Archiv für November, 2006

Rule of Politics

Montag, November 27th, 2006

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Es war einmal ein wenig beachtetes Horrorspiel namens Rule of Rose. In diesem Spiel geht es einmal nicht um Zombies oder Dämonen, sondern um kindliche Unschuld und ein verschobenes Verständnis von Gut und Böse. Wie Director Shuji Ishikawa und Sonys Assistant Producer Yuya Takayama in diesem Interview bereitwillig zugeben, ist das Szenario bewusst verstörend gestaltet worden, insbesondere durch die sadistischen und pädoerotischen Untertöne. Ich gebe zu, auch mir waren die Trailer zu Rule of Rose nicht ganz geheuer. Zwar gibt es darin nichts wirklich Schlimmes oder Anstössiges zu sehen, aber die Fantasie des Betrachters wird schon in ungeliebte Bahnen gelenkt. Zugegeben, das sagt mehr über mich als über das Spiel aus, aber Rule of Rose ist ganz offensichtlich nicht für jedermann.

Dieser Meinung war übrigens auch die amerikanische Prüfstelle ESRB, und hat dem Spiel aufgrund von “Blood, Intense Violence, Suggestive Themes” die Einstufung M, also 17+, gegeben. Nichts Dramatisches also, ein gutes Weihnachtsgeschenk für die lieben Kleinen ist es aber natürlich auch nicht. Rule of Rose ist daher folgerichtig ohne grossen Rummel in den Staaten erschienen, und hat eher durch sein misslungenes Kampfsystem als durch anzügliche Inhalte auf sich aufmerksam gemacht. Ganz im Gegenteil, etliche Kritiker haben sich äusserst wohlwollend über Story und Atmosphäre des Spiels ausgelassen, und loben die erfrischend klischeearme Spielwelt.

Letzten Freitag hätte Rule of Rose nach etlichen Verspätungen endlich in England erscheinen sollen. Ganz unspektakulär im Vertrieb bei 505 Games, dem neuen Spezialisten für japanische Spieleperlen, die sonst keiner haben will. Die Pan-European Game Information hatte bereits ihren Segen (16+) erteilt, und eigentlich stand einer problemlosen Veröffentlichung nichts mehr im Wege. Dann allerdings hat die englische “Fachpresse”, soll heissen The Daily Mail und The Times, Wind von Rule of Rose bekommen und offenbar auf allerfeinstem Bild-Niveau über das Spiel berichtet. Es kam, wie es immer kommt. Ein paar profilierungssüchtige Politiker, darunter der Bürgermeister von Rom (nanu?), nahmen die gedruckten Halbwahrheiten für bare Münze und forderten öffentlich ein Verbot des Spiels, das man wegen seiner “obszönen Grausamkeit und Brutalität” offenbar niemandem zumuten kann. Resultat: um weitere schlechte Presse zu vermeiden, hat sich 505 Games “im Dialog mit seinen Vertriebspartnern” in letzter Sekunde dazu entschlossen, Rule of Rose nicht im Vereinigten Königreich zu veröffentlichen. Verständlicherweise haben sowohl PEGI als auch der britische Video Standards Council nicht gerade erfreut auf die Berichterstattung der yellow press reagiert.

Das Ganze erinnert irgendwie an den Fall von Canis Canem Edit née Bully, das lange vor seiner Veröffentlichung von zahlreichen Weltverbesserern und Meinungsmachern gescholten wurde, obwohl sich die meisten Horrormeldungen später als glatte Lügen oder zumindest masslose Übertreibungen herausstellten. Als Folge nahm die grösste Handelskette Englands das Spiel aus “moralischen Bedenken” nicht in ihr Programm auf, obwohl etwa die tatsächlich gewalttätigen Grand Theft Autos weiter in den Regalen stehen. Auch dieses Bücken vor der vermeintlichen Stimme des Volkes, selbst wenn sie nur Unsinn absondert, ist eine Form des Populismus, und zutiefst bedenklich. Wenn Revolverblätter wie üblich schlechter recherchieren als mancher Blog, dann adelt das zwar Seiten wie diese, aber so richtig glücklich bin ich darüber trotzdem nicht.

Das Gute ist, uns Deutsche braucht das ausnahmsweise mal nicht zu jucken. Zwar führen nur wenige Händler die Spiele von 505 Games (darunter Play.com, die Rule of Rose jetzt nicht mehr anbieten), aber die Abenteuerlustigen unter uns werden sicherlich einen Weg finden. Auch die BPjM wird in diesem Fall die Füsse still halten, immerhin hat die USK ihr Placet (keine Jugendfreigabe) schon vergeben. Ob auf der Packung jetzt wohl “banned in the UK” steht?

Miau!

Montag, November 27th, 2006

An dieser Stelle hätte eigentlich der Verriss eines aktuellen, lange gehypten Shooters für die Xbox 360 stehen sollen. Doch leider wurde der Titel heute von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt. Schade.

Wie Eurogamer schon ganz richtig bemerkt, war das auch keine große Überraschung. Immerhin bekam der Titel, der offiziell nie in Deutschland erschienen ist, auch keine Freigabe seitens der USK, wodurch die Indizierung überhaupt erst möglich wurde.

Ein wenig überraschend — oder auch nicht? — ist, dass das Spiel trotzdem jeder hat. Und noch mehr — oder eben weniger? — dass man in den Multiplayer-Partien dieses Titels über Xbox Live fast nur Kids zu treffen scheint.

Ja, so mögen wir unseren Jugendschutz. Viel tun können wir dagegen nichts. Deswegen gibt es statt des Testberichts nun ein paar Bilder von süßen Katzen. Viel Spaß.

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Speicherschnabeltier

Freitag, November 24th, 2006

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Jetzt mal was weniger Aufregendes als Politik. Ein Videospiel zum Beispiel! Leider kein gutes. Das Objekt der Betrachtung? Deep Labyrinth fürs DS. Auf dem Papier klingt es gar nicht so schlecht. Ein 3D-Rollenspiel aus der Ich-Perspektive fürs Nintendo DS, bei dem man mit dem Stylus sowohl sein Schwert als auch den Zauberstab schwingt? Ich war interessiert. Kam außerdem recht billig, also habe ich es spontan mal gekauft.

