Archiv für Februar 2006

Warcraft essen Seele auf

Okay, World of Warcraft ist erfolgreich. Sehr erfolgreich. Darüber braucht man nicht zu streiten. Nerven tut mich jedoch das aktuelle Gejaule ob des zerstörerischen Effekts des Spiels auf den Rest der PC-Spiele-Branche. Da erscheinen auf einmal Beiträge wie dieser auf heise.de, der von einem zeitweisen Umsatzrückgang von bis zu 30% bei den Spielehändlern berichtet. Huch! Handelt es sich bei World of Warcraft also um ein Umsatz fressendes, die Spieleindustrie in Schutt und Asche legendes, nicht aufzuhaltendes Ungetüm? Müssen demnächst reihenweise die Spielehändler dicht machen, weil die Kids nur noch Gametime-Karten und kein FIFA mehr kaufen wollen? Ist Electronic Arts jetzt auf eine Reaktivierung des bereits eingestellten Ultima X: Odyssey angewiesen, um zu überleben, weil die Leute nur noch Onlinerollenspiele spielen wollen?

Aber… moment mal! Onlinerollenspiele gibt es doch schon seit Ewigkeiten. MMORPG-Witwen, Suchtgefahr, Mord & Totschlag wegen Streitigkeiten um virtuelle Güter und Leute, die nach 50 Stunden Dauerspielen tot vor dem Monitor zusammenbrechen gab es auch schon ohne World of Warcraft. Vielleicht geht die Gefahr also gar nicht von der Tatsache aus, dass World of Warcraft ein Onlinerollenspiel ist, sondern vielleicht davon, dass es sich dabei, man glaube es kaum, einfach um ein extrem gut gemachtes Spiel handelt?

Ich habe da zwei verrückte, kleine Thesen bezüglich des Umsatzrückgangs bei den PC-Spielen:

  1. Für den PC kommt fast nur noch Schrott auf den Markt. Klar, es gibt Ausnahmen. Allen voran ja World of Warcraft. Spiele wie Sims 2 und The Movies taugen ja auch noch halbwegs. Aber sonst fällt mir ehrlich gesagt nichts ein, was mich wirklich begeistern konnte. Sogar Age of Empires 3 hat mich trotz meiner Liebe zu den Vorgängern enttäuscht (gut, ich kenne auch nur die Demo). Die angeblichen Shooter-Hoffnungen F.E.A.R. und Quake 4 waren letztendlich doch ziemliche Gurken. Und, äh, ist eigentlich sonst noch irgendwas für den PC erschienen?
  2. Man mag es kaum glauben, aber die Konsolen sind endlich auch in Europa angekommen. Ich habe leider keine Zahlen zur Hand, aber ich behaupte einfach mal völlig irrationaler Weise, dass im Jahr 2005 in Deutschland so viele Konsolen und Konsolenspiele gekauft wurden wie nie zuvor. Und dass dieser Trend nicht zuletzt wegen der neuen Konsolengeneration anhalten wird. Ist so ein Bauchgefühl, wisst ihr. Ich schaue mir meine vielen Bekannten an, die sich auf dem PC nie für Spiele interessiert haben, aber auf einmal eine Xbox, PS2 o.Ä. im Wohnzimmer stehen haben (oder World of Warcraft spielen). Kann es am Ende sein, dass der Markt vielleicht sogar wächst?! Nur halt nicht so, wie es die faule, langeweilig-gelangweilte PC-Branche gerne hätte?

Aber nein, das kann ja alles nicht sein, World of Warcraft ist schuld, was fällt Blizzard eigentlich ein. Klar. Wenn auf einmal ein wirklich gut gemachtes Spiel daher kommt, das sogar seine monatlichen Gebühren locker wert ist, dann merkt der Rest der Branche, dass er mit dem zweimillionsten WW2-Shooter auf Dauer nicht davon kommt.

Ach ja, vielleicht sollte man auch erwähnen, dass der heise.de-Artikel von Andreas Lober stammt, der auch hinter der dort verlinkten Site Gamesdynamite steckt. Und schaut man sich deren Artikel an, wird schnell klar, wo die Sache mit den 30% herkommt und wie ernst man sie überhaupt nehmen darf.

