Das hat nicht lange gedauert

Heute Morgen aufgestanden, den Fernseher angemacht und was sehe ich? Bilder von Counter-Strike. Das ZDF-Morgenmagazin befragt einen Professor einer Polizeischule, ob denn Computerspiele für Emsdetten verantwortlich seien.
Ich mache mir einen Tee. Das wird ein harter Tag werden.
Dann die Überraschung. Der Professor sagt nicht “ja”, er sagt so was wie “starker Konsum von gewalttätigen Videospielen kann ein Symptom sein, ist aber nicht die Ursache”. Nanu? Ein intelligenter Mensch, der mit der Frage reflektiert umgehen kann? Na, der wird in Zukunft sicher nicht mehr fürs Fernsehen interviewt werden. Aber gut, immerhin ist er heute irgendwie durchs Netz gerutscht.
Als nächstes ist irgendjemand von irgendeinem Lehrerverband dran. Sein bayerischer Akzent macht ihn erstmal verdächtig, ein CSU-Wähler zu sein, aber auch er macht Spiele nicht pauschal für den Untergang der westlichen Kultur, sondern beklagt eine Kultur des Wegschauens. Nanu?
Hat sich vielleicht etwas verändert? Ist ein Ruck durch unsere Gesellschaft gegangen? Hat das wiederholte Auftreten des Problems vielleicht zu der Erkenntnis geführt, dass es doch nicht allein an Videospielen liegen kann?
Ach was. Ein Blick auf n-tv.de zeigt, dass die Lage nicht anders ist als zuvor. Die Überschrift der Titelstory lautet “Killerspiele sind schuld?”. Wohl gemerkt, sie laut nicht “Sind Killerspiele schuld?”, wie die Frage grammatikalisch korrekt formuliert wäre, nein, sie lautet “Killerspiele sind schuld?”. Ein Aussagesatz. Qualifiziert mit einem Fragezeichen.
Der alte Trick halt, wenn man etwas sagen will von dem aber weiß dass es nicht stimmt, oder dessen Wahrheit man zumindest nicht belegen kann. Man sagt es einfach trotzdem. Dann ein kleines Fragezeichen dahinter, damit sich keiner beim Presserat beschweren kann, und fertig ist der Schmierenjournalismus.
Die Überschrift der Tageschau ist nicht viel besser: “Durch Computerspiel zum Amokläufer?”. Schon faszinierend wie aus dem riesigen Feld von denkbaren Problemen und Ursachen gerade die Spiele es immer wieder in die Überschriften schaffen. Immerhin schafft das ZDF mit “Politiker streiten um Verbot von ‘Killerspielen’” eine neutrale und inhaltliche korrekte Überschrift. “Killerspiele” ist sogar in Anführungszeichen gesetzt.
Dann aber die übliche Litanei. “Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht das Verbot von Killerspielen in Betracht.”, “Ähnlich äußerte sich Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), und forderte, dass der Gesetzgeber endlich handelt.” und “Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verlangte, dass gegen Spiele, die Gewalt verherrlichen, konsequent vorgegangen wird.”
Es gibt auch vorsichtige Stimmen, zum Beispiel von den Grünen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass jetzt die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Höhlen kriechen und gnadenlos Stammtischparolen feuern werden. Haltet euch fest, die nächsten Wochen werden hart.
Ich habe gestern Abend übrigens noch mit meiner Mutter über das Thema gesprochen. Ihr Kommentar dazu war, dass ich es mir nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, denn damals zu ihrer Zeit wäre immer die “Negermusik” für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht worden.
Der Begriff ist für mich sehr erhellend, denn er wirft ein eindeutiges Bild auf die Denkstrukturen von Menschen, die immer auf der Suche nach einem einfachen Sündenbock sind, egal was die aktuellen Probleme oder ihre Ursachen gerade sein mögen. Ob “Negermusik” oder “Killerspiele”, für solche Leute gibt es da keinen Unterschied. Hauptsache man kann jemand anderes verachten, dann fühlt man sich selber nicht mehr so schlecht.
Das Problem ist natürlich, dass diese Sündenbocksuche schlichtweg gefährlich ist. Sie dient zwei Zwecken. Zum einen erlaubt sie es Politikern den Anschein zu erwecken, sie würden etwas tun. Zum anderen erlaubt es den Medien natürlich prima Quote zu machen bzw. Leser zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.
Diese beiden Zwecke werden auch ganz vorzüglich erfüllt. Dabei gibt es nur einen Haken: die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen. Also gibt es wenig später (Überraschung!) wieder einen Vorfall. Warum? Weil alle zu sehr damit beschäftigt waren, Wählerstimmen und Einschaltquoten zu generieren, um sich damit darum kümmern zu können, weitere Vorfälle zu verhindern.
Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.
Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen.
Also: Videospiele. Ein bisschen Brimborium, ein paar Verbote (”tut ja keinem weh”) und alle schlafen wieder ruhig.
Wir sehen uns in zwei Jahren beim nächsten Amoklauf. Egal was am “Jugendschutz” geändert wurde, es wird sich nichts geändert haben. Vielleicht merken die Leute ja dann, dass es vielleicht doch nicht alleine an den Videospielen gelegen hat.
Oder auch nicht.
Irgendwann wird es sich natürlich ändern. Spätestens dann, wenn unsere Generation alt genug ist, um sich in verantwortliche Positionen in der Politik und den Medien hochgearbeitet zu haben. Dann wird die Debatte um Videospiele vorbei sein, denn dann tut es jemandem weh. Bleibt nur eine Frage:
Was wird in 30 Jahren unsere “Negermusik” sein?
Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.

21. November 2006 um 12:28 Uhr
Himmel, ist das genial geschrieben. Ganz großen Respekt.
21. November 2006 um 12:28 Uhr
schwarze mäntel gehören verboten!
21. November 2006 um 12:35 Uhr
Und Brot…
21. November 2006 um 12:40 Uhr
Wie recht Du hast. Es geht natürlich wieder hauptsächlich darum die Bevölkerung zu beschwichtigen.
Lasst uns die Computerspiele verbieten… Deutschland ist wieder sicher.
:-/
21. November 2006 um 12:43 Uhr
Ich kann mich Basileus nur anschliessen.
Ein Artikel, der sich zwischen vielen guten
Texten, die ich hier bereits gelesen habe,
wohlfühlen wird. Das sind viele gute Statements
zu einer - von vielen - gewollt falschen
Berichterstattung.
21. November 2006 um 12:45 Uhr
Rein interessehalber… wo hat der Kerl eigentlich die Waffe herbekommen? Gibt’s das jetzt als Packungsbeilage zu ‚Ballerspielen’ wie Counterstrike?
21. November 2006 um 12:51 Uhr
Auch von meiner Seite ein Lob für den Text! Ob die Debatte in ein paar Jahren jedoch wirklich nicht mehr ansteht, wage ich zur Zeit noch zu bezweifeln, denn auch in Zukunft wird eine Hand die andere waschen, und dass zukünftige Politiker auf den einfachen Sündenbock “Games” verzichten wollen, nur weil sie mal Videospieler waren, kann ich mir nicht vorstellen.
Zu hoffen wäre es aber…
21. November 2006 um 12:57 Uhr
Gut und wichtig finde ich, dass Du dich hier nicht in Polemik ereiferst, so wie es in diesem Moment zweifelsohne hunderte andere Gamingblogs tun.
/takes a bow
Alex
21. November 2006 um 12:58 Uhr
Der Artikel sagt alles.
Spitze!
21. November 2006 um 13:13 Uhr
Zustimmung. Die üblichen Verhaltensweisen wie beim letzten Male.
SPON http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,449688-2,00.html schreibt dazu:
“Wir brauchen an jeder Schule einen Psychologen”, sagte der Leiter des schulpsychologischen Dienstes der Stadt Düsseldorf, Stefan Drewes. Die Forderung ist nicht neu - sie sei aber nach dem Amoklauf des ehemaligen Erfurter Schülers Robert Steinhäuser nie umgesetzt worden, sagte der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, im vergangenen April zum Jahrestag des Erfurter Massakers.
Psychologen kosten natürlich Geld. Verbote sind da natürlich viel billiger.
21. November 2006 um 13:13 Uhr
Doch, das werden sie. Der Witz ist natürlich, dass sie einfach irgendwas anderes zum Sündenbock machen werden. Etwas, das sie nicht kennen und nicht verstehen. Wie gesagt, jede Generation hat ihre “Negermusik”.
21. November 2006 um 13:16 Uhr
Hut ab, hat mir sehr gut gefallen der Artikel. Das Games aus braven Buben keine Killer machen verstehen wir wohl alle, Games sind also nicht schuld, vielleicht hättest du etwas stärker herausstreichen können das generell eine Suche nach einem externen Auslöser (Filme, Rockmusik whatever) fruchtlos bleiben muss. Solange aber genau nach so etwas in Medien und Politik gesucht wird, solange werden sie weiter im Dunkeln tappen und sich bald wieder fragen: “Wie konnte das nur passieren?”
21. November 2006 um 13:27 Uhr
Ganz großes “Daumen hoch”! Ich glaube man hätte das nicht besser niederschreiben können.
21. November 2006 um 13:30 Uhr
man darf so was sicht nicht durchlesen wenn man grade in einer Vorlesung sitzt.
Sehr guter Beitrag!!!
21. November 2006 um 13:39 Uhr
Enter the Schünemann.
21. November 2006 um 13:40 Uhr
gut geschrieben…
Mit den Sündenböcken hast du echt recht.
Zu Großmutters Zeiten waren es de Juden, dann kam die “Negermusik”, in den 80ern und frühen 90ern waren es die Action- und Horrorvideos und heute die Videospiele…wahrscheinlich werden es in Zukunft die Bücher sein, die können wir dann wieder öffentlich verbrennen.
Aber woher er die Waffen hat und warum den Eltern und Geschwistern nichts aufgefallen ist bleibt unerwähnt. Die haben meiner Meinung nach am meisten versagt, auch wenn es jetzt kurz nachdem die Kind bzw Bruder verloren haben hart klingen mag, denen hätte als aller erstes auffallen sollen das was nicht stimmt, das der Junge verzweifelt ist und sogar öffentlich nach Hilfe ruft.
Aber nix habe se gemerkt…also sind die Spiele schuld, weil selbst ist man ja nie schuld.
21. November 2006 um 13:59 Uhr
Die Familie wird in dem Abschiedsbrief im übrigen nicht einmal erwähnt.
Wenn der Killerspiel-Hype vorbei ist kommt das nächste, vielleicht mal wieder Handys, oder Youtube, oder sonstwas… Richard hat das schon ganz gut auf den Punkt gebracht.
21. November 2006 um 14:03 Uhr
War sonst noch was heute? Achso ja, der Gammelfleischverkäufer kriegt Bewährung und hat schon eine neue Firma und ein mutmaßlicher Kinderschänder spielt Versteckspiel mit der Justiz. Aber Deutschlands einziges Problem sind “Killerspiele” … ich wander aus ehrlich echt.
