
So, mein erstes Wochenende mit dem/der/das Wii (nein, ich werde er/sie/es nicht “Wii-Konsole” nennen, auch wenn Nintendo das vielleicht gerne hätte) ist vorbei und der ganze Vorbestellungsstress hat sich definitiv gelohnt.
Zunächst mal was zur Hardware. Die Wiimotes sind ohne Frage das coolste Stück Spielehardware, das ich je gesehen habe. Überraschend klein, unglaublich handlich und mit coolen blauen Blinkelichtern versehen. Man kann eigentlich gar nicht anders, als sie in die Hand zu nehmen.
Im Vergleich dazu sind die Nunchucks leider nicht so ganz so edel geraten. Sie wirken irgendwie plastikiger als die Wiimotes, obwohl sie aus dem gleichen Material sind. Außerdem sind sie zu leicht. Gerade wenn man Wiimote und Nunchuck gleichzeitig bewegen muss, wünscht man sich auch in der linken Hand eine Remote zu haben. Somit wäre es schön gewesen, wenn sie die Nunchucks ebenfalls wireless gemacht hätten. Durch die Batterien wäre das Gewichtsproblem korrigiert worden und man hätte sich auch das blöde Kabel erspart, was man leider ständig ein und ausstöpseln muss.
Das Gehäuse des Wiis selber sieht eher unspektakulär aus, fast wie ein externes DVD-Laufwerk für den Mac, wäre da nicht der graue Ständer mit dem das Gerät hochkant und leicht schräg aufgestellt wird. Der gibt dem ganzen Ensemble genau den richtig Schliff um es sehr lässig wirken zu lassen. Insgesamt ein sehr edles Stück Technik, das ich gerne offen neben dem Fernseher stehen lassen werde, während ich die 360 und die PS3 wohl eher im Schrank einschließen werden, um den Nerdfaktor meines Wohnzimmers unter der kritischen Grenze von 37,4 N/m² (Nerdids pro Quadratmeter)* zu halten.
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Der Rand des Laufwerks, welches übrigens lobenswerterweise Slot-in ist, leuchtet beim Einschalten der Konsole kurz blau auf, bleibt dann aber dunkel. Ich will mehr blaues Leuchten!
Das erste was man beim Einschalten der Konsole übrigens bemerkt, ist wie erschreckend präzise der Pointer ist. Auf den diveren Videos erschien mir der Cursor immer sehr zitterig, was mir Sorgen gemacht hat. Anscheinend hat Nintendo aber für die Videoaufnahmen einfach Leute genommen, die entweder gerade zehn Dosen Red Bull getrunken oder zwei Tage vorher das Heroin abgesetzt hatten. In der geübt ruhigen Hand eines Herzchirurgen Videospielers ist das Ding absolut ruhig und immer genau da wo man es haben will. Zusätzlich hat Nintendo noch ein bisschen Rumble eingebaut, immer wenn man über ein Element des Interfaces gleitet. Das erinnert mich an eine Maus die ich mal hatte (deren Name sich mir gerade entzieht) und funktioniert fantastisch. Eine Einschränkung muss ich aber erwähnen. Wir hatten etwas Probleme das mit gleicher Präzision und Zuverlässigkeit auf einem Projektor zum Laufen zu kriegen. Das ist durchaus ein Problem, denn die Projektor/Leinwand-Kombi bringt bei Spielen mit vier Teilnehmern durchaus eine Menge.
Das erste was man mit der Konsole dann macht, ist natürlich einen Mii zu bauen. Und gleich danach baut man noch ein paar Miis fürs seine Freunde. Und dann für seine ganze Familie. Bester Launchtitel fürs Wii? Der Mii-Kanal. Na ja, nicht ganz. Aber sehr cool das Ding. Ich hoffe Nintendo macht viel Gebrauch von den Miis.
Wii Sports Tennis ist übrigens brilliant. Jeder den ich zum Spielen gezwungen habe, konnte nach einem Satz regelmäßig die Bälle treffen und hat auf die Frage “Noch ein Spiel?” mit “ja” geantwortet. Was auch alle gesagt haben war “Wieviel kostet das denn?” und (24 Stunden später) “Mann, ich habe Muskelkater im Arm.”. Noch eine interessante Beobachtung: Alle die das Hauptmenü gesehen haben, wollten sofort Boxen spielen, egal ob es mein 8-jähriger Cousin oder seine mittvierziger Mutter war. Ausführlicher Bericht zu Wii Sports folgt noch.
Aber kurz gesagt: Das Grundkonzept funktioniert. Jeder kapiert es in Minuten, wenn nicht weniger, und jeder hat irgendwie Spaß dabei. Eine interessante Beobachtung musste ich aber machen. Leute die deutlich vor der Erfindung des Videospiel geboren wurden, kamen überhaupt nicht damit klar, dass sie Spaß dabei hatten. Da war eine echte psychologische Barriere zu überwinden, so nach dem Motto “Ich bin erwachsen, ich darf dabei keinen Spaß dabei haben, sonst bringe ich Schande über meine Familie.”. Faszinierend, und ein Phänomen das ich weiter beobachten muss. Ist euch so was auch aufgefallen?
Leider konnte ich die Onlinefunktionalität der Konsole noch nicht ausführlich testen, weil ich zurzeit noch keinen Internetanschluss zuhause habe. Um so seltsamer kam ich mir mit meinem Classic-Controller vor. Warum habe ich den gleich gekauft? Vielleicht weil er so stylish aussieht. Wegen der Ergonomie wird es jedenfalls nicht gewesen sein, so richtig genial liegt der nämlich nicht in der Hand. Außerdem ist er nicht selber wireless, sondern kommt mit einem Kabel, was wiederum in eine Wiimote gesteckt wird. Keine optimale Lösung.
Das muss für’s erste als Ersteindruck reichen. Da ich das ganze Wochenende nicht viel mehr gemacht habe, als Wii zu spielen, werden in den nächsten Tagen ein riesiger Haufen Ersteindrücke aller von mir angespielten Spielen folgen. Und das sind eine ganze Menge. Haltet euch fest, der Antigames Wii-Wahnsinn geht weiter!
Und spart schon mal Geld. Denn ihr wollt ein Wii.
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* (Nerdids sind eine Einheit zum messen der Nerdstrahlung von Objekten. Eine PS3 strahlt 352 Nerdids ab, eine 360 273 und ein Wii immerhin noch 87 Nerdids. Zum Vergleich: Die gesammelten Bände eines Fantasyepos strahlen (je nach Autor und Anzahl der Bände) zwischen 200 und 700 Nerdids ab, ein Lichtschwert in einer Vitrine ca. 950, während ein pinkes Nintendo DS mit Nintendogs nur für einen Messwert von ca. 3,7 Nerdids sorgt. Das ist übrigens der niedrigste Nerdid-Wert für eine Spielkonsole aller Zeiten. Vorsicht ist dennoch geboten, da diese Kombination eine für ein Stück Technik bisher unerreichte Menge an Gayrays absondert.)
37,4 N/m² ist der allgemein anerkannte Grenzwert unter dem eine Frau nicht sofort die Flucht antritt, wenn sie das entsprechende Zimmer betritt.