Sam Fisher der Faschist

Okay, Schluss mit Kuschelthemen. Wen interessiert es schon, welche Spiele ich letztes Jahr toll fand? Es wird mal wieder Zeit etwas kontroverser zu sein. Die These des Tages lautet deshalb:

Sam Fisher ist ein Faschist.

Jawohl, du spielst in Splinter Cell einen Faschisten. Hast du das etwa nicht gemerkt? Interessanterweise hat es auch die ganze Fachpresse nicht gemerkt. Vor allem die nicht, die sich immer einreden sie machten was halbwegs Intelligentes und schrieben für Erwachsene und so. Und interessanterweise haben es auch die ganzen Leute nicht gemerkt, die immer was davon erzählen, dass Videospiele doch bitte Kunst seien.

Bei den Videospielmagazinschreiberlingen überrascht mich das nicht sonderlich, schließlich rekrutiert sich dieser Berufsstand meistens aus Studienabbrechern, deren Lieblingsfilm “Black Hammer: Leiden soll dein Loch” ist und die Michael J. Fox’ Autobiographie für einen Höhepunkt der Weltliteratur halten. Diese Leute sind ja sowieso wie ein Haufen Pavlov’scher Hunde nur noch darauf trainiert die Waffen im Spiel zu zählen und Häkchen in ihre diversen Wertungskästchen zu setzen, die z.T. mehr Platz einnehmen, als der Text zum Spiel.

Und bei den ganzen “Videspiele sind Kunst”-Schreiern überrascht es auch nur eingeschränkt, schließlich haben die meisten davon in ihrem Leben noch kein Spiel gekauft, dass sich auch nur vage der Kunst angenähert hat. Denen geht es hauptsächlich darum, dass sie abends in Ruhe Nutten überfahren und ihren Widersachen mit der Kettensäge zu Leibe rücken können, ohne dass ihnen der Staat ihr GTA weg nimmt. Die Sache mit der Kunst ist da ein super Vorwand. Dass diese Leute also nicht über ihre Spiele reflektieren, ist somit kaum verwunderlich.

Aber du, ja genau du, hättest es merken müssen. Du hältst dich doch für überdurchschnittlich intelligent und gebildet, für einen kritisch denkenden Menschen, der alles hinterfragt und sich dann eine Meinung bildet. Aber bei Splinter Cell hast du das nicht hinbekommen. Du hast die DVD ins Laufwerk gesteckt, brav genickt, als dir was von der “Fünften Freiheit” erzählt wurde, und dann angefangen Kugeln in die Köpfe aller Leute zu jagen von denen dir dein Boss erzählt hat sie seien Terroristen.

Natürlich wusstest du irgendwo im Hinterkopf, dass sich die “Fifth Freedom”, mit der das Spiel deine Handlungen motiviert hat, von einer berühmten Ansprache Franklin D. Roosevelts ableitet, in der er 1941 die vier Freiheiten definiert hat, für die die Alliierten damals kämpfen sollten. Diese vier Freiheiten sind das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Religionsfreiheit, die Freiheit von Not und die Freiheit von Angst. Aber das Spiel hat dir ja gesagt, dass Sam Fisher für genau diese Freiheiten kämpft. Und dafür braucht er halt die fünfte Freiheit, nämlich das Recht anderen Leuten diese vier Freiheiten nach Belieben wieder wegzunehmen.

Spätestens da hättest du doch stutzig werden müssen, oder? Schließlich steht das doch irgendwie in krassem Widerspruch. Wie kann man Freiheiten schützen, indem man jemandem das Recht gibt, genau diese Freiheiten nach Belieben auszuhebeln? Vor allem dann, wenn man diese Person mehr oder weniger autonom operieren lässt. Genau das ist ja schließlich die Definition einer “Splinter Cell”.

Wenn du stutzig geworden wärst, dann hättest du vielleicht ein bisschen im Internet recherchiert und festgestellt, dass es auch noch andere Definitionen der fünften Freiheit gibt. Noam Chomsky betrachtet Roosevelts Ansprache zum Beispiel aus der Sicht des Kolonialismus und Imperialismus und definiert die fünfte Freiheit in ein Interview wie folgt:

And it was understood, internally, that it was necessary to make some appeal to the huge part of the world which was the colonial world – we now call the south or the Third World – which would make them believe that we were really fighting for good things. Not just to restore colonialism.

