Archiv für Juli, 2007

Bis später

Donnerstag, Juli 19th, 2007

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So, morgen früh werden ich mich in unseren 1988er Polo setzen und versuchen damit in die Mongolei zu fahren. (Für Uneingeweihte: hier und mongolrally.com und mongolrally.de) Das wird so drei bis vier Wochen dauern, falls alles glatt geht. Sollte nicht alles glatt gehen, komme ich vielleicht früher wieder. In beiden Fällen müsst ihr aber eine Weile auf mich verzichten. Nur so als Vorwarnung. Ich denke mal, die anderen Antigamer werden hier das Fort halten, während ich unterwegs bin.

Drück uns die Daumen und bis August!

Äh…3?

Samstag, Juli 14th, 2007

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Okay, die neue und verschlechterter E3 ist gerade vorbei und eins ist sicher: In dieser Form wird sie wahrscheinlich eher nicht mehr stattfinden. Das liegt primär an der missglückten Organisation. Auf diverse Hotels und einen Flugzeughangar verteilt, zwang die Veranstaltung die meisten Teilnehmer unter anderem dazu diverse Stunden im Verkehr von Los Angeles zu stehen, um zu ihren Terminen zu kommen.

Es liegt aber auch daran, dass dieses Jahr absolut nichts spannendes passiert ist. Gar nichts. Null. Nix.

Das wiederum liegt nicht unbedingt an der neuen Form der Veranstaltung, sondern eher daran, dass der Next-Gen-Kampf in vollem Gange ist. Die Gräben sind gezogen, die Strategien sind festgelegt, jetzt kann man nur noch zuschauen wie sich das Ganze entwickelt. Und im Moment entwickelt sich nicht viel. Im Westen nichts Neues, sozusagen.

Dummerweise hat man dieses Jahr halt keine Booth Babes oder skurille kleine Spiele aus Kentia Hall, die einen davon ablenken könnten.

Also bleibt eine magere Ausbeute. Microsoft hat einen Haufen Spiele fürs Weihnachtsgeschäft vorgestellt, die wir alle schon kannten. Ja, ich freue mich auf Mass Effect, aber das wusste ich auch schon vor der E3. So ein bisschen rudert man vielleicht in Richtung Nintendo, mit der Viva Pinata Minispiel-Sammlung und dem Buzz-Klon Scene it!, aber insgesamt hat Microsoft nicht wirklich punkten können.

Nintendo hat mit WiiFit zwar die interessanteste Ankündigung der E3 in der Tasche gehabt, aber selbst mit dem Spiel war zu rechnen. Höchstens das mitgelieferte Balancebrett überraschte etwas. Ansonsten wurden primär Spiele gezeigt, von denen wir schon wusste. Am Rande: Die Formulierung des Veröffentlichungstermins von Super Mario Galaxy lässt für Europa wieder nichts gutes ahnen.

Sony gewinnt. Ein ganz kleines bisschen und primär, weil sie es mal geschafft haben sich nicht zu blamieren. Die Blamage mit der Preissenkung die keine ist, haben sie ja irgendwie um die E3 herum gelegt, so dass man sich während der E3 ausnahmsweise nicht die Schuhe vollgekotzt hat. Echochrome sieht cool aus, Killzone 2 ist keine totale Blamage, Little Big Planet ist total putzig und Heavenly Sword hat heavenly graphics. Ach ja, Ratchet & Clank Future reizt mich auch. Aber auch das wusste ich schon vorher.

Kurz: Außer vielen neuen Videos auf gametrailers.com hat diese E3 fast nichts gebracht. Ich hatte mir zwar immer ein Ende der Booth Babes gewünscht, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Blowback

Freitag, Juli 13th, 2007

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Ich frage mich so langsam, ob nicht in näherer Zukunft der Zeipunkt kommt, an dem wir Videospielfans anfangen werden Nintendo nicht mehr zu mögen. Im Moment nehmen wir sie ja insgesamt noch sympathisch-japanisch wahr. Wii und DS sind irgendwie knuddelig und charmant und dazu noch schön günstig. Außerdem verkaufen sie sich wie geschnitten Brot und eröffnen den Videospielen eine ganz neue Zielgruppe.

