
Auf eurogamer.de versucht Jan Schneider gerade, sich über das christliche Adventure Heaven lustig zu machen. Dabei wird klar: Er hält nicht viel von Religion. In der Hinsicht sind wir uns durchaus einig. Nicht einig sind wir uns darin, dass Heaven wirklich Spott und Häme verdient hat.
Bei Heaven handelt es sich um ein Adventure im 360°-Renderstil mit christlich-religiösem Hintergrund. Einen Trailer gibt es auf der offiziellen Webseite, ein paar Screenshots findet ihr bei justadventure.com.
Ganz ehrlich: der Trailer ist gar nicht so schlecht. Ja, die Verwendung von Hans Zimmers Score aus The Lion King ist etwas komisch und die Charaktere wirken ein wenig steif. Aber generell sieht das doch ganz nett aus. Das gilt auch für die Screenshots, gerade für die Verhältnisse des Adventure-Genres, das ja nicht gerade mit Entwicklungsbudgets in Ubisoft-Clancy-Spiel-Größe gesegnet ist.
Tatsächlich hat Entwickler Genesis Works einige Leute mit an Bord, die man durchaus ernst nehmen muss. Dabei ist insbesondere Stephan Martiniere zu nennen, der drei Jahre lang Visual Art Director bei Cyan war. Das ist ein Studio welches im visuellen Bereich immer Maßsstäbe für die Branche gesetzt hat.
Nicht das Heaven absolut großartig aussehen würde. Der Himmel hat anscheinend viele Palmen, überall Swimming Pools, alle sind weiß angezogen und die weiblichen Engel (falls es denn Engel sein soll) tragen so fette Paris-Hilton-”They bought me all these iceies”-Diamantketten um den Hals.
Kurz gesagt, Genesis Works Vision des Himmels liegt so irgendwo zwischen teurem Kreuzfahrtschiff und einem Disney Ride und ist ohne Frage ein bisschen naiv-trivial. Aber das gilt so ziemlich für jede Videospiel. Gears of War ist auch naiv-trivial und weder Command & Conquer noch Mario glänzen mit sonderlich feinsinnig ausgearbeiteten Welten. Kurz: Das Spiel sieht soweit in keinster Weise schlechter aus, als die meisten anderen Adventures die zurzeit produziert werden.
Wieso also die Häme? Mangels kritikwürdigen Elementen im Spiel stürzt Herr Schneider sich auf die offizielle Webseite des Entwicklers. Er zitiert von dort folgenden Satz:
Jesus is our Saviour, Healer, and Guide. We give God the full glory for our lives and impact we can have on others around us.
Jans Kommentar dazu ist: “Autsch”. Autsch? Wieso Autsch? Ja, sie sind religiös. Darüber mögen wir den Kopf schütteln, aber das ist verdammt nochmal ihr Recht. Wenn man ein Christ ist, dann ist Jesus eben der Heiland und man sollte sein Leben auf Gott ausrichten. Dürfen die das jetzt nicht mehr sagen, nur weil wir das seltsam finden? Noch ein Zitat:
Whenever we get a chance, we like to spread the experience.
Aus Gründen die mir nicht ganz klar sind, liest Jan da heraus, dass die Entwickler des Spiels gerne afrikanische Kinder prügeln. Hallooo? Jemand zu hause, McSchneider? Das ist echt völlig daneben.
Wenn Videospiele langfristig relevant bleiben sollen, dann muss man mit ihnen auch eine Message rüberbringen dürfen. Je mehr Leute genau das machen, desto schwerer fällt es übrigens auch Politikern mit näherrückenden Wahlterminen, Videospiele als Sündenbock für alles Übel unserer Gesellschaft zu missbrauchen. Andersrum fällt es Organisationen wie dem Deutschen Kulturrat um so leichter Videospielen Rückendeckung zu geben.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die Aussage solcher Spiele nicht kritisiert werden dürfen. Im Gegenteil, dafür wäre ich dankbar. Selbst wenn ein Spiele heutezutage mal eine Aussage hat, dann wird sie ja im Allgemeinen geflissentlich ignoriert, denn eine intelligenter inhaltlicher Diskurs passt halt nicht in einen Wertungskasten.
