Pretty shippy…

shipsimulator.jpg

Das Schöne am PC ist ja, dass dort auch absolute Nischenspiele ein kleines Biotop mit akzeptablen Lebensbedingungen finden. So zum Beispiel der Ship Simulator 2006. Wolltet ihr nicht schon immer mal mit einem Schlepperschiff den Rotterdamer Hafen unsicher machen? Tja, ich auch nicht. Aber ich wette es gibt eine angemessene Anzahl von Leuten, die davon total begeistert wären. Nicht genügend um ein Konsolenspiel zu rechtfertigen, aber auf dem PC sollte das schon passen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich solche Exoten ja doch immer ganz interessant. Allein dass man keine Terroristen erschießen muss, macht so ein Spiel ja heutzutage fast schon ganz von alleine reizvoll. Also habe ich mir mal die Demo gezogen.

Erster Eindruck: Meine Güte, das sind aber lange Ladezeiten. Zweiter Eindruck: Himmel, das ruckelt ja gewaltig. Dritter Eindruck: Gott, das sieht aber scheußlich aus. Vierter Eindruck: Du liebe Zeit, ist das langweilig.

Arbeiten wir diese Eindrücke mal der Reihe nach ab. Normalerweise haben solche Nischenspiele erfrischend niedrige Systemanforderungen. Der durchschnittliche Käufer eines Spiels wie Ship Simulator 2006, hat einfach keine X1900XT Supermega eXtreme Hyperedition SLI im Rechner stecken. Dummerweise scheinen das die Entwickler hier vergessen zu haben. Bei mir ruckelt das Spiel jedenfalls unerträglich und das erst nachdem es sich von einer verdammt langen Ladezeit erholt hat. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht so recht, woran da so lange geladen und gerechnet wird. An der Grafik sicher nicht. Häuser bestehen in der Regel aus fünf Polygonen und überhaupt ist die Küste recht spärlich besiedelt. Vor allem dafür, dass es sich dabei um den Hafen von Rotterdam handeln soll. Die Schiffe sind etwas liebevoller modelliert, leiden aber – wie alles andere auch – an brutal matschigen Texturen. Wenn es überhaupt welche gibt.

Und was macht man in der Demo so, fragt ihr? Tja wer jetzt erwartet, dass er sich Captain Smiths Mütze aufsetzen und Titanic vs. Eisberg nachspielen darf, der wird enttäuscht. Wer sich heiße Schnellboot-Action erhofft hatte auch. Stattdessen darf man mit einem Tuckerboot ein paar Wegmarken abfahren. Da kriegt man dann spannende Infos von der Sorte “das da drüben ist Hollands höchstes Haus”. Schade nur dass das höchste Haus in einem Land in dem die Leute alle in Hundehütten wohnen, eben nicht besonders hoch ist. Wenn es dann auch noch mit fünf Polygonen modelliert und mit maximal zwei matschigen Texturen ausgestattet wurde, kommt man halt nicht so recht ins Staunen.

Außerdem gibt es da noch ein Problem. Boote sind langsam. Scharping-langsam. Da es zwischen den einzelnen Wegstationen nichts zu tun gibt (selbst das Wasser ist immer spiegelglatt, bloß keine Aufregung), kommt da doch häufiger mal immer gepflegte Langeweile auf. Also macht man das, was alle machen werden. Man nimmt Kurs auf den nächsten Gastanker, gibt Vollgas und freut sich auf die Explosion.

Denkste. Selbst wenn man sich mit seinem kleinen Schiffchen quer vor ein riesiges Containerschiff stellt, das mit Volldampf unterwegs ist, wird man bloß zur Seite geschubst. Es wird zwar akribisch aufgelistet wie viel Schaden man bei sich und bei anderen angerichtet hat, aber es gibt nicht mal Dellen im Bug, und ein Sinken scheint auch nicht drin zu sein. Was ist das bitte für ein Schiffssimulator, in dem man nicht sinken kann?

Dafür gibt es einen kleinen Wackelhebel der absolut nichts zu tun scheint. Aufregend! Zusammengefasst ist Ship Simulator 2006 also in etwa so spannend wie Nasepopeln in Zeitlupe. Obwohl, stimmt nicht. Beim Nasepopeln gibt es immerhin noch ein Verletzungsrisiko.