Tatsächlich ist der Erfolg von Nintendo absolut überlebenswichtig für die ganze Branche. Machen wir uns nichts vor, ohne Nintendos “blue ocean” Strategie würden wir jetzt hier sitzen und uns fragen woher die große Videospielkrise von 2007 kam und was man dagegen machen kann.

Die 360 hat theoretisch alles was man für eine erfolgreiche Videospielkonsole braucht, war als erste auf dem Markt und hatte sehr lange überhaupt keine Konkurrenz. Trotzdem kann man die Verkaufszahlen auch mit viel Liebe nur als anämisch bezeichnen. Bei Sony sieht es quasi noch schlimmer aus. Die Verkaufszahlen der PS3 sind so gering, dass sie auch Messfehler sein könnten und selbst die aktuelle Preissenkungen wird nur dazu führen, dass Sony ein besserer letzter wird. Wohlgemerkt, ein besserer letzter, kein guter letzter.

Glücklicherweise hat Nintendo eine Lösung für die Krise gefunden, bevor sie überhaupt aufgetreten ist. Dafür sollten wir dankbar sein. Wir sollten auch dafür dankbar sein, dass ihr Hardware nicht auseinanderfällt, wenn man sie anschaut und dass sie sich nicht jedesmal blamieren, wenn sie den Mund aufmachen.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich der eine oder andere Videospieler so langsam etwas veräppelt vorkommt. Ein Dr. Kawashima oder zwei kann man ja verkraften, aber bei WiiFit hört es bei vielen auf. Ist das überhaupt noch ein Videospiel? Was ist, wenn das auch furchtbar erfolgreich wird? Was ist, wenn die meisten Leute eine Wii gar nicht mehr zum spielen kaufen, sondern als eine Art Wohnzimmercomputer für Fitness und was sich Nintendo sonst noch an Anwendungen ausdenkt, die sich auch mit rosa Brille nicht mehr so recht als Videospiel qualifizieren.

Es hilft dabei nicht, dass seit Anfang des Jahres kaum interessante Spiele für die Wii herausgekommen ist und man uns in Europa selbst diese Spiele noch verweigert.

Wie seht ihr das? Freut ihr euch noch über Nintendos Erfolg, oder fragt ihr euch langsam, ob uns dort nicht ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden ist und hier irgendwie das Spiel aus dem Videospiel entfernt wird?

Ich glaube es ist eher andersrum. WiiFit hat genug Videospiel-Anteile, dass hier eher demjenigen, der die Wii als Fitnessmaschine kauft ein trojanisches Pferd untergeschoben wird. Auf jeden Fall bleibt diese Videospielgeneration unglaublich spannend.

E3: Enorm Extrem Egal

Donnerstag, Juli 12th, 2007

Eine vollständige Analyse der neuen E3 folgt, wenn ich Ende der Woche wieder Zuhause bin. Hier aber eine kurze Zusammenfassung für alle Ungeduldigen: Die neue E3 ist komplett irrelevant. Es ist absolut nichts angekündigt worden, was irgendwie wichtig oder interessant gewesen wäre. Das Ding ist so bedeutungslos geworden, dass es von mir nicht mal ein Header-Bild bekommt. Einzige Ausname: WiiFit. Ich prognostiziere 6 Millionenen verkaufte Kopien über das erste Jahr.

Wir sehen uns am Wochenende.

Doof-us

Freitag, Juli 6th, 2007

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Als Blogbetreiber kriegt man man ja eine ganze Menge von E-Mails. Wir haben hier Anfragen für Interviews, Job-Offerten, Angebote für Fotoshoots(!) und natürlich jede Menge Werbemails von Firmen, die irgendwie hoffen, dass ihr Spiel vielleicht mal einen Beitrag wert sein könnte.

Die meisten davon sind recht harmlos, manche der Angebote nehmen wieder sogar an. (Ich war letztens im Radio und Hendrik weigert sich immer noch, mir die Fotos von sich zu zeigen.) Häufig sind die Werbe-Mails allerdings erschreckend dilletantisch formuliert. Heute ist wieder mal eine Mail von genau dieser Sorte in den Briefkasten geflattert und ich dachte mir, ich beantworte sie mal in aller Öffentlichkeit. Zu Erziehungszwecken quasi.

Hallo Richard,

Hallo drittklassige PR-Person!

