Globaler Thermonuklearer Krieg
Samstag, September 30th, 2006 
DEFCON 5. Alle diplomatischen Bemühungen sind gescheitert. Südamerika, Afrika und Südostasien haben sich in einem Militärbündnis zusammengeschlossen. Als Reaktion finden sich die Vereinigten Staaten, Europa und die Sovietunion hastig zu einer strategischen Allianz zusammen. Russische Flottenverbände beziehen im Pazifik Stellung, afrikanische und amerikanische Zerstörer patroullieren im Atlantik. Der Polarkreis wird hermetisch abgeriegelt. Weltweit werden Jagdgeschwader in Alarmbereitschaft versetzt.
DEFCON 4. Die Lage ist angespannt. Sovietische U-Boote erreichen unbemerkt die Westküste Südamerikas. Deutsche Aufklärungsflugzeuge dringen tief in afrikanisches Hoheitsgebiet ein und entdecken unbekannte Raketensilos. Im Atlantik treffen nord- und südamerikanische Kriegsschiffe aufeinander, es kommt zu kleineren Scharmützeln.
DEFCON 3. Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konfliktes stirbt, als sovietische Langstreckenbomber wichtige Radarposten im Herzen Chinas vernichten und den asiatischen Riesen damit blenden. In der Nordsee versenken europäische U-Boot-Jäger eine Rotte afrikanischer Unterseeboote. Im Golf von Mexiko werden massive Seestreitkräfte zusammengezogen. Tag und Nacht starten Jagdflieger von Flugzeugträgern und werfen Bombenteppiche über Mittelamerika ab.
DEFCON 2. Südamerikanische Bomber zerstören eine zentrale Luftabwehrstellung in Texas. US-Kampfjets liefern sich erbitterte Gefechte mit brasilianischen Bomberstaffeln. Ein Grossteil der europäischen Marine ist im Atlantik vernichtet worden. Im Pazifik versenken japanische Zerstörer einen Verband sovietischer Flugzeugträger. Afrika erkennt die Schwäche seines asiatischen Nachbarn und kündigt die südliche Allianz auf. Radaranlagen auf der arabischen Halbinsel gehen in Flammen auf. Die Welt steht am Abgrund.
DEFCON 1. Das Kontrollzentrum meldet den Start interkontinentaler Raketen von US-amerkanischen U-Booten im Nordatlantik. Langsam bewegen sich die grünen Leuchtpunkte auf der strategischen Weltkarte in Richtung des afrikanischen Kontinents. Kurze Zeit später fliegen chinesische Atomraketen in den nahezu ungeschützten Osten der Sovietunion. Europa igelt sich hinter seinem lückenlosen Raketenschild ein und beobachtet das Geschehen. Das russische U-Boot-Geschwader vor Südamerika erhält den Feuerbefehl, wird aber von peruanischen Zerstörern entdeckt, bevor es grossen Schaden anrichten kann. Die Weltkarte beginnt sich mit Raketenflugbahnen zu füllen. Auf einmal ein heller Blitz, ein riesiger Atompilz steigt über Irkutsk auf. In wenigen Sekunden sterben 2,4 Millionen Menschen. Kurz darauf verglühen weitere Städte im Osten der UdSSR im nuklearen Feuer. Die Rache des sovietischen Riesen ist fürchterlich. In rascher Folge werden Ziele in Saudi-Arabien, China und Indien von russischen Interkontinentalraketen getroffen. Die wenigen Überlebenden des atomaren Infernos sterben im Feuerregen, den Langstreckenbomber niedergehen lassen. Zur gleichen Zeit wird die Ostküste der Vereinigten Staaten vollkommen vernichtet. Mittelamerika brennt. Aus Afrika werden Explosionen in allen grösseren Städten gemeldet. Einige südamerikanische Raketen durchdringen den europäischen Verteidigungsschild und lassen einen tödlichen Aschefilm auf Grossbritannien sinken. In diesem Moment fällt Europa seinem Nachbarn in den Rücken. Ein Schwarm von Raketen steigt über der Barentssee auf, und auch die rasch herbeigerufenen U-Boot-Jäger können das Unheil nicht verhindern. Mehr als 20 Millionen Menschen sterben alleine in Moskau und Leningrad. Der russische Gegenschlag scheitert zum grössten Teil am dichten Abwehrnetz über Polen, es werden lediglich einige kleinere Ziele in Osteuropa getroffen.
Ich stelle meinen inzwischen kalten Tee beiseite und lehne mich zurück. Das Spiel ist vorbei. Im Kommandozentrum gratuliert man sich zu einem gelungenen Krieg und Europa zu seinem ausgezeichneten taktischen Schachzug. Obwohl ich nicht einmal selbst gespielt habe, gehe ich noch Stunden später mögliche Fehler und bessere Strategien in dieser Partie durch. Es ist einfach faszinierend, dieses Spiel in dem niemand gewinnt. Während ich noch darüber nachdenke werden die Karten neu gemischt, und der Krisenstab erklärt Defcon 5.














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