Archiv für August 2006

Fußtritt, Feuerball, Fertig!

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1,4 Gigabyte ist die Dark Messiah Demo groß. Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als auf eine Cover-CD der PC Player ein ganzer Haufen Demos passte? Egal, das Ding ist jedes Bit wert. Das Spiel wird ganz groß.

Dark Messiah ist, als hätte Looking Glass ein Actionspiel gemacht und aus Versehen gute Grafik eingebaut. Wir reden hier aber nicht von einem Actionspiel mit Maschinengewehren, sondern von einem Actionspiel mit Schwerten! Und Feuerbällen! Und Fußtritten! Zack, ab mit dem Orc in die Stachelfalle! Oder über die Klippe! Besser noch, man friert erst den Rand der Klippe ein, tritt den Orc dann und schaut wie er hilflos in den Abgrund glitscht. Oder man schneidet ein Seil durch und lässt den armen Kerl von der Schwingfalle treffen! Man kann auch ein Fass nehmen und ihm damit eins auf die Rübe geben! Ein Fußtritt gegen ein Holzbrett bringt ein Regal zum Einsturz und begräbt seinen Kollegen unter jeder Menge Schrott. Wenn er dann noch zuckt: Coup de Grace! Noch mehr Orcs? Kein Thema. Es gibt Powerattacken bei denen man sich in coole Posen wirft. Und fiese Fatalities! Kopf ab in Zeitlupe? Kein Thema!

Auch nicht schlecht: Anlauf, Sprung und Angriff von oben. Da bleibt kein Gegner auf den Beinen. Wem ein direkter Feuerball zu einfach ist, der zündet halt die ganze Gegend an und schubst die Gegner dann erst in die Flammen. Keine Kette an der man nicht hochklettern kann, kein Seil das nicht durchgeschnitten, kein Brett das nicht zersplittert werden kann. Kick, punch, block, ein Arschtritt und ab in die spitzen Pfähle da vorne. Wer will, darf auch schleichen, aber mal ganz ehrlich, wer will das schon wenn man als Magier seine Gegner einfrieren und dann treten kann (Klirr!) oder wenn man als Krieger mit seinem Gegner Schwerter kreuzt, diesen dann nach wildem Klicken auf seinen Kollegen wirft, welcher verdutzt in die Feuergrube fällt und kurz darauf laut brennend in die nächste Pfahlfalle rennt.

In Dark Messiah ist man kein Viewport mit angeklebter Waffe, sondern hat wirklich das Gefühl, in der Welt des Spiels physikalisch zu existieren. Nichts ist niet- nagel- fußtritt- oder feuerballfest und es wird einem nie die Kontrolle weggenommen. Man ist immer sofort bereit für die nächste Aktion, selbst wenn mal was schiefgelaufen ist. Schwerthieb hat nicht gesessen? Macht nichts, Fußtritt, Feuerball, fertig!

Wenn es ein Problem mit Dark Messiah gibt, dann vielleicht dass es Oblivion für mich ruiniert hat. Wenn ich da jetzt mein Schwert ziehe, komme ich mir immer vor wie ein invalider, Betonschuhe tragender Faultroll, der nach jedem Treffer des Gegners erst mal eine halbe Stunde lustlos in der Gegend rumsteht, bis er sich dann endlich bequemt wieder den Arm zu heben und einen Fuß vor den anderen zu setzen. Gaaanz laaaangsaaaam. Aufgepasst Bethesda, so macht man das mit den Schwertern. Und mit den Fußtritten.

Ab jetzt hat bitte jedes Spiel einen Fußtritt. Und Pfähle in der Wand. Danke.

54 Kommentare Autor: Richard
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Antigamesgeburtstagsdinosauriergewinnspiel!

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Die Mission!

Verbessert ein bisher Dinosaurier-freies Spiel! Nehmt ein Spiel eurer Wahl — ganz egal, ob Shooter, Rollenspiel, Textadventure oder was auch immer — macht einen Screenshot, und baut einen Dino ein. Möglichst lustig sollte es sein, und dinomäßig noch dazu. Ihr habt dafür zwei Wochen Zeit: Einsendeschluss ist Dienstag, der 22. August 2006. Sendet eure Werke zusammen mit eurer vollständigen Postadresse an gewinnspiel@antigames.de. Ihr bekommt von uns eine Empfangsbestätigung. Und: nur eine Einsendung pro Teilnehmer, ihr Freaks!