19 Kommentare Autor: Richard
Tags: , ,

19 Kommentare

  1. Schön :D

    Aber ich glaube um den Reiz dieses Spiels zu schätzen, muß man schon irgendwie nautisch angehaucht sein. Deinem Text nach bist du jedenfalls nicht die Zielgruppe ;D

  2. Uff, ich glaube ich gehöre auch nicht zur “Zielgruppe” (gibt es da eine?)

    Es ruckelt gewaltig – auf dem neuen oder dem alten Rechner? (ja, ich war ne Weile weg ;) )

    Naja, Titanic hatte ich mir jetzt schon erhofft. Schade :(

  3. du hast auch noch vergessen zu erwähnen dass man beim nasepopeln (im gegensatz zum ship simulator) doch wenigstens noch das ein oder andere erfolgserlebnis hat.

  4. Ja. Dreck aufm Finger.

  5. Erschreckend. Sogar der (sehr spannende *hust*) Trailer ruckelt.

  6. Ich finde Flugsimulatoren schon sterbenslangweilig, dass muss wirklich langweilig sein. Aber bitte, wer sich dafür interessiert der solls kaufen.
    Ich möchte ein Spiel wo ich die Transib steuern kann. Oder einen TGV von Marseille nach Paris rauf.

  7. @ Lorenz: Dann kauf dir doch den “Microsoft Train Simulator”. Hab ich zwar noch nie gespielt aber einen TGV wird’s da ja wohl geben, wenn nicht: traurig, traurig, Microsoft!

  8. Da ich von Schiffen mehr verstehe als von Spielen, musste ich die Demo gleich mal testen. Und das Ergebnis:
    A) Auch wenn es bei mir nicht ruckelt, die Graphik ist nicht ganz zeitgemäß. Die Texturen sind enttäuschend und die Modelle lieblos. Aber:
    B) Es ist kein Spiel, sondern eine Simulation und aus seefahrerischer Sicht sogar eine recht präzise, denn: Man hat einen Seekarte (die dem Layout der offiziellen Karten entspricht), einen GPS-Plotter und korrekte Seezeichen.
    C) Die Fahrphysik ist ebenfalls brauchbar realistisch, das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer hingegen nicht. Diese fahren auf ihren festgeskripteten Wegen, egal was (oder wer) kommt.
    D) Der kleine „Wackelhebel“, Richard, bedient übrigens das Bugstrahlruder und auch das relativ glaubwürdig.
    E) Das fehlende grafische Schadensmodell mag manchen stören, doch das gibt es auch bei vielen Car-Games nicht. Dafür gibt es die besagte Schadens-Summen-Statistik und die zeigt uns auch, wer an dieser Simulation (außer den Simulatoren-Freaks) ein Interesse hat. Die Hobby-Skipper und ihre Ausbilder. Jeder, der schon mal eine 15-Meter Jacht im Wert eines Einfamilienhauses an ein fremdes Pier anlegen musste, weiß um die spontanen Panikattacken, die man da bekommen kann. Ich hätte mir damals eine solche Simulation zur Vorbereitung gewünscht und 30€ sind da definitiv gut angelegtes Geld, um sich möglicherweise den einen oder anderen Patzer vor der versammelten Mannschaft zu ersparen. Und wenn man schon keinen richtig dicken Kahn selber steuern darf, dann wenigsten mal das Fahrverhalten im Simulator teste.

    Ich selbst werde es mir trotzdem nicht kaufen, da ich auch schon mit Simulationen wie Virtual Skipper und dem Sail Simulator wenig anfangen konnte. Abere in der Ausbildung werde ich sie vielleicht verwenden. E-Learning und so…

  9. @André: Wußt’ ich doch das es für “Seefahrer” sicherlich Gründe gibt das Teil zu “spielen”.

    Deswegen ist Richards Text auch ein bisschen… nun… eigenartig. Denn rasante Schnellboot-Action… überhaupt Action erwarte ich bei einer realistischen Simulation ja schonmal gar nicht (Schadensmodelle übrigens auch nicht, schließlich geht es hier ja nich um ZERSTÖREN, ZERSTÖREN, ZERSTÖREN ;D).