14 Kommentare Autor: Hendrik
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PC?

Ich habe eben mein WoW Abo gekündigt. Und mich gleichzeitig gegen DDO entschlossen. Konzeptionell sehr schön, aber von Kampfsystem und Menüführung her nicht ausgereift genug. Außerdem ist es so verdammt…braun.

Tja, und nachdem ich die beiden Spiele dann deinstalliert hatte, muste ich feststellen: Mein Spieleverzeichnis ist leer!

Ich habe tatsächlich kein einziges PC Spiel mehr installiert. Ich wüßte auch ehrlich gesagt im Moment keins, was ich installieren wollte. Kein Wunder dass ich kein Bedürfnis verspüre mir einen neuen Rechner zu kaufen.

Deshalb die Frage an die Antination: Auf welche PC Spiele soll ich mich dieses Jahr freuen? Das einzige was mir eingefallen ist, wäre Neverwinter Nights 2. Man könnte Oblivion nennen, aber das ist dann doch eher ein 360 Titel. Das kann man aus Interviewkommentaren wie “wenn ihr den allerallerneusten PC habt, dann könnte das Spiel vielleicht so gut aussehen wie auf der Xbox” schließen. Und, äh, tja. Mehr fällt mir nicht ein. Helft mir mal aus der Patsche und verhindert, dass mein PC zu einer Diplomarbeitsschreibmaschine verkommt.

36 Kommentare Autor: Richard
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ICO and the Colossus

Gerade habe ich bei Amazon gesehen, dass sowohl ICO als auch Shadow of the Colossus bereits erhältlich sind. Aus gegebenem Anlass daher jetzt mal Klartext: ich erwarte von allen Antigames-Lesern, dass sie bis zum Wochenende mindestens eines dieser Spiele im Regal stehen haben. Ideal wären natürlich beide. Es ist mir egal, dass ihr keine PS2 besitzt. Es ist mir ebenfalls egal, dass ihr keine Adventure / Spiele mit künstlerischem Anspruch / kurzen Spiele / [sonstige Ausrede bitte hier einsetzen] mögt. Dass ihr pleite seid interessiert mich nicht die Bohne. Verkauft von mir aus den Computer, vor dem ihr gerade sitzt, auch wenn es nicht eurer ist. Niemand braucht ernsthaft mehr als eine Niere. Beim DRK gibt’s Geld für Blutspenden, und für einen gutes Zweck ist es auch noch. Überzeugt einen Verwandten davon, dass Amalgam-Füllungen viel besser sind als dieses olle Gold, und bringt direkt eine Zange mit.

Und damit jetzt keiner behauptet ich mache Werbung für Amazon, hier noch eine alternative Bezugsquelle:
ICO
Shadow of the Colossus

Kaufen kaufen kaufen!

60 Kommentare Autor: Stefan
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Hardwaregeschichten

Reden wir mal über meinen PC. Der wird nämlich bald erstaunliche fünf Jahre alt. Ich habe gerade die alte Rechnung rausgesucht und musste feststellen, dass ich ihn am 4. Mai im Jahre des Herrn 2001 gekauft habe. Für 2076 Deutsche Mark. So lange hatte ich noch nie einen Computer und es gibt auch aktuell keine Pläne ihn auszutauschen. Funktioniert doch noch prima.

Trotzdem, so wie ich mich mit meinem PC manchmal fühle, muss sich im zweiten Weltkrieg der Pilot eines von Flak beschädigten Bombers auf dem Heimweg gefühlt haben. Irgendwie fliegt die Kiste noch, aber alles wackelt so komisch und Motoren zwei und drei machen komische Geräusche. Hoffentlich fallen die nicht über dem Ärmelkanal aus!

Mein Ärmelkanal nennt sich übrigens Diplomarbeit, Motoren 2 und 3 sind irgendwelche Lüfter deren Kugellager sich gerade verabschieden und immer wenn das DVD-Laufwerk anläuft, fängt alles komisch an zu wackeln. Aber auch die funktionierenden Lüfter machen zusammen in etwa soviel Lärm wie zwei Junkers Jumo V12 und vier Rolls Royce Merlin Motoren zusammen.

