Bleibt alles anders

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich vor ein paar Monaten nach England gezogen. Ich hatte nicht damit gerechnet, wie sich mein Leben auf einmal verändern würde; auf einmal vermisste ich “typisch deutsche” Dinge, denen ich in meiner Heimat kaum Beachtung geschenkt hatte, regte mich furchtbar über englische Angewohnheiten auf, die ich vorher so nicht kannte, und war generell ziemlich verzweifelt. Was sollte das alles? Und wo würde es mit mir hin gehen?

Das ist ein wenig so wie in Burnout Paradise. Man kennt das, was man da spielt, aber irgendwie ist es doch neu. und anders. Und irgendwie komisch. Auf einige liebgewonnene Dinge muss man komplett verzichten, dafür gibt es hier und da Neues, das es wieder rettet.

Da wäre zum Beispiel der lokale Multiplayer-Modus, der für diesen neusten Teil der Serie komplett rausrationalisiert wurde. Meiner Freundin wird das nicht gefallen, war Burnout doch immer eines der wenigen Spiele, die ihr nicht nur Spaß gemacht haben, sondern in denen sie eine reelle Chance hatte, mir eins auszuwischen.

Auf die Crash-Events der Vorgänger hingegen kann ich gerne verzichten. Ich fand die nie besonders unterhaltsam — den doofen Party-Modus haben wir nie auch nur ausprobiert. Ersetzt wurde dieser leider mit dem noch viel schlimmeren Showtime-Modus, der so dermaßen doof ist, dass man ihn nur als Last-Minute-Entwicklung, Marke “hilfe! Wir brauchen noch was mit ordentlich Kawumms! Du da, programmier mal was!” zu werten ist. Wer die durch den Spieler ausgelösten Explosionen der Vorgänger schon albern fand, wird sich bei Showtime nur noch verwirrt am Kopf kratzen. Das ist weder unterhaltsam, noch lustig, noch spannend, noch irgendwie herausfordernd. Liebes EA! Weg mit der Scheiße! Danke!

Das Wenige an Struktur, das die Vorgängertitel boten, ist in Paradise der offenen Welt zum Opfer gefallen. Statt einer vorgegebenen Liste auswählbarer Rennen und Events kann der Spieler nun an jeder Kreuzung (es gibt 120) ein Event starten, von denen sich viele nur in Details (wie z.B. der Startposition eines Rennens) unterscheiden. Finde ich aber nicht so wild, da die Event-Auswahl bei den Vorgängern auch nur eine Entschuldigung dafür war, den Spieler ein paar Mal hintereinander den A-Button drücken zu lassen.

Jetzt sagt ihr sicher: der Hendrik, der schimpft ja nur! Ist Burnout Paradise totaler Dreck, oder Hendrik lediglich besoffen?

Keine Sorge! Es gibt auch Positives zu berichten. Und zwar besagte offene Spielwelt. Ja, die rockt. Sie ist zufriedenstellend groß, bietet eine schöne Zahl an unterschiedlichen Lokalitäten (alle typischen Rennspiel-Szenarien scheinen vertreten zu sein), und ist voller großartiger Spielereien, die es zu entdecken gilt — von Sprungrampen bis hin zu kompletten versteckten Renntracks, die nicht auf der Karte verzeichnet sind. Nur Kühe habe ich keine gesehen. Schade.

Dass man nun auch “einfach mal so” ein wenig durch die Gegend rasen kann, ist ein riesiger Pluspunkt, denn mal ehrlich, es ist Burnout, und was will man in Burnout am liebsten tun? Richtig, automobilgestützte Schmerzen und Leid auf die Umgebung niederprasseln lassen. Dafür braucht man weder Crash-Events noch Rennen! Als Belohnung wartet Bling in Form von durchrasten Absperrungen und zerstörten Burnout-Postern. Keine Ahnung, ob es dafür am Ende eine echte Belohnung jenseits eines Achievements gibt, aber hey! Man darf Kram zerstören, das reicht mir.

