
Ich bin 31 Jahre alt. Davon habe ich erschütternd lange vor Bildschirmen verbracht. Ich bin erstaunt, dass ich immer noch keine Brille tragen muss – allein schon die Wochen, die mein armes Augenpaar vor einem ergonomisch unverantwortlichen Commodore Farbmonitor verbringen musste, sind eigentlich unverzeihlich. Ich bin nicht nur alt, ich habe auch schon viele Spiele gespielt. Das tue ich immer noch.
Aber irgendwie ist es nicht mehr dasselbe.
Gelegentlich gibt es immer noch Spiele, die mich für Wochen in ihren Bann ziehen. Ihr ahnt was jetzt kommt? Richtig! Word of Warcraft ist so eines. Aber auch hier merke ich, was ich schon lange ahnte: Das Spiel selbst hält mich nicht vor der Kiste. Es kann noch so toll balanciert sein, mir eine knallige Story vor die Rübe knallen, mit engelhafte Sounds in die Ohren quengeln, und meine geschundenen Augen mit phantastischen Phänomenen entschädigen – irgendwann fällt mir wieder auf, dass ich in einem Spiel bin. Und vielleicht ist das WOWs Fehler, auch wenn es diesen Makel mit vielen, vielen anderen Produkten teilt, die weit mehr darunter zu leiden haben. Es ist ein Paradoxon: Alte MMOG Spieler lieben Spiele nicht mehr, wenn sie merken, dass sie in einem Spiel sind:
“Igitt, was ist DAS denn? Ich stehe ja in Spiel! Pfui!”
WOW ist ein tolles Spiel. Es macht schweinisch Spass. Es ist, ganz objektiv betrachtet, absolut das beste MMOG, das ich kennenlernen durfte. Dennoch kommen mir immer wieder Gedanken, ob ich nicht doch vielleicht meine Charaktere einmotten sollte. Denn nach so vielen Onlinespielen sind mir die Mechaniken und Gesetze des Genres allzu gegenwärtig, und eigentlich habe ich gar keine Lust, meine Charaktere mühevoll auf Stufe 60 zu leveln.
Was ich will ist, in einem Spiel.. naja, einem Ding mit Spiel drin, aber im Grunde einer virtuellen Wohnzimmerwelt zu wohnen, die gar nicht wie ein Wohnzimmer aussieht. Oder mehr eine Kneipe, die von innen wie Azaroth ist. Das wäre eine verdammt große Kneipe, aber der Punkt ist: Da sind meine Freunde drin. Und die warten auf mich, und wollen mit mir hin und wieder ein paar Abenteuer erleben. Leider sind die alle so beschäftigt damit, rumzuleveln und Ehrenpunkte zu sammeln, dass ich mit meiner beschränkten Zeit gar nicht mehr mit ihnen spielen kann. “Ja, klar.” werdet ihr sagen, und : “Such Dir eine ordentliche Gilde, Denis.”
Und ihr hättet Recht.
Aber das ändert nichts an der Tatsache, das WOW ein sehr gutes Spiel ist, aber eher eine durchgestylte, extrem aufregende Grossraumdisko mit einer Gruppe motivierter Star-DJs, in der jeder mithopsen möchte. Aber ich hab da immer das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Das ich ein Spiel spiele. Die Welt muss gar nicht realistisch oder “simuliert” sein. Und ich weiss auch nicht genau, was WOW da falschmacht. Azeroth sieht toll aus, und hat eine feine Atmo (Jetzt hab ichs geschrieben!).
Ich bin aber alt und träge, und möchte lieber mit ein paar alten Stänkeren in einer kleinen, gemütlichen Schmuddelkneipe hängen, und mit denen ein paar Bösewichte (=Gäste, die aus der Hochglanzdisko kommen und vermutlich BWL studieren) mächtig verhauen.
Aber nur, wenn wir Lust drauf haben. Kein Leistungsdruck, Alter. Und wenn wir wollen, dann wollen wir unsere knochigen Schädel benutzen wollen, und nicht etwa nur unsere machtvollen Stats. Sonst finden wir noch Spiel. Die sind echt mächtig, unsere Stats. Die willste gar nicht erst sehen, Alter.
Ich finde bei World of Warcraft die Diskrepanz zwischen der wunderbar atmosphärisch und dicht gezeichneten Welt und der total offensichtlichen und abstrakten Spielmechanik recht erstaunlich.
