Angriff der Mausbiber

Ich glaube Perry Rhodan ist schrecklich schlecht. Ich habe mich mal auf der offiziellen Homepage umgeschaut und die Beschreibung des aktuellen Heftes liest sich so:
Die Terminale Kolonne TRAITOR hat die Milchstraße besetzt und alle bewohnten Planeten unter ihre Kontrolle gebracht. Die gigantische Raumflotte steht im Dienst der sogenannten Chaotarchen. Der Kampf gegen TRAITOR wird an vielen Fronten und von vielen Lebewesen geführt: So sucht Perry Rhodan in fernster Vergangenheit nach dem Geheimnis der »Retroversion«. Sein Weg führt ihn im Kielwasser der Superintelligenz ARCHETIM bis in die Galaxis Tare-Scharm. Dort verschlägt es ihn auf den Planeten Ata Thageno, allein unter Fremden und Dienern der Chaotarchen - und zudem naht DAS TERMINALE BEBEN …
Thaotarchen? Retroversion? Sorry, aber das klingt für mich weniger nach dem terminalen Beben, sondern eher nach terminalem Schwachsinn.
Aber: Das Perry Rhodan Adventure ist echt nicht schlecht. Das liegt zunächst mal daran, dass es echt schick aussieht. Es haut mich nicht total um, aber es ist wesentlich besser als die meist hastig hingerenderte Durschnittsware die man von dem Genres sonst gewohnt ist. Es kommt fast so was wie Atmosphäre auf.
Perry Rhodan hat insgesamt einen schrulligen Stil. Es ist schon etwas seltsam, den Ausblick auf eine epische Science-Fiction-Landschaft zu genießen und im gleichen Atemzug festzustellen, dass der Außenminister der terranischen Liga ein ca. 1 Meter großer Mausbiber(!) namens „Gucky“(!!) ist.
Nein, das denke ich mir nicht aus. Ich zitiere:
Charakteristisch ist der große, einzelne Nagezahn, den Gucky vor allem dann in voller Größe blitzen lässt, wenn er gut gelaunt ist. Der meist zu Späßen aufgelegte Gucky ist tatsächlich der letzte der Mausbiber, wenngleich es immer wieder Gerüchte über einen Planeten der letzten Mausbiber gibt.
Insgesamt hat das ganze Spiel einen recht spezifisch deutschen Charme. Keine Angst, es versucht nicht lustig zu sein. Den im Handbuch angedrohten „trockenen Humor“ haben sie wohl während der Beta aus dem Spiel entfernt. Gute Entscheidung. Vielleicht sind deutsche Sci-Fi-Autoren auch so humorlos, dass ihnen nicht mal schlechte Witze eingefallen sind. Was auch immer der Grund für den Mangel an schlechten Scherzen ist, ich bin dankbar. Die Dialoge sind manchmal etwas steif, aber nie peinlich. Ich bin allerdings etwas überrascht, dass eine dahergelaufene Palastwache den Mumm hat, Perry Rhodan (zur Erinnerung: er ist der unsterbliche Herrscher der Welt) nicht nur in seinem Kinderzimmer einzusperren sondern ihn dann auch noch zu Duzen, wenn der mal kurz anfragt, was das denn bitte soll.
Ja, das Spiel fängt damit an, dass der Spacebundeskanzler von seinem Personenschutz in seinem Zimmer eingeschlossen wird, weil sein bester Freund der Meinung war, man müsse ihn vor den bösen Aliens schützen. Wohl gemerkt, es handelt sich hier um Aliens die eben noch das schwebende Spacebundeskanzleramt, in dem sich eben dieses Zimmer befindet, erfolgreich angegriffen und schwer beschädigt haben. Meiner persönlichen Einschätzung nach ist das zu diesem Zeitpunkt in etwa der unsicherste Raum der Galaxis.
Was ein Glück, dass Perry einen singenden Kristall und ein halbes Spielzeugraumschiff in der Tasche hatte. Sonst wäre er da nie raus gekommen!
Kurz: Erwartet keinen sinnvollen Plot. Aber das war wohl spätestens klar, als Perry in fernster Vergangenheit nach dem Superplaneten ARCHE-Scharm gesucht hat um zu verhindern, dass die Chaostage das finale Retroversionsbeben auslösen.
