
Morgens halb zwölf in Deutschland: über alle Parteigrenzen hinweg wird gerade mal wieder debattiert, ob das Datenschutzgesetz zum Zwecke der Strafverfolgung gelockert werden soll. Immerhin kann man mit den Mautdaten, die derzeit ausschliesslich zu Abrechnungszwecken verwendet werden dürfen, den Aufenthaltsort von LKW-Fahrern jederzeit ziemlich gut ermitteln. Ausserdem wird besonders von Seiten der Union immer wieder die Forderung nach mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen laut. Wer mal sehen will wie das aussieht, sollte bei Gelegenheit eine britische Grossstadt besuchen. Bei unseren englischen Nachbarn gibt es schon seit langem CCTV, und als ich vor ein paar Monaten nach Birmingham geflogen bin kam ich mir schon ziemlich beobachtet vor. Wir sind zwar ziemlich spät dran, aber scheinbar wird Orwells negative Utopie doch noch Realität.
Aber die Videospieler sind, wie immer, schon einen Schritt weiter. Wir lassen uns nicht nur freiwillig ausspionieren, nein, wir legen dafür auch noch Geld auf den Tisch. Die Rede ist natürlich von Online-Services wie Xbox Live und Steam. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: eine Firma wie Microsoft weiss jederzeit, wer wann wie lange mit welchem Spiel online ist, was für Demos er sich ansieht, was für Soft- und Hardware er besitzt und was er so für Extrainhalte auszugeben bereit ist. Die gleiche Firma übrigens, die vor ein paar Monaten einen Experten für Ingame-Werbung aufgekauft hat. Ach ja, unsere Adresse und Kreditkarten-Verbindung haben sie natürlich auch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sicher sammelt Microsoft diese Daten nicht nur, um daraus lustige Pressemitteilungen zu stricken. In erster Linie steckt zunächst wohl mal Kundenbindung dahinter; ein Käufer der sich mit seinem Produkt identifiziert wird natürlich auch mehr Geld reinstecken, logisch. Das geht inzwischen allerdings schon so weit, dass die Konsole für den Spieler das Bloggen übernimmt. [Edit: Marc hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass der Blog nicht von Microsoft betrieben wird.] Ich weiss nicht wie es euch geht, aber mir persönlich ist das etwas unheimlich. Da wird (mein Einverständnis vorausgesetzt) ein automatischer Text über mich generiert, den im Prinzip jeder lesen kann. Das mag im Moment ja alles noch ein harmloser Spass sein, aber in meiner paranoiden Gedankenwelt wird daraus in Zukunft ein automatisch erstelltes Persönlichkeitsprofil, besonders da PC- und Konsolennutzung ja immer mehr verschmelzen.
Zumal Microsoft mit seinen Ambitionen natürlich nicht alleine ist. Valve zum Beispiel gibt offen zu, dass sie fleissig mit dem Sammeln von Daten beschäftigt sind:
More recently, Steam has allowed us to collect more information than was previously possible. Episode One, for example, includes a reporting mechanism which tells us details about how people are playing the game.
Na danke auch, ich spiele eigentlich ganz gerne, ohne dass mir dabei jemand über die Schulter schaut. Aber das ist eben der springende Punkt von “always online”, einem Konzept übrigens, dem sich auch Nintendo und Sony verschrieben haben. Da werden wer weiss wie viele Daten von Millionen von Menschen zentral gesammelt, in Statistiken zusammengefasst und womöglich an Dritte weitergeleitet, denen ich mein Spielerprofil nun wirklich nicht zukommen lassen wollte. Was bleibt mir als Kunden dann, wenn ich das nicht möchte? Aus dem Internet ausklinken? Klar, kann man machen, aber dann steht man im Zweifelsfall ohne Patches, Demos oder Spielernamen da. Also beisst man in den sauren Apfel und hofft darauf, dass die Spielefirmen nur das Beste für ihre Kunden im Sinn haben.
Der Anlass für diesen Beitrag ist übrigens die DMoM&M-Demo. Warum zum Teufel will das Programm während der Installation, beim Spielen und auch bei der Deinstallation mit Ubisoft telefonieren? Bringt das irgendeinen Vorteil für mich als Spieler, oder ist Ubi einfach nur neugierig? Ich sollte mal ein paar Verschwörungstheoretiker fragen.
Recht hast du. Gerade als ich das mit Episode 1 gelesen habe, ist mir zum ersten Mal so richtig schlecht geworden.
Mag gar nicht dran denken, was andere Programme, speziell MMORPGs, bei denen man das Datensammeln auch oft sorglos mit der EULA abnickt, so alles nach Hause schicken.
