Auf den Flügeln der Freiheit

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So eine Diplomarbeit hält einen gegen Ende ziemlich auf Trab. Da bleibt wenig Zeit zum Spielen übrig, was einen irgendwann auf seltsame Gedanken bringt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spiel, das sich quasi selber spielt?

Ja, ich weiß. Doofe Idee. Das ist wie ein Sportwagen mit Automatik oder wie Cola ohne Zucker. So was könnte man höchstens an Frauen verkaufen. Seid ehrlich, wäre eure Freundin nicht auch manchmal froh, wenn sich eure Spiele selbst spielen könnten, und ihr mehr Zeit mit ihr und weniger mit Jade, Lara oder Princess Peach verbringen würdet?

Natsume hat jetzt die Lösung für Leute, die mit Diplomarbeiten oder Freundinnen geschlagen sind, und sie nennen sie „Freedom Wings“. Auf den ersten Blick wirkt Freedom Wings wie eine Art Crimson Skies fürs Nintendo DS. Die Screenshots zeigen altmodische Propellerflugzeuge wie sie in etwas schwachbrüstiger 3D-Grafik Luftkämpfe ausfechten. Auch das Cover mit seinem lässigen Pilotenhelden, inklusive Lederhelm, Pilotenbrille und Seidenschal deutet irgendwie ziemlich auf 3D-Luftkampf-Action hin.

Deshalb habe ich es auch gekauft. War natürlich so ein Spontankauf, ich habe nicht richtig recherchiert. War günstig, sah putzig aus, gekauft. Wenn ich aber genau hinschaut hätte, dann wäre mir wahrscheinlich auf der Rückseite der Packung das Kürzel „RPG“ aufgefallen.

Wie bitte? Ein Rollenspiel?

Jawohl, ein Rollenspiel. Mit indirekter Steuerung. In Freedom Wings steuert man sein Flugzeug nämlich nicht direkt, sondern wählt sein gewünschtes Ziel mit dem Stylus auf einer Karte im unteren Bildschirm an. Daneben gibt es noch zwei Regler für Flughöhe und Geschwindigkeit und das war es dann auch schon.

Ziele können dabei beliebige Orte auf der Landkarte, aber auch gegnerische Flugzeuge sein. Wählt man diese aus, so greift das eigene Flugzeug automatisch an. Das macht es allerdings nicht sonderlich geschickt. Ein Angriff besteht immer darin, dass der direkteste Weg zum Gegner genommen und die Kanone abgefeuert wird, sobald man in Reichweite ist. Da die Gegner genauso doof sind, läuft es immer auf Lanzenstechen hinaus. Wer die dickere Wumme hat, gewinnt.

Apropos dickere Wumme. Die kann man natürlich ausbauen. Genauso wie den Motor, die Flügel, die Panzerung und noch einen ganzen Haufen anderer Sachen, die man gegen bare Münze verbessern kann. Wie in jedem ordentlichen Rollenspiel gibt es natürlich auch Erfahrungspunkte, die zu Level-ups führen, die einen ebenfalls stärker machen.

So ganz so blöd ist das Konzept ja eigentlich nicht. Mit der indirekten Steuerung könnte man strategisch einiges machen und so ein Luftpiratenrollenspiel ist ja auch immer eine Sache für die ich mich begeistern könnte. Leider ist die Story so dünn wie die Luft in der Stratosphäre und auch ordentliche Quests gibt es so gut wie nie. Eigentlich muss man nur diverse Inseln von der dortigen Piratenpräsenz befreien und gut.

Dennoch blitzt hin und wieder ein brauchbares Spiel durch. Die Grafik ist hübscher, als sie auf Screenshots aussieht, die Musik angemessen piratig und wenn mal eine Eskortmission auftaucht, kommt sogar ein Hauch von Spaß ins Spiel. Da muss man nämlich wirklich überlegen, welchen Gegner man zuerst angreift, wo das zu beschützende Flugzeug danach sein wird und ob man dann noch rechtzeitig zum nächsten Gegner kommt.

Praktisch sind solche Momente aber sehr selten. Praktisch spielt sich Freedom Wings von selbst. Man startet, klickt auf der Karte seinen Zielflughafen an und gut. Man fliegt dann automatisch dort hin, schaltet unterwegs automatisch die Gegner auf, bekämpft diese automatisch und landet dann, für den Fall dass einem keine Gegner mit zu dicker Wumme begegnet sind, automatisch am Ziel.

Kurzum: So aufregend wie ein Opel Zafira. Außer ihr müsst gerade eine Diplomarbeit schreiben oder eure Freundin nervt. Dann könnte Freedom Wings was für euch sein.

23 Kommentare Autor: Richard
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23 Kommentare

  1. Hört sich irgendwie bescheuert an. ^^

  2. Leseverständnis: gut

  3. spiele die sich selbst spielen? am besten noch ein MMORPG? Mit megamäßigen Gilden?
    kein problem:
    http://www.progressquest.com/

  4. ein Nutzer hatte zu Progress Quest einmal gesagt:

    “Least frustrating of any game ever made!”
    The stability, ease of installation and streamlined gameplay have make PQ one of the best games ever produced. The value for the purchase price can not be beat! If you have very little time for playing games, PQ is the “must have” game of the year!

