
Ich habe inzwischen etwas Erfahrung mit Computer- und Videospielen und bin mir ziemlich sicher, das sie für bestimmte Leute nicht nur positive Auswirkungen haben können. Ich bin mir aber auch sicher, das sie nicht für Amokläufe, gewalttätige und drogensüchtige Jugendlicher oder das fürchterliche deutsche Abschneiden in den PISA-Studien verantwortlich zu machen sind.
Computer- und Videospiele werden hierzulande (und damit meine ich Deutschland) so streng kontrolliert wie kein einziges anderes Medienprodukt oder Spielzeug und ja, meine geneigten Leser: Das schließt die beliebten Erzeugnisse der Hardcorepornographie ausdrücklich ein.
Worüber ich mir übrigens außerdem sicher bin: Noch nie hat jemand mit Doom 3 in der Hand eine Tankstelle überfallen. Noch nie ist jemand versehentlich von Polizisten erlegt worden, weil sie die Call of Duty 2 Packung in der Hand eines irgendwie zwiespältig wirkenden Jugendlichen für eine scharfe Faustfeuerwaffe oder vielleicht eine Pershing II Mittelstreckenrakete gehalten haben.
“Für mich war das eine tödliche Bedrohung mit einem Killerspiel. Ich musste abdrücken.”
Etwas bizarr, nicht wahr? Wäre ja auch schlimm, wenn unsere Polizei so blöd wäre – ist sie aber nicht, glücklicherweise. Wenn diese völlig an den Haaren herbeigezogene Bedrohungslage wirklich so real wäre, dann würde man solche Produkte ja auch wirklich für extrem gefährlich halten und vermutlich sofort verbieten.
Sollte man glauben. Ist aber nicht so.
Es ist dagegen völlig legal und absolut problemlos möglich, täuschend echt wirkende Nachbildungen von tödlichen Waffen zu kaufen – ich rede hier nicht einmal von Soft Air Waffen, sondern von Kinderspielzeug. Die Glock für den Nachwuchs, die Beretta für den Kindergarten, der Peacemaker zur Einschulung. Aus schlagfestem Plastik, klar. Aber genauso schwarz wie das Original und auch genauso groß. Man erkennt an der Naht der Plastikgußform, das man von dem Ding da vor sich keine Angst haben muss. Nur ganz genau hinschauen und Bescheid wissen, nun, das sollte man. Wie, ihr hättet trotzdem Angst davor? Ihr würdet als Polizist wohl auch zur Sicherheit mit der eigenen garantiert echten Knarre Klarheit schaffen, wenn ihr sowas im Einsatz seht? Oder eventuell vielleicht auch ein etwas mulmiges Gefühl bekommen, wenn die lieben kleinen mit so etwas auf der Straße herumflitzen und den jugendlichen Guerillakrieg proben? Sowas sollte verboten werden. Oder?
Nö, wird nicht verboten.
Weil das die Wirtschaft gar nicht gern sehen würde. Das (relativ) billige Plastikzeug aus Fernost verkauft sich nämlich echt gut, müsst ihr wissen. Kriegswaffen darf man übrigens nicht nachbilden, ist ja alles schon streng eingeschränkt, die meisten Überfälle werden ja bekanntlich nicht mit Pistolen, sondern mit Sturmgewehren, MGs und Panzerfäusten gemacht, da kann es keine Verwechslungen mehr geben. Herr Beckstein und seine Freunde können sich damit eh nicht recht profilieren. Haben wir doch alle mal gemacht, Räuber und Gendarm spielen. Kennt ihr doch, liebe Wähler. Ein Verbot? Noch mehr Einschränkungen, damit die Dinger vielleicht nicht genauso aussehen wie diese ungesunden, schweren Teile aus Metall? Sollten die vielleicht nur in, nun ja – vielleicht in bunt auf dem Markt kommen dürfen? Och ne, damit kann man bestimmt auf keinen Fall genauso gut spielen.
Verbieten wir doch lieber andere Sachen. Solche die in bestimmten Kreisen beliebt sind, mit denen wir keine Wahlen gewinnen und mit denen wir eh kaum etwas anzufangen wissen. Was machen die den ganzen Tag? Killerspiele spielen, Gangstermusik hören, nutzlos sein, weite Hosen tragen, gewalttätig werden, dem Staat auf der Tasche liegen. Wenn von denen mal einer Amok läuft, wissen wir ja, woran es liegt, klar? Klar. Verbote müssen her. Wie, durch den Plastikkram werden zigtausend Verbrechen verübt, vom bloßen Überfall über üble Misshandlungen unter vorgehaltener “Waffe” bis zu tragischen Irrtümern mit Todesfolge, wenn das Imitat wieder mal zu echt war? Traurige Einzelfälle, die nicht zu verhindern waren.
