
Stefan hat gestern einige interessante Sachen zum Thema “Alte Spiele auf neuer Hardware” gesagt. Keine Frage, das ist ein großer Trend. Jede der Next Gen Konsolen verspricht nicht nur Rückwärtskompatibilität zu ihrer direkten Vorgängerhardware, sondern soll es auch erlauben alte Spieleklassiker runterzuladen und zu spielen. Tatsächlich bietet die Xbox 360 beides, wenn auch nicht immer mit einer perfekten Umsetzung.
Ich finde das absolut großartig. Nicht weil ich sonderlich viel Interesse daran habe, meine Abende im Jahre 2006 mit Frogger oder Joust zu verbringen, sondern weil das einen unglaublich wichtigen Beitrag zur Erhaltung von alten Spielen leistet. Auf dem Gebiet geschieht nämlich bisher erschreckend wenig.
Bei Gemälden, Filmen und Musik wird oft unglaublich großer Aufwand getrieben, um alte Werke zu erhalten. Bilder werden aufwendig restauriert, Musik wird immer wieder auf neue Trägermedien kopiert und Filme werden aufwendig gelagert oder remastered. Trotzdem herrscht in diesen Gebieten ein erstaunlicher Schwund. Wie viele Gemälde sind für immer zerstört worden? Wie viele interessante Musikaufnahmen sind in irgendwelchen Archiven verrottet? Es wird geschätzt, dass von allen Filmen die in der Stummfilmzeit gedreht worden sind, nur noch 15% existieren. Es gibt Schauspieler, die in ihrer Zeit riesige Stars waren, die 40 Filme gedreht haben und von deren Werk nur noch zwei oder drei Streifen erhalten sind. Gerade aus der Frühzeit des Fernsehens existiert kaum noch eine Aufnahme, weil einfach keine Aufnahmen gemacht wurden und selbst Filme von berühmten Regisseuren wie Hitchcock sind für immer verloren gegangen.
Die Gründe für solche Verluste sind vielseitig. Manchmal sind es Unfälle (viele Filme sind in Lagerbränden verschwunden, weil das verwendete Celluloid sehr leicht brennbar war) und manchmal sind Gewaltakte schuld daran (mit dem World Trade Center ist eine nicht unerhebliche Menge an Kunst zerstört worden). Häufig ist es aber einfach Gier oder Ignoranz. Wer weiß wie viele Werke einfach weggeworfen wurden, weil einfach keiner daran dachte, dass sie es Wert sind aufbewahrt zu werden oder weil einfach keiner mehr Lust hatte die Lagerung zu bezahlen?
Die Aufbewahrung alter Spiele braucht zwar wenig Lagerplatz, hat aber ihre eigenen Tücken. So reicht es zum Beispiel nicht, einfach eine Kopie des Spiels irgendwo zu lagern. Wichtig ist auch der Erhalt des Quellcodes, um ein späteres Remastern der Spiele zu ermöglichen. Gerade in dem Bereich dürfte schon massiver Schaden angerichtet worden sein. Ich bin mir sicher, dass nur noch für einen Bruchteil aller erhaltenen Spiele der Quellcode existiert. Das kann selbst bei recht neuen Spielen der Fall sein. Wenn das Studio pleite geht, wird halt einfach der Server abgeschaltet, die Platte formatiert und fertig. Außerdem reicht es auch nicht, einfach das Spiel und dessen Quellcode sicher aufzubewahren. Man braucht auch die nötige Hard- und Software um das Spiel abzuspielen. Sonst steht man in 50 Jahren mit einem Haufen digitaler Daten da, die völlig unlesbar und somit wertlos sind. Idealerweise erhält man nicht nur die Hardware und die passenden Betriebssysteme, sondern auch davon wiederum die Pläne und den Quellcode. Nur so kann man sicherstellen, dass man auch auf der Hard- und Software der Zukunft noch einen passenden Emulator entwickeln kann. All das ist nicht trivial und mit erheblichem Kosten- und Zeitaufwand verbunden.
Am Ende gibt es zu nur zwei Gründe, welchen diesen Aufwand für jemanden rechtfertigen. Der erste Grund ist die Erkenntnis, dass es sich dabei um Arbeiten handelt, die einen künstlerischen oder historischen Wert haben, der hoch genug ist, um eine aktive Erhaltung sinnvoll scheinen zu lassen. Gelder für diese Art der Erhaltungen kommen meist vom Staat oder von Stiftungen. Es sollte klar sein, dass bei diesen Institutionen noch kein Bewusstsein für Videospiele als Kulturgut existiert. Glücklicherweise haben die Spielefans hier einen großen Beitrag geleistet. Abandonware-Seiten und die Emulationsszene haben sich zwar immer in einer legalen Grauzone bewegt, aber ich mir sicher dass zukünftige Generationen sehr dankbar für ihre Arbeit sein werden.
Der andere Grund ist schlichtweg Geld. So haben Filmstudios schon lange gemerkt, dass ihr Katalog an alten Filmen eine Menge Geld wert sein kann. Das war nicht immer so. Bevor es Fernsehen oder VHS gab, konnte man Filme nur im Kino sehen. Wenn die Zeit eines Filmes im Kino abgelaufen war, wurde er quasi wertlos. Aber auf DVD werden auch 60 Jahre alte schwarz-weiß-Filme, ja sogar Stummfilme plötzlich wieder bares Geld wert. Auch die Musikindustrie wird noch in 50 Jahren ordentlich Geld mit Elvis Presley und neuen Tupac Singles machen können, solange sie das Quellmaterial sorgfältig aufbewahrt.
Genau diese finanzielle Motivation für die Aufbewahrung von Spielen taucht jetzt durch die neue Generation von Hardware auch für die Spieleindustrie auf. Eingebaute Massenspeicher, weit verbreiteter Internetanschluss und die Bereitschaft online zu bezahlen, machen für die Publisher plötzlich Spiele wieder interessant, die vor ein paar Jahren finanziell noch völlig wertlos waren.
