Das sind 0,4% pro Jahr

Update: Die Diskussion mit Gunnar Lott in den Kommentaren ist inzwischen wesentlich interessanter als der Beitrag selber. Also ruhig auch mal weiter nach unten scrollen.

Kaum hat man sich vorgenommen nicht mehr über die Gamestar zu lästern, und dann so was. Eben ist mir beim Durchblättern der aktuellen Gamestar (Cover: Grimmiger Machomann mit Superwumme, was für eine Überraschung!) ein Test zu The Longest Journey ins Auge gefallen.

Was sagt ihr da? Das Spiel ist doch 2001 rausgekommen? Klar, Printmagazine sind für Leute mit Internetanschluss selten sonderlich aktuell, aber das geht dann doch einen Schritt zu weit, oder? Aber halt. Der Test ist legitim, denn TLJ steht jetzt wieder in den Regalen. Als Special Edition mit Windows XP Unterstützung und ein paar kleinen paar kleinen Boni.

Kurz was zum Spiel selber. Als es raus kam, wußten wir das noch nicht, aber es würde sich als im Laufe der Zeit als das letzte wirklich gute klassische Adventure herausstellen. The Longest Journey erzählt nicht nur eine toll geschriebene, epische Geschichte über das Schicksal zweier Welten, sondern inszeniert diese Welten auch wunderbar atmosphärisch und bevölkert sie mit liebenswerten und vielschichtigen Charakteren. Das Spiel hat einen Metacritic Score von 91 (“Universal Acclaim”) und gilt heute als Klassiker. Ein zweiter Teil namens Dreamfall wird dieses Jahr veröffentlicht.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals recht stinkig auf die Gamestar war, da sie diesem Meisterwerk eine Wertung von 79% gegeben hatte. Wer die Gamestar kennt, der weiß dass 79% alles andere als eine Kaufempfehlung darstellt. Zwar wurde das Spiel im Text durchaus gelobt, ja sogar positiv mit den alten LucasArts Klassikern verglichen, aber in der Welt von Gamestar durfte ein Spiel ohne Wummen und 3D-Grafik eben nicht über die magische 80% Grenze gehen. Also wurden schnell zwei Alibi-Fehler vorgeschoben (knifflige Rätsel und lange Dialoge) und das Spiel bekam halt nur 79%.

Zeitsprung. Jetzt ratet mal wieviele Prozentpunkte das gleiche Spiel im Jahre 2006 bekommt. Wieder 79%? Nein. Etwas weniger, weil laut Begleittext die Grafik “nicht mehr zeitgemäß” ist? Nein. Es bekommt 81%.

Ja Herrschaftszeiten, nach welcher Methodik gehen die da eigentlich vor? Man sollte fast meinen, dass Herr Lott sein Review von damals sogar nochmal gelesen hat, denn er bringt wieder die exakt gleichen Kritikpunkte (knifflige Rätsel und lange Dialoge). Also ist das exakt gleiche Spiel mit den exakt gleichen Problemen und einer nicht mehr zeitgemäßen Grafik plötzlich zwei Punkte mehr Wert? Woran liegt es? Schlechtes Gewissen, weil man dem Spiel damals Unrecht getan hat? Das machen die zwei Punkte auch nicht mehr gut. Und wenn, dann hätte man es wenigstens im Text eingestehen können. Vielleicht wäre er dann auch nicht so einschläfernd öde.

Oder würfeln die bei der Gamestar doch? Vielleicht haben die so ein Rollenspielsystem? Jedes Spiel fängt bei 100 Punkten an, dann werden 10 Punkte abgezogen weil es ein Adventure ist, 15 weil die Grafik 2D ist und am Schluss wird mit einem W10 gewürfelt, wie die Endnote aussieht.

Für alle die nicht rechnen wollen. 2001 hat Herr Lott eine 4 gewürfelt und dieses Jahr eine 6.

95 Kommentare Autor: Richard
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95 Kommentare

  1. Ich muss mir, wenn ich nächstes Mal in Deutschland bin, wohl mal eine GameStar kaufen. Nach der Diskussion hier bin ich interessiert, was da eigentlich dran ist. Ausserdem kann eine Zeitschrift, die einen TLJ-Test macht, eigentlich garnicht schlecht sein.

    Das wird Ende April sein. Wenn mir jemand einen Gefallen tun will, steht dann da was nettes über Dreamfall drin ;-)

  2. Thema Dreamfall: Auch gametrailers.com gibt es einen neuen Trailer! Sieht sehr schön aus, ich freue mich drauf.

  3. hm. habe gerade die version ohne datenträger nicht vor augen. die mag einen anderen text haben, als die, die ich eben gegriffen habe. das normale heft sieht so aus: http://gamestar.websale.net/$WS/gamestar/websale-gamestar/product-img/archiv/2006/gs0603xl.jpg

    Zum Thema Markt: So einfach ist die Welt nicht. Wir geben Kaufberatung für unsere Kunden. Punkt. Und am Ende kaufen sie doch das, was sie wollen. So mündig sind sie. Wir bestärken bestehende Wünsche, warnen vor Fehlkäufen, aber wir entscheiden nicht, wer in den Media Control Charts vorne steht.

  4. Okay, dann hatte ich wohl die Version ohne Datenträger. Ich kann mich jedenfalls an den silbernen Balken links nicht erinnern. Wo auf dem Bild von dir “Plus: Hi-Res-Engine-Demo auf DVD” steht, stand bei mir eben das Zitat von oben.

    Was heißt hier “so einfach ist die Welt nicht”? Ich habe nicht gerade behauptet, dass ihr euch am ersten Montag eines Monats hinsetzt und den kleinen Finger Dr. Evil-Style an den Mundwinkel setzt und sagt: “Psychonauts landet diese Woche auf Charts-Platzierung…EINE MILLION!!!1″.