Ach was, das dient doch nur dazu, Spiele besser zu machen. Die Informationen werden ausgewertet und neue Spiele werden an die Spielgewohnheiten verschiedener gamergruppen angepasst.
Woher willst du eigentlich wissen, dass es an Dritte weitergegeben wird? Und vor allem was nützt ihnen das, wenn sie wissen, wie oft du am Tag spielst?
Zugegeben, wenn Valve super-detaillierte Hardware-Umfragen durchführt, dann geschieht das vielleicht zum Wohle des Spielers (und damit natürlich auch zum Profit des Herstellers). Selbst ich als Laie kann aus den Daten einige interessante Trends herauslesen.
Dass die Datensammelei über Xbox Live&Co jedoch aus reinem Altruismus geschieht, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Hier werden in grossem Stil personenbezogene Informationen über eine konsumfreudige, medienkompetente Zielgruppe erfasst, mit denen man dann natürlich eine ganze Menge anstellen kann. Dass offensichtlichste dürfte wohl personalisierte Werbung sein, aber sicherlich verschafft einem so ein detailliertes Wissen über die eigenen Kunden auch eine prima Verhandlungsposition gegenüber Publishern. Und das Beispiel der M&M-Demo hat mir wieder mal vor Augen geführt, dass hier teilweise völlig dreist irgendwelche Daten abgegriffen werden, ohne dass es die meisten Leute überhaupt bemerken.
Mich wurmt das ehrlich gesagt ziemlich, da ich Datenschutz (für mich gleichbedeutend mit Persönlichkeitsschutz) für sehr wichtig halte.
Hmmmm… Geschäftsmodell++
Gleich mal kucken ob http://www.anonymisierte-onlinekonsole.de schon registriert ist.
Mmm ja und hinter allem stecken die Rosenkreuzer.
Nein Scherz, ein mulmiges Gefühl bekommt man natürlich, wenn man darüber nachdenkt, welche Leute mit welchen Informationen über einen selbst was mit anstellen.
Im harmlosestesten Falle ruft dich dann IN DER FIRMA ein wildfremder Mensch von einem Callcenter an und behauptet, man hätte eine Reise gewonnen, dann man ja am Gewinnspiel so-und-so teilgenommen hätte und wie wäre es denn gleich mit diesem Produkt oder jenem Vertrag ohne dem die Reise natürlich nicht angetreten werden könnte.
Mein Spielerechner hängt nicht am Netz, Patches etc. werden am anderen Rehcner runtergeladen und auf CD gebrannt. Nicht, weil ich paranoid bin, sondern schlicht, weil ich keine Lust dazu habe, Rechner ständig durch die Wohnung zur Telefonbuchse zu schleppen. Bin da etwas altmodisch ;)
Dark Messiah will ich mir auf jeden fall besorgen, mal sehen wie es dann reagiert, wenn es leider nicht nach Hause telefonieren kann.
“Mich wurmt das ehrlich gesagt ziemlich, da ich Datenschutz (für mich gleichbedeutend mit Persönlichkeitsschutz) für sehr wichtig halte.”
da stehste aber fast auf verlorenem posten wenn man die heutige dufte “einheitsignoranz” so ansieht =P
Gerade bei der DMoM&M-Demo halte ich das für eine Frechheit. Ich merke JETZT, nachdem ich das bei dir lese, dass er tatsächlich ins Internet will. Dank DSL-Flat hängt der Rechner sonst nämlich sowieso immer am Netz, und weder das Spiel noch die Installation machen einen darauf aufmerksam. Gut, vielleicht steht irgendwo versteckt in der EULA ein kleiner Hinweis, aber wer liest die Dinger schon immer komplett? Bei vielen Spielen wär man dann länger mit EULA-Lesen als mit Antesten beschäftigt.
Anhand der Demo selbst kann ich jedenfalls nicht wirklich einen Grund erkennen, warum das Ding so dringend ins Netz müsste.
Das mit Ubisoft ist noch nichts. Schaut auch mal EAs “Privacy Policy” für Xbox Live an. Da schlackert ihr mit den Ohren.
In Deutschland haben wir glücklicherweise eine Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Bundesdatenschutzgesetz bietet uns einige Mittel uns zumindest ein bisschen dagegen zur Wehr zu setzen. So muss dir jede Firma Auskunft darüber geben, welche Daten sie über dich gespeichert hat, woher sie diese Daten hat und wozu sie sie nutzt. Außerdem kann man die Löschung der Daten verlangen.
