In Deckung

altaigebirge.jpg

Es gibt einen Level in Call of Duty 4, der mich sehr an meinen Sommerurlaub erinnert. Man fährt mit dem Auto über einen Pass im Altai-Gebirge und wird ständig von nervigen Russen mit Kalaschnikows aufgehalten. Zugegeben, in Call of Duty 4 schießen die Russen mit den Kalaschnikows auf einen, während es die Jungs diesen Sommer bei Drohgebärden belassen haben. Außerdem kann ich mich spontan nicht an Raketen spuckende Hind-Hubschrauber erinnern.

Trotzdem, die Gegend haben sie bei Infinity Ward sehr authentisch nachgebildet.

Womit wir auch schon bei dem herausragenden Merkmal von Call of Duty 4 sind. Es zeichnet in nahezu jedem Level eine unglaublich dichte und intensive Atmosphäre. Von den Gassen einer fiktiven nahöstlichen Stadt, bis zu zentralrussischen Gebirgsdörfern fühlt sich das Spiel immer so an, als wäre man wirklich dort. Selbst wenn man wirklich schon mal dort war.

Überraschenderweise ist das Spiel damit umso besser, je weniger geschossen wird. Die SAS-Einsätze bei denen man sich im hohen Gras versteckt und an Gegnern vorbei schleicht, um dann mit dem Schalldämpfer gezielt das eine oder andere Ziel auszuschalten, sind wesentlich spannender und intensiver, als die Einsätze mit den Marines, bei denen sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine grob geschätzte Summe von 500.000€ an 7,62mm Munition in der Luft befindet.

Highlight ist dabei eine Nachbildung der nuklearen Geisterstadt Prypiat, Heimat von Tschernobyl. Wer sich dabei geschickt anstellt, kommt in der ersten Hälfte der Mission vollständig ohne Feindkontakt aus, nur um dann auf einer verzweifelten Flucht durch verlassene Appartment-Gebäude einen verletzten Kollegen hinter sich herzuschleifen. Das Ganze gipfelt in einer verzweifelten Abwehrschlacht am berühmten Riesenrad der Stadt.

Großes Kino. Nur halt viel besser als Kino, weil es eben ein Videospiel ist.

Technisch weiß Call of Duty 4 dabei auch auf ganzer Linie zu überzeugen. Das Spiel läuft immer butterweich und ist sowohl völlig frei von den üblichen Texture-Pop-Problemen als auch vom übertriebenen Einsatz von Effekten wie HDR oder Normal Mapping.

Inhaltlich stellt sich das Spiel allerdings etwas fragwürdig auf. Da werden Leute im Schlaf erschossen sowie fröhlich gefoltert aggressiv verhört, nur um nach Ablauf ihres Nützlichkeitsdatums eine Kugel in den Kopf zu bekommen. Wenn das jetzt im Kontext einer düsteren Meditation über die Natur des modernen Krieges geschehen würde, wäre das durchaus in Ordnung, denn natürlich schießt ein Spezialkommando schlafenden Gegnern in den Kopf.

Leider ist Call of Duty 4 aber eher in einer Jerry Bruckheimer-Realität angesiedelt, in der männliche Männer und ihre besten Freunde höchstpersönlich nukleare Sprengköpfe zu Boden ringen, während sie mit dem linken großen Zeh 5000 kommunistisch-terroristische Soviet/Araber-Schergen („Yalla, yalla, Towarischtsch!“) umkegeln.

Klar, wer ein Call of Duty Spiel ernst nimmt, ist entweder Amerikaner oder hat es selbst entwickelt. Möglicherweise beides. Dennoch, ein leicht bitterer Beigeschmack bleibt hängen.

Was vielleicht am meisten erstaunt, ist der Mangel an spielerischem Fortschritt. Was Call of Duty 4 macht, das macht es richtig. Aber wer bitte designed im Jahre 2007 noch einen militärischen Shooter, bei dem man nicht richtig in Deckung gehen kann oder vernünftig um die Ecken schießen darf?

Trotzdem, das Spiel ist technisch einwandfrei, zum Teil überraschend atmosphärisch und häufig sogar verdammt spannend. Der finale Countdown ist bei mir zum Beispiel exakt drei Sekunden vor dem Weltuntergang stehen geblieben.

Ich gebe offen zu, ich habe meine Faust in Siegerpose geballt. Wie es ein richtig männlicher Mann halt macht, wenn er gerade die Welt vor dem Fox News Feindbild gerettet hat. Ist ja auch eine ordentliche Leistung.

