Punkt Dee Eh

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Eurogamer ist ja bekanntlich die einzig wirklich lesbare “klassische” Spieleseite die sich in den Weiten des Internetzes finden lässt. Frei von irgendwelchem Wertungskrampf werden da Spiele tatsächlich als Kulturgut rezensiert, gewürzt mit einer guten Portion britischem Humor. Ein kleines Wunder in der Masse der ganzen Kategorienunterteiler, Waschmaschinentester und Prozentpunkteverteiler, die sich ernsthaft für Spielejournalisten halten. Was ein bisschen Leidenschaft und die Fähigkeit einen Text zu verfassen doch für einen Unterschied machen kann.

So ganz hat der Name Eurogamer aber nie gestimmt. Eigentlich war es eher ein UKgamer, denn da sitzt nun mal die Redaktion. Preise werden gerne in Pfund angegeben, Veröffentlichungstermine gelten immer für England und intelligente Texte zum deutschen Jugendschutz lassen sich in Brighton auch nur begrenzt schreiben. Also dachte man sich dort wohl, dass man ja auch mal andere europäische Länder mit einem Eurogamer beglücken könnte. Der erste Versuch in diese Richtung ist eurogamer.de das gestern (halbwegs pünktlich zur Games Convention) seine Pforten öffnete.

Ehrlich gesagt war ich nicht sonderlich optimistisch, was das Projekt angeht. Das Teaserbild war nicht nur totkomprimiert ohne Ende, sondern hatte mit “Damit ihr heute schon wisst, was morgen gespielt wird!” auch eine extrem dämliche Tagline. Echt, superknackig das Ding. Getragen wird die Seite von der Firma Extent Media, deren Gründer mal für die PC Games verantwortlich waren, einem Blatt das tatsächlich Spielspaßkurvenmotivationsdiagramme zeichnet. Außerdem wurde Ahmet Iscitürk als Chefredakteur für Videospiele vorgestellt. Dass der Herr mal für die PC Action, dem schlimmsten Blatt unter all den schlimmen deutschen Blättern, gearbeitet hat, macht ihn nicht gerade eminent qualifiziert für eine intelligente und witzig geschriebene Seite. Damit will ich nicht sagen, dass er das nicht kann, nur dass er ziemlich außer Übung sein dürfte. Wer nicht weiß wie schlimm die PC Action ist, der kann sich ja mal durchlesen, wie sich dort ein neuer Redakteur so vorstellt. Zieht euch aber vorher Sachen an die schmutzig werden können, denn ihr werdet vor Fremdscham mindestens 25 Meter im Boden versinken.

Vielleicht wird es an dieser Stelle mal Zeit für ein kleines Geständnis. Ahmet hat nämlich versucht mich und Stefan als freie Redakteure für eurogamer.de zu rekrutieren. Stefan hat sehr höflich abgelehnt, ich habe auf meine charmante Art und Weise mal mit den oben genannten Gründen ein bisschen Zweifel an dem Projekt aufkommen lassen, und insbesondere mal seine PC Action-Vergangenheit ins Gespräch gebracht. Das kam nicht sonderlich gut an, worauf hin ich das Angebot dann gar nicht mehr ablehnen brauchte, weil es wohl nicht mehr existierte.

Ganz ehrlich, ich wäre ja auch peinlich berührt, wenn mich jemand daran erinnern würde, dass ich mal in aller Öffentlichkeit “Black Hammer – Leiden soll dein Loch” als meinen Lieblingsfilm benannt habe, aber es gibt halt Sachen die kann man nicht rückgängig machen und dann muss man eben dazu stehen.

Trotzdem wäre ich natürlich begeistert, wenn endlich mal eine richtig gute deutsche Vollprogramm-Spieleseite auftauchen würde. Klar, die interessantesten Artikel zum Thema Spiele wird man wohl weiterhin an Orten wie d-frag, GTA oder bei einem der Spieler finden, aber Blogger haben eben nicht die Zeit zu jedem Spiel, das auf den Markt geworfen wird, eine Kritik zu schreiben und auch nicht den Zugang zu Spieleentwicklern um Previews mit echtem Inhalt zu produzieren. Und was gäbe es für ein besseres Vorbild für so eine Seite als eurogamer?