Das ist gut so, denn alte Spiele müssen erhalten werden. Manche weil sie historisch interessant sind. “Raid on Bungeling“ Bay ist zum Beispiel kein sonderlich tolles Spiel, aber es wird als erstes Spiel von Will Wright irgendwann mal einen nicht unerheblichen kulturhistorischen Wert haben. (Und dessen Indizierung wird für Deutschland ziemlich peinlich sein.) Selbst Spiele die in 20 Jahren den künstlerischen und historischen Wert von radioaktivem Sondermüll haben werden, wie zum Beispiel nahezu alle Spiele die in den letzten Jahren bei EA entwickelt wurden, sollten aufbewahrt werden, und sei es nur als warnendes Beispiel. Andere Spiele müssen erhalten werden, weil sie schlichtweg gut sind. Ich wette zum Beispiel, dass sich die ganzen alten Mario Spiele genauso gut spielen, wie New Super Mario Brothers, wofür ich gerade ohne mit der Wimper zu zucken 38€ auf den Tisch gelegegt habe. Bei Tetris weiß ich sogar, dass es sich noch genau so gut spielt wie an dem Tag an dem es designed wurde.
Live Arcade, Nintendo Virtual Console und wie sie alle heißen, werden nicht alle Spiele retten, aber eine ganze Menge. Vor allem weil sie bei den Spielvertrieben ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es sich lohnen kann, seine alten Spiele mit etwas Sorgfalt zu behandeln.
Dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn 4,65€ für Joust heutzutage vielleicht ein bisschen viel ist.
Interessante Sichtweiße, vielleicht ist es ja sogar ein kleiner Schritt näher zur Kunst.
Und die alten Mario Teile spielen sich wirklich so gut wie der neue! Und alleine um das erste Zelda zu spielen (das hab ich nämlich nie) freue ich mich auf die Virtuel Console. Und wer meint sowas sei sinnlos, der hat noch nie Geometry Wars gezockt. ;)
Lediglich der Preis muss noch stimmen. Wi(i)e gesagt, 7 euro sind für mich eigentlich die Grenze. Aber ich würde dann sicher auch noch 10 zahlen.
Der Preis ist für mich wirklich abhängig vom individuellen Spiel. Sehr schlichte Designs wie Frogger sollten heute keinen sonderlich hohen Preis mehr erziehlen, auch wenn es gut genug ist, um noch Geld wert zu sein. Für ein Super Mario kann man aber ruhig noch eines an Kohle verlangen, denke ich. Ich hoffe bloß, dass Nintendo ein weniger zynisches Abrechnungssystem nimmt, als die blöden Punkte von Microsoft, die mir schon sehr unsympathisch sind.
Wenn es den Entwicklern wirklich um die Bewahrung von Spielen ginge dann würden sie uns a) nicht abzocken und b) auch Handbücher, Flyer, Artworks, Poster, Packungen usw. zum ansehen anbieten. Passiert aber nicht, stattdessen wird ein großer Klumpen Retro auf die Leute losgelassen und auf ekelhafte Weise Geld für Dinge verlangt die derartige Unsummen nicht wert sind. 10€ verdammt…
Ich denke, was ich unter Stefans Beitrag geschrieben habe, passt auch hier… daher verweise ich jetzt mal auf selbigen Eintrag.
Auf jeden Fall gibt es schon himmelweite Unterschiede zu einer gut gemachten S/W-Film-Memorial DVD und dem was uns Microsoft beispielsweise vorsetzt. Das schreit für mich alles nach Ausverkauf und Geld scheffeln, mit Bewahrung oder gar Liebe zum alten Spiel hat das nichts zu tun.
Um Gottes Willen, es geht den Publishern ganz sicher nicht um die Erhaltung der Spiele. Es geht ums Geld. Da man aber inzwischen mit der Erhaltung der Spiele Geld machen kann, wird auch ein bisschen Erhaltung betrieben. Das ist gut.
Natürlich hast du Recht. Ich wünsche mir wirklich ein Spieleäquivalent zu guten DVD Special Editions, wie sie z.B. Warner Brothers gerne für ihre Filmklassiker wie Casablanca auflegt. Mit richtig dick Bonusmaterial und so. Ich halte zum Beispiel gerade die LucasArts Adventures dafür für super geeignet. Na ja, irgendwann kriegen wir das auch. Zumindest wenn die Spiele dann noch existieren.
Das ist gar nicht so unmöglich. dass die Spiele auf 480p hochgerechnet werden und vielleicht auch mit 60 Bildern in der Sekunde laufen werden ist schonmal ein anfang. Und zusätzliche Inhalte sind auch nicht fern, ich erinner mich an einen artikel in der N-Zone (?), in der was von zusätzlichen Fahrern bei Mario Kart geschrieben stand. (Okay, wer spielt das heute noch, wenn bald der nächste Teil erscheint…)
Und Ocarina of Time Master Quest war auch keine üble Idee.
Bei Microsoft sprechen mich vorallem die neuen Spiele an, wie eben Geometry Wars.
Erhaltung ist wichtig, und eh ein grosses Problem in unserem schmissig-schicken Digitalzeitalter. Das betrifft ja nicht nur Spiele, sondern auch alte Soft- und Hardware und nicht zuletzt das Internet. Archive.org ist zwar nett, aber mehr als ein tropfen auf den heissen Stein ist es eben auch nicht…
Richtig spannend wird das ganze bei den Onlinespielen: WoW ist momentan z.B. ein recht relevantes Phänomen, eventuell der Durchbruch für ein ganzes Genre und sicher in 30 oder 50 Jahren ein extrem interessantes Untersuchungsobjekt – aber leider absolut nicht konservierbar. Zum einen weil das Spiel ja eben nicht nur aus 3 CD-Roms sondern auch aus einem Serverpark besteht, zum anderen da es nur mit zig-hundert anderen Spielern gemeinsam wirklich funktioniert.
Tja, die Frage ist, ob wir wirklich eine Hochrechnung auf 480p haben wollen? Ist das nicht irgendwie das gleiche, als würde man Casablanca nachkolorieren? (Was tatsächlich geschehen ist.) Der Gedanke jagt mir schon einen Schauer den Rücken runter.
Wo überschreitet man die Grenze von Remastering und landet beim Remake? (z.B. ist das auf Live Arcade verfügbare Frogger sicher ein Remake, aber was wenn man das Original bloß hochgerechnet und mit Live Achievements versehen hätte?)
Dann ist da noch die Sache mit den üblichen Multiplattformreleases. Welche Version von Beyond Good & Evil ist das “Original”? Xbox? Cube? PS2? Die Version die zuerst raus kam? Die Version, die vom Originalentwickler gebaut wurde? Die grafisch beste Version? Müssen alle Versionen aufbewahrt werden? Reicht eine?