Die Jury!

Aus nicht wirklich erklärlichen Gründen konnten wir drei wundervolle Damen dazu gewinnen, die Jury für dieses Gewinnspiel zu bilden: Daniela vernichtet in Tetris DS selbst Koreaner, Alex schreibt in ihrer Freizeit Final Fantasy-Komplettlösungen und Anna hat Bomberman DS gleich 12 Mal durchgespielt. Klar, jetzt wollt ihr Fotos. Wir arbeiten daran.

Die Preise!

In Zusammenarbeit mit dem Adventure-Label ANACONDA, dem Münchner Spieleladen Heimspiel und den vergessenen Untiefen unserer verstaubtesten Schrankwände möchten wir euch natürlich auch mit Preisen überschütten!

1. Platz: die totale Old-School-Power in Form eines Super Nintendo Entertainment Systems mit Secret of Evermore! Halo 2 für die Xbox! Dreamfall für den PC! Da war doch noch was… genau! Die Virtua Fighter 10th Anniversary Limited Edition für die PS2, und für’s Wohnzimmer einen Gordon Freeman-Papp-Standee! Und falls das noch nicht reichen sollte, ein Rise & Fall-T-Shirt. Wahnsinn!

2. Platz: für den Zweitplatzierten gibt’s eine N64-Konsole, die PC-Versionen von Dreamfall und Emperor’s Tomb, ein Final Fantasy XI-Papp-Standee und ebenfalls ein Rise & Fall-T-Shirt. zomg!

3. Platz: den Drittplatzierten erwarten Dreamfall für den PC, Turok Evolution für den/die/das Gamecube, und natürlich auch ein Rise & Fall-T-Shirt. Hey, besser als nix!

Darüber hinaus haben wir für fünf Einsendungen, die uns gut gefallen, aber keinen der ersten drei Plätze erreichen, noch ein paar Trostpreise in Form bizarrer Tabularasa-Disks, die Denis irgendwo ausgegraben hat. Keiner weiß so genau, wofür sie gut sind, aber er nennt sie “selten und nerdy”. Also weg damit!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Eltern haften für ihre Kinder, und so weiter und so fort. GO!

63 Kommentare Autor: Hendrik
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“Alle populistischen Schnellschützen müssen beschämt sein”

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Erfreuliches gibt es heute bei heise online zu lesen. Das Bundesjugendministerium hält die bestehenden Regelungen zum Jugendmedienschutz offenbar für ausreichend und entzieht den Stammtisch-Tieffliegern, die sich vor allem aus dem Unionslager rekrutieren, damit fürs Erste die Lufthoheit. Die fordern schon seit Jahren ein Verbot von “Killerspielen”, was immer das auch sein mag, und haben sich diese Klausel auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag festschreiben lassen. Dabei leuchtet mir ja durchaus ein, dass man der derzeitigen Gewaltfixierung der Branche notfalls auch gesetzlich einen Riegel vorschieben sollte, aber bei jeder Gelegenheit gleich nach Verboten schreien zu müssen finde ich – gelinde gesagt – ziemlich albern. Besonders wenn man die beliebte Politiker-Technik des “Pudding an die Wand nagelns” verwendet und sich nur ja nicht auf irgendwas festlegt.

Worum geht es denn nun genau? Laut heise hat die FDP eine kleine Anfrage zum Thema Jugendschutz an die Bundesregierung gestellt und bekam als Antwort zu hören, dass im Moment alles paletti sei. Die Kooperation von Kontrollorganen und Wirtschaft funktioniert prima, und ohnehin sei nur ein verschwindend geringer Teil der getesteten Videospiele übermässig gewalttätig. Kein Bedarf also für schärfere Gesetze. Und oh Wunder, es scheint tatsächlich zu funktionieren! Man sehe sich nur mal den aktuellen Fall Dead Rising an. Capcom hat das Spiel bei der USK zur Prüfung vorgelegt, die USK hat eine Kennzeichnung verweigert, und als Konsequenz haben Capcom und Microsoft beschlossen, das Spiel nicht in Deutschland zu veröffentlichen (mehr dazu auch hier). Capcom könnte das Spiel also theoretisch hierzulande rausbringen, wenn da nicht Microsofts eigene Jugendschutz-Bemühung und die Gefahr einer Indizierung durch die BPjM dazwischenkämen. Die Verantwortung wird also an den Publisher zurückgereicht, ohne durch irgendeine Form von Zensur einzugreifen, was ich persönlich für eine ziemlich gute Lösung des Problems halte. Klar, es ist kompliziert und für Aussenstehende nur schwer nachzuvollziehen, aber es ist allemal transparenter als die Situation vor der Neuregelung der Jugendschutzgesetze.