    Ich habe lediglich gesagt, dass ihr erheblichen Einfluss auf eure Leser habt. Das kannst du doch nicht ernsthaft leugnen. Sonst scheitert ihr ja auch am eigenen Anspruch der Kaufberatung. So zu tun als würden die Leute eure Zeitschrift lesen, euch dann aber ignorieren und sich doch “kaufen was wollen”, das heißt für mich sich aus der Verantwortung zu stehlen.

    Ich meine man kann grimmige Wummenmachos aufs Cover packen und der Champion von Spielen sein die vielleicht nicht ganz so massentauglich sind. Was ist daran so schlimm einem Spiel eine gute Note zu geben und dabei die Warnung auszusprechen, dass man es vielleicht nicht mag, wenn man “7 Tage 7 Köpfe” für witzig hält oder keine Hüpfspiele leiden kann?

  5. nochmal:

    die kaufentscheidung für ein spiel ist komplex:

    budget, image, testurteil, thema, vorgänger, genrevorlieben et cetera — alles spielt da mit rein.

    wenn alles passt, passt alles. wenn das spiel psychonauts heißt und in einer hirnwelt spielt, kann die note noch so hoch sein.

    davon abgesehen: was ist denn so schlimm daran, hinter ein cooles szenario auch noch ein innovatives, sich klasse steuerndes spiel zu setzen? ist ja nicht so, dass gamestar innovativen spielen gute wertungen verweigert, um dem massengeschmack zu gefallen.

  6. Nochmal:

    Entweder ihr habt nicht unerheblichen Einfluss auf die Kaufentscheidung oder ihr scheitert an eurem Selbstverständnis. Es kann doch nicht so schwer sein, einzugestehen dass eure Leser ein großes Vertrauen in euch setzen.

    Und ein innovatives Spiel mit coolem Szenario und toller Steuerung ist natürlich der Optimalfall. Nur steuert sich Psychonauts eben meiner Meinung nach ziemlich gut (wobei ich die Xbox Version gespielt habe, auf dem PC sind Hüpfspiele zumindest ohne Pad halt etwas problematisch) und es ist auch in vielen Leveln eben wesentlich mehr als nur ein klassisches Jump’n'Run. Warum ein klassisches Jump’n'Run zu machen jetzt irgendwas verwerfliches wäre, weiß ich auch nicht, wenn man mal davon absieht, dass es ein Genre ist was eure Zielgruppe nicht so anspricht. Psychonauts hebt sich nicht nur durch seinen tollen Humor und seine einfallsreiche Geschichte (die in eurem Wertungskasten übrigens als “bekloppt” bezeichnet wird und ein Negativpunkt sein soll) hervor, sondern auch durch einen großen visuellen und eben auch spielerischen Abwechslungsreichtum hervor. Ich halte Level wie die Milkman Welt oder Waterloo eben doch für sehr innovativ, denn sie kombinieren Elemente aus klassischem Hüpfspiel und Adventure. Ich haben sowas jedenfalls bisher noch nie in einem Spiel gesehen. Und das ist doch die Definition von innovativ, oder?

    Aber auch wenn das Spiel an vielen Stellen eben kein klassisches Jump’n'Run ist, so muss es halt bei euch ins passende Schema gepresst werden, damit alles seine Wertungskastenordnung hat. Schade.

  7. hm.

    klar setzen unsere leser vertrauen in uns, klar beeinflussen wir kaufentscheidungen. zufrieden?

    das ändert nichts, aber auch gar nichts, an meinen vorausgegangenen aussagen, die zu wiederholen ich mir hier spare.

    und btw, der punkt “bekloppte geschichte” war mit einem plus bezeichnet. das steht gemeinhin für “positiv”.

    aber was soll’s. warum diskutiere ich überhaupt? du bist auf deinem kreuzzug, das werden meine einlassungen nicht ändern.

  8. Nee, nee. Da war ein rotes Minus davor. Vielleicht ein Fehler und es war ein grünes Plus gemeint? Immerhin gab es 9 von 10 Punkten für “Handlung”.

    Und zum Thema “Kreuzzug”: Jetzt übertreib mal nicht. Ich kann durchaus verstehen warum ihr das Heft so macht, wie ihr es macht. Das habe ich auch schon gesagt. Ihr seid damit ja als Deutschlands zweitgrößte Spielezeitschrift ziemlich erfolgreich. Und ich habe auch schon gesagt, dass ihr vom Niveau ein gutes Stück über der Konkurrenz steht.

    Aber ich finde eure Art mit Spielen umzugehen halt schon ein bißchen deprimierend und finde dass ich dafür auch durchaus Argumente vorbringen kann. Was daran ein Kreuzzug sein soll, weiß ich nicht.

  9. rotes minus?

    guckst du hier: http://premium.gamestar.de/magazin/tests/action/26298/tbIDB_9004414.html
    war im test der us-version auch so. beim der dt. version war’s rot. muss ein korrekturfehler gewesen sein. grmpf.

    und zum thema kreuzzug: lies dir doch mal deinen blogeintrag durch. lott würfelt, gamestar wertet per (haha) rollenspielsystem, der text zu tlj ist “einschläfernd öde”, die kritikpunkte an tlj sind “alibifehler”, printmagazine sind per se unaktuell (was nur teilweise stimmt: viele tests und previews liest man zuerst im print, zumindest auf deutsch), in der welt von gamestar dürfen spiele ohne wummen nicht über 80 kommen, blablabla. die ganze latte von vorurteilen und beleidigungen. obendrein mit argumentationsmängeln: wie stefan sofort richtig erkannte, war die neue wertung von tlj natürlich dem neuen system geschuldet — das ist dir natürlich nicht eingefallen, hätte ja nicht in die hübsche basherei gepasst.

  10. Das mit dem Korrekturfehler macht Sinn. Der Link geht aber nur als Premiumabonnent, was ich nicht bin.

    Der Blogeintrag ist natürlich polemisch formuliert, das gebe ich zu. Aber irgendwie soll das ja auch unterhaltsam sein und wenn man nicht ein bißchen provoziert, kriegt man keine Diskussion in Gang. Nimm das alles bitte nicht zu ernst. Ich will doch nur spielen.

