Land Unter

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Stellt euch vor, es war ein langer, anstrengender Tag. Ihr habt nach langem Kurven endlich einen Parkplatz in der Nähe eurer Wohnung gefunden, hängt euch die Laptoptasche um und trottet nach Hause. Jetzt noch eine Dusche, ein paar Runden Forza 2 und dann ab ins Bett. Morgen ist Sonntag, da könnt ihr ausschlafen und abspannen.

Als ihr ins Haus geht, wundert ihr euch, wieso die Haustür offen und blockiert ist. Am Fahrstuhl wundert ihr euch dann, wieso der Fußboden so nass ist. Na ja, egal, ihr seid müde und wollt nur nach Hause.

Im fünften Stock angekommen, seht ihr einen Zettel in eurer Tür klemmen. Irgendeine Nachricht vom Nachbarn, vielleicht?

Baden-Württemberg, Polizeipräsidium Mannheim

Uh oh. Egal was auf dem Zettel steht, das kann nichts Gutes mehr werden.

Betrifft: „Polizeilich geöffnete Wohnung“

Wie BITTE?

Am 23.07.07 um 20.30 Uhr wurde Ihre Wohnung polizeilich geöffnet. Der Grund hierfür war: [x] Wasserrohrbruch

Ach du Scheiße. Visionen einer komplett durchnässten Wohnung schwirren durch mein Hirn. Mein Computer! Mein Projektor! Ist der Mamorfußboden ruiniert?

Ich zücke die Schlüssel und versuche die Tür zu öffnen. Anscheinend bin ich wohl noch nervöser als ich mich fühle. Irgendwie kriege ich den Schlüssel nicht ins Schloss.

Moment mal. Der passt nicht ins Schloss.

Ich zücke noch mal den Zettel.

Die Tür wurde durch einen Schlüsseldienst die Feuerwehr verschlossen. Die Schlüssel Schlüssel können sie sich bei dem Polizeirevier Mannheim-Innenstadt abholen.

Ach, das war schön, zur Polizei zu laufen und sich unterwegs in bunten Farben auszumalen, wie verwüstet die Wohnung ist. Noch schöner dort zu erfahren, dass sie die Tür erst nicht aufgekriegt haben und deshalb einen Leiterwagen(!) gerufen haben, dann mein Badezimmerfenster eingeschlagen(!) haben und so in die Wohnung gekommen sind.

Sehr schön auch, dass sie quasi jede Person die ich kenne angerufen haben. Freunde, Kollegen, Verwandte in diversen Städten, etc. Nur mich selber haben sie nicht erreicht. Was auch daran liegen könnte, dass mein neues Handy erst gestern gekommen ist. Als ich schon weg war.

Nicht dass es etwas gebracht hätte, mich zu erreichen. Ich war zu dem Zeitpunkt ein gutes Stück weg, auf der Autobahn. Und meine Kollegin, die für solche Fälle einen Ersatzschlüssel hat, ist dieses Wochenende im Schwarzwald gewesen. Alles optimal koordiniert, quasi.

Aber am Ende ist es alles nicht so schlimm:

Den Spielekonsolen ist nichts passiert.

61 Kommentare Autor: Richard
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Gamehunt 2

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Consider for one moment that in Manhunt 2 you can, Wii remote and nunchuk in hands, use a pair of pliers to clamp onto an enemy’s testicles and literally tear them from his body in a bloody display; and if that weren’t enough, you’ll take one of the poor victim’s vertebrae along with his manhood.

So beschreibt IGN Manhunt 2. Charmantes kleines Spiel. Kein Wunder, dass einige Leute sich ein bisschen daran reiben. Zum Beispiel die britische BBFC (so in etwa eine kombinierte USK/BPJM), die Folgendes zu dem Spiel zu sagen hatte:

Manhunt 2 is distinguishable from recent high-end video games by its unremitting bleakness and callousness of tone in an overall game context which constantly encourages visceral killing with exceptionally little alleviation or distancing. There is sustained and cumulative casual sadism in the way in which these killings are committed, and encouraged, in the game.