Insbesondere wenn er zu blöd ist richtig in Deckung zu gehen.

54 Kommentare Autor: Richard
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54 Kommentare

  1. OK, ich hol es mir doch noch.

  2. “Klar, wer ein Call of Duty Spiel ernst nimmt, ist entweder Amerikaner oder hat es selbst entwickelt. Möglicherweise beides. Dennoch, ein leicht bitterer Beigeschmack bleibt hängen.”

    Aber trotzdem wird auch CoD5 gekauft und gespielt werden.
    Und das, liebe Kinder, ist der Grund warum Demokratie nicht funktioniert. Klingt komisch, ist aber so. Ich hab da mal was vorbereitet…

  3. Was funktioniert denn daran nicht, bloss, weil… naja, sagen wir mal ‘fragwuerdige’ Spiele gekauft werden?

  4. Hmmm, ich habe leider nur die Demo gespielt… und die war genau so (wenig) überzeugend wie neulich Airborne: Jeder meiner Versuche, irgendwie kreativ mit dem Szenario umzugehen, wurde vom Leveldesign blockiert. Endlosspawns von arabischen Kommunistennazis finde ich irgendwie nicht ganz zeitgemäß … aber anscheinend scheint das Spiel als Gesamtwerk überzeugender zu sein. Wieder was für meine Budget-Liste.

  5. Wie gesagt, spielerisch ist es altbacken. Der einzige Level der kein Schlauch ist, ist auch gleich der nervigste. Wenn sie es also mal versucht haben, klappt es nicht so recht.

    Es ist halt ein Schlauchshooter ohne spielerische Ambitionen. Allerdings halt ein verdammt guter Schlauchshooter mit viel Atmosphäre.

  6. Wäre ja nicht der erste gute Schlauchshooter (ich mag das Wort) in diesem Jahr.

  7. Was nicht heißt, dass jetzt alle Spiele ruhig Schlauchshooter sein können, solange sie nur eine packende Atmosphäre haben. Aber CoD4 ist nicht nur packend, sodern regelrecht fiebrig. Die Mission in Pripyat zählt wohl zu dem Eindrucksvollsten, das ich in diesem Jahr spielen durfte – und das obwohl das Jahr ja nicht gerade arm an Nachhaltigem war.

  8. In der Tat. Ich hatte definitiv geplant CoD4 voll zu haten und so, aber die dichte Atmosphäre hat mich einfach in seinen Bann gezogen.

  9. Dass man nicht in Deckung gehen kann, wirkt allen voran deshalb so seltsam, weil es die KI-Kollegen in bester MoCap-Manier perfekt vor machen. Da fragt man sich zwangsläufig, warum man als SAS-Elitesoldat oder Recon Marine nicht auch kann, dieses An-Wände-Lehnen und Co.

  10. Gebe dir recht. Wirklich sehr packend das Spiel.
    Und der Multiplayer ist klasse. Seit Battlefield2 hat mich kein Spiel mehr so lange im Multiplayer beschäftigt (abgesehen von Wii Spielen vielleicht..)

  11. hmmm, bin mir immer noch nicht sicher ob ichs holen soll, aber es gibt ja leider keine 360-demo. hrmpf.

    kann mir jemand sagen inwieweit man es mit CoD3 für xbox 1 vergleichen kann?

    “Klar, wer ein Call of Duty Spiel ernst nimmt, ist entweder Amerikaner oder hat es selbst entwickelt.”

    immer dieses amigebashe [in deutschland], ein großer teil der amerikaner würde dieses spiel nicht ernst nehmen bzw. nimmt es nicht ernst und ein zu großer teil der deutschen nimmt es ernst (auch wenn der anteil hier sicherlich geringer ist) -_- .

  12. Ich sag es mal so – so wie bei den Headshots im “All Ghillied Up”-Level gejubelt wurde bei der Vorführung auf der CoD4-Party dieses Jahr, muss man das Spiel auf Bruckheimer-Ebene betrachten, sonst macht man sich unnötig Sorgen … ;)

  13. Ich kann mich der Meinung nur anschließen. Obwohl ich insbesondere den zweiten Teil für extrem überbewertet und an sich nur durchschnittliches Moorhuhngeballer halte, habe ich mir Teil 4 nach einigen Empfehlungen aus dem Freundeskreis doch ausgeliehen. Für einen Kauf war ich angesichts der Spielzeit und meinem nicht vorhandenen Interesse am Mehrspielermodus aber dann doch zu skeptisch ;)