    Aber der Text ist schon einschläfernd öde, sorry. Da kommen wir wieder zu meinem Argument der fehlenden Leidenschaft. Und dass die höhere Wertung von TLJ am neuen Wertungssystem liegt, zeigt doch erst recht wie seltsam sowas ist. Interessanterweise ist mir erst danach klar geworden, wie schablonenhaft das ganze wirklich ist. Insofern kannst du das nicht gerade als Punkte für deine Seite buchen.

    Und jenseits des Blogeintrages selber habe ich eigentlich versucht recht sachlich zu argumentieren und fand uns – gerade für Internetverhältnisse – eigentlich beide ganz zivilisiert und vernünftig. Von einem Kreuzzug sehe ich da nichts.

    Es ist natürlich klar, dass wir uns hier nicht wirklich einig werden können. Ich denke wir haben halt jeweils eine recht unterschiedliche Sicht auf Videospiele und den Zweck einer Videospielezeitschrift. Das ist ja auch legitim.

    Trotzdem würde ich mir bei dir zumindest den Hauch eines Eingeständnisses wünschen, dass ihr nicht alles super und perfekt macht.

  11. http://www.gamestar.de/magazin/tests/action/26298/tbIDB_9004414.html

    dein posting ist weniger provokant als vielmehr platt, vorverurteilend und nachgerade persönlich beleidigend. bashing eben. aber mit derlei dingen muss ich eben leben, schon klar. wir sind ein hübsches großes ziel. ich habe da auch kein großes problem mit, außer verletzter eitelkeit. aber man sollte, wenn man bashing betreibt, es auch zugeben können.

    wo wir gerade beim zugeben sind: wir machen keineswegs alles perfekt. selbstverständlich. gamestar kann noch viel besser werden, wir arbeiten daran. ich habe mir das wertungssystem nicht ausgedacht und sehe durchaus auch gefahren bei derlei beurteilungen — aber es funktioniert ganz gut, imho besser als alle anderen am markt. und die leser haben es in diversen umfragen immer wieder bestätigt. wobei wir nicht müde werden, diesen punkt zu überprüfen. siehe nächste ausgabe.
    und nochwas: klar ist das wertungssystem schablonenhaft. und ich wollte die veränderte wertung nicht “als punkte für meine seite” verbuchen, darum geht’s mir überhaupt nicht. kindergarten. ich wollte aufzeigen, wie voreingenommen deine position ist.

    und übrigens: gamestar ist weit mehr als das wertungssystem.

    ansonsten war die diskussion recht zivilisiert, stimmt schon.

  12. Klar, wenn jemand Kritik äußert auf die man keine vernünftige Antwort hat, dann muss das selbstverständlich “Bashing” sein. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit sich aus der Affaire zu ziehen.

    Wiederhol das Wort nur oft genug, vielleicht glaubst du dann irgendwann selber dran.

    Ich sehe hier übrigens beim besten Willen nichts, was persönlich beleidigend sein soll. Jemand dessen Job es ist, die Arbeit anderer Leute zu kritisieren, sollte nicht so eine Mimose sein.

  13. ich habe mir viel mühe gegeben, hier fair und offen zu argumentieren. das dürfte deutlich geworden sein.

    und ich finde meine anmerkung, dass dein beitrag unfair und voreingenommen ist, auch nicht wirklich mimosenhaft — immerhin rede ich mit dir und habe erst spät in der diskussion überhaupt darauf hingewiesen. sorry, dass ich gewagt habe, den unfehlbaren richard zu kritisieren.

    aber klar, ich verstehe schon. wir sind scheiße, du hast die weisheit gepachtet. die diskussion läuft von anfang schief — ich bemühe mich, dinge zu erklären und meine position darzulegen, du willst punkte machen und deine überzeugung “gamestar ist scheiße und wer so blöd ist, ein abo zu haben, sollte es kündigen” zu stützen. naja.

  14. Es ist mimosenhaft, dass du hier irgendwo persönliche Beleidigungen sieht, die gar nicht existieren. Das “unfair” und voreingenommen” habe ich so stehen lassen. Aber wenn du es als “unfair und voreingenommen” betrachtest, dass ich eine Meinung habe, bitte schön, dann kann ich dir auch nicht mehr helfen.

    Aber klar ich verstehe. Ich bin blöd und du hast die Weisheit gepachtet. Ich bemühe mich meine Kritik zu erklären und meine Position darzulegen, du willst Punkte machen um deine Überzeugung “Wer uns kritisiert ist scheiße und will uns bloß Bashen” zu stützen. Na ja.

    Sorry, dass ich gewagt habe die unfehlbare Gamestar und ihren weisen Chefredakteur Gunnar Lott zu kritisieren.

    Siehst du, das Spielchen kann ich auch spielen. Aber das ist doch keine Diskussion. Du bist einfach nur eingeschnappt. Das hast du doch wirklich nicht nötig.

    Ich habe hier außerdem wirklich mehrfach darauf hingewiesen, dass ich deine Diskussionsbereitschaft zu schätzen weiß. Und ich habe auch schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ich viele deiner Erklärung durchaus nachvollziehen kann. Seltsamerweise willst du davon aber nichts hören.

    Nochmal: Ich verstehe voll und ganz warum ihr die Gamestar so macht wie ihr sie macht. Es gibt eine Zielgruppe für ein Magazin wie ihr es macht und ihr bedient diese Zielgruppe. Und zwar sehr erfolgreich. Eine radikale Änderung der Gamestar wäre sicherlich kommerziell katastrophal und wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich das auch nicht tun.

    Aber nur weil ich verstehe warum ihr euere Zeitschrift so macht, heißt das doch nicht, dass ich sie mögen muss.

