Der Gottkaiser des Universums trägt eine Digitaluhr

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Ich gestehe, ich habe nie ein Perry Rhodan Heft gelesen. Als ordentlicher Nerd bin ich der Science Fiction durchaus zugeneigt, aber in der Hinsicht bin ich einfach immer ein Snob gewesen. Es fällt mir einfach schwer zu glauben, dass eine im wöchentlichen Rhythmus erscheinende Serie wirklich meinen Qualitätsansprüchen genügt.

Außerdem mag ich Dinge mit einem Anfang und einem Ende. Wenn ein Videospiel als „erster Teil einer epischen Trilogie“ angekündigt wird, sinkt spontan mein Interesse. Ist es echt so schwierig eine Geschichte zu schreiben, die ein vernünftiges Ende hat? Besonders übel wird es immer dann, wenn das ca. 20 Stunden lange Spiel ungefähr 30 Minuten Geschichte enthält und dann mitten im ersten Akt mit einem schlimmen Cliffhanger aufhört.

“Danke fürs Spielen! Wenn sie wissen wollen wie die Geschichte ausgeht, kaufen Sie sich in drei Jahren den Nachfolger!” (Der natürlich nie erscheinen wird, weil Teil 1 nicht erfolgreich genug war.) Na vielen Dank.

In diesem Sinne fällt es mir etwas schwer in eine Serie einzusteigen, die seit 1961 jede Woche fortgeführt wurde und wohl nie ein richtiges Ende finden wird.

Dennoch, als ich eben bei Saturn am Adventure-Regal stand und mir überlegte, ob ich mir Experience 112 oder Perry Rhodan mitnehmen soll, habe ich mich für Perry Rhodan entschieden. Zugegeben, das liegt primär daran dass Experience 112 nicht im französischen Original auf der DVD ist und ich eigentlich gerade mein Französisch aufmöbeln möchte. Gleichzeitig haben mich allerdings auch die Screenshots von Perry gereizt, die das Spiel wirklich schick aussehen lassen.

Während der Installation habe ich dann mal durchs Handbuch geblättert, in der Hoffnung eine Einführung in die Welt zu bekommen. Glücklicherweise gibt es die wirklich. So wurde mir zum Beispiel mitgeteilt, dass Perry Rhodan ein „terranischer Resident“ ist. Daraus schloss ich mal flott, dass er halt auf der Erde wohnt.

Nix da. Er ist nicht ein terranischer Resident, er ist der Terranische Resident, was anscheinend das gleiche ist wie President des bekannten Universums. Oh, und er ist unsterblich! Wollen wir wetten, dass er auch wahnsinnig gut aussieht und eine Wucht im Bett ist?

Jedenfalls klingt das mal wie eine interessante Ausgangslage. Die Unsterblichkeit ist zwar aus storytechnischen Gründen etwas fragwürdig, schließlich ist es als Unsterblicher etwas schwierig in Lebensgefahr zu geraten, aber das passt an sich ganz gut zur alten LucasArts-Konvention des, nun ja, unsterblichen Protagonisten. Vor allem hat ein König des Universums aber allemal mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, als ein Möchtegernpirat mit ohne Tee und ein paar Flusen in der Tasche.

Außer natürlich, man ist gar nicht der Premierminister der Galaxis! Ich zitiere das Handbuch:

Aber in diesem Adventure Game muss Perry ohne seine All-Macht und seine mächtigen Verbündeten auskommen, nur ausgestattet mit seinem trockenen Humor und einem Multifunktionsarmband.

Okay, jetzt habe ich Angst. Erstens, wenn ich nicht der Fürst dieser Dimension sein darf, warum erzählt ihr mir dann erst, dass ich es eigentlich bin? Zweitens scheint das Spiel anscheinend wert darauf zu legen dass es witzig ist, und wie „lustig“ das durchschnittliche deutsche Computerspiel ist, durften wir schon viel zu häufig unter bitteren Schmerzen am eigenen Leib erfahren. Drittens: Perry trägt anscheinend eine Digitaluhr und es ist den Autoren wichtig, darauf hinzudeuten. Daraus muss ich wiederum schließen, dass die Serie wohl auch heute noch immer von den gleichen Autoren verfasst wird wie 1961.