Und trotzdem werden sich die Berufspolterer in ein paar Monaten wieder wie die Geier auf das Thema stürzen können, denn natürlich werden sich interessierte Spieler Dead Rising kaufen. Schliesslich haben wir freien Warenverkehr und so ein Zombiemetzelspiel aus der Schweiz oder England unterscheidet sich naturgemäss nur wenig vom deutschen Pendant. Ich bin mal gespannt wie lange Frontal 21 braucht, um über Leichenteile und die unorthodoxe Verwendung von Powerdrills zu berichten. Was machen wir dann? Grenzen zu? Computer verbieten? So abwegig ist das nicht, bei der Union denkt man immerhin schon über die Einführung “geeigneter technischer Maßnahmen” nach, um Jugendliche von Onlinespielen fernzuhalten.

Richtiggehend drollig finde ich dagegen die Forderung des niedersächsischen Kultusministers Bernd Busemann, die “Herstellung und den Vertrieb solcher Spiele in Deutschland” zu verbieten. Einfach mal rumgestänkert, auch wenn es keinen Sinn macht. Trotz meines eher geringen Verständnisses für rechtliche Zusammenhänge sehe ich darin einen so tiefen Eingriff in die unternehmerische Freiheit, dass der Gesetzgeber sicher gerne mal ein ernstes Wort mit Herrn Busemann wechseln möchte. Und überhaupt, ein Herstellungsverbot für gewalttätige Spiele in Deutschland würde im Jahr etwa 0,7 Titel betreffen, während id Software fleissig weiter an Kettensägenmassaker XXV: Return of the Kettensägenmassaker schraubt. Aber Hauptsache von Richtung des Stammtisches gibt es erstmal zustimmendes Nicken, und er hat seinen Namen mal in den Medien gelesen.

Um mein Geschwafel nochmal zusammenzufassen: Jugendschutz ist wichtig. Strenge Regelungen zur Kontrolle von Medieninhalten sind gut, immerhin gibt es kein gottgegebenes Recht auf ungefilterten Gewaltkonsum. Industrie und Politik müssen gemeinsam für die Einhaltung dieser Regeln sorgen. Aber! Diese Gesetze gibt es schon. Sie funktionieren. Publisher und Kontrollgremien arbeiten prima zusammen. Die Forderungen nach noch mehr Verboten sind daher reiner Populismus. Schön, dass man es im zuständigen Ministerium genauso sieht.

83 Kommentare Autor: Stefan
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Viel zu viel zu wenig

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Eine der Fragen die in diesen unsäglichen Interviews mit Spieleentwicklern immer wieder auftaucht ist “Wie lang ist denn das Spiel?”. Macht ja auch Sinn, schließlich wissen wir alle, dass nur ein langes Spiel so richtig gut sein kann. Man will ja was für sein Geld haben. Ganz klar, Hummer Badlands wäre doppelt so gut gewesen, wenn es nur doppelt so lang gewesen wäre.

Eine andere beliebte Frage lautet “Wie viele Waffen hat das Spiel?”. Seht ihr, die deutsche Printpresse hat es nämlich doch verstanden. Die Qualität eines Spieles wird in nicht unerheblichem Maße von der Anzahl der darin verfügbaren Waffen bestimmt. Ohne Frage, mit zehn Waffen mehr, hätte Half-Life 2 sicher noch 10% höhere Wertungen verdient gehabt, und mit einer ordentlichen Schrotflintenoption würde Singstar auf deiner Party erst so richtig Stimmung verbreiten.

Deswegen habe ich eine gute Nachricht für euch. Bei Titan Quest kann man die erste Frage mit “lang” beantworten und die zweite mit “viele”. Ein richtig langes Spiel mit total vielen Waffen also.