Die Gesellschaft muss eben geschützt werden, hab ich gehört. Wenn ich mal groß bin, verbiet’ ich Dummheit.
(Dieser Beitrag ist bereits auf meinem eigenen Weblog erschienen)
Der von dir gewählte Ansatz ist meines Erachtens falsch. Die Frage ob der Konsum von “Killerspielen” ein kriminogenes Merkmal darstellt und negativ sanktioniertes sozial abweichendes Verhalten (nicht unbedingt strafbares) fördert, ist noch nicht hinreichend (abschließend) erforscht und kann weder von dir, mir noch vom Kriminologen Pfeiffer pauschal beantwortet werden. Daher finde ich es auch albern, wenn auf allen Fronten mit Behauptungen, Spekulationen und Unterstellungen gearbeitet wird. Einzig und allein eine seriöse empirische Untersuchung (die schwer zu operationalisieren wäre) könnte Aufschluss über die hier diskutierte Frage geben. Solange solche Untersuchungen und deren Ergebnisse noch nicht im ausreichenden Maße vorliegen, sollte man andere Fragen stellen. Wie beispielsweise:
Würde ein Verbot tatsächlich zu einer Reduzierung von “Killerspielkonsum” führen?
(Prohibition kann Konsum auch fördern)
Welche “anderen” krimiogenen Merkmale existieren kumulativ; und wie kann ich gegen diese vorgehen?
und zum Schluss eine provokative Frage an den Autor und alle Antigamesleser?
Unterstellt der Konsum von Killerspielen verusacht jedes Jahr durchschnittlich einen “Amoklauf” und 5 Tote; würdet ihr dann ein Verbot befürworten?
Ein wenig polemisch aber gut!
Aber ehrlich gesagt bin ich es auch etwas müde, ständig die gleichen Diskussionen zu hören wenn es um Videospiele geht.
Soll kein Vorwurf sein. Wie gesagt, fand den Text gut. War auch mal ein Blickwinkel auf das Thema “Killerspiele” den ich so noch nicht gelesen hatte. Wäre interessant ein paar Zahlen zum Verkauf/Umsatz mit Plastikwaffen zu sehen. Hättest du da was bei der Hand? Vorallem im Vergelich zu Videospielen vielleicht.
Aber wie gesagt grundsätzlich bin ich die städing wiederkehrenden Headlines leid. Wenn es nicht “Killerspiele” oder Gewalt in Spielen ist dann sind es Videospielkritiker die in ihrem (ansonsten herrvoragenden) Podcast zum x-ten mal ihr Punkte-Bewertungssystem rechtfertigen und erklären das eine 8 durchaus ein sehr gutes Spiel ist. Schafft die Punkte doch einfach ab …
Und ich weiß, dass Passivität eigentlich die falsche Haltung ist ein politisches Problem anzugehen aber lasst uns doch mal ehrlich sein: Die einzige “Lösung” für die Wahrnehmungsverzerrung von Videospielen in der Öffentlichkeit ist der Generationswechsel. Der zum Glück früher oder später auch unweigerlich geschehen wird. Was wieder mal betätigt, dass Zeit alle Wunden heilt!
;-)
Eigentlich geht es mir in dem Artikel rein gar nicht darum, ob und wie nun eine negative Wirkung von “Killerspielen” nachweisbar ist – es wird von mir gar nicht versucht, in irgendeiner Weise einen neuen Ansatz zu finden.
Mir ging es um eine ganz andere Sache: Die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen, die angeblich zum Schutz der Jugend gedacht sind. Oder eben das Fehlen solcher Maßnahmen trotz offensichtlicher und empirisch nachweisbarer Problemlagen – “Mit Spielzeug in der Hand versehentlich erschossen” ist ja nun eine klar Sache, die schwerlich wegzudiskutieren ist.
Wohingegen das Ursache-Wirkung Prinzip in der Spieldebatte wohl nicht so ganz angebracht ist, egal wie glücklich einige darüber wären.