Was ist mit Kopierschutz? (Kopierschutzmechanismen werden bei der Erhaltung von Spielen noch eine sehr negative Rollen spielen.) Klar, Starforce kann man gerne rauswerfen, aber gehört Mix’n'Mojo zur Monkey Island Erfahrung nicht irgendwie dazu? Technisch gesehen ist das rauswerfen eines von Kopierschutzes aber möglicherweise gar nicht legal.
Alles interessante und schwierige Frage. Glücklicherweise ist zumindest bei einigen Spieleentwicklern bereits der Gedanke aufgekommen, dass man ihr Lebenswerk vielleicht schützen sollte. Bei der IGDA gibt es dafür inzwischen eine SIG.
Wie wäre es mit einer optionalen Hochrechnung? Im Hauptmenü entscheidet der Spieler ob er in Originalauflösung spielen möchte oder nicht.
Aber allgemen sind Spiele ja noch weit von Kunst entfernt. Bei der oben erwähnten Special Edition von Zelda habe ich mich nicht nach den schwammigen N64 Texturen zurückgesehnt. Und die erreichten 30 Bilder in der Sekunde haben den Spielspaß zusätzlich gesteigert. Es ist wohl eine Frage des Geschmacks.
Andere Idee: Ein Multi Plattform Titel hat seinen Ursprung nicht auf der Plattform auf der er sein bestes visuelles Gewandt zeigte, sondern auf der Plattform, für deren Controller der Titel erschaffen wurde. Das dürfte in der letzten Generation wohl der PS2 Controller gewesen sein.
Die Idee mit dem Controller ist eigentlich gar nicht so übel, aber wie sieht es mit Titel wie Soul Calibur 2 oder Resident Evil 4 aus, bei denen es unterschiedliche Bonus Features gibt? Wäre es Sinnvoll Link und Spawn zu opfern, weil das SC2 auf Heihachi ausgelegt war? Werden die Boni eines PS2 RE4 vergessen werden, weil Leon den GCN Controller lieber mochte?
Und wie sieht es einigen Jahren oder Jahrzehnten mit DS und Wii Titeln, die auch für andere Systeme erschienen sind? Für welches System sollte man das nächste Rayman, oder The Godfather aufbewahren?
wieso sollte man sich überhaupt auf eine Plattform beschränken und nicht einfach alle “aufbewahren”?
Grundsätzlich sollte alles aufbewahrt werden. Wenn aber in Jahre 2028 die 25th Anniversary Edition von Beyond Good & Evil auf irgendeinem Arthouse Label rauskommt, welche Version des Spiels wird dann davon emuliert? Du siehst, alles aufzubewahren beantwortet die Frage nur sehr begrenzt.
Oh, was habe ich denn da vorhin für einen grammatikalischen Mist geschrieben.
Auf jeden Fall stimme ich Richard zu, dass auch das Aufbewahren von alten Spielen nicht alle Probleme einer Neuauflage löst. Obwohl man ja, wenn man die Quellcodes und andere Resourcen mit aufbewahrt, eine Art “Director’s Cut” daraus erstellen könnte, also beispielsweise RE4 mit der GCN Graphik und allen PS2 extras. Wobei man so natürlich in gewisser Weise das Original verfälscht.
Das Erstellen so eines “Director’s Cuts” wird sich auch nicht als trivial herausstellen. Wieviele Leute werden in 50 Jahren noch C++ sprechen? Außerhalb der Spieleindustrie ist die Sprache jetzt schon ungebräuchlich geworden. Wer weiß, vielleicht wird es mal einen Beruf “Spielerestaurator” geben, in dem die uralten Techniken von DirectX 10 und Renderware gelehrt werden.
Vorrausgesetzt man will in 50 Jahren wirklich noch was von den alten, wahrscheinlich sehr primitiven Spielen etwas wissen.
50 Jahre dürften bei heutiger Entwicklung mindestens 10 Konsolengenerationen sein, von der Entwicklung im Personalcomputerbereich mal ganz abgesehen – da dürfte sich so einiges getan haben was Eingabegeräte, Grafik usw. betrifft – wahrscheinlich werden sogar ganze Genres ausgestorben bzw. ganz neue Arten der digitalen Unterhaltung eingeführt worden sein. Und wenn ich ehrlich bin, mich als Retrospieler interessiert vorallem der Zeitraum 85-95 (plus/minus 2-3 Jahre) – das liegt also maximal 20 Jahre zurück (so ziemlich die Zeitspanne die ich auch lebe, und die ich mehr oder weniger auch mitbekommen habe). Mit den ersten Arcadespielen oder Heimkonsolen Marke Maganavox kann ich (mal vom Kultigheitsfaktor abgesehen) eigentlich nichts anfangen – unter anderem weil sie vor meiner Zeit waren.
Und das sieht man ja heute auch, wer erst mit PS2 angefangen hat, kann sich allenfalls noch für PS1 erwärmen… bei 16 BIt oder gar 8 Bit steigen schon viele junge Gamer aus (ist so meine Erfahrung, mag woanders anders sein). Und das wird ja in Zukunft nicht anders werden. Was ich damit sagen will ist das ich denke, die Retrozeiträume werden sich immer so auf 3-5 Generationen vor der Aktuellen beziehen – und was noch älter ist, ist dann schon Hardcore bzw. extrem freakig. Und das bedeutet das unsere Spiele von heute irgendwann auch nur noch für “Eingeweihte” wirklich wichtig sind. Außerdem ist es ja auch so, das ganze Jahrgänge nur noch auf ihre absoluten Highlights oder wirklich einschlägigen Titel reduziert werden. Wie heute wird es Freaks geben die sich um die Erhaltung kümmern, aber solange das Medium Videospiel nicht als erhaltenswertes Stück Kultur/Kunst von der Allgemeinheit annerkannt wird, wird da auch nichts mit dem “Spielerestaurator”
Ist aber auf jeden Fall mal wieder ein richtig, richtig gutes Thema wo man herrlich diskutieren und auch ein bisschen rumspinnen kann! Thumbs up, Antigames!
Ja, ich finde das Thema auch spitze.
Aber stellt euch vor, in 20 Jahren können wir in Erinnerungen an den ersten Resident Evil Teil schwelgen – wir werden quasi die Pioniere der Videospielkultur sein ;)
eines noch zum Nachdenken auf die Nacht hin: Mit dem Wechsel von 2D zu 3D ist der größte Sprung getan worden. Spiele aus PSX und N64 Zeiten würden grafisch verbessert auch mit den meißten heutigen Titeln konkurrieren können. Vor kurzem habe ich wieder Zelda : Majoras Mask rausgekramt und verdammt, dieses Spiel hat Stil!
