LoMM?

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Ich bin immer wieder überrascht, was so an mir vorbei geht. Ich bin ja eigentlich immer der Meinung, dass es in der Videospielewelt nichts gibt, worüber ich nicht genauestens Bescheid wüsste, aber manchmal lerne ich halt doch was Neues. Oder was Altes. Also was neues Altes quasi. Oder ist es was altes Neues? Egal.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass Dark Messiah gar nicht das erste First-Person Actionspiel mit Might & Magic Lizenz ist? Ich dachte echt, ich würde alle Might & Magic Spiele kennen. Von den klassischen ersten drei Teilen, über die cool kombinierbaren vierten und fünften Teile (World of Xeen!), die nahezu identischen und auch identisch furchtbaren Teile sechs, sieben und acht, sowie den auf ganz neue Art und Weise furchtbaren Teil neun. Dann war da noch die Heroes Reihe, von eins bis fünf, das etwas missglückte Swords of Xeen, was quasi eine Art World of Xeen 2 war, das ebenfalls missglückte 3rd-Person Actionspiel Crusaders of Might & Magic und dessen wenig verbessertes Sequel Warriors of Might & Magic. Sogar vom Fan-Projekt Might & Magic Tribute habe ich schon mal gehört.

Aber Legends of Might & Magic war mir neu. Das mag an zwei Dingen liegen. Zunächst mal, erschien das Spiel, als es mit Publisher 3DO so langsam zu Ende ging. Irgendwie hatte die Firma ja den Flop der 3DO Konsole überlebt und sich dann diverse Jahre mit schlechten Sequels zu Army Men und eben Might & Magic über Wasser gehalten. Beim Release von Legends of Might & Magic stand das Wasser aber schon Unterkante Oberlippe, was wohl zu einem Werbebudget von ca. 2,69€ geführt hat.

Die finanziellen Probleme von 3DO könnten auch die Ursache für das seltsame Genre des Spiels sein, denn was ursprünglich als Einzelspieler-Actionspiel mit Rollenspielelementen gedacht war, wurde später als eine Art Fantasy-Counter-Strike veröffentlicht. Obwohl, es war eigentlich nicht eine „Art“ Fantasy-Counter-Strike, sondern es war genau das. Ich wette irgendeine wichtige Person von 3DO ist damals mal bei den Entwicklern herein gekommen und hat gesagt: „Hey Jungs, wir brauchen Kohle. Dieses Actionrollenspieldingsda, an dem ihr baut, das dauert mir zu lange. Die Kids spielen doch heute alle Counter-Strike. Macht doch mal so was. Mittwoch ist Abgabe. Zack, zack!“.

Wichtige Person sprach. Und es wurde Licht LoMM.

Kleinere Unterschiede zu Counter-Strike waren im fertigen Spiel dann aber doch auszumachen. Zum Beispiel gibt es in den Leveln von LoMM neben den anderen Spielern auch noch neutrale Monster zu finden. Also Skelette, diverse Homo Dinosauriensis und auch den ein oder anderen Drachen. Außerdem sind einige der Klassen nahezu komplett auf den Nahkampf ausgerichtet, was natürlich zu anderen Taktiken geführt haben dürfte.

Außerdem ist Legends überraschend hübsch. Basierend auf der Lithtech-Engine hat es einen netten bunt-stilisierten Look und ist weder beige noch kackbraun. Gar nicht schlecht.

Ein Blick auf die Kritiken von damals zeigt aber, dass das Spiel mit einer erstaunlichen Apathie empfangen wurde. Mehr als ein Counter-Strike brauchte die Welt wohl nicht. Das haben zwar damals ca. 1.723 andere Counter-Strike-Clones auch erfahren müssen, aber die hatten nicht mal Feuerbälle und Druiden. Haupkritikpunkte in den Kritiken zu LoMM sind ein Mangel an Bots und eine schlechte Balancierung, gerade was die Nahkämpfer betrifft, die gegen Magier und Bogenschützen wohl keine Schnitte hatten.

Der finale Todesstoß für das Spiel war aber wohl, dass es keiner gekauft hat, weil keiner davon wusste. Das wiederum führte dazu, dass es kaum Server gab und somit bot sich auch keine Chance für die Bildung einer Fangemeinde, egal wie klein.

Es gibt übrigens eine Demo, aber erwartet nicht, dass noch Server laufen. Wenn ihr einen findet, dann bin ich das wohl. Ich sitze hier gerade und lasse den Server-Browser im Hintergrund laufen. Mal schauen, was passiert.

Wenn ihr also diese Woche Dark Messiah of Might & Magic spielt, gedenkt für ein paar Minuten seinem armen älteren Bruder Legends of Might & Magic. Der hat nie eine Chance bekommen und wohnt jetzt wahrscheinlich einsam und allein irgendwo unter einer Brücke. Eigentlich nicht fair.

14 Kommentare Autor: Richard
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14 Kommentare

  1. Tja, dieses Spiel steht bei mir noch im Regal und ich habe es wirklich gemocht. Jedoch schwanden die Server schneller als bei C&C Renegade.

    Deshalb gedenke ich dem Spiel an dieser Stelle mit dir und erinnere mich an die kurze, aber schöne Zeit die ich mit ihm verbracht habe.

    K.

  2. Erinnert mich vom Aussehen sehr an Wheel of Time. Obwohl WoT wohl noch ein wenig hübscher und düsterer aussieht.

  3. Frozen Mr. Toastbrot

    Mit mindestens 2/3 der aufgezählten Might & Magic Titel kann ich absolut nichts anfangen, weil ich noch nie davon gehört habe, aber ausgerechnet LoMM ist mir irgendwo weit entfernt im Unterbewusstsein ein Begriff.

  4. und wohnt jetzt wahrscheinlich einsam und allein irgendwo unter einer Brücke.

    HA HA!

  5. Wäre vielleicht praktischer ein Antigames Lomm event zu veranstalten…
    Also einen Termin festlegen an dem alle Interessierten sich zusammenfinden.

  6. Die Gears of War Siete ist der größte Schrott den ich je gesehen habe.

    @Zu dem Spiel unter der Brücke:
    Ja, passiert eben, wir haben viele tolle viele tolle Spiele verpasst und dafür Massenware gekauft. Das sollte mit Mad World unterlegt werden.

  7. Warum hat das den Tag RPG und nicht FPS? :O

    LOMM hatte ich mir sogar mal gekauft und noch irgendwo rumliegen. Zugesagt hat es mir wegen dem Balancing aber nicht.

  8. Ich erinnere mich wie gestern. War uns in der Ausgabe 8/2001 immerhin zwei Seiten und 73% wert.

  9. Heisst 73% nicht üblicherweise: “Für Fanboys gehts, sonst Finger weg!” ?

  10. Das dürfte es ziemlich genau treffen.

  11. Ich glaube das ist in dem Fall eine ziemlich faire Wertung gewesen.

    Das RPG Tag war für die ganzen anderen M&M Spiele. Ich habe noch das Egoshooter Tag hinzugefügt. Hatte ich vergessen.

  12. @Markus: Ich erinnere mich auch noch gut – musste es ja damals gegen Peter spielen. Terrooooooor! :D

  13. 73% ist definitiv nur für fanboys ;o)