Man darf auch gerne religiöse Spiele dafür kritisieren, dass sie einen Inhalt transportieren, den man für fragwürdig hält. Ich selbst habe das mit Left Behind, einem Spiel in dem Ungläubige wie Jan und ich mit einer Kugel in den Kopf aus dem Weg geräumt werden, ausführlich gemacht.
Aber Jan kritisiert nicht den Inhalt des Spiels, denn er kennt den Inhalt des Spiels ja noch gar nicht. Wir wissen schließlich fast nichts über Heaven, außer dass es irgendwie christlich ist und wohl zum Teil im Himmel spielt. Aber das ist Jan anscheinend schon viel. Er hält es wohl schon für unverschämt, wenn es jemand mal wagt eine andere Weltsicht als die Schneidersche zu vertreten.
Peinlich.
Naja, ich stimme zu: Etwas plakativ ist das schon. Aber genauso plakativ ist auch die christliche Message, zumindest was man bisher sieht.
In diesem Punkt:
würde ich aber wiedersprechen. Message, Inhalt: Ja. Ideologie, Religion: Nein. Denn dann gibt es irgenwann “gute” und “böse” Spiele.
Bedenklich.
Kannst du das erklären? Liegt nicht jeder Message eine Ideologie zugrunde?
Würde ich so nicht sagen, ich denke Ideologien = politische Absicht, also ein politisches System das angestrebt wird (Demokratie, Faschismus, Sozialismus, etc). Eine Message kann auch einfach “habt euch lieb” oder “töten ist böse” sein, ganz un-ideologisch. Gibt natürlich auch komplexere Messages, ist auch immer die Frage wie eindeutig und unambivalent sie präsentiert wird. Bisher geizen aber Spiele mit sowas, das ist leider richtig …
Aber was ist falsch daran eine Ideologie zu haben? Dürfen Spiele jetzt nicht mehr die Demokratie propagieren, weil sie dann eine Ideologie hätten? Ich weiß nicht genau worauf du hinaus willst?
Ich denke, Jan wollte mit seiner Kolumne nur zum Ausdruck bringen, wie “verlogen” es sich alles anhört. Auf der einen Seite machen sie einen auf “gute Christen”, auf der anderen SEite tanzt eine vollbusige Dame durchs Szenario…Und das passt mal vorne und hinten nicht zusammen.
Klar können Spiele auch ideologische sein, gerne im Sinne einer demokratischen Ideologie, sowas hat aber immer einen erzieherischen Beigeschmack. Solang das aber nur auf einer bildungspolitischen Ebenen bleibt (wie funktioniert Demokratie? Warum sollten wir uns dafür einsetzen?) fände ich so ein Spiel mal absolut klasse, vorallem da viele heute scheinbar mit dieser Staatsform garnichts mehr anfangen können, selbst die Politiker nicht.
Meine Sichtweise ist aber einfach, dass man dann anfängt, die Ideologien in anderen Spielen zu suchen und versucht dann in gut (=demokratisch) und böse (=alles andere) einzuteilen. Dann sieht man sicher irgendwann die Gespenster der Vergangenheit in Titeln wie Gears of War. Vielleicht nicht mal zu Unrecht, aber das führt zu einer Polarisierung der Spiele, die glaub ich keiner will. Am Ende steht dann eine Einteilung in ideologisch korrekte und unkorrekte Spiele.
@Tanja:
Vollbusige Damen sind eben auf für Christen “himmlisch”. ;-)
auf = auch
Also laut wikipedia kann man mit LSD wirklich alles anstellen–außer schnupfen
(Idiot!)
ansonsten ist mir das Spiel ziemlich egal, haptsächlich weil so religiöses Krams bei mir nicht so gut ankommt
Das hat er aber überhaupt nicht zum Ausdruck gebracht. Im übrigens sind Brüste meines Wissens in der Christenheit jetzt nicht prinzipiell verboten, auch wenn da an vielen Stellen eine ordentliche Dosis Prüderie herrscht. Ich sehe da nirgendwo, dass das Spiel Keuschheit predigt. Insofern wäre das kein sinnvolles Argument, selbst wenn er es vorgebracht hätte. Was er nicht hat.
