Egoplattformer

Gestern nacht habe ich mir fast die Augen dabei ruiniert, die farblich herausfordernde Demo von Serious Sam 2 im Solomodus zu spielen – das hat auch durchaus Spass gemacht, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Nein. Es gibt Wichtigeres zu besprechen, Freunde, Leser, Leidensgenossen.

Ihr ahnt ja vermutlich schon, worum es geht, dem anschaulichen Diagramm weiter oben sei Dank. Ja – richtig – das meiner Ansicht nach eindeutig unangenehmste, deplatzierteste (ist das ein Wort?) Feature für ein 3D-Ego-Perspektiven-Spiel ist zurück aus dem Grab, in dem es leider nur eine kurze Weile unruhig auf eine unheilige Rückkehr gewartet hat: Jump-and-Run Elemente sind es, und inbesondere die gefürchteten Plattformen, die uns erfahrenen Spielern schon seit Jumpman schon viele schlaflose Nächte bereitet haben. Nur machen solcherlei Erfindungen in einem aus der dritten Person betriebenen, zweidimensionalen Hüpfspiel durchaus Sinn. Weil man ziemlich genau sehen kann, wo sich die Spielfigur befindet, und es auf eine Kombination von pixelgenau sicherem Schätzen von Entfernungen, Timing und vermutlich auch ein wenig Geschick ankam, seine Spielfigur (a) von Plattform A sicher auf einen sicheren Standpunkt (b) auf der Plattform B bringen, um dabei Böslingen zu entkommen, die der Einfachheit halber hier nicht eingetragen wurden. Dabei sollte die um eine Winzigkeit später beginnende Idealflugbahn II gewählt werden, und nicht etwas die Kurve I, die zu einem Fehlschlag und mit recht großer Wahrscheinlichkeit zu einem frühen Ableben führt.

In einem 3D-Egoshooter sieht man aber die eigene Spielfigur nicht. Folglich ist es auch nicht möglich, ohne leidliches Ausprobieren den richtigen Absprung zu finden; und das beleidigt sogar meine Minimalausstattung an Intelligenz. Dazu kommt die notorische Todessehnsucht der Spieldesigns, die wie bei Sam2 jeden Fehlsprung mit dem unausweichlichen Ableben der Spielfigur ahndet. Falls sich jemand findet, der Egoshooterplattformer richtig spassig findet – er möge sich melden, und ich werde einen Kuraufenthalt spendieren, den diese vereinsamte, verletzte Seele mit Sicherheit nötig hat.

14 Kommentare Autor: Denis
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Aus zwei mach eins

Wie nett: Nachdem Turbine den Betrieb von Asheron’s Call 2 (Ich nannte es gern “Atze Zwo”) nach einen mäßig langen und mäßig erfolgreichen Leben eingestellt hatte, gab es zuerst einen wohl verständlichen Sturm der Entrüstung der AC2-Fans – die hatten sich zum größten Teile gerade eine neue Erweiterung namens Legions gekauft: eine Investition, die sich bis Ende des Jahres wohl kaum lohnen wird.

Nun schenkt der europäische Vertrieb Codemasters den unglücklichen Horden eine Packung des immer noch tapfer aushaltenden Vorgängerspiels Asheron’s Call: Throne of Destiny (“Atze”) – das ist das erste kostenlose Downgrade eines MMORPG in der Spielegeschichte. Wobei man dam Veteranen damit wohl unrecht tut, denn AC1 war zwar nie eine prachtvolle Grafikdemo, aber auf jeden Fall ein gut spielbares MMORPG, das sich seine kleine Fangemeinde erstaunlich lange ziemlich gut erhalten kommte; Turbine verspricht auch ganz lieb, den Senioren gut zu pflegen, damit er einen schönen Lebensabend hoffen darf.

“Wie Codemasters nun ankündigte, erhalten Asherons’s-Call-2-Besitzer in Deutschland ab sofort kostenlos das Spiel “Asheron’s Call: Throne of Destiny” für PC. Zusätzlich zur Vollversion von “Asheron’s Call: Throne of Destiny” erhalten die Spieler, die am schnellsten reagieren, ein exklusives und in der Zahl begrenztes Bonus Pack. Dieses soll den Spielcharakteren von Anfang an verbesserte Statistiken bescheren – auch wenn es den Verlust der hochstufigen Asheron’s-Call-2-Helden nicht wett macht, erleichtert es doch den Einstieg in das laut Turbine auch in Zukunft weiter betriebene Asheron’s Call 1. “[Golem.de]

Nach einer unglücklichen, aber wohl auch nicht aus Bosheit getroffenen Entscheidung des Entwicklers Turbine (gleichzeitig gleich zwei neue MMORPG nach kostspieligen Lizenzen zu entwickeln (D&D Online und The Lord of the Rings Online) und dazu ein weiteres defizitäres MMORPG weiterzuführen, wo man doch die LiveTeams und Entwickler gut für etwas gebrauchen kann, das Geld bringt – ist durchaus nachvollziehbar) scheint der Euro-Publisher die Gelegenheit gewittert zu haben, sein für MMO-Spieler nach der Einstellung von Dragon Empires nicht eben positives Image wirksam aufzupolieren.

Wobei: Ich bin nicht sicher, ob ich bei einer Fehlfunktion meines neuen AMD 64 Rechners allzu glücklich darüber wäre, wenn man mir als Ersatz einen alten Pentium II kostenlos! Zum Trost! anbieten würde …

4 Kommentare Autor: Denis
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Kommt, wir machen ein Spiel!

Eine der einfachsten Methoden, um heute ein Spiel finanziert zu bekommen, ist eine blutgierige, fanatische Horde von anhänglichen Fans, die eine munter wuchernde Community um eine spärliche, meistens höchst ambitionierte Idee wachsen lassen, die einige findige Designer von MMOGs auf einer bunten Website veröffentlicht haben. Das alles in der nicht ganz unbegründeten Hoffnung, dass sich unter einigen der Fans die begehrte Sorte mit viel Geld, einigem Mut und wenig Ahnung von der MMOG-Szene verbergen – bei einigen tausend registrierten Usern auf Foren eine berechtigte Annahme. Oder die aktive Community überzeugt andere Investoren, eine Goldgrube vor sich zu haben. Weil.. wenn die alle das Teil kaufen und abonnieren… “bin ich noch viel reicher!” (sie liegen natürlich vollkommen falsch. Wer in ein aufstrebendes MMO von völlig unbekannten Leuten investiert, wird damit so ziemlich alle Lebens- und Gemützustände erleben, aber diesen Einen mit Sicherheit nicht).

Natürlich will man nicht noch ein MMO machen. Sondern das MMO, die Mutter (und gleichzeitig auch liebender Papi) aller Onlinespiele.
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18 Kommentare Autor: Denis
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