
Heute ist Adventure Tag auf Antigames und deswegen habe ich beschlossen mal einen Blick auf die Demo von Keepsake zu werfen. Seit The Longest Journey hat es kein wirklich brauchbares Adventure mehr gegeben. Das Genre an sich ist durchaus noch quicklebendig, allerdings sind Adventures zu einem Nischenprodukt geworden. Das führt leider dazu, dass die durchschnittliche Qualität der Spiele doch ziemlich gefallen ist. Schon an der Grundvorraussetzung einer ordentlich geschriebenen Geschichte scheitern eigentlich alle veröffentlichten Spiele. Kombiniert man das mit den häufig aufgrund der eingeschränkten Budget doch wenig überzeugenden Produktionswerten, dann wird klar warum ich schon lange an keinem Adventure mehr so richtig Spaß hatte.
Keepsake muss sich leider auch in die lange Schlange der Spiele einreihen, die beim Amt für missglückte Adventures (AfmA) auf ihren monatlichen Scheck warten. Schon die ersten Sekunden der Demo verheißen nichts gutes Gutes. Wenig prickelnd gerenderte und zudem noch ziemlich unscharfe Bilder ziehen über den Monitor und ein gelangweilter Sprecher rezitiert hoffnungslos amateurhaft geschrieben Texte. Dabei wird ziemlich klar, dass der Schauspieler jeden Satz separat aufgenommen hat, und völlig ohne Kontext arbeiten muss, also keine Ahnung hat was er da eigentlich sagt.
Kurz darauf stolpert man ins eigentliche Spiel. Erste Überraschung: trotz herb-männlichem Sprecher beim Intro, spielt man eine Frau. Spontan macht die sowieso schon wirre Einführung nur noch halb so viel Sinn.
Und dann stellt man fest, dass man doch noch nicht im Spiel ist, sondern im Tutorial. Und das ist furchtbar. Ein dicker Mann will einem seine Kutsche zeigen und erklärt einem unterwegs was ein Mauszeiger ist und wie man den linken Knopf auf dem komischen Gerät rechts von der Tastatur drücken muss. Und zwar gaaaanz laaaangsaaaaam. Gut, am Anfang zeigt er einem gleich den Knopf mit dem man angeblich sein Gefasel abbrechen kann, aber der ist nur Augenwischerei. Er sorgt nämlich nicht dafür, dass der Herr schneller spricht (oder gar aufhört), nein, er blendet einfach nur den Text aus und stoppt die Sprachausgabe. Warten muss man trotzdem. Genial.
Wenn der dicke Mann mit seinen Stiefeln übers Gras geht, klingt das übrigens so wie Stöckelschuhe auf Stahlbeton. Aber das nur nebenbei.
Diverse Minuten später (und ganz nahe am Ende meines Geduldsfadens) landet man dann endlich in Hogwarts einer Magiesschule, wo alle Schüler plötzlich verschwunden sind. Mein Verdacht: Ralph Fiennes ist Schuld. Jedenfalls ist die Grafik immer noch sehr 1998 und wird auch nicht dadurch verbessert, dass man jetzt von einem sprechenden Wolf der eigentlich ein Drache ist zugetextet wird. Der nötigt mich jedenfalls dazu erstmal ein ätzendes Minispiel auszuprobieren.
Ich lehne dankend ab, deinstalliere den Mist und warte weiter auf Dreamfall.
Wieder eines dieser Spiele, von denen ich noch nie gehört habe. Aus gutem Grund, wie es scheint. Na ja, du bist halt der Spezialist für Adventures. Wenn allerdings seit The Longest Journey kein gutes Spiel aus dem Genre rausgekommen ist (wobei ich das ziemlich bubu baba fand), was ist dann bitte sehr Fahrenheit? Schlecht oder kein Adventure?
Ich wußte mit der Frage würde jemand kommen. Man kann diskutieren, ob Fahrenheit ein Adventure ist, oder nicht. Es ist jedenfalls kein klassisches Point-and-Click Adventure, und die Leute die solche Spiele kaufen sind ultrakonservativ. Für die ist es jedenfalls keins. Mir gehen solche Genredefinitionen sowieso am Hintern vorbei. Fahrenheit ist ein tolles Spiel, egal in welche Schublade man es stecken will.
Und du würdest staunen wieviele klassische Adventures es gibt, von denen du noch nie gehört hast. Das ganze Genre ist zu einer etwas komischen Nische verkommen, mit sehr sagen wir mal “begeisterungsfähigen” Fans und äußerst konservativen Wertvorstellungen. Die kaufen dann auch Spiele wie Keepsake. Aber nicht sowas wie Fahrenheit.