Seelenwanderung

Nachdem ich Fahrenheit gestern entnervt aufgegeben hatte (Adventure-Teile super! Action-Teile pfui bäh!), ermunterte mich Richard, doch mal was zu Omikron – The Nomad Soul zu schreiben. Ihr wisst schon, das andere Spiel von Quantic Dream. Omikron ist, wie auch Fahrenheit, ein absolut ungewöhnlicher Titel. Ein Science Fiction Adventure über eine wandernde Seele mit FPS- und Prügelspieleinlagen, einer riesigen, frei erkundbaren Stadt und… David Bowie. Nicht nur mit Musik von David Bowie, sondern mit dem virtuellen Abbild des Musikers und seiner Gruppe. Ihr merkt schon, es ist sehr bizarr.

Eigentlich wäre so ein Spiel ja automatisch zum Scheitern verurteilt, aber irgendwo habe ich mal gelesen, dass es wohl mehrere Hunderttausend Einheiten abgesetzt hat. Eine weitere Parallele zu Fahrenheit, das ja einer der Überraschungshits dieses Jahres war. Also, für die zwei Leute, die es noch nicht gespielt haben, hier eine kurze Einführung.

Zu Beginn von The Nomad Soul landet der Spieler, oder besser gesagt dessen Seele, im Körper von Kay’l, einem Polizist in Omikron (besagte riesige Stadt). Irgendein grosses Unheil steht bevor, komplett mit Dämonen, Terroristen und Anarchie. Und natürlich liegt es am Spieler, das Unglück abzuwenden. Aber wie bloss, man ist ja gerade erst in dieser völlig fremden Welt angekommen. Man kennt niemanden, hat keinerlei Anhaltspunkte, und dann ist da noch diese mysteriöse Mordserie. Gerade das aber macht das Spiel so interessant, man bekommt nichts auf dem Silbertablett serviert. Du willst Informationen? Na gut, im Körper eines Polizisten sollte das ja wohl irgendwie zu machen sein. Und so ein Mord geht sicherlich auch nicht spurlos über die Bühne. Also heisst es Räume durchsuchen, Leute ausfragen und Dokumente lesen. Ein klassisches Adventure halt.

Und wiederum doch nicht so klassisch. Wie schon erwähnt ist Omikron eine Stadt im Stil von Grand Theft Auto, mit Läden, Passanten, Wohnhäusern und allem, was sonst noch so dazu gehört. Es spricht also nichts dagegen, sich einfach mal in eine Bar zu setzen oder zuhause vor dem Fernseher rumzulümmeln, bevor man sich wieder dem Hauptplot widmet. Überhaupt wird Freiheit gross geschrieben. So war ich zum Beipiel angenehm überrascht, als ich am Schauplatz eines Mordes einen funktionierenden Holospieler (oder wie auch immer sich das nannte) vorfand. Also die eben gekaufte Single eingelegt und zu entspannender Musik (von David Bowie – natürlich) die Wohnung durchwühlt. Ausserdem gibt es da ja noch das Feature der Seelenwanderung. Nun ist es nicht so, dass man beliebig von Körper zu Körper hüpfen kann, sonst wäre das Spiel auch verflixt schnell rum. Vielmehr ist die Transmigration ein weiteres Puzzleelement, mit dessen Hilfe man scheinbar unlösbare Hindernisse überwinden kann.

Also alles eitel Sonnenschein? Nicht wirklich, für jede gute Idee wurde auch eine schlechte ins Spiel eingebaut. Leute mit chronischer Abneigung gegen Comic Sans und ähnlich verspielte Fonts werden bei Omikron spontanen Brechdurchfall bekommen, der verwendete Schriftsatz ist im besten Fall kaum zu entziffern. Zu dumm nur, dass dies ein Adventure ist und man ständig irgendwelche langen Texte lesen muss. Die Action-Teile sind ausserdem unter aller Kanone. Während die Beat’em’up-Sequenzen einem simplen Tekken ähneln und halbwegs Laune machen, bewegen sich die Shooter-Elemente so knapp unter Doom-Niveau. Zum Glück sind beide Mini-Spiele nicht besonders schwer und nerven wesentlich weniger als die Senso-Einlagen in Fahrenheit. Und dass, obwohl die Steuerung bei meiner Dreamcast-Version mit Analogstick fürs Laufen und Digitalstick fürs Hoch- und Runterschauen denkbar unglücklich gelöst wurde. Apropos Dreamcast, die arme Konsole ist mit dem Spiel ziemlich überfordert. Wenn man nicht gerade in einem Gebäude ist, stört ein ständiges dezentes Ruckeln den Spielfluss. Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass das Spiel sein gesamtes Pulver schon am Anfang verschiesst. Je weiter man kommt, desto spärlicher werden die Rätseleinlagen, und wir reden hier ohnehin nicht von einer Puzzledichte Marke Lucasfilm Games. Das Ende kommt dann auch recht überraschend, obwohl ich ehrlich gesagt keine Ahnung mehr habe, wie es denn nun ausging.