Diese Einteilung von Spielen in “gut” und “böse” wäre doch völlig normal. Das machen wir doch auch mit Filmen ständig. Siehe die Diskussion über 300. Das ist nicht schlecht, das ist super. Das ist ein ganz normaler Teil des politisch-soziales Diskurses in der Gesellschaft. Kunst spielt in dieser Hinsicht eine ganz wichtige gesellschaftliche Rolle. Es wäre großartig, wenn Spiele endlich auch einen Teil dieser Rolle übernehmen würden.
Ich sehe in Gears of War übrigens die Gespenster der Vergangenheit. Aber dazu schreibe ich später noch was.
Hm, meine Mutter ist auch sehr religiös (sogar im Kirchengemeinderat), trotzdem würde sie Jesus nun nicht als ihren Retter und Führer bezeichnen. Das klingt schon sehr orthodox und führt bei mir als Agnostiker zu leichtem, wahrscheinlich unbegründetem Unwohlsein.
Genau wie deine Schlußfolgerungen sind sein eben überspitzt und sollen Provozieren. Da beide nun zu einer Diskussion über Religion und andere Ideologien in Spielen anregen, passt es doch hervorragend.
Gratulation!
Btw: Ich muss auch anmerken, dass Du mit deiner Interpretation von “Jan liest daraus, dass die Entwickler afrikanische Kinder prügeln” meines Erachtens etwas über die Stränge schlägst. Bzw. zu viel Feuer siehst, wo nur Rauch ist.
Seine Antwort auf das Zitat war: Weiter geht’s: “Whenever we get a chance, we like to spread the experience.”. Meine Gedanken schweifen von Berliner Politikern zu afrikanischen Kindern, die von religiösen Eiferern das Wort Gottes eingeprügelt bekommen.
Er spricht da an Sachen, die ihm bei diesen Sätzen durch den Kopf gehen – nicht mehr, nicht weniger :)
Was ist an einer Message so toll? Gibt es eigtl. gute Literatur, die Demokratie propagiert ohne platt zu sein? Klar, Theaterstücke, Filme, Bücher haben eine Message, nur sieht die nicht so eindeutig aus, oft werden verschiedene themen / messages gegeneinander gestellt und zur diskussion gestellt. also verschont mich mit videospielen, die eine message an den mann/frau bringen wollen. die anderen medien sind da schon weiter …
cheerio, brof
@MK: Pfui!!! Ich sehe schon, du bist kein guter Christ :)
@Maestro: ….sagt jemand, deine seine Informationen lediglich aus Wikipedia zieht. Mei, bist du ein helles Kerlchen :p
Das sehe ich nicht so. Er stellt da eindeutig einen Zusammenhang zwischen den Entwicklern und den verprügelten Kindern her. Schließlich haben die ihn ja anscheinend auf die Gedanken an die Kinder gebracht. (Nicht dass ich wüsste wo er da den Zusammenhang sieht, aber gut.)
Ist das nicht der Punkt? Dass Videospiele bitteschön genauso weit sein sollten? Nebenbei ist nicht mal gesagt, dass es ein reines Message-Spiel wird. Vielleicht hat es einfach nur einen religiösen Kontext wie viele der alten Monumentalfilme aus Hollywood?
Dürfte bei der Selbstauskunft unwahrscheinlich sein, oder?
Ich meinte das eher im Sinne von religiöser/ideologischer Schwarz-weiß-Malerei, nicht qualitativer Natur. Anders ausgedrückt: Wenn diese Kategorie von gut/böse benutzt werden, wird es einer gewissen Kaste die Möglichkeit an die Hand geben für “böse/heikle/unmoralische” Spiele ein Verbot zu fordern. Wie kurz wir davon sind, sieht man leider in den Schlagzeilen der letzten Wochen.
D’accord, aber dazu braucht es keine Ideologien sondern überzeugende, tiefgründige Spiele und vorallem ein breiteres Bewußtsein für das, was Spiele leisten könn(t)en.
Ich bin gespannt!
Sehe ich nicht unbedingt so. Die Selbstauskunft ist ziemlich harmlos, ehrlich gesagt.
Klar, das Spiel wird wahrscheinlich ein plumpes Missionierungsdings, dass sich nur an Leute verkauft, die sowieso schon glauben. Aber das wissen wir halt jetzt noch nicht.