Nebenbei spiele ich das Spiel eher als zwei Jahre lange Einzelspielerkampagne als dass ich es als Onlinespiel betrachte. Hin und wieder wir mal zu zweit gequestet, wenn man unterwegs jemanden trifft der die gleichen Aufgaben hat, spontan mal eine Gruppe für Instanzen gebaut, aber das war’s. Mit Gruppen herrscht mir immer zuviel Leistungsdruck. Ich finde WoW zu spielen extrem entspannend und das geht dann verloren.
Ja, das ist es. Ich mag nicht allein in einer riesigen (kostenpflichtigen) Welt spielen, aber in einer Gruppe gibts dann immer Zucht und Ordnung. Alles Sachen, die für mich in Spielen nichts zu suchen haben.
Ich hab ja auch Kriegsdienst verweigert, und so.
Ich will kein Rädchen im Getriebe sein. Aber kreative Lösungen sind in WOW ja nicht unbedingt oft für Probleme zu finden, und vermutlich auch gar nicht Teil des Designs gewesen, genausowenig wie in anderen MMOG.
Und so ein schlimmer Casual Gamer bin ich auch nicht. Ich kann schon ein paar Stunden am Stück im Spiel versinken. ich wills aber nicht müssen.
Deswegen nerven mich die sechsstündigen Instanzen ja auch so sehr. Ich hätte viel lieber drei zweistündige. Und endlich funktionierende Meeting Stones.
Zum Thema WoW kann ich ja nicht wirklich mitreden (Abos sind mir zuwider), aber bei Guild Wars ist es mir ähnlich ergangen. Klar macht es eine Zeit lang grossen Spass, durch die Welt zu rennen, Monster zu plätten und Quests zu machen. Da finden sich dann auch schnell ein paar Gleichgesinnte, mit denen man mal eben einen grösseren Aufträge angehen kann.
Irgendwann ging mir das im Prinzip ja furchtbar primitive Spielprinzip dann aber furchtbar auf die Nerven, und wenn man dann versucht, einfach mal ein wenig echtes Rollenspiel zu betreiben, stösst man eigentlich nur auf Unverständnis der levelschindenden Mitspieler. Da lobe ich mir meine Einzelspieler-RPGs.
Es gibt massiv Rollenspiel in WoW, aber das findest meistens außerhalb des normalen Spielbetriebs statt. Auf Argent Dawn kann man als Allianzler mal Abends ins Inn in Goldshire gehen. Nicht schlecht, was da abgeht.
Aber man trifft dann natürlich auch wieder Leute, die rumlaufen und Leute anpflaumen was ihnen den einfallen würde zu questen. Da muss man ja rumlaufen und wenn man rumläuft, kriegt man keine Erfahrungspunkte und wie ineffizient ist das denn bitteschön? Dass mein Charakter nach über einem Jahr in Azeroth noch immer nicht auf Level 60 ist, stellt für diese Leute die größte Schmach da, die ein Mensch erfahren kann. Sehr bitter.
Ich hab damals zwar nur Ultima Online gespielt, und auch das nur auf Freeshards, und eigentlich nur wegen dem RP.
Klar auch mein Schmied hat stundenlang in einer Mine gestanden nur um Erz zu sammeln, aber sogar das war cool, zusammen mit anderen Schmieden, zusammen Pausen zu machen, sich dabei zu Unterhalten, sich das Essen zu teilen, mich hat es gefesselt, bis es irgendwann zu viel Zeit gefressen hat.
Im Moment fühle ich mich versucht mal in EVE reinzuschauen, hat da irgend jemand schon Erfahrungen mit gemacht?
Als meine persöhnliche und bescheidene Meinung ist: Spiele ein Pen & Paper Rollenspiel. Klar, hat nich so dolle Grafik (da sieht sogar noch Ultima Online besser aus…), aber mit ner netten Gruppe und nem guten Meister kann ma da ein paar sehr schöne Abende verbringen. Ich spiele ein mal die Woche Rollenspiel, und da machts mir nichts aus das man eben kein Charakterrollenspiel bei WoW hat, weil da nun mal auf einen guten Mitspieler schätzungsweise 5 Vollgurken kommen (ich hatte eigentlich gehofft das sich das nach dem ersten Testmonat reduziert, aber auf Kies gefurzt…). Also, such dir 4 – 5 Kumpels, kauft euch nen Basispacken z.B. DSA (Das schwarze Auge), kürt einen Meister und Macht Rollenspieltreffen!!! Und zu WoW gibts auch ein Pen & Paper Rollenspiel, und das is au nich schlecht.