Damit wäre das Thema dann wohl abgehakt. Super Spiel, 92%, Antigames Award für besonders viel Zeugs, kauft es auch.

Oder auch nicht, denn da gibt es einen kleinen Haken. Beide Antworten sind zwar technisch gesehen korrekt, aber es fehlt leider ein kleines Wörtchen. Dieses Wörtchen lautet “zu”. Zu lang. Zu viele.

Jawohl, es gibt so etwas wie ein zu langes Videospiel. Titan Quest ist so ein Spiel. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich schon gespielt habe, aber ich bin immer noch in Griechenland und habe da laut Karte auch noch lange nicht jede Stadt gefunden. Dabei stellt Griechenland wohl nur ein Drittel des Umfangs von Titan Quest dar, denn man darf später auch in Ägypten und China Monster vermöbeln. Jedenfalls knabbert das Spiel so langsam aber sicher an meinem Motivationsvorrat.

Anfänglich war der noch ziemlich groß. Erstmal hat es schon lange keine vernünftiges Hack’n'Slash RPG für den PC mehr gegeben. Dungeon Siege 2 war eher doof und mehr Spiele fallen mir gar nicht mehr ein. Ach ja, da war noch das altbackene Sacred, aber das war halt…altbacken. Außerdem gefällt mir das Szenario. Das alte Griechenland bietet mit seinen bekannten Mythen eine Welt die einerseits bekannt genug ist, um sich darin gut zurecht zu finden, andererseits aber von Videospielen noch nicht so abgegrast ist, dass ich sie nicht mehr sehen kann.

Schließlich ist da noch die Grafik. Damit hat man sich bei Iron Lore richtig Mühe gegeben und man kann wirklich sehen, wo die sechs Jahre Entwicklungszeit geblieben sind. Ich behaupte mal ganz dreist, dass Titan Quest das bisher schönste Spiel des Jahres ist. Von einer unglaublich satten Farbpalette bis hin zu einem geschmackvollen Monsterdesign, bietet es alles was das Herz eines Spielers mit Sinn für Ästhetik und einer schnellen Grafikkarte höher schlagen lässt.

Wie gesagt, die Motivation war da. Zu dumm, dass man nie das Gefühl hat irgendwie Fortschritte zu machen. Das Skillsystem ist mit seiner Flexibilität eigentlich ziemlich gelungen, zumal hier ausnahmsweise mal nicht das Motto “viel hilft viel” angewandt wurde und darauf verzichtet wurde, den Spieler mit haufenweise nutzlose Fähigkeiten auszustatten. Leider kriegt man mit dem Levelaufstieg nie genügend Punkte, um wirklich das Gefühl zu bekommen, dass man mächtiger wird.

Man sieht, Titan Quest hat nicht nur jede Menge zu viel, es hat auch jede Menge zu wenig. Nicht nur zu wenig Skillpunkte pro Level, sondern auch zu wenig Geschichte. Irgendwann wurde mal groß angekündigt, dass Randall Wallace, Drehbuchautor von Braveheart und Pearl Harbor, an der Geschichte des Spiels gearbeitet hätte. Da mag jetzt bei manchem Leser zu akutem Naserümpfen führen, aber sehen wir den Tatsachen mal ins Auge. Selbst melodramatischer Schwachsinn wie Pearl Harbor ist besser geschrieben als 99% aller Videospiele. Titan Quest hingegen bietet nicht mal melodramatischen Schwachsinn. Der Grund warum durch Griechenland rennt und ganze Familienpackungen von Monstern vermöbelt ist schlichtweg, dass sie da sind. Quests sind rar gesät, dünn beschrieben und meist im Vorbeigehen erledigt. Nach einer großen Wiese in Griechenland voller Monster kommt meistens noch eine große Wiese voller Monster in Griechenland. Kommt man dann in ein Dorf und freut sich auf Abwechslung, muss man meist feststellen, dass es keine gibt. Die Geschichte wird nicht fortgetrieben (ist ja auch etwas schwierig, wenn es keine gibt) und wenn man Glück hat kriegt man eine magere Sidequest an die Backe geklebt. Das war’s.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Speichersystem. Davon gibt es nämlich irgendwie auch zu wenig. Man kann zwar speichern, aber alles was das tut, ist sich zu merken, welchen Wiederbelebungsbrunnen der Charakter zuletzt aktiviert hat und seine Charakterwerte plus Inventar zu sichern. Das führt beim zweiten Start des Spiels zu einem argen Schock, wenn man feststellen muss, dass man die letzte Dreiviertelstunde des Spiels noch mal spielen darf. Wären die blöden Brunnen wenigstens halbwegs regelmäßig postiert, wäre das nicht so dramatisch. Sind sie aber nicht. Nerv.