    Im Gegensatz zum Vorgänger (auf dem PC) kommt diesmal die sonst so hochgelobte Atmosphäre, trotz der weiterhin bestehenden Mängel, auch bei mir auf. Auch wenn der Schlauch doch jedesmal wenn man versucht anders vorzugehen als es der Leveldesigner vorgesehen hat stört, die KI Gegner Welle um Welle anstürmen wenn man den Trigger nicht auslöst, diese allgemein ziemlich tumb sind, die automatische Heilung in meinen Augen nach wie vor ein grober Designfehler in jedem halbwegs realistischem Spiel bzw. Spiel mit diesem Setting ist und allgemein die meisten Missionen und Aufgaben grober Unfug sind: Es stört mich zumindest deutlich weniger weil das Spiel insgesamt abwechslungsreich, spannend und deutlich intelligenter designet ist. Es wirkt irgendwie alles stimmiger und passt besser zusammen und die Defizite sind größtenteils auch besser versteckt.
    Ich denke

    Großes Kino. Nur halt viel besser als Kino, weil es eben ein Videospiel ist.

    trifft es am Besten. Wie ein guter Actionfilm: Sinnfrei und nach kurzer Zeit abgehakt, aber unterhaltsam.

    Bezüglich des Inhaltes muss ich noch anmerken, dass mir die fragwürdigen Szenen gefallen haben. Allein das Level an Bord des Spectre ist wirklich heftig und geht schon stark in Richtung Defcon. Die trockenen, fast beiläufigen Kommentare der Mannschaft in diesem Level, die Szene nach dem Helikopterabsturz oder die “Befragung” Al-Asads durch Captain Price sind für mich ein starker Gegensatz zum sonst vorherrschenden Hurra-Patriotismus. Für mich waren gerade diese Szenen ein Punkt wo man die gesamte Geschichte ansieht und feststellen kann wie fragwürdig das ganze doch auch ist und in denen man ganz im Gegensatz zu sonstigen Spielen dieser Art nicht nur die heroische Seite des Krieges sieht.
    Quasi eine Erinnerung warum Krieg nur virtuell unterhaltsam ist und meiner Meinung nach auch ohne mir das gezwungen und oberlehrerhaft unter die Nase zu reiben.
    Darüber ob das Ganze auch genau so gewollt ist oder ob es einem überhaupt gefällt kann man natürlich geteilter Meinung sein.

    Nach dem ganzen Text, der eigentlich etwas kürzer ausfallen sollte, noch eine kleine Anmerkung zur Deckung:
    Dann geht doch einfach in Deckung wenn ihr wollt :-P
    Niemand hält euch davon ab an der Wand entlang zu laufen oder sich um die Ecke zu lehnen!
    Mich persönlich stört der Wechsel in eine externe Perspektive immer sehr und auch wenn ich, per Knopfdruck oder automatisch (beides stört irgendwann), in Deckung bin ist die Steuerung dort viel unhandlicher. Mangels Außenperspektive sehe ich den Unterschied dann sowieso nicht wirklich und abgesehen von einem an Vietcong angelehnten Prinzip in First-Person kann ich mir da auch keine Besserung des unsäglichen “Cover-Systems” vorstellen.

  14. wenn interessiert cod4?hätte gern was über smg gelesen, oder ist das nicht wichtig, weil nicht 360?

  15. Galaxy habe ich noch nicht durch. Aber wer eine Kurzkritik braucht: Es rockt. Hart. Kaufen!

  16. Was funktioniert denn daran nicht, bloss, weil… naja, sagen wir mal ‘fragwuerdige’ Spiele gekauft werden?

    Es ist nicht das Problem, dass sie gekauft werden, sondern dass sie sogar von den Leuten gekauft werden die sich der Probleme mit der Message bewusst sind. Mal ganz ehrlich: die beste und größte Möglichkeit uns gegen diese bescheuerten “Hurrah, baller drauf, er hat nen Bart, also ist er Terrorist bloß nicht drüber nachdenken” Entwicklungen zur Wehr zu setzen ist nunmal, mit den Füssen abzustimmen. Und das bedeutet: nicht kaufen. Wird aber trotzdem gekauft, sogar von den Leuten, die … siehe oben.

    Und deswegen funktioniert Demokratie nun mal nicht, weil jeder denkt “Man sollte was machen”, aber jeder auch denkt “Am besten machen die anderen mal was!”, denn man selbst will sich ja den Kitzel nicht versagen.