Die Umsetzung ist leider eher schwach. Das fängt mit der 3D-Grafik an. Das Spiel ist nicht sonderlich, sagen wir mal, ästhetisch. Der Look ginge noch in Ordnung, er ist zumindest enthusiastisch bunt, aber dummerweise ruckelt das Spiel gewaltig und nutzt dabei die sowieso schon nicht überragenden 3D-Fähigkeiten des DS nicht mal voll aus. Dann ist da noch die Steuerung. Das Schwingen des Schwertes ist entsetzlich zäh, das Aufschalten der Gegner alles andere als zuverlässig und auch das Zeichnen der Zauberrunen ist häufig nicht Erfolg gekrönt, obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat.

Auch sonst hat das Spiel nicht zu bieten, was einen über diese Probleme hinwegschauen ließe. Es gibt zwei verschiedenen Geschichten, aber die erste ist schon so öde, dass ich mir die zweite gleich gespart habe. Nett ist noch die Idee mit der Kombination verschiedener Runen neue Zaubersprüche zu bekommen, aber dummerweise wird die unzuverlässige Erkennung durch das Zeichnen mehrerer Runen in Folge auch nicht besser.

Was bleibt? Ein Spiel das man irgendwie mögen will, dass einen mit seinem zähen Spielfluss und seiner hakeligen Steuerung ganz schnell verjagt. Ich weiß nicht wie tief der Hasenbau ist, aber ich will es auch nicht mehr herausfinden.

Nur die Speicherpunkte in Form eines zeptertragenden, phrasenfabelenden Schnabeltieres sind gelungen. Cool, aber das reicht nicht.

Sagt ein Sündenbock zum anderen: “Du bist schuld!”

Donnerstag, November 23rd, 2006

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Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, abgekürzt (festhalten!) “G.A.M.E”, hat sich zu dem Amoklauf in Emsdetten geäußert und damit meisterhaft bewiesen, warum Spiele in Deutschland keine Lobby haben.

Aber arbeiten wir uns mal systematisch durch. Zunächst mal macht der “G.A.M.E.” (kicher!) ganz deutlich klar, dass er nur eine Minderheit der deutschen Entwickler repräsentiert.

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum.

Sehr geschickt, so nimmt man sich gleich das Mandat und stellt klar, dass man nicht mit Autorität für die Branche reden kann.

Edit: Ich hatte zuerst 40% der Produzenten gelesen, in Wirklichkeit sind es “40 Produzenten”. Ich weiß nicht, was das jetzt für einen Prozentsatz ergibt, jedenfalls muss ich die Kritik natürlich zurückziehen. Sorry.

Nach dem üblichen Verteilen von ein bisschen mehr oder weniger ernst gemeinter Anteilnahme (und wir wollen hier mal wohlwollend davon ausgehen dass sie ernst gemeint ist) fühlt man sich verpflichtet mitzuteilen, dass viele Videospielentwickler nicht als Waisen aufgewachsen sind (”wir haben Familie!”) und dass manche es sogar geschafft haben ihre Gene weiterzureichen (”viele von uns sind Väter, Mütter”). Wer derartige Selbstverständlichkeiten als wichtige Tatsachen in die Welt hinausposaunen muss, der macht klar, dass er das aus irgendwelchen Gründen eben nicht für selbstverständlich, sondern irgendwie für eine besondere und ungewöhnliche Leistung hält.

Dann wendet man sich “energisch” (also mit ein paar leeren Worthülsen) gegen die Kriminalisierung des Berufsstandes Videospielentwickler und des Mediums Videospiele. Soweit in Ordnung. Was sollen sie auch sonst sagen?

Als nächstes weist man strikt jede Schuld von sich:

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat.

Belegt wird diese klare Aussage mit, äh, gar nichts. Außer vielleicht mit einem vagen Hinweis auf “viele aktuelle Aussagen von Experten”. Auf welche, na ja, das wird nicht gesagt. Dadurch setzt man sich äußert geschickt dem Verdacht aus, dass es in Wirklichkeit nur wenige Aussagen gibt und dass diese im Zweifelsfall nicht von Experten stammen.

Der Verdacht wäre falsch, aber woher soll der unbedarfte aber skeptische Leser das wissen? Kann es so schwer sein, im richtigen Moment mal den Namen von ein, zwei Professoren fallen zu lassen? Guckt mal das Heute Journal, die kriegen das auch hin.

Na gut, als nächstes dann der Hinweis auf Deutschlands tolles Jugendschutzsystem an dem man aktiv mitarbeitet. Das stimmt natürlich. Da kann ich jetzt gar nichts Schnippisches zu sagen. Mist.

Der nächste Absatz bietet aber wieder viele Möglichkeiten. Zunächst mal kommt die Feststellung:

Computerspieler sind keine Randgruppe.

Das ist an sich richtig. Wir Spieler sind eine so große Gruppe, dass wir eigentlich ein denkbar schlechtes Ziel für Diskriminierung abgeben sollten. Dummerweise sind wir völlig unorganisiert und werden, wenn überhaupt, von Organisationen wie dem “G.A.M.E.” (Augenroll) vertreten, die an Zahn- und Hilflosigkeit kaum zu überbieten sind.

Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner.

Wer ernsthaft glaubt, dass ein 40-jähriger Politiker und ein 70-jähriger Rentner von Videospielen genauso begeistert sind, wie ein 6-jähriges Mädchen, der ist nicht nur naiv, der ist schlichtweg dumm.

Wir sind inzwischen soweit, dass 6-jährige Mädchen tatsächlich häufig schon von Videospielen begeistert sind. (Laut einer Liste eines amerikanischen Einzelhandelsverbandes taucht sowohl das Nintendo DS als auch die Playstation 3 in den Top 10 der Liste von häufigsten Weihnachtswünschen von Mädchen auf.) Das ist ein großer Sieg. Wer aber mal versucht hat, seinem Opa auch nur das Konzept eines Videospiels zu erklären, der wird wissen dass die Lage auf der anderen Seite des Alterspektrums völlig anders aussieht. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber auch diese Ausnahmen sind selten. Dass 40-jährige Politiker selten Videospiele spielen, kann man im übrigen im Moment ganz gut der Presse entnehmen. Schaut mal rein, lieber Bundesverband.

Schnell werden vom “G.A.M.E.” (ihr wisst schon…) noch die Eltern in die Pflicht genommen (nicht falsch, aber auch keine sonderlich frische Idee) und dann fängt die Suche nach der wahren Ursache für den Amoklauf an.