So gesehen ist deine Frage an den Autor auch eine, die von vornherein auf Annahmen basiert, die meiner Ansicht auf tönernen Füßen stehen, sogar in dieser hypothetischen Kontruktion. Gehen wir davon aus, das eine empirische Untersuchung von Amokläufen und so weiter (oje, auf dieses Thema wollte ich eigentlich bewusst NICHT eingehen) immer eng eingegrenzte Regeln haben muss, könnte sie genau dieser Umstand nutzlos machen: Diese Taten werden in der Regel durch Personen verübt, die sich in irgendeiner Weise als Außenseiter oder ihr Leben als Fehlschlag sehen – warum es dazu kommen konnte, ist wohl am ehesten als Versagen der Gemeinschaft zu sehen. “Da ist die Ursache, da ist die Folge” – das zieht einfach nicht.
Da wir aber eine Gesellschaft haben, die immer schon und in letzter Zeit tendenziell immer mehr auf Auswahl von wirtschaftlich besonders “nützlichen” Menschen ausgerichtet wird, ist es kein Wunder, das wir immer mehr Außenseiter produzieren, die wirtschaftlich und damit auch gesellschaftlich benachteiligt werden(!) … sollte man sich nicht wundern, wenn sich da gewisse Frustpotentiale aufbauen. Das mit Kriminologie aufspüren oder gar durch Sicherheitspolitik gegensteuern zu wollen, halte ich für vollkommen illusionär.
Verbote dieser Art haben nie großartig etwas gebracht, also: nein, würde ich nicht befürworten.
@Sirob: Du bist uns noch deine eigene Antwort auf deine Hypothese schuldig!
@Platinum: Das mit dem Generationswechsel ist allerdings ein Punkt, den ich auch gern bringe. Ich stimme dir da zu.
@Sirob:
Wow, dass waren eine Menge hochtrabender Vokabeln. Fast ein wenig zwanghaft.
Darauf kann ich dir nur wie folgt antworten:
Man kann doch als kultivierter Mensch nicht ernsthaft den Konsum von Videospielen mit gewalttätigem Inhalt als Auslöser für echte physische Gewalt vermuten. Da springt doch jeder Soziologe im Dreieck. Auslöser für Gewalt sind viel komplexer als es Politiker mit “Killerspielen” zu erklären versuchen. Genau darin liegt doch auch die Tragig und Dummheit all dieser Disskusionen. Vermeintlich intelligente Personen banalisieren ein komplexes Problem für das sie keine einfache Lösung finden und die Boulevardpresse stürzt sich dankbar drauf! Soziale Verwahrlosung in der heutigen Konsum- und Erfolgsorientierten Gesellschaft sind viel verdächtigere und dokumentierte Auslöser für Gewalt.
Zu der Frage von Sirob:
Nein, ich würde auch dann kein Verbot befürworten. Wenn ich mir anschaue, für wieviel Verbechen und Tod Alkohol und / oder das Autofahren verantwortlich sind, dann kann ich mit diesem einen “Amoklauf” leben. (Mal ganz abgesehen davon, dass dieser “empirische Beweis” wohl nicht zu erbringen ist. Platinum hat da ja was zu geschrieben.)
Darf man “Killerspiele” jetzt eigentlich schon ohne Anführungszeichen schreiben?
Cool, endlich wird das Thema mal behandelt!
Natürlich darf man Killerspiel ohne Anführungszeichen schreiben, einige Paare lieben es ja sich mit Federn zu killern.
Naja, ich glaub langsam verläuft sich das Thema im Sande bei den Medien, hab irgendwie das Gefühl das langsam die Politiker merken das man damit dann doch nicht so gut Wählerstimmen ergattern kann, besonders bei den Jungwählern.
Btw. Hat jemand Switch Reloaded letzten Dienstag gesehen mit der Persiflage der Super Nanny, mit Michel aus Lönneberga? Irgendwie musste ich auch an diese dämliche Debatte denken, als sie sagte es sei ein psychatisch gestörter Junge der eine Tickende Zeitbombe ist.
Hm…alles sehr interessant. Das mit den Plastikwaffen hab ich mir auch schon so manchmal insgeheim gedacht, was das bei kiddies auslöst. Eigentlich konfrontiert die Industrie unsere lieben Kleinen andauernd mit Gewalt, Kraft und Beherrschung in den buntesten und kinderzugeschnittesten Formen. Das kann nicht gesund sein.