Das klingt jetzt alles vielleicht etwas negativer als in Wirklichkeit angemessen ist. Ohne Frage ist Titan Quest ein sehr ordentliches Spiel. Gutes Gegnerfeedback kombiniert mit einem prima Skillsystem sorgen beim Verhauen der Monster für eine gute Portion Spaß, zumal das Ganze eben mit wirklich edler Optik garniert wurde.

Deswegen habe ich Titan Quest auch noch nicht aufgegeben. In mir wächst aber der Verdacht, dass ich Griechenland nicht mehr verlassen werde. Es gibt einfach zu viel davon.

36 Kommentare Autor: Richard
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Leichen pflastern ihren Weg

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Und das ist auch gut so, schliesslich steht Ragnarök vor der Tür, und in Asgard herrscht gerade ein eklatanter Mangel an Kriegern. Also beschliesst ein etwas gelangweilt wirkender Odin, die Valkyre Lenneth nach Midgard zu schicken um geeignete Einherjar für den bevorstehenden Weltuntergang zu sammeln.

Ihr ahnt es wahrscheinlich, es geht um Valkyrie Profile: Lenneth, das wahrscheinlich teuerste Playstation-Spiel aller Zeiten. Besser gesagt, um dessen kürzlich erschienene PSP-Umsetzung. tri-Ace sind ja bekannt für ihre ungewöhnlichen Rollenspiele, und auch dieses Spiel macht da keine Ausnahme. Das fängt schon beim Szenario an; statt wie üblich die Vernichtung der Welt zu verhindern, kommt es hier nur darauf an den Æsir zum Sieg über die Eisriesen zu verhelfen. Folgerichtig müssen daher alle Charaktere die man so trifft erstmal sterben. In ausgedehnten Zwischensequenzen werden tapfere Krieger heimtückisch gemeuchelt, Prinzessinnen vergiftet und Ritter zu Tode gefoltert, nur um anschliessend als Einheri an Lenneths Seite zu kämpfen.

Ähnlich ungewohnt gibt sich die Spielstruktur. Es gibt keine durchgehende Story, vielmehr ist Valkyrie Profile in Zeiteinheiten bis zur Apokalypse eingeteilt, die sich wiederum über acht Kapitel erstrecken. Städte besuchen, die Seelen der Gefallenen einsammeln, Dungeons erforschen – alles kostet wertvolle Zeit, und am Ende jedes Abschnitts kommt Freya vorbei um über den Fortgang der Schlacht gegen die Vanir zu berichten. Je mehr und bessere Krieger man in der Zwischenzeit nach Asgard geschickt hat, desto wohlwollender gibt sich Odin und bedenkt Lenneth mit grosszügigen Geschenken. Das Problem ist nur, so ein hochgelevelter Kämpfer fehlt dann natürlich in der eigenen Party, was die folgenden Dungeons deutlich schwerer macht. Ein kniffliger Balanceakt.

Aber lassen wir den Testaspekt mal einen Moment beiseite, ausführliche Reviews gibt es schliesslich genug. Viel wichtiger ist Valkyrie Profile als Indikator für die Qualität der unlängst versprochenen emulierten PS1-Spiele. Und da habe ich gute Nachrichten für euch. Lenneth sieht auf der PSP hervorragend aus! Natürlich muss man berücksichtigen, dass das Spiel für 16:9-Darstellung angepasst wurde (was manchmal zu unschönen Blur-Effekten führt), aber die Sprite-basierte Grafik und die gezeichneten Hintergründe haben nichts von ihrer zeitlosen Eleganz verloren. Hinzu kommen ein bombastischer Soundtrack und glasklares Voice Acting, die über Kopfhörer so richtig gut zur Geltung kommen. Auch die Akkulaufzeit der Konsole ist kein grosses Problem. Erstens ist Valkyrie Profile durch seine episodische Struktur eh prima dafür geeignet, für (relativ) kürzere Zeiten am Stück gespielt zu werden, und zweitens geht die PSP bei Energiemangel in den Standby-Modus, so dass der aktuelle Fortschritt nicht verloren geht. Die Ladezeiten sind ebenfalls vernachlässigbar und sollten bei den tatsächlich emulierten Spielen noch weniger ins Gewicht fallen, da sie ja schliesslich vom Memory Stick gestartet werden.