Was ist die Antwort des “G.A.M.E.”? Wird das soziale Umfeld des Täters analysiert, sein Brief, seine Einsamkeit, seine Perspektivlosigkeit? Fragt man sich, warum niemand in der Lage war seine Probleme zu erkennen, oder gar seine Hilferufe zu hören?

Ach Quatsch. Man macht einfach das gleiche wie die Politiker und sucht sich einen eigenen Sündenbock. Für den “G.A.M.E.” sind nämlich die Waffen schuld!

Äh, wir waren es nicht! Der war’s!

Wie die Kindergartenkinder. Ich weiß nicht genau wie das funktionieren soll (vielleicht haben die Waffen ja nachts unter seinem Bett gelegen und ihm zugeflüstert “Du musst töööööten!”), aber ist ja auch egal. Hauptsache jemand anders ist schuld.

Fähigkeit zur Selbstkritik? Fehlanzeige. Konstruktive Hinweise auf echte Ursachen? Fehlanzeige.

Jeder der auf Spielerseite hingeht und mit dem Finger auf die Waffen zeigt, macht sich in meinen Augen lächerlich. Wenn Waffen die Ursache für den Amoklauf sein können, dann können es nämlich auch Spiele sein.

Wer selbst Sündeböcke sucht, der darf sich nicht beschweren, wenn er plötzlich einer ist.

Klar, eine Waffe ist etwas anderes als ein Videospiel. Letzteres ist ein Kulturgut und am Ende des Tages ist eine Waffe immer noch ein Gerät, das speziell zum Töten entwickelt wurde. Klar, er hätte die Waffen nie haben dürfen, aber man kann auch mit einem Küchenmesser Amok laufen. Die Frage ist doch, warum er überhaupt die Waffen haben wollte.

Der Frage will man beim “G.A.M.E.” aber lieber aus dem Weg gehen. Hauptsache jemand anders ist schuld. Wisst ihr was? Ich wette die würden sich mit Herrn Beckstein prima verstehen.

Es geht auch anders

Mittwoch, November 22nd, 2006

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Ich habe heute leider keine Zeit, was Aufwändiges zu schreiben, möchte aber gerne auf den gestrigen Beitrag im Heute Journal zur “Killerspiel”-Debatte hinweisen. Sachlich, nicht frei von Kritik, aber mit der ganz klaren Aussage, dass Spiele ganz sicher nichts mit irgendwelchen Amokläufen zu tun haben. Journalismus quasi. Schön, dass es heutzutage so was noch gibt.

Gestern sind ja auch noch diverse Zeitungsartikel aufgetaucht, welche den gleichen Effekt kritisiert haben, nämlich die absolut reflexartigen Verbotsinstinkte diverser Politiker, die einen Sündenbock gefunden hatten, bevor überhaupt klar war, was in der Schule genau passiert war, von der Vorgeschichte des Täters ganz zu schweigen.

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung auf eine sachliche Diskussion zum Thema. Das würde natürlich auch den Willen zur Selbstreflektion auf Seiten der Spieler verlangen. Schaut mal bitte nach, ob ihr so was bei euch finden könnt. Ja, Spiele können schädlich sein. Wer mal mehr WoW gespielt hat, als es seinem Sozialleben oder seiner Ausbildung dienlich war, der wird das eingestehen müssen.

Außerdem kann man in dem Beitrag von Heute Journal prima sehen, dass sich Gamestar-Redakteure nicht mal fürs Fernsehen die Haare waschen. Für den Unterhaltungsfaktor ist also auch gesorgt.

Das hat nicht lange gedauert

Dienstag, November 21st, 2006

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Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.

Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.

Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.

Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?

Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?

Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.

Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.

Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.

Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”

Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.

Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.

Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.

Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.

Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.

Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (”tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.

Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.

Oder auch nicht.

Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:

Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?

Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

Der Red Steel Blues

Montag, November 20th, 2006

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So, das Wii ist jetzt (zumindest in den USA) auch gestartet und eins ist schon mal klar. Red Steel taugt nichts. Das gibt es ja bei fast jedem Launch, dieses eine mit Spannung erwartete Spiel, was dann doch nichts taugt. Entweder weil die Entwickler die Technik der neuen Konsole noch nicht im Griff hatten, oder weil das Spiel zum Launch einfach nicht fertig geworden ist aber trotzdem irgendwie in den Läden landete, oder einfach weil es kein gutes Spiel war und sich die Journaille mal wieder, von irgendwas Glitzerndem abgelenkt, in einen Previewrausch geschrieben hat, ohne dabei so unwesentliche Details wie die Realität zu beachten.

Bei Red Steel scheint es ein bisschen was von allem zu sein. Zunächst mal hat sich bisher bei Gamerankings eine Durchschnittswertung von ca. 65,8% angesammelt. Autsch. Dabei hat es zwar seine Fans, aber ob 90% von einem Nintendo-zentrischen Printmagazin (Ngame UK) eine ernstzunehmende Wertung für einen ganz wichtigen Wii Launchtitel sind, das überlasse ich mal euch. Auch Computer & Videogames UK hat sich zu einer 8.0-Wertung hinreißen lassen, wobei deren Text gewaltig danach riecht, als wäre er hauptsächlich geschrieben worden, um wildgewordene Wii-Fanhorden davon abzuhalten das Redaktionsgebäude zu stürmen. Dabei sind die doch total lieb!

Das war es dann übrigens auch schon mit den Fans. Gamespot legt eine 5.5 auf den Tisch und 1UP eine glatte 5, während eToychest (wer?) immerhin noch 78% verteilt. Dabei sind die Kritikpunkte eigentlich in allen Reviews (auch den positiven) identisch. Erstens, es sieht nicht so toll aus. Manchmal besser, manchmal schlechter aber immer irgendwie nach Gamecube. Das überrascht nicht, denn es dürfte kaum jemanden geben, der noch unter der Illusion leidet, im Wii würde irgendwie mehr Rechensaft stecken als im Cube.

Zweitens, die Schwertsteuerung stinkt. Es wird mehrfach erwähnt, dass zwischen dem Schwertschlag mit der Wiimote und der Ausführung des Schwertschlages auf dem Bildschirm ca. eine ganze Sekunde liegt. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, glaube ich.