Heutzutage möchte ich ungern Kind sein. Aus Marketingsicht ist man Zielgruppe, mehr nicht. Erzieherische Pflichten müssen Andere übernehmen. Aber Eltern sehen den Nachwuchs auch eher als Belastung denn Bereicherung. Somit übergibt man sie in die Obhut unserer Wissensschmieden. Und die Lehrer dort haben keinen Bock auf die Schüler. Kompetente Lehrer sind ne Seltenheit. Dieser ganze Mix aus negativen Einflüssen machts doch eher.
amokläufe sind bereits verboten, hält auch niemanden ab.
was wenn spiele verboten sind, und es weiterhin amokläufe gibt? schule verbieten? wäre die logische konsequenz. endlich keine schlechte platzierung mehr bei der pisa studie.
und bei der menge an verhungerten, misshandelten oder direkt nach der geburt um die ecke gebrachten kindern in dem land frag ich mich ob nicht eher das poppen verboten werden sollte.
und politiker, das fernsehen, patentanwälte, aktienhandel, alkohol und die bundesliga, dann nur noch alle rentner inkl. ihrer silbernen mercedes limos nach mallorca ausweisen und endlich gibt es wieder jobs und parkplätze ohne ende. deutschland könnte so schön sein.
ich habe als Kind mit Plastikwaffen gespielt, es hat nicht sonderlich geschadet, ich hab als Kind DOOM gespielt, hat auch nicht sonderlich geschadet.
Wenn mir einer meine 1:1 Waffenrepliken verbietet, werd’ ich grantig… die lassen sich nämlich beschissen importieren. Games sind da ein anderes Kaliber!
Für Plastikwaffen die wie echt aussehen, weil LARP damit mehr Laune macht!
*durchlad*
Genial!
Ich wollte immer schon mal einen Blogeintrag lesen, wo die Killerspiel-Diskussion aus der Sicht eines Spielers kommentiert wird!
Haut die Bullen platt wie Stullen!
Irgendwie musste ich daran denken. …
@platinium
“Man kann doch als kultivierter Mensch nicht ernsthaft den Konsum von Videospielen mit gewalttätigem Inhalt als Auslöser für echte physische Gewalt vermuten.”
Genau um diese Frage geht es ja! Nicht im Sinne eines monokausalen Zusammenhangs, aber vielleicht in Form eines Schrittmachers? oder als ein Merkmal von vielen?
Genau dies gilt zu untersuchen!
Im Übrigen bestätigt ja dein Beitrag:
“als kultivierter Mensch nicht ernsthaft…” genau meine These, dass in der Diskussion fast ausschließlich mit reinen Vermutungen, Unterstellungen und insbesondere innerhalb von Internetforen auch mit Anfeindungen gearbeitet wird. Einer Verfechter der Gleichung Killerspieler=Gewaltverbrecher der nach deinem Beitrag nicht in den Genuss kommt von dir als “kultivierter Mensch” bezeichnet zu werden, könnte sich vielleicht beleidigt fühlen und Schwups: Man steckt in einem unsäglichen Krieg von gegenseitigen Beleidigungen Unterstellungen, die zu nichts führen. Wahrscheinlich begünstigen diese an dem Thema vorbei geführten serienhaften”üblen Nachreden” vermutlich noch eher ein Gewaltdeilikt
zwischen den Beteiligten, als die Ausübung des als kriminogen vermuteten “killerspielens”. Nur um dies zu verhindern, wollte ich die Frage,
(Unterstellt der Konsum von Killerspielen verusacht jedes Jahr durchschnittlich einen “Amoklauf” und 5 Tote; würdet ihr dann ein Verbot befürworten?)
ohne mich dabei für schlauer zu halten, mal dergestalt stellen, dass sozusagen die transzendentale moralische Zockerseele mir antwortet und nicht wie sonst der Hobbykriminologe. (die Antwort von Steinoder traf beispielsweise mein Anliegen)
@ Dennis
Auf einem Meinungsspektrum, zwischen “zocken ohne Altergrenze bis der Arzt kommt Hauptsache Gewalt” und “verbietet auch Worms” liegen unsere Meinungen vermutlich sehr dicht aneinander (leider streiten sich gerade Nachbarn überdurchschnittlich häufig). Zudem poste ich grundsätzlich nur wenn der Beitrag/Artikel überdurchschnittlich interessant und nett geschrieben ist, so dass meine Kritik keine grundsätzliche ist.
Ich hoffe die auch hier nochmals zitierte Frage wird noch von einigen Lesern beantwortet, dann wäre meine Wissenseifer befriedigt und genau dafür ist ja ein Forum dar. Die durch den Artikel angeregten Fragen können ausführlich und dezidiert diskutiert werden:)Euch Allen ein tolles Wochenende!!!
MFG
Sirob
Unterstellt der Konsum von Killerspielen verusacht jedes Jahr durchschnittlich einen “Amoklauf” und 5 Tote; würdet ihr dann ein Verbot befürworten?
beispielsweise
nämlich der nächste Beitrag Genau so beginnen immer diese unsäglichen Diskussionen
Eine solche “naive” Wissenschaftsdiskussion ist aber nicht hilfreich.