    Natürlich bräuchte ich sie dann auch einfach nicht zu lesen, und gut. Aber mein Problem ist Folgendes: Für mich repräsentiert die Gamestar genau die Seiten der Spieleindustrie die ich nicht mag und von denen ich glaube dass sie auf Dauer großen Schaden anrichten. Die Gamestar repräsentiert für mich die Spieleindustrie, in der die Anzahl der Waffen ein Qualitätskriterium ist, in der es in über der Hälfte aller Spiele darum geht Dinge neben Kisten zu erschießen oder zu erschlagen, in der Grafik das wichtigste Kriterium ist, in der endlose Sequels und Klone produziert werden, in der nur Sachen für die ewig gleiche Zielgruppe junger Männer entwickelt wird und in der irgendwie keine Spiele ohne Gangster oder Orks gemacht werden dürfen.

    Wenn ich ein Date habe und man sich was von seinen Hobbies erzählt, dann behalte ich meine Liebe für Videospiele immer erstmal für mich, denn wenn ich es nicht tue, werde ich schief angeschaut. Und weißt du was? Zu Recht.

    In Videospielen steckt soviel Potential und es wird von so vielen Leute einfach ignoriert, weil man lieber das nächste Schießspielsequel herstellt oder hyped. Und die Gamestar ist eben ein nicht unerhebliches Rädchen in genau diesem Getriebe. Und das regt mich auf. Und das darf mich auch aufregen. Das hat nichts mit Voreingenommenheit oder “Bashing” zu tun. Ich rege mich auf, weil ich Videospiele liebe und es mir im Herzen wehtut, wenn wunderbare und mit viel Liebe gemachte Spiele leidenschaftslos abgekanzelt werden, während am Fließband hergestellter seelenlose EA-Dreck oder eine neue Grafikengine seitenlang in den Himmel gelobt werden.

    Ihr seid nur eins von vielen Rädchen in diesem Getriebe. Die Kunden und Hersteller haben daran natürlich noch mehr Schuld. Aber deswegen könnt ihr euch nicht aus der Verantwortung stehlen. Du magst meine Kritik nicht für berechtigt halten, aber sie ist fundiert und begründet.

    Wenn du nicht darauf eingehen willst, okay. Wenn du anderer Meinung bist, okay. Aber erspare uns blöde Worte wie “Bashing”.

  15. moin!

    ich hab die letzten postings jetzt übersprungen, aber folgende aussage von gunnar bringt mich ehrlich gesagt zum würgen: “Wir haben den Markt weder gemacht noch können wir ihn ändern.”
    bitte was? wer denn sonst, wenn nicht die spiele-presse?

  16. Recht hat Richard. Ich füge hinzu: Wenn es überhaupt jemanden gibt, den man für die zum Himmel schreiende Nichtausnutzung des Potentials von Videospielen verantwortlich machen kann, dann zuerst den Käufer an sich, dann Electronic Arts und dann auch schon die Videospielpresse, besonders die deutsche.
    Seit Jahren ist es durchgehender Tenor in der Gamestar, in Kolumnen den Fortsetzungswahn der Videospielindustrie zu beklagen, die Innovationsarmut, die Schludrigkeit der Produktion – es wirkt nur so furchtbar bigott, wenn man dann gleichzeitig der neuesten EA- oder Ubisoft-Massenware seitenlange Previews einräumt, bugverseuchten Blitzreleases gute Wertungen hinterherschmeißt und jedes auch nur ansatzweise innovative Produkt abkanzelt. Das zeigt sich nicht nur im Test von Psychonauts (und, besonders schlimm: Silent Hill), das zeigt sich auch in der durchgehenden angedeuteten Geringschätzung von Konsolenspielen, die mittlerweile den wesentlich innovativeren Teil des Marktes ausmachen. Auf dem PC gibt es mittlerweile eigentlich nur noch drei Genres – Egoshooter, Strategiespiele und die Sims. Oh, und Sportspiele. Natürlich produziert die Gamestar diese Spiele nicht, aber es wird doch wohl die Frage erlaubt sein, ob die seit Jahren erfolgreichste Spielezeitschrift auf dem Markt (die CBS nehme ich jetzt aus, die kann man ja nun wirklich nicht ernst nehmen) nicht auch den Geschmack der Leser prägt, den sie abbildet. Wäre es nicht ein Armutszeugnis für die Gamestar, wenn es nicht so wäre.

    Und da kommt mein Ansatz: Wenn die Gamestar da prägende Funktion hat, dann könnte sie diese Funktion auch nutzen, um Videospiele vor dem Totalabsturz in die Spielzeugecke zu bewahren – ich rede nicht über die Tests, da ist mit diesem -tschuldigung- bekloppten System nix zu machen. Aber es ist doch klar, dass ein Preview in der Gamestar meinungs- und interessebildende Funktion in der Zielgruppe hat. Hätte es nicht Wunder gewirkt, wenn man mal einen längeren Bericht darüber gemacht hätte, dass sich ein paar alte Lucas-Arts-Recken gerade an einem Spiel namens Psychonauts versuchen? Wäre es nicht interessant, mal über den Rattenschwanz von Doktor- und Diplomarbeiten zu reden, die Silent Hill 2 mittlerweile nach sich gezogen hat. Mal zu untersuchen, wie mittlerweile die Marktforschungs- und Entwicklungspraktiken bei Electronic Arts funktionieren? Mal zu fragen, warum so wenig Frauen am PC spielen? Mal über Nischenmärkte zu berichten, wie es die GEE schon länger tut?

    Die Gamestar ist Aushängeschild und Leitmedium des Videospielmarktes, der mir nicht passt und der meiner Meinung nach mein Hobby schneller in die kulturelle Bedeutungslosigkeit fährt, als ich gedacht hätte. Aber sie müsste nicht so sein, sie könnte auch was anders machen – und eigentlich ist diese Kritik ein Kompliment.

  17. ah. okay. ich sage ja gar nicht, dass die kritik aus der luft gegriffen ist — wir sind eben nicht die gee und bedienen ein massenpublikum. die dazugehörige redaktionelle ausrichtung kann man mit fug und recht doof finden. kein problem.

    es ärgert mich nur, wenn so getan wird, als wären wir ein verlautbarungsblatt für publisher. wir setzen uns in reports durchaus auch mit eher kulturellen aspekten auseinander, berichten über communitys, fanprojekte, ausbildung. auch ein, sagen wir, darwinia hat bei uns zwei seiten test bekommen — lange bevor es auf steam erhältlich war und der rest der presse draufgesprungen ist.