Konsequenz: Das Spiel darf auf der Insel nicht verkauft werden. Nun ist die BBFC kein schrecklich zensierwütiger Verein, was Videospiele betrifft. Das letzte Spiel dem sie eine “ab 18″ Wertung verweigert haben, war Carmageddon im Jahre 1997. Selbst das erste Manhunt (was schon ziemlich fies war) wurde noch “ab 18″ durchgewunken. Hierzulande ist das Spiel beschlagnahmt worden.

Auch in Amerika, dem Land in dem Brüste böse sind, Gewalt aber gut für die Umwelt ist, hat sich Manhunt 2 von der ESRB ein AO-Rating eingefangen, was einem Verkauf in den meisten großen Läden ausschließt.

Aber zum Verkauf wird es sowieso nicht kommen. Sony und Nintendo lassen nämlich keine AO-Spiele auf ihre Systeme. Solchen Spielen wird schlichtweg die Lizenz verweigert. Somit hat Rockstar gerade ein komplett unverkäufliches Spiel gemacht, denn die Zielplattformen sind PS2 und Wii.

Oops. Dumm gelaufen, Jungs. Dementsprechend überrascht ist man bei Rockstar:

This is completely unexpected to the whole team. We love the horror genre. We thought we could do something interesting and entertaining with it in the video game medium. When we had this first Manhunt game, there wasn’t this reaction. We thought (Manhunt 2) was consistent with a mature rating.

Echt? Eier-Abschneiden ist ein M-Rating? Der Witz ist, dass sie wohl ernsthaft geglaubt haben, sie kämen damit durch. Gerade die ESRB steht ja schon lange in der Kritik keine (sorry) Eier zu haben. So mussten die Spielehersteller bis vor kurzem nur ein Video von dem Schlimmsten was ihr Spiel zu bieten hat abgeben. Gespielt hat die Spiele da wohl keiner. Genauso wenig wurde kontrolliert, ob das Video wirklich die schlimmsten Momente enthalten hat.

Bisher gab es überhaupt nur 24 AO-Ratings, wobei davon jedes wegen Sex, nicht wegen Gewalt abgestraft wurde. Prominentestes Beispiel ist Fahrenheit gewesen, dessen unglaublich harmlose Sexszene in den USA aus dem Spiel gestrichen werden musste, bevor es mit einem M-Rating unter dem seltsamen Namen “Indigo Prophecy” auf den Markt durfte. Die restlichen Spiele auf der Liste gehen vom Playboy-Spiel bis hin zu japanischen Hentai-Dating-Sims. Gewalt, egal wie schlimm, war immer M.

Deswegen fühlte man sich bei Take 2 und Rockstar wohl sicher. Dummerweise hat aber zumindest eine Person bei der ESRB noch nicht die Eier abgeschnitten bekommen und einen Hauch gesundem Menschenverstand oder zumindest politischem Geschick bewiesen. Der Präsidentschaftswahlkampf läuft schon. Ein M für Manhunt 2 wäre ein sehr saftiges Ziel gewesen.

Das wird eine teure Fehleinschätzung für Take 2. Denen geht es ja schon lange nicht sonderlich gut. Manhunt 2 gar nicht zu verkaufen, dürfte aus offensichtlichen Gründen nicht in die Tüte kommen. Also wird man die Bewertung anfechten. Das wird scheitern, allein schon weil die ESRB dann wie Idioten aussehen würden. Schlußfolgerung: Sie müssen einiges an Gewalt aus dem Spiel streichen. Das von der Spielepresse so begeistert gefeierte Abschneiden von Gegner-Hoden dürfte damit vom Tisch sein.

So gerne man bei Take 2 das große Presseecho sehen mag, die Zusatzkosten durch die Änderung des Spiels dürften die zusätzlichen Verkäufe wieder aufwiegen. Michael Pachter erwartet 50% niedrigere Einnahmen durch das Spiel und der Aktienkurs fiel.

Hierzulande dürfte das Spiel allerdings auch ohne Gemächt-Entfernung von der USK direkt an die BPJM weitergereicht werden. An Antragsstellern wird es nicht mangeln. Wenn doch, mache ich es gerne selbst.

