
Update: Die Diskussion mit Gunnar Lott in den Kommentaren ist inzwischen wesentlich interessanter als der Beitrag selber. Also ruhig auch mal weiter nach unten scrollen.
Kaum hat man sich vorgenommen nicht mehr über die Gamestar zu lästern, und dann so was. Eben ist mir beim Durchblättern der aktuellen Gamestar (Cover: Grimmiger Machomann mit Superwumme, was für eine Überraschung!) ein Test zu The Longest Journey ins Auge gefallen.
Was sagt ihr da? Das Spiel ist doch 2001 rausgekommen? Klar, Printmagazine sind für Leute mit Internetanschluss selten sonderlich aktuell, aber das geht dann doch einen Schritt zu weit, oder? Aber halt. Der Test ist legitim, denn TLJ steht jetzt wieder in den Regalen. Als Special Edition mit Windows XP Unterstützung und ein paar kleinen paar kleinen Boni.
Kurz was zum Spiel selber. Als es raus kam, wußten wir das noch nicht, aber es würde sich als im Laufe der Zeit als das letzte wirklich gute klassische Adventure herausstellen. The Longest Journey erzählt nicht nur eine toll geschriebene, epische Geschichte über das Schicksal zweier Welten, sondern inszeniert diese Welten auch wunderbar atmosphärisch und bevölkert sie mit liebenswerten und vielschichtigen Charakteren. Das Spiel hat einen Metacritic Score von 91 (“Universal Acclaim”) und gilt heute als Klassiker. Ein zweiter Teil namens Dreamfall wird dieses Jahr veröffentlicht.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals recht stinkig auf die Gamestar war, da sie diesem Meisterwerk eine Wertung von 79% gegeben hatte. Wer die Gamestar kennt, der weiß dass 79% alles andere als eine Kaufempfehlung darstellt. Zwar wurde das Spiel im Text durchaus gelobt, ja sogar positiv mit den alten LucasArts Klassikern verglichen, aber in der Welt von Gamestar durfte ein Spiel ohne Wummen und 3D-Grafik eben nicht über die magische 80% Grenze gehen. Also wurden schnell zwei Alibi-Fehler vorgeschoben (knifflige Rätsel und lange Dialoge) und das Spiel bekam halt nur 79%.
Zeitsprung. Jetzt ratet mal wieviele Prozentpunkte das gleiche Spiel im Jahre 2006 bekommt. Wieder 79%? Nein. Etwas weniger, weil laut Begleittext die Grafik “nicht mehr zeitgemäß” ist? Nein. Es bekommt 81%.
Ja Herrschaftszeiten, nach welcher Methodik gehen die da eigentlich vor? Man sollte fast meinen, dass Herr Lott sein Review von damals sogar nochmal gelesen hat, denn er bringt wieder die exakt gleichen Kritikpunkte (knifflige Rätsel und lange Dialoge). Also ist das exakt gleiche Spiel mit den exakt gleichen Problemen und einer nicht mehr zeitgemäßen Grafik plötzlich zwei Punkte mehr Wert? Woran liegt es? Schlechtes Gewissen, weil man dem Spiel damals Unrecht getan hat? Das machen die zwei Punkte auch nicht mehr gut. Und wenn, dann hätte man es wenigstens im Text eingestehen können. Vielleicht wäre er dann auch nicht so einschläfernd öde.
Oder würfeln die bei der Gamestar doch? Vielleicht haben die so ein Rollenspielsystem? Jedes Spiel fängt bei 100 Punkten an, dann werden 10 Punkte abgezogen weil es ein Adventure ist, 15 weil die Grafik 2D ist und am Schluss wird mit einem W10 gewürfelt, wie die Endnote aussieht.
Für alle die nicht rechnen wollen. 2001 hat Herr Lott eine 4 gewürfelt und dieses Jahr eine 6.
Kein Computer kann ein Gespräch mit einem anderen Menschen ersetzen, da mögen die Dialoge noch so lang sein. Aber ich finde das gut, dass es ein Adventurespiel ist, ohne Waffen oder schie´ßereien oder so. Ich glaube das könnte mir gefallen. Danke für den Tipp ihr Lieben. Und vergesst nicht, auch mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Niemand ist gern allein und manchmal findet man die nettesten Kontakte in einer Gemeinde.
lg
elfie
Du interpretierst da entschieden zu viel rein, Richard. Ich würde vermuten, er hat es einfach nochmal gespielt und dann die Wertung in das aktuelle Wertungsschema eingepasst. Vor ein paar Jahren war eine 70 eben noch mehr wert als heute.
Es ist übrigens gut, dass ich das Spiel nicht getestet habe, sonst wäre es niemals über 60% hinausgekommen.
Es gibt noch etwas anderes als Videospiele / Computerspiele?
Shigiru Myjamoto ist nicht G-tt?
Dialoge in Rollenspielen ersetzen keine richtigen Gespräche?
Mein Weltbild ist zerstört.
So, ich muss weiter Arbeiten…
Auch 2001 war eine Wertung unter 80% schon ein “Besser nicht kaufen.”. Ich behaupte sogar mal, dass die Wertungsinflation damals noch schlimmer war als heute und eine 81% heute ein Stück besser ist als sie es damals gewesen wäre.