    So werden weiter Spiele gebastelt werden, die primitivste Feindbild-Denkweisen fördern und glorifizieren, und wir werden uns alle weiter wundern, wie DAS nur so kommen konnte. Und die Pfeiffers da draußen werden weiter wunderbares Bild- und Tonmaterial geliefert bekommen um uns als die asozialen Schweine darzustellen, die wir scheinbar so gerne spielen.

  17. Ich muss Richard zustimmen. Galaxy ist fantastisch.

  18. Ich fürchte fast, dass m.a. zu 100 % Recht hat. Aber wie kommen wir nur aus dieser Zwickmühle raus? Es sind ja schliesslich doch nur Spiele, und wenn sie gut sind, wollen/müssen sie ja auch gespielt werden. Aber Respekt, m.a. , du hast mich echt noch mehr zum Nachdenken über unser eigentlich so unschuldiges Hobby gebracht! Danke auch…

  19. m.a. hat natürlich Recht. Aber auch ohne seine prinzipiellen Einwände kommt mir kein WWII-Shooter mehr ins Haus. Das halte ich schon seit einiger Zeit so. Nicht einmal, weil ich es für ideologisch bedenklich halte, sondern einfach nur weil ich dieses Sub-Genre inzwischen soooo tierisch fantasielos finde.

  20. Und deswegen funktioniert Demokratie nun mal nicht, weil jeder denkt “Man sollte was machen”, aber jeder auch denkt “Am besten machen die anderen mal was!”, denn man selbst will sich ja den Kitzel nicht versagen.

    Naja, sie funktioniert schon, nur darf man sich eben am Ende nicht beschweren.

  21. @SpielerZwei

    du weißt aber schon, dass CoD4 nicht im WWII spielt, oder?

  22. … Ich hatte definitiv geplant CoD4 voll zu haten …

    Was ist denn

    haten

    ? ;)

    Ich use solche words überhaupt nie. Seltsam.

    @topic: *lol, topic^^*
    Ich habe mich erstmal für Crysis entschieden statt CoD4. Beide Spiele jede auf seine Art sehr schöne Seiten haben.
    Die Demo hat mich überzeugt und ein Münzwurf hat entschieden.

  23. ein großartiger artikel :)
    ich kenn das spiel zwar nur vom über-die-schulter-schauen bei fähigen egoshooter spielern aber der artikel war lustig zu lesen ^^

  24. @m.a.: Vergiss es, jedes Medium musste sich gegen Leute wie Pfeiffer durchsetzen. Statt uns vor den Typen zu fürchten sollten wir ihnen entgegentreten. Bedenke doch das CoD von Amis für Amis gemacht wurde, das die Deutschen ein Problem damit haben schert die einen feuchten Wind. Ausserdem tut die Diskussion gut. Filme mussten da in ihren Anfängen durch, Comicbücher mussten da durch und das ist noch garnicht so lange her, sogar Theater musste da am Anfang durch. Und das CoD4 auch für Leute die nicht mit der politischen Message etwas anfangen können und sogar Kritik daran auslassen können ist doch gut. Vielleicht wäre Richard sowas ja nie aufgefallen ohne CoD4. Beispielsweise wäre mir ohne lesen des Megawälzers Atlas Shrugged, bzw. Wer ist John Galt (ja, die 1200 Seiten Inspiration vieler Elemente in Bioshock die ihren Höhepunkt in einem 60 seitigen Monolog des Hauptcharakters endet) nicht aufgefallen das viele Statements von Gido Westerwelle und der FDP wohl mit aus diesem Buch entspringen und aus welchen Ängsten sie rühren (zumindest verstehe ich Gido Westerwelles Paranoidität zum Thema Mindestlöhne nun)

  25. Ich habe keine Angst for Pfeiffer per se, ich habe Angst davor, dass mir irgendwann die Argumente ausgehen, weil selbst rationale Köpfe sich blöden “HurHar BLAM BLAM BLAM” Spielen scheinbar nicht entziehen können. Und ich habe Angst davor, dass ich mir irgendwann eingestehen muss, dass Pfeiffer und Co vielleicht doch nicht SO falsch lagen, wie ich immer dachte.

