“Alle populistischen Schnellschützen müssen beschämt sein”

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Erfreuliches gibt es heute bei heise online zu lesen. Das Bundesjugendministerium hält die bestehenden Regelungen zum Jugendmedienschutz offenbar für ausreichend und entzieht den Stammtisch-Tieffliegern, die sich vor allem aus dem Unionslager rekrutieren, damit fürs Erste die Lufthoheit. Die fordern schon seit Jahren ein Verbot von “Killerspielen”, was immer das auch sein mag, und haben sich diese Klausel auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag festschreiben lassen. Dabei leuchtet mir ja durchaus ein, dass man der derzeitigen Gewaltfixierung der Branche notfalls auch gesetzlich einen Riegel vorschieben sollte, aber bei jeder Gelegenheit gleich nach Verboten schreien zu müssen finde ich – gelinde gesagt – ziemlich albern. Besonders wenn man die beliebte Politiker-Technik des “Pudding an die Wand nagelns” verwendet und sich nur ja nicht auf irgendwas festlegt.

Worum geht es denn nun genau? Laut heise hat die FDP eine kleine Anfrage zum Thema Jugendschutz an die Bundesregierung gestellt und bekam als Antwort zu hören, dass im Moment alles paletti sei. Die Kooperation von Kontrollorganen und Wirtschaft funktioniert prima, und ohnehin sei nur ein verschwindend geringer Teil der getesteten Videospiele übermässig gewalttätig. Kein Bedarf also für schärfere Gesetze. Und oh Wunder, es scheint tatsächlich zu funktionieren! Man sehe sich nur mal den aktuellen Fall Dead Rising an. Capcom hat das Spiel bei der USK zur Prüfung vorgelegt, die USK hat eine Kennzeichnung verweigert, und als Konsequenz haben Capcom und Microsoft beschlossen, das Spiel nicht in Deutschland zu veröffentlichen (mehr dazu auch hier). Capcom könnte das Spiel also theoretisch hierzulande rausbringen, wenn da nicht Microsofts eigene Jugendschutz-Bemühung und die Gefahr einer Indizierung durch die BPjM dazwischenkämen. Die Verantwortung wird also an den Publisher zurückgereicht, ohne durch irgendeine Form von Zensur einzugreifen, was ich persönlich für eine ziemlich gute Lösung des Problems halte. Klar, es ist kompliziert und für Aussenstehende nur schwer nachzuvollziehen, aber es ist allemal transparenter als die Situation vor der Neuregelung der Jugendschutzgesetze.

Und trotzdem werden sich die Berufspolterer in ein paar Monaten wieder wie die Geier auf das Thema stürzen können, denn natürlich werden sich interessierte Spieler Dead Rising kaufen. Schliesslich haben wir freien Warenverkehr und so ein Zombiemetzelspiel aus der Schweiz oder England unterscheidet sich naturgemäss nur wenig vom deutschen Pendant. Ich bin mal gespannt wie lange Frontal 21 braucht, um über Leichenteile und die unorthodoxe Verwendung von Powerdrills zu berichten. Was machen wir dann? Grenzen zu? Computer verbieten? So abwegig ist das nicht, bei der Union denkt man immerhin schon über die Einführung “geeigneter technischer Maßnahmen” nach, um Jugendliche von Onlinespielen fernzuhalten.

Richtiggehend drollig finde ich dagegen die Forderung des niedersächsischen Kultusministers Bernd Busemann, die “Herstellung und den Vertrieb solcher Spiele in Deutschland” zu verbieten. Einfach mal rumgestänkert, auch wenn es keinen Sinn macht. Trotz meines eher geringen Verständnisses für rechtliche Zusammenhänge sehe ich darin einen so tiefen Eingriff in die unternehmerische Freiheit, dass der Gesetzgeber sicher gerne mal ein ernstes Wort mit Herrn Busemann wechseln möchte. Und überhaupt, ein Herstellungsverbot für gewalttätige Spiele in Deutschland würde im Jahr etwa 0,7 Titel betreffen, während id Software fleissig weiter an Kettensägenmassaker XXV: Return of the Kettensägenmassaker schraubt. Aber Hauptsache von Richtung des Stammtisches gibt es erstmal zustimmendes Nicken, und er hat seinen Namen mal in den Medien gelesen.

