
Der ICE von Frankfurt nach Mannheim braucht 37 Minuten für diese Strecke. Das reicht aus um es sich gemütlich zu machen, ein paar Kapitel eines netten Buches zu lesen (Antigames™ BuchTipp™ der Woche: “Rosen für Apoll” von Joachim Fernau), ein bisschen zu arbeiten oder eine Runde mit dem DS zu spielen.
Das macht aber nicht jeder. Es gibt nämlich Leute, die stehen schon 15 Minuten nach Verlassen des Frankfurter Bahnhofs von ihren Plätzen auf, ziehen sich ihren Mantel an, holen ihre gerade erst verstauten Taschen wieder von den Ablagen herunter und verbringen die restlichen 22 Minuten der Fahrt damit, unbequem im Flur rumzustehen.
Das sind auch keine Einzelfälle. Für gewöhnlich bildet sich im Flur immer eine Schlange solcher Leute. Was diese antreibt ihren kuscheligen Fensterplatz aufzugeben und über die Hälfte der Fahrt im engen Flur vor den Abteilen zu verbringen, entzieht sich mir ehrlich gesagt. Vielleicht haben sie Angst davor, nicht rechtzeitig aus dem Zug zu kommen? Stellen die sich das so vor, dass sie nur mal kurz wegschauen und sich dann aus Versehen in Basel wieder finden?
Dabei ist es völlig ausreichend aufzustehen, wenn der Zug zum Stillstand gekommen ist. Allein weil es im Flur immer eine Schlange von Frühaufstehern gibt, die erst mal abgearbeitet werden muss. Ich schätze, die Leute wollen einfach auf Nummer sicher gehen. Man weiß ja nie was passieren kann! Vielleicht verschüttet ein Erdrutsch den Weg zum Ausgang und bis die Hilfskräfte ihn wieder freigelegt haben, ist man schon jenseits der deutschen Grenze. Oder eine Herde wilder Crocolisks bewacht den Ausgang. In dem Fall bräuchte man halt einfach 20 Minuten, bis man die besiegt hat. (Kriegt dafür aber immerhin 500 Erfahrungspunkte.)
Was auch immer jetzt der präzise Grund für dieses Verhalten ist, ich wette es handelt sich bei diesen Personen um genau die gleichen Leute, die nur Spiele mit einer durchschnittlichen Wertung von über 85% kaufen. Alles kleine Feiglinge.
Das mache ich ganz anders. Nicht nur im Zug, sondern auch bei Spielen. Zumindest wenn es um Spiele fürs DS geht. Mario Kart DS (Metascore: 91)? Habe ich nicht. Castlevania DoS (89)? Habe ich nicht. NSMB? Fand ich nicht so toll. Genauso Mario & Luigi. Animal Crossing? Meteos? Habe ich auch beide nicht. Wenn ich euch langweilen wollte, könnte ich diese Liste noch eine Weile fortführen.
Was ich sagen will ist, dass ich fürs DS gerne Spiele kaufe, die nicht so toll bewertet wurden, aber trotzdem irgendwie interessant klingen. Damit fliege ich manchmal auch gewaltig auf die Nase. Zum Beispiel waren weder Freedom Wings noch Deep Labyrinth besonders gut, egal wie viel Potential da jetzt drin gesteckt haben mag.
Diesmal habe ich aber Glück gehabt. Star Trek: Tactical Assault kommt gerade mal auf einen Metascore von 57, macht mir aber trotzdem sehr viel Freude. Tatsächlich habe ich zum ersten Mal seit langem den Akku wieder komplett leer gespielt. (Was übrigens gleich auf der Zugfahrt ein echtes Problem darstellen wird.)
Der Hauptgrund für die niedrige Wertung liegt wohl darin, dass TA nicht sonderlich komplex ist. So ist der Weltraum z.B. zweidimensional. Man kann sein Raumschiff nach links und rechts steuern und man kann die Geschwindigkeit festlegen, aber eine Rotation um andere Achsen ist nicht möglich. Auch die Geschichte ist recht oberflächlich gestaltet. Es gibt zwar zwei Kampagnen (Föderation und Klingonen), aber beide werden nur sehr lose von einer Erzählstruktur zusammengehalten. Auch grafisch geht bei dem Spiel jetzt nicht riesig viel. Es sieht schon authentisch startrekkig aus, aber man kann sich dem Eindruck nicht ganz erwehren, dass da selbst auf dem DS noch ein paar Details mehr drin gewesen wären.
Wieso gefällt mir das Spiel also? Na, zum einen ist die grundlegende Spielmechanik recht gelungen. Alle Schiffe haben ein paar Waffen montiert, die jeweils einen bestimmten Feuerbereich haben. Zudem sind alle Schiffe mit einem Schild ausgestattet, der ebenfalls in separate Bereiche aufgeteilt ist. Somit entwickeln sich die Gefechte eigentlich immer zu einem relativ reizvollen Positionskampf, bei dem beide Seiten versuchen ihre gerade aufgeladenen Waffen in Richtung Gegner zu drehen, ohne ihm dabei bereits geschwächte Schildbereiche zuzuwenden.
Was das Spiel aber hauptsächlich aufwertet, ist die Steuerung. Das Raumschiff lässt sich nahezu komplett mit dem Touchscreen spielen, welcher in Form von Star-Trek-typischen Okudagrammen gestaltet ist. Darauf rumzuklicken, um seine Befehle zu geben, wirkt nicht nur sehr authentisch, sondern macht einem alten Star Trek-Fan auch große Freude. Notfallenergie auf die Schilde zu verteilen oder Photonentorpedos in Richtung der Romulaner zu werfen, dürfte auf der PSP nicht halb so viel Spaß bringen.
Garniert wird Spiel noch von ein paar Rollenspielelementen. Jedes Crewmitglied bringt ein paar Sonderfähigkeiten mit sich (z.B. mehr Schaden für Photonentorpedos oder höhere Beschleunigung), die man mit Erfahrungspunkten bis zu drei Mal verbessern kann. Je besser man eine Mission abschließt, desto mehr dieser Punkte bekommt man dafür.
Was mir auch noch sehr gut gefällt: Man muss in jeder Mission mindestens eine Entscheidung treffen, deren Ausgang offen ist. So muss man zum Beispiel entscheiden, ob man ein fliehendes Raumschiff verfolgt, um dessen Heimatbasis zu entdecken, oder einem anderen Föderationsraumschiff zur Hilfe eilt. Da das Spiel einen durchaus happigen Schwierigkeitsgrad hat, ist auch die Frage ob man sich nach der Verteidigung einer Basis noch einem freiwilligen Gegenangriff anschließt, oft alles andere als einfach zu beantworten.
Ein bisschen Geduld sollte man allerdings schon übrig haben. Die oben erwähnten Positionskämpfe können sich durchaus hinziehen, zumal sich die Waffen in etwa mit der Geschwindigkeit einer südafrikanischen Trockenschleimschnecke wieder aufladen. Wer ein Actionspiel sucht, der ist hier falsch.
Dennoch, wer Star Trek mag, etwas für taktisches Gameplay übrig hat, ein wenig Geduld mitbringt und sich jetzt den Kauf des Spiels überlegt, dem möchte ich beherzt zurufen:
Make it so!