Am Ende bleibt für mich nur die Frage, warum Rockstar überhaupt so ein Spiel macht. Natürlich habe ich es nicht gespielt, aber die atemlos-begeisterten Beschreibungen der Presse (die natürlich wie immer nahezu völlig jedes Maß an kritischem Denkvermögen vermissen lassen) sorgen bei mir aber nicht gerade für ein großes Bedürfnis es zu tun. Meine kurze Zeit mit Manhunt 1 war irgendwie genug Manhunt für die nächsten 30 Jahre.

Ist es einfach die zynische Einschätzung, dass sich kontroverse Sachen gut verkaufen? So ein großer Hit war Manhunt 1 ja nun auch nicht. Die Tatsache, dass man das Spiel nur für PS2 und Wii entwickelt hat, deutet aber schon auf einen Versuch hin, hier einfach schnell und hastig ein bisschen Kohle vom Baum zu schütteln, die Take 2 gerade dringend braucht. Wenn man in Manhunt einen echten Franchise sehen würde, hätte es den ersten Teil nicht nur früher sondern auch für die 360 gegeben.

Vielleicht sieht man sich bei Rockstar aber auch einfach als, nun ja, Rockstars? Als Gruppe von Rebellen, die es dem Man™ mal so richtig zeigt? Wenn ja, wäre das mal ein ganz großer Fall von akuter Selbsttäuschung. Was meint ihr? Seht ihr einen Grund Manhunt 2 doch ab 18 zu bewerten? Warum machen die überhaupt solche Spiele? Ich bin da etwas ratlos.

90 Kommentare Autor: Richard
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Trockenzeit

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Forza 2 verzeiht nichts. Gar nichts. Es ist gnadenlos. Wer nicht aufpasst, der hat das Rennen bereits in der ersten Kurve verloren. Das gilt natürlich nur, wenn man in einem der höheren Schwierigkeitsgrade spielt, ohne Traktionskontrolle und Stabilitätsprogramm. Etwas anderes macht allerdings auch wenig Sinn, denn Forza 2 ist genau eine Sache. Eine Rennsimulation. Sonst nichts.

Hier wird nicht der Pimp-Bunke angesprochen, der seiner japanischen Reisrakete fette Rims verpassen möchte. Obwohl ein sehr mächtiges Autobemalprogramm und eine beeindruckende Auswahl an Felgen mitgeliefert werden, sollten solche Leute lieber bei Need for Speed bleiben.

Hier wird auch nicht der Möchtegern-Playboy angesprochen, der mit seinem Lambo eine palmengesäumte Straße runtercruisen und dabei den Ladies schmierige Blicke zuwerfen möchte. Obwohl Forza 2 diverse Lamborghinis, Ferraris und Porsches bietet, sollten solche Leute lieber bei Test Drive bleiben.

Nein, Forza 2 ist eine staubtrockene Rennsimulation. Wo Forza 1 noch japanische Bergstraßen hatte und wo das letzte Gran Tourismo noch schmucke toskanische Städtchen bot, gibt es in Forza 2 nur noch eine Rennstrecke nach der anderen.

Es gibt keine schicken Menüs, keine Musik während des Rennens und auch keine Möglichkeit diese einzuschalten. Man hat keine Crews, keine fetten Garagen und keine Rivalen aber wer möchte, kann stundenlang an der Ausrichtung der Vorderreifen rumschrauben. Allein dafür gibt es nämlich drei verschiedene Optionen.

Sonderlich toll aussehen tut es übrigens auch nicht. Der Look des Spiel ist schlicht und nüchtern. Zwar wurde die Optik mit ordentliche viel Farbe ausgestattet, aber leider ist sie auch etwas pixelig und hat ziemlich schlechte Beleuchtung auf den Wagen. Für die Grafik wird das Ding jedenfalls keiner kaufen.

Wie gesagt, Forza 2 ist staubtrocken. Um euch einen Vergleich zu geben: wenn ihr einen Haufen Saharasand zwei Wochen lang bei 240 Grad Ober/Unter-Hitze im Backofen hattet, dann ist das Zeugs immer noch nicht so trocken wie Forza 2.