Also auch wenn die GS nach dem Relaunch unter Lott besser geworden ist (Ausnahme: Wertungssystem), bezweifle ich mal, dass in die Neuauflage von TLJ viel Zeit inventiert wurde. Die Wertung basiert doch auf dem miesen Additionssystem, und der Sprung ist vielleicht eine “politische” Entscheidung gewesen.
Ich selbst habe mich über die S.E. gefreut, da ich diesen Klassiker noch nicht kannte. Ich bin jetzt noch im ersten Stadt-Kapitel und muss aber sagen, dass wirklich VIEL gelabert, äh, geredet wird. Und die Rätsel sind doch ziemlich knackig bzw. teils schwer durchschaubar…
Man sollte dabei auch bedenken, dass sich seit dem ersten Test das komplette Wertungssystem geändert hat. Dadurch hat sich so manche Werung geändert. Davon abgesehen hat sich die GS mMn in letzter Zeit etwas dahingehend geändert, dass die Tests im großen und ganzen plausibler geworden sind.
Den letzten Grund hast du genannt: Man hat evtl. eingesehen, dass die damalige Wertung ein Griff ins Klo war…
Übrigens find’ ich diese Neuveröffentlichung toll, so habe ich endlich mal die Möglichkeit dieses Spiel zu spielen, damals fehlte mir ja das Geld… (und wohl auch so’n bischen das Interesse…)
wahrscheinlich besuchen die redakteure der gamestar auch metacritcs.com und haben sich gedacht, dass es eventuell aufällt wie wenig ahnung sie haben, wenn deren wertungen dermaßen abweichen…
übrigens hat mir dein abschluss ausgesprochen gut gefallen, das war ein richtig schönes, rundes ende zum artikel!
*nice*
Ohne Zweifel sprühen die Tests in der GameStar nicht gerade vor Witz, Intelligenz, Charme oder Ähnlichem. Ebensowenig sind sie meiner Meinung nach auch nur ansatzweise nachvollziehbar.
[offtopic]
Abgesehen vom aktuellen Test zur Special Edition von The Longest Journey konnte ich einen intensiven Brechreiz nur schwer unterdrücken als ich beispielsweise den Test der englischen Version von Psychonauts las (GS 08/2005, S.95). Neben der lächerlichen, billig wirkenden Schreibe, die diesem grandiosen Meisterwerk nicht mal ansatzweise gerecht wird, ist es unglaublich unterhaltsam zu erfahren wie die Gesamtwertung von 77 % zu stande kam: Als Hauptkritikpunkt anzuführen, dass “die Gegner stupide attakieren” würden ist absolut lächerlich, da selbige gar nicht so intelligent rüberkommen sollen und es dem Konzept der verschiedenen Abschnitte innerhalb des Spiels widersprechen würde, wenn die künstliche (gescriptete) Intelligenz der Gegner so toll wäre wie beispielsweise in F.E.A.R. (KI: 3/10). Des Weiteren ist es natürlich äußerst wichtig anzuführen, dass eine wundervolle visuelle Umsetzung keine große Rolle spielt, wenn Texturen oder Filmsequenzen nicht oberfett-scharf-krass-hochauflösend sind (Grafik: 7/10). Und natürlich sind die “Gedankenwelt[en] sehr linear”, was in jedem Fall negativ einzuschätzen ist – vor allem dann, wenn dies eher auf die Redakteurin als auf das Spiel zutrifft (Leveldesign: 7/10). Im Übrigen ist Psychonauts selbst in den letzten Abschnitten nicht wirklich schwierig, insofern man bereit ist, mal sein Gehirn zu benutzen – und das bitte auch während der “Hüpfpassagen” (Balance: 8/10). Und natürlich fehlt die Gravity Gun (Waffen: 7/10).
[/offtopic]
Interessant übrigens, dass in vielen Tests relativ viele inhaltliche Fehler zu finden sind. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass die Hauptinspirationquellen eines typischen GameStar-Redakteurs wohl vor allem durch Verpackungsrückseiten und Pressemitteilungen gebildet werden, ist dies sicherlich nicht besonders überraschend.
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“Ich spiele kurz mit dem Gedanken mal wieder öffentlich über die Gamestar zu lästern, lege sie dann aber wieder ins Regal zurück. Zu einfach.”
In jeder GameStar-Zeile eine Angriffsfläche. Andererseits liegt die Zielgruppe der GameStar offenbar auch eher bei 8- bis 14-Jährigen, wodurch man sie auch einfach ignorieren könnte.
Das war jetzt nicht wirklich sonderlich offtopic. Dazu kurz folgendes: Die Gamestar wird nicht müde immer wieder zu erwähnen, dass das Durchschnittsalter ihrer Leser irgendwo Mitte 20 oder so liegt. Ob das jetzt stimmt, oder ob die ganzen Kiddies auf den Fragebögen einfach ihr Wunschalter ankreuzen, weiß ich natürlich nicht.