  26. @Anonymous:
    Da kannst Du mal sehen, wie konsequent ich solche Spiele ignoriere…! ;-)

  27. Und außerdem: PipperLaPupp ob das jetzt in der Narmandie oder Vietnam oder Nord-Korea spielt. Das ist die gleiche Bande. Vom Spiel her gesehen natürlich. :D

  28. würde man die mission mit den schlafenden erschiessen “Besatzung entbehrlich” nennen wenn man keine Kritik daran üben wollte?? offenbar erschrickt der normalzocker doch wenn plötzlich ein teammate drei jungens in den kojen während des schlafes erledigt auch wenn es heisst Besatzung entbehrlich.
    ich war über diese ehrlichkeit der vorgehensweise wirklich überrascht und hatte es nicht in cod erwartet.

    zum spiel selbst kann man nicht mehr viel sagen. es rockt, hat atmosphäre, auch wenn ich mich mit soap nicht wirklich identifizieren kann. die passive fahrt mit dem benz durch die gassen war mal eine zwischensequenz die ich nicht als solche empfunden habe. Es ist eine spannend erzählte Geschichte, hahnebüchend, aber eben trotzdem spannend.
    und mit dem sniperlevel haben se den stalker jungens ja wohl mal gezeigt wie russland aussieht. das es nicht grottig sein würde war ja vorher klar, aber das es so rockt, hät ich nicht geglaubt. demo ist ja draussen, kann also jeder mal selber antesten. (ich hab während der demo mehrfach ungewollt “oh mein gott” vor mich hingebrabbelt, sowas passiert nicht oft)

  29. Tja, wie ich es jetzt schon mehrmals offtopic gepostet hatte ist CoD4 für mich das Spiel des Jahres. Nicht zuletzt weil man schlafende Terroristen erschießt! Und hier ist warum:

    Warum fragwürdig?
    Mir ist die Szene schlecht aufgestoßen und dir offenbar auch. Und ich hoffe anderen ebenfalls. Und darüber hinaus hoffe ich dass das cleveres und bewusstes Design war/ist, dass eben genau diese Reaktion beim Spieler auslösen soll. Das Spiel ist voll mit Szenen die einen ständig denn Sinn/Unsinn von Krieg hinterfragen lassen. Und ich meine wirklich voll mit Szenen dieser Art. Das fängt beim erschießen Schlafender und Betrunkener an,

    *** ACHTUNG SPOILER!!! ***

    geht weiter über die geniale zweite Mission, in der man in der Haut eines Präsidenten steckt der hingerichtet wird. Dann das “sterile” töten vom Bomber aus unter fragwürdigen Kommentaren deiner Kollegen die deine Abschüsse bizzar bewerten. Das “Aftermath Level” in dem man nichts anderes tut als sterben. etc. etc.

    *** SPOILER ENDE!!! ***

    Das Spiel hat mehr intelligente Szenen als Biosock un Co zusammen und ist dabei nur halb so lang. Das Argument, dass nur ein Bruchteil der Spieler die politisch kritischen Kommentare überhaupt als solche verstehen werden lasse ich nicht gelten. Ich weiß der Vergleich hinkt aber wenn man einer weniger geistig beflügelten Person Shakespeare vorlegt wird sie das auch nicht verstehen – mindert das die Qualität des Stücks!? Was wäre die Alternative? Was ist euch lieber? Dass man einen schwarzen Bildschirm einblendet auf dem in weißer Schrift steht »Krieg ist böse!«?
    Das macht das Spiel übrigens auch – jedesmal wenn man stirbt blendet das Spiel einen kriegskritischen Kommentar oder interessante Information ein zB wie viele Millionen nur eine einzige Rakete kostet!

    Ich finde CoD4 ist eines der politischsten Spiele seit langem, wenn nicht das politischste. Das es trotz all seiner für mich offensichtlichen Antikriegshaltung es schafft als absolutes Aktionspektakel zu glänzen zeichnet es erst recht aus, da es im Grunde der Wolf im Schafspelz ist. Und nicht nur das, es ist ein verdammt hübscher Wolf der auch unglaublich atmospherisch inszeniert ist.

  30. ich hab es mir gleich nach Assassins Creed geholt.

    attention spoiler

    es hat mir echt spass gemacht, zumal man schnell drin ist wenn man die ersten teile kennt. ich glaube auch die jungs von infinity haben es selber nicht so ernst genommen.trotzdem ist man doch ein wenig geschockt oder eher überrascht als man nach der atombombe nochmal ein wenig rumlaufen darf….das fand ich persönlich heftiger als die beiden in der koje wegzuballern. es kommt einem irgendwie so echt vor alles. auch wenn nachher der geliebte captain stirbt bleibt doch ein komisches gefühl bestehen…das adrenalinreichste level waren die sniper missions. gerad die szene mit den hunden im dem schwimmbad….uuhhhhh…

    die letzte mission ist der hammer und unterstreicht nochmal die coolheit, und einfach alles nicht so ernst nehmen, der macher. wie zur hölle kamen die da rein……bis zum nächsten mal kumpel

  31. @platinum: Hm, danke für diesen Kommentar! Ich hatte eigtl nicht vor mir CoD4 zu holen, aber nachdem ich das gelesen hab, hab ich mich umentschieden. Scheint ja doch nicht so hirnlos zu sein, wie ich erst angenommen hab.

