Archiv für November 2006

Rule of Politics

ror.jpg

Es war einmal ein wenig beachtetes Horrorspiel namens Rule of Rose. In diesem Spiel geht es einmal nicht um Zombies oder Dämonen, sondern um kindliche Unschuld und ein verschobenes Verständnis von Gut und Böse. Wie Director Shuji Ishikawa und Sonys Assistant Producer Yuya Takayama in diesem Interview bereitwillig zugeben, ist das Szenario bewusst verstörend gestaltet worden, insbesondere durch die sadistischen und pädoerotischen Untertöne. Ich gebe zu, auch mir waren die Trailer zu Rule of Rose nicht ganz geheuer. Zwar gibt es darin nichts wirklich Schlimmes oder Anstössiges zu sehen, aber die Fantasie des Betrachters wird schon in ungeliebte Bahnen gelenkt. Zugegeben, das sagt mehr über mich als über das Spiel aus, aber Rule of Rose ist ganz offensichtlich nicht für jedermann.

Dieser Meinung war übrigens auch die amerikanische Prüfstelle ESRB, und hat dem Spiel aufgrund von “Blood, Intense Violence, Suggestive Themes” die Einstufung M, also 17+, gegeben. Nichts Dramatisches also, ein gutes Weihnachtsgeschenk für die lieben Kleinen ist es aber natürlich auch nicht. Rule of Rose ist daher folgerichtig ohne grossen Rummel in den Staaten erschienen, und hat eher durch sein misslungenes Kampfsystem als durch anzügliche Inhalte auf sich aufmerksam gemacht. Ganz im Gegenteil, etliche Kritiker haben sich äusserst wohlwollend über Story und Atmosphäre des Spiels ausgelassen, und loben die erfrischend klischeearme Spielwelt.

Letzten Freitag hätte Rule of Rose nach etlichen Verspätungen endlich in England erscheinen sollen. Ganz unspektakulär im Vertrieb bei 505 Games, dem neuen Spezialisten für japanische Spieleperlen, die sonst keiner haben will. Die Pan-European Game Information hatte bereits ihren Segen (16+) erteilt, und eigentlich stand einer problemlosen Veröffentlichung nichts mehr im Wege. Dann allerdings hat die englische “Fachpresse”, soll heissen The Daily Mail und The Times, Wind von Rule of Rose bekommen und offenbar auf allerfeinstem Bild-Niveau über das Spiel berichtet. Es kam, wie es immer kommt. Ein paar profilierungssüchtige Politiker, darunter der Bürgermeister von Rom (nanu?), nahmen die gedruckten Halbwahrheiten für bare Münze und forderten öffentlich ein Verbot des Spiels, das man wegen seiner “obszönen Grausamkeit und Brutalität” offenbar niemandem zumuten kann. Resultat: um weitere schlechte Presse zu vermeiden, hat sich 505 Games “im Dialog mit seinen Vertriebspartnern” in letzter Sekunde dazu entschlossen, Rule of Rose nicht im Vereinigten Königreich zu veröffentlichen. Verständlicherweise haben sowohl PEGI als auch der britische Video Standards Council nicht gerade erfreut auf die Berichterstattung der yellow press reagiert.

Das Ganze erinnert irgendwie an den Fall von Canis Canem Edit née Bully, das lange vor seiner Veröffentlichung von zahlreichen Weltverbesserern und Meinungsmachern gescholten wurde, obwohl sich die meisten Horrormeldungen später als glatte Lügen oder zumindest masslose Übertreibungen herausstellten. Als Folge nahm die grösste Handelskette Englands das Spiel aus “moralischen Bedenken” nicht in ihr Programm auf, obwohl etwa die tatsächlich gewalttätigen Grand Theft Autos weiter in den Regalen stehen. Auch dieses Bücken vor der vermeintlichen Stimme des Volkes, selbst wenn sie nur Unsinn absondert, ist eine Form des Populismus, und zutiefst bedenklich. Wenn Revolverblätter wie üblich schlechter recherchieren als mancher Blog, dann adelt das zwar Seiten wie diese, aber so richtig glücklich bin ich darüber trotzdem nicht.