  18. Zitat: »Hätte es nicht Wunder gewirkt, wenn man mal einen längeren Bericht darüber gemacht hätte, dass sich ein paar alte Lucas-Arts-Recken gerade an einem Spiel namens Psychonauts versuchen? Wäre es nicht interessant, mal über den Rattenschwanz von Doktor- und Diplomarbeiten zu reden, die Silent Hill 2 mittlerweile nach sich gezogen hat.«

    Thema 1: Hätten wir machen können, stimmt. Wäre vielleicht sinnvoll gewesen. Und sicher spannend, da Ron Gilbert im Gespräch im immer für ein paar coole Zitate gut ist. Wunder gewirkt hätte es nicht. Ebenso wie in den USA die euphorischen Tests und die aufwändige Marketingkampagne keine Wunder gewirkt haben.

    Thema 2: Ich sehe den Punkt, aber das ist ein bisschen zu abseitig — wir können keine Artikel machen, die dann von 9/10 der Leser überblättert werden.

    Wir sind eben die GameStar. Der Verwurf, wir würden in der einen oder anderen Weise unserer Verantwortung nicht gerecht werden, ist diskutierbar — der Vorwurf, wir wären nicht wie die Gee, nicht. Die Gee verkauft 6.000 Hefte pro Monat — die können schreiben, was sie wollen. Liest eh keiner. Das ist keine Häme, ich mag die Gee durchaus, es gibt nur keinen Markt dafür.

  19. “verlautbarungsblatt für publisher” – dazu habt ihr euch im laufe der jahre leider selbst gemacht. (nicht speziell nur ihr, sonders praktisch der komplette markt an spielezeitschriften.)

  20. >> Das ist keine Häme, ich mag die Gee durchaus, es gibt nur keinen Markt dafür.

    also vorweg – ich mag die gee nicht, spätestens seit ihrer substanzlosen psp-nummer. aber den markt für alternative spielezeitschriften gibt es mit sicherheit. siehe z.b. dieses blog..

  21. -> GS ist unter Lott nach dem Relaunch deutlich besser geworden. Und Schwerdtels und Schnelles Fehler halten sich auch seitdem ziemlich in Grenzen.
    -> GS und Lott sind aktiv in der “Community”.
    -> Das Wertungssystem ist ganz tief vom Grundgedanken vielleicht okay, aber in der Umsetzung einfach shit. Und ich würde sogar behaupten, dass die Leser, die von Zielgruppenumfragen betroffen sind, alles fressen, was GS auftischt, solange es im althergebrachten Trott bleibt. (Ich habe die GS in der Endphase von Langer beinahe gehasst, aber sie trotzdem seit 10/97 immer gelesen = Gewohnheit).
    -> GEE hat keine Leser, weil sie trotz allem den Zocker ansprechen. Nur der wird durch Wissenslücken der Redaktion abgeschreckt.
    -> Wäre es bemerkbar schlimm für GS, wenn man im Heft vermehrt eins, zwei Seiten für “freakigere” Berichte aufwändet, die dann (angeblich) 90% der Leser überblättern? Soll ich mal aufzählen, was ich alles in GS überblättere…?

  22. Natürlich hätte eine ausführlichere und bessere Berichterstattung zu Psychonauts keine Wunder gewirkt. Ich glaube da sind wir uns alle einig. Man kann so einen Markt ja auch nicht mit ein paar Artikeln komplett umkrempeln. Aber man kann natürlich schon sanft aber bestimmt gegen halten. Mit weniger Jubel für Sequel und mehr Lob für originellere Sachen. Mit ein bißchen mehr Kritik an teuer produzierten, aber spielerisch schalen Klons und ein bißchen höheren Wertungs für mit Herzblut gemachten Sachen wie Psychonauts. Ein zweiseitiger Test zu Darwinina gehört übrigens auch dazu. Dafür also zwei Daumen nach oben. Wenn ihr mehr solche Sachen macht, dann brauchst du dich auch nicht mehr darüber aufzuregen dass euch jemand ein Verlautbarungsblatt der Publisher nennt.

    Auf die Idee kommt dann nämlich gar keiner mehr.

  23. Die Gamestar und mit ihr die ganze Videospielindustrie (okay, es ist natürlich andersrum…) fährt, und das ist vielleicht der Kern meiner Kritik, den Karren auf ganz bestimmten Schienen in eine ganz bestimmte Richtung. Und die halten ich – und wohl immerhin noch zwei, drei andere – für die Falsche.
    Übrigens ist auch das Wertungssystem ein Ausdruck dieser Einschienigkeit: Für eine bestimmte Sorte Spiele ist es ideal, z.B. für den Vergleich von Far Cry, F.E.A.R. und Half-Life 2. Aber vielen in vielerlei Hinsicht “anderen” Spielen wird man damit nicht gerecht. Ihr bewertet Spiele wie Waschmaschinen und seid damit ungerecht gegenüber Spielen, die gar nicht wie Waschmaschinen sein wollen.
    Es geht nicht darum, mehr GEE zu werden. Die kann ich, aus anderen Gründen, auch nicht leiden. Aber mehr Edge wäre schon nicht schlecht – mehr Enthusiasmus, abwechslungsreichere Schreibe, kreativeres Layout, originellere Heftstruktur, mehr Verantwortungsbewusstsein für die Videospielkultur. Und nicht immer nur Meckern über Marktentwicklungen, die man dann selber unterstützt.

  24. wo’s mir gerade auffällt, weil du psychonauts (zu recht) ein mit herzblut gemachtes spiel nennst — wenn man den in branchenkreise kursierenden zahlen glaubt, ist psychonauts ein verdammt teuer produziertes spiel. das budget konnte sich demnach ganz gut mit anderen produktionen messen.

