
Ich habe meinen Leatherworking Skill jetzt fast auf 300. Und ich frage mich irgendwie warum. Klar, weil ich über 300 Mal irgendeine Lederrüstung oder so gebaut habe und meistens einen Skillpunkt dafür bekommen habe. Aber das meine ich nicht. Meine Frage ist: Habe ich was davon? Sehen wir den Tatsachen mal ins Auge, so ein Handwerk ist ein teurer Spaß und…
Okay, kurze Zwischenfrage. Wie ist “Leatherworking” ins Deutsche übersetzt worden? Mir fällt da nur “Kürschnerhandwerk” zu ein und das stimmt ja eigentlich nicht, denn Kürschner arbeiten ja mit Pelzen und nicht mit Leder. Und auch wenn so eine Pelzmütze sicher super gegen Frostbolts wäre, bietet sie so einer gegnerischen Klinge doch recht wenig Widerstand.
Kürschner heißt auf Englisch meines Wissens nach übrigens “Furrier”, was definitiv eine der peinlichsten Berufsbezeichnungen der Welt sein muss. Nur ein “Furry” zu sein ist noch peinlicher.
Hmm, wo war ich gleich? Ach ja, so ein Handwerk ist ein teurer Spaß. Fürs Leatherworking (bleiben wir halt bei Englisch) braucht man natürlich erstmal Leder. Das kostet relativ viel. Und dann braucht man dazu auch noch andere mehr oder weniger exotische Zutaten. Je nützlicher die Rüstung, desto seltener und entsprechend auch teurer sind diese Zutaten natürlich.
Apropos nützlich: ich habe ehrlich gesagt noch nicht einmal eine selbst gemachte Rüstung angehabt. Okay, einmal. Irgendjemand hatte massenweise Schildkrötenschuppen für einen lächerlich geringen Preis ins Auktionshaus gestellt, was dann dazu führte, dass ich nach kurzer Zeit einen riesigen Haufen von Schildkrötenschuppenrüstungen im Gepäck hatte. Das einzige was davon besser war, als die Sachen die ich schon besaß, war der Helm.
Und damit sah ich aus wie ein Depp, also habe ich ihn ganz schnell wieder ausgezogen. Verdammte Schildkröten.
Jedenfalls ist das symptomatisch. Egal was ich machen konnte, ich hatte immer schon was Besseres an. Und spätestens ab Level 40 kann ein Hunter Mailrüstungen tragen und Lederklamotten werden uninteressant. Deswegen habe ich dann auch Dragonscale Leatherworking gewählt. Ich dachte mir halt “Super, das klingt nicht nur cool, ich kann das Zeug sogar sinnvoll gebrauchen.”
Denkste. Natürlich gibt es kein einziges Drachenschuppenrüstungsteil, das einen Bonus auf Agility verteilt. Und das wiederum ist der einzige Bonus den ein Hunter wirklich dringend braucht.
Zusammengefasst ist so ein Handwerk also teuer und man kann die erschaffenen Gegenstände nicht wirklich nutzen. Wozu ist es also gut? Na, denkt sich der Laie, ist doch klar. Man kann die Gegenstände verkaufen! Wozu gibt es das Auktionshaus?
Denkste. Grundsätzlich kann man die weniger exotischen Gegenstände gar nicht loswerden. Das verwundert nicht, sind sie doch nicht besonders toll und jeder fünfte kann sie machen. Aber auch die selteneren Rezepte sind nicht wirklich Verkaufsschlager. Klar, man wird sie schon los, aber immer zu einem wesentlich geringeren Preis als man für die Zutaten bezahlt hat. Jawohl, schon das Leder alleine bringt im Auktionshaus meist wesentlich mehr Geld als der fertige Gegenstand, von dem Preis für die anderen Zutaten ganz zu schweigen.
Das verwundert sehr, kann man das Leder doch schließlich zu nichts anderem gebrauchen als zum Leatherworking selber. Die ganzen Leute, die das Leder für den hohen Preis kaufen, machen daraus dann also jede Menge Nightscape Pants, die sie dann für einen Bruchteil des Lederpreises beim Händler wie wieder loswerden, als wäre es Vendor Trash.
Ökonomisch gesehen macht das absolut null Sinn. Warum sollte ich 3 Goldstücke ausgeben, nur um dafür dann 2 Goldstücke und einen Skillpunkt zu bekommen, den ich widerum nur dafür gebrauchen kann noch mehr solcher Enrongeschäfte durchzuführen.
Verwirrend! Es bleibt nur eine Schlussfolgerung: Die Leute lieben es Skillpunkte zu bekommen, auch wenn sie ihnen absolut gar nichts bringen.
Aber wenn ich ehrlich sein soll, überrascht mich das gar nicht so sehr. Willkommen in der wunderbaren Welt der Onlinerollenspiele.