Und am allerbesten rast es sich “einfach mal so” online mit den Freunden. Das ist überhaupt das Super-Feature von Burnout Paradise: nicht nur ist der Online-Modus hier so genial nahtlos in das Spiel integriert wie nie zuvor, nein, er macht auch noch irren Spaß! Ob die Spieler einfach nur wild in der Gegend herum fahren, sich Rennen liefern oder durch den Spiel-Leiter initiierte Challenges zu gewinnen versuchen, es gibt immer was zu tun, und es macht immer Spaß. Da vergibt man auch die völlig fehlgeleitete Takedown-Mugshot-Idee, die heute schon für Penisbilder missbraucht wird und daher sicherlich sehr schnell wieder aus dem Spiel herausgepatcht wird.

Es ist kein Paradies, dieses Paradise City, aber wenn man seinen Frieden mit dem Abhandensein gewisser Lieblingsmodi geschlossen und sich an den dauerquasselnden, superdupernervtötenden DJ Atomica gewöhnt hat, dann hat es einiges zu bieten, oh ja.

Genau wie England. (Und hier ist sogar das Bier scheiße.)

Verwandte Artikel

30 Kommentare

  1. Hendrik schreibt:

    Da habt ihr euren Artikel, ihr Junkies!

  2. Rainer schreibt:

    Was vermisst du denn an Deutschland? Und welche Englische Angewohnheiten gefallen dir nicht? Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehn ;)
    Ich überlege auch nach GB auszuwandern - daher fände ichs ganz interessant.

  3. Henny schreibt:

    Danke!
    Endlich ein neuer Beitrag auf Antigames.
    Und dann noch über Burnout!
    Lokaler Multiplayer fehlt? Das ist nicht schön!Den Crash-Modus können die EA-Jungs behalten, da geb ich dir Recht. Was mich aber noch interessiert, ist folgendes: Wie ist der Soundtrack?
    Der von Burnout 3 war grandios, liegt immer noch im Wechsler. Der vom 4.Teil war nicht mehr so schön, waren auch gute Tracks bei, aber nicht ganz das Wahre.
    Oder was sagst du?

  4. padington schreibt:

    Wieso ist in england das Bier scheisse? Die verkaufen doch auch irisches Bier…

  5. Ranor schreibt:

    Ach ja, Burnout. Ich bin mit der Reihe nie so richtig warm geworden, irgendwie war mir das immer alles zu viel… na ja, Burnout.

    Da spiel ich doch wirklich lieber Need For Speed *wegduck*

  6. platinum schreibt:

    Ich dachte da trinkt man Cider?
    Als Frankfurter kann ich das nur gut heißen!

  7. TwenFM schreibt:

    ich bin zum burnout paradise spielen am donnerstag eingeladen. freu mich schon drauf!
    ach ja, und am mittwoch kommt endlich REZ HD in der xbox arcade raus. hurra!!!

  8. Hendrik schreibt:

    @Rainer: an anderer Stelle habe ich schon eine Liste angefangen und werde sicherlich noch ab und an Updates posten. Alles in allem kann ich zu dem Umzug sagen, dass ich ihn auf keinen Fall bereut habe — vieles ist hier anders, einiges davon extrem gewöhnungsbedürftig, aber einiges auch sehr geil. Es ist vielmehr das Abhandensein meiner München-Kuschel-Comfort-Zone, das mir ab und an zu schaffen macht. Aber ich merke, wie ich mich auch daran langsam gewöhne.

    @Henny: mein Hirn hat die Burnout-Soundtracks nie als mehr als nur Hintergrundrauschen empfangen, insofern kann ich dazu leider nicht viel sagen. Außer “uninspiriert wie immer”? Ich wünschte, ich könnte ihn ab- oder zumindest leiser schalten, aber ich habe im Spiel noch kein Einstellungsmenü gefunden (ein Minuspunkt, der vielleicht erwähnt werden sollte. Man kann AFAIK nicht mal den aktuell spielenden Song abwürgen und zum nächsten wechseln. Buh.)