Dutzende von Personen mit individuellen Geschichten – und dann seh ich mir Wind Waker an und denke an die guten alten Zeiten, als Zelda noch eine Revolution war. (Ich bete, dass der Wii Teil genial wird!)
Meine Vermutung: Da Spiele nicht mehr sehr stark in Sachen komplexität verbessert werden können, werden auch die heutigen Spiele in 30 Jahren noch Geld wert sein – und bei den horrenden Industriekosten sicher zu Mass neu aufgelegt werden.
Ich werde mir heute abend denke ich noch über Retro Gaming und was es bedeutet Gedanken machen.
Ließt das jemand wenn ich es hier in den Kommentarbereich poste?
Bis dahin freue ich mich auf Stefans Beitrag (halt dich ran, Junge!) ;)
Pioniere der Videospielkultur sind wohl eher die Besitzer des Magnavox oder der ersten Atari-Heimgeräte…
2D zu 3D der größte Sprung, nach LOL sach ich da mal – in 50 Jahren geht da noch einiges. Mal zwei YouTube-Links dazu: Heliodisplay und Holovizio
Und du willst mir nicht wirklich erzählen das diverse Spiele nicht mehr stark verbessert werden können? Da fällt mir spontan glaubhafte Physik ein… korrekte Lichtverhältnisse… Animationen… vom spielerischen mal ganz abgesehen, in welchem Spiel benimmt sich denn irgendein Objekt halbwegs glaubhauft/wirklich? Nächstes Thema wäre dann KI… also, da GEHT NOCH NE’ GANZE MENGE womit man sich auch schön die nächsten 50 Jahre beschäftigen kann.
Ich will immernoch das Star Wars Hologramm-Schach… und Dactyl Nightmare 2070 :)
Wow, irgend ein fleißiger Antigamer hat meinen Post verbessert – danke, Herr Unbekannter! :)
Aulbath: Wir beide reden immer wunderbar aneinander vorbei, obwohl wir derselben Meinung sind :)
Natürlich könen Spiele in Sachen Technik, etc. noch weiter entwickelt werden (bestes Beispiel sind die neuen Controller!), ich bezog mich eher auf Story Tiefe und die Tatsache, dass wir uns seit PSX in 3 dimensionalen Welten bewegen können. Selbst VR Helem können nur stark verbessertes 3D erzeugen. Story Technisch kann man meiner Meinung nach nicht mehr erwarten als Majoras Mask. Klingt doof, aber kramt das Spiel nochmal raus und ihr habt den Beweiß, dass Titanic langweilig ist. Leider ist das Spiel etwas vom Massenmarkt (—> Gegner bekämpfen) vorbeigegangen, aber es wurde gekauft weil es Zelda war. So haben aber nur wenige die wahre Spieltiefe erkannt.
Oder WoW – wenn man es schafft eine Welt aktiv beeinflussen zu können, dann sind wir fast am Ziel!
Aber ich freue mich unheimlich auf die Spiele der Zukunft, sei es HDTV, Wii, Online Gaming oder VR – da sind wir uns sicher einer Meinung.
BSP: Final Fantasy…puh, sagen wir FFX mit VR Helm und Motion Sensoring – könnte klappen ;)
Oh Gott… Majoras Mask? Ich wollte eigentlich schon noch erleben das Videospiele ernsthaft wichtiger Literatur mal das Wasser reichen können…
Machen wir uns nichts vor, 99% aller Videospiele von heute haben eine dumme, klischeehafte, vorhersehbare und oft bereits tausendfach gehörte Story und in ebenso hoher Prozentzahl unglaubwürdige, flache Charaktere. Und die komplette Zelda-Reihe zähle ich dazu.
Spontan würde ich jetzt nur den 2. Teil von Silent Hill in die Liga der Spiele aufsteigen lassen, in denen wirklich interessante und geistvolle Ansätze hinterstecken. Aber auch das kann man noch wesentlich ausbauen.
Bis zum literarischen Videospielquartett ist es noch ein langer Weg…
Auf jeden Fall wird die Zukunft sehr interessant werden… weniger wegen dem was Aktuell auf uns wartet, sondern von dem was vielleicht irgendwann mal möglich ist.
@Aulbath: Und was ist mit Legacy of Kain ab der Soul Reaver Reihe die sich fast wie ein Theaterdrama anfühlt? Der Story von Final Fantasy VII die einen falschen Konflikt vortäuscht? Das sehr kritische Deus Ex und Deus Ex 2 mit seinem sehr desillusionierenden Ende?
und bitte lass es nie ein literarisches Videospielequartett geben in dem 4 selbsternannte Halbgötter über den Gehalt eines Spieles diskutieren.
