Musik in euren Ohren
Montag, Januar 29th, 2007 
Dies ist nur ein halber World of Warcraft-Beitrag. Denn um das Spiel zu spielen habe ich einfach keine Zeit. Jetzt gerade ist zum Beispiel kurz nach zehn — abends — und wo sitze ich? Im Büro. Mal abgesehen davon, dass ich hier gar keinen WoW-fähigen Rechner zur Verfügung hätte: es gibt einfach zu viel zu tun, als dass ich nebenher noch meinen Level 55-Gnom nach Outland bringen könnte.
Dafür höre ich nebenher den Burning Crusade-Soundtrack. Denn der ist geil. Und erinnert mich an ein Thema, über dass ich schon lange schreiben wollte: Würgemord! Und zwar an all jenen, die die Musik ihrer Spiele leiser drehen oder komplett abschalten. Gerade bei World of Warcraft gibt es diesen schlimmen Trend, auf die eigentlich überdurchschnittlich gute musikalische Untermahlung zugunsten Korn, Rammstein, Hanson oder Tokio Hotel zu verzichten. Und das ist wirklich sehr schade. Denn gerade die neue Musik aus Burning Crusade ist verdammt gut geworden. Ich habe extra einen Draenei angefangen, damit ich so richtig darin versinken kann. Auch, wenn ich dafür schulbusgroße Mutanten-Motten töten muss und sowas. Naja, nichts ist perfekt.
Jetzt dachte ich eigentlich, das Motzpotenzial des Themas sei ausgereizt, doch Richard erinnerte mich auf meiner Suche nach Inspiration an etwas anderes, worüber ich schreiben wollte, was aber viel mit dem obigen zu tun hat: die von der Riesenkonsole Xbox 360 ausgehende tödliche Gefahr für die Spielesoundtrackkultur. So sehr ich die Konsole derzeit lieb habe — Rainbox Six Vegas rockt! Und hat für einen ollen Taktikshooter sogar erstaunlich gute Musik! — so wenig werde ich das Gefühl los, dass das Feature, das einem erlaubt, den Soundtrack eines jeden Spiels mit eigenen MP3s ersetzen zu können, eine ganz miese Idee war. Denn immer wieder fallen mir Spiele auf, wo der Verzicht auf einen guten Soundtrack — oder überhaupt einen Soundtrack — nicht wie eine stilistische Entscheidung, sondern eine reine Sparmaßnahme rüber kommt. Sorry, aber den Tonschrott aus Restverwertern wie Project 8 oder Burnout Revenge und Musiklangweilern wie Gears of War braucht kein Mensch. Und dass das Abhandensein von Musik in Dead Rising künstlerisch motiviert sein soll, glaube ich einfach nicht. Ganz ehrlich: ich find’s total super, wenn ich quasi jedes Spiel zu “Fuck Her Gently” von Tenacious D spielen kann. Aber wenn dafür kaum noch tolle, neue Spielescores geschrieben werden, ist es das echt nicht wert.
Leute! Musik ist wichtig. Sie kann einen viel stärkeren Einfluss auf Stimmung und Atmosphäre haben als Grafik, Gameplay und Story zusammen. Schaut euch nur mal die alten Medal of Honors an. Weltkriegsshooter der banalsten Sorte, aber sie hatten Musik von Michael Giacchino. Und was für welche! Ihr kennt das doch aus Filmen. Star Wars wurde erst durch John Williams großartige Musik so cool. Stellt euch vor, ihr würdet sie rausreißen und mit Rosentolz ersetzen. Wär scheiße, oder? Denkt da nächstes Mal dran, wenn ihr ein Spiel “mit unveröffentlichten Tracks bekannter Künstler” kauft. Oder die geile Musik von World of Warcraft abschaltet. Banausen.