Mal schauen, wie es wird. Wünscht mir Glück…

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28 Kommentare

  1. Marc schreibt:

    Das Spiel ist schon typisch deutsch und stark vom Geist des Futurismus der 60er und 70er geprägt. Was sich IMO aber positiv auswirkt, da das Universum dadurch schön eigenständig wirkt und durchaus einer erkennbaren inneren Logik folgt. Ich find’s sympathisch genug und würde mir vermutlich sogar noch ein ‘Raumpatrouille’ Spiel ins Regal stellen, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte.

  2. cyian schreibt:

    Habe auch mal versucht in den Rhodan-Kosmos “einzulesen”
    war nicht von Erfolg gekrönt.
    Würde mich mal interessieren was Richard so an SF liest.

  3. Ben schreibt:

    War da nicht mal was von wegen “Ape-descended life forms that are so amazingly primitive that they still think digital watches are a pretty neat idea.”?

    Rhodan hat mich bisher zwar nichtmal ansatzweise interessiert, aber ich sehne mich momentan doch sehr nach einem gescheiten Sci-Fi irgendwas, so richtig mit Raumschiffen, BÄM und Zong! Nichtmal brauchbare Filme gibts zur Zeit, also gib mal bescheid ob das Spiel trotz Digitaluhren was taugt. ;)

  4. Richard schreibt:

    Mass Effect dürfte diese Anforderungen ganz gut erfüllen. Bericht über Perry Rhodan folgt nach dem Wochenende. Fängt aber ganz solide an.

  5. Holzauge schreibt:

    Ich hab diesen Dezember etwas geschafft, was mich irgendwie ein bisschen stolz macht, ich habe nach 10 Jahren aufgehört Perry Rhodan zu lesen. Stolz deshalb, weil es meine wöchentliche Trashration war und ich nicht ganz wusste, wie ich dieses Loch füllen sollte. Stargate tut es perfekt und da kann ich, wenn ich geschickt bin 4 Folgen hintereinander sehen.
    Aber PR ist lustig. Lustig wenn man mit dem Bus zur Schule fährt, lustig wenn man nicht lernen will und lustig wenn man beim Bundesheer sitzt und nicht weiß was man mit der Zeit anfängt.
    Leider hat die Qualität der Hefte immer stärker und schneller abgenommen. Das fängt damit an, dass man seit Band 2000 mindestens einmal pro 100 Hefte erobert wird und hört damit auf, dass man die Wissenschaftsseiten nur noch alle 8 statt 4 Wochen bringt.
    Spiel das Spiel, kauf dir vielleicht noch das 10 Jahre alte Strategiespiel Operation Eastside, dass war nicht schlecht, kauf dir die alten Silberbände wenn dich die Geschichte interessiert, aber bitte bitte kauf dir niemals ein PR Heft. Du wirst bitter enttäuscht sein.

  6. Richard schreibt:

    Was in aller Welt sind die Wissenschaftsseiten?

  7. shadaik schreibt:

    “Es fällt mir einfach schwer zu glauben, dass eine im wöchentlichen Rhythmus erscheinende Serie wirklich meinen [literarischen] Qualitätsansprüchen genügt.”
    Richard, du bist ZOCKER! ^^

    Anyways, ich denke ein Problem der PR Serie ist halt die ganze Vorgeschichte - zweitausendschlagmichtot Bände an Hintergrundgeschichte mal eben so in eine Spielanleitung und vielleicht noch ein Intro einzubringen sind keine gute Idee und PR selber (der übrigens nur relativ unsterblich ist, tödliche Verletzungen können ihn umbringen - 100 Nerdpunkte für mich) als Figur zu nehmen ist eher ungut, weil er schon in sich selber zuviel Hintergrundgeschichte vereint und er zu tief im politischen Geflecht der Milchstraße sitzt.