Um mein Geschwafel nochmal zusammenzufassen: Jugendschutz ist wichtig. Strenge Regelungen zur Kontrolle von Medieninhalten sind gut, immerhin gibt es kein gottgegebenes Recht auf ungefilterten Gewaltkonsum. Industrie und Politik müssen gemeinsam für die Einhaltung dieser Regeln sorgen. Aber! Diese Gesetze gibt es schon. Sie funktionieren. Publisher und Kontrollgremien arbeiten prima zusammen. Die Forderungen nach noch mehr Verboten sind daher reiner Populismus. Schön, dass man es im zuständigen Ministerium genauso sieht.

83 Kommentare Autor: Stefan
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83 Kommentare

  1. Man muss in unserer Zeit eben immer und überall und vorallem für Alles einen Schuldigen finden – stell dir vor in Erfurt läuft wieder jemand Amok und Spiele könnten daran nicht schuld sein – wo kämen wir denn dann hin?

    Aber die Forderungen nach weiteren Verboten ist natürlich – wie du schon gesagt hast – stumpfsinnig. Irgendwann sind dann Prince of Persia und Metroid gewalttätig, später ist es dann unser lieber Sonic. Gründe lassen sich immer finden.

    Schöner Beitrag übrigens.

  2. Oh, damit mich keiner falsch versteht: Auch ich halte Jugendschutz für wichtig. Für sehr wichtig sogar. Wenn ich die kleinen Kinder in Bus und Bahn sehe, wie sie stolz auf ihrer PSP Liberty City Stories spielen dreht es mir manchmal echt den Magen um. Da wird sich an Blut und Gewalt ergötzt, dass es schon pervers ist.

    Aber dennoch sollte man nicht gleich eine ganze Industrie verachten, nur weil ein oder zwei Spiele pro Jahr entwickelt werden, die wirklich Gewalt als Hauptziel haben. Wenn wir als “Ausgleich” für die übertriebene Angst der Medien für den harmlosen Bürger wie Kriminelle aussehen, weil wir Super Mario in der U Bahn spielen geht das Ganze doch wirklich zu weit.

  3. Wenn ich die kleinen Kinder in Bus und Bahn sehe, wie sie stolz auf ihrer PSP Liberty City Stories spielen dreht es mir manchmal echt den Magen um. Da wird sich an Blut und Gewalt ergötzt, dass es schon pervers ist.

    @Louie

    Die kleinen Kinder können sich anstatt GTA LCS auch gewalttätige Videos aus dem Internet runterladen und sich die anschauen können. Und dazu braucht man nicht einmal eine Spielkonsole wie die PSP sondern ein etwas moderneres Handy reicht aus. Und das finde ich weitaus perverser.

    Die Gesetze funktionieren an sich doch gut, aber man muss als Elternteil schauen, was die Kinder da spielen. Meine Mutter hat mir, als ich etwas jünger war, brutale Spiele die keinen Sinn haben verboten. Verpasst habe ich nichts, funktioniert hat es sehr gut. Ohne Gesetze.

  4. Die kleinen Kinder können sich anstatt GTA LCS auch gewalttätige Videos aus dem Internet runterladen und sich die anschauen können. Und dazu braucht man nicht einmal eine Spielkonsole wie die PSP sondern ein etwas moderneres Handy reicht aus. Und das finde ich weitaus perverser.

    Oh, keine Frage, das geht noch einen Schritt weiter. Aber nur weil Körperverletzung schlimmere Folgen hat als Raub, wird Raub nicht aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

  5. Verantwortung ist sowieso ein grosses Thema. Nur weil der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit inzwischen alles und jeden reglementiert hat meinen jetzt viele Eltern, keinerlei Verantwortung für ihre Blagen mehr zu haben. Dabei stelle ich als Kinderloser mir das relativ einfach vor: einfach mal die Spiele antesten, die die lieben Kleinen da spielen und ggf. mal ein ernstes Wort mit ihnen wechseln. Ausserdem steht die Altersempfehlung gross vorne drauf, sehr praktisch für die ganz faulen.