21. November 2006 um 14:07 Uhr
Schuenemann ist doch in einem Schuetzenverein und ballert ganz real? (oh, merke, ich habe das gleiche Prinzip angwendet :D)
Naja diese hohlen Parolen mal wieder
Terroristen / Raubkopierer / Killerspielspieler…
21. November 2006 um 14:09 Uhr
Wir sehen uns in Schweden :D
21. November 2006 um 14:10 Uhr
{…} Die kulturpessimischtische Klage über Computerspiele und Gewaltmedien, die stets nach solchen Taten anhebt, dient vor allem der Selbstberuhigung: Sie macht das schwer Fassbare und kaum Erklärbare handhabbar. Es hilft, wenn man einen Schuldigen dingfest machen kann und die rätselhafte Tat in eine Abfolge von Ursache und Wirkung einfügen kann. {…} taz, heute morgen
Noch ist nicht aller Tage Abend. Qualifizierte Beträge in den Medien helfen immer wieder den Glauben an die Restvernunft zu behalten.
Und wer interessiert sich schon länger als so etwas in den Medien seine Kreise zieht für die Politiker mit dem Drang sich zu profilieren.
21. November 2006 um 14:14 Uhr
Toller Artikel, ist sehr schön zu lesen, dass es doch noch denken Menschen in unserer Gesellschaft gibt. Danke!
Ich kann mir auch hier nur wiederholen, es werden Symptome ganz einfach mit Ursachen verwechselt….immer und immer wieder….
21. November 2006 um 14:15 Uhr
Die Welt(!) hat in der Tat auch einen auf positive Art kritischen Artikel zu dem Thema geschrieben, obwohl die in der Vergangenheit auch eher negativ aufgefallen ist.
21. November 2006 um 14:21 Uhr
Erstmal ein Lob an Richard für sein Statement. Hab mich gefreut was vernünftiges zu dem Thema zu lesen, nachdem ich mir heute Vormittag die ganzen reisserischen Beiträge von Punkt 9. Sam und Co. angetan habe.
Der junge Mann war 18 Jahre alt, hatte aus seiner Sicht keinerlei Perspektive und war dementsprechend wütend auf die Gesellschaft die ihn “verstößt”. Jeder “normale” Jungendliche hat einen Computer oder eine Konsole, und fast alle haben auch “Ballerspiele”.
Was erwarten die “Experten” denn, was so eine verzweifelte Person zuhause spielt ? Monkey Ball ? Harvest Moon ? Animal Crossing ? (Lustig wärs…) Ist doch klar das man bei einem männlichen Schüler Counterstrike und Doom findet. Das er scharfe Waffen, Sprengstoff, selbstgedrehte Gewaltvideos gehortet hat finde ich da ein minibisschen aufschlussreicher. Und das er seine Tat im Netz explizit angekündigt hat und niemand auch nur irgendwie darauf reagiert hat finde ich nur traurig.
Die Waffen hatte er laut ZDF von EGun und Mygun. Beunruhigend, das es sowas gibt.
21. November 2006 um 14:24 Uhr
Statt Negermusik hat man ja heute die “menschenverachtende Metalmusik”. :) (Das Zitat stammt entweder von Tagesschau oder Spiegel Online, hab gerade keine Zeit mehr nachzusehen…)
21. November 2006 um 14:39 Uhr
Huch, so langsam macht sich doch ein differenzierter Blick breit. Wenn sich schon die Zeit dazu hinreißen lässt:
21. November 2006 um 14:40 Uhr
Ich werd es nie raffen. ;-)
http://www.zeit.de/online/2006/47/Emsdetten-Kommentar
21. November 2006 um 14:56 Uhr
wenn man davon ausgeht,das in deutschland etwa eine million menschen “killerspiele” spielen,und davon einmal im jahr einer beeinflusst wird (durchdreht),dann ist das 0.0001 % der gesamten spielenden gemeinschaft…wie kann man da überhaupt auf die idee kommen des so zu veralgemeinern?(selbst wenns nur 100000 spieler gibt,wärens nur 0,001%)
21. November 2006 um 15:11 Uhr
Interessante Frage: Hast es solche reflektierten Berichte auch nach Erfurt gegeben? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern.
21. November 2006 um 15:16 Uhr
Erstmal Respekt für Schreibweise und Inhalt des Textes.
Jetzt die Bitte:
Bitte, wechselt Zeitungsredakteure mit Antigames Autoren ab.
Ich habe mir gerade den Artikel aus dem Hamburger Abendblatt zu dem gestrigen Vorfall durchgelesen und es war schrecklich.
“1.024 Videos hatte er sich schon auf YouTube.com angesehen. Die letzten vor 2 Tagen.”
Von diesen Sinnentfremdeten Sätzen und Beschreibungen ist der Artikel übersäht und ich hoffe das einer der Redakteure hier selbigen mal lesen kann , auf euren Kommentar bin ich gespannt…
21. November 2006 um 15:17 Uhr
Persönlich am allerschlimmsten finde ich die Tatsache, dass in fast keiner der Meldungen zum Thema erwähnt wird, dass der Kerl heute einen Gerichtstermin (!) wegen illegalem Waffenbesitz (!!) gehabt hätte.
srsly, WTF.
21. November 2006 um 15:19 Uhr
Sagt einiges über die Prioritäten der entsprechenden Medien aus. Hilft natürlich nicht wirklich. Die üblichen Verdächtigen würden wahrscheinlich argumentieren, dass er erst durch die Videospiele zum Waffennarren wurde.
21. November 2006 um 15:26 Uhr
Was mich an der Debatte allerdings auch (!) stört, ist folgendes: Die Computerspieleszene neigt stets dazu, die Medien wegen ihrer undifferenzierten Betrachtungsweise anzugreifen, legt selbst aber selten eine differenziertere an den Tag. Denn auch wenn die Mehrzahl der Studien einen Kausalzusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt nicht nachweisen können, so ist doch auch das Gegenteil noch nicht erwiesen.* Die Debatte wäre m.E. fruchtbarer, wenn auch die Computerspieler in Betracht zögen, dass es einen Zusammenhang geben könnte; idealerweise unter Verzicht auf die martialische Ausdrucksweise, die sich in einigen Foren findet und die das Cliché des gewalttätigen Computerspielers nicht zerstört, sondern zementiert. Merkwürdig ist auch die Reaktion des Leiters einer Counter-Strike-Liga (Interview heute in der SZ), der zweimal abwiegelnd erklärt, der Täter habe „wohl auch mal“ Counter Strike gespielt. Selbst wenn der Täter ein passionierter Spieler gewesen wäre, sollte das doch nach Ansicht der Mehrheit der Computerspieler unbedeutend sein, wieso also lavieren?
*Zuletzt ist mir klar, dass demjenigen, der ein Verbot erlassen will, die Beweislast obliegt, einen Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt nachzuweisen. Aber spricht nicht zumindest ein kleiner Anschein dafür, dass der stundenlange und unreflektierte Konsum interaktiver Medien mit Gewaltinhalt den Rezipienten nicht völlig unbeeindruckt lassen kann? Andere – möglicherweise sogar dominierende – Faktoren sind damit natürlich nicht ausgeschlossen. Gerade weil das Thema so komplex ist, verbieten sich monokausale Erklärungsmuster. Das gilt aber auch für „uns“.
P.S.: Hendrik, weiß nicht ob du meine e-Mail bekommen hast, aber das Kommentarfeld ist links abgeschnitten (IE 6.0) kann man da was machen?
21. November 2006 um 15:32 Uhr
Die Spieleszene ist schon seit langer Zeit in einer völlig Defensivstarre verharrt, in der jede Art von Selbstreflektion als geradezu frevelhaft betrachtet wird. Diese Haltung ist natürlich durch die inzwischen jahrzehntelangen Anfeindungen entstanden, aber sie ist trotzdem schlecht.
Tatsächlich sind gewalttätige Spiele irgendwo ein kleiner Teil des Problemfelds solcher Taten. Mehr als Symptom, denn als Ursache, aber trotzdem nicht völlig irrelevant.
Nur kann man über so was nicht sinnhaft diskutieren, wenn eine Seite völlig bar jeglicher Vernunft einen billigen Sündenbock sucht und die andere Seite sich grundsätzlich weigert über die Thematik vielleicht auch nur nachzudenken.
21. November 2006 um 15:36 Uhr
Einverstanden. Nur hilft ein Abwehrreflex: “Spieleverbot = Verbot von Negermusik” auch nicht weiter.
21. November 2006 um 15:43 Uhr
Mann beachte auf Spiegel Online:
Rohrkrepierer gegen Killerspiele
21. November 2006 um 15:44 Uhr
Nebenbei: Das Schiessen hat er nicht mit Counterstrike gelernt, sondern bei den täglichen Abenden mit seinem Vater auf der Jagd …
ach ja … das hatten bisher alle gemeinsam: Wenn schon war einer der Eltern Jäger oder sie waren im Schützenverein …
Aber was will man erwarten: Die meissten Beissattacken von Hunden wurden von Schäferhunden gemacht. Diese wurden nie auf die so genannte Kampfhundeliste gesetzt … Passt gut zum Jäger & Schützenverein.
21. November 2006 um 15:45 Uhr
Bei N24 war auch ein cooler Typ. Der Sprecher hat sofort die These aufgestellt dass Counter Strike schuld sei, der Typ verneinte das und bestätigte das mit dem Argument das könne nicht mal bewiesen werden. Er argumentierte mit Bowling for Columbine und hat auch die SPiele rehct nett in Schutz genommen ^^
21. November 2006 um 15:48 Uhr
Richard haben emailpost und so :)
In nicht allzu ferner Zukunft ist die Debatte über Killerspiele überflüssig. Dann sitzen wir an der Macht und wir regieren dieses Land. Adios sagen wir dann zu den Pappnasen, welche sich nie mit der Materie befasst haben.
21. November 2006 um 15:49 Uhr
Da sammeln sich ja langsam doch eine differenzierte Aussagen in den Medien. Vielleicht war mein Ersteindruck heute morgen doch nicht so falsch?
Ich denke dass die Abspulung der exakt gleichen Reflexreaktion wie nach Erfurt doch einigen Leuten aufgefallen ist und vielleicht ein kleiner Denkanstoß war. Bin mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
21. November 2006 um 15:49 Uhr
zitat aus dem spiegelartikel:
liest man bei spon jetzt antigames?
21. November 2006 um 15:56 Uhr
Hab mir gerade EGun angeguckt. Guckt mal die Werbung !
21. November 2006 um 16:03 Uhr
kommentarfunktion gekillt, tetsuo?
21. November 2006 um 16:07 Uhr
Also Kinder, nochmal zum Mitschreiben: Einen Link setzt man, in dem man ein Stück Text hervorhebt und dann auf den Link-Knopf drückt. Das funktioniert genau so, wie ihr ein Stück Text mit den Knöpfen fett oder kursiv macht.
21. November 2006 um 16:09 Uhr
Die wären nicht die Ersten.
21. November 2006 um 16:40 Uhr
Der SpOn-Artikel ist wirklich mal schön, vor allem da er mal ein paar Fakten bringt.