Da springt doch jeder Soziologe im Dreieck. Auslöser für Gewalt sind viel komplexer als es Politiker mit “Killerspielen” zu erklären versuchen. “
Alles nach
MFG Sirob
bitte ignorieren
ist irgendwie mitgerutscht; dachte es wären nur Gedanken, irgendwie landeten diese aber auf den Display:) mysteriös: Vielleicht kann mein Bluettoth Headset neuerdings meine Gedanken digitalisieren!
Und nebenbei bin ich der Meinung, dass man “Killerspiele” auf gar keinen Fall ohne Anführungszeichen schreiben sollte.
@Renor: Doch, wenn es das Vorspiel mit Federn bezeichnet ^^
@Sirob:
Wenn du dich weniger hochgestochen und kompliziert ausdrücken würdest wäre es sicherlich einfacher konstruktiv auf deine Beiträge zu reagieren. Fakt ist, viele nehmen automatisch eine Abwehrhaltung ein, wenn jemand “gegen” Videospiele argumentiert und sich dabei auch noch so “wissenschaftlich” ausdrückt wie du. Dies beiseite gestellt möchte ich versuchen deine Frage so ehrlich und objektiv wie möglich zu beantworten.
Grundsätzlich bin ich meist gegen Verbote jeglicher Art und bin recht liberal gesinnt. Ich denke es ist die Aufgabe eines Staates seine Bürger zu schützen aber nicht sie zu bevormunden. Gegeben der Fall, “Killerspiele” seien tatsächlich nachweislich Auslöser für Amokläufe und in Konsequenz indirekt verantwortlich für den Tot von Menschen wäre ich noch immer nicht für den Verbot selbiger Spiele. Eine sinnvolle Argumentation fällt mir dazu aber ehrlich gesagt auch nicht mehr ein – ich dachte meine letzter Beitrag sei bereits sinnvoll gewesen. Mehr als an die Vernunft eines Menschen zu appelieren bleibt meiner Meinung einfach nicht. Wie wenig Intelligenz kann man denn einem Menschen zutrauen? Ich kann einfach nicht verstehen, wie das Konsumieren eines Videospiels, sei es noch so gewalttätig, Auslöser für derartige echte Gewalt sein kann/soll. Es kann doch niemand argumentieren, dass wenn dies wirklich der Fall sei, das Gehirn oder der Geist einer Person bereits zuvor in hohem Maß labil gewesen sein muss. Videospiele generieren keinen Hass. Ein Videospiel verletzt nicht die Gefühle seines Konsumenten. ICh kann mich bei bestem Willen nicht in den Kopf eines “Amokläufers” hineinversetzen aber ich stelle mir vor dass es sehr viel Entäuschung und ein betäubendes Gefühl von Hilflosigkeit vorraussetzt bis man das Bedürfnis verspürt sich selbst mit einer Waffe wieder das Gefühl von Kontrolle zu verschaffen.
Es tut mir leid wenn ich völlig abgedriftet bin. Ich habe diesen text bereits mindestens 5x umgeschrieben und sitze bestimmt schon eine halbe Stunde dran. Wie gesagt, ich kann einfach nicht einsehen wie man es sich als Politiker so einfach machen kann. Und was mich noch viel trauriger macht ist, wie ein Volk im kollektiv so “dumm” sein kann, dass es diese banalen Lösungen nicht sofort aufschreiend ablehnt.
Was es bedarf um solche Amokläufe zu verhindern sind Perspektiven für die Opfer. Und ich meine nicht die jenigen die Erschossen werden/wurden sondern die vermeindlichen “Killer” die zuvor von unserer Gesellschaft bereits hingerichtet wurden. Es badarf Perspektiven. Es bedarf Verständnis. Nicht Verständnis für ihre Tat sondern für die wahren Auslöser. Verständnis für ihre Situation, ihre Verzweiflung. Verständnis und Wahrnehmung für ihre soziale Verwahrlosung und Chancenklösigkeit. Eine gesellschaft sollte ihren Jugendlichen Moglichkeiten bieten und Horizonte öffnen und nicht schon in jungen Jahren mit HartzIV, Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe winken.
Nun drifte ich wirklich ab.
Es tut mir leid. Dass ist ein sehr emotionales Thema. Nicht weil es mein Hobby betrifft sondern weil es meinen Glauben an die Menscheit und deren Gabe für Vernunft erschüttert.
Ich hoffe irgendwer konnte aus meinen Zeilen trotzdem was nutzbares für die Diskussion finden.