  25. Ja, diese Zahlen habe ich auch gehört. Ich denke die sind auch realistisch, schließlich hat die Entwicklung viele, viele Jahre gebraucht (ich kann mich noch erinnern, als es eines der ersten Hoffnungsträger für die damals brandneue Xbox war) und da Microsoft wohl mal geplant hatte daraus ihren Jump’n'Run Franchise für die Xbox zu machen, ist da sicher auch nicht wenig Geld geflossen von Microsoft an Double Fine geflossen. Es gibt schon einen Grund warum Majesco gerade beinahe aus den Latschen gekippt ist. Genaue Zahlen sind natürlich schwer zu bekommen, aber ich habe diverse Summen zwischen 10 und 20 Millionen Dollar gehört. Insofern kann man von einem mindestens achstelligen Budget ausgehen.

  26. Wertungsysteme mit Zahlen für subjektiv-wahrnembare Dinge wie Bilder, Töne usw. sind schon mal nur doof. Allenfalls, wenn man einen Querschnitt aus mehreren tausend Meinungen machen würde, ergäbe das Ganze vielleicht halbwegs Sinn.

    Ich lese grundsätzlich nur Meinungskästen… das ist doch die einzig sinnvolle Möglichkeit einem Spiel eine Bewertung zu geben. Subjektiv, und persönlich. Wo hört denn beispielsweise eine Soundwertung von 7 auf, und fängt 8 an? Und warum?

    Und zum Thema überblättern – habe wohl rund 7 Magazine in den letzten 1 1/2 Monaten gekauft. Beilagen DVDs genommen, angeguckt, Vollversionen installiert… Hefte weggeschmissen (ohne sie zu lesen).

    @Richard: Volle Zustimmung, PC Magazine lesen ist ein Trauerspiel – 0 Persönlichkeit, 0 Emotion, 0 Spannung – ich kann mir richtig die Liste vorstellen, die abgearbeitet wird. Aber was die Profis nicht bringen, bringen Leute wie du und das Team dieser Seite *schleim* ;)

  27. Was willst denn sonst machen? Strange Days mäßig Erlebnisdvds verkaufen. Im Maniac-Forum sind sie alle fürs Famitsu-System 4×10

  28. Lieber Snobbie, ich habe eine schockierende Nachricht für dich: Man kann völlig auf eine Wertung verzichten, und auf ein komplexes Wertungssystem erst recht. Eigentlich sollte der Text einer Kritik nämlich für sich sprechen. Die ganze Sache mit den Prozentwertungen und 85 Unterkategorien ist irgendwie so eine historisch gewachsenes Desaster, dass man jetzt nicht mehr richtig weg bekommt, weil es sich in den Köpfen der Spieler festgesetzt hat. Bücher, Musik oder Filme werden ja auch meistens ohne irgendwelche Wertungen rezensiert und das hat in den letzten hundert Jahren niemand irgendwie gestört. Natürlich sind auch Wertungen legitim. Mit einem Daumen nach oben/unten oder einem Wert zwischen 1 und 10 kann man dem Leser z.B. schnell bei der Entscheidung helfen, ob er sich den Text durchlesen möchte. Aber nötig sind sie sind. Um also deine Frage zu beantworten: Gar nichts! (Aber Strange Days war ein cooler Film.)

  29. @Snobbie: Ich kann mehr anfangen mit einer Aussage wie beispielsweise: “Psychonauts rockt wegen der völlig abgedrehten Welt, die mir besonders deshalb so gut gefällt weil sie klassischen Lucas Arts Charme mit Invader Zim Wahnsinn mischt.” anstelle von Grafik 7 / 10.

    Oder aber: Die musikalische Untermalung schafft es stets die Spielsituation gekonnt zu unterstützen – besonders Musikstück 2,3 mit ihren fantastischen Streichern und an wilde SKA Parties erinnernde Bläser haben es mir angetan, und können auch gut ausserhalb des Spiels gehört werden. Dagegen kommt dann Sound 9 / 10.

    Später mehr…

  30. Jetzt ist später.

    Wenn es unbedingt ein Wertungssystem geben muss, dann würde ich die Daumenvariante bevorzugen. Daumen hoch, Daumen waagerecht, Daumen runter. Reicht völlig aus… diese 78,9567% Wertungen sind doch vollkommen albern.

    Zusätzlich ist der Technikaspekt in meinen Augen total überbewertet…. warum wird beispielsweise nicht die Atmosphäre oder Glaubhaftigkeit einer Welt bewertet? Davon ab will man mit Grafik ja auch eine Aussage unterstützen – die Katamari-Optik ist sicherlich nicht die Aufwendigste, aber für das Spiel passt sie wie die Faust auf’s Auge. Das sollte auch bedacht werden.

    Und bei einem 2D Fighter erwarte ich nunmal Handgepixeltes… warum ist das gleich automatisch Grafik 5 / 10 oder noch weniger? Und weshalb steht dann fast immer als Kritikpunkt “altbackene Grafik”? Das ist doch total nebensächlich!? Und warum gibt es keine Punkte für Charakterdesigns oder Design an sich? Warum gibt es keine Innovationswertungen? Wertungskästen sind so dumm… so vollstänidg überflüssig.

    Gerade im DVD Zeitalter sollte man einfach ein paar Minuten Spiel aufnehmen (und dabei seine Klappe halten, liebe Leute, ich begreife schon was da auf dem Schirm abgeht…) und den Text dazu in Heftform nachreichen. Dann einfach Meinung drunter, fertig. Ich kann doch selbst entscheiden, ich brauche niemanden der mir sagt das sich das jetzt gut anhört oder das jetzt toll aussieht. Stattdessen will ich lieber lesen, was denn daran so toll ist bzw. wodurch es so toll wird!

    Aber Jens Jedermann und Susi Schneckenschiss brauchen halt einen Zahlenwert zum Vergleich… mehr Zahl = mehr gut = mehr Einkauf. Der Rest ist scheissegal – und das ist genau der Haken, den der Rest wäre gerade das Interessante gewesen…

  31. @Aulbath

    Ich kann mehr anfangen mit einer Aussage wie beispielsweise: “Psychonauts rockt wegen der völlig abgedrehten Welt, die mir besonders deshalb so gut gefällt weil sie klassischen Lucas Arts Charme mit Invader Zim Wahnsinn mischt.