Die zig-tausenden von Studien zum Thema Medien und Gewalt ignorieren Herren wie St. Oiber so gerne, dabei zeigen die doch relativ eindeutig dass man mit simplen Ursache->Wirkungsmechanismen nicht sonderlich weit kommt.
21. November 2006 um 17:23 Uhr
Wie peinlich… Danke für den Hinweis !
21. November 2006 um 17:23 Uhr
Dem HTML-Fragment nach wollte Tetsuo auf http://www.egun.de/market/item.php?id=1122587 hinweisen.
21. November 2006 um 17:31 Uhr
Ja, das war der Link. Wobei die Werbung natürlich ständig wechselt, insofern weiß ich nicht worauf er eigentlich hinweisen wollte.
21. November 2006 um 17:34 Uhr
Das die Werbung ständig wechselt hab ich auch gemerkt. Da war mehrmals Werbung für Rainbow Six: Vegas zu sehen.
21. November 2006 um 17:36 Uhr
Hier der Banner.
21. November 2006 um 17:49 Uhr
Sehr schöner Artikel, da kann ich mich natürlich allen anderen nur anschließen.
Leider gibt es einfach zu viele Politiker, die sich auf eine solch einfache Lösung stürzen, teilweise mit einer Art von Polemik, bei der mir schlecht wird.
Beispiel?
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein forderte, “Killer-Spiele” sollten “in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt”.
Zitat von tagesschau.de
21. November 2006 um 18:11 Uhr
Ich hör schon den ganzen Tag im Radio, egal welcher Sender nur “Killerspiele”. Da geht keiner mal her und spricht von anderen Dingen. Und ein Verbot ist doch ein Witz hoch 3. Wer Bastel-Anleitungen aus dem Internet für eine Bombe entnehmen kann, wird wohl auch fähig sein ein Spiel herunterladen zu können.
Das angedachte Verbot bringt absolut nichts. Nicht mal die Idee die dahinter steckt ist es wert.
Sicherlich muss man als Spieler auch zugeben, dass bestimmte Spiele ihren Senf bei so einem Amoklauf dazugeben können, aber doch nicht in dem Maße wie das überall von den Medien publiziert wird.
21. November 2006 um 18:12 Uhr
Und noch was Richard: Deine Mutter ist eine intelligente Person!
21. November 2006 um 18:25 Uhr
Seal hat meines Erachtens völlig recht - die Debatte ist *auch* in den Reihen der Spieler- und Entwicklerschaft einseitig und unterbeleuchtet.
Selbst wenn es keine harten Fakten für die aggressionsfördernde Wirkung von, ahem, “Killerspielen”, gibt, so legt die Verwendung spielähnlicher bzw. spielidentischer Simulationen und Tools gerade seitens des Militärs (Stichworte: America’s Army, Full Spectrum Warrior u.a.) doch zumindest nahe, daß Videospiel-Inhalte zur Beeinflussung gerade junger Menschen (Rekrutierung), Einübung von Kampftechniken und Herabsetzung von Hemmschwellen verwendet werden.
Die Frage also, ob nicht gewisse “Spiele” zumindest einen *Beitrag* ( - nicht den oder den einzigen oder den enstcheidenden - ) zu Entwicklungen wie zuletzt der in Emsdetten leisten, und ob nicht auch die Spielerschaft bzw. Spieleindustrie das Wesen ihrer Spielinhalte mal ganz offen und selbstkritisch hinterfragen sollte, ist vor diesem Hintergrund doch nicht völlig illegitim. Darüber kann man schon mal reden, oder? Wenn wir das übrigens nicht selbst tun, tun’s die anderen weiterhin ohne uns. Dann wahrschenlich aber nicht mit dem allerwünschbarsten Ergebnis.
Es scheint mir etwas zu schlicht, sich als Spieler (oder Entwickler) völlig auf die Theorie des von vornherein soziopathischen Einzeltäters zurückzuziehen, zu dessen Wahnsinn wirklich *alles und jeder*, einschließlich Eltern, Schule, Gesellschaft, AV-Medien und wasweißichwernoch beigetragen haben dürfen, aber eben auf gar keinen Fall Computerspiele.
Die Forderung, daß sich nun, nach Emsdetten, doch bitte mal wieder etwas so völlig Abstraktes wie “die Gesellschaft” ändern möge, damit wir beim kulturell wertvollen Ballern und Zersägen weiterhin unsere Ruhe haben, scheint mir doch arg bequem. Wir können nicht einerseits fordern, daß Spiele als Kulturbeitrag wahrgenommen werden sollen, und anderseits die Ohren auf Durchzug stellen, sobald unangenehme Fragen nach der Art dieses Kulturbeitrags kommen, und Kritik laut wird. Auch dann nicht, wenn die Kritik harsch ist. Und nicht einmal dann, wenn sie womöglich ungerechtfertigt ist.
Daß die Kritik nach den jünsten Vorkommnissen in Emsdetten wieder völlig überzogen und einseitig ist, daß offensichtlich ein Sündenbock gesucht wird, liegt natürlich auf der Hand. Ich stimme Richard auch zu, wenn er feststellt, daß die “Debatte ein trauriges Bild unserer Gesellschaft [zeichnet], weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.”
Hinzusetzen müßte man lediglich noch, daß “die Gesellschaft” u.a. wir selbst sind.
Schönen Abend noch,
Martin
21. November 2006 um 19:02 Uhr
Hallo Martin,
ich habe am Schluss eigentlich versucht klar zu machen, dass wir da nicht von ausgenommen sind. Und dass die Spielebranche und die Spieler diese ganzen Anfeindungen zum Teil selbst verschuldet haben, haben wir hier ja auch schon öfter diskutiert.
Ich denke die Tage wird es dazu nochmal einen Beitrag geben. Der Zeitpunkt ist glaube ich nicht schlecht.
21. November 2006 um 19:06 Uhr
Sehr schöner Text und vollkommene Zustimmung!
21. November 2006 um 19:34 Uhr
Meine Güte:
Was soll man dazu noch sagen.
21. November 2006 um 19:39 Uhr
Danke für den gut geschriebenen Text - allerdings werden ihn wohl wieder mal vor allem die lesen, die inhaltlich ohnehin auf dieser Linie sind. Aber vergessen wir nicht Herrn Beckstein, der fordert ” “Killer-Spiele” sollten “in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt”.
Quelle: http://tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6112564_NAV_REF1,00.html
Ehrlich - da fehlen mir die Worte
21. November 2006 um 19:44 Uhr
[…] Weiterführende Artikel und Beiträge: Das hat nicht lang gedauert Richard von antigames hat schon fast geglaubt, dass sich die Situation verbessert hätte, wurde dann aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Seine Mutter meint, dass man vor dreißig Jahren alles auf die Negermusik schob und heute müssen eben die Killerspiele herhalten. Er fragt sich daher was wohl in dreißig als Sündenbock herhalten muss. […]
21. November 2006 um 19:50 Uhr
[…] Was soll man dazu noch sagen. Alle verrückt. Bis auf Richard. […]
21. November 2006 um 19:51 Uhr
[…] Naja. Nicht bei Wolfgang Bosbach und Jörg Schönbohm und all den anderen, die sonst immer nach Wertedebatten brüllen. Für alles weitere zu der Diskussion verweise ich mit einem “Word!” auf Antigames. Es macht mich nur noch müde, nicht mehr wütend. Muss das Alter sein. […]
21. November 2006 um 19:52 Uhr
Trackbackattack!
21. November 2006 um 19:56 Uhr
Verdient habt ihr es.
21. November 2006 um 20:06 Uhr
Nabend Richard,
ja, ich hab’s gesehen. Gerade Deine Schlußbemerkung hat mich aber etwas gestört. Letztlich exkulpierst Du ja Videospiele pauschal und per se, indem Du die Kritik an ihnen allein und ausschließlich in einem Sündenbock-Phänomen verortest — das seinerseits Teil ist eines großen, ewig wiederkehrenden Sündenbock-Weltenmechanismus (dem wir, oh shit, womöglich später auch nochmal selbst anheimfallen).
Ich will gar nicht nicht abstreiten, daß es diese Mechanismen geben kann. Jede Generation konstruiert sich wohl irgendwie ihre Generalschuldigen zurecht. Aber für eine kritische Debatte über das Wesen, die Botschaften und die Wirkungen unserer Spiele ist das m.E. nicht hilfreich. Ich glaube schon, und das ist Sinn meines Posts gewesen, daß wir mal wegkommen müssen von der Strategie, auf eine popoulistische Beschuldigung (”Killerspiel”) mit einer populistischen Zurückweisung (”Sündenbock”) zu antworten, und danach dreht sich die Welt dann weiter.
Kann übrigens gut sein, daß ich was überlesen habe zu dem Thema — ich lese hier noch nicht so lange mit. Also sorry für etwaige Wiederholungen. :-)
Grüße und schönen Abend nochmal,
Martin
21. November 2006 um 20:15 Uhr
Jetzt Verbote, egal welcher Art, aus dem Boden zu stampfen, ist schlicht eine Kurzschlusshandlung und nicht effektiv.
Irgendwelche Staatsdiener fingen heute schon an, das Waffenverbot verschärfen zu wollen. Waffen sind im Normalfall (Ausnahme war hier eine antike(?) Vorderlader-Waffe) waffenscheinpflichtig. Für Leute ohne WS sind sie also sowieso verboten. Ebenso ist es für Max Mustermann verboten, Sprengstoffe herzustellen oder zu besitzen. Es ist auch verboten, sich Sprengstoffe um den Bauch zu binden und damit in eine Schule zu marschieren. Es ist verboten, auf Menschen zu schießen.
Es kann doch kein Mensch ernsthaft behaupten wollen, daß jemand, der all diese Verbote missachtet, aufgrund des Verbotes des antiken(?) Vorderladers von so einer Tat abgehalten werden kann.
Bei Computerspielen ist es doch zumindest in D fast das Gleiche (ok, nur fast): Die BPjM indiziert regelmäßig Spiele oder gibt sie nur für Person ab einer bestimmten Altersgrenze frei, Wowereit[tm].
Dem Handel ist es unter Strafandrohung verboten (keine Ahnung wie die Gesetzte lauten, aber wenn man sie bricht, wird man doch bestraft, oder?), diese Waren an Jugendliche in der falschen Altersgruppe abzugeben. - Und da hapert´s doch auch schon wieder. Jeder Teenager kann tauschen, saugen, brennen, daß sich die Rohlinge biegen - wenn er will.
Nicht, daß ich früher nicht auch für mein Alter “ungeeignete” Medien konsumiert hätte - da wär ich jedem mit dem nackten Arsch ins Gesicht gesprungen, der was dagegen gehabt hätte -, aber in den Zeiten fotorealistischer Grafiken und realer klingenden Soundkulissen als die Realität selbst, halte ich es auf jeden Fall für sinnvoll, den Zugang zu (ok, ich sag´s jezt) “Killerspielen” zu erschweren und wo es geht durch Alterskontrollen zu überwachen.