    Und dass mir jetzt keiner damit kommt, dass er von Spielen keine Ahnung hat! Wenn meine Tochter Pferde mag, dann mache ich mich über Pferde schlau. Und wenn mein Sohn nunmal eine PS2 hat, dann mache ich Videospiele auch zu meinem “Hobby”. Warum zum Henker sollte ich da noch an den Gesetzen schrauben wollen? Nur um von meiner eigenen Unfähigkeit als Vater abzulenken?

  6. Jaaa… aber leider überschätzen Eltern oft die Wirkung diverser Spiele. Ich erinnere mich noch ganz deutlich, wie man mir verbieten wollte Super Metroid zu zocken, weil die Frau eine Waffe in der Hand hatte.

    Und bei Zelda 64 ist meine Mutter beinahe in Tränen ausgebrochen, obwohl ich die Altersfreigabe längst überschritten hatte.

    Wenn ich jetzt also also Final Fantasy XIII kaufen wollte und wäre immernoch so jung wie anno 1995 – ich würde das Spiel nicht kriegen, selbst wenn auf der Verpackung “Freigegeben ab 3 Jahren” steht.

    Übrigens: Spiele, die von der USK mit einem “ab 12″ Siegel gebrandmarkt wurden, haben dies nicht wegen Gewaltdarstellungen erhalten, sondern weil sie (im Jargon) “zu hoch” für die jüngeren Käuferschichten sind. Also krieg ich Final Fantasy XIII, wenn Square die Texte streicht?

  7. Also krieg ich Final Fantasy XIII, wenn Square die Texte streicht?

    …angenommen jetzt, ich wäre unter 12 Jahre alt.

  8. Schon klar :-)

    Ob die Eltern die Wirkung von Spielen nun über- oder unterschätzen ist meiner Meinung völlig egal, hauptsache sie beziehen klare Stellung zum Hobby ihrer Kinder. Meine Eltern haben mir immer deutlich zu verstehen gegeben, was sie von dem einen oder anderen Spiel halten. Das hat mich natürlich nicht davon abgehalten, den Index rauf- und runterzuspielen, aber das immer mit einem Ohr Richtung Treppe. Das nennt man dann wohl Grenzen ausloten und ist soweit ich weiss ein wichtiger Teil des Grosswerdens.

  9. Diesen Teil des Großwerdens habe auch ich noch in bester Erinnerung ;)

    Ich weiß aber noch, dass meine Eltern seit jeher gegen Videospiele waren und noch immer sind.

    Aber es soll ja auch andere Eltern geben, die in einem neuen Hobby nicht gleich Tod und Verderben sehen… damals war Mick Jagger auch nichts anderes als ein Marilyn Manson heute. Vielleicht beschweren wir uns in ein paar Jahren über die Hobbies unserer Kinder?

  10. Frozen Mr. Toastbrot

    Sehr guter Artikel, Stefan. Eigentlich kann ich dir nur zustimmen. Die Gesetze funktionieren. Bisher habe ich auch in fast allen Läden in meiner Stadt mehrmals mitbekommen, dass die Verkäufer auch nach Ausweisen fragen und unter umständen den Kauf verbieten, also wird es daran wohl auch nicht liegen, dass trotzdem noch 12 Jährige Kinder GTA im Bus spielen. Also kann’s ja eigentlich nur noch an den Eltern/Erziehungsbeauftragten liegen, und da sollte man dann meiner Meinung nach mehr Wert darauf legen diese über das Wertungssystem aufzuklären, anstatt neue Verbote einzufügen und das eigentliche Problem (unwissende Eltern) zu ignorieren.

  11. Irgendwie hat jeder Videospieler diesen Teil seines Hobbies sehr gut in Erinnerung ;)

    Klar, damals war ich ziemlich sauer, dass meine Freunde Doom oder Hexen spielen durften und ich nicht. Heimlich hat man ja dann doch etliche Spiele gespielt, was eigentlich nur meinem Können geholfen hat. Alle anderen konnten sich für ein Spiel Zeit lassen und ich musste es im Rekordtempo durchspielen. Gerade bei Golden Eye für das N64 hab ich dadurch Rekorde im Multiplayer erzielt, die andere total neidisch haben werden lassen.