Interessanterweise sind die Rätsel trotzdem insgesamt recht logisch. Bisher habe ich jedenfalls nicht festgesteckt und ich habe schon zwei von fünf Kapiteln gespielt. Dennoch hat das Spiel zwei Probleme.
Problem 1: Man muss viel zu viel durch die Gegend laufen. Im ersten Kapitel gibt es ein Rätsel was einen zwingt mehrmals in Folge alle Räume des Kapitels zu durchlaufen, nur um dann wieder den ganzen Weg zurück zum Anfangspunkt gehen zu müssen. Hin, her, hin, her: Nerv!
Problem 2: Es gibt viel zu viele Trigger, die irgendwo ohne Zusammenhang irgendein Ereignis auslösen. Warum taucht der Mechaniker erst auf, nachdem ich irgendwo ein Spielzeugraumschiff zusammengeschraubt habe? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nichts natürlich. Trotzdem kommt so etwas ständig vor.
In Kombination führen diese beiden Problem dazu, dass man nach jedem gelösten Rätsel erst mal lange durch die Gegend irrt, um herauszufinden ob nicht in einem anderen Raum spontan ein Spacebiber mit seinem Rüssel eine Tür aufgemacht hat oder die Cafeteria plötzlich doch bereit ist, einem ost-magaflarisches Schleimschneckenmousse zu verkaufen.
Insgesamt bin ich von Perry Rhodan (dem Spiel) aber sehr angetan. Ich vermute fast, dass ich es durchspielen werde. Damit wäre es in den letzten fünf Jahren erst das zweite Adventure, das diese Ehre erhalten hat.
Nicht schlecht für ein Spiel mit Mausbibern.

13. März 2008 um 17:51 Uhr
Welches war denn das andere?
13. März 2008 um 18:10 Uhr
Ich beneide dich um die Hoffnung ein Spiel durchzuspielen.
Bei Perry Rhodan werde ich eh mein Gefühl des “Billigen” nicht los. Da müsste ich noch eine große Hürde überwinden.
Wobei mir dein Beitrag hier gerade Mut macht…
13. März 2008 um 18:13 Uhr
Das andere war Geheimakte.
Das PR Spiel wirkt in keinster weise so ensetzlich billig wie die Hefte. Die Produktionswerte stimmen zum Beispiel. Das Spiel sieht gar nicht aus, wie die schrecklich trashigen Coverbilder der Hefte. Im Gegenteil es macht sich sogar sanft darüber lustig.
13. März 2008 um 18:45 Uhr
Ich geh kaputt. 2 Artikel in einer Woche… Wer soll denn das alles lesen?
;-)
Wenn ich obigen Versuch einer Beschreibung des Versuchs eines Plots lese, bin ich doch ganz froh noch nie ein Perry Rhodan-Heft in die Hand genommen zu haben.
13. März 2008 um 18:46 Uhr
Huch, da habe ich nicht aufgepasst. Aber es sind zwei Artikel zum gleichen Thema. Das zählt eigentlich gar nicht!
13. März 2008 um 18:54 Uhr
So wäre der Introtext ein Knaller…
Die Story ist doch eigentlich immer nur ein wabbeliges Grundgerüst, und hier ist es halt in den Farben der 60-er und 70-er gestrichen.
13. März 2008 um 20:15 Uhr
Ich glaub, ich werde auch nicht mit PR warm werden.
13. März 2008 um 21:41 Uhr
Tja, den Auftakt zum Zyklus um die terminale Kolonne gab’s mal umsonst als Hörbuch und da merkt man schon, dass es halt simple Space-Opera zu sein scheint mit recht Pulp-haften SF-Elementen. Und die Namen sind echt die geilste :-).
Der Mausbiber kann sich übrigens teleportieren…
PS@Vincent-VEC: Guter Konter.
13. März 2008 um 22:19 Uhr
Nur interessehalber: wwelches war denn das erste durchgespielte Adventure der letzten 5 Jahre? Psychonauts? BG&E?