Schauen wir uns das Ding also mal an. Zunächst mal muss man feststellen, dass es noch nicht gerade viel Inhalt gibt. Ich zähle insgesamt vier Spielekritiken und immerhin 16 Vorschauen.

Interessanterweise haben die guten Texte nie den Namen des Autors dran. Das recht locker geschriebene Review von Dead Rising ist zum Beispiel “vom Eurogamer-Team”, während die bemüht “flockig” geschrieben Kritik von Titan Quest von einer Tanja Menne unterschrieben ist. Wo der verkrampfte Schreibstil herkommt, zeigt dann eine kleine Googelei. Herr Iscitürk ist nämlich nicht der einzige deutsche Eurogamer der mal für die PC Action gearbeitet hat. (Frau Menne ist übrigens die erste Person auf der Welt, die das missglückte Lootsystem von Titan Quest mag, und deckt bei sich somit einen gewissen Kompetenzmangel im Bereich der Designanalyse auf.) Auch ihre “Ode an Gothic 3″, in der sie verkündet wie sehr Gothic 3 sie beim Pinkeln betört, hat akutes Fremdschämpotential. Wenn ich nochmal einen Blick auf die Namen der Gründer von Extent Media werfe, dann schätze ich mal, dass wir es hier mit den Nebenwirkungen eines akuten Falls von Nepotismus zu tun haben.

Gelungen ist allerdings das Preview des neuen Splinter Cells. Der Text wirkt persönlich, spricht die politische Dimension des Spiels an und bringt alle wesentlichen Neuerungen auf den Punkt, ohne dabei zu einer langweiligen Aufzählung zu verkommen. Der Autor? Wieder mal das anynome “Eurogamer-Team”.

Weniger geglückt ist dagegen Herbert Aichingers Kritik von Anstoss 2007. Der Text ist nämlich in etwa so aufregend wie das Spiel, und das hat ungefähr den Charme einer Erstsemestervorlesung in Investitionsrechnung. Aichinger hält auch American McGees krude Katastrophenposse “Bad Day L.A.” für eine scharfsinnige Satire und ist dafür sogar bereit über das primitive Spielprinzip hinweg zu schauen. Wetten das wird den englischen Kollegen nicht passieren?

Hoffen wir mal, dass das “Eurogamer-Team” bald einen Namen findet und mehr Artikel schreibt als Herr Aichinger und Frau Menne. Dann hat das Ding nämlich, diversen Ausrutschern zum Trotz, durchaus Potential. Ein echtes Eurogamer ist es zwar noch nicht, aber hier und da ist es jetzt schon lesbarer als die Gamestar. (Stimmt nicht wirklich. Ich habe meine Meinung geändert.) Ich denke der Feed wird mal abonniert. Hoffen wir auf das Beste.

55 Kommentare Autor: Richard
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55 Kommentare

  1. Gibt es eigentlich einen langweiligeren Blog als diesen? :Ä

  2. Also ehrlich gesagt bin ich durch einen ganz dummen Zufall zu eurer Homepage gekommen.
    Normalerweise lese ich täglich die PcAction und eurogamer seite.
    Ihr tut mir leid, harharhhar

  3. man seid ihr alles waschlappen. vor allem der verfasser.
    geht lieber pullis stricken ihr spießer, da müsst ihr euch nicht schämen.

    ich bin übrigns auch pca und eurogamer leser. aber das hattet ihr euch bestimmt schon gedacht.

  4. Ich finds echt geil, nix auf dem Kasten haben und dann über eurogamer lästern ^^ ohne Affenpriester wird antigames sowieso nicht mehr lange machen, denn nur mit schlechten Artikeln könnt ich abdanken….

  5. Danke! Große Spiele