Nächstes Mal mehr Spiel bitte

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So, es wird mal wieder Zeit, ein Spiel zu loben. Wobei, wer von Hotel Dusk: Room 215 ein gutes Spiel erwartet, wird wohl bitter enttäuscht werden. Warum und weshalb kann man unter anderem in der Rezension von Hartmut Gieselmann bei Telepolis nachlesen, der ich mich im Grossen und Ganzen voll anschliessen kann. In der Tat ist Hotel Dusk ein furchtbar schlechtes Adventure, das Lucas-Atrophierte mit unlogischen Rätseln und plötzlichen Game Overn in Rekordzeit in den Wahnsinn treiben dürfte.

Auch bei mir es eine Weile gedauert, bis es so richtig geklickt hat. Zu Beginn bin ich nämlich viel zu methodisch an die Geschichte herangegangen, habe wie üblich jeden neuen Ort akribisch abgeklappert und mich herzlich über den Mangel an Handlungsfreiheit aufgeregt. Dann ist mir aufgefallen, dass ich Hotel Dusk die ganze Zeit über falsch gespielt, beziehungsweise konsumiert habe. Room 215 versucht nämlich nicht den übrigen Spielen für die hyperaktive Jugend von heute Konkurrenz zu machen, sondern der altmodischen Bettlektüre auf dem Nachttisch. Und so “gespielt”, für eine halbe Stunde pro Abend, den DS wie ein Buch haltend und bequem mir der Schultertaste weiterblätternd, läuft die Geschichte um Ex-Cop Kyle Hyde dann tatsächlich zur Höchstform auf. Plötzlich macht die Linearität der Handlung genauso Sinn wie die anspruchslosen Rätsel und die enorme Dialoglastigkeit, die viele sicherlich als eher lästig ansehen würden. Wenn ich nach nach einem langen Tag in Ruhe abschalten will, möchte ich schliesslich nicht die ganze Zeit hochkonzentriert auf den Bildschirm schielen, um auch ja kein wichtiges Detail zu verpassen.

Leider liegt genau hier auch die grösste Schwäche. Weil Hotel Dusk seine Herkunft aus der Spieleecke nicht ganz verleugnen kann, läuft man ab und an vor die sprichwörtliche Ziegelmauer, weil das Programm auf irgendeinen unsichtbaren Trigger wartet. Das führt dann dazu, dass man mitunter stundenlang ergebnislos im Kreis läuft, was nicht gerade förderlich für die Nachtruhe ist. Hier hat ein Buch noch klar die Nase vorn (es sei denn, man hat gerade einen Fighting Fantasy Roman ausgegraben).

Aber abgesehen von diesem Ärgernis ist Hotel Dusk eine wirklich feine Sache. Es ist lange her, dass ich ein Spiel mit so rundum gelungenem Design gesehen habe. Auf den äusserst geschmackvollen Grafikstil brauche ich wohl nicht näher einzugehen, wohl aber auf das Character Design. Während der Rest der Branche auch weiterhin holzschnittartige Protagonisten als State of the Art zelebriert, demonstriert Cing, wie man mit ausdrucksstarken Schwarzweiss-Portraits und hervorragend geschriebenen Dialogen unscheinbaren 2D-Figuren Leben einhaucht. Auch die Handlung ist sehr gefällig und schafft es, ohne grosses Effektfeuerwerk Spannung aufkommen zu lassen. Da mag Herr Gieselmann noch so sehr das Fehlen von Sex&Crime beklagen, meiner Meinung nach gewinnt die Geschichte eher noch durch ihr gekonntes Understatement.

Ein Wort noch zur Atmosphäre. Ich hatte in den letzten Wochen ausgiebig Gelegenheit, mir zweitklassige amerikanische Hotels aus der Nähe anzusehen, und kann Hotel Dusk in dieser Hinsicht als durchaus gelungen bezeichnen. Auch das “späte 70er” Flair kommt sehr gut rüber, was erstaunlich gut zur Film Noir Aufmachung passt. Hoffen wir mal, dass Cing in einem möglichen Nachfolger die Mängel in den Spielelementen ausbügelt. Ich persönlich würde gerne mehr von Kyle Hyde lesen.

24 Kommentare Autor: Stefan
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24 Kommentare

  1. In welcher Sprache hast du Hotel Dusk gespielt? Auf englisch?

    Die Dialoge der deutschen Fassung fand ich leider alles andere als hervorragend. Sondern ausgesprochen redundant, charakterlos und langweilig.