13. März 2008 um 22:57 Uhr
“Mausbiber” ist die tollste ausserirdische Rasse seit-
seit..
seit immer. Ich muss mich mal schlau machen über dieses Spiel, mein Vater hat afair ein ganzes Bücherregal voller Rhodan-Hefte, und ich hab nicht mal reingeschaut. Ich fand als Kind nur die 3D-Cover und die Technischen Zeichnungen toll. Ist der Mist lesbar?
14. März 2008 um 00:09 Uhr
Da musste ich jetzt richtig lachen.
14. März 2008 um 02:54 Uhr
Wie bitte? Schwachsinn? Das hört sich für mich nach Chaotarchenpropaganda an…
So ein bißchen Retrovision wird doch keinen RICHTIGEN Nerd wegekeln, also bitte.
14. März 2008 um 04:50 Uhr
Ich seh ja die “Perry Rhodan”-Bücher immer in der Buchhandlung herumliegen… allerdings interessieren die mich irgendwie echt noch weniger, als die neuste Ausgabe von “Die [bitte ein Mittelerdevolk hier einfügen]”
Kann man nix machen… PR ging altersbedingt glaub ich ziemlich an uns vorbei ;)
14. März 2008 um 10:47 Uhr
Da sagst du was. Der Übersetzer “einiger” PR-Bücher und Co-Autor des Rollenspiels - wenn ich das richtig in Erinnerung habe - ist ein derart humorbefreiter, krampfiger Typ, meine Herrn.
14. März 2008 um 11:30 Uhr
Mausbiber können sichnicht nur Teleportieren, sondern beherrschen auch Telepathie und Telekinese.
Mag ja sein dass PR an euch vorbei ging, aber es als Quatsch hinzustellen, nur weil man es nicht schafft sich damit zu beschäftigen ist schon etwas grob.
14. März 2008 um 12:03 Uhr
Jede Materie diesen Umfangs, mit der man sich nur bruchstückhaft befasst, muss wie Unsinn wirken. Von daher vielleicht nicht soviel Hohn, haltet euch doch mal lieber vor Augen, wie unser Hobby Computerspiele immer gern von den Unwissenden verissen wird, das finden wir ja auch nicht so pralle.
Was das “Duzen” angeht, auf Terra (des PR-Universums) wurde schon vor vielen Jahren das generelle Du eingeführt. Viele Sprachen unterscheiden ja auch heutzutage nicht zwischen du und sie.
14. März 2008 um 12:59 Uhr
Mausbiber = coole Ewoks?
Mir reicht ein verfrickeltes SciFi-Universum voller Abstrusitäten (die oben erwähnte Sternenkrieg-Saga), PR werde ich sein lassen.
15. März 2008 um 23:03 Uhr
Ich werd allein desshalb kein Perry Rhodan lesen weil das mein Vater schon las als er ein Kind war und der ist mittlerweile über 50.
Daher bekommt er auch das Spiel zu seinem Geburtstag *hehehe*
16. März 2008 um 23:09 Uhr
Sind die nicht auch alle unsterblich? Und hieß die arrogant-unterkühlte Tussi nicht sowas wie “Thora”; und irgendwer hatte Blutkrebs… :)
Aber Mausbiber sind cool. Nix gegen Mausbiber.
18. März 2008 um 21:23 Uhr
Jo, Perry Rhodan is unter SF sowas wie D&D unter der Fantasy: Ziemlich fantastisch. ICh kenne mich nicht sooo aus, habe gerade mal einen Zyklus gelesen (was schon so 10 Jahre her ist), aber es is schon ganz witzig. Vor allem so erfindungen wie Vurguzz (fieser Alkohol) und die ganzen abgespaceten Rassen sind schon der Knaller.
Ich erinnere nur mal an die Haluter, die Blues, die Cantaro und so weiter, ein Haufen fertiger Irrer.
Und Gucky ist nach so 1000 Heften voll zur Plage für die Autoren geworden, weil die Fans den lieben und die Schreiber-Sklaven den nemmer sehen können. Die würden ihn gerne fraggen, aber können ihre so schon schwankende Leserschaft nicht riskieren.