Das Gute ist, uns Deutsche braucht das ausnahmsweise mal nicht zu jucken. Zwar führen nur wenige Händler die Spiele von 505 Games (darunter Play.com, die Rule of Rose jetzt nicht mehr anbieten), aber die Abenteuerlustigen unter uns werden sicherlich einen Weg finden. Auch die BPjM wird in diesem Fall die Füsse still halten, immerhin hat die USK ihr Placet (keine Jugendfreigabe) schon vergeben. Ob auf der Packung jetzt wohl “banned in the UK” steht?

49 Kommentare Autor: Stefan
Tags: , , , ,
Miau!

An dieser Stelle hätte eigentlich der Verriss eines aktuellen, lange gehypten Shooters für die Xbox 360 stehen sollen. Doch leider wurde der Titel heute von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt. Schade.

Wie Eurogamer schon ganz richtig bemerkt, war das auch keine große Überraschung. Immerhin bekam der Titel, der offiziell nie in Deutschland erschienen ist, auch keine Freigabe seitens der USK, wodurch die Indizierung überhaupt erst möglich wurde.

Ein wenig überraschend — oder auch nicht? — ist, dass das Spiel trotzdem jeder hat. Und noch mehr — oder eben weniger? — dass man in den Multiplayer-Partien dieses Titels über Xbox Live fast nur Kids zu treffen scheint.

Ja, so mögen wir unseren Jugendschutz. Viel tun können wir dagegen nichts. Deswegen gibt es statt des Testberichts nun ein paar Bilder von süßen Katzen. Viel Spaß.

kitten3.jpg
59 Kommentare Autor: Hendrik
Tags:
Speicherschnabeltier

deep.jpg

Jetzt mal was weniger Aufregendes als Politik. Ein Videospiel zum Beispiel! Leider kein gutes. Das Objekt der Betrachtung? Deep Labyrinth fürs DS. Auf dem Papier klingt es gar nicht so schlecht. Ein 3D-Rollenspiel aus der Ich-Perspektive fürs Nintendo DS, bei dem man mit dem Stylus sowohl sein Schwert als auch den Zauberstab schwingt? Ich war interessiert. Kam außerdem recht billig, also habe ich es spontan mal gekauft.

Die Umsetzung ist leider eher schwach. Das fängt mit der 3D-Grafik an. Das Spiel ist nicht sonderlich, sagen wir mal, ästhetisch. Der Look ginge noch in Ordnung, er ist zumindest enthusiastisch bunt, aber dummerweise ruckelt das Spiel gewaltig und nutzt dabei die sowieso schon nicht überragenden 3D-Fähigkeiten des DS nicht mal voll aus. Dann ist da noch die Steuerung. Das Schwingen des Schwertes ist entsetzlich zäh, das Aufschalten der Gegner alles andere als zuverlässig und auch das Zeichnen der Zauberrunen ist häufig nicht Erfolg gekrönt, obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat.

Auch sonst hat das Spiel nicht zu bieten, was einen über diese Probleme hinwegschauen ließe. Es gibt zwei verschiedenen Geschichten, aber die erste ist schon so öde, dass ich mir die zweite gleich gespart habe. Nett ist noch die Idee mit der Kombination verschiedener Runen neue Zaubersprüche zu bekommen, aber dummerweise wird die unzuverlässige Erkennung durch das Zeichnen mehrerer Runen in Folge auch nicht besser.

Was bleibt? Ein Spiel das man irgendwie mögen will, dass einen mit seinem zähen Spielfluss und seiner hakeligen Steuerung ganz schnell verjagt. Ich weiß nicht wie tief der Hasenbau ist, aber ich will es auch nicht mehr herausfinden.