Moment mal, warum sollte man in Psychonauts die Waffen bewerten wollen? Was gab es denn überhaupt für welche? Und an welchem Massstab würde man sie messen? Das musste wohl wie damals in der ASM eine Wertungsschablone ausgefüllt werden…
Genauso ist es. In der aktuellen Ausgabe, geben sie quasi zu, dass sie Psychonauts alle lieben, dem Spiel aber keine trotzdem keine bessere Note geben können, weil es nicht ins Wertungsschema passt.
Das liegt wohl daran, dass sich die Gesamtnote aus den Teilnoten zusammensetzt. Das heißt natürlich, dass bei der Gamestar ein Spiel niemals mehr sein kann, als seine Einzelteile. Es bedeutet auch, dass ein Spiel Punkte für Kategorien bekommt, die darauf gar nicht zutreffen. Zum Beispiel kriegt Psychonauts für seine “Waffen” (die es überhaupt nicht hat) sieben von zehn Punkten. Hoch interessant. Diese seelenlose Erbsenzählerei ist einfach nur deprimierend.
Allerdings bringt es eigentlich nichts sich darüber aufzuregen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Herren und Damen von der Gamestar das alles wissen und wahrscheinlich sogar so ähnlich sehen. Sonst gäbe es kaum einen Grund eine Seite vor der 77% Wertung für Psychonauts explizit zu erwähnen wie toll sie doch alle das Spiel finden.
Die Gamestar hat aber leider das Problem, dass sie einfach so verdammt erfolgreich ist. Solange die Leute die Scheiße kaufen, wird sie genauso weiter produziert. Ob das uns oder gar den Redakteuren gefällt ist dabei nicht sonderlich wichtig.
*seufz*
GameStar – Der ewige Kampf zwischen Wertungsschema und so etwas wie New Games Journalism.
Ich denke ich werde dieses Thema erstmal nicht mehr bearbeiten. Natürlich hatte ich mir das schon mehrfach vorgenommen, und mich dann doch immer wieder aufgeregt.
Hach, über deutsche PC-Mags kann man sich immer herrlich aufregen! Dabei sind die Computec-Publikationen eh völlig vernachlässigbar. Die GS ist jetzt schon seit Jahren Marktfüher und können scheinbar alles machen, ohne signifikanten Leserschwund zu haben. Nun ja, auch ich habe dem Mag über die mehrjährigen Katastrophenzeit nach 2000 die Treue gehalten – aber damals gab es keine Alternative. Jörg Langers Vermächtnis, das Wertungssystem, wird sicher schon längst redaktionsintern verflucht, aber eine Änderung wäre ja ein Fehlereingeständnis, und da tut sich die GS (immer noch) schwer.
Die PCPP hat leider aber auch schon etwas vom Glanz der ersten Ausgaben verloren…
Ich find die PCPP dennoch bei weitem besser als die GS!
Hab ich mich eigentlich Gestern beim durcschauen der Mags versehen oder ist die GS wirklich das einzige Mag mit Bildern aus Crysis! Unverschämtheit.
So bevor ich jetz auch noch Anfange mich über die GS zu beschweren schau ich mir lieber 184 Folgen Dragonball Z an…………….!
Nacht!
*gähn*
Was man alles in einen kleinen Test reingeheimnissen kann.
TLJ habe ich nach dem viel gescholtenen neuen Wertungssystem neu bewertet — und es kam eine neue Wertung raus. Trotz veralteter Technik. Schon ein Zeichen dafür, dass es nicht ganz so schlecht ist, wie manche meinen, finde ich.
Zum Thema “Warum bewertet die GS Spiele wie Psychonauts so schlecht?” gibt es eine ausführliche Passage in meinem Gespräch mit grindthatauthority — dort nachzulesen. Falls sich jemand überhaupt die Mühe machen mag, mal unsere Argumente zu hören. Bashen ist natürlich lustiger.
Also auch beim zweiten Lesen finde ich da nichts zu Psychonauts. Ich habe auf der Seite sogar mit CTRL-F nach dem Begriff gesucht. Kannst du mir sagen, wo ich das genau finden kann? Oder dich vielleicht einfach kurz selber zitieren?
Was ich in dem Interview gefunden habe, ist aber eine Bestätigung meiner Theorie. Du gibst da ja selbst zu, dass du selber vielleicht lieber ein simples System mit nur vier Wertungen machen würdest, wenn du nicht den kommerziellen Zwängen des Marktes unterworfen wärst.
Und TLJ ist nicht so schlecht wie manche meinen? Eigentlich meint so gut wie niemand, dass das Spiel schlecht ist. Aber netter Versuch.
Aber das Spiel ist nicht so toll, wie viele es immer behaupten. Häufig konfuse Rätsel, die es so zu Zeiten von Infocom et al nie gegeben hätte (“besiege Warlock mit Taschenrechner”) und absolut schnarchige Dialoge. Ich habe mich ja wirklich lange bemüht, dem Spiel ein wenig Spass abzuringen, aber ohne Erfolg. Es ist einfach viel zu prätentiös für meinen Geschmack.