“Diesssesss Monkey Isssland, einfach GRAUENHAFT! Die Ausssgeburt einer drogenkranken Phantasssie wenn sssie mich fragen. Wer dasss geschrieben hat, versteht garnichtsss von Piraten und Dramaturgie alleine diessse grauenhaften Wortduelle, einfach nur plumpe Witze über kämpfende Kühe und dasss ein blinder Ausssguck den Charakter nicht einmal sssieht und in die falsche Richtung schaut aber erkennen soll dasss er nach einem Bibliothekar aussssssieht, dass issst doch nicht ihr ernssst!” – “Also ich glaube sie haben da etwas fulminant falsch Verstanden herr Gamnizky, das Spiel unterliegt doch dem Aufbau eines antiken Dramas in 5 formalen Akten und die Anspielung der Wortkämpfe ist doch eine Kniebeuge vor dem Reihmschema früherer theatralischer Werke.” – “Ich denke sie haben beide Unrecht, ich denke der einzige Grund wesshalb dieses Spiel entstand war das es eine Anspielung an die Sierraadventure darstellen sollten. Zum einen ist es unmöglich zu sterben und zudem bewegen wir uns hier in einer Märchenwelt, ja ich möchte fast sagen Fantasywelt, jedoch ohne typische Fantasyinhalte und dann auf Monkey Island selber konnte man von der Klippe stürzen und dieses sierratypische Game Over erschien” – “Nein, es tut mir leid aber ich habe es als eine pubertäre Reise verstanden in der der Held endlich erwachsen wird und seine erste Liebe findet. Natürlich gerät er, wie so häufig, dabei auf die schiefe Bahn und will Pirat werden. Jedoch ist dieses Stück dramatisch von der Romantik geprägt, der volle Mond über der SCUMM-BAR und dem doch sehr verklärten Blick auf das Piratenleben. Zudem glaube ich ist Guybrush wesendlich jünger als im Spiel selber, im zweiten Teil endet es ja mit einer Anspielung an Starwars damit das die beiden Kinder legendlich in einem Freizeitpark rumrennen und legendlich Monkey Island spielen, das würde auch das Stuff Only-Schild in Teil 1 erklären sowie der kaputte Getränkemarkt und Big Woop, das ja ein Tor zu verschiedenen Inseln der Welt darstellt, in dem Falle die Versorgungsschächte des Freizeitparkes sind und auch in Teil 2 der zerstörte Dosenautomat aus Teil 1 in einer Abstellkammer vorkommt.” und im anschließendem Interview:
“Herr Ron Gilbert, was wollten sie mit Monkey Island aussagen?” – “Also naja, eigendlich wollte ich nur meine Brötchen verdienen. Ausserdem verließ ich Lucas Arts nach Teil 2 und konnte daher die von mir geplante Trilogie nie vollenden, ich kann aber sagen das ich storymäßig mit Teil 3 und 4 nicht zufrieden bin, ich habe die Gouverneurin als einen Charakter angelegt der Guybrush eher als kleinen Bruder ansieht, daher wäre eine Heirat der beiden ausgeschlossen.” – “Vielen Dank für dieses Interview!”
Also nein, bitte erspar mir sowas…
Ich sagte ja 99% – es gibt sicherlich Ausnahmen (wobei Final Fantasy allenfalls als Seifenoper durchgeht, und damit in die 99% Prozent “Schund”-Schublade fällt). LoK ist stellenweise recht nett, dort wird allerdings die tolle Geschichte/Universum vom mangelhaften Spiel runtergezogen – du siehst also, irgendwas ist immer.
Und was spricht dagegen das es auch mal Spiele gibt die WIRKLICH anspruchsvoll sind, und die eben nicht jeder mal eben so “daddeln” kann?
Zum Thema anspruchsvolle Stories kann ich das Plot-Analyse FAQ zu Killer 7 wärmstens empfehlen (Vorsicht: sehr lang!), das detailliert auf die vier Erzählebenen des Spiels eingeht. Sollten die Script Writer auch nur die Hälfte von dem was da geschrieben steht auch wirklich so gedacht haben, sind sie ohne Frage begnadete Meister ihres Fachs.
Kreon, das geht nach hinten los. Nach Deinen Ausführungen bekomme ich eher Lust auf ein solches literarisches Videospielequartett. Die Protagonisten weisen sich ja durchaus als Kenner des Spiels aus und die narrationssoziologischen Meinungsäußerungen dürften mir gerne einen vergnüglichen Fernsehabend bescheren. Steht schon ein Termin für das Casting?
Besonders wichtig finde ich Deinen Hinweis, Robert, welche Bedeutung Abandonware bei der Archivierung digitaler Spiele zukommt. Natürlich ist das Thema schwierig, aber wenn es um den Erhalt kulturellen Guts über viele Jahre geht, verblassen die Rechte einzelner Personen und Firmen gegen das große Verlustgefühl einer Gesellschaft, das beim Gedanken an verlorene Filme, Literatur und auch Spiele entstehen kann. Dass ein Film wie Nosferatu nur durch das Brechen von Urhebergesetzen erhalten wurde, ist Dir wahrscheinlich bekannt.
Ein Problem dieser ganzen Spiele = /= Kunst Diskussion ist, dass es so viele verschiedene Arten von Spielen gibt. Tetris will kein moderner Faust sein, und Counterstrike ist auch bestenfalls eine Abart von Schach. Beide erzählen keine Geschichte, wollen auch nicht gesellschaftskritisch oder künstlerisch wirken… sie wollen nur unterhalten. Klar kann man dem ganzen ästhetische und künstlerische Werte beimessen, schliesslich haben sie eine Form, Design etc, aber das hat eine Kaffeemaschine auch.
Dann gibt es da eine große Anzahl von Spielen, die in der Tat mit Filmen oder Literatur vergleichbar sind, da sie eine Geschichte erzählen…
Die meisten dieser Geschichten sind recht simpel gestrickt, Helden-Epen, oft aus personaler Erzählperspektive und oft angelehnt an die Hollywood-Actionfilme der letzten 30 Jahre: Viel auf der visuellen und akustischen Effektebene, wenig im Inhalt. (Das mag daran liegen dass viele Spiele noch immer das Ziel haben, optisch möglichst realistische Darstellung zu erreichen, und ein großteil der Entwicklungsgelder in dieses Ziel gesteckt wird.)
Was ich am erschreckendsten 99,9% dieser Geschichten unterscheidet nichts von einem dieser Actionfilme oder Romane, ausser dass sie um interaktive Elemente ergänzt werden.
Es gibt nur etwa ein Dutzend Spiele die das “neue Medium” auch wirklich erzählerisch ausnutzen und es wagen Geschichten zu erzählen, die als Roman oder Film so nicht Funktionieren würden (oder es zumindest nicht in dieser Intensität): Planescape: Torment viele mir da ein, oder auch Silent Hill 2 und Metal Gear Solid 2, die alle geschickt die starke Identifikation mit der Hauptfigur ausnutzen.
Imo ist das Medium “Spiel” etwas zu komplex um alle unterarten so über einen Kamm zu scheren. Tetris ist ein ganz anderes Kulturgut als ein Planescape… ebenso gibt es fast gar nicht’s was einfach nur Kust sein will, fast immer gibt es ein klares Ziel oder einen Highscore.
Bin mal gespannt ob sich Spiele vielleicht ganz anders Entwickeln als wir alle erwarten…
imYemeth, du hast Metal Gear Solid 3 vergessen, die absolut glaubwürdige und nachvollziehbare Verwandlung eines Patrioten zu einem der am meisten gefürchteten “Terroristen”, mit dem Tod von The Boss als emotionalen Höhepunkt.