  32. Und deswegen funktioniert Demokratie nun mal nicht, weil jeder denkt “Man sollte was machen”, aber jeder auch denkt “Am besten machen die anderen mal was!”, denn man selbst will sich ja den Kitzel nicht versagen.

    Nun habe ich die prima Ausrede, dass ich ja Kritiken zu Videospielen schreibe. Irgendwer muss ja auf solche Themen überhaupt mal ansprechen und das machen nicht gerade viele Leute. Wobei du prinzipiell Recht hast. Wer dagegen ist, sollte es nicht kaufen.

    würde man die mission mit den schlafenden erschiessen “Besatzung entbehrlich” nennen wenn man keine Kritik daran üben wollte??

    Und darüber hinaus hoffe ich dass das cleveres und bewusstes Design war/ist, dass eben genau diese Reaktion beim Spieler auslösen soll.

    Ja, würde man. Nein, ich denke das ist es nicht. Ich fürchte sowas entspricht eher der Intention, dem Spieler ein möglichst “badass” und markant-männliches Bild der entsprechenden Militärmachos zu transportieren, als irgendwie Kritik an solchem Vorgehen zu äußern. Ich denke da bin ich im Text auch drauf eingegangen.

    Das macht das Spiel übrigens auch – jedesmal wenn man stirbt blendet das Spiel einen kriegskritischen Kommentar oder interessante Information ein zB wie viele Millionen nur eine einzige Rakete kostet!

    Das habe sie schon immer gemacht. Wobei die Kommentare den Krieg bei weitem nicht alle negativ gegenüberstehen. Mir fallen spontan diverse Sprüche ein, deren Aussagen zum Beispiel ist, dass die Marines die baddesten Badasses in der Geschichte der Badasses sind. OOH-RAH!!

    Selbst wenn es alles Antikriegssprüche wären, so ist diese Art von Vorgehen schon immer eine unglaublich plumpe und pseudointellektuelle Masche gewesen, um irgendwie “tief” zu wirken, ohne dabei eine Eigenleistung zu bringen.

    Call of Duty 4 ist, wie alle anderen Call of Duty-Teile auch, eine ziemlich unreflektierte Heldenverehrung. Es verherrlicht vielleicht nicht den Kritik, aber definitiv den Soldaten(beruf).

  33. Sowas ist aber auch immer sehr sehr relativ. Es gibt sogar Leute, die halten James Ryan oder Black Hawk Down für großartige Antikriegsfilme…

  34. Da Ben es angesprochen hat, kann ich ja jetzt ohne Bedenken dieses wunderbare Soldat James Ryan Video posten:

    http://www.youtube.com/watch?v=CTGrjcgSeAA

  35. @Ben:
    “Black Hawk Down” hab ich nicht gesehen aber “Der Soldat James Ryan« halte ich in der Tat für einen vielleicht nicht großartigen doch aber definitiv sehr guten Antikriegsfilm. Entschuldige aber was ist denn für dich ein “guter” Antikriegsfilm?! Ein staubtrockene Dokumentation? Wohl kaum. Einen guten Antikriegsfilm zeichnet aus, dass er dir zum einen unmissverständlich deutlich macht dass es keine Gewinner und nur Leid gibt. Und dass der vermeindliche feindliche Soldat nur genau das gleiche tut wie der “gute”: in einer völlig bizzaren Situation in die er hineinbefohlen wurde zu überleben. Eine Situation in der es perverserweise interantionale Spielregeln gibt nach denen rechtlich legitim getötet werden darf. Und ein “guter” Antikriegsfilm macht dies auf einer Art und Weise dass auch ein noch so dämlicher Aktionporno-Macho sich den Film gerne ansieht und am Ende einfach nur das Gefühl völliger Unmacht und Mittleid für die Beteiligten verspürt. “Der Soldat James Ryan” hat dies wie ich finde ausgesprochen gut gemacht. Wenngleich er, das räume ich ein, sehr amerikanisch Patriotisch angehaucht war.

    Nein, ich denke das ist es nicht. Ich fürchte sowas entspricht eher der Intention, dem Spieler ein möglichst “badass” und markant-männliches Bild der entsprechenden Militärmachos zu transportieren, als irgendwie Kritik an solchem Vorgehen zu äußern.