Na ja, alles was nicht ein japanisches Rollenspiel oder ein 2D-Prügler ist, fällt bei dir ja sowieso erstmal durch.
Und dafür dass du mir gerade in den Rücken gefallen bist, wirst du am Wochenende in Soul Calibur die Hucke voll kriegen. Sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt.
Um mich mal zu outen, ich hab die Gamestar sogar abonniert (duck). Und ich bereu es auch nicht, da ich fuers Abo ne wunderschoene Logitech MX 510 bekommen habe. So halten die schaetzungsweise ihre Anzahl Leser. Werde beizeiten wieder kuendigen, obwohl die GS als Lektuere fuers Klo noch ganz gut herhaelt(Artikel max 5 Min lang, das haelt man gerade noch aus). Das neue Wertungssytem ist wirklich was fuern Orkus, fand ich frueher besser, das aktuelle ist wirklich Schema F, was da nicht reinpasst, hat Pech gehabt. Da ist mir die PCP lieber, da entscheiden mehrere Redakteure nach “Bauchgefuehl”, da kam schon oefer was sinnvolles raus. Die Frechheit ist diesen Monat meiner Meinung nach der Exklusiv-DTM Race Driver 3 Test. Wenn man sich die Demo anguckt, hat sich ja nicht mal die Grafik verbessert, und alte Bugs sind auch noch drin. Das Teil haette nie mehr als 70 % kriegen duerfen. Die Wertungskonferenz dazu ist ein Monolog, weils wahrscheinlich auch nur einer getestet hat. Und irgendwann haben die von der GS doch mal gesagt, dass sie nur Verkaufsversionen testen, aber DTMRD3 schien mir nur halbfertig. Ich warte jedenfalls auf kompetentere Tests…
@richard: was ich meinte, ist, dass das wertungssystem nicht so schlecht ist, wie viele meinen.
@richard:
GTA: Bei welchem Spiel hattet ihr zuletzt Probleme, eines eurer Genre-Wertungsraster, die ihr ja beim Relaunch der GameStar zum Abschluss der Langer-Zeit (Jörg Langer, ehemaliger Chefredakteur) eingefuehrt habt, anzulegen?
GL: Leichte Probleme gibt es immer bei Spielen, die für einen Teil der Zielgruppe ein einzelnes, so herausregendes Feature haben, dass manche Spieler bereit sind, dafür über andere Schwächen hinweg zu sehen. Unser System bezieht diese Schwächen aber voll ein. Ich nehme mal ein eher persönliches Beispiel: Meiner Meinung nach ist Silent Hill 2 vom eigentlichen Spielablauf her kein besonders tolles Spiel – die Faszination, die es ausübt, hat aber die Tester der meisten Zeitschriften dazu gebracht, 90er zu vergeben. Ähnlich liegt der Fall bei Spielen wie Planescape (siehe meine Antwort weiter oben).
Der Punkt ist aber, dass unsere Wertung für möglichst viele Leute gelten muss…und dass Spiele wie die genannten eben lange nicht für alle faszinierend sind.
Wir können bei unseren Wertungen nicht mal eben 20 Punkte Bonus für Coolness geben. Ich denke aber, dass man anhand der Teilwertungen und des Textes durchaus ganz gut herausfinden kann, ob das Spiel für einen selber gut ist – auch bei einer Wertung, die nicht im oberen 80er-Bereich liegt.
das gilt genauso gut für psychonauts. das spiel ist eben ein kracher für leute, die was mit dem humor anfangen können. das übertüncht das meiner meinung nach nicht besonders tolle spielprinzip.
Thema “nicht so schlecht wie manche meinen”: Okay, da habe ich dich wohl missverstanden. Macht so auch irgendwie mehr Sinn.
Thema “Wertungsschema”: Tja, aber da gibst du doch selbst zu, dass euer Wertungsschema nicht geeignet ist, um etwas außergewöhnliche Spiele vernünftig zu bewerten. Das bedeutet es kann super mit dem üblichen EA Rotz umgehen, wo jedes Jahr das gleiche Spiel neu verpackt auf den Markt kommt, aber wenn jemand mal etwas neben den austrampelten Pfaden wandert und versucht was anderes zu machen, dann wird er mit 77% abgestraft.
Im übrigen halte ich die Kritik es sei nur ein “gewöhnliches Jump’n'Run” auch nicht für wirklich gerechtfertigt. Das gilt für den ersten Level, und der hat sicher auch nicht mehr als 77% verdient. Aber spätere Level wie Waterloo oder die Milkman Welt spielen sich eher wie Adventures und haben z.T. kaum noch Hüpfelemente drin. Lungfishopolis spielt sich eher wie ein Godzillaspiel, als wie Jak & Dexter. Psychonauts bietet auch spielerisch sehr viel Abwechslung.
Und selbst wenn nicht. Es sollte doch auf die Gesamterfahrung ankommen. Und Psychonauts ist eben spezifisch als Komödie angelegt. Ihr werft dem Spiel gerade zu vor, dass es seine gesetzten Ziele erstklassig erreicht hat. Was ist so schlimm daran, dem Spiel die verdiente gute Note zu geben und gleichzeitig zu sagen “Wenn ihr keinen Humor habt oder unbedingt grimmige Männer mit dicken Wummen braucht, dann ist das Spiel eher nichts für euch.”?