    @padington: das ist irgendwie alles nix. Ich bin ja nun auch kein großer Biertrinker, aber mit dem Zeugs aus München hatte ich mich irgendwann anfreunden können. Das hat, im Gegensatz zu dem meisten Zeugs, das es hier gibt, noch halbwegs frisch und lecker geschmeckt. Hier gibt es dann so absurde Kreationen wie Bier mit Kaffee (ohne Scheiß!), und die Engländer bilden sich was darauf ein. Hilfe.

    @platinum: Cider rockt, aber irgendwann kann man es nicht mehr sehen. Auch gut: Perry aka Pear Cider, aus Birnen halt. Unglaublich lecker, aber leider auch wahnsinnig süß. Eine weitere Alkoholenttäuschung hier sind übrigens die Cocktails. Weder in Brighton (wo ich wohne) noch in London (wo ich regelmäßig aufschlage) habe ich bisher auch nur eine brauchbare Cocktail-Bar gefunden. Caipi mit Zuckersyrup statt tatsächilchem Zucker? Wäääääh.

    @Ranor: es sind komplett unterschiedliche Spiele. In Burnout geht es primär um Crashes bzw. wie man sie verhindert, während NFS eigentlich noch viel eher dem herkömmlichen Rennspielkonzept ähnelt. Ich bin übrigens einer der wenigen Leute, die das vorvorletzte NFS — wie hieß es noch? Das vor Carbon — richtig geil finden. Ich schäme mich auch kaum dafür. (Aber bitte sagt es nicht Richard weiter.)

  9. Haf schreibt:

    Das mit dem Kulturschock kenn ich von meinem Umzug nach Japan. Wieder zurück möchte ich trotz hier fehlender, bzw. überteuerter Gummibärchen nicht, muss es aber leider trotzdem bald. :( Naja, alle Dinge gehen mal vorbei, die guten wie die schlechten.
    Gruss aus Japan,
    der Haf :)

  10. Hendrik schreibt:

    Wieso bist du denn nach Japan (wenn ich fragen darf), und wieso musst du jetzt wieder zurück?

  11. stefanx schreibt:

    keine kühe? und dinosaurier?

  12. Hendrik schreibt:

    Bisher auch keine Dinosaurier.

    In einem der ersten Test Drives gab es am Straßenrand eine Kuh. Wenn man in die reingefahren ist, hat sie “Muh!” gemacht. Das hat mich damals sehr geprägt.

  13. Florian schreibt:

    Und ich hab heute überlegt ob ich Antigames aus meiner Lesezeichensymbolleiste (danke Mozilla für dieses Wort) rausschmeisse.

  14. Hendrik schreibt:

    Na, da haben wir ja gerade nochmal Glück gehabt!

  15. Ranor schreibt:

    @ Hendrik

    Das Spiel heißt Most Wanted und ist meiner Meinung nach der beste Teil seit diesem ganzen Underground-Zeug.
    Und keine Angst, Richard erfährt nix.

  16. padington schreibt:

    Zum Thema Bier:
    In England haben sie ja diese “Real Ale” Bewegung die sich dafür einsätzt Bier von damals so wie damals zu zapfen. Heisst: Anstatt Kohlensäure manuelle Handpumpe am Zapfhahn.

    Ich konnte nicht wiederstehen und musste eins bestellen. Soll ich euch was sagen? Es schmeckt wie es sich anhört. Scheusslich.

    Zum Thema Need For Speed:
    Kann man das proStreet auf der Wii spielen? Also ohne schmerzen meine ich. Ich mag Rennspiele auf der Wii. Oder sagen wir besser ich mag Excite Truck und hätte gerne noch ein anderes gutes Rennspiel.

  17. Starkiller schreibt:

    @Hendrik:
    Eine Frage hätte ich noch, schreibst du eigentlich noch wo anders über Games, vielleicht sogar auf englisch? Mir fehlen die regelmäßigen Antigames-Artikel.