Dummerweise wirst du dann im Zweifelsfall nicht mehr online spielen können, und wenn die Konsolen irgendwann wirklich “always online” sind, würde das bedeuten, dass du gar nicht mehr spielen kannst.
Super, was?
Eine persönliche Firewall wie Zonealarm hilft dabei solche Aktionen wie bei der DMMM Demo zu verhindern und zeigt auch immer an, wenn so was versucht wird. Tatsächlich telefoniert heutzutage fast jedes Spiel nach Hause. Egal ob es eine Onlinekomponenten hat, oder nicht.
Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass viele Spiel von US-Herstellern mit solchen Aktionen gegen die deutschen Datenschutzbestimmungen verstoßen. In den USA wird ja deutlich weniger Schutz der Privatsphäre betrieben, da verhökert zum Beispiel der Staat die Daten deines Führerscheins an Datensammelfirmen. Völlig legal.
Ein Grund mehr, EA nicht zu mögen. Obwohl das sicher alle grossen Publisher so machen.
Moment mal. STOPP.
Das XBOX Blogg ist doch ein Witz, oder?
Da wird doch nicht wirklich ein Aktivitätenprotokoll von mir, völlig automatisch, erstellt. Oder? ODER???
Kein Scherz: du meldest dich an und schon wird für dich gebloggt.
Da besteht schon der Unterschied. Das Blog (übrigens in keinem Zusammenhang mit MS) wird erst erzeugt, nachdem man die Webseite explizit dazu anweist diesen Prozess zu beginnen. Ansonsten ist über die Live-API aber schon rauszukriegen was du so spielst, solange du die entsprechende “Visible”-Option auf deiner Xbox nicht im Hauptmenü ausstellst.
Tatsache! Ich habe das doch glatt für eine offizielle Microsoft-Seite gehalten. Sollte ich wohl besser mal ergänzen, nicht?
Was ist denn die Standard-Einstellung? “Visible” oder nicht. Wenn “visible” Standard wäre, und so jeder der Lust hat ein Nutzungsprofil von dir speichern könnte, dann wäre das schon nicht so prickelnd.
Standard: Visible. Also quasi opt-out, anstatt opt-in.
Du bist 16.
Du bist Online.
Die ganze Zeit schreit deine XBOX: “Ich bin hier! Ich bin an! Ich spiele gerade Dead Rising!”
Dein Vater weiss das du zu doof bist deiner XBOX das Maul zu stopfen.
Dein Vater ist Informatiker.
Dein Vater liesst DEINE XBOX aus…
Du hast Hausarrest weil dir dein Vater doch verboten hatte Spiele ohne Altersfreigabe zu spielen.
GEIL
Auch denkbar ist eine Chef/krank feiern/gefeuert-Kombination.
Man muß unterscheiden denke ich, zum einen wer die Datensammler sind zum anderen wofür solche Daten gebraucht werden können. Ich finde es legitim wenn ein Spielehersteller es als eine Art Qualitätsmanagement sieht wie die Leute sein Spiel spielen. Wann, wo und wie oft man stirbt, wo man hängen bleibt und so weiter. Keine Meinungsumfrage der Welt kann einem solche Informationen beschaffen. Solche Informationen wären aber auch anonym absolut verwertbar, weil ob 25-35 jährige besserverdienende mit abgebrochenem Studium gerade bei Jump and Run Passagen besonders Probleme haben interessiert wirklich nur die Marketingabteilung. Ich denke grundsätzlich das Firmen zwar Daten sammeln wie bekloppt aber im Endeffekt hängt Konsum von zu vielen Faktoren ab als das daraus zielgerichtet Kapital geschlagen werden könnte. Wirklich schlimm finde ich die staatlichen Bespitzelungen die im Rahmen von Terrorparanoia unser komplettes Wertesystem auf den Kopf stellen. Und wenn man es real betrachtet kann dieses Verhalten nur einen Grund haben und der ist Angst und zwar die Angst der politischen Klasse vor der eigenen Bevölkerung. Biometrische Daten auf Ausweisen?? Wofür? Wieviel deutsche Staatsbürger sind bei Osamas Terrorschwestern Mitglied? Und kann man die dann wirklich nur anhand der biometrischen Daten erkennen? Wie haben das die Ermittlungsbehörden in den letzten paar tausend Jahren geschafft? Ich hab die Zahlen nicht im Kopf, aber die Menge der Nichtwähler uberschreitet seit Jahren die der grössten Mehrheit, real gesehen sind die nur von einer Minderheit gewählt und so verhalten Sie sich eben auch. Machterhalt mit allen Mitteln. Ich weiß noch wie unsere Politiker und die Medien früher immer über die DDR hergezogen sind aber das einzige was wir ausser dem Ampelmännchen noch übernommen haben ist offenbar das Recht auf staatliche Bespitzelung bis in das intimste Privatleben und das sind Verbindungsdaten vom Handy eben, auch ohne Gesprächsinhalte zu kennen.