And out of that came the Four Freedoms. And by the ‘fifth’ freedom, I meant the one that they didn’t mention. But the crucial one. Namely the freedom to rob and exploit, that’s a freedom that we and our powerful countries, the imperial countries, insist on. And that was the real freedom that was being fought for.

Auch nicht unbedingt etwas, für das man kämpfen möchte, oder?

Und wenn du diese Überlegungen angestellt hättest, dann hättest du vielleicht Sam Fisher und seine Welt noch weiter hinterfragt. Dir wäre aufgefallen, dass er ein autoritär-nationalistisches Weltbild lebt, in dem Gewalt gleich Macht ist und in dem der Zweck jedes Mittel heiligt. Befehle werden nicht hinterfragt. Immer schön einen Kopfschuss setzen, es trifft schon den richtigen. Es würde ja niemals jemand auf die Idee kommen die fünfte Freiheit auszunutzen, oder? Fürs Vaterland tut man halt alles. Und wer aus einem anderen Land kommt? Tja, selbst Schuld.

Aber du hast es halt nicht hinterfragt. Morgens beim Zeitungslesen hast du dich noch darüber aufgeregt, dass in den USA seit Jahren Leute ohne Anwalt oder Anklage im Gefängnis sitzen, oder dass dort Leuten ohne jegliche rechtstaatliche Kontrolle das Telefon angezapft werden kann. Aber abends hast du dich in George Bushs feuchten Traum verwandelt. Einen gehorsamen Soldaten ohne Skrupel und Moralvorstellungen, der fürs Homeland alles tut und zudem noch prima geleugnet werden kann. Solange man nicht dabei erwischt wird, hat man es auch nicht getan.

Andererseits: Diese Herrschaft über Leben und Tod ist ja gerade der Reiz an dem Spiel. Mit einem Knopfdruck entscheidest du, wer abgehört wird und wer nicht, wer leben darf und wer am nächsten Tag mit gebrochenem Genick vorgefunden wird. Und keiner dieser Leute wird je merken, dass du auch nur in ihrer Nähe warst. Genieße diese Macht, das hast du dir verdient. Schließlich bist du einer von den Guten und würdest sie niemals mißbrauchen. Nein, du doch nicht.

Viel Spaß beim Spielen.

117 Kommentare Autor: Richard
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117 Kommentare

  1. Das mit dem Kreigsgericht ist ein guter einwand aber da wird schon wieder verdeutlicht, dass es für Sam *keine* Grenzen gibt.

  2. Natürlich überschreited Sam Grenzen, aber darum geht es schließlich. Auch wenn wir uns grad ein bisschen vom eigendlichen Thema entfernen, möchte ich nochmal darauf aufmerksam machen, das es sich bei Sam um einen Agenten handelt der dem Terror einhalt gebieten soll.

    Ob der Zweck die Mittel heiligt steht hier nicht zur Debatte und ob man das leben von ein paar Menschen über das Leben von Millionen stellen kann ist auch eine Frage die uns zu weit weg führen würde.

  3. Du hast natürlich Recht und ich denke auch nicht, dass Tom Clancy, als er das Konzept für das spiel entwickelte die Absicht hatte es irgendwie faschistisch aussehen zu lassen und ich selber bin auch ein großer Splinter Cell fan wenn nicht einer der größten und trotzdem finde ich es eben interessant es auch mal aus einem anderen Blickwinkel anzusehen. Und es bleibt eben fraglich ob es moralisch korrekt ist das Leben eines einzelnen zu opfern um eine Nation zu retten. Und das man einem einzelnen Mann diese Verantwortung überträgt und zugleich alle vollmachten, welche sich über die Menschenrechte hinwegsetzen.

  4. hmmm … naja also ich denke mal das ist weitesgehend interpretationsfrage. Ich sehe keine faschistischen Aspekte in diesem Spiel. Sam Fisher ist nun mal der jenige der gerufen wird wenn nichts mehr geht und ob man einen töten kann um tausende zu retten will ich auch nicht entscheiden aber es ist klar was die “leute ganz oben” dazu sagen oda etwa nicht?^^ wenn man es genau betrachted regt das spiel damit dazu an sich über politik zu informieren. Des weiteren steht im Soldaten gesetz das ein soldat tapfer und gehorsam sein soll und das er das eigene land beschützen muss, auch wenn er sein leben dabei aufs spiel setzt. Sollte man mal drüber nachdenken wie weit man gehen darf um diese “Regeln” der Soldaten einzuhalten …