Also den künstlerischen Wert von Spielen an ihrer Geschichte zu messen, ist für mich ein schwerer Fehler. Spiele sind eben keine Filme. Sie können ein sehr reizvolles Erzählmedium sein und wenn sie eine Geschichte erzählen, dann ist die sicherlich Teil ihres künstlerischen Wertes. Aber Tetris seinen künstlerischen Wert abzusprechen, weil es sein Spielprinzip nicht mit einer Alieninvasion motiviert, scheint mir abwegig und wäre in etwa so, als würde man Kandinsky seinen Status als Künstler streitig machen, weil er nicht genug Sonnenuntergänge gemalt hat.
Film ist primär ein Erzählmedium. Videospiele sind es nur sekundär.
das kommt aber auch immer auf das jeweilige Spiel an, und da ist die Metal Gear Solid Reihe (bis auf das Remake Twin Snakes, aber das ist ja auch nicht von Kojima himself) ein gutes Beispiel für eine Mischung aus Film und Spiel, da hier das Verhältnis ca. 50-50 ist.
Aulabth: zu ganz vorhin: Ich schätze es gibt in Majoras Mask circa 50 Personen mit individuellen Geschichten, die alle einzeln besser sind als das was wr vielfach im Fernsehn zu sehen kriegen. Leider haben das nicht viele bemerkt, und mir persönlich fiel es auch erst letzte Woche auf.
Richard: Ja, Videospiele erzählen nur sekundär, aber die Geschichten sind das, was noch am meißten verbessert werden kann. Um meinen Standpunkt klar auszudrücken: Ob VR Helm, Star Wars 3D – Schach oder sonst ein Gedöns, die Geschichten werden immer die gleichen bleiben. Und das stört mich in meiner Rolle als Schriftsteller. Wenn wir nicht in der Lage sind besser zu erzählen und Emotionen rüberzubringen, stecken wir bald in einer Sackgasse fest.
Da greift auch Majoras Mask das Ganze auf: Anstatt eine einzelne Geschichte mit zig Wendungen zu erzählen, vermittelt es Dutzende, die alle mehrere Enden haben können. Das gibt es nicht mal im Film.
@Richard: Sind Spiele heute wirklich immernoch nur sekundäre Erzählmedien? In Adventures, Rollenspielen, vielen Action-Adventures ist es doch eigentlich die Geschichte die uns weiterspielen läßt, und weniger das Spiel selbst – oder irre ich mich da!? Niemand spielt doch Final Fantasy weil man da so toll leveln kann, sondern wegen der soap-Hintergrundgeschichte. Und wenn Geschichte nur einen sekundären Platz einnimmt, warum wird dann so wahnsinnig viel Aufwand betrieben, diese in Szene zu setzen? Storylose Spiele sind doch heutzutage nahezu unmöglich zu finden, selbst Wario-Ware bietet eine Geschichte und ist dabei bloß eine Sammlung von 3-Sekunden-Spielchen.
Tetris spricht auch niemand seinen künstlerischen Wert ab, nur will Tetris ja auch keine Geschichte vermitteln (und es ist nunmal ein abstrakter Denksport und kein episches Abenteuer in einem fremden Königreich) – fast alle Spiele heutzutage tun dies aber, und deswegen darf man diese doch ruhig auch ins “Gesamtkunstwerk” miteinbeziehen, oder? Und ich stehe auf dem Standpunkt das Geschichte in Spielen sogar wichtiger als im Film oder Buch ist, da sie für die nötige Motivation und Immersion sorgt (sofern es sich nicht um ein abstraktes Spiel a’la Tetris handelt) – wenn beides nicht gelingt hat die Geschichte versagt, und das maximal Mögliche konnte nicht aus dem Spiel herausgeholt werden.
Wenn dich in einem Spiel nur die Geschichte reizt und das eigentliche Spiel nicht, dann ist es eben kein gutes Spiel. Das ist wie wenn du einen Film nur wegen der Explosionen guckst. Kann durchaus Spaß machen, aber so richtig gut ist der Film ganz sicher nicht.
Wario Ware wäre ohne die blöden Zwischensequenzen übrigens ein ganzes Stück besser.
Das Spiele Gesamtkunstwerke sind, ist klar. Schließlich kann man ein Design nicht spielen, nur dessen Implementierung und das erfordert zumindest eine Art audiovisuelle Repräsentation. Grafik, Sound, Musik, Text, etc. Trotzdem bleibt eben die Interaktivität die treibende und entscheidende Kraft in diesem Gesamtkunstwerk.
Ich halte Geschichten in Spiele auch nicht für unwichtig, da sie einen Kontext für die Handlungen des Spielers bieten. Viele der Vorteile des Mediums lassen sich ohne eine Geschichte auch gar nicht ausspielen. Ohne Geschichte kann ich halt den Spieler nicht zwingen eine moralisch schwierige Entscheidung zu treffen.
Dass die Geschichte in einem Spiel wichtiger als in einem Buch oder Film ist, halte ich aber für hanebüchenen Unsinn. Bei einem Film oder Buch ist die Geschichte eigentlich alles. Man kann sich zwar z.B. abstrakte Filme ohne Geschichte vorstellen, aber als jemand der so was mal gedreht hat und auf Kurzfilmfestivals erlebt hat, kann ich dir sagen, dass das meist nur sehr kurzfristig zu ertragen ist und ziemlich am Medium vorbei schießt.
Ein abstraktes Spiel hingegen ist super vorstellbar. Ich spiele gerade New Super Mario Brothers und das hat z.B. keine Geschichte, ist aber trotzdem prima. Klar, die Prinzessin ist entführt worden, aber das Spiel wäre keine Deut schlechter, wenn es gar keine Prinzessin gäbe.
Videospiele sind eben Werke mit Multi Tasking Fähigkeiten -sie vereinen viele Elemente gleichzeitigt und von jedem Element muss nur ein winziger Teil vorhanden sein, damit das Spiel gelingen kann.
Moderne Kunst eben.
@Richard: Den Einstiegspunkt deinerseits kann ich nur unterschreiben… und gute Spiele habe ich schon lange nicht mehr gespielt.
Videoclips und eigenartige TV-Installationen könnte ich mir den ganzen Tag geben – finde ich sehr geil, eben weil es wenig Sinn macht (auf den ersten Blick) bzw. weil es unendliche Interpretationsmöglichkeiten läßt. Eine Folge Tatort bietet dir das nicht. (Mir fällt da gerade Naqoyqaatsi ein).
Was Bücher angeht, da hast du wahrscheinlich Recht (es sei denn man nimmt vielleicht Artbooks oder ähnliches dazu).