Ich könnte ihn natürlich austauschen. Obwohl, eigentlich habe ich das schon. Laut Rechnung steht hier nämlich ein 1.2GHz Athlon mit 256MB Speicher und einer GeForce2 GTS 32MB unter dem Tisch. Dabei ist es in Wirklichkeit ein Athlon 2000XP mit 786MB Speicher und einer GeForce Ti4200 64MB. Der DVD Brenner war damals auch noch nicht drin. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Festplatte auch mal eine andere war. Von Maus und Tastatur ganz zu schweigen.

Den Prozessor musste ich mal austauschen, weil der alte durchgeschmort ist. (Es waren 35 Grad draußen und der Lüfter dachte sich “heute drehe ich mich mal nicht”.) Die Grafikkarte war irgendwann nicht nur zu langsam, sondern hatte auch einen Wackelkontakt am Anschluss für den Bildschirm. Die Festplatte hatte irgendwann Lesefehler, also habe ich mir einen DVD Brenner gekauft, Backups gemacht und eine neue reingeschraubt. Zu jedem neuen Release von Visual Studio gab es außerdem einen neuen Speicherriegel. Maus und Tastatur sind irgendwann feindlichem Feuer einer Tasse Tee zum Opfer gefallen.

Und so fühle ich mich ein bisschen wie eine loyale Bodencrew, die ihren alten Bomber nach jeden Einsatz mit viel Schweiß und Klebeband wieder einsatzfähig macht. Klar, die Bomber des anderen Geschwaders haben inzwischen doppelt so viel PS und deutlich mehr Festplattenkapazität, aber man gewinnt seine alte Maschine einfach lieb.

Es liegt auch nicht am Geld. Klar, ich muss sparen, aber ich könnte mir schon einen neuen Rechner kaufen, wenn ich wollte. Aber ich will nicht. Denn das einzige was mich zum Kauf eines neuen PC überreden könnte, wäre ein tolles neues Spiel für den PC, das auf meiner Kiste nicht mehr läuft. Und so was gibt eigentlich nicht. Entweder sind aktuelle PC-Spiele sind scheiße, ich habe sie auf der Konsole schon längst durch oder sie laufen eben doch noch halbwegs flüssig. Mit anderen Worten: Der Gegner hat mir die Lufthoheit überlassen. Und somit wird mein PC erst ausgetauscht, wenn er mal Notwassern muss.

Und bis dahin mache ich jeden Tag ein Backup meiner Diplomarbeit. Nur um sicher zu stellen, dass die nicht im Ärmelkanal versinkt.

24 Kommentare Autor: Richard
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Januarhäppchen

(Okay, das ist doof und funktioniert irgendwie nicht. Aber ich lasse es mal als gescheitertes Experiment so stehen.)

9 Kommentare Autor: Richard
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Nicht ganz so beige wie befürchtet

Vor ein paar Wochen habe ich mich ja so ein bißchen über ein geplantes Spiel von Volvo lustig gemacht. Inzwischen hat mir unser Spionagenetzwerk das kostenlose Werbeprodukt in die Hände gespielt und ich muss sagen, dass es eigentlich ganz nett gemacht ist. Es ist wenig umfangreich, aber die Produktionswerte stimmen. Es ist jedenfalls besser gemacht als die kostenpflichtige Rennspielserie von Ford.

Insgesamt gibt es drei Autos und drei Rennstrecken. Bevor man auf die Rennstrecke selber darf, muss man auf einer Teststrecke einen kleinen Test absolvieren. Das mag das Fahren auf nasser Fahrbahn sein oder auch ein Elchtest. Das Spiel ist dabei so angelegt, dass man erst ohne TKSCMANSGEXPC (oder wie auch immer Volvo ihr ESP abkürzen) fahren muss, was natürlich köstlich in die Hose geht. Danach darf man das System einschalten und dann kommt man weiter. Okay, ich glaube kaum dass ein Volvo so schlecht gebaut ist, dass er ohne dieses System tatsächlich so stark schlingert wie ein Volltrunkener bei schwerem Seegang, und genauso wenig glaube ich, dass man mit dem System so extrem wie auf Schienen fahren kann wie das Spiel behauptet, aber immerhin wird hier versucht mit Gameplay ein Produkt zu verkaufen. Das ist doch mal was. Danach darf man dann entweder eine Art Rallyestrecke durch eine schwedische Eislandschaft fahren, eine amerikanische Küstenstraße entlang düsen oder durch einen klassischen Grand Prix Kurs kurven. Je nach Strecke fährt man dabei gegen die Zeit, versucht rechtzeitig Checkpoints zu erreichen oder muss Computergegner besiegen.