Ich habe auch den Verdacht, dass ihr den gleichen Humor in einem konventionellen FPS (ein noch viel ausgelutschteres Genre) wesentlich besser bewertet hättet.
Ich verfolge das mit den Wertngen ja nicht so im Detail, aber eine Sache fand ich interessant: Ist “knifflige Raetsel” wirklich ein Grund, ein Spiel herunterzuwerten? Ich verstehe, dass unzeitgemaesse Grafik ein klarer Fall fuer Abwertung ist, aber knifflige Raetsel? Das ist doch eher eine rein subjektive Beurteilung. Ich mag knifflige Raetsel, und finde an den neueren Adventures eher traurig, dass alles nach Schema F geloest werden kann, und man nicht mehr eine halbe Stunde ueber einem Problem bruetet. Natuerlich ist das nicht jedermanns Sache, aber gerade deshalb meine ich, sowas gehoert nicht in die Wertung eines Spieles. Keiner sagt “ich will haessliche Grafik von 1980″, aber welchen Schwierigkeitsgrad man nun mag oder nicht, das ist nicht das gleiche.
Zu der deutschen Ausgabe (habe sie vor zwei Tagen ins Buero gekriegt, in einer tollen Pappschachtel, dass ich das noch erleben darf) hat unser Publisher anscheinend sogar die Komplettloesung auf die DVD gepackt fuer alle, die es weniger knifflig moegen. Ich hab mich noch nicht entschlossen, die Plastikfolie abzureissen, aber es steht auf der Packung.
Abwertend haette man uebrigens schreiben koennen, dass ich es geschafft habe, in ein 6 Jahre altes Spiel kurz vorm re-release noch einen bug einzubauen, den die QA nicht gefunden hat. Weshalb es da doch noch einen Patch gegeben hat :-(
Es ist halt schon so, dass der normale Spieler heutzutage nicht ewig an einer schweren Stelle hocken will (gilt auch für mich). Und knifflige Rätsel sind ja okay, dann muss aber irgendwie auch der Weg oder das Ziel ersichtlich sein. Ist halt aber schwer, so etwas dann in Kritik zu gießen – ist immer eine Frage der Zielgruppe, und daran scheitern eben viele außergewöhnliche Spiele in der Mainstream-Presse.
TLJ-Bug: Hast du da Details? Im offiziellen Forum steht ja nicht so viel.
GS-Aufwertung von TLJ: Hui, die paar Punkte rausschinden… Das neue System ist doch auch nicht resistent gegen Manipulationen!
@richard: *seufz*
ich antworte darauf mal, wenn mich mehr zeit habe.
Gunnar: Lass dir Zeit. Ich weiß zumindest deine Dialogbereitschaft zu schätzen. (Und hoffe dass du gerade keine Zeit hast, weil du an der nächsten Ausgabe der /gamestar/dev arbeitest.)
Gibts bei TLJ ne Quickrun-F(x) oder ne Shortcut-Map? Das das nach 20 Jahren immer noch nicht Standard ist.
Übrigens die Nr.1 ist immer noch die CBS aber das ist ja was ganz anderes, da ist ja auch noch Konsole dabei (wobei IDG dann immernoch hinten kiegt)
Meine Güte, was für ein Tamtam um ein paar Prozentpunkte. Natürlich gibts inzwischen ein neues Wertungssystem bei der GS. Und natürlich verheimlicht niemand, dass dieses System diverse Einzelaspekte zusammenaddiert. Welche Stärken und welche Schwächen das System folglich haben muss, kann man sich an einer Hand abzählen. Und dann kann jeder schön für sich entscheiden, wieviel er auf diese Punkte gibt.
Ganz unabhängig mal davon, dass ich die teilweise völlig unnötig überdimensionierten Dialoge und manche wirklich unlogische Rätsel ebenfalls für die Hauptschwächen von TLJ halte. Heute wie damals.
Und Psychonauts ist wirklich Geschmackssache. Ich fands zwar ganz nett und definitiv den Kauf wert. Aber das fährt mit seinen 77% eigentlich ganz gut. Spiele völlig abseits des Mainstreams landen doch öfter so, und im Grunde weiß das auch jeder.
@ Gunnar:
Dass man sich als Massenmagazin auf ein Wertungssystem (so man denn überhaupt eines haben will) festlegen muss ist ok. Dass dieses Wertungssystem auf die Masse der Spiele ausgelegt ist und dabei manchmal “Exoten” schlecht wegkommen ist auch ok.
Du argumentierst Dir hier aber trotzdem einiges schön und Silent Hill 2 ist ein sehr gutes Beispiel dafür:
Das Spiel hat bei Euch damals in einem Minitest eine Wertung von 66 Prozent bekommen, was so viel heißt wie “Finger Wech!”. Das Argument, dass dieses Spiel einfach nicht in Euer Bewertungsschema paßt und deshalb einfach Pech gehabt hat, lasse ich hier nicht gelten. Selbst wenn dem so wäre, hättet Ihr dennoch darauf hinweisen können (Ihr habt doch diese netten Meinungskästen), dass an diesem Spiel trotz Allem wesentlich mehr dran ist, als die Prozente verheißen.