  12. sehr guter artikel!
    was mir zu dem ganzen einfällt: god of war. das gab es seinerzeit ja nicht bei uns zu kaufen. und ich dachte eigentlich auch wegen altersfreigabe etc.
    jedenfalls stand es irgendwann hier bei ebgames. und zwar nagelneu und unbenutzt, aber: bei den second hand-spielen, zum preis von 54 euro. ich hab’s damals sofort geholt. okay, ich hab die 18 schon ne ganze weile hinter mir, vielleicht ging das deshalb einfach. schräg war das trotzdem. ich hatte ein wenig das gefühl, dass ebgames die gesetzlage mithilfe der second-hand-spiele ein bißchen in seine richtung dehnt.

  13. irgendwas stimmt hier nicht mit den kommentaren. oder mein browser hängt. oder söder hat schon irgendeine internetsperre für unliebsame themen durchsetzen können. ;)

  14. Mit der Forderung von Herstellungsverboten ist auch der liebe Beckschwein…äh Beckstein immer schnell bei der Hand. Ich frag mich immer wie sich diese Leute das vorstellen, im anbetracht der Tatsache, dass das einzige “Gewaltspiel” dessen Herstellung man effektiv behindern könnte Crysis ist.

    Davon ab: Was mich am “Jugendschutz” in Deutschland immer noch stört ist das Verweigern von Freigaben. Es gibt faktisch praktisch keinen Unterschied zwischen ab18, keine USK Freigabe und indiziert. Bei ab18 und keine Freigabe fehlt lediglich das USK Symbol, bei einer Indizierung kommt noch das Werbeverbot hinzu. An der Altersgrenze zum Kauf ändert sich nichts.
    IMO wäre es am sinnigsten die BPjM abzuschaffen bzw. auf rassistische/kinderpornographische Auswüchse zu beschränken und allen Spielen die die Vorraussetzung für eine “ab16″ nicht mehr erfüllen einfach den roten Sticker aufzukleben. Gilt für Filme gleichermaßen.

  15. Mich stört einfach das da Menschen über Dinge diskutieren von denen sie keinen Plan haben. Ich würd ja gerne mal eine Umfrage unter allen Politikern durchführen mit den Fragen. a) Was sind Killerspiele b) Nennen Sie bitte drei Beispiele für Killerspiele.

    Wahrscheinlich wird nicht ein Politker beide Frage beantworten können.

  16. Iceman, es gibt praktisch schon Unterschiede zwischen ab 18, keine USK Freigabe und indiziert. Ein ab 18 Spiel darf nie indiziert werden, während hingehen ein indiziertes Spiel für den Vertrieb mangels Werbemöglichkeit nahezu unverkaufbar ist. Die Indizierung schränkt die Rechte des Spielers nicht ein (er muss nur etwas mehr Aufwand betreiben das Spiel zu bekommen), aber ein Spiel kann nur nennenswerten Absatz machen, wenn es im Saturn steht und das ist mit der Indizierung gelaufen. Ohne Freigabe ist in der Tat so ein komischer Schwebezustand, dessen Aufgabe es nur ist, den Weg für eine Indizierung frei zu machen. Den muss es logischerweise aber geben, sonst kann eine ab 18 Bewertung nicht vor einer Indizierung schützen (was für mich eines der besten Ideen des aktuellen Systems ist). Praktisch ist das nahezu identisch mit einer Indizierung, weil die meisten Vertriebe dann auf eine Veröffentlichung verzichten. Man hat halt keine Lust das Spiel nach einer Woche wieder aus den Regalen nehmen zu müssen, wenn es dann indiziert ist. (Siehe Dead Rising.)

  17. Ich finde eine harte Gesetzgebung wichtig…
    Okay, nicht unbedingt Verbote, denn die werden umgangen. Aber wie wärs mit einer gestzlichen Verpflichtung für (z.B.) jeden geistlosen WWII Shooter den man rausbringt parallel ein innovatives, witziges und gewaltloses Spiel rausbringen zu müssen das mit einem gleich hohen Werbeetat bedacht wird.