Nur die Speicherpunkte in Form eines zeptertragenden, phrasenfabelenden Schnabeltieres sind gelungen. Cool, aber das reicht nicht.

20 Kommentare Autor: Richard
Tags: ,
Sagt ein Sündenbock zum anderen: “Du bist schuld!”

bundesverband.jpg

Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, abgekürzt (festhalten!) “G.A.M.E”, hat sich zu dem Amoklauf in Emsdetten geäußert und damit meisterhaft bewiesen, warum Spiele in Deutschland keine Lobby haben.

Aber arbeiten wir uns mal systematisch durch. Zunächst mal macht der “G.A.M.E.” (kicher!) ganz deutlich klar, dass er nur eine Minderheit der deutschen Entwickler repräsentiert.

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum.

Sehr geschickt, so nimmt man sich gleich das Mandat und stellt klar, dass man nicht mit Autorität für die Branche reden kann.

Edit: Ich hatte zuerst 40% der Produzenten gelesen, in Wirklichkeit sind es “40 Produzenten”. Ich weiß nicht, was das jetzt für einen Prozentsatz ergibt, jedenfalls muss ich die Kritik natürlich zurückziehen. Sorry.

Nach dem üblichen Verteilen von ein bisschen mehr oder weniger ernst gemeinter Anteilnahme (und wir wollen hier mal wohlwollend davon ausgehen dass sie ernst gemeint ist) fühlt man sich verpflichtet mitzuteilen, dass viele Videospielentwickler nicht als Waisen aufgewachsen sind (“wir haben Familie!”) und dass manche es sogar geschafft haben ihre Gene weiterzureichen (“viele von uns sind Väter, Mütter”). Wer derartige Selbstverständlichkeiten als wichtige Tatsachen in die Welt hinausposaunen muss, der macht klar, dass er das aus irgendwelchen Gründen eben nicht für selbstverständlich, sondern irgendwie für eine besondere und ungewöhnliche Leistung hält.

Dann wendet man sich “energisch” (also mit ein paar leeren Worthülsen) gegen die Kriminalisierung des Berufsstandes Videospielentwickler und des Mediums Videospiele. Soweit in Ordnung. Was sollen sie auch sonst sagen?

Als nächstes weist man strikt jede Schuld von sich:

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat.

Belegt wird diese klare Aussage mit, äh, gar nichts. Außer vielleicht mit einem vagen Hinweis auf “viele aktuelle Aussagen von Experten”. Auf welche, na ja, das wird nicht gesagt. Dadurch setzt man sich äußert geschickt dem Verdacht aus, dass es in Wirklichkeit nur wenige Aussagen gibt und dass diese im Zweifelsfall nicht von Experten stammen.

Der Verdacht wäre falsch, aber woher soll der unbedarfte aber skeptische Leser das wissen? Kann es so schwer sein, im richtigen Moment mal den Namen von ein, zwei Professoren fallen zu lassen? Guckt mal das Heute Journal, die kriegen das auch hin.

Na gut, als nächstes dann der Hinweis auf Deutschlands tolles Jugendschutzsystem an dem man aktiv mitarbeitet. Das stimmt natürlich. Da kann ich jetzt gar nichts Schnippisches zu sagen. Mist.

Der nächste Absatz bietet aber wieder viele Möglichkeiten. Zunächst mal kommt die Feststellung:

Computerspieler sind keine Randgruppe.

Das ist an sich richtig. Wir Spieler sind eine so große Gruppe, dass wir eigentlich ein denkbar schlechtes Ziel für Diskriminierung abgeben sollten. Dummerweise sind wir völlig unorganisiert und werden, wenn überhaupt, von Organisationen wie dem “G.A.M.E.” (Augenroll) vertreten, die an Zahn- und Hilflosigkeit kaum zu überbieten sind.

Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner.

Wer ernsthaft glaubt, dass ein 40-jähriger Politiker und ein 70-jähriger Rentner von Videospielen genauso begeistert sind, wie ein 6-jähriges Mädchen, der ist nicht nur naiv, der ist schlichtweg dumm.

Wir sind inzwischen soweit, dass 6-jährige Mädchen tatsächlich häufig schon von Videospielen begeistert sind. (Laut einer Liste eines amerikanischen Einzelhandelsverbandes taucht sowohl das Nintendo DS als auch die Playstation 3 in den Top 10 der Liste von häufigsten Weihnachtswünschen von Mädchen auf.) Das ist ein großer Sieg. Wer aber mal versucht hat, seinem Opa auch nur das Konzept eines Videospiels zu erklären, der wird wissen dass die Lage auf der anderen Seite des Alterspektrums völlig anders aussieht. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber auch diese Ausnahmen sind selten. Dass 40-jährige Politiker selten Videospiele spielen, kann man im übrigen im Moment ganz gut der Presse entnehmen. Schaut mal rein, lieber Bundesverband.

Schnell werden vom “G.A.M.E.” (ihr wisst schon…) noch die Eltern in die Pflicht genommen (nicht falsch, aber auch keine sonderlich frische Idee) und dann fängt die Suche nach der wahren Ursache für den Amoklauf an.

Was ist die Antwort des “G.A.M.E.”? Wird das soziale Umfeld des Täters analysiert, sein Brief, seine Einsamkeit, seine Perspektivlosigkeit? Fragt man sich, warum niemand in der Lage war seine Probleme zu erkennen, oder gar seine Hilferufe zu hören?

Ach Quatsch. Man macht einfach das gleiche wie die Politiker und sucht sich einen eigenen Sündenbock. Für den “G.A.M.E.” sind nämlich die Waffen schuld!

Äh, wir waren es nicht! Der war’s!

Wie die Kindergartenkinder. Ich weiß nicht genau wie das funktionieren soll (vielleicht haben die Waffen ja nachts unter seinem Bett gelegen und ihm zugeflüstert “Du musst töööööten!”), aber ist ja auch egal. Hauptsache jemand anders ist schuld.

Fähigkeit zur Selbstkritik? Fehlanzeige. Konstruktive Hinweise auf echte Ursachen? Fehlanzeige.

Jeder der auf Spielerseite hingeht und mit dem Finger auf die Waffen zeigt, macht sich in meinen Augen lächerlich. Wenn Waffen die Ursache für den Amoklauf sein können, dann können es nämlich auch Spiele sein.

Wer selbst Sündeböcke sucht, der darf sich nicht beschweren, wenn er plötzlich einer ist.

Klar, eine Waffe ist etwas anderes als ein Videospiel. Letzteres ist ein Kulturgut und am Ende des Tages ist eine Waffe immer noch ein Gerät, das speziell zum Töten entwickelt wurde. Klar, er hätte die Waffen nie haben dürfen, aber man kann auch mit einem Küchenmesser Amok laufen. Die Frage ist doch, warum er überhaupt die Waffen haben wollte.

Der Frage will man beim “G.A.M.E.” aber lieber aus dem Weg gehen. Hauptsache jemand anders ist schuld. Wisst ihr was? Ich wette die würden sich mit Herrn Beckstein prima verstehen.

73 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , ,
Es geht auch anders

zdf.jpg

Ich habe heute leider keine Zeit, was Aufwändiges zu schreiben, möchte aber gerne auf den gestrigen Beitrag im Heute Journal zur “Killerspiel”-Debatte hinweisen. Sachlich, nicht frei von Kritik, aber mit der ganz klaren Aussage, dass Spiele ganz sicher nichts mit irgendwelchen Amokläufen zu tun haben. Journalismus quasi. Schön, dass es heutzutage so was noch gibt.

