Über die Kugel auf dem Würfel

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Yoot Saito. Nie gehört? Kein Wunder, bis auf Sim Tower und Seaman hat dieser japanische Spieleentwickler (der irgendwie klingt wie ein geheimer Kämpfer aus Mortal Kombat) bisher noch nicht viel auf die Beine gestellt. Jetzt aber überrascht dieser schräge Typ die Spielewelt mit dem ersten und wohl auch einzigen Echtzeit-Strategie-Flipper: Odama. Odama ist so ein Videospiel, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Es vereint zwei scheinbar völlig unvereinbare Genres, kommt mit einem eigenen Peripheriegerät und ja, es unterstützt sogar die Gamecube-Bongos. Gerüchteweise hatte Saito wohl eine Steuerung nur per Bongos und Mikrofon im Sinn, aber da hat dann wohl Nintendo ein Veto eingelegt.

Das Konzept ist jedenfalls so bescheuert, dass ich mir Odama sofort kaufen musste. Man spielt einen Feldherren im feudalen Japan, der sich auf einem Rachefeldzug gegen einen gegnerischen General befindet. Dazu gilt es, auf jedem Schlachtfeld (=Flippertisch) die Ninten Glocke ins feindliche Hauptquartier zu lotsen. Und das geht so: zum einen dirigiert man mit dem Mikrofon seine Truppen auf der Karte herum, während man zum anderen mit der riesigen Odama-Kugel die gegnerischen Soldaten über den Haufen kugelt. Wird die eigene Armee in ihr Lager zurückgedrängt, landet der Odama im Aus oder ist die Schlacht bis zum Sonnenuntergang nicht entschieden, hat man verloren.

Damit das Ganze nicht zu einfach wird, gibt es auf dem Tisch verschiedene Aufgaben zu lösen. Da wollen Schleusen geschlossen, Schlüssel eingesammelt und feindliche Feldherren besiegt werden. Mal mit Hilfe des Truppen, mal unter Verwendung des Odama. Ausserdem muss man sich um die Moral der Soldaten kümmern, Kavallerie abwehren oder Bonusgegenstände einsammeln. Um es kurz zu machen, alleine ist das Spiel eigentlich nicht zu schaffen, da ständig alles gleichzeitig passiert, und man immer gleich fünf verschiedene Dinge auf einmal im Auge behalten muss. Aber zum Glück lässt sich Odama auch prima zu mehreren spielen, auch wenn die Anleitung kein Wort dazu verliert. Einer schnappt sich den Controller, der zweite brüllt ins Mikrofon, und wenn sich sogar noch ein dritter Mitspieler findet, kann er mittels Bongos Nachschub in die Schlacht schicken. Das ist genauso lustig wie es sich anhört, und macht Odama somit zum idealen Partyspiel. Also, Gamecube abstauben, Odama einwerfen und Freunde einbestellen. Der Abend ist gerettet.

20 Kommentare Autor: Stefan
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20 Kommentare

  1. Technisch gesehen ist Odama übrigens ein furchtbar designtes Spiel. Alles ist extrem zufallsabhängig, ein kleiner Fehler kann gleich zum Verlust der kompletten Schlacht führen und häufig weiß man nicht so genau, warum man eigentlich gewonnen oder verloren hat.

    Der Spaßfaktor ist trotzdem enorm, insbesondere wenn man es nicht alleine spielt.

  2. Manchmal raffe ich Nintendo nicht.
    Einerseits wollen sie den “casual” Gamer ansprechen,
    andererseits hauen die dann ein derart forderndes, verwirrendes “Hardcore”Spiel wie Odama auf denn Markt.
    So abgefahren die Idee auch sein mag, länger als 10 Minuten am Stück kann ich das nicht spielen.

  3. Kopf:
    Es ist ja nicht so also ob man für ein System nicht Spiele für verschiedene Zielgruppen machen könnte. Außerdem viele Nintendo Titel sind dem knuffigem aussehen zum trotz enorm schwierig.