    Das wärs doch, oder?

  18. Genau. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist sowieso überbewertet.

  19. @Richard
    Soweit ist mir das schon klar, war in meinem ersten Post doof formuliert.

    IMO ist einfach die ganze Indizierung überflüssig, über das Internet weiß sowieso jeder der sich informiert welche Spiele wann rauskommen, indizierungen brauchen meist etwas Zeit bis sie durchgesetzt werden und dann hat jeder das Spiel schon im Laden stehen sehen und wer den Drang hat ein indiziertes Spiel zu spielen schafft es auch, sei es legal oder illegal.

    Wir leisten uns hier mit der BPjM eine Behörde welche imo kaum einen praktischen Wert hat außer als “Damoklesschwert” über den Herstellern zu hängen um diese, durch Umsatzausfälle, zur Selbstzensur zu bringen. Von absolut lächerlichen Entscheidungen, wie der Indizierung von C&C Generals (wobei das iirc vor der Änderung des Jugendschutzgesetzes war, oder?) mal abgesehen.

    Ich sehe die Berechtigung für eine USK Überprüfung mit verbindlicher Altersbegrenzung ein und gehe mit den meisten USK Entscheidungen völlig konform (warum Vampire Bloodlines ab16 ist frage ich mich aber immer noch, dass hätte ne ab18 verdient). Indizierungen sind für mich aber, in den meisten Fällen, in keinster Weise zu rechtfertigen.

  20. Edit: In Ergänzung zu Richards Kommentar natürlich.

    Oder um es mal weniger überspitzt zu formulieren: Hersteller von Videospielen sollten weniger mit Gesetzen gegängelt und mehr auf ihre Eigenverantwortung hingewiesen werden. Wenn die Publisher jetzt den Markt mit “schlechten” Spielen zumüllen brauchen sie sich in fünf Jahren nicht darüber wundern, wenn die Branche wie in den 80er Jahren mal wieder komplett zusammenbricht.

  21. Das einzig schlechte an Indizierungen ist meines Erachtens die Tatsache, dass sie erst nach dem Release eines Spiels ausgesprochen werden können. Das führt einerseits dazu, dass die Spiele teilweise erst wochenlang unbehelligt im Laden hängen und beworben werden können, und andererseits natürlich zu einem Zustand kompletter planerischer Unsicherheit für den Publisher. Die generelle Option, ein Werbeverbot für besonders brutale Spiele verhängen zu können, halte ich dagegen für richtig und sinnvoll.

  22. Interessant wäre in dem Zusammenhang mal, wie die Allgemeinheit hier zum Thema Beschlagnahmung steht. Das ist ja nach der Indizierung das letzte staatliche Mittel, um gegen unliebsame Medien vorzugehen. Weiß hier jemand, was das letzte Spiel war, was beschlagnahmt worden ist?

    Kurz zur Erklärung: Auch eine Beschlagnahmung eines Spiels, würde es euch nicht verbieten das Spiel zu kaufen, zu besitzen und zu spielen. Der Verkäufer hingegen würde sich strafbar machen, genauso der Hersteller. (Technisch gesehen ist sogar die Herstellung nur dann illegal, wenn sie zum Zwecke der Verbreitung betrieben wird, aber ein anderer Grund für die Herstellung fällt mir ehrlich gesagt nicht ein.)

  23. @Stefan
    Ein Werbeverbot für Zigaretten sehe ich ein, denn Zigaretten töten Menschen. Aber ein Werbeverbot für brutale Spiele? Warum?

    @Richard
    Laut bpjm.com ist das letzte beschlagnahmte Spiel Manhunt, davor die englische Fassung von Commandos: Behind Enemy Lines.
    Beschlagnahmungen sind, in wirklich extremen Fällen, sicherlich nen gerechtfertigter Weg, wobei ich Manhunt nicht kenne, den Beschreibungen nach ists aber arg geschmacklos.