Aber das Gegenteil war der Fall. Der Tester (keine Ahnung mehr, wer das war…) hat das Spiel in knappen sarkastischen Sätzen heruntergemacht. Immerhin reden wir hier von einem unumstrittenen Meisterwerk, über welches inzwischen diverse Doktorarbeiten und Bücher geschrieben wurden…
Du versuchst hier durch Argumente wie “Zwänge des Mainstreams” und “manchmal fallen Exoten leider durch unser ansonsten tolles Raster” Ausreden für etwas zu finden, dass ich ganz schlicht “Inkompetenz” nennen würde.
Bitte nicht falsch verstehen, Gunnar: Ich kreide Dir diesen Test ja nicht persönlich an. Ich kann nur nicht nachvollziehen, dass Du nicht ein einziges Mal einräumen kannst, dass Ihr manchmal vielleicht einfach Scheisse schreibt. Statt dessen versuchst Du immer (!) jeden noch so peinlichen Käse in der GS mit Scheinargumenten zu verteidigen. Gut, das gehört sicherlich zu Deinem Job als Chef-Redi, aber wir sind hier doch unter uns…
Und unter uns: Das macht auf Dauer keinen glaubwürdigen Eindruck.
Wieder einmal sieht man, dass man Spiele nur subjektiv bewerten kann.
Und läuft diese Diskussion nicht gerade aus dem Ruder?
warum zum henker scheißt die spielermagazin-branche nicht einfach auf wertungen? bei musik geht’s doch auch, siehe intro. wenn ich das da oben lese, weiß ich genau warum ich seit 10 jahren so gut wie keine zeitschriften aus der sparte mehr kaufe.
Du und ich mögen diese Zeitschriften nicht mehr kaufen, aber die Leute die sie kaufen, wollen diese völlig absurden Wertungssystem (allein schon der Gedanke, dass man ein System bräuchte scheint mir fragwürdig) leider haben. 300.000 Leser geben der Gamestar doch recht. Mal ehrlich, wenn du Gunnar wärst und dein Job vom Erfolg der Gamestar abhängen würde, hättest du dann den Mumm all das plötzlich über Bord zu werfen?
Genau. Ich auch nicht. Insofern kann man nur aufklären und hoffen dass sich auf Dauer was ändert. Meiner Meinung nach schadet das Ganze der Branche. Einerseits in Leitartikeln mehr Innovation fordern und dann Tim Schafer mit 77% Prozent bestrafen und 300.000 Spielern in Deutschland sagen, dass man bloß sein Spiel nicht kaufen soll. Nee, is klar.
Aber hey, ich tue meinen Teil. Ich weiß von mindestens drei Leuten die wegen Antigames ihr Gamestar Abo gekündigt haben, weil ihnen aufgefallen ist dass sie was besseres verdienen. Ist nicht viel, aber ein Anfang.
Himmel, Richard, was hat dir die Gamestar bloss getan? Wenn dir ihr Konzept nicht passt, dann lies die Zeitschrift doch einfach nicht. Offenbar gibt es doch genug Leute, die sie kaufen und mögen, gönn denen doch ihren Spass.
Das Problem ist eben, dass die 300.000 Leuten sagen, sie sollten Psychonauts besser nicht kaufen. Sowas schadet meiner Meinung nach der ganzen Branche. Und es schadet natürlich mir, weil ich unter Umständen weniger coole Spiele kriege.
Aber das war jetzt auch definitiv der letzte Gamestar Artikel für eine ganze Weile. Obwohl, vielleicht lobe ich die Tage mal die /gamestar/dev ein bißchen. Mal sehen.
argh. nochmal ganz rasch, weil’s mich so aufregt.
wir sind sicher nicht schuld am glorreichen und globalen scheitern von psychonauts. das spiel ist so weit am markt vorbei produziert, dass auch gute wertungen nichts retten, wie man in den usa gesehen hat. und so schön es ist, trotz allem hype ist es meiner persönlichen meinung nach eben kein meisterwerk wie ein ico oder ein katamari damacy. man merkt dem spiel zu sehr an, dass hier die devise style over substance gegolten hat. wie übrigens auch schon bei grim fandango. und das gs-wertungssystem zeigt, das sicher nicht perfekt ist, soll eben stärken und schwächen aufzeigen, damit man sich ein klareres bild machen kann. das hat es bei psychonauts getan — ich finde das eine valide kaufberatung.
Zum Thema Wertungen generell noch mal ein zitat aus dem gta-interview:
Meine private Theorie dazu ist übrigens, dass diese Diskussionen in erster Linie von Leuten geführt werden, die sich zu den erfahreneren Spielern zählen. Und eigentlich die Wertungen für ihre Kaufentscheidung nicht brauchen. Die aber, eben weil sie breit informiert sind, die Wertungsdiskussionen als Sport betreiben. Und es lieben, die Magazine der Käuflichkeit oder der Doofheit zu bezichtigen.
