Studiendesign könnte besser sein

Objection2.jpg

Vorhin bei Heise online gelesen: Niedersachsens Innenministerium will den Jugendschutz verbessern. Was in soweit erstaunlich ist, da das Bundesjugendministerium die bestehende Regelung erst vor kurzem für vollkommen ausreichend befunden hat. Aber nein, Innenminister Schünemann (müßig zu erwähnen, dass er auf der Gehaltsliste der CDU steht) sieht Handlungsbedarf, und arbeitet zusammen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen an Verbesserungsvorschlägen.

Dagegen gibt es zunächst mal überhaupt nichts einzuwenden, schliesslich gehört der Schutz der Jugend irgendwie auch in Schünemanns Aufgabengebiet. Problematisch ist nur, dass er schon im Vorfeld zu verstehen gegeben hat, was er unter Verbesserung versteht. Laut Heise gehört der Innenminister zum christdemokratischen Herstellungs- und Vertriebsverbot Lager, und kann sich mit der Haltung der Bundesregierung so garnicht anfreunden. Was liegt da näher, als sich mit anerkannten Experten für Jugendgewalt zusammenzutun? Leider ist auch der Direktor des KfN, Prof. Christian Pfeiffer, für informierte Videospieler kein unbeschriebenes Blatt. Wieder und wieder und wieder hat sich Herr Pfeiffer öffentlich als Kritiker von gewalttätigen Spielen hervorgetan, so dass die Frage erlaubt sei: was bitte soll bei der Schünemann-Studie herauskommen? Was, wenn die KfN-Forscher zu dem Schluss kommen, dass derzeit alles in Ordnung ist? Werden die Ergebnisse dann unter den Teppich gekehrt, wie es zum Beispiel die Tabakindustrie macht? Mal ehrlich, wenn Schünemann und Pfeiffer über Videospiele plauschen ist das wahrscheinlich in etwa so wie die angeregte Diskussion von Bush und Crichton zum Thema Klimawandel.

Bleibt zu hoffen, dass auch dieser “populistische Schnellschütze” vom Bundesjugendministerium abgewatscht wird. Übrigens, die nächste Landtagswahl findet in Niedersachsen im Frühjahr 2008 statt. Ich gehe jede Wette ein, dass pünktlich zum Wahlkampf ein paar opportune Ergebnisse vorliegen.

28 Kommentare Autor: Stefan
Tags: , , , ,

28 Kommentare

  1. Warum verbietet man nicht einfach der Jugend mit elektronischen Medien zu spielen ? Damit wären doch alle Probleme gelöst. Fernsehen sollte erlaubt bleiben, denn Fernsehen ist harmlos. Kennt man ja.

  2. Genau, wen interessieren schon noch Softpornos oder Gewalt in den Nachrichten?

    Verblödende Talkshows, quatsch! Die Vermitteln alle wichtige soziale Kompetenz … alter ey!

  3. Vor allem würde mich mal interessieren, wie Herr Schünemann seine Mitgliedschaft im Sportschützenverein im Zusammenhang mit dem Erfurter Attentat sieht? Ob er auch für ein Verbot von Sportchützenvereinen ist, da der Erfurter Schütze Mitglied in einem solchen wahr und dort das Schießen mit ECHTEN Waffen gelernt habe. Also Laden, Entsichern und Schießen. Kimme und Korn usw. Ich bin mir ganz sicher, das nicht ein einziger Killerspiel Spieler in der Lage ist eine echte Waffe zu laden, zu entsichern und abzufeuern, wenn er es nicht vorher im Sportschützenverein gelernt hat.

    Naja, vielleicht sollte man allen Sportschützenvereinsmitgliedern eine Fußfessel angedeihen lassen, wie er es jüngst für “verdächtige Ausländer” gefordert hat…

    Und von der Pfeiffe…Verzeihung Herrn Pfeiffe möchte ich gern wissen woher er seine Erkenntnisse zieht, das er diese Behauptungen als Tatsachen hinstellt.

  4. Dagegen gibt es zunächst mal überhaupt nichts einzuwenden, schliesslich gehört der Schutz der Jugend irgendwie auch in Schünemanns Aufgabengebiet.

    Nein, nicht einmal das. Jugendschutz gehört in das Aufgabengebiet des Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, wie es in Niedersachsen heißt, nicht in das Innenministerium. Deshalb ist es mir auch ein Rätsel, weshalb sich deutschlandweit so viele Innenminister für dieses Thema zuständig fühlen. Sie sind es nicht.

  5. Daher auch das irgendwie. Könnte man nicht argumentieren, dass die Prävention von Jugendgewalt ins Resort des Innenministers fällt? Aber du hast natürlich recht, die Story hat einen faden Beigeschmack von Profilierungssucht.