Trotzdem glaube ich, das heute nicht mehr wegen dem Spiel gespielt wird – vordergründig steht heutzutage die Geschichte. Wie gesagt, gerade Action-Adventures, Rollenspiele und dergleichen sind doch unheimlich Geschichtslastig geworden. Man vergleiche die ersten 2-3 FFs mit den heutigen Spielen. Da läßt sich auf jeden Fall eine Tendenz hin zu filmischer Präsentation und epischer Geschichte erkennen, spielen tut es sich prinzipiell noch so wie anno 1989. Bedeutet das nicht also das man sich wenig um’s Spiel kümmert, und eigentlich viel mehr wert auf die Ausstattung legt?
Ich glaube die Tendenz zu besserer Präsentation war schon immer da. Man halt immer versucht so viel zu machen, wie die Hardware hergab. Das ändert aber nichts daran, dass es bloß die Präsentation des eigentlichen Inhaltes ist. Dieser Inhalt ist bei Spielen eben das Spiel.
Bestes Beispiel ist doch Fahrenheit: Als Geschichte ganz ordentlich, als Spiel versagen auf ganzer Linie, einfach weil man bei all der filmischen Präsentation völlig vergessen hat was Spiele ausmacht. Stattdessen kommt man sich so vor als sässe man in einem Laufrad und müsste den Motor des Projektors antreiben, indem man dumpf Knöpfchen drückt die überhaupt keinen erkennbaren Bezug zum Geschehen haben.
Gute Geschichten können Spiele massiv bereichern und ihnen auch literarische Qualitäten geben… was leider noch viel zu selten passiert, aber gute Geschichten sind nicht unabdingbar für ein gutes Spiel.
Woran es imo etwas fehlt sind poetische oder auch dokumentarische Spiele, Dinge die einen zum Nachdenken bringen (klingt kitschig, aber mir fällt grad keine bessere Formulierung ein). Den 2. Weltkrieg könnte man sicher auch anders umsetzen, als in den üblichen Helden-Shootern…
Was daran liegen mag dass ich mich seit Jahren nicht dazu durchringen kann mir eine Konsole anzuschaffen :-(
@Richard: Na, ja… sehe ich nicht ganz so. Zudem passieren mittlerweile ja eigentlich die coolsten Dinge fast grundsätzlich in Zwischensequenzen, im Spiel selbst macht man eigentlich weitaus unwichtigeren Scheiss (auch hier kann ich wieder FF7-X anführen). Und wenn etwas besonders hervorgehoben werden soll, nutzt man auch grundsätzlich Cutscenes oder Storysequenzen. Damit dürfte derartiges doch mindestens gleichwertig zum eigentlich Spiel stehen, oder? (rein inhaltlich ist es IMO sogar wichtiger als die Aktionen die man aktiv spielen darf – und das war früher nun überhaupt nicht so).
Aber das zeigt doch nur, dass sich Spiele nicht grundsätzlich in die richtige Richtung entwickeln.
Sollte die Belohnung beim Spielen nicht das Spielen selbst sein? Der Weg ist das Ziel. Zumindest war es früher so, als wir im ersten Metal Gear rumgeschlichen sind und diesen kleinen Klempner – wie heißt er doch gleich? – mit einem Knopfdruck über den Bildschirm hüpfen ließen.
@Aulbath: Ich finde nicht das Final Fantasy VII eine Seifenoper ist, man kann es dafür zu leicht halten aber nach der Interpretation die ich darüber gelesen habe finde ich es eher ein modernes Ökologiemärchen mit zwei augenscheinlichen Hauptpersonen (Cloud und Sephiroth) die jedoch in einem versteckten kampf zwischen Plünderung (symbolisiert durch Jenova und meteor) und dem Planeten (dargestellt durch Aerith und holy) nur wie Puppen ausgenutzt werden.
Ich gebe dir allerdings recht dass das Final Fantasy Gameplay mittlerweile schund ist (es hat sich viel zu langsam entwickelt und das “tolle” neue System in FFXII wäre wohl besser in FFVIII aufgehoben gewesen). Bei LoK muss ich jedoch entschieden dagegenhalten, ich fand das Gameplay mit den Schmieden und den Rätseln sehr gut gelungen, auch das mit der Spektralwelt und das man in verschiedenen Zeitperioden einen Raum anders zu meistern hat und geht viel weiter als der Urvater/Urmutter Tomb Raider es in seiner neuesten Inkarnation vom selben Team.
@Dörte: Problem an dem literarischen Quartett ist nur: Warum soll beispielsweise Neuromancer weniger wert sein als Faust? Ich glaube Neuromancer würde von den elitären Typen garnicht erst angefasst werden, obwohl ich Neuromancer wesendlich mehr für mein Leben abgewinnen konnte als Faust. Und warum darf mich Fluch der Karibik nicht so sehr oder sogar mehr gefallen als Clockwork Orange, nur weil das eine Popcorn Kino ist und das andere Gesellschaftskritik?
Kreon: Muss es dir gar nicht. Weder Müll noch Kunst allein sind gut für dne Menschen. Die Mischung macht´s.
…da seht ihr es: Hier war zuviel Müll drin.
Wenn die coolsten Aktionen in den Zwischensequenzen passieren, dann ist das immer eins der eindeutigsten Zeichen dafür, dass die Macher des Spiels ihr Medium nicht verstanden haben. Ganz einfach. Glücklicherweise gibt es von solchem Unsinn immer weniger.
Die Diskussion, welche Spiele Kunst sind und welche nicht, finde ich ebenso müßig wie in der Fotografie, Literatur, Musik… Wenn die Definition von Kunst “die menschlichen Hervorbringungen zum Zwecke der Erbauung” sei, kann eh jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn Kunst ist. Aber das ist nur eine Definition von vielen. Weiß jemand von wissenschaftlichen Arbeiten oder philosophischen Texten, in denen sich dem Thema angenommen wurde? Ich habe bisher nie mehr als “Meinungen” gefunden.
Kreon, wer sagt, dass ein ludologisches Quartett aus elitären Typen bestehen würde? Es gibt so viele Spieletester und -theoretiker in Deutschland: Wer wäre geeignet? Es müssen ja auch nicht unbedingt die von PC Action sein… ^^
Jedenfalls nicht die Gamestar öhöm *hust*
Die Fragääh ist übärrhaupt, verdienen Computärrspielä heutä überhaupt noch diese Anärkennunk?