Gestern sind ja auch noch diverse Zeitungsartikel aufgetaucht, welche den gleichen Effekt kritisiert haben, nämlich die absolut reflexartigen Verbotsinstinkte diverser Politiker, die einen Sündenbock gefunden hatten, bevor überhaupt klar war, was in der Schule genau passiert war, von der Vorgeschichte des Täters ganz zu schweigen.

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung auf eine sachliche Diskussion zum Thema. Das würde natürlich auch den Willen zur Selbstreflektion auf Seiten der Spieler verlangen. Schaut mal bitte nach, ob ihr so was bei euch finden könnt. Ja, Spiele können schädlich sein. Wer mal mehr WoW gespielt hat, als es seinem Sozialleben oder seiner Ausbildung dienlich war, der wird das eingestehen müssen.

Außerdem kann man in dem Beitrag von Heute Journal prima sehen, dass sich Gamestar-Redakteure nicht mal fürs Fernsehen die Haare waschen. Für den Unterhaltungsfaktor ist also auch gesorgt.

35 Kommentare Autor: Richard
Tags: ,
Das hat nicht lange gedauert

verboten.jpg

Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.

Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.

Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.

Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?

Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?

Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.

Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.

Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.

Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”

Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.

Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.

Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.

Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.

Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.

Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (“tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.

Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.

Oder auch nicht.

Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:

Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?

Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

143 Kommentare Autor: Richard
Tags: , , , ,
Der Red Steel Blues

redsteelblues.jpg

So, das Wii ist jetzt (zumindest in den USA) auch gestartet und eins ist schon mal klar. Red Steel taugt nichts. Das gibt es ja bei fast jedem Launch, dieses eine mit Spannung erwartete Spiel, was dann doch nichts taugt. Entweder weil die Entwickler die Technik der neuen Konsole noch nicht im Griff hatten, oder weil das Spiel zum Launch einfach nicht fertig geworden ist aber trotzdem irgendwie in den Läden landete, oder einfach weil es kein gutes Spiel war und sich die Journaille mal wieder, von irgendwas Glitzerndem abgelenkt, in einen Previewrausch geschrieben hat, ohne dabei so unwesentliche Details wie die Realität zu beachten.

Bei Red Steel scheint es ein bisschen was von allem zu sein. Zunächst mal hat sich bisher bei Gamerankings eine Durchschnittswertung von ca. 65,8% angesammelt. Autsch. Dabei hat es zwar seine Fans, aber ob 90% von einem Nintendo-zentrischen Printmagazin (Ngame UK) eine ernstzunehmende Wertung für einen ganz wichtigen Wii Launchtitel sind, das überlasse ich mal euch. Auch Computer & Videogames UK hat sich zu einer 8.0-Wertung hinreißen lassen, wobei deren Text gewaltig danach riecht, als wäre er hauptsächlich geschrieben worden, um wildgewordene Wii-Fanhorden davon abzuhalten das Redaktionsgebäude zu stürmen. Dabei sind die doch total lieb!

Das war es dann übrigens auch schon mit den Fans. Gamespot legt eine 5.5 auf den Tisch und 1UP eine glatte 5, während eToychest (wer?) immerhin noch 78% verteilt. Dabei sind die Kritikpunkte eigentlich in allen Reviews (auch den positiven) identisch. Erstens, es sieht nicht so toll aus. Manchmal besser, manchmal schlechter aber immer irgendwie nach Gamecube. Das überrascht nicht, denn es dürfte kaum jemanden geben, der noch unter der Illusion leidet, im Wii würde irgendwie mehr Rechensaft stecken als im Cube.

Zweitens, die Schwertsteuerung stinkt. Es wird mehrfach erwähnt, dass zwischen dem Schwertschlag mit der Wiimote und der Ausführung des Schwertschlages auf dem Bildschirm ca. eine ganze Sekunde liegt. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, glaube ich.