Für umsonst ist das alles sehr professionell und spaßig gemacht. Das liegt wohl auch daran, dass sie keine Werbefirma mit eingeschränkten Flashkenntnissen mit dem Spiel beauftragt haben, sondern Climax, den Entwickler der MotoGP Reihe. Daumen nach oben! Ich habe mal eine Mail in Richtung Volvo geschickt, ob sie vorhaben das Spiel auch in Deutschland zu verteilen. Ich melde mich, wenn ich was weiß.

8 Kommentare Autor: Richard
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Ryu – D 1/8192

Breath of Fire V: Dragon Quarter ist das wohl aussergewöhnlichste Rollenspiel, das mir je begegnet ist. Es passt einfach in keine Schublade, und wirft mit einer Selbstverständlichkeit liebgewonnene Genre-Klischees über Bord, als hätte es die stockkonservativen ersten vier Teile der Serie nie gegeben. Es zu beschreiben fällt mir ähnlich schwer wie bei Killer 7, aber ich werde es trotzdem mal versuchen.
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8 Kommentare Autor: Stefan
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Kleinod

Wie man mit Videospielen Kunst macht, ohne dabei gleich doof zu sein oder zu vergessen ein Spiel einzubauen, zeigt das an der USC School of Cinema Television (Abteilung “Interactive Media”) entstandene Spiel Cloud. Ich würde ich jetzt gerne was darüber erzählen, aber leider muss arbeiten. Also machen wir es so:

Ihr ladet es euch runter, probiert es aus und erzählt mir was ihr davon haltet.

Go!

18 Kommentare Autor: Richard
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Eine Trilogie in 1,5 Teilen

Beim Durchblättern der GEE bin ich auf eine Werbung zu Advent Rising gestoßen. Zunächst einmal bedeutet das natürlich, dass sich THQ endlich mal bequemt hat das Spiel hierzulande auf den Markt zu bringen. Das ist jetzt nicht sonderlich interessant, denn trotz viel guten Willens taugt das Spiel eigentlich nichts.

Interessant ist eher, dass in dieser Werbung das Spiel als “das erste Abenteuer einer Trilogie” angepriesen wird. Und das ist nach aktuellem Erkenntnisstand glatt gelogen.

Klar, Advent Rising war in der Tat als erster Teil einer Trilogie geplant. Aber bevor irgendjemand einen zweiten Teil zu irgendwas machen kann, muss sich der erste Teil erstmal verkaufen. Und das hat er nicht. Und zwar gar nicht. Er hat sich sogar so schlecht verkauft, dass der Chef von Majesco seinen Hut nehmen musste und die Firma beinahe pleite gegangen ist. (Um fair zu sein: Psychonauts trägt auch Schuld daran. Das hat sich nämlich genauso “großartig” verkauft.)

Klar, offiziell hat keiner gesagt, dass es keinen zweiten Teil geben wird, aber Majesco hat sich aus dem Geschäft mit Konsolenspielen zurückgezogen und konzentriert sich wieder auf ihre alte Spezialität, nämlich Handheld. Und inoffiziell arbeitet Entwickler GlyphX auch längst an einem anderen Spiel als einem Sequel zu Advent Rising.

Einziger Hoffnungsträger der kleinen aber loyalen Fangemeinde des Spiels ist “Advent Shadow”, ein Ableger für die PSP. Das Spiel soll wie Ender’s Shadow vom gleichen Autor die Ereignisse des ersten Spiels aus einer anderen Sicht verfolgen und ist somit kein Teil der Trilogie. Und weil es für ein Handheld ist, besteht durchaus die Möglichkeit, dass es nicht zu den vielen Projekten gehört, die Majesco vor kurzem eingestellt hat. Andererseits macht es wenig Sinn ein Spin-Off für einen Flop zu entwickeln und auf der offiziellen Homepage des Spiels hat sich seit der Ankündigung des Spiels im Jahre 2004 nichts getan.