Jan verhält sich so wie die Leute die gegen Bully protestiert haben, obwohl noch nichts darüber wussten, weil das Spiel noch gar nicht existiert hat und auch gar keine Details dazu da waren. Es gab nur den Namen und das hat ihnen gereicht.
Das ist nicht in Ordnung so. Und es ist auch nicht in Ordnung so, wenn es vielleicht mal gegen ein Ziel geht, dass auch für mich ein Feindbild ist. Man kann nicht von der anderen Seite verlangen, dass sie sich fair verhält und sich dann selber so daneben benehmen.
Stimmt Richard, trotzdem wirkt das bei einer Seite die gern polarisiert etwas befremdlich :)
Im Gegenteil. Wir sind doch jetzt schon bei der Verbotsdiskussion, wie du korrekt erkannt hast. Wenn die Spiele plötzlich etwas zu sagen haben, dann fällt es viel, viel leichter auf das Recht auf freie Meinungsäußerung zu pochen. Möchtest du Gears of War zum Bundesverfassungsgericht schleppen und argumentieren, dass die Entwickler damit irgendwie ihre Meinung äußern? Gäbe es mehr Spiele die etwas zu sagen hätten, dann könnten wir das ganze Problem wahrscheinlich in wenigen Monaten mit einem Besuch dort lösen.
Nun braucht man für ein tiefgründiges Spiel aber eben so etwas wie ein Weltbild, eine Ideologie auf der man aufbaut. Dieses Bewusstsein wird übrigens erst kommen, wenn es Spiele gibt die das auch rechtfertigen. Andersrum wird das nie etwas.
Naja, hier wurde auch schon über Games gelästert, die noch nicht gespielt wurden. Ich denke das geht ab und an schon in Ordnung. Ist ja auch ein Kommentar, also eine Meinung, die nicht jeder teilen muss.
Lies dir mal meinen Beitrag zu Left Behind durch und vergleiche ihn mit Jans Beitrag zu Heaven. Ich behaupte jetzt mal dreist, dass ich das doch etwas besser mache. Zum einen habe ich damals ausführlich recherchiert. Jan hat Jesus Camp gesehen, mal in den Nachrichten was von afrikanischen Kindern gelesen und glaubt jetzt er wüsste was Sache ist. Das sieht man genau das gleiche Halbwissen, was immer die “Killerspiel”-Fraktion antreibt.
Außerdem hatte ich den Anstand mit einer Betrachtung des Spiels zu warten, bis es fertig war. Ich habe es tatsächlich gespielt. Jan hat so was nicht nötig. Genau wie die “Killerspiel”-Fraktion.
Er hat da echt die gleichen Verhaltensmuster drauf, und das treibt mich auf die Palme. Diese Verhaltensmuster sind nämlich falsch, egal ob der Feind es gerade verdient hat oder nicht.
Ich habe den Artikel auch grade gelesen, und ich finde ihn schlichtweg unmöglich. Glauben eines dieser Themen die man mit Bedacht behandeln sollte… stattdessen liest sich man nur Spott und Häme.
Dass man als Nichtgläubiger Probleme damit hat, Glauben zu verstehen oder wenigstens nachvollziehen zu können, kann ich wiederum nachvollziehen. Es ist nicht wirklich greifbar, sichtbar oder erklärbar… aber man sollte genügend Respekt haben, sich damit auseinanderzusetzen, bevor man ein paar Rotzige Bemerkungen ins Internet stellt. Zudem ein wesentlicher Teil unserer Kulturgeschichte eben auf jenem Glauben basiert, nur mal so nebenbei (eigentlich erschreckend wie viele Leute heutzutage mit Kirche nichts anderes verbinden als “viel Geld”, Kreuzzüge und Hexenverbrennung).