Drittens, die KI ist doof. Ich denke dabei dürfte es sich um einen klassischen Fall von Spielschnellfertigstellungsonstverpassenwirdenlaunchterminitis handeln. Wäre ja nicht das erste Mal. „Hallo Francois, hier ist dein Chef. Ich habe eine gute Nachricht für dich: du hast gerade die KI fertig programmiert.“

Jedenfalls denke ich, dass ich am 8. Dezember auf den Kauf von Red Steel verzichten werde. Womit es wohl erstmal bei Zelda und Raving Rabbids bleiben dürfte. Mit Wii Sports sind das ja schon drei Spiele. Zelda dürfte mich lange beschäftigt halten und Rabbids ist ein optimaler Systemtester. Trotzdem schade, die Sache mit Red Steel.

Aber keine Panik. Anscheinend hat Call of Duty 3 die Shootersteuerung mit der Wiimote wesentlich besser hinbekommen als Red Steel und Metroid macht es wohl komplett richtig. Nur weil Red Steel nichts taugt, heißt das also noch nicht, dass man mit dem Wii keine guten FPS bauen kann. Und früher oder später wird es auch ein gutes Schwertkampfspiel geben.

Vielleicht ja Red Steel 2?

65 Kommentare Autor: Richard
Tags: ,
Sackgasse

Tja, nun ist es wohl soweit: nachdem mein Windows-PC und ich eine Beziehungspause eingelegt haben, fragt sich nun auch Chris von nebenan, ob sich der Kauf seines neuen Spiele-PCs wirklich gelohnt hat, und sogar die Gamestar stellt in Frage, ob das alles noch einen Sinn hat. Die Technik, die man heute bekommt, rockt — wie immer; aber noch nie war es so schwierig, einen echten Grund für ein Spiele-PC-Komplettupgrade zu finden. Mal abgesehen davon werden immer weniger Titel exklusiv für den PC veröffentlicht. Erleben wir die letzten Tage des PCs als Spieleplattform?

Seien wir mal ehrlich, so nett sich Anno 1701 auf einer Monstermaschine in allen Details auch spielen würde, eigentlich braucht man das nicht wirklich. Und das ist nur eines der Spiele, die ich mir — in einem Versuch, die frostige Beziehung zu meinem PC wieder etwas aufzutauen — in den letzten Wochen zugelegt habe, die nicht mehr so richtig flott laufen, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür geben sollte. Zum Beispiel Sid Meier’s Railroads, das zwar knuddelig aussieht, aber auch nicht gerade ein solch spektakuläres Grafikfeuerwerk bietet, welches die eher durchwachsene Performance rechtfertigen würde. Gunnar hat völlig Recht: gerade bei solchen vermeintlich auf den Massenmarkt ausgerichteten Titeln wundert einen das schon etwas.

Ich bin schon eine ganze Weile am Überlegen, ob ich mir nun einen neuen PC zum Spielen gönnen sollte oder nicht. Vor kurzem traf ich tatsächlich den Entschluss, demnächst einen zu kaufen. Einen ordentlich ausgestatteten Monster-PC, der auch ein paar Jahre “halten” würde. Aber Artikel wie die beiden oben verlinkten holen mich dann wieder auf den harten Boden der Windows-Realität zurück. Letztendlich wären die Spiele doch nur flüssiger, aber nicht besser. Was mir wieder einen Großteil der Kaufmotivation nimmt. Hmpf. Oder Juchuh?

Ich frage daher einfach mal die Antination. Vielleicht übersehe ich etwas? Was wäre für euch ein Grund, in den nächsten Monaten einen neuen Spiele-PC zu kaufen? Wenn überhaupt?

78 Kommentare Autor: Hendrik
Tags: ,
Huh?

Weiß jemand mehr?