Drittens, die KI ist doof. Ich denke dabei dürfte es sich um einen klassischen Fall von Spielschnellfertigstellungsonstverpassenwirdenlaunchterminitis handeln. Wäre ja nicht das erste Mal. „Hallo Francois, hier ist dein Chef. Ich habe eine gute Nachricht für dich: du hast gerade die KI fertig programmiert.“

Jedenfalls denke ich, dass ich am 8. Dezember auf den Kauf von Red Steel verzichten werde. Womit es wohl erstmal bei Zelda und Raving Rabbids bleiben dürfte. Mit Wii Sports sind das ja schon drei Spiele. Zelda dürfte mich lange beschäftigt halten und Rabbids ist ein optimaler Systemtester. Trotzdem schade, die Sache mit Red Steel.

Aber keine Panik. Anscheinend hat Call of Duty 3 die Shootersteuerung mit der Wiimote wesentlich besser hinbekommen als Red Steel und Metroid macht es wohl komplett richtig. Nur weil Red Steel nichts taugt, heißt das also noch nicht, dass man mit dem Wii keine guten FPS bauen kann. Und früher oder später wird es auch ein gutes Schwertkampfspiel geben.

Vielleicht ja Red Steel 2?

Sackgasse

Sonntag, November 19th, 2006

Tja, nun ist es wohl soweit: nachdem mein Windows-PC und ich eine Beziehungspause eingelegt haben, fragt sich nun auch Chris von nebenan, ob sich der Kauf seines neuen Spiele-PCs wirklich gelohnt hat, und sogar die Gamestar stellt in Frage, ob das alles noch einen Sinn hat. Die Technik, die man heute bekommt, rockt — wie immer; aber noch nie war es so schwierig, einen echten Grund für ein Spiele-PC-Komplettupgrade zu finden. Mal abgesehen davon werden immer weniger Titel exklusiv für den PC veröffentlicht. Erleben wir die letzten Tage des PCs als Spieleplattform?

Seien wir mal ehrlich, so nett sich Anno 1701 auf einer Monstermaschine in allen Details auch spielen würde, eigentlich braucht man das nicht wirklich. Und das ist nur eines der Spiele, die ich mir — in einem Versuch, die frostige Beziehung zu meinem PC wieder etwas aufzutauen — in den letzten Wochen zugelegt habe, die nicht mehr so richtig flott laufen, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür geben sollte. Zum Beispiel Sid Meier’s Railroads, das zwar knuddelig aussieht, aber auch nicht gerade ein solch spektakuläres Grafikfeuerwerk bietet, welches die eher durchwachsene Performance rechtfertigen würde. Gunnar hat völlig Recht: gerade bei solchen vermeintlich auf den Massenmarkt ausgerichteten Titeln wundert einen das schon etwas.

Ich bin schon eine ganze Weile am Überlegen, ob ich mir nun einen neuen PC zum Spielen gönnen sollte oder nicht. Vor kurzem traf ich tatsächlich den Entschluss, demnächst einen zu kaufen. Einen ordentlich ausgestatteten Monster-PC, der auch ein paar Jahre “halten” würde. Aber Artikel wie die beiden oben verlinkten holen mich dann wieder auf den harten Boden der Windows-Realität zurück. Letztendlich wären die Spiele doch nur flüssiger, aber nicht besser. Was mir wieder einen Großteil der Kaufmotivation nimmt. Hmpf. Oder Juchuh?

Ich frage daher einfach mal die Antination. Vielleicht übersehe ich etwas? Was wäre für euch ein Grund, in den nächsten Monaten einen neuen Spiele-PC zu kaufen? Wenn überhaupt?

Huh?

Freitag, November 17th, 2006

Weiß jemand mehr?

Heute neu in Hendriks Wohnzimmer

Mittwoch, November 15th, 2006

Project Gotham Racing 3: jetzt werdet ihr sicherlich verwundert auf das Datum dieses Beitrags starren. Ja, die Gerüchte sind wahr: diesen ollen 360-Launch-Titel habe ich mir tatsächlich jetzt erst geholt. Obwohl ich schon Test Drive Unlimited habe. Er lag halt für einen fairen Preis da und winselte mich an. Jetzt ist er mein. Erstes Urteil nach ein paar Strecken: es ist immer noch Project Gotham Racing. Und das meine ich positiv!

Tony Hawk’s Project 8: hey, ein neuer Tony Hawk-Titel! Obwohl ich selber kein Skater bin (hey, ich bin das Gegenteil eines Skaters), habe ich die Serie immer gemocht. Irgendwie macht es Spaß, rumzugrinden und -hüpfen und -flipkicken und -wasauchimmer, um obszöne Punktzahlen zu erreichen. Doch gleich zu Anfang eine Enttäuschung: ich konnte mir nicht — wie in einigen der Vorgängern — eine kleine, vollbusige Nerd-Skaterin zusammenbasteln. Die Auswahlmöglichkeiten beim Skater-Design sind überraschender Weise arg eingeschränkt. Buh! Tatsächlich gibt’s weibliche Charaktere anscheinend nicht ohne furchtbare Arm-Tattoos. Also fahre ich jetzt als Punk-Doofi durch die Gegend. Scheißspiel. Äh, ja. Der Rest ist halt wie ein typisches Tony Hawk-Spiel. Nur jetzt mit Bullet Time. (Ich denk mir das nicht aus. Der Effekt sowie sein Zweck sind aber ganz cool, also keine Panik.)

Gears of War: heilige Scheiße, Batman! Das mit Abstand coolste Spiel, das ich je gespielt habe. Was für ein Hammershooter! Epic können also doch geile Spiele machen! … Ich verarsche euch natürlich. Wollte nur mal hören, wie das klingt. In Wirklichkeit ist Gears of War so, als hätten sie den Typen, der sich die Taunt-Sprüche in Unreal Tournament ausgedacht hat, ein komplettes Spiel machen lassen. Womöglich haben sie das tatsächlich. Ich muss mir beim Spielen von Gears of War immer CliffyB vorstellen, wie er in London steht und merkt, dass die Welt tatsächlich aus mehr besteht als sein kleines Häuschen in Goatfuck, Indiana und der Taco Bell nebendran. Geil aussehen tut’s natürlich trotzdem. Damit kann man gerne auch ein paar der wirklich hohen Wertungen entschuldigen. Aber wirklich nur damit. Hunde.