  18. Hendrik schreibt:

    @Starkiller: ne, Spiele sind aktuell wirklich kein besonders großes Thema bei mir (siehe auch mein letzter Kommentar im 2008-Notizen-Thread). Sorry. Ich habe hier noch mein englischsprachiges (Haupt-)Weblog, aber so viel schreibe ich dort auch nicht, erst recht nicht über Spiele.

  19. laZee schreibt:

    Ist der abhandengekommene lokale Multiplayermodus nicht zu verschmerzen wenn der Onlinemodus so gut gelungen ist? Oder kostet online was?

  20. Hendrik schreibt:

    Nein, er kostet nichts. Aber der lokale Multiplayermodus hat halt Spaß gemacht, wenn man mal Leute zu Besuch hatte. Ich denke da vor allem an Road Rage.

  21. der_werwolf schreibt:

    Also ich konnte mich mit Paradise nicht anfreunden.

    Zu breit die Straßen, zu beliebig die Autos, zu nichtvorhanden alles was irgendwie mit Physik zu tun hat und zu sinnfreies crashen (auch wenn das Schadensmodell grandios ist). In Flatout UC crashe ich um Boost zu bekommen der Rennentscheidend sein kann, aber jedes Crashen ist automatisch auch immer ein Risiko langsamer zu werden oder Unfälle zu bauen oder die Kontrolle über den Wagen zu verlieren… das nenne ich Spieldesign.

    Burnout Paradise ist Wipeout+Prolokarren-Zukunft: Massentauglich aber leider nicht motivierend.

    Und warum zur Hölle, außer zum Online Cruisen brauche ich eine freie Stadt?
    Was hätte man grafisch mit einem Levelschlauch anstellen können, bei der Engine. Hach, vertane Chance.

    Achja… in “Cruis`n Usa” (Spielhallenversion) gabs n Hirsch der beim Reinfahren auseinandergeplatzt ist… das hat mich geprägt ;-)

  22. Hendrik schreibt:

    Was stimmt nicht mit dir?!

  23. Barbecue schreibt:

    puuh, wollt auch schon löschen :D

  24. Tellurian schreibt:

    Still und heimlich warte ich ja immernoch darauf, dass hier mal irgendwer Offroad Velociraptor Safari erwähnt, da dieses Spiel offenbar für dieses Blog hier wie geschaffen erscheint, aber wer weiß, vielleicht ist’s einfach zu schlecht… oô
    Obwohl massig Dinosaurier drin vorkommen…

  25. Richard schreibt:

    Ich arbeite an einem Velociraptor Safair/Turok Demo-Doppelfeature!

  26. Martin schreibt:

    und welche Englische Angewohnheiten gefallen dir nicht?

    My guess:
    -falsche Straßenseite
    -Mutantenfrauen mit blaugefrorenen Hühnerbeinen
    -dieses Inzesten-Stadl pferdegesichtiger Blaubrüter, genannt “Die Räuels”
    -fades Bier
    -komische Währung

    1 Jahr London… schön wars, aber noch schöner wieder nach Hause zu dürfen.
    :o)

    Maddin

  27. utzelgrutzel schreibt:

    Ich glaube hier könnte das jemanden interessieren ;)

    Best game ever!

    Raptoren!

  28. Barbecue schreibt:

    Raptoren omfgwtfbbq! Irgendwie lustig das Teil!

    Bin jetzt übrigens auch Blogger *hust* .. siehe meine Url im Nicknamen :) Und ich hab als aktuellsten Post einen Dino! Einen Dino!! :D

  29. Cody schreibt:

    die musik is voll geil,jede Menge Tracks aus Burnout 3&4 drin natürlich kann man im zugegeben etwas versteckten Menue die Lautstärke ändern und SELBSTVERSTÄNDLICH lassen sich die Songs jederzeit abbrechen/durchklicken-einfach mit der rechten Schultertaste. :)

  30. Max schreibt:

    An und für sich find ich die Burnout-Reihe klasse, doch muss ich leider sagen das mich das “Neue” Bournout nicht wirklich begeistert. Z. b. die Events an den Kreuzungen kannte ich so ähnlich schon aus Need for Speed…ich behaupte ma das hat EA wohl was übernommen!!