Forza 2 ist allerdings nicht nur sautrocken, sondern auch saugut. Denn Forza 2 simuliert nicht nur, es simuliert hervorragend. Es simuliert die Reibung jedes einzelnen Reifens. Es simuliert seinen Druck, seine Wärme und seine Abnutzung. Es simuliert die Temperatur gleich an drei verschiedenen Stellen des Reifens und hat trotzdem noch Zeit sich ausführlich mit den Stoßdämpfer, der Fliehkraft und einem Schadensmodell mit über 20 verschiedenen Elementen zu beschäftigen.

Kurz gesagt: Forza 2 fühlt sich unglaublich echt an.

Wer am liebsten mit Vollgas um die Ecke schlittert und “bremsen” für ein schmutziges Wort hält, der wird an Forza 2 keine Freude haben. Wer allerdings eine perfekt gefahrene Ideallinie schätzt und Freude an einem gerade richtig gehaltenen Powerslide hat, der der dürfte gerade sein neues Rennspiel gefunden haben.

Beschwert euch aber nicht, wenn euer erstes Rennen bereit in der ersten Kurve vorbei ist. Ihr seid gewarnt.

Forza 2 verzeiht nichts.

34 Kommentare Autor: Richard
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Grüße aus Rio

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Oder mit anderen Worten: Wer in den nächsten Tagen ein Update von mir erwartet, der hat sich geschnitten. Nur eins noch. Die Printmagazine sind hier genauso scheiße wie daheim. Siehe Fotobeweis. Mein Favorit: Die “PlayKill”. Ooookay.

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(Mario-Bild von Vincent-VEC. Danke!)

27 Kommentare Autor: Richard
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Keine Zeit

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Wenn ich im Moment auch nur 30 Sekunden freie Zeit hätte, dann würde ich Kritiken zu Bus Driver und zu Peacemaker schreiben. So muss ich mich damit begnügen, festzustellen dass ich beide Spiele ganz cool finde.

Wenn ich ca. 60 Sekunden frei hätte, würde ich auch noch über die Bedeutung der Indie-Szene philosophieren. Stattdessen muss ich mich damit begnügen, festzustellen dass mir ein so breit gefächertes Kontrastprogramm zu den Spielen die üblicherweise aufs Gamestar-Cover kommen, wirklich große Freude bereitet.

Habe ich aber nicht. Wer also dringend Antigames-Content braucht, der kann sich die Spiele ja anschauen (es gibt Demos) und die Kommentare mit eloquenten und aufschlussreichen Rezensionen selbiger füllen.

42 Kommentare Autor: Richard
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P(Gallenblase) = 0,02

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Quests in MMOGs sind so eine Sache. So richtig spannende und involvierte Aufgaben zu entwickeln, ist nahezu unmöglich, da man sich die Welt ja mit den anderen Spielern teilen muss und auch nicht verändern darf. Also kriegen wir immer wieder Mission der Marke “Jage 10 Wölfe und komm dann zurück” aufs Auge gedrückt.

Eigentlich gibt es ja nur zwei wichtige Arten von Quests, solche in denen man Monster erschlagen muss und solche in denen man Gegenstände aufsammeln soll. Der Übergang ist da natürlich fließend. Die meisten Aufsammeln-Missionen sind auch Plattmach-Missionen, denn die zu sammelnden Gegenstände werden von Monstern bewacht. Dann gibt es noch die Plattmach-Missionen die gleichzeitig Aufsammel-Missionen sind, was dann der Fall ist, wenn den Monstern nach dem Plattmachen entsprechende Gegenstände aus der Tasche purzeln.

Manchmal werden solche Missionen noch etwas anderes gerahmt, aber das ist auch nur Augenwischerei. Wenn man zum Beispiel seinen Ruf bei einer bestimmten Fraktion verbessern soll, dann macht man das halt mit, genau, Monterplattmachen oder Gegenständeaufsammeln.

Zusätzlich gibt es noch die Kuriermissionen, bei denen man einem bestimmten NPC eine Nachricht oder einen Gegenstand überbringen soll. Dabei handelt es sich aber entweder um einen Rahmen für eine Monsterplattmachquest, weil der NPC von Gegnern umringt ist, oder es einfach ein Trick um den Spieler an einen bestimmten Ort zu bringen, weil es dort weiter geht.