Ich habe soeben Ihren Blog Antigames.de besucht.

Das ist super! Vielen Dank für dem Besuch von meines Blog Antigames.de! Anscheinend haben Sie auch babelfish.altavista.com besucht, eine Seite mit der man ja ebenfalls viel Spaß haben kann.

Die dort angesprochenen Themen stimmen gut mit unseren Schwerpunkten überein.

Es ist gut zu wissen, dass Sie auch bei sich viel Wert auf Dinosaurier und das Dissen der Gamestar legen. Auch schön, dass Sie - anders als so manche unserer Leser - keine panische Angst vor Plastikgitarren haben. Vielleicht können wir nach dem Release von Rock Band ja mal zusammen ein paar Songs spielen. Aber nur, wenn Sie singen. Gregor nimmt schon die Drums und ich spiele Gitarre.

Ich bin der Verantwortliche für Kommunikation bei Ankama Games, einer Firma, die ein kostenloses Online-Computerspiel (ou Online-Videospiel) betreibt.

Ou! Also haben Sie bei Babelfish anscheinend die Option “Französisch nach Deutsch” gewählt. Übrigens: Sehr nett, mich daran zu erinnern, dass “Computerspiel” ein Synonym für “Videospiel” ist. Das vergesse ich nämlich ständig. Man merkt echt, dass Ihre Firma für den Bereich “Kommunikation” nur Verantwortliche einstellt, die sich echt damit auskennen.

Dieses Spiel wurde ausschließlich in Flash programmiert und lässt sich problemlos unter Windows, Mac und Linux spielen. Derzeit spielen bereits mehr als Millionen Spieler weltweit dieses Spiel mit großer Begeisterung.

Ausschließlich in Flash! Respekt. Das gibt es ja eher selten. Da steigt mein Interesse gleich. Vor allem weil ja Sie offensichtlich schon mehr als Dreißig Trilliarden-Billionen Hits auf Ihrer Webseite begeisterte Spieler haben!

Wir möchten nun ebenfalls mit Bloggern aus diesem Bereich Kontakt aufnehmen, da wir der Ansicht sind, dass es wichtig ist auch Ihre Meinung und Ihre Kommentare über die Welt der Computerspiele zu hören.

Aus welchem Bereich? Flash? Mac? Linux? Das ist jetzt eher nicht unser Fachgebiet. Oder hat Ihr Spiel vielleicht Dinosaurier? Dann wäre meine Meinung nämlich, dass es total rockt! Meine Kommentare über die Welt der Computerspiele können Sie allerdings auch auf meiner Blog lesen, ohne mich anzuschreiben. Aber weil es Ihnen so wichtig ist, hier eine kurze Zusammenfassung meiner hochqualifizierten Meinung:

- Es gibt zu wenig Dinosaurier in Spielen.
- Es gibt zu viel Gewalt in Videospielen.
- Ich kann Innenminister nicht ausstehen.
- Es gibt zu viele Spiele von EA.
- Es gibt nicht genug Spiele von Tim Schafer.
- Ich will mehr Videos mit Jade Raymond drin.
- Die Gamestar hat doofe Ohren.
- Ich habe immer Recht.

Ich hoffe das hilft Ihnen.

Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen über unser Spiel haben solltet, so schicken Sie uns einfach eine E-Mail (mit dem Betreff:

“Informationen für Blogs”) mit Ihrem Namen, Vornamen der URL Ihres Blogs und Ihrer Postadresse zu. Wir werden Ihnen dann so bald wie möglich unser Pressematerial, unsere Pressemitteilungen sowie einige Goodies für Ihren Blog zukommen lassen.

Goodies! Cool. Da werde ich sofort loslegen und (Ihnen eine Mail

schreiben. Wobei, da fällt) mir auf: Ich weiß den Vornamen der URL meines Blogs nicht! Was mache ich denn jetzt? Ich schätze da habe ich Pech gehabt. Och schade, ich hatte mich schon so sehr auf Ihre Pressemitteilungen gefreut.

Wir freuen uns über jede Form von Kommentar oder Verbesserungsvorschlägen und werden auf diese so schnell wie möglich eingehen.