    Richard:
    Ehrlichgesagt finde ich das Design gar nicht so schlimm. Als ich mit Stefan Odama ausprobierte stellte sich relativ schnell heraus das alles was da auf dem Spielfeld passiert durch aus nachvollziehbar ist. Ich gebe dir dabei durchaus recht, daß das Spiel die eigene Aufnahmefähigkeit enorm fordert. Es bleibt jetzt natürlich abzuwarten ob man sich als normalsterblicher an dieses Niveau anpassen kann oder man Einspieler-Odama lieber den Frauen überläßt. (Das weibliche Gehirn ist deutlich besser zum Multitasking in der Lage als das Männliche.)

  4. Wie Stefan schon geschrieben hat: das Spiel ist so krank, dass es einfach geil ist. Meinen Cube sollte ich übrigens auch mal abstauben…

    @ Sunjumper: Da es sich um vollkommen unterschiedliche Aufgabenbereiche im Gehirn handelt (Spielen und reden) sollte eigentlich auch das durchschnittliche männliche Gehirn keine Probleme damit haben.
    Ich zumindest kann sehr gut mehrere Dinge gleichzeitig erledigen (telefonieren und währenddessen diese Zeilen schreiben ist nur ein Beispiel), solange es nichts im Sinne von “beweg die eine Hand im Kreis und die ander im Viereck” ist – das find ich dann doch recht schwierig…

    Übringes ist Design Geschmackssache, Richard. Obwohl ich zugeben muss, dass mir der Odama-Style auch nicht wirklich zusagt…

  5. Übrigens wäre die Sache mit den Multi- Tasking – Fähigkeiten eine interessante Werbestrategie.
    Wie bekommt man Frauen sonst an ein Videospiel, wenn nicht mit der Begründung “die Männer können das halt nicht”?

    In meinem Bekanntenkreis würde es jedenfalls funktionieren ;)

  6. Louie: Kommentare, selbst wenn sie von mir kommen, welche recht Grundlegende Statements über ca. 6 Milliarden verschiedene Individuen geäußert werden, müssen selbstverständlich mit Vorsicht genossen werden. Nur weil Frauen für gewöhnlich besser Multitasker sind heißt das, daß Männer auf dem gebiet total unfähig währen.
    Es gibt da eine recht große bandbreite an Varianz.
    (Ich könnte zum Beispiel nicht mit jemanden Reden und gleichzeitig einen Text tippen.)

    Die Sache mit dem ‚Multitasking’ als Werbestrategie funktioniert ganz hervorragend. Selbst Frauen (aber auch Männer) die Spielen eher skeptisch eingestellt sind haben bei meiner Anfrage auf ein Experiment sich durchaus bereit Odama auszuprobieren.
    Nicht nur kann ich dadurch eine Wissenschaftliche Theorie nachprüfen, sondern ich kann die Frohe Botschaft (‚Videospiele sind gut für die Umwelt und OK für dich!’) verbreiten.

    Oh Wissenschaft! Gibt es etwas was du nicht zu tun vermagst?

  7. Sunjumper: Stimmt natürlich, die Bandbreite ist sehr groß.
    Ich glaubte mich nur daran zu erinnern, dass solch unterschiedliche Aufgabengebiete wie reden und Spielen dem männlichen Gehirn nicht “zu viel” werden. Ich kann mich aber natürlich auch irren.

    Das mit der Werbestrategie klingt übrigens äußerst interessant, vorallem wenn sie funktioniert. Werden dafür zufällige Menschen auf der Straße ausgewählt?

    Und welche wissenschaftliche Theorie prüfst du denn nach?

    Meiner Meinung nach ist die Wissenschaft übrigens eine der besten Erfindungen, die die Menschheit je erfunden hat. Soviel zu deinem letzen Satz.