Neue Verbote sind hier wohl auch jetzt wieder völlig sinnfrei, und haben mit den Ereignissen in Emsdetten, Erfurt oder [setze_beliebige_Stadt_ein] absolut nichts zu tun. Nur weil es noch verbotener wird, wird sich wohl nichts ändern.
So weit ich weiß, ist Counter-Strike `eh “USK18″ - wenn man sich aber auf den Public Servern mal umsieht, besteht ein Großteil der Zocker aus 12-15jährigen.
Nur mal so nebenbei - war nicht mal die Rede davon, eine Art Internet-Perso einzuführen? Email-Adresse fest verknüpft mit Altersnachweiß und Iris-Scan, abgesichert durch irendeinen Trust-Network-Dienst, oder so? In Verbindung mit Diensten wie “Steam” könnte man so vielleicht auch die Raubkopiererei etwas eindämmen - aber da kommen wir schon wieder in die Richtung “Gläserner User”, und das will ja eigentlich auch keiner…
21. November 2006 um 20:44 Uhr
Ich hoffe es geht in Ordnung, wenn ich mich für meinen eigenen Blogeintrag etwas von deinem habe inspirieren lassen. Ist ja in deinem Sinne, von wegen Informieren.
Dafür hab ich auch einen Link unten hingesetzt.
(Wen es interessiert, den Beitrag gibt’s hier)
21. November 2006 um 20:45 Uhr
[…] Naja, wenigstens reg’ ich mich nicht alleine über diese hirnlose “Hexenjagd auf Gamer” auf: antigames, BatzLog, Curious Creatures, d-frag, Die Bloggerette (potentielle Mörderin, da ehemalige Counter-Strike-Spielerin ), gamequickie, Grind That Authority, Lummaland, Nerdcore (unkommentierte Zitate aus dem Blog des Selbstmörders), Spreeblick … noch mehr Links findet ihr bei Technorati. […]
21. November 2006 um 20:57 Uhr
Gut geschriebener Artikel und in vielen Punkten hast du Recht. Aber wenn du Zitate verwendest, dann mach diese doch bitte kenntlich.
Beispiel Abschnitt:
“Denn eins ist sicher: je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Davor werden auch wir nicht gefeit sein.”
21. November 2006 um 21:43 Uhr
gut geschrieben und leider wahr. Es zieht sich halt über Swing-heil, Rock´n Roll, Splatterfilme, Metal bis hin zu Computerspielen. Jede Zeit hat ihre Lieblingsbösewichte.
Und:
War das Schild da oben nicht vom NPD-Parteitag ? Wenn ich wüsste, wo es das gibt würd ichs sofort besorgen. Als totaler Swing-Fan MUSS das sofort in meiner Bude hängen.
21. November 2006 um 22:04 Uhr
Hallo Killerspiel, du alte Drecksau!…
Es war klar und eigentlich keine Frage der Zeit. Ein junger Mann läuft Amok und sofort ist das Verbot von den sogenannten Killerspielen im Gespräch.
Im Radio ist es zu hören, im TV zu sehen und auf Internetseiten nachzulesen:
Der Amokläufer sei lei…
21. November 2006 um 22:14 Uhr
Was mir am Herzen liegt ist: Richards Artikel ist gut geschrieben, sicher. Aber auch er bedient sich in subtilerer Form derjenigen Vereinfachungen, die er anzuprangern vorgibt. Nur stimmt (für ein Spiele-Blog) eben die Tendenz.
Was die Verbote angeht:
1) Sind Verbote allein deswegen schlecht, weil sie ineffektiv sind? Wenn ja, impliziert dies, dass der behauptete Gewaltzusammenhang besteht. Dann müsste drakonischer gegen „Killerspiele“ vorgegangen werden, etwa durch die Gleichsetzung mit Pornographie.
2) Sind Verbote deswegen schlecht, weil der behauptete „Gewaltzusammenhang“ nicht besteht? Dann wäre eine ineffektive Durchsetzung der Verbote gut.*
In der Debatte werden 1) und 2) fast immer zusammen vertreten, obwohl sie sich widersprechen.
*Dies eröffnet zugleich den Markt für Vergewaltigungssimulationen. Sollte das erlaubt sein? (ernsthafte Frage)
21. November 2006 um 22:35 Uhr
Gibt’s hier gar keine Leute, wie mich, denen das Thema mittlerweile zum Hals raushängt und dezent am Arsch vorbeigeht? Mal ehrlich - die ganzen Politiker werden wir doch überleben, und dann machen wir es besser (wenn Korea-Kim die Welt bis dahin ganz gelassen hat ;) - Scheiß Defcon).
Bis dahin gibt es genug Möglichkeiten an die “heisse Ware” zu kommen, sofern man sie denn wirklich braucht. Ist doch immer wieder dasselbe… keiner durfte Wolfenstein 3D haben. Und ich kenne keinen der es nicht hatte. Mortal Kombat, ditto! Moonstoon, Blue Max und all der ganze Rotz. Und die Wirtschaft wird sich schon einmischen, wenn die Moral ins Geschäft pfuscht.
Witzige Anekdote dazu; heute in einem kleinen Videospielladen in der Innenstadt gewesen. Und prominenter kaum zu platzieren hing DEAD RISING und auf die Packung war mehrmals (!) indiziert geschrieben, und dann auch noch in dieser blutroten Halterung… also ehrlich, LOL! was Verbote angeht. Und ich denke mal, es funktioniert noch genauso wie früher - für ‘nen Schnapps würde dir das jeder Penner kaufen, sofern du noch nicht volljährig bist. Alles schon erlebt, und zwar in einem noch deutlich konservativeren Deutschland als wir heute haben.
Doofes Thema, und geht bestimmt vorbei wenn die “Alten” wegsterben. (Nicht aber die Großen Alten, denn die leben ewig ~ HuHa!)
21. November 2006 um 22:39 Uhr
Ich mag den Vergleich zur Negermusik und Reichspropaganda überhaupt nicht. Ehrlich Richard, da bin ich doch etwas enttäuscht. Die Tatsache, dass sich einige Medien und Politiker ereifern und mit einem Verbotsreflex reagieren, kann doch nicht ernsthaft mit einem so grundlegend Menschenverachtendem Auswuchs der jüngeren Geschichte verglichen werden.
21. November 2006 um 22:58 Uhr
[…] Zugegeben: Eigentlich kann man der Diskussion kaum etwas hinzufügen, was nicht viele, unter anderem zwei meiner Lieblingsblogs zum Thema Spiele, schon getan hätten. Antigames & d-frag zum Beispiel. Zumal mich diese Diskussion zunehmend frustriert. Andererseits muss ich mir einfach mal Luft machen. […]
21. November 2006 um 22:59 Uhr
So ganz politisch korrrekt finde ich das auch nicht, aber ich war wohl durch Spreeblick vorbelastet die gestern zum Thema ernsthaft einen Link zu einer Auschwitz-Doku gepostet haben.
21. November 2006 um 23:25 Uhr
btw. Nazi Vergleiche ersticken eigentlich jede Diskussion im Keim, da gibs sogar nen wiki eintrag und Begriff für :D … Und dieser fängt schon mit sowas an :D
21. November 2006 um 23:50 Uhr
Ernstgemeinte Antwort: Das ist schon jetzt verboten. Bei gewaltverherrlichenden Computerspielen greift wie bei anderen Medien auch der $131 StGB. Deshalb ist Manhunt zum Beispiel in Deutschland verboten. Und das reicht wesentlich weiter als “nur” eine Indizierung. Herstellung, Import, Verbreitung, schon das bloße “vorrätig halten” gilt als Straftat.
Deshalb finde ich es auch so interessant, wenn Schünemann und Co. wortwörtlich das Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen fordern. Weil das schon lange existiert.
22. November 2006 um 00:19 Uhr
Öhm…und ich dachte immer die Politiker wären an allem Schuld…? ;)
22. November 2006 um 01:58 Uhr
Mir schon. Aber wenn ich jetzt nicht meinen Senf dazugebe und kundgebe das ich ein Killerspielverbot für Moppelkotze halte, würde ich es in ferner Zukunft vielleicht bereuhen. Aber an sich ist für mich die Sache klar: aufgebauschte Medienberichte über Amokläufe sind mindestens genauso schuld daran das Menschen Amok laufen wie “Killerspiele”. Dadurch fühlen sich potentielle Amokläufer doch am meisten bestätigt, das es funktioniert aufmerksamkeit zu erregen, wenn man mit viel Brimborium sein “Game Over” finished.
22. November 2006 um 02:43 Uhr
André sprach:
Ich bin zwar nicht Richard, aber natürlich kann man auf geschichtliche Vorkommnisse blicken und parallelen sehen - ich sehe .. naja, sage ich mal “Urwaldmusik”,um der Sache etwas die rassistische Spitze zu nehmen.. was auch nicht recht funktioniert - durchaus in den 50er/60er Jahren in eine ähnlichen Position:
Da erscheint im Medienwald Etwas Bedrohliches, weil Neues, was die ältere, herrschende Gruppe nicht versteht und das deswegen an allem Bösen schuld sein muss, das auch neu(?) ist und der Erklärung bedarf. Egal welcher. Etwas muss schuld sein.
An der Verrohung der Jugend von heute, die natürlich genauso verlottert und vor sich selbst geschützt werden muss wie sie damals selbst, die sich zu beatmusik unsittlich bewegten.
22. November 2006 um 02:47 Uhr
Ich finde übrigens auch, dass das Thema eben keinen einigermaßen leidenschaftlichen Gamer zu Hals raushängen DARF, wenn er noch morgen kraftvoll die Playstation anwerfen.. dürfen.. will.
22. November 2006 um 08:29 Uhr
Hum. Vorsicht: die Begriffe “Negermusik” oder “schwarze Musik” sind noch halbwegs objektiv, da sie eine von schwarzen Amerikanern erfundene Musikrichtung beschreiben. “Urwaldmusik” finde ich tatsächlich rassistisch, abwertend und sachlich falsch. :)
SPON bemüht sich wieder:
Die Mär von der Emsdettener Ballerspiel-Arena
22. November 2006 um 08:57 Uhr
Chris: Die Frage war ja nicht, ob es nach § 131 StGB erlaubt ist, sondern ob es erlaubt/verboten sein sollte. Soweit der Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt völlig negiert wird, spräche doch gegen eine Vergewaltigungssimulation nichts – oder?
22. November 2006 um 09:07 Uhr
Naja, man kann auch etwas über Ursache->Wirkung hinaus denken… blos weil man nicht zur Kettensäge greift nachdem man Doom gespielt hat muss das ja nicht heissen dass explizite Gewaltdarstellung auf einmal toll für 6-jährige wäre.
22. November 2006 um 09:16 Uhr
Hi Hier nochmal ein link für alle die sich weiter Informieren wollen (über Bastian B.) nette Linksammlung am Ende
22. November 2006 um 09:17 Uhr
http://blog.dark-born.eu/dbb/20-11-2006/was-zum-nachdenken-resistantx.html#more-126
22. November 2006 um 09:20 Uhr
Solange es nur Männer sind, die sich in Filmen oder Spielen gegenseitig abmurksen, wird es doch gesellschaftlich akzeptiert/geduldet.