    Ich denke du tust Infinion massiv unrecht. Ich gehe sogar so weit zu sagen dass ich der festen Überzeugung bin, dass sie die besagten Szenen explizit so insziniert haben. Das ist auch der Grund warum ich es überhaupt nicht tragisch finde, dass es sich um einen “Schlauchshooter” (Finde das Wort doof, sind Filme “Schlauchgeschichten”?) handelt. Jede einzelene Szene in diesem Spiel ist minutiös insziniert. Warum meint ihr gibt es denn all die “trigger” über die sich alle beschweren? Die gibt es damit Infinion Kontrolle darüber hat wann genau, was passiert. Das Spiel ist so nahe an einem interaktiven Film wie man es sein kann. Es ist super liniear, das stimmt. Aber es ist eben auch für jeden Spieler genau das Spiel und genau das Erlebnis, dass Infinion schaffen wollte. Wenn man das einmal eingesehen hat stören einen die trigger auch nicht mehr, denn man weiß ganz genau das man “belohnt” wird wenn man das Spiel offensiver spielt und die Feinde zurückdrängt statt hinter einer Mauer zu verharren im Versuch jeden einzelnen der unendlich spawnenden Gegner per Headshot zu erledigen. Dieses Spiel ist ein Aktionfilm es will auch so gespielt werden.
    Infinion hat mittlwerweile 4 teile dieser Serie rausgebracht und Szenen wie sie in CoD4 vorkommen gab es bisher in noch keinem anderen Shooter. Ich glaube nicht dass da Zufall am Werk ist. Wie sollte es. Ich meine einer der größten Kritikpunkte ist dass die Gegner in einem Level sogar immer im gleichen Moment aus genau aus den gleichen Türen springen!

  36. Call of Duty 4 ist, wie alle anderen Call of Duty-Teile auch, eine ziemlich unreflektierte Heldenverehrung.

    Ich weiß nicht, ich sehe das eher wie platinum. Es ist sicher nicht The thin red line, aber eine “unreflektierte Heldenverehrung” kann ich auch nicht erkennen. Einen Level wie “Aftermath” entwickelt man nicht, wenn man einfach nur ein “Hurra, Krieg!”-Spiel machen will.
    Und wer die kritischen Elemente nicht sehen kann oder will, spielt es halt als einen gewöhnlichen, ziemlich gut gemachten Shooter.

  37. Nur kurz: Die Jungs heißen Infinity Ward, Infinion ist der Chiphersteller ;)

  38. Das Aftermath-Level scheint einfach nur geil zu sein, ich hätte gerne ein Spiel was dauerhaft so eine negative Grundstimmung hat.

    Davon ab, noch 2 cents zum Soldaten J. Ryan; davon ist doch eigentlich bloß die erste halbe Stunde “gut”, oder? Diese Ryan-Rettungsaktion und das Rumgehampel im Feindesland wegen eines Soldaten, sorry… das ist nicht AntiKrieg.

    MMn sind gute AntiKriegs-Filme das Original “Im Westen nichts Neues” in s/w und Das Boot. Gerade Das Boot kommt auch erfreulich unpatriotisch daher (man denke nur an “A Long Way to Tipperary” und die Kommentare der Crew als sich der System-Treue darüber aufregt).

  39. Das Aftermath-Level scheint einfach nur geil zu sein, ich hätte gerne ein Spiel was dauerhaft so eine negative Grundstimmung hat.

    Auf Dauer wäre mir das zu heftig, der Level hat mir da schon gereicht.

    Und auch auf die Gefahr hin, mich in den Augen einiger möglicherweise völlig zu disqualifizieren: Ich halte “Starship Troopers” für einen der besten Anti-Kriegsfilme.

  40. @platinum:
    Mit James Ryan kann ich persönlich extrem wenig anfangen: Die ersten 20 Minuten sind schonungslos und extrem eindrucksvoll. Und dann macht der Film den Rest seiner Laufzeit nichts anderes, als diese Eindrücke munter zu demontieren und einem extrem unreflektiert wieder Tapferkeit, Patriotismus, Kameradschaft, Heldentum und Opferbereitschaft um die Ohren zu hauen.

  41. @Ranor: Ja, Starship Troopers war gut, hätte man aber noch mehr mit machen können.

    @Ben: Volle Zustimmung.