  8. Scheiß Nintendo!!!

  9. Ist das eine Feststellung oder eine Aufforderung?

  10. Wohl eher eine Aufforderung. Diese PSP – Kiddies werden irgendwie von Sony manipuliert…

  11. Der Schwierigkeitsgrad bei Nintendo spielen sschwankt sehr stark in den Extrema. Wenn ich mir da so ein Mario & Luigi: Partners in Time reinziehe das man auch im Koma durchspielen kann (ein Spiel wo man den letzten Endgegner beim ersten Versuch schafft is einfach schlecht geschrieben), aber dann wieder so ein Knüppel wie Odama, wo man entweder sich garnicht um irgendwas kümmert und hofft das das Chaos für einen den Job übernimmt, oder man sich durchackert und nach jedem Level selbst als Nichtraucher eine Siegeszigarette raucht. Nintendo ist manchmal echt strange…

    P.S.: Weiss jemand ob die Odama für DS rausbringen? Ich mein, Mikro is da, und die Grafik müssen die auch net gross verändern =)

  12. Na ja, immerhin kommen sie so ihrem Ziel jedem Spieler etwas zu bieten ein Stückchen näher. Twilight Princess sieht auch nicht aus, als wäre es für 10 – Jährige geschaffen.

    Zur Frage: ist bisher noch nicht angekündigt, aber nach “Cooking Mama DS” ist wohl nichts mehr unmöglich auf dem Doppelbildschirm… ^^

  13. Nur mal kurz zum Thema Schwierigkeitsgrad bei Nintendo:
    die handhaben das ja meistens nach dem Credo “Leicht zu verstehen, schwer zu meistern”. Und das tolle ist ja dabei,
    dass aus einem ansich simplem Spielrinzip enorm komplexe
    Aufgaben entstehen. Siehe Advance Wars, siehe die Zelda Reihe, siehe die klassischen Mario Spiele oder auch die Pikimin Spiele. Was mich bei Odama aber “annervt” ist das Gefühl, dass ich die Situation nicht im Griff habe. Man wurstelt sich zwar doch irgendwann durch aber am Ende bleibt, zumindest bei mir, nur das Gefühl dass ich da wohl
    grade was hochinnovatives gespielt aber es nicht wirklich verstanden habe.
    Vielleicht bin ich aber auch nur zu doof für so neumodischen Kram :)

  14. Ne, das stimmt schon, manchmal weiss man nun wirklich nicht, warum man gerade gewonnen oder verloren hat. Ich habe ja auch nie behauptet, dass Odama so richtig gut wäre. Ehrlich gesagt habe ich es bisher auch noch nie alleine gespielt, weil mich das nicht wirklich reizt. Aber wie gesagt, zu zweit macht es wirklich Spass, und das ist nunmal die Hauptsache.

  15. Design ist nicht immer Geschmacksfrage. Es gibt schon ein paar Grundsätze die man beachten muss. Dazu gehört unter anderem auch eine gewisse Nachvollziehbarkeit. Wenn ich zwei Runden Odama mit exakt gleicher Strategie und ohne erkennbare Fehler spiele, aber zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse rauskriege, dann ist das schlechtes Spieldesign. Es ist in Ordnung wenn der Zufall die Hand im Spiel hat, aber ich muss dann schon sehen können wo.

    Man missverstehe mich nicht, ich finde Odama cool. Aber mehr weil es so abgefahren und geschäftig ist, nicht weil es unter der Haube wirklich toll gemacht wäre.

  16. Verstehe ich vollkommen. Odama ist tatsächlich etwas komisch aufgebaut. Und in dem Fall hast du natürlich recht.

    Ich bezog mich eher auf das Leveldesign.

  17. ist die sprachausgabe englisch oder japanisch?

    grüsse, brof

  18. Japanisch mit englischen Untertiteln (wahrscheinlich gibt’s wahlweise auch deutsche, aber das habe ich nicht ausprobiert). Der Berater ist übrigens absolut hervorragend vertont.

  19. japanisch. cool. viele game sites sagen: das spiel funktioniert nicht, man weiss nicht warum man gewonnen hat usw.. vielleicht muss man dem spiel nur zeit geben, bis man den dreh raus hat, das heisst notfalls wochen lang spielen :-)

    vermutlich hol ichs mir dann gebraucht, weil viele es irgendwann aufgeben werden :-)

    cheers,
    brof