  8. Ranor schreibt:

    Was in aller Welt sind die Wissenschaftsseiten?

    Ich glaube, in den PR-Heften sind ab und an einige Artikel drin, welche die wissenschaftlichen Hintergründe des PR-Universums beleuchten.

  9. Holzauge schreibt:

    Nein. Die Wissenschaftsseiten beleuchten die aktuelle Enwicklung aus Astronomie, Physik, Bionik usw. Es ist der reale Kern von SciFi. Und vorallem auf einem Niveau zwischen P.M. und Spektrum der Wissenschaft, also relativ lesbar. Leider fanden die wohl keinen richtigen Anklang mehr, obwohl sie selbst einen Technikdummie wie mich begeistert haben.

  10. Ranor schreibt:

    Oder so. Ist schon verdammt lange her, dass ich mal einen Blick in die Rhodan-Hefte geworfen hatte.

  11. Barbecue schreibt:

    …ich hab ein Buch von PR gelesen, bin gespannt, wie das Spiel ist.

  12. Marc schreibt:

    Was wirklich nervt, ist daß die Handlung im Spiel gelegentlich nur dadurch vom Spieler weitergetrieben werden kann, indem man bereits besuchte Orte ohne triftigen Grund wiederbesucht. Darauf folgt dann eine geskriptete Sequenz. Das gab’s zwar schon in den LucasArts Titeln, wirkt sich hier aber als viel mehr störend aus, da der Spielfluss einen nicht automatisch an diese Orte hinlenkt. Da hilft nur stupides Ausprobieren.

  13. suicide schreibt:

    Oh ja. Schreib mal drüber wie es dir unter dem Strich gefallen hat, da ich auch mit dem Gedanken spiele mir den Perry ins Haus zu holen.

    Und: Viel Glück.

  14. Darth_Mueller schreibt:

    PR ist nicht unsterblich sondern relativ unsterblich, er ist im Besitz eines Zellaktivators der ihn 30 Jahre alt sein lässt und ihm eine gewisse Giftresistenz und Krankheitsimmunität gibt.
    Gewaltsam kann er aber wie jeder andere ums Leben kommen
    Weitere Ausführungen spare ich mir weil es eh keinen interessiert.
    interessant ist alelrdings die Perrypedia, da kann man alles eigentlich recht gut nachlesen:
    www.perrypedia.proc.org

  15. florian schreibt:

    Ich hab hier noch das alte PR-Spel rumstehen: PR - Die verbotene Stadt. Das hatte eine Spieldauer von einer guten Stunde, wenn ich mich recht erinnere.
    Und der häufigst gesprochene Satz war: “Mein Name ist Perry Rhodan”.

  16. Last schreibt:

    Richard,

    Perry hat die theoretische Unsterblichkeit. Er kann sterben durch Krankheit, Gewalt ect. aber die Zellalterung ist gestoppt. Und auch das nur wenn er alle 60 Jahre eine Zelldusche auf dem Planeten Wanderer erhält… Aber egal. Lass die Hefte links liegen und hole Dir die Hörbücher von “Ein A Medien”. Ungekürzte szenische Lesung mit einem hervorragenden Sprecher und die erste Folge “silber Edition 1 - Die dritte Macht” mit 12 Audio CDs (!) bekommst Du bei ebay schon für 5-10 Euro.

  17. Haf schreibt:

    Ich kann zum einlesen nur die wsilberbänder empfehlen, hab mir den ersten mal aus spaß gekauft und mittlerweile fast alle durch, allein in einem Jahr hab ich 60 der bücher verschlungen! Die Serie ist vom ersten Buch an spannend geschrieben und langweilig wird’s selten, immer kommen neue aufregende Sachen, einfach klasse.
    Außerdem hatte die Serie schon lange vor Star Trek Teleporter, soweit ich weiss. :) Und schon lange vor Star Wars kugelförmige Riesenraumschiffe.