  24. Ein Werbeverbot für besonders (und ich meine besonders, nicht so einen weibischen Kram wie Resident Evil 4 zum Beispiel) brutale Spiele macht für mich deshalb Sinn, weil damit ein potentieller sozialer Schaden im Vorfeld abgewendet werden kann. Es schränkt den mündigen Käufer nur unwesentlich ein (zur Not wird das Spiel eben importiert), aber es wird ziemlich effektiv verhindert, dass bei der falschen Zielgruppe ein Bedarf entsteht. Machen wir uns nichts vor, wenn im Fernsehen Werbung für ein Metzelspiel läuft, dann wollen die 14jährigen das auch haben.

  25. Natürlich. Und dann wäre es Sache der Eltern das entsprechend zu erlauben oder zu verbieten.

    Und ja, ich habe noch die Hoffnung, dass es wenigstens ein paar Eltern in Deutschland gibt die ihre Kinder ordentlich erziehen ;)

  26. Wie war das, hat good old DE nicht eh schon eines der härtesten Indizierungsgesetze?

  27. Indizierungen sind afaik Weltweit ziemlich einmalig und selbst verbindliche Kennzeichnungen von Spielen gibts in anderen Ländern kaum.
    Du kannst problemlos als Jugendlicher in England in nen Spieleladen rennen und dir Manhunt kaufen, wird dich niemand dran hintern.

  28. Wobei die britische Jugend so wie ich gehört habe noch ein wenig krasser sein soll als unsere (Stichwort Chavs). Zufall? Wahrscheinlich.

    Andererseits sind unsere Jugendschutzgesetze geradezu lasch im Vergleich zu Australien, wo Spiele mit schöner Regelmässigkeit nicht erscheinen. Habe ich mir zumindest so sagen lassen.

  29. Ob man jetzt England als Beispiel nimmt oder Frankreich, Spanien, die Schweiz oder Österreich. Probleme mit Jugendlichen hat wohl jedes Land, so krasse Jugendschutzgesetze nur Deutschland.

  30. schön, dass hier so konstruktiv über dieses thema diskutiert wird und ein guter artikel, ganz im gegensatz zu dem aktuellen kommentar bei 4players.de. Der gleiche Redakteur hat in einem früheren Kommentar übrigens mal gefordert, dass deutsceh Entwickler sich doch jetzt endlich mal des 2. Weltkriegs annehmen sollen. unheinliche vorstellung meiner meinung nach…

  31. Warum? Die deutsche Filmbranche tut das doch auch jedes Jahr. Wenn die richtigen Personen sich dem Thema annehmen würden, dann spräche nichts dagegen, egal aus welchem Land sie kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob es in der deutschen Spielebranche solche Personen gibt (in der amerikanischen scheint es sie nicht zu geben, oder zumindest machen diese Leute keine WW2-Spiele), aber grundsätzlich weiß ich nicht, was daran so unheimlich sein soll. Irgendwann muss ja mal jemand ein WW2 Spiel machen, dass gewissen künstlerischen Ansprüchen genügt. Vielleicht ist gerade ein deutscher Entwickler die richtige Person dafür, denn hierzulande geht man mit dem Thema doch etwas vorsichtiger um, als im Rest der Welt.

  32. Gütiger Himmel, bei 4players wird ja wohl recht grosszügig mit dem Wort Zensur umgegangen! Ist das jetzt die Meinung der breiten Masse oder sind das nur die üblichen Verdächtigen, die da so rummotzen?

    Kein Wunder, dass sich Boris so aufregt.

  33. Aber Stefan, wusstest du denn nicht, dass jeder Deutsche ein in der Verfassung verbrieftes Recht darauf hat Demos von Dead Rising und Saints Row zu ziehen? Wenn das nicht geht, dann muss das einfach Zensur sein!

    Der Schneider ist übrigens leider ein ziemlicher Unsympath geworden. Wahrscheinlich hätte er sich den magischen Zopf nicht abschneiden sollen.

  34. Natürlich ist es Zensur deutschen Xbox360 Nutzern bestimmte Demos vorzuenthalten nur das hier nicht von staatlicher Seite zensiert wird sondern Microsoft das übernimmt.