Guitar Hero 2: kommen wir nun zur Enttäuschung des Abends. Ich liebe Guitar Hero. Es ist ein verdammt cooles, rundes Spiel. Der zweite Teil ist… genau wie der erste. Was eigentlich toll sein sollte, wären da nicht die neuen Songs. Die sind nämlich alle Schrott. Mit ein paar Ausnahmen natürlich. Aber wenn ich alleine in den ersten drei Levels lediglich ein Lied wiedererkenne und dieses Lied auch noch von The Police ist, dann stimmt was nicht. Es mag Rock-Fans geben, die sich besser mit der Materie auskennen und die mehr Spaß an den gebotenen Songs haben. Ich zähle leider nicht dazu. Da sehne ich mich echt nach dem ersten Teil zurück, der eine bunte Mischung an Klassikern bot, die sogar ich als Rock-n00b kannte. Ich wünsche mir den tollen Multiplayer-Modus aus Guitar Hero 2 mit den Songs aus Guitar Hero 1. Werde ich natürlich nie bekommen. Das macht mich traurig. Ich gehe jetzt ins Bett und weine leise in mein Kissen.

Oder spiele Guild Wars Nightfall. Das ist nämlich überraschend gut.

Hartes Schicksal

Mittwoch, November 15th, 2006

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Gestern folgendes in der Spieleabteilung beim Saturn in Mannheim überhört:

Mann, ich suche was mit Zweiter Weltkrieg aber es gibt ja einfach nichts!!

Wir sind alle verloren.

PSP Demobakel

Mittwoch, November 15th, 2006

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Es gibt so Tage (oder besser Wochen), da hat man einfach nicht so viel Bock auf Videospiele. Angeschlagene Gesundheit, haufenweise Arbeit, Terminstress und nicht zuletzt das Gears of War Post-Hype Gekeife haben mich in letzter Zeit etwas von meinem Lieblingshobby abgebracht. Klar, für eine schnelle Runde God Hand oder einen erneuten Speed Run von Resident Evil 4, diesmal nur mit Infinite Launcher und Pistole ist immer Zeit; aber dass ich seit einer Woche Final Fantasy XII nicht mehr angefasst habe, ist laut Bibel eigentlich ein sicheres Zeichen für den baldigen Weltuntergang.

In solchen Momenten gibt es an und für sich nichts besseres als ein Demo oder zwei, um einfach mal wieder den Spielekompass zu norden. Schliesslich gibt einem so eine Demo die Möglichkeit zu einem Blick über den Tellerrand, und begeistert mich im besten Fall für völlig neue Spielekonzepte, die ich sonst nichtmal mit der Kneifzange angepackt hätte. Daher bin ich nach langer Zeit mal wieder bei YourPSP vorbeigesurft um zu schauen, was es auf Sonys offizieller PSP-Seite so Neues gibt. Und bevor ihr fragt, mein Computer ist zu alt für alle in den vergangenen Jahren erschienenen Demos, wie ich neulich bei DMoM&MOMGWTF mal wieder schmerzlich feststellen musste. PSP-Demos müssen es also sein. Aber was soll ich sagen, eine so lahmarschige Seite wie YourPSP findet man im weltweiten Netz zum Glück nur selten. Seit meinem letzten Besuch sind sage und schreibe drei neue Demos hinzugekommen. Damit erhöht sich die Zahl von Spielen, von denen es eine Probeversion gibt, auf drei. Eine der Neuerscheinungen ist nämlich noch eine Demo von Loco Roco. Aber sei’s drum, der eigentliche Grund, weswegen ich dies schreibe, ist Ridge Racers 2.

Meine erste und einzige Erfahrung mit Ridge Racer habe ich damals mit dem allerersten Teil auf der Playstation gesammelt. Einzige deshalb, weil ich Checkpoint-Racer noch nie sonderlich mochte, und weil eine Kollision mit einem Konkurrenten den eigenen Karren fast bis zum Stillstand abgebremst hat. Aber ich dachte mir eben, nach so langer Zeit könnte ich der Serie eigentlich mal wieder eine Chance geben. Also die Firmware auf den neusten Stand gebracht (was auch ein ziemlicher Akt war), die 10 MB grosse Demo gezogen und losgedüst. Fahrphysik aus der Hölle! Na gut, sich bei Ridge Racer über einen Mangel an Realismus zu beschweren ist ungefähr so müssig als wenn man Unreal Tournament eine wirklichkeitsferne Darstellung von Feuergefechten ankreidet. Aber wenn der eigene Bolide ein ähnliches Kurvenverhalten wie die Murmel aus Marble Madness aufweist, dann landet der Spielspass in Sekundenschnelle im Strassengraben. Um es etwas überspitzt auszudrücken, 90% der Zeit befindet sich der Wagen in einer ausgedehnten Seitwärtsbewegung. Und weil dafür null Talent erforderlich ist, habe ich die Demo gleich beim ersten Versuch geschafft. Motivation, eine bessere Rundenzeit herauszuschliddern: null. Wahrscheinlichkeit, dass ich mir das Spiel zulege: ebenfalls null. Zumal die Demo ohne Musik und Kommentator kommt, weil das ja noch einen halben MB mehr Platz gebraucht hätte. Uuuh, schlimm.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, YourPSP ist gruseliger als das Schreckenskabinett von Dr. Phibes, die Ridge Racers 2 Demo ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und meine Stimmung, insbesondere was Videospiele angeht, ist auf einem Rekordtief. Was ein Glück, dass das genau die richtige Einstellung für einen echten Antigamer ist.

Special Edition

Dienstag, November 14th, 2006

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Special Editions sind im Moment voll in Mode, insbesondere auf dem PC. Ich gestehe auch ganz offen, dass ich ein gnadenloser Special Edition-Käufer bin. Meistens kosten die nicht wesentlich mehr als die Normal Edition und ich kriege coolen Krams dazu. Klar, das Zeug ist billig von chinesischen Lohnsklaven hergestellt und im Durchschnitt 63,53 Cent wert, aber was soll’s. Ich habe Spaß daran.

Trotzdem, nicht jede Special Edition ist special und nicht bei jeder Collector’s Edition lohnt sich das collecten. Daher versuche im Folgenden mal eine Klassifizierung von Special Edition Bonusbeigaben und analysiere, welche davon was taugen, welche nicht und was eine bestimmte Beigabe eigentlich haben sollte, um Mehrgeldfürsgleichespielausgeber wie mich zufrieden zu stellen.


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Zufallsbekanntschaft

Montag, November 13th, 2006

Im Moment bin ich froh, doch noch einen Windows-PC zu haben. Denn ich bin über FastCrawl gestolpert, eine Art Mini-Roguelike mit Grafik und Sound, oh my! Und es rockt. Wer sich unter dem Begriff “Mini-Roguelike” etwas vorstellen kann, braucht nicht weiter zu lesen und sollte sich stattdessen die Demo downloaden.