Grundsätzlich habe ich damit auch kein Problem. Das Kerngameplay der meisten MMOGs ist halt der Kampf. Da ist es offensichtlich, dass man in den typischen Quests irgendwie mit Bären oder Tentakeltieren aus der Tiefe ringt. Es gibt aber eine ganz bestimmte Art von Quest, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

Die verdammten Quests in denen per Zufall bestimmt wird, ob das gerade umgenietete Monster einen der zurzeit benötigte Questgegenstände dabei hatte.

Meine Güte, was soll der Scheiß?

Wir kennen das doch alle. Der Vize-König von Fantasyhausen hat uns freundlich aber bestimmt gebeten, ihm doch dabei zu helfen die riesige Nase seiner hässliche Tochter zu verhübschen. Dazu braucht er einen Zaubertrank, für den ihm allerdings eine gewisse Zutat fehlt. 10 Einheiten einer bestimmten Zutat, um genau zu sein. Diese Zutat wird aus den Gallenblasen des Gemeinen Klauenviechs gewonnen, welches glücklicherweise gerade die Bauern westlich von Fantasyhausen terrorisiert. Also zieht man los um den Bauern zu helfen die Nase der Prinzessin kleiner zu machen. Das Gemeine Klauenviech gibt es vor Ort wirklich massenweise und sehr schnell hat man durch wiederholtes Drücken des Icons für den Zauberspruch “Verknote Innereien” das erste Klauenviech erlegt. Schnipp-schnapp, schnell die Gallennblase entfernt, einer erledigt, noch neun auf der Liste.

Flott verknotet man die Innereien eines weiteren GKVs und schnipp-schnapp… Moment mal! Keine Gallenblase. Auch nicht bei Viech drei, vier oder fünf. Damit nimmt das Drama seinen Lauf. Was nach einer kurzen Quests aussah, entwickelt sich zügig zu einem vierstündigen Genozidfeldzug gegen das Gemeine Klauenviech, immer auf der verzweifelten Suche nach den seltenen und wertvollen Gallenblasen.

Die Bauern freut es, der Spieler verzweifelt.

Liebe Spieledesigner, warum in aller Welt gibt es diese Quests? Wollt ihr uns ärgern, oder was soll das? Es gibt übrigens wirklich keinen Grund für diese Quests, denn sie sind nur eine leichte Variation der klassischen “Bring x Monster um und komm dann zurück”-Mission. Betrachten wir das mal genauer.

Jeder Questgegenstand (in unserem Fall die Gallenblase) hat eine bestimmte Droprate. Das ist die Wahrscheinlichkeit mit der ein entsprechendes Monster dem Spieler beim Sterben den gewünschten Gegenstand überreicht (in userem Fall 2%). Mit P(Gallenblase) = 0,02 muss der durchschnittliche Spieler also 500 Gemeine Klauenviecher erlegen, bis er die Quest erledigt hat. Mit anderen Worten, die Quest ersetzt eigentlich nur eine traditionelle “Kille 500 GKVs und komme dann zurück”-Quest.

Mit einem entscheidenden Unterschied: Durch das Zufallselement gibt es Extremfälle. Man kann davon ausgehen, dass die durchschnittliche Anzahl von erlegten GKVs pro erledigter Quest normalverteilt ist. Das bedeutet, dass die meisten Spieler in etwa 500 GKVs erschlagen, bis sie die 10 Gallenblasen zusammen haben. Wie oben erwähnt, entspricht diese Quest also für fast alle Spieler einer normalen “Töte 500 Monster Quest”. Pech haben aber die Leute, die am rechten Rand der Verteilung liegen. Die können nämlich auch schon mal 2000 Monster erlegen und trotzdem erst sieben Gallenblasen gefunden haben. Das frustet.

Ein Spieldesigner muss solche Extremfälle also als Nachteil in Kauf nehmen, aber kriegt man dafür auch einen Vorteil? Nein, zumindest keiner der mir einfällt. Was wichtige Kennzahlen angeht wie “aufgesammeltes Gold” oder “Zeit die ein Spieler in der Region verbringt” betrifft, arbeitet der Designer sowieso mit statistischen Werten. Es macht für ihn also keinen Unterschied, ob er dem Spieler direkt sagt er möge bitte x Monster plätten, oder ob er das Ganze in einer Zufallsquest verpackt.