  32. ich finde es lobenswert, ja fast ritterlich, die ganze spielerwelt missionieren zu wollen, aber die realität zeigt doch, das die leute garnicht missioniert werden wollen. wozu also die mühe? und die gefahr, das die macht des mainstreams den indipool austrocknen lässt sehe ich nicht wirklich, das hat auch in anderen medien nie wirklich funktioniert, auch wenn es alle immer hysterisch beschrien haben – denn dazu ist der mainstream einfach zu träge.

  33. @Freitag: Nö – ganz sicher nicht nur Zahlen, aber schon das Layout macht klar, das die Wertungsbox das Wichtigste ist.

    Mir passen die Zahlen nicht, und die Texte auch nicht. Ich bevorzuge Blogeinträge und Foren für die Meinungsbildung. Würde auch gerne einen grösseren Meinungspool in Zeitungen sehen.
    Von einer Zeitschrift erwarte ich in erster Linie unterhaltsame Texte mit Informationsgehalt der über das übliche “Sound/Grafik/Steuerung sind vorhanden – man kann das und das machen und es spielt sich wie Spiel X, Y und Z”-Gelaber hinausgeht. Warum nicht mal solche Sachen wie bei Spieler1-4 mit dem Barbarentagebuch oder der Katamari-Party? Stattdessen lese ich einen Text, und ersetze je nach Genre ein paar Worte durch andere… “man erschiesst die Gangster” wird zu “man erschlägt die Orks” – Fertig! Aus dem Egoshooter-Test wurde ein toller RPG-Strategie-Artikel.

    Die Atmosphäre wird vielleicht mitbewertet, aber ich glaube es hat noch kein Text wirklich geschafft dieselbige auch einzufangen und an den Leser zu übermitteln.

    Zur DVD: Finde nicht, das Trailer/Screenshots auf Demo CDs gut mit den Artikeln in den Zeitschriften funktionieren – da ginge noch einiges. Aber du hast schon Recht, das ist ein anderes Thema.

  34. Wie siehts mit der CBS aus, die hat noch viel mehr “unwissende Opfer”. Angenommen sie gab ne gute Wertung ab, was machst du dann? Gerät dein Weltbild der “primitiven” CBS dann in Gefahr?

    Da Movies ein Wertungshit (bei mir ab 85%) war, zeigt sich ja, das Spielezeitungen keinen Einfluss (mehr?) auf Verkaufszahlen hat

  35. Hier einfach auch mal meine Meinung:

    - Natürlich sind die Spielezeitschriften große Mitgestalter des Marktes. Belegen läßt sich das mMn vor allem an zwei Faktoren. Zum einen wenn ich mir die Angst ansehe, die in der Branche vor schlechten Bewertungen herrscht. Nicht umsonst wurden in diversen Projekten ganze Konzepte aufgrund von Spielezeitschriften umgeworfen. Spontan fällt mir Gothic ein, wo eine Maussteuerung nur eingebaut wurde weil es entsprechend im Preview bemängelt wurde (ob das jetzt gut oder schlecht ist sei dahingestellt, der Einfluß wird jedenfalls klar). Zum anderen wenn ich mir die Kommentare von Jugendlichen anhöre. Die machen ihre Käufe 100% von den Wertungen abhängig. Besonders, da es meist nicht viele Vollpreisspiele pro Jahr gibt. Zitat eines Jugendlichen, dem ich die GEE mal in die Hand gedrückt hab: “Was ist das denn für ein Kack, die haben ja nicht mal Wertungen.” Einem Jugendlichen die Gamestar durch die GEE ersetzen zu wollen ist so als wolle man einem 11 jährigen den Donald Duck Comic durch eine anspruchsvolle Graphic Novel ersetzen. ;)

    - Zur Ausrichtung der GS: Ich habe mal auf der CeBit (2001 glaub ich) vor ein paar Jahren Jörg Langer getroffen und ihn kurz angesprochen. Ich stellte mich als Leser seit der Erstausgabe vor (seit 2002 etwa nicht mehr) und er fragte mich was ich denn von der GS so halte. Auf meine Antwort “Leider sind die Themen die mich vor allem interessieren zu wenig im Heft enthalten (Retro, außergewöhnliche Spiele, Branche…), und auch als Hardcorezocker fühle ich mich nicht mehr ganz so angesprochen wie noch ’97 als das ganze noch nicht so ein Massenmarkt war.” entgegnete er, dass er das verstehen und nachvollziehen könne, aber damit läge ich auch nicht in der Zielgruppe. Allein schon vom Alter her.

    Damit hat er es doch ziemlich getroffen. Wie Gunnar schon sagte, die GS kann nicht den gleichen Anspruch wie die GEE haben (obwohl die sich in meinem Bekanntenkreis wie ein Lauffeuer verbreitet – gut, die sind auch alle mindestens Anfang 20). Aber dann sollte sich die GS nicht scheinheilig auf die Fahnen schreiben die Werte der richtigen Zocker hochzuhalten. Das tut sie nämlich nicht. Nur die des Massenmarktes.

    - Das hat Richard vollständig mit seinem Kommentar getroffen, dass die GS dafür sorgt, dass einige Spiele mich nie erreichen werden. Und deshalb führe ich auch privat einen Kreuzzug um den Leuten das klar zu machen. Bei denen über 20 gelingt es mir.

    Ich denke man kann sich drüber einig sein, dass die GS gut auf ihre Zielgruppe zugeschnitten ist. Leider führt das zu oben erwähnten Seiteneffekten…

  36. Klar dass ein Testmagazin – es sei mal ganz dahingestellt um welche Branche es sich dabei handelt (Warentests, KfZ-Tests, Hifitests, Ökotests oder Spieletests) – ein gewisses Maß an der Kaufentscheidung eines LESERS mitwirkt. Allerdings: Zum einen entscheidet sich der Kunde doch selbst, ob und welches Magazin er kaufen wird, um eine Entscheidung treffen zu können . Wird er dann aber mehrmals enttäuscht – und das hat Gunnar ja auch erwähnt – gibt’s halt einen Leser weniger. So ist das überall in der Gesellschaft (Wahl einer Partei, etc.).