  2. Also anfangs hat es mich gestört mit Kyle Hyde alle Leute erst einmal anpflaumen zu müssen, aber anscheinend gehört es eben zum Spiel. Inzwischen ist “er” nicht mehr ganz so schlimm. Oder ich habe mich daran gewöhnt. Es gibt, wie Chris schreibt, jedenfalls zu viel redundantes Blabla, das man wirklich nur durch’drückt’ (also wie die NPCs bei Pokemon-Spielen, die seit Pokemon Rot/Blau auch immer den selben Stuss von sich geben). Ein “Game Over” habe ich ebenfalls schon hinter mir und bei einer “Motivationskurvengrafik” wäre bei mir da eine Frustbeule zu finden. Von einem C&P bin ich gewohnt alle Dialoge möglichst durchzumachen, um viele Informationen zu sammeln (möglichst welche, die man noch nicht weiß). Das darf man bei Hotel Dusk anscheinend nicht. Ist okay, wenn man es weiß.
    Ansonsten kann ich noch nicht viel dazu sagen, ich bin erst bei 17:40 Uhr. ;)
    Ach ja, ich habe bequem mit dem Steuerkreuz geblättert, geht auch. *g*

  3. Ich hab ja neulich auch mit dem Gedanken gespielt mir Hotel Dusk bei Ebay zu besorgen. Habs dann aber erst einmal zugunsten von Another Code sein lassen, das mir eher die Vorteile von Hotel Dusk (intensive Atmosphäre und wirkliche Story) mit klassischen Adventure-Tugenden zu verbinden scheint und dabei wohl auch noch sehr vorbildlich die Möglichkeiten des DS einsetzt. Ich bin jedenfalls tierisch gespannt drauf. Hotel Dusk wirds dann wohl eher irgendwann mal, wenn ich es irgendwo mal schön günstig rumliegen sehe.

  4. Naja, Hotel Dusk ist auch weniger ein Adventure im herkömmlichen sinne sondern ein waschestes Japan-ADV.
    Der Blick nach dort drüben zeigt das Hotel Dusk im Vergleich zum Standart-ADV aus Japan (oder auch gerne dort visual novel manchmal bezeichnet) wie etwa “Higurashi no naku koro ni”, “Fate/stay night” oder “Tsukihime” verdammt viel Interaktivität.
    Für mehr Infos ist Wikipedia ganz nützlich:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Visual_Novel

  5. Das lineare des Spiels stört mich wenig. Das Problem liegt daran das man oft nicht weiß wie man zum nächsten Ereignisse kommt. Es ist meist klar wenn man Stück für Stück vorgeht aber wenn
    man vor 3 Tagen zuletzt gespielt hat verliert man fast automatisch den roten Faden. Eine Ereignisliste wäre hilfreich. Die Übersetzung finde ich gelungen aber ich kenne leider den orginal Text nicht.
    Aus Kyle werde ich nicht wirklich schlau am Anfang ist er ziemlich grimmig und zum Schluss ein Softy.

    Spoiler: Und von den vermissten Personen(ca 5) findet er genau: 0.

  6. Ich hatte mir aus Ungeduld “Hotel Dusk” bereits vor einigen Monaten aus Amerika geholt. Mich hatte die sarkastische Art von Kyle zu Beginn etwas überrascht (hatte irgendwie mit einem etwas ernsteren Spiel gerechnet), gestört hat es mich jedoch nicht.
    Insgesamt fand ich das Spiel an und für sich nicht übel. Die Story gefiel mir, (aufgrund der Dialoge) war das Spiel auch bedeutend länger als “Another Code” und die Grafik hat einfach Stil.
    Weniger gefallen haben mir die schon erwähnten klitzekleinen Trigger (einen habe ich verdammt lange übersehen…) und die häufigen Game Over-Screens. Beides stört so ein wenig den Spielfluss und wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen. Gerade gegen Ende wird es mit dem Game Over echt nervig.
    Besonders lobenswert finde ich übrigens das Notizbuch. Mit drei Seiten zwar etwas limitiert, aber für kleine Notizen (wenn ich zum Beispiel in einem Kapitel pausieren möchte, kann ich mir aufschreiben, was ich als nächstes zu tun habe) reicht das völlig aus. Da Adventures meines wissens noch nicht (oder zumindest eher selten) über eine Art “Questlog” verfügen, wäre so eine Funktion zumindest ein netter Ersatz und meiner Meinung nach fast schon Pflicht in zukünftigen Adventures. ;)

    (P.S.: Habt ihr Klammern auch so gerne wie ich?^^)