Der Spieler hat auch keinen Vorteil. Die meisten Leute bringen halt ungefähr 500 Monster um. Selbst die Spieler die am linken Rand der Verteilung liegen und nur 100 GKVs jagen müssen, merken gar nichts von ihrem Glück, schließlich sieht es für sie einfach so aus, als hätte die Gallenblase eine Droprate von 10%. Schlimmer noch, was Loot und Erfahrungspunkte betrifft, hinken sie dem durchschnittlichen Spieler jetzt hinterher.

Also, liebe Designer, welcher Teufel reitet euch, wenn ihr diese Quests einbaut? Kann mir das jemand erklären?

85 Kommentare Autor: Richard
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Ich habe was gekauft?!?

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Es ist schon seltsam, was man manchmal in der Einkaufstasche findet, wenn man nach Hause kommt. Also ich gestern Abend die Tasche ausgepackt habe, sah das ungefähr so aus:

  • neue Hose
  • zwei paar Socken
  • Paprika
  • Zwiebeln
  • Butter
  • Batterien
  • The Lord of the Rings Online: Shadows of Angmar™

Moment, was? The Lord of the Rings Online? Wann habe ich das denn gekauft? Ich schätze nach den Batterien, denn die habe ich bei Saturn geholt. Oh je. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm? Immerhin hat Eurogamer dem Spiel 9/10 gegeben! Da muss es ja quasi großartig sein.

Jedenfalls muss ich mich jetzt mit der Tatsache abfinden, dass ich habe mir The Lord of the Rings Online gekauft habe. Sagt mir in den Kommentaren ruhig wie doof ich bin. Währenddessen erzähle ich euch, wie es bisher so ist. Also zumindest wenn es gerade nicht abstürzt ist.

Und, fragt ihr mich jetzt, ist es 9-von-10-Punkten-großartig? Tja, sage ich da, ich weiß noch nicht so recht. Es stürzt halt ständig ab! Bis jetzt ist es eigentlich ganz nett, aber sicher keine OMG9/10BUYZ0RZNOWZ!!1-Empfehlung. Schauen wir uns das mal im Detail an.

Nicht so nett:

Die Grafik. Nicht hässlich oder so, aber es fehlt das gewisse Etwas. Visuell hat man sich stark am Film orientiert, man darf also keine eigenständige kreative Vision von Mittel-Erde erwarten. Kommerziell ist das sicher die richtige Wahl, aber es ist schon enttäuschend wenn das Intro mehr oder weniger auch für irgendein Add-on zu Battle for Middle-Earth geeignet wäre. Insgesamt ist der Look des Spiels etwas stilisierter und Comic-hafter als die diversen Spiele zum Film von EA, geht dabei aber nicht so weit, wie zum Beispiel WoW. Unschön ist das missglückte LoD-System mit ordentlich viel Pop-up und seltsam durchsichtigen Bäumen in der Distanz. Das hat Guild Wars schon vor längerer Zeit deutlich besser hinbekommen.

Das Interface. Deutlich besser als das desaströse Interface von Dungeons & Dragons Online, aber das Spiel muss sich in der Hinsicht trotzdem beschämt vor WoW und Guild Wars verstecken. Alles wirkt irgendwie klein und futzelig, die Icons sind nicht sehr eindeutig und generell ist es anstrengend für die Augen.

Habe ich schon erwähnt, dass es sich ständig aufhängt?

Nett:

Bisher kein Grind. Ja, es gab schon eine Quest der Marke “Bring 5 Wölfe um”, aber es waren eben nur fünf, nicht 20 und die Drop-Rate von Wildschweinfleisch war bisher 100%. Fast so, als hätte jedes Tier welches dabei. Haben die denn von WoW nicht gelernt, dass statistisch gesehen nur jedes fünfte Wildschwein aus Fleisch gemacht ist? Natürlich kann sich das noch ändern. Wer weiß, vielleicht werde ich heute Abend gebeten solange Orcs zu farmen bis irgendwann mal ein magisches Gebimmel aus einem raus fällt, aber bisher ist das Spiel in der Hinsicht sehr schmerzfrei. Schmerzfrei ist gut!