In FastCrawl steuert ihr eine zu Spielbeginn zufällig ausgewürfelte Heldentruppe durch ein zufällige generiertes Dungeon, tötet zufällig platzierte Monsterhorden und sammelt zufällig generierte Schätze ein. In der untersten Etage des Dungeons sitzt irgendwo der (natürlich zufällig ausgewählte) Oberbösewicht und wartet darauf, von euch verkloppt zu werden. Das ist nach höchstens einer knappen Stunde geschafft — danach geht es wieder von vorne los, mit einer neuen Party, einem neuen Dungeon, und neuen Gegnern.

Das Regelwerk fällt im Vergleich zu einem ausgewachsenen Rollenspiel eher mickrig aus; so gibt es zum Beispiel nur zwei Charakterattribute (Angriff und Verteidigung) und zwei Magie-Schulen (Feuer und Eis, mit jeweiligen Resistenzwerten, die man durch verschiedene Ausrüstungsgegenstände erhöhen kann). Charakterklassen gibt es lediglich vier: der Krieger ist der typische “Tank” und kann auf Angriff oder Verteidigung spezialisiert werden, der Magier wirft mit Feuerbällen oder Eiszapfen um sich, der Kleriker heilt in erster Linie, kann aber durch entsprechende Spezialisierungen auch als Ersatz-Krieger oder Offensivmagier eingesetzt werden, der Dieb entschärft Fallen und knackt Schlösser. Das klingt erst einmal ziemlich simpel, doch die verschiedenen Spezialisierungsmöglichkeiten bieten einiges an taktischer Tiefe. Was gerade in höheren Schwierigkeitsgraden wichtig ist — da bekommt man nämlich gerne mal etwas bizarre Party-Konfigurationen ausgewürfelt. Ein Kleriker und drei Magier? Oh my!

Zur Belohnung für das Monsterkloppen gibt es haufenweise ph4t l3wt. Je tiefer man ins Dungeon vordringt, desto besser wird die gefundene Ausrüstung. FastCrawl ist sich nicht mal zu schade, die Namen der Gegenstände je nach Seltenheits- und Coolness-Faktor grau, grün, blau, lila und gold einzufärben — hm, das kennen wir doch irgendwo her. Daneben gibt’s natürlich auch die üblichen Mana- und Health-Tränke, Zaubersprüche und Rationspakete. Letztere sind immer gerne gesehen, weil man mit jedem Zug eine Ration verbraucht und, sollten sie jemals aufgebraucht sein, einen plötzlichen und fiesen Hungertod stirbt.

Ein verdammt cooles Spiel, das seinen Preis von knapp $20 auf jeden Fall wert ist — trotz der streckenweise schäbigen Shareware-Optik. Lieber Weihnachtsmann: lass irgendeinen Publisher das Teil kaufen und auf Xbox Live Arcade portieren. Ich will Achievements und Leaderboards!

Olympwas?

Freitag, November 10th, 2006

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Ich habe heute morgen verschlafen. Nichts dramatisches, nur 15 Minuten oder so, aber lang genug um vor der Wahl zu stehen, ob ich mich duschen will oder den Zug noch bekommen möchte. Aus offensichtlichen Gründen habe ich mich fürs Duschen entschieden.

Der ICE nach Mannheim fährt übrigens nur jede Stunde einmal, was mir wiederum nicht nur Zeit zum Duschen, sondern auch für ein reichhaltiges Frühstück gelassen hat. Falls es euch interessiert: bei mir besteht ein reichhaltiges Frühstück aus einer Tasse Tee (Earl Grey, heiß!) und dem Tutorial zu Medieval 2.

Dazu (also zu Medieval 2, nicht dem Tee) gibt es erstmal zwei Dinge zu sagen: Erstens, wenn die Schrift im Spiel völlig kaputt aussieht und ihre eine ATI-Karte habt, dann solltet ihr die Catalyst AI ausschalten. Das wollte ich nur kurz erwähnen, um Antigames Ruf als Deutschlands bestes Verbrauchermagazin aufrecht zu erhalten.

Zweitens: Sega hat eine seltsame Vorstellung von Stoff und von “hochwertig”. Auf der Rückseite der Collector’s Edition steht, es läge eine “hochwertige auf Stoff gedruckte Landkarte der Medieval 2: Total War-Welt” bei. Das ist glatt gelogen. Außer natürlich man meint mit “Stoff” in Wirklichkeit “Altpapier” und mit “hochwertig” in Wirklichkeit “billig in schwarz-weiß gedruckt”.

Hier übrigens noch ein Tipp für den verantwortlichen Packungsrückseitentextschreiber: Es gibt noch einen anderen und viel kürzeren Namen für die “Medieval 2: Total War-Welt”. Für gewöhnlich nennen wir die nämlich einfach “Europa”.

Ich habe jedenfalls mal den Sega Support angeschrieben, um rauszufinden wie dort diese Begriffe definiert sind.

Aber zurück zum Thema. Der Tee zum Frühstück hat nämlich dazu geführt, dass ich auf dem Weg zur U-Bahn heute ausnahmsweise schon im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte war und somit Sachen wie Werbeplakate tatsächlich wahrnehmen und verarbeiten konnte. Das ist normalerweise nicht unbedingt ein Vorteil, aber heute bin ich an was Interessantem vorbei gekommen. An der Litfassäule hing nämlich ein Werbeplakat für Pro Evolution Soccer 6.

Oder zumindest dachte ich zuerst es wäre ein Poster für PES6. Ein paar vom Tee unterstützte Aktionspotentiale später fiel mir dann allerdings auf, dass es sich dabei gar nicht um Werbung für das Spiel handelte, sondern um Werbung für eine Veranstaltung namens Olymptronica.

Ich könnte jetzt diese Veranstaltung kommentieren, welche sich als “VideoGames Show” bezeichnet (InterCapping FTW!) und als “innovative Mischung aus Neuheiten-Schau und eSport-Meisterschaft” beschrieben wird, aber das einzige was mich daran wirklich interessiert ist der Name.

Olymptronica? Echt?

Wirklich?

Olymptronica?!?

For real, homies?

Olymptronica klingt vielleicht wie eine Schreibmaschinenmarke aus den 40er Jahren, oder wie ein in den 70ern gegründeter volkseigener Betrieb zum Nachbau westlicher Halbleitertechnik, aber ganz sicher nicht wie eine Videospielveranstaltung des Jahres 2006.

