwas neidisch Richtig 360.
    Seit dem die Achse Codemasters – EA beschlossen hat das Arcade-Racer für den PC keine Cockpitansicht benötigen herrscht hier ja ziemliche Flaute. Obwohl die Sitzposition vor dem PC dafür prädestiniert ist.
    Vielleicht überrascht uns aber MS ja mit einer PC Version vom PGR3. Mitsamt PC – 360 kompatiblen Online-Modus.
    Wäre sicher ein Spass.

  13. oje! was seid ihr für luschen?! PGR3 noch nicht auf ‘nem HD-TV gesehen?! oder die xbox360 noch nicht auf 1080i auflösung gestellt?! das ist das beste rennspiel, das es bis jetzt gibt! fuck GT4, ich ärger mich schon, wenn ich die verkackte packung sehe!

  14. Willkommen im Internet!

  15. HI BITTE UM HILFE!

    wir sind hier drei burschen die gegeneinander pgr 3 spielen wollen, wir haben drei kontroller, aber kann es sein, dass wir zu dritt nicht gegeneinand spielen können?

    was solln das? :) auf der alten xbox ging das durchaus zu viert, hier anscheinend nur mit 2?

    (ich red nicht über den online modus)

  16. Ich hab seit 1 Jahr ne XBOX 360 und zocke immer noch jeden Tag PGR3. Das Spiel ist einfach geil. Vielleicht liegts ja auch daran, dass NEW YORKso verdammt gut aussieht, alleine die Straßenmarkierung steht dem echten Brooklyn und Manhatten in nichts nach. p.s.Ich war schon mal in New York, mehrmals, und mein Eindruck WOW, auch bei PGR3, als auch in echt !!!!!

  17. p.s. Schöne grüße an Chris (I love New York, too)

  18. nkcklcjv.lv

  19. Wie schaltet man bei den Nachtrennen das Licht an???

  20. Aaaldr bin isch Orhan,
    brauch isch wie Multipleier offlein du Hurre