Deeds und Titles. Neben den üblichen Leveln kann man sich in LOTRO auch noch sogenannte “Titles” verdienen, indem man gewisse Taten vollbringt. Diese Titel kann man sich dann hinter den Namen kleben, so dass sie alle sehen können. So ein bisschen wie es das auch in Guild Wars gibt, nur wesentlich besser. Der erste Titel kommt umsonst und gibt die Herkunft an. Da wäre man also zum Beispiel “Blah-blah of Gondor”. Die restlichen Titel muss man sich verdienen, zum Beispiel durch das Erreichen von Level 5 ohne zu sterben “Blah-blah the Wary” oder durch das erledigen von Quests in einer bestimmten Gegend (“Honorary Sherrif”). Coole Sache eigentlich, weil man dadurch neben dem Erledigen von Quests und dem Erreichen von Leveln noch auf weitere Ziele hinarbeiten kann, zumal man durch die Titles auch zusätzliche Fähigkeiten erwerben kann.

So, ich gehe jetzt nach Hause und schaue mal, ob ein neuer Grafiktreiber die Absturzprobleme behebt. Und ich könnt mich dafür auslachen, dass ich es gekauft habe. Viel Spaß.

53 Kommentare Autor: Richard
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Da war doch noch was…

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Ich muss noch was zu Play Vanilla schreiben. Hatte ich ja versprochen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn irgendwie bringt sie mein Blut nicht so Recht in Wallung. Weder auf die positive, noch auf die negative Art und Weise. Ja, das ganze Heft ist etwas bemüht, unter anderem mit seinen Interviews von irgendwelchen Viva-Moderations-Sternchen, von denen die meisten anscheinend so gut wie gar nicht spielen, für das Interview aber mal brav so tun als ob. Gewisse Fotos bei denen sich besagte Sternchen dann lasziv eine PSP in den Ausschnitt stecken, wirken fast so als wären sie aus dem Sony-Pressearchiv gekramt und nicht extra für eine Frauenzeitschrift aufgenommen worden.

Apropos Pressearchiv, einige Artikel kommen sehr stark wie Werbung rüber und nicht wie echter redaktioneller Inhalt. Das “Interview” mit Regina Hallmich zu “ihrem” Box-Manager hätte so auch von Ataris Pressestelle formuliert werden können. Wenn es nicht gar von Ataris Pressestelle formuliert wurde.

Insgesamt würde ich mich als Frau nicht so ganz ernst genommen fühlen. Man hätte vielleicht ein paar interessantere Frauen zu ihrem Hobby befragen können, als Viva-Tussi Collien Fernandenz und “Rockgöre” Liza Li. Inhaltlich ist das alles sehr, sehr seicht. Von den unglaublich oberflächlichen Spielekritiken (die immerhin völlig frei irgendwelchem Wertungskasten-Bullshit sind) bis hin zu Aussagen die implizieren, dass Spiele bei denen man mehr als zwei Knöpfe drücken muss, ja für Frauen eher nichts wären.

Zwei von zwei befragten Frauen (beide attraktiv und intelligent) fühlten sich von der Zeitschrift aber zumindest nicht aktiv beleidigt und beide verbrachten viel Zeit auf den Seiten mit den Accessoires. Zumindest in der Hinsicht hat man also die Zielgruppe korrekt erfasst. Auch die Bravo-Foto-Lovestory mit einer Dreiecksbeziehung zwischen ihr, ihm und einer PS3 ist so schlecht, dass sie schon wieder gut ist und führte bei den Testpersonen zu großer Erheiterung.

Am Ende gebe ich dem Blatt nicht mehr als sechs Monate (vor allem wenn man weiter so viele Werbebeiträge als redaktionellen Inhalt verkauft), aber ich hätte auch nichts dagegen, falls es sich wider Erwartung doch etablieren kann. Wenn ich die Wahl hätte in der Öffentlichkeit eine Play Vanilla oder eine Gamestar zu lesen, würde ich mich mit der Play Vanilla jedenfalls deutlich weniger schämen.

Mal schauen wie sich die Sache entwickelt.

30 Kommentare Autor: Richard
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“Rampage”

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Neues School Shooting in USA. Diesmal an einer Uni. 31 Tote, inklusive dem Täter. Irgendwie schwer vorstellbar, besonders wenn man selbst erst vor ein paar Stunden noch in einem Hörsaal gestanden hat.