In den allermeißten realitätsnahen PC-Spielen (die ich kenne) schießen Männer auf Männer - auf böse Männer! Es scheint moralisch nicht sonderlich verwerflich, solange man als “Guter” die “Bösen” plättet.
Sobald aber virtuelle Gewalt gegen vermeintlich Schwächere (Frauen, Kinder) verübt wird, schreitet die USK zum Glück ein. Bei der Bewertung von Gewalt in PC-Spielen spielt das eine große Rolle - und das soll auch so sein!
Eine Vergewaltigungssimulation wäre ein Programm (Spiel kann man das ja meiner Meinung nach dann nicht mehr nennen), das bei der Ausübung virtueller Gewalt noch drei bis zwölf Schritte weiter ginge - über unseren gesellschaftlichen, moralisch Grenzen der Vertretbarkeit weit hinaus. Diese Art der Darstellung ist nicht nur verboten, sie sollte es auch sein.
Bei “normalen” Ballerspielen ist das etwas anders. Wie auch in Actionfilmen wird es als legitim angesehen, wenn sich Menschen gegenseitig abknallen. Das ist eine Form der Unterhaltung, die dem Konsumenten hilft, aus seinem langweiligen Alltag zu fliehen, und mal der Coole Miami-Vize-Fuzzi zu sein, der die Drogenbande mal eben auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Solange daran nichts Verwerfliches ist, sollte man auch die Ballerspiele nicht verteufeln.
Ok, bestimmte Spiele sind da wieder Grenzfälle, wie die GTA-Serie zum Beispiel. Diese Spiele sind aber aus gutem Grund in einem etwas comicartigen Stil gehalten, um eben nicht zu sehr den Bezug zur Realität herzustellen.
Aber mal davon ab: diese Ballerspiele sind in der Regel sowieso ab 18! Warum drucken diverse Zeitungen Aussagen von 14-Jährigen Schülern ab, die die Journalisten mal eben über die Counter-Strike-Mapperei aufklären, ohne die Tatsache zu hinterfragen, daß diese Jugendlichen davon noch gar nichts kennen dürften?
Sicher, ich bin Realist genug zu wissen, wie der Hase läuft, aber zeigt das nicht wieder allzu deutlich, daß die Verbote alleine wirkungslos verpuffen, wenn nicht das gesamte Umfeld mithilft, sie zu beachten?
22. November 2006 um 09:35 Uhr
Hach, heute früh auf dem Weg von der Arbeit die Zeitung aufgeschlagen, dem Murmeltier ins häßliche Antlitz geblickt, gestöhnt, zu Hause ein Blick auf antigames und doch wieder ein wenig mit der Welt versöhnt. Vielen Dank dafür.
Kurze Anmerkung: War, nüchtern betrachtet, nicht auch die “Negermusik”, d.h. Musik mit schnellen, aufpeitschenden Rhytmen, zwar nicht monokausal, aber ebend doch in Form eines kleinen, jedoch nicht weg zu redenden Beitrages, für die unangenehme Abwesenheit von Duckmäusertum, quatsch Manieren und Respekt bei den sog. Halbstarken der 50er mit verantwortlich? Hätten die Hersteller und Konsumenten von “Hottentotten-Musik” mithin auch mehr Dialogbereitschaft zeigen sollen?
Anders: könnte man Mißstände (z.B. 12jährige CS-Spieler, dumpfe Armypropaganda, zu laute Motorräder und Schmalztollen) nicht auch mal als (evtl.) peinlich, störend oder schädlich diskutieren, ohne daß alles gleich mit der großen Katastrophe zu tun haben muß? Aufmerksamkeitsschwelle sonst zu niedrig?
Und wenn man sich schon einen Sündenbock sucht: Der Schützenvereins-Jägerei-Komplex liegt ja nicht nur aus den erwähnten statistischen Gründen näher. Mordsimulationen am Computer oder in Realität dürften ja im Normalfall in etwa ähnlichen Motivationsmustern entspringen. Die Gefahr, aus der Simulation Ernst werden zu lassen, erscheint mir bei den (hust) Sportschützen zumindest gleich hoch wie bei der waffenscheinlosen Vergleichsgruppe. Insofern ein schwer zu begründendes Gerechtigkeitsproblem, die dahinter stehenden Interessen würden mich schon mal interessieren (ist die Wählergruppe der In-Der-Gegen-Rumballerer denn soo groß?)
22. November 2006 um 11:27 Uhr
Es ist in keinster Weise meine Absicht Videospiele komplett aus der Verantwortung zu nehmen. Ich prangere an, dass es einfach keinen Willen zur kritischen Debatte gibt. (Das ist übrigens durchaus ein Problem auf beiden Seiten.) Ich kann gar nicht auf die potentiellen Probleme von Videospielen eingehen, wenn die anderen Seite hingeht und sie mit Kinderpornographie vergleicht. Dass ich Videospiele oft auch sehr kritisch betrachte, kannst du in den Archiven nachlesen.
Hä? Kannst du mich aufklären, wen oder was ich da zitiert haben sollen?
Wo passt denn der Vergleich zur “Negermusik” nicht, André? Das musst du mir jetzt erklären. Diese Schilder wie im Bild oben sind übrigens erst in den 70er Jahren als Marketinggag aufgetaucht, auch wenn der eine andere Privatbürger so was zur NS-Zeit aufgehängt haben mag, denn Swing war ja als “entartete Musik” tatsächlich verboten. Im übrigen stecken da ja schon die exakt gleichen Handlungsmuster dahinter. Ein direkter Vergleich (den ich nebenbei bemerkt nicht gemacht habe), wäre insofern nicht unbedingt falsch, sondern bloß übertrieben und sehr polemisch.
Danke Denis. Genauso ist es. Wer von dem Thema die Schnauze voll hat und sich abwendet, der hat es nicht verdient die Spiele spielen zu dürfen, die er will. Es ist frustrierend, aber da müssen wir durch.
22. November 2006 um 13:23 Uhr
Also um das noch einmal klar zu stellen. Ich bin, wie wohl die meisten hier und damit analog zum allgemeinen wissenschaftlichen Konsens (vgl. z.B. Zimbardo et al. (2005): Psychologie; oder Edelmann (2000): Lernpsychologie ) der Ansicht, dass eine monokausale Ursache-Wirkhypothese (Computerspiel = Gewaltinduzierend) zu simplifizierend ist. Auch empfinde ich das Zusammenspiel von einigen Medien und einigen Politikern im Licht dieser Thesen bedenklich, bzw. erschreckend aber auch nicht überraschend (vgl. Luhmann (2004): Die Realität der Massenmedien).
Ich gehe auch mit deinem Artikel sehr konform, doch mir gefällt nach wie vor dieses eine Bespiel nicht.
Denn:
doch, hast du:
Du implizierst hier (wahrscheinlich ungewollt) eine Hatz auf Computerspieler, die es so einfach nicht gibt. Das besagte Schilder in den 70ern (absichtlich provozierend) als „Werbung“ auftauchten, war ja ebenfalls nicht unproblematisch und tauchte in den 80ern u.a. im Historikerstreit wieder auf.
Wie du selbst sagst:
Gerade wem die Copmuterspiele am Herz liegen, sollte sich von jeder Polemik fernhalten. Deswegen auch meine Kritik.
22. November 2006 um 13:28 Uhr
Den Vergleich mit der “Negermusik” habe ich natürlich gemacht und den meine ich auch. Ich habe aber keinen Vergleich zur NS-Zeit gemacht. Da ist ein Unterschied.
Im übrigen gibt es diese Hatz durchaus, oder muss ich nochmal Herrn Beckstein zitieren? Wie sonst soll ich es denn auffassen, wenn mich ein deutscher Landesminister auf eine Stufe mit Kinderschändern stellt?!?
22. November 2006 um 13:33 Uhr
Auf der anderen Seite muss ich mich jetzt einmal selbst kritisieren. Ich hab Deinen Beitrag als Artikel gesehen. Doch es handelt sich ja eigentlich um ein Glosse. Insofern war ich wahrscheinlich überempfindlich.
Entschuldige bitte, wenn das falsch rüber gekommen ist.
22. November 2006 um 13:37 Uhr
Also nur weil ein paar Leute, die sich selbst schon zu genüge sprachlich und anders disqualifiziert haben, auf einem rumhacken, kann man doch nicht von einer Hatz sprechen.
Rasterfahndung bei Studenten, das ist eine Hatz. Weil Studenten ja per se links-radikale Sozialschmarotzer sind.
22. November 2006 um 13:57 Uhr
Das ist wahr. Aber die Leute, die diese Sorte Vergleich ziehen, können letztlich ohnehin nicht unsere Diskussionspartner sein. Sie sind eine radikale Gruppe von populistischen Schreihälsen und Law-and-Order-Leuten, die keinen Raum zur Diskussion lassen und auch nicht lassen wollen.
Die wirklich konstruktive Diskussion wird mit dem ( - wie ich glaube, weitaus größeren -) gemäßigten Teil der Kritiker stattfinden müssen. Es gibt gute Gründe, die Sorgen derjenigen, die exzessive Gewaltspiele bedenklich finden, wahrzunehmen und ernstzunehmen. Viele von denen werden womöglich gar nicht so glücklich sein, sich seitens der Gamer auf die Seite Stoibers, Becksteins oder der Reichskulturkammer gestellt zu sehen.
Mir ist bewußt, daß Du auf dieser Seite keineswegs dem unkritischen Umgang mit Spielen das Wort redest. Gerade deshalb fand ich Teile Deines obigen Beitrags etwas - unglücklich - nichts für ungut.
22. November 2006 um 14:19 Uhr
[…] Weitere Meinungen (und viel besser geschrieben als ich das könnte): d-frag, grindthatauthority, spielkind, antigamer, gamequickie […]
22. November 2006 um 14:23 Uhr
Ich sehe nicht, wo ich diese Leute neben Herrn Beckstein gestellt habe. Nebenbei kriegen diese Leute halt auch einfach kein Presseecho, existieren somit als Diskussionspartner faktisch kaum. Hinzu kommt, dass es auch auf der Spielerseite keine Diskussionspartner gibt. Wen willst du hinschicken?
Gamestar-Redakteure, die jeden Monat fette Wummen aufs Cover packen und dann sich dann scheinheilig darüber aufregen, dass Videospiele unfair als gewalttätig wahrgenommen werden? Gestern Abend gab es einen tollen Beitrag im Heute Journal, was die Becksteins und Konsorten stark kritisiert hat. Da war kurz einer von der Gamestar zu sehen. Der hatte sich nicht mal fürs Heute Journal die Mühe gemacht seine Haare zu waschen!
Entwickler? Publisher? Gibt es in Deutschland eigentlich keine nennenswerten. Da hat keiner eine Marktmacht, die ihn zu einem gleichwertigen Gesprächspartner machen würde. In Frankreich sieht das anders aus. Ein Blick auf die Bilanzsumme von Ubisoft und schwupps hat Michel Ancel einen Ritterorden an der Backe. Das kann man in Deutschland vergessen.