Eine bessere Antwort werde ich dir, Sirob, leider nicht geben können, denn ehrlich gesagt verstehe ich den Hintergrund für deine Perspektive auch nicht. Welchen nutzen hätte eine eventuelle Befürwortung eines Verbots aus den “eigenen Reihen” von Videospielern, wenn wir uns doch hier alle einig sind, dass das Problem ein anderes ist?
In einer Sache muss ich aber unbedingt widersprechen: Selbstverständlich kann ein Videospiel die Gefühle eines Konsumenten verletzen – Ein Buch kann es, ein Film kann es und Musikstücke aber ganz sicher auch.
Wir sollten nicht anfangen zu glauben, das ausgerechnet Videospiele keine Wirkung auf Menschen ausüben könnten; das können sie definitiv. Und das ist auch gut so, denn sonst könnten sie nicht bewegen und nicht unterhalten, kurz: Sie wären gar nicht spielenswert.
Inwiefern sie ursächlich für Gewalttaten verantwortlich gemacht werden können, ist eine andere Frage.
@Denis:
Ja, irgendwie können Videospiele schon Gefühle generieren aber wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir eingestehen, dass sie das bisher nur in sehr begrenztem Maß schaffen. Die Anzahl von Spielen die überhaupt interessante Charaktere besitzen kann man an zwei Händen abzählen. Wirklich emotional werden selbst diese Spiele nur sehr vereinzelt. Von Frustration in Form von “Verdammt, ich schaffe diesen Endgegner nicht!!” mal abgesehen (was aber trotzdem niemanden zu einer Waffe greifen lassen sollte). Der Tot von Aeris in Final Fantasy 7? Vielleicht, aber auch dafür muss man schon ein ganz schöner Nerd sein. Sorry, will hier niemanden verletzen. Das einzige Spiel das mich bisher emotional berührt hat war Shadow of the Collossus und auch das nur, weil es im Grunde ein Blowjob für Videospielenthusiasten ist, die wollen das Videospiele als Kunst anerkannt werden. Meine Freundin weint bei jeder drittklassigen TV-Serie aber Shadow of the Collossus hat sie überhaupt nicht berührt. Genau darin liegt letztendlich auch das Hauptargument gegen die “Spiele sind Kunst” These.
Spiele sind weit davon entfehrnt irgendeine Emotionalität zu generieren die auch im Mainstream als solche wahrgenommen werden kann.
Schon mal “Hotel Ruanda” gesehen? Der Film lief letzens im TV. Der Film brachte mich aus lauter Verzweiflung über die Dummheit unserer Spezies zum weinen. Das hat noch kein Spiel geschafft. Solange Spiele es nicht schaffen mich emotional so zu berühren wie ein guter Film oder ein gutes Buch gehören sie meiner Meinung nach auch nicht verboten. Und selbst dann, wenn sie es schaffen, nicht!
“Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.” Heinrich Heine
Nach diesem Zitat darf man nun gerne auch mir Polemik vorwerfen.
@ Plantinum
kurz gesagt:
Ich bin (bis jetzt) gegen jede Form eines Verbots von Computerspielen. Neben den Argumenten der Selbstverantwortung und der Verantwortung der Eltern (in die Richtung geht ja zurecht Dennis) spricht meines Erachtens auch die Kunstfreiheit gegen ein solches Verbot. Leider fällt es vielen Spielern schwerer gemeinsam zu diskutieren als zu spielen und man stößt oftmals auf eine fanatische Grundhaltung, wenn man einen Zusammenhang zwischen “Killerspielen” und Serientötungen nur anspricht.
Häufig wird man mit pauschalen Gegenargumenten wie:
“mehrere Millionen Menschen spielen Killerspiele und nur ein ganz geringer Bruchteil
wird zu Mördern” *(zu dem Argument später)
, konfrontiert die oft genauso blödsinnig wie ein grundsätzliches Verteufeln von Computerspielen sind. Mehr wollte ich eigentlich mit meinen Beitrag nicht sagen.