    Außerdem, für Freunde der gepflegten Zerlegung von Booten und Schiffen gibt es ja immernoch Silent Hunter :D

  10. Na ja, das Spiel hat ja die Titanic und es hat auch ein Schnellboot. Insofern verstehe ich nicht, warum man in der Demo so eine Hafenschaluppe fahren muss.

    Es ist natürlich ganz klar eine Simulation und kein Spiel im eigentlichen Sinne, insofern ist meine Kritik vielleicht ein bißchen unfair. Insbesondere weil mir die Physik zumindest als Laie recht realistisch vorkommt. (André hat das ja bestätigen können.)

    Trotzdem, allein mit einem Schadensmodell und einem Hauch von KI für die anderen Schiffe hätte man da auch für den Rest der Welt einiges an Unterhaltungswert rausholen können.

    André, was in aller Welt ist denn ein Bugstrahlruder? Du kannst hier nicht so fröhlich Fachbegriffe fallen lassen und sie dann nicht erklären. Glaube bloß nicht, dass ich das jetzt in der Wikipedia nachschlage…

  11. Ach ja, es ruckelt auf dem alten Rechner. Der neue kommt allerdings nächste Woche. Über dieses wesentliche weltpolitische Ereignis wird hier natürlich ausführlich berichtet werden.

  12. Ne, aber ich: http://de.wikipedia.org/wiki/Bugstrahlruder

    Uuh, sehr gut, nächste Woche haben wir was zu diskutieren ;)

  13. Um den Artikel zusammenzufassen: Das ist ein Ruder, welches über einen Propeller das Schiff navigiert… oder so ähnlich.

  14. Habe mir mal den Trailer angesehen, die Musik ist ja lustig ;)
    Aber im Ernst, ich finde den Trailer ganz cool – ist zwar ein etwas biedere Engine, aber zumindest kann man wohl auf der Titanic (und auch auf den anderen Schiffen?) rumlaufen. Das gefällt mir (und ebenso gefälllt mir das schäumende Wasser). Nur am Seegang könnte man noch etwas feilen… anderseits, vielleicht wird “Sturm” ja a’la MSFlight nachgereicht.

  15. Also macht man das, was alle machen werden. Man nimmt Kurs auf den nächsten Gastanker, gibt Vollgas und freut sich auf die Explosion.

    har har! da spricht mir jemand aus der seele! ;)

  16. @ Aulbath: Das is ja der Witz an dem Ding, auf der Titanic kannste rumlaufen, aber NUR auf der TItanic, bei den anderen schiffen biste auf die Brücke beschränkt.

    Ich kann mir ungefähr vorstellen was da auf der Packung draufsteht…sowas wie:
    5 (oder wieveiel auch immer…) liebevoll modellierte Schiffe, unter anderm ein Schnellboot, ein YT2000 Frachter (oder so…) und die HMS Titanic. Schiff ist frei begehbar (man ahcte auf den Singular).

    Wenn ich was mit Booten spielen will dann spiel ich…ja, was denn eigentlich? Wave Race? oder dieses eine Motorbootrennspielshooter mit Physik Enginge aus der Hölle Speedboot Attak (oder so ähnlich, ich weiss auch nimmer, weiss nur noch das es schlecht war). Ich warte lieber auf Black Buccaneer…

  17. Haha, Speedboat Attack hab ich doch tatsächlich noch als Vollversion hier rumfliegen. War mal vor einigen Jahren in der PC Games oder PC Action. Ist aber wirklich nicht gerade gut. Ich empfehle dann doch eher eine gepflegte Runde Ports of Call, am besten auf dem Amiga 500.

  18. Ship Sim 2005 hat’s sogar auf die gametrailers.com Seite geschafft… damit ist es ja praktisch eines der GANZ GROSSEN SPIELE ;)

  19. Nettes Fazit. Allerdings ist noch anzumerken, dass es neben dem höheren Verletzungsrisiko beim Nasebohren auch noch ein produktives Ergebnis gibt ;)
    Also bis auf Brige Builder und SimCity hat mir nie ein Simulator gefallen.