Du spielst zu viel WoW, wenn du bei dem Satz “Gäste, die aus der Hochglanzdisko kommen und vermutlich BWL studieren” denkst: Den Blackwing-Lair kann man studieren? :)
Ansonsten: Ja, du schreibst es schon (“such dir ne vernünftige Gilde” *g*), es hängt extrem von den Leuten ab, mit denen man spielt. 2-3mal die Woche abends mit 4 Kumpels Quests in den Highlevel-Instanzen angehen und sich währenddessen nett im TS unterhalten, so macht WoW Spaß. Meeting Stones können gerne noch auf Jahre kaputt sein, weil Randomgruppen nie auch nur annähernd so gut funktionieren und so entspannend und streßfrei sind wie Gildengruppen.
Und da kommen wir auch zum Zeitfaktor: Für die meisten Instanzen braucht man nur dann länger als 3 Stunden, wenn man auf Biegen und Brechen alle Quests dort auf einmal erledigen will. Was in der Regel die Vorgehensweise von Randomgruppen ist. Mit Gildengruppen lässt sich das bequem auf mehrere Abende splitten.
Man kann WoW natürlich über weite Strecken als Singleplayerspiel spielen, aber ich hatte dabei immer das Gefühl, dass das, auch wenn es durchaus irgendwie funktioniert, nicht die Art zu spielen ist, für die das Spiel _gedacht_ ist. Selbst bei Non-Elite-Quests nicht. Wenn man die in Kleingruppen von 2 oder 3 Leuten angeht, fließt das Spiel gleich ganz anders.
Das Leveln ist natürlich Geschmackssache, ich persönlich hab diesen ganzen Erfahrungspunkte-Kram immer gehasst. Das ist mit 60 jetzt endlich kein Thema mehr und dafür bin ich dankbar. Spielt sich viel entspannter und macht mehr Spaß. Die Level gehören auch zu den Dingen, die ich in Guild Wars eindeutig besser geregelt finde: Level 20, das dortige Höchstlevel, erreicht man in vergleichsweise kurzer Zeit, beinahe schon aus Versehen. :)
Sunjumper, schau doch mal bei der Konkurenz rein ;)
Da gab es einen Artikel nur zu EVE mit einer Menge Kommentaren.
Um ein paar vermutlich falsche Annahmen zu korrigieren und um die Diskussion in andere Bahnen zu lenken:
Ich spiele seit Pen&Paper Rollenspiel seit ich 12 bin
Ich suche gar kein Rollenspiel in MMO, weil ich persönlich der Ansicht bin, dass sich das unmöglich auf einer breiteren Ebene als einer Gilde (das ist schon sehr hochgegriffen) oder einem winzigen Freeshard umsetzen läßt. Unter anderem liegt das an den zigtausenden verschiedenen Definitionen von “Rollenspiel” und der ausgeprägten Intoleranz/Überlegenheitsgefühl der “Rollenspieler”.
Ich will durchaus Spielen, und nicht chatten. Aber wie jemand schon bemerkte: Die Spielmechaniken sind mir zu offensichtlich. Ich will gar nicht so sehr merken wie mein Charakter besser wird. Sicher, wenn ich mir einen neuen Skill anlerne, okay. Aber doch nicht, wenn ich mir einen neuen Säbel kaufe.brrrr. Ich will spielen, nicht kalkulieren.
Bei der Rollenspielproblematik kommt noch hinzu, dass man sich dafür erstmal auf eine konsistente Welt einigen müßte. Hendrik hat hier schon darüber gelästert wie gewisse Rollenspieler auf deutschen Servern immer von “edlen Recken” und “holden Maiden” reden. Das hat herzlich wenig mit der Welt von Warcraft zu tun, und ist zudem selbst für jemanden wie mich, der schon verdammt viel Pen & Paper gespielt hat, ziemlich albern.
