The Dig 0.34b

Das “Dig Museum” hat gerade eröffnet und neben spannenden Interviews der Marke “The Dig? Ja, da habe ich mal eine Woche dran gearbeitet. Weiß aber nicht mehr genau was ich gemacht habe. Irgendwas mit einer Pyramide vielleicht?” und “Ja, ich habe das Buch zum Spiel geschrieben, aber gespielt habe ich es nie. Für so was habe ich keine Zeit.” gibt es auch ein paar interessante Sachen zu finden, hauptsächlich unter “Downloads“.
Zum einen wäre da der Soundtrack zum Spiel zu erwähnen. Ob der Download jetzt so ganz legal ist, wage ich mal zu bezweifeln, aber da die CD seit Jahren vergriffen ist und es sich bei der Musik schon um ein kleines Meisterwerk handelt, würde ich mal empfehlen das Gehirn auf “gutgläubig” zu schalten und den Downloadmanager anzuwerfen.
Noch interessanter ist allerdings ein frühes Treatment zur Geschichte des Spiels von Noah Falstein. Wer die Entwicklung des Spiels verfolgt hat, weiß dass gleich mehrere Chefdesigner ihren Stuhl geräumt haben, bevor das Spiel unter Leitung von Sean Clark nach erheblicher Verzögerung endlich fertig wurde. Fahlstein war der erste davon.
Dass sich das Endprodukt von der ursprünglichen Version doch erheblich unterscheidet, wird schon nach wenigen Zeilen des Treatments klar. (Spoiler folgen!) Während man im fertigen Spiel eine Gruppe von NASA Astronauten gespielt hat, die durch Zufall während eines Weltraumsspaziergangs auf dem Planeten Cocytus gelandet sind, spielte das ursprüngliche Spiel ein gutes Stück in der Zukunft und man war Teil einer etwas fragwürdigen Expedition zum Planeten Ozymandias. Einige wenige Fragmente der Originalgeschichte sind aber doch erhalten geblieben. So erforscht man die Ruinen einer unter mysteriösen Umständen verschwundenen außerirdischen Zivilisation und erweckt am Ende diese Zivilisation wieder zu neuem Leben.
Da hören die Ähnlichkeiten aber eigentlich auch schon auf. Schon thematisch unterscheiden sich die beiden Geschichten gewaltig. Das ursprüngliche Konzept drehte sich um Krieg und Frieden und hatte eines dieser unsägliche turbofriedfertigen Alienvölker die mit ihrer beeindruckenden Friedensphilosophie jeden glücklich machen der sie auch nur einmal gehört hat. Alles wirkt etwas holprig und naiv. Das fertige Spiel bietet da eine wesentlich schlüssigere Aufarbeitung des Themas “Unsterblichkeit” und des Preises den man dafür zu zahlen hat.
Auch spielerisch sind wesentliche Unterschiede zu erkennen. Zum Beispiel sollte man Anfang zwischen mehreren Charakteren mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten wählen können. Das Ausgraben von Artefakten war ebenfalls ein wichtiges Elements des Spiel, und man hätte dabei wohl auch Fehler machen können, was die Artefakte zerstört oder beschädigt hätte. Generell war das Spiel wohl etwas freier, denn es gab dem Spieler “Speedercraft” an die Hand mit dem er zwischen diversen Stadtruinen hin und her fahren konnte. Diese Städte wären jeweils in der Wüste, im Eis, im Sumpf oder in den Bergen zu finden gewesen und man kann sich gut vorstellen, dass das Spiel wohl auch deutlich anders ausgesehen hätte.
Am Ende bin ich ganz froh, dass dieses Spiel nicht gemacht worden ist. Ich glaube die zusätzlichen Spielelemente hätten im Grundgerüst eines klassischen SCUMM-Adventures nur begrenzt funktioniert und die Geschichte gefällt mir im fertigen Spiel auch wesentlich besser, zumal es mit den eher traditionellen Szenarien (Wüste, Dschungel, Eis, etc.) sicherlich nicht so eine einzigartige Atmosphäre gehabt hätte.
Trotzdem bietet der Text einen faszinierenden Einblick in die Entwicklungsgeschichte eines der besten Sci-Fi Spiele das jemals gemacht wurde und ich hoffe dass in der Zukunft vielleicht noch mehr Material dieser Art auftaucht.

13. Dezember 2005 um 16:09 Uhr
Der Soundtrack ist in der Tat fantastisch, die Seite… eher nicht.
13. Dezember 2005 um 16:38 Uhr
Ich finde die Interviews mit Leuten die tatsächlich mal irgendwann für einen Subunternehmer eine Woche lang an dem Spiel gearbeitet haben doch sehr amüsant. (”Ich glaube ich habe da so ein bißchen Photoshop-Retusche gemacht, weiß nicht mehr genau.”)