  5. Freedom Wings klingt wie etwas, was ich in einem amerikanischen McDonalds erwarten würde.

  6. Leider ist die Story so dünn wie die Luft in der Stratosphäre

    doppel-huar! mein satz des tages.

    btw: spielt sich von selbst + ds – ich hab mir vor ein paar wochen “Touch Golf: Birdie Challenge” für den ds geholt, mehr aus langeweile und weil es irgendwo so günstig war. letzte woche zum ersten mal gespielt und ehrlich gesagt habe ich das gefühl, ich kann so gut wie nichts steuern. einfach beim schlagen möglichst gerade ausholen und fertig. danach kann man eigentlich nur noch hoffen..

  7. Wie wärs mal mit Conways “Life” für den DS? ;)
    Startmuster festlegen und dann nur noch zugucken.

  8. Ein Spiel das sich selbst spielt!?
    Was genau kauf ich dann? “Futter”(Spiel) für mein “Haustier”(DS) ? ;)
    Dann möcht ich auch gleich die Konsole, die sich selbst kauft und zu mir nach hause kommt!

    Übertragen auf SchrödingersKühlschrank kann man fragen:
    “Wer sagt, dass das Spiel nicht weiterläuft, nur weil der DS aus ist?”.

  9. Wenn es aus ist, dann weiß man das genau. Aber wenn es zugeklappt ist, könnten die Spiele ja wer weiß was machen. Nintendogs hat sogar so eine Funktion mit der andere Nintendogs-Besitzer in der Nähe geortet werden, wenn ich mich nicht irre.

  10. Gut, die Frage ist mehr philosophisch. ;) Wenn das Spiel weiterliefe, dann wird zumindest kein Spielstand verändert.

    Aber was wäre, wenn ich jemand egagiere, meine Spiele zu spielen? Damit ich das Ende eines Spieles sehen kann und damit angeben kann vor meinen Kumpels, Spiel XY geschafft zu haben?! ;)
    (“Ich spiele WOW im Auftrag von …”)

  11. Gibt’s schon. Und Leute die deinen WoW Charakter für die Leveln auch.

  12. Ein Spiel das sich selbst Spiel, ist wie ein Film.
    Bzw. es ist ein Film, er erfüllt das wichtigste Kriterium, er läuft selbstständig ab.
    Unter Experten “Spielfilm” genannt. ;) ;) ;)

  13. Der gibt 12 Gummipunkte!

  14. Juhu, 12 Punkte!
    Level 2 erreicht, ich hab jetz Reading-2 und Wortwitz-2!

  15. Die Sache mit dem profesionellen Hochleveln eurer Spielcharaktere ist so eine Sache – in China sitzen gerade einige hundert Jugendliche vor der Mattscheibe und werden durch Arbeitsverträge am Bildschirm gehalten. Da hört der Spaß dann auf.

  16. Bei powerleveln hört der Spaß sowieso auf

  17. Überall in Deutschland sitzen Jugendliche vor der Mattscheibe und werden durch Arbeitsverträge am Bildschirm gehalten! Auch wenn ich kein Jugendlicher mehr bin, wäre ich ehrlich gesagt froh, wenn ich im Moment von einem Arbeitsvertrag am Bildschirm gehalten würde.

    Die Jugendlichen in China werden wohl weniger von einem Arbeitsvertrag, als von einem Baseballschläger am Bildschirm gehalten. Wobei das natürlich aus den Tagesthemen stammt, wo der Beitrag sinngemäß in etwa so anfing: “Wie ja allgemein bekannt ist, machen Computerspiele süchtig und zerstören zarte Kinderseelen. In China ist das aber noch viel schlimmer…”. Insofern da man da auch skeptisch sein.

  18. Hmm, ich fand den Beitrag eigentlich nicht so pauschal aburteilend… aber das ist im vergleich zu den alten Frontal21 Dingern vermutlich jede Reportage.

    Tendenziell wird die Berichterstattung auch in den traditionellen Medien zunehmend differenzierter. Der Spiegelartikel vor ein paar Monaten über Crytek war z.B. recht gelungen.

  19. Ich seh aber grad, auf der Tagesthemen Webseite ist der Beitrag tatsächlich so eingeläutet… hab ich damals im TV wohl nicht so recht wahrgenommen.

  20. Leider ist die Story so dünn wie die Luft in der Stratosphäre

    deshalb lese ich das hier =D
    und das… =D

    … aber die Kamera hat die unangenehme Eigenschaft, sich ständig selbst in die unmöglichsten Blickwinkel zu drehen, und selbst auf höchster Empfindlichkeit ist man aufgrund der immer noch zu geringen Sensitivität die ganze Zeit am Kurbeln wie Conan zu seinen besten Sklavenarbeitszeiten.

    besonders wenn man noch die szene grad vor den augen hat. geil.

  21. Und, wie ist das Spiel nun ausgegangen?
    Erfolgreich beendet und verkauft?
    Noch irgendwelche Highlights? ;)

  22. Ich verkaufe keine Spiele! Aber ich habe es beendet. Ist allerdings nicht mehr richtig viel spannendes passiert.