Im übrigen bin ich Richards Auffassung dass Ideologie und Glauben Themen sind, die durchaus in Computerspiele gehören. Man darf das gerne kritisieren, auch als bekennender Christ finde ich das, was man von dem Spiel sehen kann etwas, nunja, merkwürdig(ich befürchte platte, naive Glaubensvorstellungen und alberne Missionierungsversuche). Aber es ist das Gute Recht dieser Leute ein solches Spiel zu machen, und über die letztliche, inhaltiche Qualität kann man zu diesem Zeitpunkt nichts sagen.
hm. kurze frage. angenommen jemand hat eine ganz tolle idee für eine story oder sonstwie geniale ideen und möchte seine aussagen der öffentlichkeit zugänglich machen, warum sollte er dann ein videospiel als medium nehmen? die grossen ideen werden bisher in büchern, in filmen und in die kunst eingebracht. klar, bei film hat das ja auch geklappt mit den neuen ideen. …
cheerio, brof
ich nehme euch bekennenden Christen genauso ernst, wie die Leute die an den flying teapot (Bertrand Russell) oder an das flying spaghetti monster glauben. ehrlich, soviel ernsthaftigkeit habt ihr verdient.
cheers,
brof
Ich bin der Meinung, dass es genug Spiele gibt, die etwas zu sagen haben: Angefangen bei Populous über Civ bis hin zu Okami oder REZ. Man muss sich nur eben die Mühe machen es zu entschlüsseln. Einfach ideologische Linien wie “das ist gut, das aber schlecht” sind zu simpel. Meines Erachtens würde das nur dazu führen, dass am Ende dann die Spiele, die eben Zwischenwelten, Ambivalentes darstellen problematisiert würden, während einfach “klare” Spiele durchgewunken werden, weil man ja sieht das sie direkt Stellung beziehen. Das ist ja in der Filmkunst ebenso. Mit dem Nachtportier haben auch heute noch so einige ihre Probleme und würden den Film gerne auf dem Index sehen.
@brof:
Weil er dort andere Möglichkeiten als Film, Buch, Gemälde, Architektur, etc hat. The medium is the message.
Das sehe ich übrigens nicht so. Ganz objektiv betrachtet sind die meisten Sachen an die die Leute da so glauben einfach lächerlich. Religion muss in keinster Weise mit dem Samthandschuh angefasst werden, damit macht man es ihr zu einfach. Darum geht es mir hier übrigens auch gar nicht. Da hast du mich missverstanden. Ich sage dir direkt auf den Kopf zu, dass ich deinen Glauben total dämlich finde. Gleichzeitig würde ich aber sofort mit dir auf die Straße gehen, um dein Recht daran zu glauben zu verteidigen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen.
Ein gerne vorgebrachtes Argument, bei dem die Leute gerne mit dem Kopf nicken. Ich frage mich dann immer, ob ich nicht eine Kulturgeschichte ohne diesen Glauben vorziehen würde. Die Antwort ist meistens ja, zumal ich die Ursprünge der meisten positiven Errungenschaften unserer Zivilisation eher bei den griechischen Philosophen finde, als bei den christlichen Theologen. Ich habe den Verdacht wir hätten uns historisch viel Ärger erspart, wenn wir das weiter verfolgt hätte und das Christentum nicht in unsere Kulturgeschichte eingegriffen hätte. Aber das ist vielleicht nicht die Diskussion die wir hier führen sollten, denn darum geht es mir jetzt gar nicht. Vielleicht ein ander mal, wenn Heaven raus ist?
Vielleicht weil er ein Talent dafür hat Videospiele zu machen? Vielleicht weil ihn Videospiele begeistern und Filme nicht? Vielleicht weil Videospiele neue Möglichkeiten bieten gewisse Sachen zu sagen, die alte lineare Medien nicht haben? Deine Lieblingsfilmemacher oder Buchautoren haben sich nicht mit 18 überlegt, welches Medium sie denn jetzt nutzen wollen. Das war denen schon immer klar. So dürfte es auch bei Videospielen sein.
Es gibt solche Spiele definitiv. Aber genug? Kaum.
Naja, aber diese Diskussion könntest du auch über andere Medien führen, da braucht man sich nur die Bestseller-Listen oder die Kino-Charts anzuschauen …
@ImYemeth: Ich wäre allerdings auch vorsichtig, den Glauben so dermaßen “lobend” nach vorne zu stellen. Wie viele Kriege gehen auf die REchnung des Glaubens??? Bei aller Liebe für den Glauben (und ich habe ebenfalls einen, nur definitiv nicht christlich), aber man sollte von beiden Seiten ein wenig mehr Zurückhaltung fordern!