  6. Zum Thema Sportschützen Verein. Wie wir seit Erfurt wissen, lernt man im Sportschützen verein den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen, so wie Disziplin und daher muß man solche Sportvereine nicht noch mehr regulieren als man es jetzt breites tut. Der Amokläufer von Erfurt war schließlich ein bedauerlicher Einzelfall mit zerrütteter Psyche.
    Über die Vereine haben dann auch diverse Politiker Schützend ihre Hand gehalten.

  7. Ja, hast Recht, Stefan. So könnte man argumentieren. Irgendwie. Für mich klingt das allerdings verdammt nach Verbraucherschutzminister Seehofer, der versucht, sich über alle möglichen Hintertürchen in der Gesundheitspolitik zu profilieren, weil er eigentlich lieber the next Ulla Schmidt geworden wäre.

  8. Ziel müsse es sein, dass die brutalen Spiele in Deutschland nicht verbreitet oder gar nicht erst hergestellt werden dürften.

    Wenn ich das schon lese bekomm ich das blanke kotzen. Jugendschutz schön und gut, aber wieso sollen die volljährigen darunter leiden?

  9. ausgezeichnet! ist doch gut, wenn es mehr unabhängige studien gibt und die soziale entwicklung der jugend gewährleistet wird – zwar ohne garantie aber immerhin… seid nicht so negativ.

  10. Und das Rad dreht sich weiter. Das wird nie aufhören. Glücklicherweise ist Jugendschutz glaube ich keine Ländersache, insofern kein ein Landesminister da nicht viel machen. Und die Bundesregierung hat ja gerade erst ihre Meinung zu dem Thema verlauten lassen. Auch die grünen und die FDP sind ja grundsätzlich der Meinung, dass mehr Jugendschutz im Bereich Videospiele nicht nötig sind. Inzwischen ist die CDU/CSU die einzige Partei, in der solche Strömungen noch vorkommen. Irgendwie muss man die Rentnerstimme ja kriegen und was sinnvolles für alte Leute zu machen, würde halt Geld kosten. Zumindest mehr Geld als die Studie, für due die Einwohner des Landes Niedersachsen wahrscheinlich zahlen dürfen. Wer hier in Niedersachsen wohnt, könnte ja mal dezent per E-Mail bei der Landesregierung anfragen, ob es wirklich okay ist Steuergelder für Studien zu verwenden, deren Ergebnis schon vorher fest steht und bei denen es sich faktisch um Wahlwerbung handelt.

  11. Genau! Ich finde Schünemann und Pfeiffer sollen sich schön gepflegt mal gehackt legen und sich um die wirklichen Probleme in unserem Land kümmern. Z.b.

    ob es wirklich okay ist Steuergelder für Studien zu verwenden, deren Ergebnis schon vorher fest steht und bei denen es sich faktisch um Wahlwerbung handelt.

  12. Glücklicherweise ist Jugendschutz glaube ich keine Ländersache, insofern kein ein Landesminister da nicht viel machen.
    Falsch, Jugendschutz war und ist schon immer Ländersache. Die Länder sitzen sogar im Beirat der USK. Der Schünemann ist allerdings aus dem falschen Ressort, denn Sache der Innenminister war Jugendschutz wirklich noch nie, weder auf Landes- noch auf Bundesebene.

  13. Ähem, sorry, da fehlt ein “auch”… es ist “auch” Sache der Länder.

    Konkret sitzen laut USK im Beirat: Vertreter des Bundesjugendministeriums und der Obersten Landesjugendbehörden sowie Vertreter der Kirchen, der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, von Jugendämtern, aus der Wissenschaft, aus Jugendorganisationen und der Industrie.

    Die Freigaben der USK selbst sind Verwaltungsakte der Obersten Landesjugendbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen, das für die Länder in Sachen Alterskennzeichnung von Computerspielen federführend ist.

  14. Nur weil sie im USK Beirat sitzen, heisst das nicht, dass das Ländersache ist. Die Frage ist, wer das Recht entsprechende Gesetze in der Richtung zu veranlassen. Da die Lage in Bayern nicht schlechter ist, als in anderen Ländern und die CSU dort zum Kaiser auf Lebenszeit ernannt worden ist, vermute ich mal, dass die Länder in der Hinsicht nur begrenzt viel zu sagen haben. Macht auch irgendwie Sinn, sonst kann man nämlich anfangen den Zoll auch an den deutschen Landesgrenzen zu postieren, zwecks Überprüfung, ob die von Hessen nach Bayern verschickten Spiele dort auch wirklich erlaubt sind.

    Weiß da jemand die genau rechtliche Lage? Ich habe leider keine Zeit für recherchen.