  5. Sicher gibt es beim Militär einen Kodex, aber dieser setzt sich auf keinen Fall über die Menschenrechte hinweg.

  6. Genau, das würde niemals passieren. Auf keinen Fall!

  7. Wie heißt noch dieses südamerikanische Feriencamp? Guano-, Guevara-, ich komm’ nicht drauf…

  8. ich behaubte auch nicht das irrgend eine riegierung das tut. nicht vergessen wir reden hier immernoch von einem videospiel ^^ und soweit ich weiß darf man als soldat das feuer in gewissen situationen eröffnen wenn der befehl dies verlangt. was genau meinst de damit wenn de sagst “über die die Menschenrechte hinwegsetzen”? sam foltert seine gegner nicht. prinzipiell is das game n stealth adventure – heißt es geht net darum dumm rumzuballern sondern ums schleichen ^^ schußwaffen dienen in dem fall dann eher zur selbstverteidigung, wobei man sehr viel handlungsfreiraum hat …

  9. Ich mein damit dass viele der Gegner doch zivilisten sind und das militär keinerlei einfluss auf zivilisten ausüben kann sloange nicht krigsrecht herrscht

  10. Ich weiß schon was du meinst, es gibt in der tat viele Ziwilisten, doch dies sind keine Gegner sondern sind nur zum falschen Zeit am falschen Ort. Es ist eine Gewissensfrage des Spielers wie er reagiert. In Pandora Tomorrow zB gibt es eine Mission in der man durch eine Kirche musste und dieser wahren natürlich Nonnen. Man konnte vorbei schleichen oda sie k.o. haun. Hat man das Feuer eröffnet war das Spiel vorbei. Da Sam offiziell nicht exestiert und die Regierung seine Existens leugnet, ist das mit dem Kriegsrecht relativ … doch man dürfte Sie trotzdem nicht töten.

  11. Nein nicht nur irgendwelche Nonnen in dem Spiel sind Zivilisten, z.B Doug shetlands leute sind auch Zivilisten. Sie arbeiten eben für eine sicherheitsfirma als Bodygards und so aber trotzdem sind sie zivilisten aber Sam darf sie ohne weiteres töten…

  12. Sry der letzte Beitrag war von mir.

  13. Junge es ist nur ein spiel aber dumme menschen wie du kennen denn unterschied zwischen realität und animation nunmal nicht

  14. Lol du bist witzig wir reden aber gerade darüber ob das was in dem Spiel passiert in der realität akzeptabel wäre. Das hat nichts damit zu tun ob ich realität und animation nicht auseinanderhalten kann. Wir reden hier doch über ein Spiel es hat nie jemand was von realität gesagt. ALso komm du mir nicht mit ich könne Realität nicht von Animation unterscheiden. Wenn du was schreiben willst dann schreib was zum Thema und komm hier nicht einfach nur rein und beleidige mich nur weil ich mich mit jemandem über ein spiel unterhaten hab.

  15. Wir reden hier über ein Spiel und hinterfragen und diskutieren über dieses -.-
    @Floh: Was hat das Thema mit dem zu tun was du hier reinschreibst?
    Übrigens @ Adonix: Ich denk mal es liegt in der Haand des Spielers wie er Reagiert… Somit ist Sam Fisher nur ein Spiegelbild von uns selbst. Auch wenn er ne richtig fiese sau sein kann, ist die Figur an sich diskret. (hab neulich ma das buch gelesen ^^)

  16. Naja aber du must zugeben in den Büchern ist sam wirklich ganz anders als in den spielen. In den Büchern fehlt dieser Sarkasmuss der Sam im spiel so ausmacht. Wie auch immer hier geht es ja nicht um die bücher sondern um das spiel und ich muss sagen das ich in dieser hinsicht nicht ganz einverstanden bin mit dem was du geschrieben hast denn klar die spielfigur macht das was du ihr ich sag mal befielst, aber ich meinte jetzt das z.B. lambert dich einfach so einen Menschen töten lässt der eigentlich nur seinen job tut und jemanden beschützt, es geht nicht darum ob du jemanden tötest sondern darum, dass es dir nicht verboten ist und hier liegt das problem es dürfte dir nämlich nicht erlaubt sein einen Zivilisten zu töten ob du es jetzt tust ist etwas anderes.