  18. Jan schreibt:

    Das beste an den Büchern und Heften sind, meiner Meinung nach, die Titelbilder. Da kommt noch das 60er-70er Jahre Feeling rüber.
    Alles andere ist doch sehr geschmackssache, eben weil die Serie auf endlos angelegt ist undd amit ein roter Faden nicht vorhanden ist. Abgesehen ist sie technisch doch zu strange - also für mich.
    Kennt eigentlich jemand den 60er Jahre Film?

  19. Aulbath schreibt:

    Wie schlimm ist denn nun das Spiel?

  20. Sejason schreibt:

    Wenn man sich einlesen will in das PR-Universum, empfiehlt es sich, zum Anfang eines “Zyklus” einzusteigen. Die ganze Story ist in Zyklen eingeteilt und die sind Storytechnisch “fast” voneinander unabhängig (so gut das in einer unendlichen Geschichte eben geht). Sind dann halt bei den Silberbänden so etwa 10 Bücher bis zum Zyklusende - zumindest bei den ersten Zyklen war das so …

  21. Vincent-VEC schreibt:

    Bericht über Perry Rhodan folgt nach dem Wochenende.

    Welches Wochenende meinst Du? Das nach dem Bioshock-Bericht? *g*

  22. Kreon schreibt:

    Welches Wochenende meinst Du? Das nach dem Bioshock-Bericht? *g*

    nein, bestimmt nicht, is doch erst 4 Tage überfällig mit dem Bericht, wie kannst du da schon von einem Wochenende nach dem Bioshock-Beitrag reden? *g*
    Zumal wir doch alle wissen das der Bericht zu Bioshock erst rauskommt wenn das total geile 15th year Compilation “Bioshock VII - Atlas Children” rausgekommen ist, das ursprünglich für Nintendos “MANy 64000″ erscheinen sollte aber weil der Platz von den Crystal-Rays nicht ausgereicht hat dann doch auf Sonys Playstation 7 erschienen ist.

  23. Vincent-VEC schreibt:

    Ach, ich glaube, Cristal-Ray ist bis dahin längst überholt…

  24. gokzilla schreibt:

    Mann was ist denn das hier für ne beschissene Seite ?
    Ich habe selten so einen schlechten Layout wie euren gesehen.
    Ihr lebt hier wohl nur durch die Kommentare

  25. Ranor schreibt:

    Fast so schlimm wie das neue auf gamestar.de…

  26. Aulbath schreibt:

    Look out, it’s Captain Obvious!

  27. Söhren schreibt:

    …ich hab auch nur ein Buch von Perry Rhodan gelesen, bin schon sehr gespannt, wie das Spiel ist.

  28. fuzzy schreibt:

    @Artikelersteller:
    Also ich denke mal, wer nicht mindestens 500 zusammenhängende Heftromane von PR gelesen hat, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Negativkritik quasi ein Inbegriff an Oberflächlichkeit ist.

    PR beschreibt seit den frühen 60er Jahren eine fiktionale Zukunft der Menschheit über mehr als 2000 Jahre in einer zusammenhängenden Handlung.
    Das ganze in einem Detailreichtum, der seinesgleichen sucht.
    Daneben gibt es Ablegerserien, Taschenbücher usw., die sich ebenfalls in den PR-Kontext einbetten.

    Wer da meint, er liest mal eine halbseitige Heftzusammenfassung, sie dann nicht kapiert, weil ihm jeder Hintergrund fehlt, aber meint er könnse sich dann pseudointellektuell über die gesamte Serie lustig machen, der gibt wirklich temporalen Schwachsinn von sich.