Archiv für Juni, 2007

Land Unter

Sonntag, Juni 24th, 2007

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Stellt euch vor, es war ein langer, anstrengender Tag. Ihr habt nach langem Kurven endlich einen Parkplatz in der Nähe eurer Wohnung gefunden, hängt euch die Laptoptasche um und trottet nach Hause. Jetzt noch eine Dusche, ein paar Runden Forza 2 und dann ab ins Bett. Morgen ist Sonntag, da könnt ihr ausschlafen und abspannen.

Als ihr ins Haus geht, wundert ihr euch, wieso die Haustür offen und blockiert ist. Am Fahrstuhl wundert ihr euch dann, wieso der Fußboden so nass ist. Na ja, egal, ihr seid müde und wollt nur nach Hause.

Im fünften Stock angekommen, seht ihr einen Zettel in eurer Tür klemmen. Irgendeine Nachricht vom Nachbarn, vielleicht?

Baden-Württemberg, Polizeipräsidium Mannheim

Uh oh. Egal was auf dem Zettel steht, das kann nichts Gutes mehr werden.

Betrifft: „Polizeilich geöffnete Wohnung“

Wie BITTE?

Am 23.07.07 um 20.30 Uhr wurde Ihre Wohnung polizeilich geöffnet. Der Grund hierfür war: [x] Wasserrohrbruch

Ach du Scheiße. Visionen einer komplett durchnässten Wohnung schwirren durch mein Hirn. Mein Computer! Mein Projektor! Ist der Mamorfußboden ruiniert?

Ich zücke die Schlüssel und versuche die Tür zu öffnen. Anscheinend bin ich wohl noch nervöser als ich mich fühle. Irgendwie kriege ich den Schlüssel nicht ins Schloss.

Moment mal. Der passt nicht ins Schloss.

Ich zücke noch mal den Zettel.

Die Tür wurde durch einen Schlüsseldienst die Feuerwehr verschlossen. Die Schlüssel Schlüssel können sie sich bei dem Polizeirevier Mannheim-Innenstadt abholen.

Ach, das war schön, zur Polizei zu laufen und sich unterwegs in bunten Farben auszumalen, wie verwüstet die Wohnung ist. Noch schöner dort zu erfahren, dass sie die Tür erst nicht aufgekriegt haben und deshalb einen Leiterwagen(!) gerufen haben, dann mein Badezimmerfenster eingeschlagen(!) haben und so in die Wohnung gekommen sind.

Sehr schön auch, dass sie quasi jede Person die ich kenne angerufen haben. Freunde, Kollegen, Verwandte in diversen Städten, etc. Nur mich selber haben sie nicht erreicht. Was auch daran liegen könnte, dass mein neues Handy erst gestern gekommen ist. Als ich schon weg war.

Nicht dass es etwas gebracht hätte, mich zu erreichen. Ich war zu dem Zeitpunkt ein gutes Stück weg, auf der Autobahn. Und meine Kollegin, die für solche Fälle einen Ersatzschlüssel hat, ist dieses Wochenende im Schwarzwald gewesen. Alles optimal koordiniert, quasi.

Aber am Ende ist es alles nicht so schlimm:

Den Spielekonsolen ist nichts passiert.

Gamehunt 2

Donnerstag, Juni 21st, 2007

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Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

Ernten oder nicht ernten?

Sonntag, Juni 17th, 2007

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Bei Eurogamer gibt es derzeit mal wieder ein Interview, das auf meiner nach oben offenen Bullshit-Skala eine glatte 8 erreicht. Nicht dass der Artikel an sich schlecht wäre, im Gegenteil. Dass, was Ken Levine von Irrational Games da über sein neues Spiel Bioshock erzählt, lässt den vom Mainstream gelangweilten Leser vor Vorfreude Purzelbäume schlagen. Da ist von Philosophie die Rede, von unvereinbaren Weltanschauungen, von Religion, Wissenschaft und Moral. Dem Spieler soll möglichst viel Handlungsfreiheit an die Hand gegeben werden, er soll ganz nach seinem eigenen Gewissen Entscheidungen treffen und damit die Geschichte selber formen. Klingt nach GOTY 10/10 othergameslol, nicht wahr?

Habe ich auch gedacht, bis ich dann voller Vorfreude das zur gleichen Zeit veröffentlichte Preview gelesen habe. Da hört sich das dann auf einmal ganz anders an. Irgendwie hatte ich ja nach dieser Einführung eine Art Rollenspiel erwartet, aber allem Anschein nach ist Bioshock nur ein weiterer “wenn es sich bewegt ist es ein Feind” Shooter. Die ach so vollmundig beworbene Entscheidungsfreiheit beschränkt sich in realiter auf a) bearbeite ich das Monster mit einem Schraubenschlüssel, b) zünde ich das Monster an, um es dann, wenn es sich verzweifelt zu retten versucht, mit Elektroschocks zu töten oder c) spiele ich Pipemania an einem Computerterminal, damit mir eine Selbstschussanlage die Drecksarbeit abnimmt? Nach Lektüre des Artikels komme ich zu dem Schluss, dass meine Wahl lediglich den modus operandi der genreüblichen Metzelorgie beeinflusst, und ansonsten keinen weiteren Einfluss auf die Geschichte hat. Die im Interview angesprochene zwiespältige Rolle der Wissenschaft verkommt in Bioshock zum fadenscheinigen Hintergrund für ebenso alberne wie statusverbessernde Implantate.