  7. Frozen Mr. Toastbrot

    Ich muss gestehen, dass ich mir Hotel Dusk noch nicht gekauft habe. Was aber eher am (bis Freitag nich vorhandenen) Geld, als am Spiel ansich liegt. Und daran, dass ich meinen DS zur Zeit an einen Freund verliehen habe. Aber hey, dafür bekomme ich auch die Spiele, die er Testen soll umsonst. Sobald der DS wieder da ist werde ich mir aber auch Hotel Dusk zulegen. Ich bin mal gespannt, wie die Dialoglastigkeit und Linearität auf mich wirkt, denn ich lese in letzter Zeit sehr viel, während ich nur noch selten Spiele spiele.

  8. Hmmm, mangels DS kann ich da nicht wirklich mitreden, aber irgendwie klingt es danach als ob man die gute alte “Interactive Fiction” mit ein paar Grafiken versehen und den rest so gelassen. Inclusive plötzlicher Tode und blöder Trigger.
    Ja gut, ok, der Parser ist auch wech.

  9. I was gone?

    Chris: jo, ich hab’s auf Englisch gespielt. Macht bei dem Setting irgendwie mehr Sinn, und überhaupt vermeide ich deutsche Texte so weit wie es geht.

    imYemeth: weniger IF, vielmehr interactive novels, wie es sie Mitte der 80er mal ganz kurzfristig von Infocom gab.

    Off-topic: Laut gridpatrol sind wir die totalen Markenhuren! Hurra! \o/

  10. Ihr seid halt das Zentrum der deutschen Spieleblogkultur :)

  11. Whoa!

    Wir sind nicht nur die Nummer 1, wir sind die Nummer 1 mit großem Abstand! Da würde mich ja echt mal die Methodik interessieren. Es kann natürlich einfach sein, dass sie das Vorkommen von Nintendo, Sony und Microsoft gezählt haben. Da sollte man hier schon auf eine ordentliche Summe kommen. Da wir allerdings Antigames sind, tauchen diese Marken hier nicht immer in positivem Licht auf. Gelle, Sony?

  12. Claydermann

    Hm, ich hab weder DS, noch kenn ich das Spiel.
    Wobei den Artikel hier hab ich mir auch nicht durchgelesen,
    aber Zelda 2 fand ich immer ein bischen zu schwer.

  13. Peter Silie

    Das ‘gefrustet sein’ beim Spielen gehört zur Spielatmosphere!
    Und wer is ‘Zelda 2′? Die Schwester von Zelda?

  14. Japanische ‘adventures’ sind linear, haben Designfehler wie das erwartete Triggern eines bestimmten Ereignisses und stellen den Spieler nicht vor große Herausforderungen.

    Aber meine Herren von Antigames, das ist doch altbekannt!

  15. @Marianne: wieso Designfehler? Ich find solche Spiele auch einmal schön, immerhin versuchen sie nicht mehr zu sein
    natürlich gibt es solche und solche aber ich hab mit visual novels aus japan schon ziemlich viel spaß gehabt.
    ausserdem ist es ja nicht so als ob westliche adventures nicht auch erwartete trigger eines bestimmten ereignisses hätten

  16. das erinnert mich an zone of the enders für GBA: 7 Tonnen gefühlter Text und ein recht einfaches SRPG, das alles zusammenhält – das war das verleiren aba sea schwierig!

  17. Ich mag Hotel Dusk sehr und hatte es auch kurze Zeit als Bettlektüre benutzt.
    Dann lieh mir ein Kumpel Sonic Rush und jetzt kann ich NUR NOCH Sonic spielen – weil es so viel Spaß macht.
    Hyde muss sich gedulden…

  18. HI.
    Mich Persönlich hat das Spiel nicht wirklich vom Hocker gehauen.
    Hatte mir mehr erwartet.
    Grüße Michi

  19. Das Spiel ist nicht wirklich die Zeit wert die man darin investiert, ich erwarte von aktuellen Games einen nicht linearen Ablauf,der hier aber doch leider sehr in den Vordergrund tritt.

  20. Bin auch sehr enttäuscht. Irgendwie gibts nicht genügend Interaktion. Andererseits gibt es zu viele nutzlose Interaktionsmöglichkeiten und viel zu viel Gequatsche. Die Grafik ist aber geil! Hotel Dusk ist wie mit Jenna Jameson auszugehen und dann aber nur mit ihr zu reden und hin und wieder mal ihr Haar anfassen zu dürfen. Ist aber irgendwie auch besser als nix.