Okay, dann habe ich hier den ersten Verbesserungsvorschlag: Wenn Sie schon unbedingt ihr dämliches Flashspielchen mit nervigen Spam-Mails ahnungslosen Blogbesitzern unterschieben wollen, dann wäre es super wenn sie irgendwo in Ihrer E-Mail DEN NAMEN DES SPIELS ERWÄHNEN WÜRDEN. Oh, und ich würde den Verantwortlichen für die Kommunikation feuern mal auf eine Schulung schicken. Könnte helfen.

Ich habe mit der Magie von Google übrigens nachgeschaut, wie ihr Spiel heisst. Ich muss sagen, der Name ist recht passend.

Mit freundlichen Grüßen,

Mit freundlichen Grüßen,

OMG ROCK BAND!

Donnerstag, Juli 5th, 2007


Ich würde selber etwas dazu schreiben, aber Kotaku hat es schon korrekt zusammengefasst:

The video is like looking into the face of God himself.

Ich möchte diese Gelegenheit jedenfalls schon mal nutzen, meine Kollegen vorzuwarnen: Schaut euch das Video genau an, denn so werdet ihr bald viele Abende bei mir verbringen.

Ich spiele Gitarre.

Update: Das Video ist inzwischen weg.

RAW DANGER!

Mittwoch, Juli 4th, 2007

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RAAAAAAAWWW DANGER! Ein wahrhaftiges Katastrophenspiel, zu dem es eine Menge zu schreiben gibt. Fangen wir einfach mal bei der Verpackung an. Was zur Hölle ist in Agetec gefahren, das wirklich hübsche Cover des japanischen Originals von Zettai Zetsumei Toshi 2 zu verwerfen und mit sowas zu ersetzen? Zuviel Schnaps gesoffen oder was? Dagegen nimmt sich die europäische Version fast schon professionell aus, wobei wir allerdings gleich schon bei der nächsten Katastrophe sind.

Denn zu allem Unglück ist der europäische Publisher von Raw Danger (RRRRAAAAAAWWWWWWW DANGER!) ausgerechnet 505 Games. Stammlesern könnten bei diesem Namen die Ohren klingeln. Hat der Stefan 505 Games damals nicht lobend erwähnt? Schon richtig, aber inzwischen ist dieser Publisher zu einer Art Elefantenfriedhof interessanter Spiele verkommen. Ar Tonelico - angeblich schon erschienen, de facto aber praktisch unmöglich zu bekommen. Raiden III - bei Ebay Italien (ein echter Geheimtipp für 505 Titel) fliegt gerade ein einsames Exemplar rum, schnell zugreifen! Und Raw Danger (RAW DANGER!) - ist seit Mai erhältlich, in den feuchten Träumen der 505-Pfeifen. Laut Kristan von Eurogamer ist das Spiel wohl auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben worden. Inzwischen gehen sogar Gerüchte rum, dass es in Europa gar nicht erst erscheint. Na Prost Mahlzeit.

Zum Spiel selber kann ich im Moment nicht so wirklich viel sagen, da meine PS2 gerade ein paar tausend Kilometer weit weg ist. Nur soviel, nicht nur die Packung ist eine totale Katastrophe, sondern laut amerikanischen Onlinemagazinen offenbar auch die Grafik. Dass Irem nicht gerade mit Geld um sich werfen kann ist schon klar, aber die Screenshots lassen auf eine Optik unter Steambot Chronicles-Niveau schliessen. Um mal den Klappentext zu zitieren, “Epic visuals capture the intensity of a natural disaster”. Und passend zum Katastrophenthema hat Agetec wohl auch noch mit dem Spiel selbst rumgepfuscht. Kommentar eines Spielers:

Hopefully a few more people get their copies soon so we can have a good old complain about the alterations they’ve put into the port. Making lots of the characters look like ganguros by blonding them up is unintentionally hilarious at least. Some of censored parts have messed up the story a little though.

Warum versuchen diese Säcke bloss, ein absolut nicht massenmarkttaugliches Spiel auf Teufel komm raus massenmarkttauglich zu machen, was im Endeffekt nur den informierten Spieler ärgert? Es ist ja durchaus lobenswert, einen solchen Nischentitel überhaupt zu lokalisieren, aber wer sich für so ein Spiel begeistern kann hätte es gerne im unveränderten Original.