* Nur ein Bruchteil aller Raucher sterben an Lungenkrebs, trotzdem ist eine Korrelation nicht abzustreiten oder? Viele verwechseln auch das Befürworten eines Zusammenhangs mit dem Befürworten eines Verbotes. Anders formuliert: Alle diejenigen die ein Verbot von “Killerspielen” befürworten, bejahen einen Zusammenhang zwischen dem Konsum und den delinquenten Verhalten (oder sie sind Heuchler) ; aber nicht alle Befürworter eines Zusammenhangs, befürworten ein Verbot.(wie ich, der ein Zusammenhang für möglich hält, aber nur für einen verantwortungsvollen Konsum plädiert)
Etwas polemisch: Das Führen von Kraftfahrzeugen verursacht jährlich eine Vielzahl von “Verkehrstoten” trotzdem hat der Gesetzgeber kein Verbot sondern die Straßenverkehrsordnung erlassen, um ein verantwortungsvollen Umgang im Straßenverkehr zu gewährleisten. Ähnliches sollte man bei “Killerspielen” andenken; daher sollten alle Spieler aufgerufen sein, unter Abwägung aller Interessen eine Regelung (wenn auch informelle, wie beispielsweise die Hackerethike ) zu treffen und durch eigenes Konsumverhalten die Spieleentwickler zur Einhaltung derer zu bringen.
Vermutlich bin ich ein Idealist, aber ich befürchte, dass sich anderenfalls (spätestens bei der nächsten Serientötung + Landeswahlkampf) ein profilierungssüchtiger Politiker die Mehrheit im Bundes/Landtag verschaffen wird und ein Verbot folgen wird. (PS: auch ein Import kann verhindert werden, da die Warenverkehrsfreiheit bei Fragen der Sicherheit und Ordnung eingeschränkt werden kann- glaubt mir bin Jurist)
PS: Danke für die Mühe du dir gemacht hast Platininum und noch einen schönen Tag!
Ich nehme an dass bisher auch nur wenigen Leuten beim Anblick eines Picasso die Tränen gekommen sind – das kann also nicht das einzige Kriterium für Kunst sein. Und es gibt ja auch noch subtilere Emotionen als “Weinen” und “Lachen” (und letzteres ist ja durchaus in Videospielen leicht umzusetzen).
Das Problem ist glaube ich zu einem Teil auch, dass ein Spiel eben immer noch ein Spiel ist, das den Spieler involviert, der eine Herausforderung haben muss. Und wenn ich Szene X zum 10. Mal versuche, weil ich immer in den Abgrund nebenan stürze, dann zehrt das möglicherweise ein bisschen an der Intensität welcher Empfindungen auch immer mir gerade vermittelt werden sollen.
Irgendwie vermisse ich die Konstruktive Kritik an einem Computerspiel, welches einer genauen Prüfung unterzogen wird. Diese “Killerspiele sind (nicht) schlecht” Diskussion kann ich auch in diversen Ausgaben der Gamestar oder anderen Magazinen/Internetportalen/Yellow Press Blättchen nachlesen.
Sagen wirs mal so wie es ist: Ihr habt keine Zeit mehr einen Artikel zu schreiben weil ihr zu viele der neu erschienenen Spiele spielt und lasst Euch kurzerhand zu so einem Schmuu hinreißen, damit überhaupt etwas neues auf dieser Website erscheint.
Der traurige Versuch das ganze noch ein bisschen Metaphorisch auszudehnen ist auch mißglückt.
Alles in allem ein schlechter Artikel zu einem Thema, welches schon viel zu häufig durchgekaut worden ist.
“Nur ein Bruchteil aller Raucher sterben an Lungenkrebs, trotzdem ist eine Korrelation nicht abzustreiten oder?”
Oh ja, komische Schlüsse ziehen, das ist toll:
- Jährlich sterben mehr Leute an Autounfällen als an Amokläufen.
- In den ersten drei Monaten nach dem 11. September sind in der USA mehr Menschen durch Verkehrsunfälle ums leben gekommen als direkt durch den Terroranschlag.
Lasst und Autos verbieten!
Also zur Info, weil ich grad merk das man meinen Post falsch verstehen kann, das war kein Angriff gegen die Argumentation von Sirob sondern gegen die Art und Weise wie die Debatte geführt wird:
Plakativ, schlagworthaltig, inhaltsleer.
Hahahaha! Diese Diskussion kenne ich schon seit über 20 Jahren. Damals war es das Spiel DEATHRACE (oder so) hier in Deutschland, welches solch eine Diskussion auslöste. Es waren ein paar rote Pixel (sollten ein Auto Darstellen), und ein paar Gelbe Pixel darstellen (sollten Menschen darstellen). Wenn man das nicht wusste, konnte man NICHTS erkennen. Ascii Art ;-)
Aber es wurde heftigst in den Medien diskutitiert… Und verboten (jaja, nicht indizirt, beschlagnahmt!)…
Ich glaube, die “Gewalt in Computerspielen”-Diskussion wird nie aufhören. Ist auch gut so. Nur die Argumente und Gegenargumente bleiben immer gleich. Hauptsache, man beschäftigt sich mit dem Thema, und bezieht die Jungendlichen mit in die Diskussionen ein… (Und ich meine Kinder, uh, bald wohl auch Enkelkinder…). Scheisse bin ich alt. (44).