Spieler? Da gibt es auch keine Organisation, und wenn dann sind es irgendwelche eSport-Schwachmaten. Möchtest du deine Spiele und deine Spiele von einem “professionellen” Counter-Strike-Zocker repräsentiert sehen?
Tatsächlich ist bizarrerweise die USK die einzige Organisation die als Diskussionspartner relevant wäre. Und die wiederum soll ja frisch abgeschafft werden, dürfte also auch eher abgelehnt werden.
Einzig Medienwissenschaftler haben eine kleine Chance wahrgenommen zu werden, aber dummerweise haben die das Problem, dass sie zwar keinerlei Beweise für eine gewaltfördernde Wirkung von Spielen haben, aber leider auch nur sehr schwer das Gegenteil beweisen können.
Mal ganz ehrlich, wo soll die Diskussion herkommen? Und zwischen wem soll sie geführt werden. Und können wir nicht tatsächlich verlangen, dass die Kinderpornographievergleiche aufhören bevor wir uns mit irgendjemand an den Tisch setzen? Es ist nämlich völlig egal, wie groß die schweigende Mehrheit an moderaten Kritikern ist. Bei jeder Diskussion die im Moment etwas bewirken könnte, säße ein Beckstein mit am Tisch. Damit ist die Diskussion von vorneherein gescheitert. Du kannst nicht mit jemanden ernsthaft diskutieren, der dich gerade in den Medien einen Kinderschänder genannt hat. Ganz zu schweigen davon, dass der ja gar keine Diskussion will. Sie ist für ihn geradezu schädlich.
Kurz gefasst: Auf der Pro-Spiele Seite gibt es in Deutschland niemanden mit der Autorität so eine Diskussion zu führen und auf der Seite der Kritiker sind die Stimmen der Irren so laut, dass man die Vernünftigen sowieso nicht hören kann.
Somit kann die Parole im Moment nur Widerstand lauten. Das gefällt mir nicht sonderlich, denn die sture Haltung der Spielewelt, die sich komplett weigert über ihr Hobby auch mal kritisch zu reflektieren, anstatt sich immer nur in der Opferrolle zu sehen, geht mir schon lange auf den Sack.
Aber im Moment sind wir eben die Opfer. Wir müssen erstmal diesen Sturm überstehen und können dann vielleicht endlich eine vernünftigen Dialog starten, wenn die Herren Becksteins gerade von etwas anderem abgelenkt sind und die Erwachsenen nicht beim Gespräch stören können.
22. November 2006 um 16:41 Uhr
hat.
Dann fangen wir doch mit der Versachlichung bei uns an. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich ihn mal in Schutz nehme, aber: Beckstein hat nicht Spieler mit Kinderschändern sondern die Strafwürdigkeit von Killerspielen mit der von Kinderpornographie verglichen. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
22. November 2006 um 16:54 Uhr
Nein, ist es nicht. Wenn sie die gleiche Strafwürdigkeit haben, dann sind sie gleich schlimm. Im übrigen ist Herr Beckstein nicht doof. Der weiß schon genau für welche Zielgruppe er da redet und das Ziel seiner Aussage war es eben in den Köpfen der Leute die Gleichung “Videospiele = Kinderpornographie” festzusetzen.
Mit solchen Versuchen zu “versachlichen” lässt du dich für dumm verkaufen und spielst ihm in die Hände. Was er gesagt hat, ist so ungeheuerlich dass einem vielleicht auf den ersten Blick gar nicht bewusst ist, wie krass seine Aussage ist. Schau noch mal hin.
22. November 2006 um 17:04 Uhr
Auf der formalen Ebene hast du Unrecht: Du verwechselt die Bewertung des Konsumgutes mit der des Konsumenten. Beispiel: Wenn ich Turnschuhe kaufe, die in Kinderarbeit hergestellt wurden, macht mich das nicht zum Kinderschänder.
Auf der rhetorischen Ebene magst du Recht haben. Aber sicher ist das nicht. Möglicherweise wollte Beckstein auch nur mit drastischen Mitteln auf die nach seiner Sicht gebotene Strafverschärfung hinweisen. Die Interpretation „Computerspieler = Kinderschänder“ halte ich jedenfalls für überzogen. Seine Aussage scheint doch eher auf das Produkt zu zielen.
22. November 2006 um 17:13 Uhr
Ist mir schon klar, dass ich auf der formalen Ebene Unrecht habe. Deswegen hat er es ja so formuliert. Damit er im Notfall sagen kann: “Sooooo habe ich das ja nicht gemeint.”
Hat er aber eben doch. Die Aussage lautet übrigens auch nicht wirklich “Computerspieler = Kinderschänder” sondern “Computerspielentwickler = Kinderschänder”. Insofern hat er nicht wirklich mich einen Kinderschänder genannt, sondern nur den Martin, der mit “Moment of Silence” ja bekanntlich ganze Kindergärten auf einmal usw.
So, ich fahre jetzt nach Hause, lasse mich von Neverwinter Nights 2 schänden und morgen reden wir dann wieder über erfreulichere Dinge.
22. November 2006 um 17:14 Uhr
[…] Meine drei liebsten Postings dazu in den Games-Blogs: antigames - Das hat nicht lange gedauert d-frag - Es geht wieder los Grind That Authority - Déjà-vu? […]
22. November 2006 um 17:21 Uhr
Muss ich Richard recht geben. Ist es mitnichten. Die Tatsache dass ich eine Import-Version von GOW zuhause stehen habe gleichzusetzen mit dem Besitz von Kinderpornographie ist in der Tat ungeheuerlich. Frag doch mal den Gamehändler deines Vertrauens wie es sich anfühlt von einem deutschen Innenminister auf ein Strafniveau mit Vertreibern von Kinderpornographie gestellt zu werden.
Die in Ansätzen reflektierte Berichterstattung an einigen Stellen (Ich finde gerade Christian von Spon kann man nicht genug loben für die Arbeit die er da leistet) spricht schon für einen kleinen Wandel oder zumindest dafür, dass die Gamer-Generation gerade anfängt Karriere in der Medienbranche zu machen. Trotzdem, Beckstein-Vergleich + Stoiber-Forderungen vor dem Hintergrund eines sowieso schon eher restriktiven Jugendschutzes lassen mich auch am Sinn eines Dialogs zweifeln.
Aufgeben darf man trotzdem nicht. Weiter debattieren. Anteile erkämpfen. Meinungen klarmachen und die Loner aus der Schule auch mal zum LAN-Party einladen.
Und nichts auf die leichte Schulter nehmen. Ich glaub zu wenig an Dialektik als, dass ich mir vorstellen könnte das alles sei eh nur ein Generationsproblem. Hier wird massiv versucht eine neue Wertedebatte anzutreten mit dem Ziel mediale Entwicklungen rückgängig zu machen. Das ist schlichtweg dumm und gefährlich. Wenn ich lese das Regierungsmitglieder Zugriff auf Internetseiten einschränken wollen, bekomme ich wirklich langsam ein mulmiges Gefühl.
22. November 2006 um 17:29 Uhr
Dass das Internet in Zukunft irgendwie reglementiert wird, davon kann man fast ausgehen… und ist auch nicht in allen Punkten verkehrt, z.B. Impressumspflicht.
Aber zurück zum Beckstein, da ist mir selbst auch der Hut hoch gegangen, wenn wieder mal versucht wird mit bayrischen Stammtischparolen der übelsten Sorte Politik zu machen…
Wie wäre es mit einem sorgfältig geschriebenen Brief an Herrn Beckstein? Ich wollte das gestern nicht so im Reflex machen… aber ich denke man muss solchen Herren zeigen, dass man sich das nicht bieten lässt.
22. November 2006 um 17:34 Uhr
[…] *d-frag. *Gruselgrotte #1. *Gruselgrotte #2. *Kantenflimmern. *Gunnar Lott. *Grind that Authority. *Antigames. […]
22. November 2006 um 17:37 Uhr
Selbst nach Unterscheidung zwischen “Produkt” und “Produzent” wären wir also bestenfalls immer noch pädophil. :)
22. November 2006 um 19:54 Uhr
Auch wenn Verbote ineffektiv sein mögen, so ist das natürlich nicht ihr Zweck. Wer Verbote durchsetzen will, möchte sie möglichst effektiv haben. Deswegen wäre die Ineffektivität zwar gut für Leute, die trotzdem an die Spiele kommen möchten, sie ist aber trotzdem ein Argument gegen das Verbot. Genauso wie der so pauschal nicht bestehende Gewaltzusammenhang. Der scheinbare “Widerspruch” hier ist ziemlich konstruiert.
Außerdem können wir schon festhalten, dass ein totales Verbot entsprechend StGB $131 nicht allzu ineffektiv ist. Gerade bei Konsolenspielen. In Deutschland an “Manhunt” heranzukommen, wäre nicht so einfach. Sollte man das wirklich wollen…
Zu dem Vergewaltigungsspiel:
22. November 2006 um 19:55 Uhr
Huch, wo kommt denn da das dritte Blockquote her?
22. November 2006 um 19:59 Uhr
Hey,der letzte Satz ist aus “Escape from L.A.” geklaut.
Macht aber nix,denn es stimmt.
22. November 2006 um 20:12 Uhr
[…] Und tatsächlich hat Bastian richtig vorausgeahnt, dass auch die von der Politik geleiteten Medien in Deutschland nichts unversucht lassen werden, um die Bevölkerung über die Ursachen seines Suizides zu täuschen. Die Verbreitung der Tatsachen im Internet ist vermutlich der einzige Grund dafür, dass platte Propaganda-Lügen von Nazis oder gefährlichen Killerspielen, mit der Duckmäuser mit Rabattclubkarte und dummdreiste Politiker Volksverblödung betreiben, diesmal nicht so recht verfangen wollen. […]
22. November 2006 um 20:29 Uhr
Tach nochmal, Richard.
Also, ich habe dazu nur echt langweilige, moralinsaure Vorschläge, aber was hilft’s. Wenn überhaupt, glaube ich, muß die Diskussion erstmal aus der Gamerschaft (im weiteren Sinne) kommen zunächst auch dort stattfinden. Sie wird (mangels medialer Wirkung) einstweilen auch außerhalb der Sphäre von Innenministerien und Fernsehsendungen stattfinden müssen.
Ich sehe durchaus ein paar “mittelgroße” mediale Foren und Events, in denen für eine kritische Debatte unter Gamern, oder unter Entwicklern, Publishern, Presseleuten oder allen zusammen Raum wäre. Die Games Convention. Die beiden deutschen Entwicklerkonferenzen. Die Gaming-Zeitschriften. Diverse Online-Magazine.
Dort überall könnte ja auch mal was anderes diskutiert werden als der verschobene Releasetermin von Generisches Sequel 5. Klar, dafür braucht’s ein paar mutige Redakteure, Veranstalter und Teilnehmer. Aber eben noch keine Sessel in einer einem Innenministerium gleichwertigen Mega-Institution.