Leute, die sich eher als Einsteiger verstehen und die sich wirklich auf die Kaufberatung von Heften verlassen, nutzen eher das gesamte Paket (Wertung, Text, Meinung) und diskutieren weniger über Zahlen.
Ich sehe es an mir selber: Wenn mir die EDGE auf den Tisch flattert, habe ich zu jedem Spiel schon eine Meinung, weil ich die Titel ja aus eigener Anschauung kenne. Was mache ich also? Ich ignoriere beim ersten Blättern die Texte und vergleiche die Wertungen mit meinen Erwartungen. Ist albern, kann ich aber kaum abstellen.Wertungen sind eben schnell erfassbar. Und viele Leute haben dazu schnell eine Meinung – also perfekt für Forendiskussionen. Das gehört dazu.
argh. sorry. copy&paste-fehler.
Da Gunnar hier Katamari Damacy erwaehnt: Das hat bei uns hier eine 50% Wertung bekommen, weil der Reviewer meinte, “sicher, das ist eine neue Idee, aber am Ende rolle ich die ganze Zeit doch nur einen Ball herum”.
Spielezeitschriften haben die Moeglichkeit, Leuten vorbei am Marketing-Hype des Mainstreams auch mal die kleinen Juwelen zu zeigen, die sonst uebersehen werden. Ich faende es schon gut, wenn sie das ein wenig als Mission betrachten wuerden. Das Beispiel mit der Musikindustrie mal hergenommen: Die meisten Musikreviewer lassen es sich nicht nehmen, ueber Indiebands, kleine Labels und unbekanntes zu schwaermen, und werden gerade dafuer von ihren Lesern auch geschaetzt, denke ich. Denn ehrlich, ein Review fuer eine Britney-CD kann ich von jeder Wald- und Wiesenzeitung kriegen.
An dieser Stelle ein Lob an den Herrn Wigger von SPON fuer seine “abgehoert” Kolumne. Da ist fast immer was dabei, das wirklich gut ist, wovon ich aber noch nichts gehoert hatte.
Hallo Gunnar, ich habe mir die Freiheit genommen deinen doppelten Text zu entfernen um die Lesbarkeit zu verbessern.
Ansonsten hast du natürlich völlig recht, wenn du sagst dass ich an eine Spielezeitschrift ganz andere Anforderungen stelle als jemand der weniger in der Materie drin ist. Ich weiß meist schon, ob ein Spiel was taugt bevor es überhaupt raus kommt, spiele fast alles irgendwie mal an, was so auf den Markt kommt, etc. Insofern suche ich eher intelligente Reflektion über die Spiele, als eine praktische Kaufberatung. Es ist ganz klar, dass ich nicht die Zielgruppe der Gamestar bin. Und es ist genauso klar, dass es völlig legitim ist eine Zeitschrift für weniger informierte Leute mit klarer Kaufberatung zu machen. Schließlich sind Videospiele ein teurer Spaß. 50€ für ein Spiel schüttelt man nicht so leicht aus dem Ärmel wie 5€ für einen Film aus der Videothek.
Genauso klar ist, dass ihr nicht Schuld am Scheitern von Psychonauts seid. Das liegt zum einen daran, dass Majesco das Marketing voll in den Sand gesetzt hat (wenn das Spiel noch bei Microsoft rausgekommen wäre, hätte es sicher mehr Absatz gefunden) und zum anderen daran, dass es – wie du korrekt erkannt hast – am Markt vorbei produziert wurde.
An diesem Markt seid ihr aber sehr wohl mit Schuld. Einem Markt in dem nur Spiele voll grimmige Männer mit großen Wummen und Kettenbikinibabes eine Chance bekommen. Einem Markt wo alles ohne die neueste Grafiktechnologie erstmal eine Abwertung bekommt. Einem Markt wo Spiele nicht Kunst sein dürfen, ja kaum als Unterhaltung betrachtet werden, sondern so bewertet werden als handele es sich dabei um Bohrmaschinen oder Staubsauger.
Man spürt bei der Gamestar einfach keine Leidenschaft für Spiele. Ich glaube das regt mich am meisten auf. Dass ihr einem Spiel ohne Waffen 7 von 10 Punkten für die Waffen gibt – oder dass ihr gar der Meinung seid es sei nötig oder sinnvoll in einem Spiel die Qualität der Waffen zu bewerten – sind eigentlich nur Symptome dieses Grundproblems.
metacritcs.com ??? Gothic 2 hat dort ne Wertung von 79. und das weil dort schwachsinnige 50 % Wertung irgendwelcher Kritiken reinhauen. Zudem nur englischsprachige Spieleseiten. Na was fürn ausgewogenes System.
Was hat ‘Psychonauts’ eigentlich in der CBS bekommen? Und ‘Movies’ in der GS? Ist ja auch kein Verkaufshit, obwohl es doch durch die Bank 85er gekriegt hat.