Immerhin ist das Spiel günstig zu kriegen (so man denn was mit US-Importen anfangen kann), und der ESRB-Sticker verspricht “Language” und “Use of Alcohol and Tobacco”. Eines muss man Agetec/505 Games ausserdem lassen; das Katastrophenfeeling des Spiels haben sie schonmal perfekt eingefangen.

Harry Potter und die Butterbrotdose der Verdammnis

Dienstag, Juli 3rd, 2007

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Erinnert ihr euch noch an die Grundschule? Oder genauer gesagt an He-Man? Wahrscheinlich nur, wenn ihr zur gleichen Zeit zur Grundschule gegangen seid, wie ich. Selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, hat He-Man ausreichend Spuren in der Popkultur hinterlassen, um euch vielleicht vage bekannt zu sein.

Wenn nicht: He-Man war eine dieser Kombinationen aus Zeichentrickserie und Spielzeug, mit denen Eltern bis heute ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen wird. Das Pokemon seiner Zeit eben. Nicht dass Pokemon noch der He-Man unserer Zeit wäre. Was ist jetzt eigentlich das Pokemon unserer Zeit? Ist Yu-Gi-Oh noch aktuell?

Egal. Worauf ich hinaus will ist folgendes: Butterbrotdosen.

Ihr hattet bestimmt auch eine. Sie war ein kleiner Plastikasten, in den Mama immer euere Butterbrote gepackt hat, die ihr dann auf dem Pausenhof weggeworfen habt. Wenn ihr zu den coolen Kids gehört habt, dann war der Kasten mit einem Logo oder Bild bedruckt. Solltet ihr zu meiner Grundschulzeit zu den coolen Kids gehört haben, war mit großer Wahrscheinlichkeit He-Man drauf.

Meine Eltern mussten glücklicherweise nie Geld für eine He-Man Brotdose ausgeben, weil ich He-Man schon damals als nicht ausreichend intellektuell anspruchsvoll für mich empfunden habe. Jawohl, ich war schon in der Grundschule ein unerträglich arroganter Besserwisser. Damals war ich wenigstens noch niedlich, was man heute nicht mehr behaupten kann.

Natürlich hatte ich auch damals schon meistens Recht. He-Man ist und bleibt außergewöhnlich stumpf. Ein Superheld, dessen größte Fähigkeit darin besteht, dass er…viele Muskeln hat. Wow, ich bin so beeindruckt. In der Realverfilmung wurde er von Dolph Lundgren gespielt. Das war perfektes Casting. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Nur weil ich He-Man nicht mochte, ändert das aber natürlich nichts am Prinzip. Die coolen Kids hatten He-Man Actionfiguren und Brotdosen. Und ich nicht. Damit bin ich bis heute eigentlich ganz zufrieden. Dennoch habe ich mir letzte Woche eine Brotdose gekauft. Mit Harry Potter drauf.

Hergestellt von einer Firma namens Electronic Arts. Für meine Xbox 360.

Jawohl, die Harry Potter Spiele sind nämlich gar keine Videospiele. Sie sind Butterbrotdosen. Reine Merchandising Artikel. Dinge die sich nicht verkaufen, weil sie intrinsischen Wert haben, sondern weil außen ein Harry Potter draufgedruckt ist.

Als solches ist es nahezu komplett sinnlos sie zu rezensieren. Wer sie kauft, der weiß was er bekommt und ist damit glücklich. Man kann natürlich mal kurz nachschauen, ob die Butterbrotdose nicht kaputt geht, wenn sie hinfällt, aber das war es dann auch schon.

Eine echte Rezension würde sich nur lohnen, wenn die Designer hingegangen wären und versucht hätten die Bücher als Videospiel zu adaptieren. Das haben sie aber nicht. Sie haben nicht mal versucht den Film als Videospiel zu adaptieren, obwohl ihr Spiel ja offiziell darauf basiert. (Was natürlich den enormen Vorteil hat, dass man keinerlei eigene Vorstellungskraft ins Spiel investieren muss, sondern einfach abschreiben kann.)