Man könnte von so einem Meinungsforum aus durchaus auch mal auf so Leute wie Elternverbände, pädagogische Verbände, Schülergremien, Medienvereine etc. zugehen und die in Diskussionen einbinden. Dort, glaube ich, in der sog. “Gesellschaft”, gibt’s weitaus realitätsnähere und relevantere Dinge über die Wirkung und Wahrnehmung von Spielen zu erfahren als aus der Stahlhelm-Etage von Herrn Beckstein. Das heißt nicht, daß alle Nachrichten für die Gamer angenehm sein werden.
Die Entkopplung von Gamern und Gesellschaft gilt es aufzuheben, dann entwickeln sich vielleicht mal differenzierte und tragfähige Standpunkte. Weil dann nicht vielleicht mehr jeder, der ein Spiel für seine Gewalt kritisiert, oder sich womöglich aus einem wirklich empfundenen Verantwortungsgefühl Sorgen macht, gleich zum Agenten des Bayrischen Innenministeriums erklärt wird. Und weil dann vielleicht auch die Gamer und Entwickler mal eine Non-Gamer-Außenansicht auf ihre Spiele und deren Inhalte bekommen. Vielleicht sogar mal zwei Minuten darüber nachdenken, was zum Teufel sie da eigentlich teilweise treiben. Ob das wirklich alles sein muß und wirklich alles total okay ist.
So isses wohl.
Schönen Abend wieder,
Martin
22. November 2006 um 21:59 Uhr
wirklich sehr netter bericht, antigames iss immer wieder top !
killerspiele..hrhr !
immer derselbe scheiß, jedes jahr bzw. alle paar monate kommt der gleiche mist in den medien..was soll man dzau noch sagen…
übrigens leute, aktuell gibts auch nichts zu berichten, weder irgendwelche kriege wüten sonderlich stark, noch toben irgendwelche wirbelstürme durch die staaten, noch gibts aktuell irgendwelche absonderlichen wetterumbrüche die wieder die globe erwärmung ins rampenlicht rücken ;)
ich spiel übrigens seit eh und je irgendwelche spiele, 3d shooter sind natürlich immernoch (auch nach doom, wolfenstein, what ever meine favs..)
mir hats offenbar noch nicht geschadet, ich bin nun 23 und plane immernoch nicht amok zu laufen, meinen nachbarn zu erschießen (wobei das sicherlich seine vorteile hätte…)..noch sonst irgendwas…
das einzigste was verbote schaffen ist in meinen augen größeres intresse der “jugendlichen” bzw. der hauptzielgruppe…was am ende wieder irgendwo den hang zu raubkopie förder aber hee…dann haben wir wieder nen thema für nächsten monat ;)
greets snt
22. November 2006 um 22:15 Uhr
Heute Abend habe ich den schweren Fehler begangen den Fernseher einzuschalten und mir „Hart aber fair“ (zu erleiden im WDR) anzutun.
Das Thema: „Vom Ballerspiel zum Amoklauf - was treibt Jugendliche in die Gewalt?“
Nach dem obigen Bericht, der mir den Glauben an die Menschheit zurückgegeben hatte, war das – wie soll ich sagen – ernüchternd…
Um euch einen kurzen Einblick in die Unerträglichkeit der gesamten Diskussion zu geben reicht eine einzige (nur sinngemäß wiedergegebene) Äußerung von Frau Barbara Sommer, Schulministerin in NRW:
Ich würde nicht nur einen Internetfreien Tag einrichten, sondern auch zwei oder drei, denn ich stamme aus einer Generation, die noch lesen, schreiben, kurz: sich anders beschäftigen kann.
Vielen Dank auch Frau Sommer, jetzt weiß unsere Generation der (ein Zitat eines weiteren Studiogastes) „armen Introvertierten“ endlich wie sie es besser machen kann!
PS: Die unteren Beiträge sind sehr schwer zu lesen, da sie nach links verschoben sind. Gibt’s nen Trick, wie man das beheben kann?
22. November 2006 um 23:34 Uhr
[…] Weitere Diskussionen und Beiträge zum Thema: Richard von Antigames.de und die AntiNation Diskussion im PCX-Forum Diskussion im Spiegel Online Forum […]
23. November 2006 um 00:31 Uhr
Indem man einen ordentlichen Browser benutzt.
23. November 2006 um 05:05 Uhr
[…] *[medienrauschen] - Abknallen, zersägen, zerfleddern: Der WDR läuft Amok! * [Eye of the Khaos] Der Pflichtpost * [unfehlbar!net(t)] Warum es nicht Aufgabe der Polizei ist, virtuelle Spuren von Amokläufern zu beseitigen * [Deutscher eSport Bund] Eine Million Spieler sind betroffen… * [Reflexionsschicht] Nach dem Amoklauf: verbieten statt nachdenken * [Mein Parteibuch] Mobbingfall Emsdetten - vom Opfer zum Täter * [law blog] Passwort der Polizei * [Telepolis] “Ich will R.A.C.H.E” * [Spiegel Online] Suche nach “Emsdetten” * [Golem.de] Amoklauf in Emsdetten facht Gewaltspiel-Debatte neu an * [sueddeutsche.de] Amoklauf im Münsterland * [Kotaku] German School Violence Blamed on Video Games * [Technorati] Blog Post Suche nach “emsdetten” * [antigames] Das hat nicht lange gedauert […]
23. November 2006 um 08:51 Uhr
Habe deswegen auch schon von zwei Leuten Mails bekommen. Allerdings kann ich das Problem selber weder mit IE 6.0 noch dem neuen 7.0 reproduzieren. Insofern ist es auch nicht leicht für mich, es zu beheben. Sorry. :-/
23. November 2006 um 10:08 Uhr
Kann man das vom WDR irgendwo im Internet ansehn?
Also ansehn weil ich ja nicht mehr lesen und schrieben kann…
;-)
23. November 2006 um 10:12 Uhr
HA!
Schon gefunden, auf WDR.de.
Siehe da, ich bin noch inteligent genug um selbst zu suchen.
EIN WUNDER!
23. November 2006 um 10:21 Uhr
Wenn überhaupt, glaube ich, muß die Diskussion erstmal aus der Gamerschaft (im weiteren Sinne) kommen zunächst auch dort stattfinden. (snip!) Ich sehe durchaus ein paar “mittelgroße” mediale Foren und Events, in denen für eine kritische Debatte unter Gamern, oder unter Entwicklern, Publishern, Presseleuten oder allen zusammen Raum wäre. Die Games Convention. Die beiden deutschen Entwicklerkonferenzen. Die Gaming-Zeitschriften. Diverse Online-Magazine.
Dort überall könnte ja auch mal was anderes diskutiert werden als der verschobene Releasetermin von Generisches Sequel 5.
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass Antigames ja durchaus ein Versuch ist, eben mal was anderes zu diskutieren, als neue Screenshots von Pirates of the Burning Sea.
Ansonsten hast du wahrscheinlich nicht unrecht. Wenn man in der Spieleszene/branche intern eine ehrliche Diskussion anfängt und dann langsam die moderaten Kräfte aus Wissenschaft, Elternschaft und vielleicht sogar Politik (die gibt es auch!) dazuzieht, kann man vielleicht auf Dauer an Fahrt gewinnen.
Es wird nur sehr schwer da einen Anfang zu finden. Die vielen Kommentare hier über das letzte Jahr haben mich zu dem Schluss kommen lassen, dass es in der Spielerschaft inzwischen sehr wohl eine Menge von Leuten gibt, die zu so einer Diskussion bereit wären. Leider werden die von niemanden vertreten. Du beweist, dass es auch auf Entwicklerseite hierzulande Leute gibt, die willig sind die Diskussion aufzunehmen. Dummerweise gibt es in Deutschland keinen Branchenverband, der irgendwie auch nur vage den Eindruck macht als wäre er organisiert oder zu irgendeiner Art von professioneller Repräsentation fähig. Eine zur Selbstkritik fähige Presse gibt es ja sowieso schon lange nicht mehr, und eine die den Mainstream der Spieler repräsentiert schon gar nicht.
Mal schauen, vielleicht kriegen wir es ja irgendwie hin. Irgendwelche Vorschläge wo man anfangen könnte.
23. November 2006 um 10:24 Uhr
Thomas, der Gedanke dass der Spruch aus “Escape from LA” stammt, ist ziemlich lächerlich. Das ist ein uraltes Sprichwort. 10 Sekunden Googlesuche haben eine Quellenangabe aus dem frühen 19. Jahrhundert gefunden.
Ich glaube da war John Carpenter noch nicht geboren, auch wenn er schon seit 20 Jahren so aussieht, als wäre er 200.
23. November 2006 um 11:17 Uhr
Vorschlag:
Wir gründen etwas eigenes.
Problem:
Keine Ahnung wie und ich befürchte man würde uns ohne “Prominente” unterstützung nicht einmal ernst nehmen.
Aber hey, wir sind ja auch pädophil, laut Herrn Stoiber sind wir nach Computerspielkonsum sowiso für Genarationen unbrachbar und wir sind nicht mehr in der Lage uns ohne das Internet zu beschäftigen…
Muss mal eine Zitatsammlung der letzten Tage suchen.
Da steht bestimmt einiges lustiges drin…
Wenn soviel Ignoranz nicht zum heuln wär.
PS: Lest einmal den Abschiedsbrief der Junge hat eigentlich ganz gut beschrieben was ihn gestört hat. Es hätte sich nur mal jemand um ihn kümmern müssen.
23. November 2006 um 11:54 Uhr
Lest euch mal das Feuilleton der heutigen SZ durch. Tenor: Computerspiele sollten nicht verboten werden, weil sie jugendgefährdend, sondern weil sie unästhetisch sind. Abgedreht.
http://www.sueddeutsche.de/,tt3m3/kultur/artikel/473/92381/
„Prey“ wäre dann ob seines gestalterischen Niveaus wohl auf dem Index.
23. November 2006 um 13:12 Uhr
Ich kann den Artikel jetzt nicht lesen, aber leider hat der Autor natürlich Recht, dass die Ästhetik von Videospielen häufig unter aller Sau ist. Natürlich gibt es auch ästhetisch großartige Spiele, aber Gears of War und Konsorten sind halt einfach scheusslich. Die Frage “Warum spricht niemand über ihre abscheuliche Ästhetik?” ist natürlich Unsinn, denn zum Beispiel redet Antigames darüber. Regelmäßig.
23. November 2006 um 13:18 Uhr
[…] Ein kleiner Pressespiegel: > Richard von AntiGames (Teil 1 / Teil 2 /Teil 3 ) > GrindThatAuthority > Wanted > D-Frag > Kantenfilmmern - kaeff Gespeichert in: Spiele, Das Leben, Netzfundstücke […]
23. November 2006 um 19:09 Uhr
Richard, ich darf schon jetzt nicht alle Spiele spielen, die ich spielen will. Weil einige Firmen ein Importverbot für eben jene Software verhängt haben… bzw. gleich ganze Firmen bankrott klagen die es mir dennoch ermöglichen wollen. Dagegen ist die deutsch-doofe Gewaltdebatte doch Kinderkacke.