Wo sind die Prätchetts, Kings, Houlebecqs und Bukowksis der Videogamekulturr?
@Kreon: Ich gucke wahrscheinlich zuviel Anime… aber FF7 bedient einfach zuviele Klischees (sowohl vom Charakter-Design her, als auch von der Geschichte an sich (Kleine Heldengruppe, böses Imperium, Held der nicht ist wer er glaubt zu sein, uralte, mystische Mächte, Ende der Welt…usw. usf.), wobei die Nachfolger noch wesentlich schlimmer sind. Kann man sicherlich verschieden interpretieren – und das sie mir nicht gefällt hat ja nix zu sagen, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Über FF12 werde ich endgültig richten wenn ich’s gespielt habe – bislang erscheint mir das System frisch und knackig. Mal gucken wie es wirklich ist.
Ich bin auf’s Soul Reaver-Gameplay nicht gut zu sprechen, ist für mich nur ein verkompliziertes Tomb Raider dem irgendwas fehlt. kA – ich mag die Soul Reaver/LoK Spiele schlicht nicht (mal von Blood Omen 1 abegesehen – das hat mir Spaß gemacht)
Und wer sagt das dir Neuromancer (Exzellent! Gibt auch ein cooles Spiel dazu) oder Pirates o.t.C. nicht mehr gefallen darf als Faust oder Uhrwerk Orange (wobei das ein geiler, kranker Film ist). Das Lit. Quartett hat auch vermeintlich hoch-elitäre Scheisse auseinandergenommen und auch Trivialliteratur gelobt – also das grundsätzlich alles Schund ist, das nicht für die Erhabenen produziert ist, stimmt also nicht. Am Schluß entscheidest doch eh letztendlich du was dir gefällt und was nicht (und im Zweifelsfall stellst du dir halt beides hin ;D)
@Richard: Dann habe ich in der letzten Zeit wohl echt andere Spiele als du gespielt!? Solcher Unsinn wird weniger!? Ehhh… nicht mehr? Guck dir nochmal die FF12 Sequenzen an, ich darf in dem Spiel weder in der Masse schlachten, noch Kriegschocobo reiten, oder heiraten, Fantasy-Sternenzerstörer fliegen bzw. in den Schwebeteilen irgendwas in Stücke schießen während ich fleissig Kunstflug übe… von irgendwelche Schlachtplänen entwerfen und Kriegsrat halten mal ganz abgesehen. Und in vielen Actionspielen ist es doch genau dieselbe Leier (GTA zum Beispiel – abgeschlossene Mission = Zwischensequenz).
Aulbath, ich spiele so ziemlich alles was es gibt, seit vielen, vielen Jahren. Glaub mir, das ist wesentlich besser geworden, allein schon weil die gerenderten Zwischensequenzen inzwischen fast komplett ausgestorben sind. Final Fantasy mag da immer noch immer noch ein ziemlicher Sünder sein, aber das ist sowieso sein ganz eigenes Ding und ich mochte es noch nie.
Für ein “Ludologisches Quartett” würde ich mich übrigens zur Verfügung stellen, selbst wenn es auf 3sat und 1:00 Uhr nachts läuft. Ruft mich an, liebe Fernsehproduzenten!
@Richard: Die gerenderten Cutscenes sind ausgestoben, weil die Ingame-Grafik mittlerweile genauso künstlich aussieht… da haben wir imo nicht so viel gewonnen ;D
Ansonsten… sogar Soul Calibur III hat mehr Sequenzen und Leseszenen als die ersten 3 Soul-Teile zusammen… und hier haben wir ein Prügelspiel.
Und ja, Final Fantasy ist DIE SÜNDE.
@Aulbath: Das mit FF Stereotypen stimmt zwar Final Fantasy VII beginnt mit den Stereotypen und erweitert sie im laufe der Geschichte in eigenständige Charaktere.
Da fällt mir grade ein (beim thema videosequenzen und retro): hat einer von euch Another World (aka Out of this World) vielleicht letztens gespielt? Ich finde das ist die “ultimative” Verschmelzung von Videosequenzen und Spiel. Es ist einfach nur “krass” wie viel dort realisiert wurde, wo man heute vermutlich auf Videosequenzen zurückgreifen würde.
Videospielkunstalarm! Hilfe! Alle in die Rettungsboote!
NB: Während viele Spiele aufwändiger werden und kinoreife Geschichten zeigen, nähert sich das Blockbuster-Kino immer mehr der Videospielkultur (sorry für das Wort) an.
Morgen beginnt in München das Fantasy Filmfest. Mal sehen wie FF Advent Children so ist. Wahrscheinlich werde ich während der ganzen Vorstellung den Controller suchen.
@Kreon
Das Spiel hab ich ja total vergessen O_o,
VIELEN Dank für den Tip :D, das wird jetzt direkt mal wieder durchgezockt.
Hab gerade mal die neue High-Res Variante ausprobiert, aber die is ja totaler Müll, zerstört die ganze Atmosphäre und sieht imo irgendwie “billig” aus
Thema Advent Children: obwohl ich ein grosser Final Fantasy-Fan bin, konnte ich mich bisher noch nicht überwinden den Film zu sehen. So wie ich es verstanden habe, ist es ein substanzloser Videoclip für Fans – in Spielfilmlänge. Nein danke.
Another World sieht dafür immer noch prima aus, weil die Grafik eben ein einfaches, zeitloses Design hat. Dieses “Design durch Subtraktion” predigt übrigens auch Fumito Ueda (ihr wisst schon, Ico & Colossus).
Hast bei FF:AC auch nix verpasst… wenn du FF7 ganz toll findest, und all die Anspielungen usw. verstehst mag es dir ja gefallen, ansonsten ist der Film aber ziemlich öde. Das Beste ist die Musik.
Das alte AW = Daumen hoch, mit dem High-Res Renderemake kann ich mich auch nicht so anfreunden.
@Kreon: FF Figuren sind für mich immer eine Mischung aus Fantasy- und Animeversatz… und werden das wahrscheinlich auch immer bleiben. Vielleicht bleibt mir ja immer die zweite, dritte und vierte Erzählebene verborgen… was nichts daran ändert das es HerzSchmerz-Animekitsch mit ordentlich “drama” (wie der Ami sagt) ist. Und wie heißt es so schön… “no no drama, you don’t want no drama” – und Recht hat die Tante die das singt,