  15. Das wirklich Traurige an der ganzen Posse ist doch, dass es schon längst nicht mehr um Jugendschutz und die angeblich apocalypsebringenden Videospiele geht, sondern in der Tat nur noch um populistische Motive und die Eitelkeiten von ein paar Zweite-Reihe-Politikern, die von der Materie keine Ahnung haben.
    Das es auch zig Studien gibt, die den Spielen eine positive, förderliche, ja gar gesundmachende Funktion zuschreiben, interessiert leider nicht, denn der Deutsche an sich guckt ja am liebsten auf das Negative.

  16. Innenminister Schünemann (müßig zu erwähnen, dass er auf der Gehaltsliste der CDU steht)

    Steht der nicht eher auf der “Gehaltsliste” des Landes Niedersachsen?

  17. Jetzt wollen wir mal nicht Haare spalten. Wenn Politiker komplexe Zusammenhänge regelmässig auf Stammtisch-Niveau zusammenschrumpfen, dann darf ich das ja wohl erst recht :-)

  18. In einer Zeitschrift hätte ma da geschrieben “müßig zu erwähnen, dass er das CDU-Parteibuch besitzt” oder so was.

  19. Weiß da jemand die genau rechtliche Lage? Ich habe leider keine Zeit für recherchen.

    Wie gesagt, es ist auch Sache der Länder. Das Jugendschutzgesetz ist ein Bundesgesetz, der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist Ländersache. Die Unterteilung ist wie so oft völlig unsinnig, der Bund ist für Trägermedien zuständig und die Länder für Rundfunk- und Telemedien.

    Das CSU-Beispiel ist unglücklich, weil hier, wie ebenfalls erstaunlich oft, ja eine Einigung zwischen allen Ländern erreicht werden muss und nicht jedes Land sein Ding machen kann. Das zeigt sich auch in der Berechtigung für Schünemanns Vorhaben, denn das macht der nicht im Alleingang: Niedersachsen hat für dieses Projekt von der Innenministerkonferenz den Auftrag erhalten. (Siehe Pressemeldung des Ministeriums)

    Desweiteren sind wie gesagt die Freigaben der USK rechtlich Verwaltungsakte der Obersten Landesjugendbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen, nicht des Bundes.

  20. Frozen Mr. Toastbrot

    Ach ja, immer wieder herrlich, die Diskussion um den Jugendschutz.
    In Amerika würden die Spieler schwarz sehen, wenn der Jugendschutz dort auch nur annähernd auf das Deutsche Niveau gehoben würde. Einige Richter würden da übrigens auch schwarz sehen, da es ja (in einigen Staaten) scheinbar verfassungswidrig ist, Spielebewertungen für Händler bindend zu machen, und ihnem bei Verstößen ein Strafgeld aufzuerlegen.
    Einige unserer geliebten deutschen Politiker sollten sich einmal umschauen und feststellen, dass unser Jugendschutz wesentlich besser ist, als der in anderen Teilen der Welt.

  21. ARGH! Von allen Namen die ich hier jetzt nicht unbedingt lesen wollte, ist HEISE der Toptreffer. Seit 1 1/3 Stunden aus’m Büro, und jetzt unterwandert mein Arbeitgeber sogar meinen Lieblingsspieleblog! WELTVERSCHWÖRUNG!

  22. HAHA!
    Vielleicht würde Heise ja antigames sponsorn?
    Dann kämen wir hoffentlich auf das gleiche Niveau wie das Heise-Forum! Das wäre schön.
    Ach Ja:
    “Heise, Heise!”
    “Hat hier jemand Heise gesagt?”
    “Sie wars, sie wars…”
    “Ähhh, er wars, er wars!”
    STEINIGUNG!

  23. Na um auf das Niveau zu kommen müssen wir uns aber noch gehörig anstrengen. Nach Berichten über Sicherheitslücken in egal welcher Software wird das Forum da drüben ja regelmässig zur no-go-area.

  24. Mit Linux wäre das nicht passiert…;)

  25. Oh, und übrigens:

    Gyakuten Saiban 2 (Best Price) / Phoenix Wright: Ace Attorney Justice for All (DS)

    Language: English/Japanese (selectable)

    Hihi.

  26. @GeschnittenBrot:

    Ich bin mir ganz sicher, das nicht ein einziger Killerspiel Spieler in der Lage ist eine echte Waffe zu laden, zu entsichern und abzufeuern, wenn er es nicht vorher im Sportschützenverein gelernt hat.

    Wenn ich ein Killerspiel-Spieler bin (UT), dann wäre ich da an deiner Stelle nicht so sicher. Ich habe nämlich bei der Bundeswehr gelernt eine Waffe zu laden, zu entsichern und abzufeuern. ;)
    Übrigens kann _das_ noch so ziemlich jeder (auch wenn er vorher noch keine Waffe in der Hand hatte), wenn er nicht schon total verblödet ist. Die Kunst ist dann eher, das zu treffen, was man auch treffen will.

  27. …obwohl das bei einem Amoklauf ja auch ziemlich egal ist…

  28. …gar nicht, der kanadier hat wohl garnix getroffen…