    Das ist ja grade das perfide am deutschen Jugendschutzgesetz. Zensur findet in Deutschland statt, nur machts nicht der Staat direkt sondern er legt es den Herstellern nahe durch entsprechende wirtschaftliche Einschränkungen.

  35. …indem Kommentar zu einem möglichen ww2 Spiel aus BRD hat er sich dafür ausgesprochen, dass “wir” (also deutsche) auch mal ein spiel bräuchten indem wir uns, scheinbar über nationalität, mit der hauptfigur identifizieren können, wie es eben amerikanische spieler z.B. auch machen können. was ich daran jetzt “unheimlich” fand war einfach der folgeschluß, dass man sich entweder mit einem wehrmachtssoldaten oder einem widerstandskämpfer identifizieren soll. zumindest wenn man in der argumentation bleibt, dass man sich als deutscher damit identifizieren soll, also entweder Nazischerge (will ich mich nicht mit identifizieren) oder eben als widerstandskämpfer, was meiner meinung nach keine sonderlich akkurate aufarbeitung des ww2 wäre. ich hatte mich damals ziemlich über den Artikel aufgeregt, da er versuchte auf der WM-Deutschland-Hurra-Welle mitzureiten

    …aber sind je eh olle kamellen, der autor hat mir damals übrigens mangelnde lesekompetenz vorgeworfen

  36. Interessant ist hiezu der Artikel im aktuellen Spiegel zum Spiel Crysis, das in Deutschland hergestellt wird.

  37. Okay, was steht denn drin in dem Artikel?

  38. Er meint Spiegel online. Wirklich ein ganz interessanter Artikel, er wirft die richtigen Fragen auf ohne dabei Stellung zu beziehen. Das ist zumindest ein guter Stoff für Diskussionen.

    Übrigens, wollt ihr mal was wirklich, wirklich geschmackloses sehen? Bitte sehr. Gametrailers ist für mich gerade um 50 Punkte gesunken.

    Edit: Und Vivendi/50 Cent waren in meiner Achtung sowieso schon auf Null, die können nicht weiter abrutschen.

  39. Könnte das Ding dann vielleicht mal jemand verlinken? Aber bitte kompetenter als dein Link zu Gametrailers. Der geht nämlich nicht.

    Übrigens: 21:45 am Cineplex. Piraten in OF. Be there.

  40. Ja träum ich denn? Eben war da noch ein Video zum 50 Cent PSP-Spiel, und Gametrailers hat ein Top 10 Exekutionsmoves Video fabriziert. Mmmmh…

    Thema Spiegel-Artikel: Aaaah! Ich weiss garnicht warum ich mir die Mühe mache, der Beitrag ist ganz fett vorne auf der ersten Seite.

    Ausserdem fand ich den ersten Piratenfilm doof und habe deshalb schon letztes Wochenende gesagt, dass ich für so einen Schmuh kein Geld ausgebe.

  41. Da sind bestimmt Ninjas drin!

  42. Der letzte Film hatte Zombies! Das hat ihn aber auch nicht gerettet…

  43. Du bist hoffnungslos.

  44. Und dieses Interview ist irgendwie krank…

  45. Stefan, ein Film mit Ninjas kann gar nicht doof sein!

  46. Sehe ich genauso. Aber Pirates of the Carribean 2 hat garantiert keine.

  47. Oh. Okay. Der Film. Löscht meinen Kommentar.

  48. Nix da. Der bleibt für die Ewigkeit erhalten. :-D

  49. Dann muss ich mir jetzt also einen anderen Usernamen zulegen?

    Argh, ihr habt ja meine IP.

  50. Und gerade auf insertcredit.com gelesen:

    Also, the Japanese version [of Dead Rising] will be censored in a way that removes the ability to kill innocent people. Which means the weird thrill of accidentally shooting the person you’re trying to defend is gone; they can now only die by zombie hands. It’s kind of a weird bit of censorship, though recently any game that lets you kill innocent people is branded the devil in Japan.

    Wird langsam Zeit, sich von der deutschen Inselmentalität (immer kriegen wir alles verboten waa waa…) zu verabschieden.

    Edit: Oh, und das Fiddy-Video, von dem ich gestern erzählt habe, ist auch wieder da. Guten Appetit.