Ach ja, wie war das noch gleich mit der Moral?

The game then spells it out to us. If we harvest, we get maximum Adam, but she dies. If we rescue, we get substantially less Adam but, Tenenbaum desperately appeals to our conscience, it will be worth our while. Our call.

We grab the girl and draw her right up to us. She’s screaming, fear etched into her face, hopelessly, pathetically writhing and trying to push us away. “No! No! NOOO!” She still seems pretty human to us…

Nun, wie sagt der Brite so treffend, der Beweis des Puddings ist im Geesse, und was bislang vom Spiel zu sehen ist sieht ja für einen Egoshooter durchaus ganz lecker aus (um mal im metaphorischen Bild zu bleiben). Aber das war es dann auch. Bioshock ist offenbar kein moralisches Diorama und auf nicht die Neuerfindung des interaktiven Rades, sondern nur ein etwas weniger tumbes Mach-alles-tot Spiel. Sieht so aus, als müssten wir noch ein wenig länger auf einen wirklich anspruchsvollen Softwaretitel warten.

Trockenzeit

Samstag, Juni 16th, 2007

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Forza 2 verzeiht nichts. Gar nichts. Es ist gnadenlos. Wer nicht aufpasst, der hat das Rennen bereits in der ersten Kurve verloren. Das gilt natürlich nur, wenn man in einem der höheren Schwierigkeitsgrade spielt, ohne Traktionskontrolle und Stabilitätsprogramm. Etwas anderes macht allerdings auch wenig Sinn, denn Forza 2 ist genau eine Sache. Eine Rennsimulation. Sonst nichts.

Hier wird nicht der Pimp-Bunke angesprochen, der seiner japanischen Reisrakete fette Rims verpassen möchte. Obwohl ein sehr mächtiges Autobemalprogramm und eine beeindruckende Auswahl an Felgen mitgeliefert werden, sollten solche Leute lieber bei Need for Speed bleiben.

Hier wird auch nicht der Möchtegern-Playboy angesprochen, der mit seinem Lambo eine palmengesäumte Straße runtercruisen und dabei den Ladies schmierige Blicke zuwerfen möchte. Obwohl Forza 2 diverse Lamborghinis, Ferraris und Porsches bietet, sollten solche Leute lieber bei Test Drive bleiben.

Nein, Forza 2 ist eine staubtrockene Rennsimulation. Wo Forza 1 noch japanische Bergstraßen hatte und wo das letzte Gran Tourismo noch schmucke toskanische Städtchen bot, gibt es in Forza 2 nur noch eine Rennstrecke nach der anderen.

Es gibt keine schicken Menüs, keine Musik während des Rennens und auch keine Möglichkeit diese einzuschalten. Man hat keine Crews, keine fetten Garagen und keine Rivalen aber wer möchte, kann stundenlang an der Ausrichtung der Vorderreifen rumschrauben. Allein dafür gibt es nämlich drei verschiedene Optionen.

Sonderlich toll aussehen tut es übrigens auch nicht. Der Look des Spiel ist schlicht und nüchtern. Zwar wurde die Optik mit ordentliche viel Farbe ausgestattet, aber leider ist sie auch etwas pixelig und hat ziemlich schlechte Beleuchtung auf den Wagen. Für die Grafik wird das Ding jedenfalls keiner kaufen.

Wie gesagt, Forza 2 ist staubtrocken. Um euch einen Vergleich zu geben: wenn ihr einen Haufen Saharasand zwei Wochen lang bei 240 Grad Ober/Unter-Hitze im Backofen hattet, dann ist das Zeugs immer noch nicht so trocken wie Forza 2.

Forza 2 ist allerdings nicht nur sautrocken, sondern auch saugut. Denn Forza 2 simuliert nicht nur, es simuliert hervorragend. Es simuliert die Reibung jedes einzelnen Reifens. Es simuliert seinen Druck, seine Wärme und seine Abnutzung. Es simuliert die Temperatur gleich an drei verschiedenen Stellen des Reifens und hat trotzdem noch Zeit sich ausführlich mit den Stoßdämpfer, der Fliehkraft und einem Schadensmodell mit über 20 verschiedenen Elementen zu beschäftigen.