  42. Nur kurz am Rande zu Ryan. Der ist soweit weg von einem Antikriegsfilm wie es nur irgendwie geht. Die Hauptmessage “No one gets left behind” ist extrem wichtig für die Moral der Truppe und die gute Laune an der Heimatfront. Plus der übliche Aufopferungskram.
    Und wenn du dich erinnerst die Aussage die er am Schluss trifft ist mehr oder minder, dass Herr Hanks den undankbaren Kraut in der Mitte des Films mal lieber abgeknallt hätte anstatt ihn laufen zu lassen. Dann wäre der ihm jetzt nicht blöd gekommen. Soviel zu den Grautönen und der Wahrnehmung von Freund und Feind. Antikriegsfilme wenn es sowas gibt sind da eher schon solche Kaliber wie “Johnny got a Gun” oder “Die Brücke”. Aber klar da rummst es halt nicht so toll. Das Krieg Filmen ohne Action, die dann zwangsläufig auch irgendwie stimulierend ist numal nicht geht wusste auch schon Kubrik. Deshalb hat er den Quatsch auch gleich gelassen und gesagt FMJ ist ein Kriegsfilm. Punkt.

  43. COD4 ist genau das, was ich schon immer auf meinem Fernseher spielen wollte. Mehr Grafik geht momentan einfach nicht. Und Spass machts auch noch! Vor allem im Multiplayer, auch wenns leider keinen Splitscreen Online-Modus gibt. Aber das kann ja noch kommen.

    Achso, Galaxy ist auch Hammer, aber leider nicht in Hd…

  44. Dennoch, ein leicht bitterer Beigeschmack bleibt hängen.

    Meiner Ansicht nach ist der Beigeschmack sehr dominant und schießt über die Grenzen des Tollerierbaren hinaus. Das habe ich auch hier geschrieben:
    CoD4 Bewertung: 1 Punkt von 10
    Von mir aus können in unrealistischen Actionshootern wie z.B. UT3 die Gliedmaßen und Köpfe nur so durch die Gegend fliegen. Wenn ein Spiel aber so real erscheint wie in CoD4, ist Vorsicht angebracht. Dass hier das Töten von wehrlosen Zivilisten zum Teil noch mit humorigen Sprüchen über Funk honoriert wird, geht absolut nicht in Ordnung. Da kann man nur hoffen, dass die hoffentlich immer über 18jährigen Käufer das auch alles einzuordnen wissen.

    Ich habe da so meine Zweifel.

  45. Mongolei? Altai Gebirge? Faible für Dinos?
    Was machst du, wenn du nicht gerade zockst?

  46. Ich bin ein internationaler Spion. Immer wenn ein Erzbösewicht die Welt mit genetisch modifizierten Dinosauriern erobern will, ruft die Regierung mich an.

  47. Ahja, spion 0815 also.
    Ich dachte zwar mehr an eine mehr geologisch-paläontologische Beschäftigung – aber man kann sich ja auch mal irren.
    Zumindest kommt man so auch man nach Innerasien, wo der Normal-TUI-Bucher nicht hinkommt.

  48. Habe schon vermutet, dass du so was vermutet hast. Stimmt aber nicht. Beruf ist zwar korrekt, Fachrichtung aber völlig daneben. Es hätte mich schon gereizt, aber ich habe mal auf einer archäologischen Ausgrabung gearbeitet und dabei schnell festgestellt, dass ich einen Beruf mit Dach und Heizung vorziehe.

  49. Man wird sich ja mal irren dürfen. Und nicht immer von einem selber auf andere schließen. Mein Fehler.
    Das Spiel selber – um auch mal was dazu zu sagen – hat zwar eini8ges an Atmosphäre, aber der “Realismus”grad ist mir ab und an etwas zuwieder. Es ist ein Unterschied für mich, ob ich wie bei Frac Cry oder Crysis rumrenne und Mutanten bzw. Aliens in tropischem Ambiente umniete und das Südsee-Flair genießen kann, oder mit Nachtsichtgerät aus nem Flugzeug Dörfer umgrabe und sehe wie nur noch Pixelfetzen von den vermeintlichen Gegnern übrigbleiben. Da hab ich immer die bösen Erinnerungen an die Realaufnahmen aus dem Irak, wo Leute in Grün-Schwarz Bildern perforiert werden. Jeder, wie ers mag. Ich bevorzuge Spiele, die zwar auch gut aussehen aber wo der Spielspass eben doch keine 100% realistischen Szenarien verlangt.
    Ach ja – und es fehlen Dinosaurier ;)
    Dann lieber Paraworld

  50. Na ja, es gibt in dem Spiel sogar einen Level (den mit den AC-130 Gunship) der genau solchen Bildern nachempfunden wurde. Das hinterlässt schon einen recht bitteren Nachgeschmack.