Aber hört nicht auf mich, laut Aussage der GEZ muss ich ein religiöser Fanatiker sein. Protestierender Protestant oder sowas in der Art.
Du hast natürlich recht, zwischen staatlicher Bespitzelung in diesen Zeiten der kollektiven Terrorpanik und Datenraffung aus kommerziellen Beweggründen besteht ein wichtiger Unterschied, und zwar in Hinsicht auf die möglichen Konsequenzen. Microsoft wird dich nicht in Untersuchungshaft stecken, weil du die Konsolen der Konkurrenz spielst.
Dennoch scheint es vielen Leuten derzeit völlig egal zu sein, was mit ihren persönlichen Daten passiert. Die typische “wer sich nichts vorzuwerfen hat, der muss sich auch keine Sorgen machen” Mentalität eben. Und wenn ich mich schon nicht dagegen wehren kann, dass Beckstein et al vor meiner Wohnungstür Kameras aufhängen, dann rege ich mich eben über die Neugier von Firmen auf.
Am PC hat man, gerade im Bezug auf die Dark Messiah Demo, wenigstens noch die Chance via Firewall die Verbindung nicht zu erlauben. Aber warum Ubisoft das macht, würde ich auch gerne mal wissen. Vermutlich erheben sie den Zeitraum wie lange die Demo auf der Platte war und wie oft sie gestartet wurde.
Das Ganze wäre vermutlich gar nicht so schlimm, wenn die Firmen ehrlich danach fragen würden.
Die Verbindung wird einfach hergestellt ohne einen Ton von sich zu geben. Das ist einfach dreist.
Aber das kann doch auch was positives haben: Vielleicht kann man da in Zukunft Fruehwarnsysteme in die Shooter einbauen, die Dein Spielverhalten mit dem der Columbine-Schueler vergleicht, und die Polizei vorsorglich schonmal ruft, wenn du genauso gestoert erscheinst.
*Grusel*
Mach bloß nicht zuviel Headshots ;)
Tscha, und genau aus dem Grunde boykottiere ich Blizzard, Valve und XBox Live und spiele nur offline. Ok…demnächst steht ein DS ins Haus…aber da ich weder WLan noch einen Hotspot in der Nähe habe…aber viele Freunde die auch einen DS besitzen…trifft man sich zum Bierchen und Mario Kart zocken. :)
So ein Quark. Beim Einsatz von Werbung im Spiel geht es doch darum, dass während des Spiels die aktuelle Werbung im Spiel eingeblendet wird. In einer Stadt beispielsweise Plakatwerbung genauso wie morgens an der Bushaltestelle. Dazu werden natürlich Daten ausgetauscht. Die beziehen sich jedoch nur auf die Auslieferung der Werbung. Wenn die Firmen die das machen weitere Daten sammeln würden (Rein technisch gesehen: Wie soll das funktionieren??) würde es die Firmen garnicht mehr geben. Das ganze Geschäftsmodell wäre für die Katz. Übrigens ist das keine Zukunftsmusik sondern täglich Brot. Hier in der Schweiz habe ich heute noch in Race und BF Werbung von eardis gesehen. Und ihr werdet lachen: Das stört überhaupt nicht und schaut sogar sehr cool aus. Ich hab da echt kein Problem mit. Wenn ich ein Magazin aufschlage oder im Internet unterwegs bin habe ich doch auch nicht überall weisse Flecken. Stellt euch doch mal eine Stadt vor in der keine Werbung plakatiert ist. Das sieht dann aus wie im frühren Osteuropa – irgendwas ist komisch weils fehlt.
*kopfschüttel*
Du hast einen sehr feinen Sinn für Humor, shaggy. Gratuliere!
Hey shaggy, in welcher Art und Form taucht die Eardis Werbung in den Games auf? Hast du ev. Screenshots? Würde mich interessieren.
@ rossi einfach nur das logo von denen und die website adresse auf plakaten an der hauswand. kein werbe blah halt. Passte ganz gut. Auch weil die plakate richtig schön eingestaubt waren wie das umfeld eben auch. also kein hochglanz. screenshots habe ich leider keine gemacht. aber vielleicht jemand anders?