Meine Güte, ich hoffe die haben niemand Geld dafür bezahlt.

Für alle die über den Namen Namen hinweg schauen können: Die “Olymptronica” (kicher!) findet am 18. und 19. November in der Jahrhunderthalle in Frankfurt statt. Eintritt ist 8€. Ich werde nicht hingehen, obwohl man Wii spielen kann und es einen Guitar Hero 2 Wettbewerb gibt.

Avatar

Mittwoch, November 8th, 2006

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Liebe Frau Will,

das Wort “Avatar” wurde 1992 vom amerikanischen Autor Neal Stephenson in seinem Roman Snow Crash geprägt. Es leitet sich aus dem Sanskrit ab, wo das Wort “Avatara” soviel wie “Abstieg” bedeutet und sich auf das Herabsteigen einer Gottheit in irdische Sphären bezieht. Vielleicht kann die Tagesthemenredaktion ja in Zukunft mal einen Praktikanten damit beauftragen, solche Zusammenhänge aufzuklären. Daher mein Antigames ProTipp™: Einfach mal “Avatar” in Google eingeben und schauen was passiert, denn es kann ja eigentlich nicht sein, dass sich die Moderatorin der Tagesthemen stolz zeigt, gewisse Sachen nicht zu wissen.

Ansonsten aber ein Lob an Autor Wolfgang Stuflesser für den netten Beitrag über Second Life. Ich bin doch etwas überrascht über den neutralen, ja fast positiven Ton des Films. Sind Sie sicher, dass Second Life unsere Kinder nicht in willfährige Instrumente des Teufels verwandelt, sie zu professionellen Amokläufern ausbildet, Sexverbrechern frei Haus liefert und ihre Tischmanieren ruiniert?

Vielleicht sollten Sie noch mal bei dem einen oder anderen CDU Innenminister anrufen, denn was weiß schon ein Medienforscher wie Herr Klimmt über Medien? Die eigentlichen Experten für Videospielen sind doch anerkanntermaßen Innenminister und kriminologische Forschungsinstitute, denn erstens sind Medien und ihre Auswirkung auf Kinder ja bekanntermaßen der Zuständigkeitsbereich der Innenministerien und zweitens wissen wir ja alle, dass Videospiele quasi digitale Verbrechen sind und somit zur Kernkompetenz von Kriminologen gehören.

Scherz beiseite, der Beitrag hat richtig gut getan, trotz der peinlichen Anmoderation der Marke “Diese verrückten jungen Leute von heute…”.

Gut gemacht.

Wie wäre es als Belohnung für die gute Arbeit mal mit einer schicken neuen Grafikkarte für den armen Herrn Stufflesser? Nicht dass hinterher noch halb Deutschland denkt, es wäre völlig normal wenn ein Computerspiel mit 2 Frames pro Sekunde läuft.

Wobei, damit könnte ich durchaus leben. Denn das wäre ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem bisher vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gerne verbreiteten Mythos, Videospiele würden Kinderhirne verquirlen. In diesem Sinne: Bitte mehr Beiträge wie gestern Abend. Das könnte helfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Richard von Antigames

Anti-Nation im Freudentaumel!

Freitag, November 3rd, 2006

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Der Dino aus der Final Fantasy XII Demo hat es ins fertige Spiel geschafft. Top-Wertungen offensichtlich gerechtfertigt.

ESC-ESC-ESC-ESC!!

Freitag, November 3rd, 2006

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Man kann ja über Prey sagen was man will - ich zum Beispiel sage, es ist totaler Mist - aber eins macht es richtig. Wenn man es startet, landet man direkt im Hauptmenü. Wenn man andere Spiele startet, muss man erstmal ca. 50 Renderlogos ertragen und dann wahrscheinlich noch zwei bis drei Renderintros abbrechen, bevor man auch nur daran denken darf, mit dem Spielen anzufangen.

Geht euch das auch auf den Keks? Jedes mal wenn man ein Spiel startet, muss man erstmal dabei zuschauen, wie sich diverse Firmen selbst beweihräuchern. Da ist das Logo des Publishers, das Logo des Entwicklers, das Logo des Studios, welches das Spiel auf die Plattform eurer Wahl portiert hat, dann das Logo des Entwicklers vom Multiplayer-Teil, das Logo vom Hersteller des Videocodecs, das Logo von Herstellers der Grafikengine, des Soundsystems, vielleicht noch ein kleines THX Logo, das ewig nervige ENN-Fiddi-AHHHH! Logo, dass mich dazu gebracht hat auf ATI umzusteigen und am Schluss noch das Logo vom Pizzaservice, bei dem die Entwickler immer bestellt haben.

Renderlogo, Renderlogo, Renderlogo, ARGH!

Wie nervig das ist, ist mir gestern Abend wieder aufgefallen. Da musste ich nämlich ständig Dark Messiah neu starten, denn eine Runde mit dem Spiel ist ein ausgedehnter Besuch in Absturzhausen. Jeder neu geladene Level führt bei mir grundsätzlich zu einem Absturz. Grundsätzlich. Und weil das Spiel auf der Source-Engine basiert, gibt es natürlich alle zwei Minuten einen neuer Level und somit auch einen neuen Absturz. Da kommt Freude auf.

Man kann dann das Spiel neu starten, sein Glück noch mal versuchen und beim vierten oder fünften Versuch lädt er dann vielleicht den Level oder spielt die Zwischensequenz ab. Wobei es immer schlecht ist, wenn er eine Zwischensequenz abspielt, denn danach kommt ja direkt wieder ein neuer Ladevorgang uuuuund Rumms! Zu schade, dass man nicht während der Zwischensequenz speichern kann.

Wenn man das Spiel dann an einem Abend ca. 20 Mal gestartet hat, lernt man flott, ganz schnell hintereinander Escape zu drücken, um die ganzen Logos und Intros abzubrechen, mit denen man beim Spielstart genervt wird. Meine Güte. Als müsste man bei den ewig langen Ladezeiten nicht sowieso schon genug warten, bis Dark Messiah wieder auswürfelt, ob es abstürzen möchte, oder nicht.

Ich bin der Meinung ein Entwicklungsstudio darf ab sofort nur noch dann ein Renderlogo haben, wenn es schon mindestens drei Spiele entwickelt hat, ohne dabei pleite gegangen oder von Take 2 gekauft worden zu sein. Ich meine, normalerweise lohnt sich das Logo doch gar nicht. Welches mit viel Enthusiasmus gegründete Studio überlebt denn heute noch das erste Spiel?