    Dass Wertungskästen gar “dumm” oder überflüssig sind kann ich so nicht akzeptieren. Der Mensch ist einfach so gestrickt, dass ihm Zahlenwertungen sofort ins Auge springen und ihm diese das Verlgeichen einfacher machen. Das kann keiner bestreiten. Auch z.B. beim Eiskunstlaufen muss so entschieden werden. Das dabei entstehende Problem der “richtigen” Bewertung darf allerdings nicht als solche als falsch bewertet werden. Nicht die Note oder Prozentbewertung ist das entscheidende, sondern die Vergleichbarkeit derer. Und dass Objekte die es zu bewerten gilt, für jeden subjektiv anders wahrgenommen werden ist so oder so klar. Wer dann merkt, dass das “so großartige und tolle Spiel” das der Testredakteur hoch gepriesen hat, dann doch nicht so seinem Geschmack entspricht, muss aus seinen Fehlern lernen und beim nächsten Mal seine Infos von woanders her holen. Und da spielt es doch keine Rolle, ob der Redakteur seine “andere” Meinung in Form von Zahlen, Daumen oder Text widergibt. Wie ja schon gesagt: Jeder Mensch ist anders gestrickt, lässt sich aber durch die Einfachheit (möchte nicht allzusehr in die Psychologie gehen) “cashen” und beeinflussen.

  37. Hallo Gunnar Lott,

    meinetwegen könnt Ihr diskutieren was Ihr wollt. Ich finde es aber nicht besonders fair falsche Vk-Zahlen zu veröffentlichen, aktuell IVW Verkauf 4/2005 18.015 Exemplare für GEE. Das ist zwar weniger als bei GS aber “liest eh keiner” ist Häme und total arrogant.

    Also macht weiter Euren mainstream Kommerz-Kram,

    grüße,

    Volker

  38. Fairerweise muss man sagen, dass die “Waffenporno”-GEE, die ich letztens gelesen habe, mit ihrem begeisterten Nachplappern der offiziellen PR-Linie von Electronics Arts auch ziemlicher Mainstream-Kommerz-Kram war. Man hatte sehr den Eindruck, dass ihr euch mit der Titelstory für die doppelseite Anzeige bedankt habt.

    Der Rest der Ausgabe war dabei durchaus interessant, was den Eindruck noch verstärkt hat.

  39. ich werd wohl mein gs-abo aus den hier genannten gründen kündigen

  40. @volker: hupps, deine replik hatte ich übersehen, daher erst spät die antwort, die jetzt vermutlich eh niemand mehr liest.

    derzeit VERKAUFT die gee 6.337 exemplare am kiosk, dazu kommen die 937 abos. okay, das ist mehr als die von mir aus dem kopf zitierten 6.000, sorry. das sind offizielle zahlen, nachzulesen auf ivw.de. das habe ich nicht erfunden.

  41. Ich lese alles. :) (Auch wenn ich Moment keine Zeit habe, viel zu schreiben.)

    In der letzten /gamestar/dev steht allerdings was 15.416 Stück “Einzelverkauf”. Welche Zahl stimmt denn nun? Das ist ja schon ein ziemlich großer Unterschied.

  42. also ich weiß, die diskusion is schon lang vorbei, habs aber grad gelesen und wollt nur mal meinen beitrag schreiben

    1. ich war selbst 3jahre lang[2000-2003] abonnent der GS und hab auch später noch einzelne ausgaben gelesen
    und ich muss sagen, dass ich in dieser Zeit(war ja damals noch n dummer jugendlicher) meine kaufentscheidungen doch wesentlich von den bewertungen in der GS abhängig waren. wenn ein spiel ne schlechte bewertung hatte, hab ichs mir einfach nicht gekauft.

    mittlerweile beziehe ich infos hauptsächlich aus blogs und foren im internet, und beteilige mich auch sehr aktiv in der community, und muss sagen, dass mich die GS nicht nur beeinflusst, sondern wirklich stark geprägt hat, was videospiele angeht. hat wirklich lange gedauert, um mich von dem bewertungsschema der GS vollständig zu lösen und spiele durch andere kriterien zu bewerten (so ca 2jahre).
    Wollt ich nur mal gesagt habn[punkt]

  43. Auch wenn das hier wohl niemand mehr lesen wird, schreibe ich doch.
    Ich lese mehrere Spielezeitschriften, u.a. die Gamestar, PCPP, Screenfun, und mit lesen meine ich auch lesen. Wenn man sich eine Spielezeitschrift kauft, dann bitte auch, um sich zu informieren, und dass ist nunmal nicht mit dem Ansehen der Wertung getan.
    Denn ein Spiel kann man nicht mit einem Wertungssystem komplett beurteilen, dafür muss man auch den Text lesen. Allerdings ist ein Wertungsystem, meiner Meinung nach, noch die beste Art und Weise, ein Spiel zu beurteilen. Ich nehme mal eine etwas aktuelleres Beispiel:
    Resident Evil 4 für den PC bei der PCPP, die subjektiv bewertet, eine Durschnittswertung von 84 Punkten. David Bergmann gab dem Spiel 90 Punkte, Simon Fistrich 78. Das Problem dieser Art zu bewerten fällt einem hier sehr deutlich auf: Jeder hat seinen eigenen Geschmack, weshalb diese Wertungen relativ weit auseinander fallen. Deshalb halte ich es für gut, einen objektiven Text zu schreiben, auch objektiv zu bewerten. Der Meinungskasten ist dazu da, seine Meinung zu sagen. Ich finde auch, dass das genauso sein soll.
    Klar jedes System hat seine Schwächen, dennoch, für eine Kaufempfehlung halte ich ein Wertungsystem am geeignesten.