
Ganz Deutschland ist im Nintendo-Fieber. Ich auch. Denn letzte Woche ist die US-Version von Yggdra Union bei mir eingetrudelt und hat meinen Gameboy Advance nach langen Monaten des Staub sammelns zur derzeit meist gespielten Konsole befördert. Yggdra Union ist das zweite namhafte Spiel von Sting, und ähnlich wie schon sein Vorgänger Riviera: Promised Land stellt es einige lieb gewonnene Konventionen des Genres komplett auf den Kopf. Denn wie oft sieht man schon ein Strategiespiel, indem man nur eine Aktion pro Runde hat? Oder in dem alles, von der Zahl der Bewegungspunkte über die Angriffsstärke bis hin zum Spezialmanöver, allein von der Spielkarte abhängt, die man am Beginn der Runde wählt? Eben, nicht sehr oft.
Weil es pro Runde wie gesagt nur einen Angriff und einen Gegenangriff gibt, und so ein Kampf (bisher) maximal acht Runden dauert, muss man sich jede Aktion reiflich überlegen. Wenn ich mit meiner Kavallerie die feindlichen Bogenschützen niedermache, fallen mir im Gegenzug die Assassinen in den Rücken. Nicht gut. Lieber eine Karte mit starker Verteidigung spielen und mit den Briganden die Festung da oben besetzen. In der nächsten Runde könnte ich dann eine vernünftige Schlachtordnung einnehmen und zum Angriff übergehen. Oder sollte ich nicht doch lieber das Dorf dort im Wald ausspähen? Vielleicht gibt es da was interessantes zu holen. Allerdings habe ich dann nicht mehr genug Bewegungspunkte, um eine gute Verteidigungsposition einzunehmen.
Was auf den ersten Blick furchtbar simpel aussieht, entpuppt sich nach ein paar Missionen als beinhartes Knobelspiel. Insbesondere, wenn sich mal wieder von einem Zug zum nächsten das Missionsziel ändert und die eben noch gut befestigten Einheiten plötzlich auf dem Präsentierteller des Gegner liegen. Das ist unter Umständen ärgerlich, vor allem, wenn man wie so oft auf dem falschen Fuss erwischt wird, macht aber selbst aus einem totalen Strategieverweigerer wie mir einen begeisterten Mini-Napoleon. Eben weil es nur wenige Züge und wenige Einheiten gibt, wird einem jeder Fehler in der eigenen Taktik umgehend und zumeist schmerzhaft bewusst. Für Spannung während den ansonsten automatisch ablaufenden Kämpfen ist ebenfalls gesorgt. Durch planvolles Justieren einer Powerleiste kann man kurzzeitig die Angriffskraft erhöhen oder dem Gegner Spezialangriffe um die Ohren hauen, was manches Mal zwischen Sieg und Niederlage entscheidet.
Alles in allem ist Yggdra Union ein extrem bärtiges Strategierollenspiel in zuckersüsser Verpackung. Die riesigen Charakterportraits und der ständig mit allen möglichen Zahlen, Symbolen und Hinweisen übersähte Bildschirm mögen nicht jedermanns Sache sein, aber wer Advance Wars mochte, wird sicher auch mit diesem Spiel seinen Spass haben. Es ist ausserdem ziemlich umfangreich. Insgesamt gibt es wohl 48 Schlachtfelder, und abzüglich der Tutorialgefechte zu Beginn verbringt man durchaus eine halbe bis ganze Stunde auf einer Karte. Das richtige Mittel gegen lange Winterabende also.
Sting? Läuft der nicht im Moment rum und spielt allen Leuten was auf der Laute vor?
Ich habe die Überschrift erst völlig missdeutet bis ich dann das Ah-ha-Erlebniss hatte, habe mich die ganze Zeit gefragt wo die sich nun mit Nintendo anlegen … ist wohl einfach noch zu früh
Damit stehst du nicht allein C.Huegel. Hatte jetzt auch mehr mit einem Beitrag darüber gerechnet, wie Sting der letzte Nintendo Wii von einem kleinen 8-jährigen Jungen vor der Nase weggeschnappt wird, da sich dieser herzlich wenig um die Popularität des Wandermusikers schert.
Tja, wahrscheinlich ist es wirklich einfach zu früh.
Aber ich darf das, denn ab heute zähle ich 23 Lenze. Graue Haare wurden auch schon gezählt: es sind 8. Ist allerdings fraglich, ob die nicht auch schon gestern zu 8 waren.
Herzlichen Glückwunsch und so.
Dass Stefan sich erdreistet in dem ganzen Wiiwahn ein GBA-Spiel zu rezensieren… sowas aber auch.
Woher bekommt man dieses Spiel? Hier in Berlin sieht es mit importierten GBA-Spielen schlecht aus. Kannst Du einen Versand empfehlen?
Ich mag Advance Wars zwar auch, aber ich glaube das Spiel ist mir jetzt doch zu viel “Knobelspiel”, mal abgesehen davon das ich meine Kohle gerade für andere Dinge brauche. Aber es ist schön das solche Spiele erscheinen.
Ach ja, erscheint das Spiel in Dtl. und wenn ja, wann erscheint es?
Einen Deutschland-Release halte ich für äusserst unwahrscheinlich, Nintendo of Europe ist in der Hinsicht absolut nutzlos. Ich habe mein Exemplar wie üblich von hier. Wie eigentlich jeder gute Handheld ist der GBA schliesslich Ländercode-frei.
OFFTOPIC:
verdammt was is los, richard hat jetzt schon seit freitag die wii und was is…. nix. wär toll wenn er wenigstens mal kurz was dazu schreiben würde. weiß auch nicht eine art fazit, was ihm gefällt an der konsole und an den spielen oder von mir aus auch eine pro und kontra liste (ja ich weiß bescheurtes beispiel). wenigstens irgendetwas.
also mach endlich.
mfg stan
Kein Thema: Es rockt!
Dummerweise muss ich heute noch fünf Paper Review raushauen, es kann also noch eine Weile dauern, bis ein längerer Text von mir kommt. Er ist schon fast fertig, aber bis er ganz fertig ist, wird es spät.
ok dann gedulde ich mich eben noch ein wenig… aber nicht lange. ^^
Brilliante Überschrift.
Spielbeschreibung hört sich geil an, und das Teil sieht klasse aus. *Kreditkartezück* Stefan, Danke für diese lichte Stunde in der ansonsten ach so öden Wii-Euphorie-Tristesse.
Klingt ja schön und gut, aber irgendwie hab ich, nach Advance Wars DS, keine Lust mehr auf Strategiespiele ohne Touchscreensteuerung.
Tja, ich hab das Spiel selbst und kann nur sagen, echt super. Mich wunderts nur das es noch so wenig Testberichte darüber gibt. Da wird jedes noch so schlechte DS Spiel gleich getestet aber diese Perle wird scheinbar halb ignoriert.
Vor allem, da die Grafik am DS fast aussieht als wär sie von solchigem.
Wer Strategie mag, unbedingt zulegen.
Ich habe Yggdra Union jetzt seit zwei Wochen, aber was mich total nervt ist dass man den Spielstand nur so selten speichern kann… naja