Kurz gesagt: Forza 2 fühlt sich unglaublich echt an.

Wer am liebsten mit Vollgas um die Ecke schlittert und “bremsen” für ein schmutziges Wort hält, der wird an Forza 2 keine Freude haben. Wer allerdings eine perfekt gefahrene Ideallinie schätzt und Freude an einem gerade richtig gehaltenen Powerslide hat, der der dürfte gerade sein neues Rennspiel gefunden haben.

Beschwert euch aber nicht, wenn euer erstes Rennen bereit in der ersten Kurve vorbei ist. Ihr seid gewarnt.

Forza 2 verzeiht nichts.

Nächstes Mal mehr Spiel bitte

Montag, Juni 4th, 2007

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So, es wird mal wieder Zeit, ein Spiel zu loben. Wobei, wer von Hotel Dusk: Room 215 ein gutes Spiel erwartet, wird wohl bitter enttäuscht werden. Warum und weshalb kann man unter anderem in der Rezension von Hartmut Gieselmann bei Telepolis nachlesen, der ich mich im Grossen und Ganzen voll anschliessen kann. In der Tat ist Hotel Dusk ein furchtbar schlechtes Adventure, das Lucas-Atrophierte mit unlogischen Rätseln und plötzlichen Game Overn in Rekordzeit in den Wahnsinn treiben dürfte.

Auch bei mir es eine Weile gedauert, bis es so richtig geklickt hat. Zu Beginn bin ich nämlich viel zu methodisch an die Geschichte herangegangen, habe wie üblich jeden neuen Ort akribisch abgeklappert und mich herzlich über den Mangel an Handlungsfreiheit aufgeregt. Dann ist mir aufgefallen, dass ich Hotel Dusk die ganze Zeit über falsch gespielt, beziehungsweise konsumiert habe. Room 215 versucht nämlich nicht den übrigen Spielen für die hyperaktive Jugend von heute Konkurrenz zu machen, sondern der altmodischen Bettlektüre auf dem Nachttisch. Und so “gespielt”, für eine halbe Stunde pro Abend, den DS wie ein Buch haltend und bequem mir der Schultertaste weiterblätternd, läuft die Geschichte um Ex-Cop Kyle Hyde dann tatsächlich zur Höchstform auf. Plötzlich macht die Linearität der Handlung genauso Sinn wie die anspruchslosen Rätsel und die enorme Dialoglastigkeit, die viele sicherlich als eher lästig ansehen würden. Wenn ich nach nach einem langen Tag in Ruhe abschalten will, möchte ich schliesslich nicht die ganze Zeit hochkonzentriert auf den Bildschirm schielen, um auch ja kein wichtiges Detail zu verpassen.

Leider liegt genau hier auch die grösste Schwäche. Weil Hotel Dusk seine Herkunft aus der Spieleecke nicht ganz verleugnen kann, läuft man ab und an vor die sprichwörtliche Ziegelmauer, weil das Programm auf irgendeinen unsichtbaren Trigger wartet. Das führt dann dazu, dass man mitunter stundenlang ergebnislos im Kreis läuft, was nicht gerade förderlich für die Nachtruhe ist. Hier hat ein Buch noch klar die Nase vorn (es sei denn, man hat gerade einen Fighting Fantasy Roman ausgegraben).

Aber abgesehen von diesem Ärgernis ist Hotel Dusk eine wirklich feine Sache. Es ist lange her, dass ich ein Spiel mit so rundum gelungenem Design gesehen habe. Auf den äusserst geschmackvollen Grafikstil brauche ich wohl nicht näher einzugehen, wohl aber auf das Character Design. Während der Rest der Branche auch weiterhin holzschnittartige Protagonisten als State of the Art zelebriert, demonstriert Cing, wie man mit ausdrucksstarken Schwarzweiss-Portraits und hervorragend geschriebenen Dialogen unscheinbaren 2D-Figuren Leben einhaucht. Auch die Handlung ist sehr gefällig und schafft es, ohne grosses Effektfeuerwerk Spannung aufkommen zu lassen. Da mag Herr Gieselmann noch so sehr das Fehlen von Sex&Crime beklagen, meiner Meinung nach gewinnt die Geschichte eher noch durch ihr gekonntes Understatement.

Ein Wort noch zur Atmosphäre. Ich hatte in den letzten Wochen ausgiebig Gelegenheit, mir zweitklassige amerikanische Hotels aus der Nähe anzusehen, und kann Hotel Dusk in dieser Hinsicht als durchaus gelungen bezeichnen. Auch das “späte 70er” Flair kommt sehr gut rüber, was erstaunlich gut zur Film Noir Aufmachung passt. Hoffen wir mal, dass Cing in einem möglichen Nachfolger die Mängel in den Spielelementen ausbügelt. Ich persönlich würde gerne mehr von Kyle Hyde lesen.