Die Geschichte ist doch immer die gleiche. Studio wird gegründet, Studio entwickelt erstes Spiel, Spiel verkauft sich unter Erwartungen, Studio wird von Electronic Arts gekauft, in EA Bottrop-Kirchhellen umbenannt, darf dann 12 Monate lang irgendwelchen Lizenzdreck entwickeln, bevor es eingestampft und den Angestellten angeboten wird, sie könnten ihre Jobs gerne behalten, wenn sie bereit sind innerhalb von 24 Stunden nach Alaska zu ziehen und bei EA Kotzebue an Catwoman 2 zu arbeiten. Fürs halbe Gehalt natürlich. Und auch nur, wenn man sich angemessen dankbar zeigt und die nächsten drei Jahre lang 80-Stunden-Wochen schiebt.

Ganz geschickt stellt sich bei der Renderlogo-Thematik übrigens Sid Meier’s Railroads an. Wenn man da am Anfang mehrfach hintereinander Escape drückt, dann bricht das Spiel nicht nur die Renderlogos ab, sondern schmeißt einen auch gleich auf den Desktop zurück.

Die Nachricht ist klar: “Du wirst dir unsere Renderlogos anschauen. Und du wirst sie mögen, Bitch!”

Wii, wo, wann?

Donnerstag, November 2nd, 2006

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Ich habe gestern Abend einen langen Text über meinen Absturzfrust mit Dark Messiah geschrieben, nur um dann heute morgen im Büro feststellen zu müssen, dass ich meinen USB-Stick mit dem Text Zuhause liegen gelassen habe. Gnah. Daher müsst ihr heute auf einen langen Text verzichten und ich stelle einfach mal eine Frage in den Raum:

Was ist eigentlich mit Vorbestellungen vom Wii? Geht da schon was?

Bei Amazon ist eine Bestellung noch nicht möglich und Ende letzter Woche hat sich der Verkäufer beim Saturn in der Hinsicht auch noch für ahnungslos erklärt. “Es wird was geben, aber ich weiß noch nicht wann.” Dabei hängen im Saturn große Plakate, die einen zur Vorbestellung einer PS3 animieren sollen, und die kommt erst nächstes Jahr, während das Wii nur noch knapp einen Monat weg ist.

Also, weiß die Antination mehr als ich? Kann man schon irgendwo vorbestellen? Habt ihr schon irgendwo vorbestellt? Weiß der Mann bei eurem Saturn mehr, als der bei meinem? Ich habe keine Lust am 8. Dezember in die Geschäfte zu laufen, nur um festzustellen zu müssen, dass es keine Wiis mehr gibt.

Updatifizierung! Ich habe eben beim Saturn in Mannheim vorbestellt. War überhaupt kein Thema, es gab bisher nur vier oder fünf andere Vorbestellungen. Um den Mitarbeiter zu zitieren: “Das mit dem Vorbestellen ist heute nicht mehr so in.”

Easy-peasy, lemon-squeezy!

Man the fuck up!

Mittwoch, November 1st, 2006

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If you’re a masochist with a sick sense of humor, give God Hand a try, otherwise just watch the bizarre videos.

Sagt Gametrailers.com, und meint damit wohl dieses und besonders dieses Video. Nun gut, offensichtlich bin ich ein Masochist mit einem kranken Sinn für Humor, denn diesen Feiertag habe ich fast ausschliesslich mit Clover Studios letztem Spiel verbracht. Und was für ein Spiel es ist! Eigentlich dürfte God Hand nicht funktionieren, und in den ersten fünf Minuten sind bei mir auch sämtliche Spinnensinne losgegangen. Die Grafik ist grässlich, die Musik ebenso, die Level sehen so aus, als wären sie von einem Praktikanten mit Visual Basic zusammengezimmert worden, und der Humor bewegt sich auf niedrigem B-Film-Niveau. Und dennoch, oder gerade deshalb, habe ich mit God Hand so viel Spass wie lange nicht mehr.

Kurze Erklärung, worum es in dem Spiel überhaupt geht. God Hand ist im Prinzip Fist of the North Star - The Animated Movie - The Game. Das Spiel macht auch keinen Hehl daraus und zitiert den trashigen Animéklassiker gleich in der ersten Szene. Hauptdarsteller Gene prügelt sich in dieser wüsten Mischung aus Final Fight und Ninja Gaiden durch Horden an Gegnern, die so nur in einem Spiel von Capcom vorkommen. Was habe ich in den ersten vier Leveln nicht schon alles in den Orbit getreten (was durchaus wörtlich zu verstehen ist). Ein Schwuchtelpärchen in Stringtangas, das mich mit “wanna go brokeback, cowboy?” begrüsst, einen fetten Mexikaner namens Elvis, der eine buddhistische Gebetskette um den Hals trägt und einen giftigen Chihuahua hält, einen Lucha libre Gorilla und ein wüstes Sammelsurium an Dominas, Clowns, Robotern und Dämonen.

Aber nicht das wenig geschmacksneutrale Design der Widersacher macht God Hand zu einem Genuss für Masochisten, sondern der knüppelharte Schwierigkeitsgrad. Aus dem Verriss bei IGN ist es herauszulesen, hier hat das Spiel eindeutig über den Tester gesiegt. Es ist tatsächlich so, man stirbt, und zwar am laufenden Band. Jeder Gegner ist brandgefährlich, und im Rudel sind sie erst so richtig unausstehlich. Von den Bossen will ich erst garnicht reden, zehn bis zwanzig Versuche habe ich im Schnitt schon gebraucht. Und warum habe ich das Spiel trotz meiner geringen Frustrationstoleranz nicht schon längst in die Ecke gepfeffert? Ganz einfach, es ist immer fair zum Spieler. Auch wenn es anfangs nicht so aussieht, für jeden Treffer, den man einsteckt, ist man selbst verantwortlich. Ähnlich den Fight Night Spielen kann man mit dem rechten Analogstick verschiedene Ausweichmanöver ausführen und somit im Prinzip jedem Angriff entgehen. Wer sich also Zeit lässt, seine Gegner genau beobachtet und im richtigen Moment zuschlägt, übersteht ohne grössere Probleme auch die schwierigsten Passagen.

God Hand ist kompromisslos, laut und unverschämt. Genau das richtige für die Zeit zwischen zwei Rollenspielen.