Ich erinnere mich da nur, wie nach der Geburt meines Sohnes ein paar von Jehovas Zeugen (ist schließlich auch ein Glaube) an meiner Türe klopften. Ich habe mich sogar mit ihnen eine Weile unterhalten, schließlich bin ich ein höflicher Mensch! Ich habe mir sogar deren Broschüre durchgelesen, in denen Kinder, die vor der Heirat gezeugt wurden, Homosexuelle etc. als Werk des Teufels verschrieben sind. Und ich wage mich zu entsinnen, dass die ach so christliche Kirche auch nicht sonderlich von so etwas begeistert ist…
Nun müssen sich Film und Literatur aber nicht mehr beweisen. Die sind in der Hinsicht akzeptiert. Für Spiele gilt das nicht.
Hast ja Recht Richard, aber Du hast Dich damit befasst, und auf mehr wollte ich eigentlich mit meinem Geschreibsel nicht hinaus. Doof finden ist eine Sache, aber was mich dezent stört ist, dass es für viele Leute eine ebensolche “Ideologie” geworden ist, Glauben doof zu finden, wie das, was sie eigentlich kritisieren.
Und das mit der Kulturgeschichte diskutieren wir wirklich ein andermal, auch wenn ich da wohl wenig anderes tun kann, als Dir zu bescheinigen, dass Deine Meinungen Hand und Fuß haben, und der Rest Ansichts- und Auslegungssache ist.
Und davor kann man sich nur verbeugen.
Zurück zum Thema Spiele:
Wirklich völlig beeindruckt hat mich da bisher nur Devcon (plus 1-2 spezifische Stellen anderer Spiele). Ansonsten liegen Computerspiele als Medium immer noch weit hinter den althergebrachten zurück wenn es darum geht, sich eingehend mit mehr zu befassen als Unterhaltung.
Da zieht ja dann die These, dass eben genau wie der Film auch die Computerspiele etwas brauchen, um als autarke Kunstform akzeptiert zu werden.
zur Filmkunst: die ist wohl auf dem absteigenden Ast. Was da produziert wird würde ich nicht mehr als relevant bezeichnen. Selbst das, was arthouse filme abliefern ist recht harmlos geworden … klar, es gibt ausnahmen….
cheerio, brof
Das sehe ich ähnlich. Das wäre wiederum die Chance für Videospiele. Wenn nur jemand wollte…
Die Filmkunst auf dem absteigenden Ast? Sehe ich nicht so. Es gibt noch genug gute und wichtige Filmemacher, die schaffen es sogar inzwischen in den Mainstream wie Trier, Almodovar, Haneke oder Cronenberg.
Und auch das Fernsehen hat selten so viele gute Serien wie in den letzten Jahren gesehen: Six Feet Under, Carnivale (leider abgesetzt), Deadwood, Rescue Me …
Bleibt mir weg mit eurem Kulturpessimismus. ;-)
…Lost! So viel Abstrusität ist schon eine Kunst für sich :p
Ich glaube von allen christlichen Spielen, die ich bisher gesehen habe, könnte das das erste werden, für das man sich nicht bereits nach den ersten Screenshots oder Infos schämen brauch. Na gut, es gibt auch noch keine richtigen Infos. Ich behalts aber jedenfalls im Auge.
Der Kommentar auf Eurogamer ist unpassend, weil er sich über das religiöse Bekenntnis der Entwickler lustig macht und ihnen Heuchlerei unterstellt. Aber der Autor kennt sie nicht und in dem auf der Website gezeigten Material sehe ich auch keinen Widerspruch zu dem Bekenntnis. Da stimme ich Richard zu.
Natürlich darf man sich kritisch mit Religion auseinandersetzen. Man sollte es auch. Aber das muss doch nicht mit einem respektlosen, verspottenden Kommentar sein. Den kann man sich doch wenigstens so lange sparen bis sich herausstellt, ob sich das Spiel in die Reihe der meisten bisher erschienenen Bibelspiele einreiht.
Waren wir uns nicht ohnehin darüber einig, daß Eurogamer.de Crap ist?
Ich kann dazu nix sagen, hab mich mit der Seite nicht beschäftigt, aber Richard hat bestimmt immer noch dieselbe Meinung. Tanja sieht das mit Sicherheit komplett anders, aber sie unterstellt auch Leuten die von LSD keine Ahnung haben und sich deshalb kurz auf Wikipedia informieren (was man von Jan nicht behaupten kann) Dummheit und das sie ihre Infos ausschließlich von Wikipedia beziehen. Aber das Idiot von Maestro war auch recht trollig muss man dazu sagen.