Wer die 50 nicht zahlen will, testets halt in der Videothek, ist noch die schnellste und günstigste Methode
Liebt euch, verdammt!
lieber richard,
alte vorwürfe werden durch wiederholung nicht wahrer.
weil gamestar tests so schreibt, dass man gut informiert wird und sich nicht in seitenlangen subjektiven erlebnissen ergeht, heißt das noch lange nicht, das das heft leidenschaftslos ist. du reduzierst uns auf den wertungsprozess. das ist, wie die meisten deiner anmerkungen zu gamestar, schlicht unfair.
in gamestar finden sich tief gehende reports, wir beschäftigen uns regelmäßig mit der historie, machen videos, in denen man durchaus die liebe der mannschaft zum sujet spürt, berichten über fan-projekte, mods, communitys.
und der vorwurf mit der grafikfixierung ist imho auch nur schwer haltbar — einer der gründe für einführung des neuen wertungssystems ist ja gerade der wille gewesen, die grafik in ihrer bedeutung zu reduzieren. gerade der von dir kritisierte tlj-test beweist das exemplarisch.
und nein, an den vorlieben der spieler sind wir auch nicht schuld. sorry.
Man könnte auch sagen, dass Tatsachen durch wiederholtes Leugnen nicht falscher werden. Aber das wäre albern.
Da Videospiele aber Unterhaltung (und hin und wieder sogar ein bisschen Kunst) sind, kann man sie eben meiner Meinung nach nur subjektiv erfassen. Das muss nicht seitenlang sein, aber ich muss schon wissen wie es sich anfühlt ein Spiel zu spielen. Sich in seitenlangen Beschreibungen von Spielmechanik und Grafiktechnologie zu ergießen ist eben genau das was ich euch vorwerfe. Leidenschaftslos.
Der aktuelle Test von Psychonauts gibt übrigens weder die Inhalte des Spiels korrekt wieder, noch bringt es den Spaßfaktor des Spiel rüber. Insofern kritisiere ich nicht nur euer Wertungssystem.
Du hast allerdings Recht, wenn du sagst, dass das System die Bedeutung der Grafik auf die Note tatsächlich reduziert. Finde ich gut. Der Vorwurf der Grafikfixierung ist aber schon haltbar, schließlich steht auf eurem Titelblatt im Moment groß drauf “Wir erklären die neue Grafiktechnologie”. Auch wenn man den Artikel dann liest, scheint Crysis hauptsächlich wegen der Grafik interessant zu sein.
Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass ihr Videospiele liebt. Für mich persönlich kommt das aber in der Zeitschrift einfach nicht rüber. Leider.
Und da du ja immer wieder betonst, dass die Gamestar ganz spezifisch als Kaufberatung ausgelegt ist und ihr auch nicht müde werdet auf euren (in der Tat großen) Erfolg hinzuweisen, muss man schon von davon ausgehen, dass ihr erheblichen Einfluss auf eure Leser habt. Deswegen kannst du eine Verantwortung dafür, was diese Leute kaufen nicht wirklich von der Hand weisen. Insofern bist du eben doch bis zu einem gewissen Grad an deren Vorlieben “schuld”.
Du klaubst Dir die Argumente zusammen, wie’s grad passt. Weder steht der von Dir zitierte Satz auf dem Cover, noch dreht sich der Artikel über Crysis hauptsächlich um die Grafik. Dass die Technologie bei einem frisch angekündigten Highend-Spiel wie Crysis aber eine der spannendensten Sachen, dürfte doch klar sein. Ein subjektiver Spielbericht ist da weder möglich noch sinnvoll gewesen. In normalen Previews, also solchen, denen spielbare Versionen zugrunde liegen, beschreiben wir hingegen sehr oft sehr subjektiv das Spielerlebnis an sich — gewürzt mit Infoschnippseln, natürlich, anstatt mit philosophischen Meta-Beschreibungen. Seitenlange Mechanikbeschreibungen findet man da eher nicht.
In Tests, vor allem in kurzen, steht aus guten Gründen, die zu erklären ich müde bin, die Information vorne.
Generell: Wir haben den Markt weder gemacht noch können wir ihn ändern. Wir sind eher Verstärker als Lautsprecher — kommerzielle Totgeburten können wir nicht retten, doofe Spiele mit Massenappeal nicht beschädigen. Wir können nur nach bestem Wissen und Gewissen das bestmögliche Heft für unsere Leser machen.
Doch. Der Satz steht auf dem Cover. Schau nochmal nach. Das hatten wir doch schonmal. Ich zitiere deine Zeitschrift, du sagst dass es da so nicht steht und musst dann eingestehen, dass ich doch Recht hatte. Wenn du willst kann ich dir das Cover gerne einscannen. Aber als Chefredakteur solltest du wohl ein Heft griffbereit haben.
Und zum Thema “wir können den Markt nicht ändern”. Entweder eure Kunden kaufen das Heft weil sie Kaufberatung wünschen oder ihr könnt den Markt nicht ändern. Beides geht nicht. Such dir was aus.
Okay, ich kann es nicht einscannen, weil Wochenende ist. Das Heft hatte ich von jemandem bei der Arbeit. Da ich es aber direkt vom vor mir liegenden Heft abgetippt habe, bin ich mir immer noch ziemlich sicher, dass ich da Recht habe.