Wo wir gerade beim Abschreiben sind, muss ich kurz mal den AntiTipp der Woche losweren. Liebe Studenten, wenn ihr schon bei einer Klausur von euerem Nachbarn abschreibt, dann achtet doch bitte darauf, dass der auch die gleiche Version des Lösungszettels hat. Es ist schon etwas irritierend, wenn ihr es schafft jedes Kreuzchen exakt gleich zu machen wie eurer Nachbar, dabei aber nicht merkt, dass auf seinem Zettel ein ca. zwei Meter großes „A“ steht und auf eurem ein ca. zwei Meter großes „B“. Aber das nur am Rande.

Wie gesagt, so ein Harry Potter Videospiel ist nicht mal eine Adaption des Films, denn dann hätte man ja zumindest die Geschichte ins Spiel packen müssen. So viel Mühe macht man sich da aber nicht. Es gibt zwar die eine oder andere kurze Montage die einen daran erinnert, was im Film passiert ist, hat man diesen aber nicht gesehen, so ergeben die nicht mal einen Hauch von Sinn.

Insgesamt wirft das kein gutes Licht auf Electronic Arts und die ganze Videospielbranche. Man könnte auch sagen, dass die ganze Sache recht deutlich macht, wie die Hierarchie in der Unterhaltungsbranche aussieht. Kurz zusammengefasst:

Die Videospielbranche ist Hollywoods kleine Bitch.

Wenn Warner Brothers einen Harry Potter Film macht, dann gehören dazu auch wie selbstverständlich die Rechte zu Harry Potter Videospielen. Und wenn Electronic Arts für Warner Brothers ein Harry Potter Videospiel macht, dann bückt man sich brav und produziert pünktlich zum Filmstart eine hübsche keine Butterbrotdose und bedankt sich danach artig.

Geld kann man damit natürlich eine ganze Menge machen. Aber wieso gibt es keine kreativen Leute in der Branche die sich mal hinsetzen und überlegen wie man aus den Harry Potter Büchern ein vernünftiges Videospiel macht? Ein Spiel, das sowohl für sich selbst genommen gut ist und gleichzeitig die Essenz der Bücher einfängt? Ein Spiel das eine eigene Vision von Harry Potter und seiner Welt hat und nicht nur bei Chris Columbus und Kollegen abguckt?

Und wieso gehören zu den Filmrechten immer automatisch die Videospielrechte? Somit ist fast jeder Versuch die Bücher separat als Spiel umzusetzen, zum Scheitern verurteilt. Vivendi hat es trotzdem mal versucht und rein auf Basis der Bücher ein paar Herr der Ringe Spiele gemacht. Die meisten waren Mist, aber Inevitable Entertainments Version vom Hobbit war echt ein schnuckeligs kleines Zelda, das mit den offiziellen Filmspielen den Boden gewischt hat.

Gekauft hat es trotzdem keiner. Links davon im Regal waren halt Spiele von EA, die genauso aussahen wie der Film.

Nicht dass Electronic Arts schlechte Butterbrotdosen machen würde. Das neue Harry Potter Spiel lässt einen zum Beispiel Hogwarts frei erforschen. Klar, das hätte ich mir schon vor drei Spielen gewünscht, aber besser spät als nie. Wie gesagt, wer das Spiel kauft, der weiß was er bekommt und wird seinen Spaß damit haben.

Ich habe meinen Spaß damit. Wer es unbedingt wissen will: die Butterbrotdose bleibt heile, wenn man sie auf den Boden fallen lässt. Handwerklich durchaus Qualitätsarbeit.

Trotzdem. Es wird Zeit, dass die Videospielfirmen aufhören sich zu bücken, wenn Hollywood die Seife fallen lässt. Noch wichtiger: Es wird Zeit, dass sich die Autoren und Verlage Gedanken über Videospiele machen. J.K. Rowling hat angeblich Steven Spielberg als Regisseur für den ersten Harry Potter Film abgelehnt, die Videospielrechte aber einfach so mitverkauft. Das ist kurzsichtig. Eine gute gemachte Adaption hätte ein separates Event sein können, genauso wie der Film. Stattdessen musste es sich im Warner Brothers Shop irgendwo zwischen einem Zauberbuch aus Plüsch und Professor Dumbledores Quastenhut einreihen.

Nichts gegen Butterbrotdosen. Aber Herrschaften, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein darf es schon sein. Dann tut es auch nicht mehr so weh, wenn man sich hinsetzt.