Zusammenfassung: THQ wirbt mit einer Trilogie, die es allem Anschein nach gar nicht geben wird. Kein Verbrechen gegen die Menschheit aber trotzdem irgendwie unschön.

Update: Sieht wohl so aus als wäre Advent Shadow schon letztes Jahr eingestellt worden.

2 Kommentare Autor: Richard
Das sind 0,4% pro Jahr

Update: Die Diskussion mit Gunnar Lott in den Kommentaren ist inzwischen wesentlich interessanter als der Beitrag selber. Also ruhig auch mal weiter nach unten scrollen.

Kaum hat man sich vorgenommen nicht mehr über die Gamestar zu lästern, und dann so was. Eben ist mir beim Durchblättern der aktuellen Gamestar (Cover: Grimmiger Machomann mit Superwumme, was für eine Überraschung!) ein Test zu The Longest Journey ins Auge gefallen.

Was sagt ihr da? Das Spiel ist doch 2001 rausgekommen? Klar, Printmagazine sind für Leute mit Internetanschluss selten sonderlich aktuell, aber das geht dann doch einen Schritt zu weit, oder? Aber halt. Der Test ist legitim, denn TLJ steht jetzt wieder in den Regalen. Als Special Edition mit Windows XP Unterstützung und ein paar kleinen paar kleinen Boni.

Kurz was zum Spiel selber. Als es raus kam, wußten wir das noch nicht, aber es würde sich als im Laufe der Zeit als das letzte wirklich gute klassische Adventure herausstellen. The Longest Journey erzählt nicht nur eine toll geschriebene, epische Geschichte über das Schicksal zweier Welten, sondern inszeniert diese Welten auch wunderbar atmosphärisch und bevölkert sie mit liebenswerten und vielschichtigen Charakteren. Das Spiel hat einen Metacritic Score von 91 (“Universal Acclaim”) und gilt heute als Klassiker. Ein zweiter Teil namens Dreamfall wird dieses Jahr veröffentlicht.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals recht stinkig auf die Gamestar war, da sie diesem Meisterwerk eine Wertung von 79% gegeben hatte. Wer die Gamestar kennt, der weiß dass 79% alles andere als eine Kaufempfehlung darstellt. Zwar wurde das Spiel im Text durchaus gelobt, ja sogar positiv mit den alten LucasArts Klassikern verglichen, aber in der Welt von Gamestar durfte ein Spiel ohne Wummen und 3D-Grafik eben nicht über die magische 80% Grenze gehen. Also wurden schnell zwei Alibi-Fehler vorgeschoben (knifflige Rätsel und lange Dialoge) und das Spiel bekam halt nur 79%.

Zeitsprung. Jetzt ratet mal wieviele Prozentpunkte das gleiche Spiel im Jahre 2006 bekommt. Wieder 79%? Nein. Etwas weniger, weil laut Begleittext die Grafik “nicht mehr zeitgemäß” ist? Nein. Es bekommt 81%.

Ja Herrschaftszeiten, nach welcher Methodik gehen die da eigentlich vor? Man sollte fast meinen, dass Herr Lott sein Review von damals sogar nochmal gelesen hat, denn er bringt wieder die exakt gleichen Kritikpunkte (knifflige Rätsel und lange Dialoge). Also ist das exakt gleiche Spiel mit den exakt gleichen Problemen und einer nicht mehr zeitgemäßen Grafik plötzlich zwei Punkte mehr Wert? Woran liegt es? Schlechtes Gewissen, weil man dem Spiel damals Unrecht getan hat? Das machen die zwei Punkte auch nicht mehr gut. Und wenn, dann hätte man es wenigstens im Text eingestehen können. Vielleicht wäre er dann auch nicht so einschläfernd öde.

Oder würfeln die bei der Gamestar doch? Vielleicht haben die so ein Rollenspielsystem? Jedes Spiel fängt bei 100 Punkten an, dann werden 10 Punkte abgezogen weil es ein Adventure ist, 15 weil die Grafik 2D ist und am Schluss wird mit einem W10 gewürfelt, wie die Endnote aussieht.

Für alle die nicht rechnen wollen. 2001 hat Herr Lott eine 4 gewürfelt und dieses Jahr eine 6.

95 Kommentare Autor: Richard
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