13. Dezember 2005 um 17:14 Uhr
Sollte ich als Neo-Adventure-Ignorierer (siehe Kommentare zu den andereren Artikeln) The Dig mal ausprobieren oder wäre es an mir vergeudet? Die Frage könnte ich eigentlich auch gleich auf Grim Fandango ausweiten…
13. Dezember 2005 um 17:32 Uhr
Sind beide sehr fein, und nicht wie DoTT/Sam&Max/Indy4 usw.
Grim und Dig leben beide von Story/Setting/Handlung weniger von den Puzzles… ist auf jeden Fall beides Wert, mal angezockt zu werden!
13. Dezember 2005 um 19:01 Uhr
Spielbefehl für beide Titel. The Dig aber nur, wenn du von der 320er-Auflösung keinen Augenkrebs bekommst (solls ja geben). Bei Grim wird dir in den ersten 20 Minuten die Steuerung missfallen. Ignoriere das. Man gewöhnt sich schnell dran und der Rest vom Spiel ist großartig.
13. Dezember 2005 um 19:05 Uhr
Bei dir kann man ja nie so recht wissen, wie du darauf reagierst, insofern ist es immer schwer spezifische Empfehlungen auszusprechen. Aber The Dig muss man meiner Meinung nach schon wegen der wahnsinnig dichten Atmosphäre gespielt haben.
Und Grim Fandango ist wegen seiner einzigartigen Welt und Geschichte auch absolut einen Versuch wert, wenn auch nicht unbedingt sonderlich massentauglich.
Beide Spiele enthalten übrigens keinerlei Piraten, was für dich ja ein wichtiger Faktor ist. Ich bringe sie dir bei Gelegenheit mal mit.
13. Dezember 2005 um 19:42 Uhr
Hurra! Vielleicht kannst du mir bei der Gelegenheit auch bei Fahrenheit durchs Wohnzimmer helfen. Ich werde das Spiel jedenfalls nicht mehr anfassen.
13. Dezember 2005 um 21:22 Uhr
Vielleicht.
13. Dezember 2005 um 22:16 Uhr
Ich ärger mich gerade ganz doll, dass ich nach dem Durchspielen sowohl The Dig als auch Grim Fandango verkauft habe. Wie konnte ich dies tun? Warum, wieso, weshalb? Ich will Grim Fandango spielen. Das war ja mal durchgeknallt.
13. Dezember 2005 um 22:35 Uhr
Also wirklich! Es gibt Spiele die verkauft man nicht!
13. Dezember 2005 um 23:50 Uhr
Grim und The Dig kann man hier in Schweden überall kaufen (für umgerechnet 15Euro das Stück). Ich denke mal, der gute sortierte Elektronikmarkt deines Vertrauens dürfte beide Titel in dieser schicken DVD Hülle haben (grosse Boxen rocken, aber einheitlich designte DVD Hüllen rocken noch viel mehr, besonders wenn man viele davon hat :D)
Oh, und Ebay ist sowieso dein Freund, da gibt es beispielsweise das hier:
http://cgi.ebay.de/Grim-Fandango-englisch_W0QQitemZ8733442950QQcategoryZ30295QQrdZ1QQcmdZViewItem
Wer englisch kann, der sollte UNBEDINGT zu den US Versionen greifen. Auch wenn die Lucas Spiele immer eine extrem hochwertige Ubersetzung und Synchro hatten… es geht trotzdem nichts über die originalen Stimmen und deren Betonungen.
14. Dezember 2005 um 22:50 Uhr
Ich hab The Dig anfangs auch sehr geliebt - möchte aber hier die Warnung loslassen, das viele der Rätsel in meinen Augen den hohen LucasArts-Standard nicht gehalten haben. Präsentation, Sprachausgabe, Story, Steuerung, fand ich alles souverän gelungen. Viele der Rätsel fallen da einfach stark zurück - vielleicht mit Lösung in der Schublade spielen?
17. Dezember 2005 um 12:07 Uhr
Muss ryn da zustimmen. Anfangs ist The Dig genial und entspricht dem gewohnen LucasArts-Adventures-Standard, wobei es sich auch “neu” anfühlt. Dramaturgisch ist die erste halbe Stunde sogar einzigartig, da es immer wieder schnelle Szenenwechsel gibt, was sonst nur aus schnellen (Action-)Filmen bekannt ist. Aber ab der Hälfte des Spiels ungefähr geht es in seltsame Denksport-Aufgaben über und die Handlung verliert zunehmend an Drive. Ende und Auflösung empfand ich nur noch verwirrend und nichtssagend…
Dagegen ist Grim Fandango erste Sahne, eines meiner Lieblingsspiele. Unbedingt spielen!
17. Dezember 2005 um 12:57 Uhr
Bei dem Wege: Bei mir dudelt gerade der Dig-Soundtrack. Der ist wirklich schön.