Und ihr wollt nicht wissen, wie häufig ich an Orcs vorbei laufe, die gerade Rezepte zum Kochen von Menschen austauschen. Auch das hat mit den Orcs aus Warcraft ja nun wirklich herzlich wenig zu tun.
Nochwas: Die offensichtliche Spielmechanik macht das Rollenspielen außerdem noch extrem schwierig. Spätestens in einer Instanz hören auch die härtesten Rollenspieler damit auf, weil man einfach mit Begriffen der Spielmechanik um sich werfen muss, um zu überleben. Es gibt zwar ein paar Versuche diese Sachen in Rollenspielbegriffe zu kleiden, aber das ist meist wenig erfolgreich. Als ich angefangen habe zu spielen, war auf Argent Dawn der Begriff “Season” für “Level” sehr beliebt, aber das habe ich schon seit Monaten nicht mehr gehört. Irgendwann gibt man einfach auf.
Ich spiele seit 10 Tagen WoW und Denis spricht mir aus der Seele. Ich finde es auf der einen Seite absolut genial, schon alleine Sightseeing macht Spaß. Oder das beklemmende Gefühl wenn man das erste mal nach Duskwood kommt (auch wenn es da noch schlimmere Sachen wahrscheinlich gibt).
Aber andererseits merke ich dann auch, dass alles auf den Level bezogen ist, auf Level 10 ist es genauso schwer gegen Level 10 Gegner zu kämpfen wie auf Level 20 gegen Level 20er. Und wenn man Level 20 ist, sind da halt auch nur noch Level 20er gegen die man kämpft. Also ist es irgendwie witzlos… nur das man größere Schwerter oder Schulterpolster trägt.
Und was die Suche nach einer guten Gilde (die 30mal am Stück die Instanz machen will, damit jeder, alle raren Items hat), ist schwierig wenn, so wie bei mir, die meißten der Freunde schon wieder damit aufgehört haben, weil Sie zuviel Zeit damit verschwendet haben.
Und letztendlich wird es Ende Januar nach 2 Monaten auch vorbei sein, wenn die Diplomarbeit anfängt und wir endlich wieder viel Schnee im Sauerland haben… dann verschwende ich die Zeit lieber auf dem Snowboard als vor dem Rechner… sonst Ärger ich mich mein Leben lang darüber. Next Stop ist dann das Holodeck, wenn ich in Rente gehen. :o)
Versteh ich nicht. Die Level20-Gegner unterscheiden sich ja oft genug nicht nur durch die Levelangabe von den Gegnern auf Level 10. Man bewundert Gebiete, die man vorher nicht kannte, kämpft gegen andere Gegner und zumindest mir gehts so, dass ich die Quests auch überwiegend sehr spannend gemacht finde. Gerade die Morde in Duskwood, wo du ja gerade bist.
Das wär für mich nun gerade kein Qualitätskriterium für eine Gilde. 30mal am Stück in die gleiche Instanz zu rennen ist tatsächlich Zeiverschwendung, wundert mich auch nicht, dass das die meisten deiner Freunde inzwischen so sehen. Wo bitte macht denn das Spaß?
Ups, bei dem letzten habe ich etwas vergessen zu schreiben… ich meinte eine Gilde die nicht 30mal in eine Instanz rennt, damit alle die gleichen Items am Ende haben. Gerade das finde ich ja so bescheuert. Sry… für das Missverständniss.
Was den ersten Teil betrifft, so ist es zwar richtig, dass es auf Level10 ein Junger Wolf ist und auf Level20 ein Terrorwolf, aber irgendwie sind die doch gleich (Wald von Elwyyn und Duskwood). Wo ich dir recht geben muss, ist dass die Quests in der Tat wieder spannender werden. Gestern habe ich die Questreihe um die Devias Bruderschaft zuende gemacht, inklusive Audienz beim König. Das war schon cool. Aber letztendlich sind die Gegner doch immer ungefähr gleich stark wie man selber und man trifft immer auf ähnliche Gegner (Wölfe, Spinnen, Goblins). Eben nur mit anderen Vornamen (Junger, Räudiger, Terror), usw.
Aber wie gesagt… ich finde es ja schon ziemlich gut. Nur manchmal geht es einem echt auf die Nerven (gestern ne Stunde in Duskwood rumgelaufen um 3 Seide zu farmen… war das ätzend).