@Asmudeus: “Sie unterstellt” schon einmal gar nichts. Wer andere als – Idiot – bezeichnet und das mit der Begründung, dass ja “Wikipedia” so dermaßen viel Ahnung hat und alles weiß, ist für mich definitiv nicht sonderlich klug. Nicht, weil er keine Ahnung von Drogen hat. Das war also schon eine heftige Unterstellung deinerseits…Aber interessant, wie hier in jedes und alles mehr hinein interpretiert wird, als man eigentlich sagen will.
Und wie ich zu Jans Kolumne stehe, habe ich bislang hier gar nicht geäußert. Ich habe nur meine Meinung zur Interpretation und wie ich Heaven sehe geäußert. Also Bälle bitte etwas flacher halten.
@Demokratie
Demokratie: Die vier bösesten, verruchtesten und selbstsüchtigsten Menschen der Welt bringen ihren Willen gegen die zwei besten, liebsten und gönnerhaftesten Menschen durch – klasse ! Uns wird ja von Kinderschuhen an eingeprügelt (symbolisch mit Schulbüchern), das Demokratie das einzig wahre ist – nun, ich find Demokratie ist nicht das Non-Plus-Ultra.
Es gibt bessere Systeme, doch da diese Behauptung natürlich die Ablehnung der Demokratie impliziert ist sie demokratischerweise verboten.
Schwieriges Thema, schwierige Kolumne..
Ich möchte Jens mal positiv unterstellen, das es ihm zuvorderst darum ging, hier ein Spiel bzw. dessen Entwickler in der Art und Weise zu kritisieren, wie sie aus einem “Glaubenstrend” Geld schlagen zu wollen scheinen (gelobt sei die deutsche Grammatik für diesen Satz!). Er findet es schlichtweg “unseriös”, dass man sich auf der einen Seite mit dem besten, was evangelikale Christen an Slogans zu bieten haben, schmückt und auf der anderen Seite einen – in seinen Augen sehr unchristlichen – Himmel darzustellen versucht. Nicht mehr, aber wohl auch nicht weniger!
Gleichzeitig juckte es ihm wohl auch in den Fingern, eine – nicht unbegründete – Kritik am v.a. medial erstarkenden neuen Fundamentalismus im Christentum in diese Kolumne passend zum Thema einzuarbeiten, was mit dem letzten Absatz auch “erfolgreich” geschehen ist.
So sehr man ihm in seinen Ansichten als Atheist auch zustimmen möchte, ist die Zusammenstellung und Formulierung der Kolumne problematisch. Zum einen sollte man niemandem seinen Glauben abzusprechen versuchen, schliesslich ist Glauben in meinen Augen eine Sache, für die sich jeder selbst entscheiden darf und muss, und damit Privatsache. Allerdings sollte der Glauben auch in seinem Rahmen des privaten bleiben und nicht zu missionieren oder zu bekehren versuchen. Wenn ich für mich entschieden hab, nicht zu glauben, dann möchte ich bitte, daß es sowohl die Wachturm-Vertreter, als auch Papa Ratzinger akzeptieren, ohne mich zu heidnischen Kriegstreibern zu machen, nur weil mir die “Vernunft” des Glaubens fehle (mit der Herr Ratzinger nun in modernem Anstrich den Atheismus als böse Ideologie zu malen versucht).
Ich hab das Recht, das in dieser Härte sagen zu dürfen, aber genauso hat die Kirche und auch ihre Gläubige das Recht für sich persönlich unseren atheistischen Lebenswandel zu verteufeln. Solange sie mich nicht zwingen, nach ihren Idealen zu zwingen, dürfen sie verteufeln und kritisieren soviel sie wollen. Nur sobald man das Thema aus dem Privaten herausholt (was man durch Veröffentlichung von Artikeln tut), gelten andere Spielregeln: Es gilt, Menschenwürde zu wahren, und sein Gegenüber nicht aufgrund seiner Meinung mundtot machen zu wollen, ihm seine Meinung abzusprechen, oder die Argumente a priori für nichtig zu erklären. Und zur guten Diskussionskultur gehört auch, dass man über das Thema der Diskussion auch wirklich informiert ist.