21 Kommentare Autor: Hendrik
Tags:
Heute neu in Hendriks Wohnzimmer

Project Gotham Racing 3: jetzt werdet ihr sicherlich verwundert auf das Datum dieses Beitrags starren. Ja, die Gerüchte sind wahr: diesen ollen 360-Launch-Titel habe ich mir tatsächlich jetzt erst geholt. Obwohl ich schon Test Drive Unlimited habe. Er lag halt für einen fairen Preis da und winselte mich an. Jetzt ist er mein. Erstes Urteil nach ein paar Strecken: es ist immer noch Project Gotham Racing. Und das meine ich positiv!

Tony Hawk’s Project 8: hey, ein neuer Tony Hawk-Titel! Obwohl ich selber kein Skater bin (hey, ich bin das Gegenteil eines Skaters), habe ich die Serie immer gemocht. Irgendwie macht es Spaß, rumzugrinden und -hüpfen und -flipkicken und -wasauchimmer, um obszöne Punktzahlen zu erreichen. Doch gleich zu Anfang eine Enttäuschung: ich konnte mir nicht — wie in einigen der Vorgängern — eine kleine, vollbusige Nerd-Skaterin zusammenbasteln. Die Auswahlmöglichkeiten beim Skater-Design sind überraschender Weise arg eingeschränkt. Buh! Tatsächlich gibt’s weibliche Charaktere anscheinend nicht ohne furchtbare Arm-Tattoos. Also fahre ich jetzt als Punk-Doofi durch die Gegend. Scheißspiel. Äh, ja. Der Rest ist halt wie ein typisches Tony Hawk-Spiel. Nur jetzt mit Bullet Time. (Ich denk mir das nicht aus. Der Effekt sowie sein Zweck sind aber ganz cool, also keine Panik.)

Gears of War: heilige Scheiße, Batman! Das mit Abstand coolste Spiel, das ich je gespielt habe. Was für ein Hammershooter! Epic können also doch geile Spiele machen! … Ich verarsche euch natürlich. Wollte nur mal hören, wie das klingt. In Wirklichkeit ist Gears of War so, als hätten sie den Typen, der sich die Taunt-Sprüche in Unreal Tournament ausgedacht hat, ein komplettes Spiel machen lassen. Womöglich haben sie das tatsächlich. Ich muss mir beim Spielen von Gears of War immer CliffyB vorstellen, wie er in London steht und merkt, dass die Welt tatsächlich aus mehr besteht als sein kleines Häuschen in Goatfuck, Indiana und der Taco Bell nebendran. Geil aussehen tut’s natürlich trotzdem. Damit kann man gerne auch ein paar der wirklich hohen Wertungen entschuldigen. Aber wirklich nur damit. Hunde.

Guitar Hero 2: kommen wir nun zur Enttäuschung des Abends. Ich liebe Guitar Hero. Es ist ein verdammt cooles, rundes Spiel. Der zweite Teil ist… genau wie der erste. Was eigentlich toll sein sollte, wären da nicht die neuen Songs. Die sind nämlich alle Schrott. Mit ein paar Ausnahmen natürlich. Aber wenn ich alleine in den ersten drei Levels lediglich ein Lied wiedererkenne und dieses Lied auch noch von The Police ist, dann stimmt was nicht. Es mag Rock-Fans geben, die sich besser mit der Materie auskennen und die mehr Spaß an den gebotenen Songs haben. Ich zähle leider nicht dazu. Da sehne ich mich echt nach dem ersten Teil zurück, der eine bunte Mischung an Klassikern bot, die sogar ich als Rock-n00b kannte. Ich wünsche mir den tollen Multiplayer-Modus aus Guitar Hero 2 mit den Songs aus Guitar Hero 1. Werde ich natürlich nie bekommen. Das macht mich traurig. Ich gehe jetzt ins Bett und weine leise in mein Kissen.

Oder spiele Guild Wars Nightfall. Das ist nämlich überraschend gut.

252 Kommentare Autor: Hendrik
Tags: , ,