Wenn es jetzt was wichtiges wäre, zum Beispiel staatlich kontrolliertes Internet, da würde ich an vorderster Freund die Banner hochhalten… aber dieses sehr deutsche und sehr dämliche Problem tangiert mich nicht mehr. Die Diskussion gibt es jetzt seit ich zocke… damals waren es Wolfenstein oder Moonstone, heute ist es eben andere Grütze. Es ist einfach immer wieder dieselbe Leier, und es sind nun schon seit 20 Jahren die immergleichen Argumente beider Seiten - und jetzt? Es wird auch in den nächsten zwanzig Jahren immer wieder ein Politiker daher kommen, und sich profilieren wollen und es werden auch in den nächsten 20 Jahren Gamer dagegen anreden.
Same procedure as every homicidal suicide-run…
23. November 2006 um 19:39 Uhr
Und es waren vor 30 Jahren, und vor 100 Jahren und und und immer dieselbe Leier. Halt mit Video, Kino, Musik, Romanen und was die Jugend noch alles verdorben hat… Wirklich großartige Argumente für nichtstun.
23. November 2006 um 22:52 Uhr
Ehm, was tut ihr denn? Schreibt in einem Blog der nur von Leuten gelesen wird, die wenn auch in Nuancen anders aber im Großen und Ganzen genauso denken wie ihr/wir. Damit ist zwar “etwas getan” - ändert aber trotzdem nichts, weil man dich und mich nicht mehr überzeugen braucht, das es Quatsch ist Amokläufe auf die Spiele zu schieben.
Macht es in meinen Augen ziemlich sinnlos. Hätte Richard jetzt die Politikheinies zu einem Chat eingeladen, und dort mal argumentiert oder sowas - DANN(!) sähe die Sache schon anders aus. So zeigt er uns nett formuliert etwas das wir eh schon wissen - folglich ist es dieselbe Scheiße wie immer, und ändern tut dieser nett geschriebene Beitrag trotzdem nichts.
Und wie gesagt, das reguliert sich von selbst… die Alten verrecken, die Jugend wächst nach, so what. Wenn ihr Sessel-Revoluzza wirklich was machen wollt, sprecht mit den Leuten die dabei noch was lernen können. Mir geht’s am Arsch vorbei, denn es ist wieder dieselbe Leier - im Endeffekt passiert nichts, und wenn doch, dann hol’ ich mir das Zeug über’s Internet - ist doch heute alles kein Problem mehr.
Deswegen komme ich hier echt nicht klar warum schon wieder so eine Welle um’s selbe, alte und abgedroschene Thema gemacht wird - was zur Hölle ist diesmal anders als die zig anderen Male zuvor? Für mich ist es “the same procedure as every year” und damit hat sich das. Und ob ich jetzt ganz tolle Sachen in meinem Blog dazu poste, oder nicht - das interessiert die ganzen Verrückten die Richard in seinem Beitrag aufzählt herzlich wenig und bekämpft IMO nicht die Wurzel allen Übels.
just my 2 cents.
24. November 2006 um 11:33 Uhr
Falsch. Vielleicht kannst du es nicht sonderlich leicht, aber du darfst. Das ist ein ganz erheblicher Unterschied.
Vielleicht nicht viel, aber zumindest mehr als du. Also lass deinen selbstgerechten Zorn stecken.
24. November 2006 um 18:22 Uhr
@Richard: Ich mach’ auch - wenn ich nicht darf… insofern ist ein Verbot albern. Denn wie gesagt, es ist schon seit Jahren VERBOTEN Software/Filme usw. mit FSK18 an Minderjährige auszuhändigen, und es passiert trotzdem - die entsprechenden Leute haben das ja nichtmal richtig bei Alkohol und Zigaretten unter Kontrolle und diese Stoffe richten bei falschem Konsum sogar unmittelbar danach Schaden an, insofern ist ein Verbot von Software einfach lächerlich und nicht durchsetzbar.
Und nun? Leben wir jetzt in einer besseren Welt?
Vielleicht kommt es einfach nur falsch rüber, grundsätzlich stehe ich ja hinter all dem was du geschrieben hast - das Problem ist wie gesagt, diese Gedankengänge gibt es nun immer wieder alle paar Jahre. Das Thema ist ausgelutscht.
Die einzig neue Qualität ist das es anscheinend schon am Tag des Attentats herzlich wenig interessiert wer der Mensch war der die Tat vollbracht hat oder das 37 Menschen verletzt worden sind, geschweige denn das eine ganze Reihe von Menschen aus “der ersten Reihe” unter Schock stehen.
Hauptsache ich kann auch morgen noch in Ruhe die Playstation anschmeissen… und jeden Scheiss zocken. IMO ist das ne’ ganz schön kranke Entwicklung - ich halte die Diskussion jedenfalls für sinnlos, solange nicht im Detail bekannt ist, wie der Amokläufer getickt hat.
ER ist schließlich die Ursache, denn ER hat sich entschieden ein bisschen Terror zu machen und mit Getöse aus dem Leben zu treten. Ob die Spiele jetzt gewaltverherrlichend sind, oder nicht steht doch erstmal überhaupt nicht zur Debatte und auch das Verbot (was für einige wohl der einzige Grund ist, sich hier überhaupt einzuklinken) spielt doch ebenso gar keine Rolle wenn es um die Problem an sich geht.
Wenn er jetzt Gangster-Rapper gewesen wäre, und man die Schuld auf HipHop geschoben hätte - wäre dir doch ein Verbot auch scheißegal gewesen, oder? Hättest du dann auch die Politiker kritisiert wie du es jetzt tust, oder wäre dir das egal gewesen, hättest du dich dann auch in die Politdiskussion eingemischt? Die meisten von uns, sind doch nur angepisst weil ein Idiot unser Hobby versaut - es geht doch gar nicht um eine bessere Gesellschaft oder beschissene Politik, die Spaßgesellschaft sieht Ihren Spaß gefährdet und macht deshalb mobil. Mehr nicht.
Alles imo, und ihr könnt mich gerne zu Tode flamen - aber diese Diskussionen egal ob es nun um Games, Heavy Metal oder weißderGeierwas geht sind doch immer gleich. Und enstehen IMO aus einer gänzlich falschen Motivation. Das bedeutet nicht, daß du das so bist, Richard. Dies ist kein persönlicher Angriff (wollt’ ich nur nochmal klar stellen).
25. November 2006 um 10:41 Uhr
Nein, wäre es eben nicht. Das wäre doch exakt das gleiche! Der Punkt ist, dass es hier eben nicht darum geht ob wir in Ruhe unsere Videospiele spielen können, oder nicht. Es geht hier eben darum, wie unsere Gesellschaft mit ihren Problemen umgeht. Als Videospieler merkt man eben im Moment wie vollständig Politik und Gesellschaft daran scheitern. Sie sind nicht nur unfähig die Probleme zu lösen, sie sind unwillig.
Das ist bitter und das ist es, was mich wirklich aufregt. Mein Interesse daran Gears of War zu spielen, ist sowieso marginal.
25. November 2006 um 11:39 Uhr
Gut, dann bist du eben eine der wenigen Ausnahmen, die jetzt nicht nur auf die Barrikaden gehen - weil ihr “Spaß” gefährdet ist.
Aber war das jemals anders? Kann das jemals anders werden?
Ditto. Theoretisch würde man uns sogar einen Gefallen tun, wäre Müll a’la America’s Army, Counterstrike, Battlefield 2, Call of Duty und wie der ganze pseudorealistische Kriegsverherrlicherscheiß heisst, verboten. Die die es unbedingt brauchen würden es sich trotzdem besorgen, und die anderen müßen was Ordentliches spielen ;D (*LetzterAbsatznicht100%ernstgemeint*)
26. November 2006 um 21:35 Uhr
ein bisserl ein problem ist, scheint mir, dass wir es noch nicht wirklich geschafft haben die mediengesellschaft in den griff zu bekommen. durch die kurzen und permanenten legitimationsentscheide der politiker, ists ziemlich schwer auf aktuellen anlass besser als mit populismus zu reagieren. das kann man ihnen auch nicht wirklich zum vorwurf machen, sie sind einem ständigen wettbewerb ausgesetzt. sie sind da eher opfer ihrer umstände. was man ihnen hingegen übel nehmen kann, ist wenn sie die falschen probleme aufgreifen.
“vereinsamung” wär das thema, “killerspiele” sind es nicht.
7. Dezember 2006 um 21:41 Uhr
[…] Ein wenig spät, gerade erst entdeckt und wohl immer aktuell: Das hat nicht lange gedauert. […]
15. Dezember 2006 um 15:03 Uhr
aber hallo! der spiegel schießt gegen pfeiffer:
link
2. Januar 2007 um 12:28 Uhr
[…] Super Artikel auf antigames.de: “Das hat nicht lange gedauert“ […]
14. Februar 2007 um 15:07 Uhr
Inhaltlich schon richtig, aber sprachlich mau… wenn du dir nicht sicher bist, bei manchen Ausdrücken, dann lass sie einfach weg.
16. Februar 2007 um 10:03 Uhr
Bei Satzzeichen verhält es sich ähnlich, meepo.
11. Mai 2007 um 10:16 Uhr
[…] im anschluss hab ich gestern “Prince of Persia: The Two Thrones” in einem Zug durchgespielt. Okay, es hat bis abends gedauert, aber wer zur Hölle macht Computerspiele, die mensch in einem Tag durchspielen kann? Mal ganz abgesehen, dass es zwar lustiges Rumgespringe war, aber fürchterlich vorhersehbar und erst der levelaufbau… egal, das ist kein computerspiele-blog. aber dafür verweise ich mal auf einen, der es ist, und dazu meist noch wunderbar zynisch: antigames.de einer meiner lieblingspost war der zu gewalttätigen computerspielen: das-hat-nicht-lange-gedauert vllt hinken die ns-vergleiche ein bisschen… who cares […]
15. Juli 2007 um 14:56 Uhr
[…] >>> Update - Lesenswerte Artikel zum Thema: WELT // SpOn 1 // SpOn 2 // Spreeblick // 24stunden // Readers Edition // antigames.de // d-frag.de // SpOn 3 // SpOn 4 // SpOn 5 // taz […]
16. Januar 2008 um 17:40 Uhr
[…] Auch das die Gesellschaft dazu neigt Sündenböcke zu suchen ist nicht neu. […]
11. Juli 2008 um 22:27 Uhr
du sprichst das aus, was viele Spieler denken…
10. August 2008 um 22:49 Uhr
[…] Zugegeben: Eigentlich kann man der Diskussion kaum etwas hinzufügen, was nicht viele, unter anderem zwei meiner Lieblingsblogs zum Thema Spiele, schon getan hätten. Antigames & d-frag zum Beispiel. Zumal mich diese Diskussion zunehmend frustriert. Andererseits muss ich mir einfach mal Luft machen. […]