Angreifbar wäre Jens z.B. allein deshalb, weil er sich als Atheist ein Urteil darüber erlaubt, wie der Himmel “korrekt” darzustellen wäre und dem Titel diese korrekte Darstellung abspricht. Doch genauso wie ein “Rush for Berlin” den zweiten Weltkrieg etwas verzogen darstellen darf, darf doch ein religiöses Spiel den Himmel zu Zwecken des Spielspasses und der Unterhaltung etwas abgewandelt darstellen? In meinen Augen soll und muss das auch für so einen Titel möglich sein. Man hätte “Heaven” hervorragend als Aufhänger bzw. Einleitung für eine Besprechung des grösseren Themas “Computerspiele als Missionierungswerkzeuge” nutzen können.
Aber im Endeffekt handelt es sich auch nur um eine Kolumne. Auch wenn diese nicht vogelfrei sind, gelten für diese weniger strenge Regeln als für einen Artikel – sie darf gefärbt sein, eine feste Position einnehmen und muss sich nicht unbedingt mit der selben Sorgfalt um ein Thema kümmern wie ein Artikel. Das sollte man bei der Sache auch im Auge behalten.
Warum heulen plötzlich alle, wenn mal ein paar Leute religiös werden ? ist es so schlimm wenn man an Gott/Buddha/Affen(Hindus) oder wen auch immer glaubt ? Und das Wort “Fundemanetalismus” geht mir mittlerweile dermaßen auf die Nerven … Wenn ihr nicht an Gott glaubt lasst es einfach und hört auf beängstigt über die leute zu wachen, die es tun ! Was das Spiel angeht: Ich hab schon “schlimmere” Spielkonzepte (Bsp. Manhunt) gesehen und wer sich daran stört durch einen mit prallen Damen bestückten Himmel zulatschen soll es halt lassen.
Andere Frage: Wenn jemand Aussagen machen möchte, sollte er sich dann nicht das Medium aussuchen, daß ganz an der Spitze der Beliebtheit der jüngeren Öffentlichkeit steht?
Ich bin übrigens selbst kein überzeugter Christ und eher deistisch veranlagt, aber verstehe eher weniger, wieso “biblische” Spiele bei vielen einen solchen schlechten Stellenwert haben. Wenn daneben noch spieltechnisch versagen verstehe ich das ja, aber story- und moraltechnisch gibt die Bibel doch einiges her.
Es gibt beispielweise in der Literatur einen Haufen Fantasy Bücher die Nahtstellen mit biblischen Argumenten haben (Auch ohne das man es bemerkt) und viele Autoren geben als Quelle ihrer Ideen oft die Bibel als Ursprung an, nicht weil sie selbst so sehr gläubig sind, sondern auch vor allem weil sie ein gewaltiger Fundus für menschliche Motive ist.
GamerForSale, da hat aber heute morgen jemand kräftig am Trollwasser genuckelt, was?
Es ist ja offensichtlich, dass man mit dem Spiel jemanden erreichen will, sonst wer die Betonung auf ein “christliches” Spiel nicht gegeben. Nun hat der himmel aber nicht einen sonderlichen Attraktivitätswert, wenn er von hässlichen, möglicherweise älteren Frauen eingenommen ist. Stattdessen geht das Spiel etwas “mit der Zeit” um einen möglichst großen Kreis anzusprechen. Je nach Einstellung kann man jetzt sagen, sie würden es nur machen um mehr Profit zu erlangen oder aber dass sie wollen damit einfach eine größere Menge erreichen, die über die Botschaft des Spiels nachdenken kann. Mangels Informationen über “Heaven” sollte man sich aber Kommentare wie “die wollen doch nur Geld machen” verkneifen.
Abgesehen davon wird man den Himmel nicht einfach so virtuell mit der Fantasie von ein paar Menschen darstellen können, aber die Entwickler nehmen sich ja auch die symbolische Beschreibung aus der Bibel als Grundlage. Was Jan in seinem Bericht allerdings anzweifelt.
@GamesForSale: many forms of government have been tried, and will be tried in this world of sin and woe. no one pretends that democracy is perfect or all-wise. indeed, it has been said that democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time.