Na ja, aus nostalgischen Gründen kann man sich Omikron sicherlich auch heute noch anschauen, obwohl die Grafik nicht wirklich gut gealtert ist. Es ist ein solides Adventure mit einigen exzellenten Ideen, das ironischerweise gegen Ende an akuter Ideenlosigkeit krankt. Dennoch, wer Fahrenheit mochte (und lebend aus der eigenen Wohnung entkommen ist) sollte ruhig mal einen Blick auf das Spiel werfen, die Parallelen sind unverkennbar.

Pro-Tipp: wenn ihr mit Kay’l auf einem Dach um euer Leben kämpft – lasst euch totschlagen, es lohnt sich.

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14 Kommentare Autor: Stefan
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14 Kommentare

  1. Moment mal! Es ist wirklich Adventure Tag bei Antigames!

  2. ja! und wenn ihr weiter in dieser geschwindigkeit schreibt, komme ich überhaupt nicht mehr zum arbeiten! ;)

  3. Wenn’s auf Dreamcast zu nervig ist, einfach PC Version besorgen… sieht dann auch ne’ ganze Ecke besser aus :)

  4. Omikron klingt ganz interessant. mal sehen, ob ich dafür mal irgendwann Geld übrig habe.
    Zu den Senso-Einlagen von Fahrenheit: Ich habe mir das Spiel für dieses Wochenende mal aus der Videothek ausgeliehen und gestern am Stück zwei mal durchgezockt, einmal mit deutscher und einmal mit englischer Synchro. Und nie hatten mich die Senso-Einlagen gestört. Kann sein, dass ich mit so etwas besonders gut klar komme, aber trotzdem: Zu keinem Einzigen Zeitpunkt hat mich diese Tastaturakrobatik gestört. Und jetzt Achtung: Ich kam sogar mit der Kamera klar! Ich habe es selbst kaum geglaubt, aber ich kam mit der Kamera klar. Und die paar Schleicheinsätze vor denen ich mich gefürchtet hatte gingen ebenfalls sehr gut von der Hand.
    Also, alles ist machbar. Weiterversuchen, notfalls Schwierigkeitsgrad runterschrauben.

  5. Kann man denn mitten im Spiel den Schwierigkeitsgrad ändern? Wenn ja, dann muss ich das gleich heute abend mal ausprobieren. An der Senso-Einlage “Wind im Wohnzimmer” bin ich allerdings schon gefühlte 2000 Mal gescheitert (real eher um die 30) und habe langsam echt keinen Bock mehr.

    Mit der Kamera hatte ich übrigens auch nie Probleme. Nachdem ich im Tutorial gemerkt habe, dass Maus & Tastatur nichts für mich ist, habe ich einfach mein Dual Shock eingestöpselt. Damit lässt sich’s prima steuern.

    Ich denke, ich werde nach der Arbeit nochmal Omikron auspacken und mir ansehen, wie gut es gealtert ist. Oh, ich vergass eins zu erwähnen. Die deutsche Version hat durch die Bank sehr gute Sprecher.

  6. Die von Fahrenheit oder von Omikron?

  7. Ich denke mal, die von Omikron, denn die deutschen Sprecher von Fahrenheit sind meiner Meinung zwar brauchbar, bringen die Atmosphäre nicht so rüber, wie die englischen Sprecher.

  8. Richard, da du mir die englische Version von Fahrenheit ausgeliehen hast, meine ich tatsächlich Omikron.

  9. Hätte ja sein können, dass Fahrenheit multilingual ist.

  10. Fahrenheit ist in der DV multilingual.

  11. Es gibt auch eine Anspielung auf Omikron in Fahrenheit, und zwar wird auf einem Comupterterminal mal was über die Premiere eines Films mit dem Namen “Omikron” berichtet. David Cage ist ja der Produzent beider Spiele.

  12. omikron war eines der wenigen spiele, die mich unglaublich in ihren bann gezogen haben (wie weiland myst). trotzdem habe ich es nie zu ende bekommen. lag an den unsäglichen actioneinlagen. vielleicht auch besser so. dann musste ich das ende schon nicht vergessen.

  13. ok, geschafft. habs mir eben wieder bestellt. ich gehöre ja zu der sorte spieler, die ihre titel immer verscheuern, verschenken oder verschwinden lassen. vielleicht krieg ichs diesmal zu ende gespielt. ach ja: hat jemand grim fandango??
    :-)