Alles in allem bin ich daher sehr zufrieden mit Valkyrie Profile Lenneth, nicht nur weil es ein ausgezeichnetes Rollenspiel ist, sondern auch weil es meine Vorfreude auf demnächst tragbare Spiele wie Castlevania: Symphony of the Night, UmJammer Lammy oder Persona 2 enorm gesteigert hat. Apropos Castlevania: laut 1up.com erscheint Symphony of the Night in Kürze auf Xbox Live Arcade. Wer dann nicht zugreift ist selber Schuld.

14 Kommentare Autor: Stefan
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Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

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Genau das ist mit der E3 passiert. Das größte und wichtigste Branchenevent der Videospielewelt ist von einem auf den anderen Tag verschwunden. Einfach so. Futsch! Der Grund? Es war den großen vier wohl einfach zu teuer. Zweistellige Millionensummen hat so ein richtig großer Auftritt dort dieses Jahr verschlungen, und anscheinend war das einige Leuten zu teuer.

Tja, und wenn Sony, Nintendo, Microsoft und EA sagen, dass sie nicht mehr kommen, dann muss man den Laden wohl dicht machen. Tatsächlich sind einige Firmen wohl so glücklich darüber, nicht mehr zu E3 kommen zu müssen, dass sie der ESA glatt einen zweistelligen Millionenbetrag überweisen, um ihre Ruhe zu haben.

Stattdessen wird es wohl mehr firmenspezifische Events geben. Ruhiger, weniger Schlangen, weniger Konkurrenzdruck, mehr Kontrolle und all das für weniger Geld. Die GDC wird eine Stufe wichtiger werden, die GC ist plötzlich das größte Spieleevent der Welt und gametrailers.com wird nächstes Jahr im Mai eine wesentlich niedrigere Bandbreitenrechnung kriegen, als dieses Jahr. Alles in allem wird sich die Videospielewelt aber weiter drehen wie zu vor.

Einzig interessant dürfte noch die Reaktion der Stadt Los Angeles sein. Mit der hat die ESA nämlich vor nicht allzu lange Zeit noch den Vertrag für die E3 verlängert. Angeblich hat LA durch jede E3 mindestens 20 Millionen Dollar an direkten Ausgaben der Besucher eingenommen. Allein für die ganzen arbeitslosen Schauspielerinnen, die durch ihre Arbeit als Booth Babes und gametrailers.com Moderatorinnen mal für ein paar Wochen von der Straße runtergekommen sind, war die E3 ein Segen und auch die Taxifahrer haben in LA wohl zur E3 so viel verdient, wie sonst nie. Für soviel Kohle kann man also schon mal den Anwalt anrufen und schauen, ob man nicht auf den Vertrag pochen kann, zumal das neue Event, die “E3Expo” (ist das dann eigentlich die “Electronic Entertainment Expo Expo”?), nicht mal mehr ein Zehntel der Besucher haben und vom Convention Center in ein Hotel umziehen soll. Aber auch Los Angeles wird EA oder Sony nicht dazu bringen, wieder einen 15 Millionen Euro Kampfstand aufzubauen und somit war es das wohl.

Ein bisschen Schade ist es trotzdem. Erstens: Ich war nie da. Diesen Wahnsinn hätte ich gerne mal persönlich erlebt, wenn auch sicher nicht mehr als einmal. Zweitens: Die E3 war immer spannend. Eine Woche im Jahr konnte man sich vollständig von Spielevideos ernähren und aufgeregt diskutieren, wer denn dieses Jahr “gewonnen” hat. Das hatte was.

Und das ist jetzt weg.

32 Kommentare Autor: Richard
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