(grr, wo ist der Edit-Button, Tippfehler zu verkaufen ;-)
Dilbert: Wir sind antigames. Wenn wir mal etwas über Spiele schreiben, die wir mögen, dann ist das die Ausnahme. Allerdings schreiben wir zu wenig über Saurier, die wir mögen. Das ist in der Tat bedauerlich.
Dein Versuch einer Kritik (soll das eine sein? Ich lese nur “Ihr seid doof, besprecht Spiele!” Was kritisierst Du eigentlich?) ist allerdings mindestens genauso kläglich wie mein unglaublich schwacher Artikel, denn…
… es ging mir von vornherein absolut gar nicht darum ob Computerspiele nun böse oder nicht böse sind. Da können sich gern andere ihre Studien um die Ohren hauen. Ich trinke Bier. Das ist auch böse. (Und Whisky. Aber nicht so viel.)Oder nicht. Kümmert mich auch im Moment üb-er-haupt nicht.
Worum es darin gar nicht sonderlich metaphorisch (?) ging, war die merkwürdige Verhältnismäßigkeit, mit der die (EU-)Politik im Sinne des Jugendschutzes und zur Verhinderung von Verbrechen vorgeht. Oder eben nicht vorgeht.
Stimmt. Da ging es gar nicht so richtig um Spiele.
P.S.: Ich mag Tabula Rasa ganz gern.
Nun, einen Bruchteil würde ich das nicht nennen:
http://www.stern.de/wissenschaft/gesund_leben/507864.html?eid=501405
Ist gibt da noch viel genauere Zahlen (siehe den jährlichen Drogenbericht der Bundesregierung) oder auch die Tabak-Prozesse in den USA. Der Link war aber einfacher zu finden. ;)
Guter Einwand. Aber das gibts in DE ja schon, siehe Jugendschutzgesetz, siehe BPjM, KJM, siehe Strafgesetzbuch etc pp. Wenn die Gewaltmedien einfach unreglementiert auf den Markt kämen, dann würde diese Debatte ja hier ganz anders aussehen. Nur wir haben schon starke Beschränkungen im Vergleich zu unseren direkten Nachbarn.
@Denis: Was den Kunstbegriff betrifft, so finde ich die doch recht nüchterne Sichtweise des Verfassungsgerichtes schon passend (wenn sicherlich auch nicht so philosophisch, wie das vielleicht ein Künstler umschreiben würde): “Kunst ist, was sich einem Werktyp zuordnen lässt.” Also wenn ein Spiel Elemente von Dichtung, Musik, Zeichnung, Erzählung und soweit enthält, dann kann es schon als Kunst gesehen werden. Oder etwas länger: “Das Wesentliche der künstlerischen Betätigung sei die freie schöpferische Gestaltung, in der Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer bestimmten Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Alle künstlerische Tätigkeit sei ein Ineinander von bewussten und unbewussten Vorgängen, die rational nicht aufzulösen sind. Beim künstlerischen Schaffen wirkten Intuition, Fantasie und Kunstverstand zusammen; es sei primär nicht Mitteilung, sondern Ausdruck und zwar unmittelbarster Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des Künstlers”
Also ist gerade alles das Kunst, was nicht zwangsläufig einen “Sinn” erfüllt.
Aber die Kunstdebatte bringt letztlich nichts, weil in DE jede Kunst- und Redefreiheit zu Recht eingeschränkt wird, nämlich durch den Schutz der Menschenwürde und des Persönlichkeitsschutzes (Rechte auf freie Entfaltung).
Daher finde ich die persönlich die ganze Killerspiele-Diskussion müssig. Weil es letztlich gar nicht relevant ist, ob ein Spiel Schaden verursacht (mittelbar oder unmittelbar), sondern ob bestimmte Medieninhalte (Musik, Filme, Bücher, Games) die Menschenwürde verletzten oder nicht. Weil wir haben nunmal das Grundgesetz in Deutschland und der Staat und seine Organge sind direkt daran gebunden, diese Grundrechte auch durchzusetzen.
Und gerade mit Blick auf die fortschreitende Technikentwicklung sollte sich vielleicht auch der eine oder andere Entwickler/Designer mal fragen, ob er nicht vielleicht mal ärztliche Hilfe aufsuchen soll, wenn sich seine Spiele und Erzählungen mehr oder minder nur noch um das Thema Gewalt, Töten und Krieg drehen.