Ansonsten, für alle die sich mal mit PR beschäftigen wollen: In einen Zyklus einsteigen is immer sehr schlecht, weil die Zusammenfassungen am Anfang viel zu unausführlich sind. Wenn ein neuer Zyklus anfängt (alle 100 Hefte) kann man mal sich für nen Monat oder so damit beschäftigen, und sich vorher ne Zusammenfassung durchlesen, das geht dann schon.
Maan, ich habe auch lange nix geschriwwe hier.
18. März 2008 um 21:48 Uhr
meine Güte…bleib mal locker…ganze 40 Jahre nach seiner “Erfindung” über den Mausbiber zu stolpern und sich darüber zu amüsieren zeigt einen erschreckenden Mangel an Popkulturellem Grundwissen. Wenn im Jahr 2008 Ewoks “ok” sind, dann ist das ein Gucky allemal. Wenn Du nicht die Lust/Zeit hast Dich mit der “Materie” zu befassen dann lass einfach die Romane außen vor und besprich die Spielmechanik denn so liest sich das als würdest Du Dich über die langen Haare der Beatles mokieren ;)
18. März 2008 um 22:03 Uhr
Ewoks sind auch 2008 nicht OK! Never forget!
19. März 2008 um 19:53 Uhr
Wer hat behauptet Ewoks wären okay? Die sind zwar nicht ganz so schlimm wie Gungans und “Battledroids” aber nicht weit entfernt (wer außer mir hasst eigentlich noch die anderen Aliens der Eps. 1-3, die französischen Abgeordneten oder die degenerierten Pod-Racer… bah). Zum Glück entschädigt die Mos Eisley Cantina, und Jabbas Palast in Sachen Monster und Aliens für die Verbrechen auf Endor… allerdings nicht für die der neuen Trilogie.
@Kahless_GOA: D&D hat sich aber stetig weiterentwickelt und entschlackt sich mit jeder Generation von einigen Designverbrechen. Mit einigen Ausnahmen.
28. März 2008 um 23:43 Uhr
Also….
ich dachte auch immer Perry Rhodan is uncool, noch dazu bin ich garnicht sooo der SF-Fan.
Aber da mein Vater alle Baende im Regal stehen hat (wohlgemerkt die Buecher!), hab ich mal gelesen… und die sind echt gut :) wie ein Suchtel bin ich vor diesen Buechern gehangen. Also bis Buch 9 oder so, dann hatte ich naemlich keine zeit mehr zum lesen.
Alex:
WORD!
31. März 2008 um 21:46 Uhr
Warum sind Ewoks nicht ok?
3. August 2008 um 18:05 Uhr
Mit Perry Rhodan kann ich überhaupt nichts anfangen. Konnte ich noch nie und werde es wohl auch nie. Ich habe mal 10-20 Seiten gelesen, dann war für mich Endstation.
Viele Grüße
Lukas
23. August 2008 um 22:19 Uhr
Vorab, ich bin kein beinharter Perry Rhodan-Fan, damit hier kein falscher Eindruck aufkommt ;) Ich habe vor längerer Zeit mal die ersten paar Bücher gelesen, und die sind ziemlich gut. Jedenfalls realistischer und mit viel mehr wissenschaftlichen Ansätzen als bei Star Wars und Star Trek (und was die beiden Universen angeht, bin ich Fan ;)).
Schade dass man sich hier nun oberflächlich und arrogant über eine Sache lustig machen muss, von der man wenig bis gar keine Ahnung hat o.O Nie ein Heft oder Buch gelesen, aber trotzdem ordentlich drauf bashen, weil es ja Indizien gibt, die vermuten lassen wie schlecht das alles ist… das zeugt von einem stark eingeschränkten Horizont.
Kleiner Tipp: am besten auch noch vereinzelt Stimmungsmache gegen Harry Potter (Fantasie-Rotz für Kinder!), Rollenspieler (Irre die sich in einem Keller einschließen und sich für Conan der Barbar halten) oder Herr der Ringe (Legolas ist doch schwul!) einbauen - natürlich ohne irgendetwas davon gelesen oder gesehen zu haben - ist genauso dämlich wie angesagt zur Zeit.