Noch weiß man nichts Genaues. Der Kampf um die Nominierungen zur Presidentschaftswahl 2008 ist allerdings schon in vollem Gange, somit ist ein Instrumentalisierung dieses traurigen Vorfalls so gut wie garantiert. Die ersten Kandidaten haben schon reagiert. Mal abwarten. Ob die Videospiele ins Gespräch kommen werden oder nicht, es ist kaum damit zu rechnen, dass mit dieser Tragödie würdevoll umgegangen wird.

Update: Und es geht los. [1] [2]

Update: Angriff der üblichen Verdächtigen! Mal sehen was Herr Pfeiffer und seine Gesellen noch so alles an Kapital aus den 32 Leichen rauskratzen werden. Ob der Täter überhaupt Videospiele gespielt hat, ist natürlich noch völlig unklar, aber was stören solche unwichtigen Details. (Da er College-Student war, ist es natürlich sehr wahrscheinlich, dass er sie gespielt hat. Genauso wie fast alle sein Opfer sie gespielt haben werden.)

75 Kommentare Autor: Richard
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Um Himmels Willen

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Auf eurogamer.de versucht Jan Schneider gerade, sich über das christliche Adventure Heaven lustig zu machen. Dabei wird klar: Er hält nicht viel von Religion. In der Hinsicht sind wir uns durchaus einig. Nicht einig sind wir uns darin, dass Heaven wirklich Spott und Häme verdient hat.

Bei Heaven handelt es sich um ein Adventure im 360°-Renderstil mit christlich-religiösem Hintergrund. Einen Trailer gibt es auf der offiziellen Webseite, ein paar Screenshots findet ihr bei justadventure.com.

Ganz ehrlich: der Trailer ist gar nicht so schlecht. Ja, die Verwendung von Hans Zimmers Score aus The Lion King ist etwas komisch und die Charaktere wirken ein wenig steif. Aber generell sieht das doch ganz nett aus. Das gilt auch für die Screenshots, gerade für die Verhältnisse des Adventure-Genres, das ja nicht gerade mit Entwicklungsbudgets in Ubisoft-Clancy-Spiel-Größe gesegnet ist.

Tatsächlich hat Entwickler Genesis Works einige Leute mit an Bord, die man durchaus ernst nehmen muss. Dabei ist insbesondere Stephan Martiniere zu nennen, der drei Jahre lang Visual Art Director bei Cyan war. Das ist ein Studio welches im visuellen Bereich immer Maßsstäbe für die Branche gesetzt hat.

Nicht das Heaven absolut großartig aussehen würde. Der Himmel hat anscheinend viele Palmen, überall Swimming Pools, alle sind weiß angezogen und die weiblichen Engel (falls es denn Engel sein soll) tragen so fette Paris-Hilton-”They bought me all these iceies”-Diamantketten um den Hals.

Kurz gesagt, Genesis Works Vision des Himmels liegt so irgendwo zwischen teurem Kreuzfahrtschiff und einem Disney Ride und ist ohne Frage ein bisschen naiv-trivial. Aber das gilt so ziemlich für jede Videospiel. Gears of War ist auch naiv-trivial und weder Command & Conquer noch Mario glänzen mit sonderlich feinsinnig ausgearbeiteten Welten. Kurz: Das Spiel sieht soweit in keinster Weise schlechter aus, als die meisten anderen Adventures die zurzeit produziert werden.

Wieso also die Häme? Mangels kritikwürdigen Elementen im Spiel stürzt Herr Schneider sich auf die offizielle Webseite des Entwicklers. Er zitiert von dort folgenden Satz:

Jesus is our Saviour, Healer, and Guide. We give God the full glory for our lives and impact we can have on others around us.

Jans Kommentar dazu ist: “Autsch”. Autsch? Wieso Autsch? Ja, sie sind religiös. Darüber mögen wir den Kopf schütteln, aber das ist verdammt nochmal ihr Recht. Wenn man ein Christ ist, dann ist Jesus eben der Heiland und man sollte sein Leben auf Gott ausrichten. Dürfen die das jetzt nicht mehr sagen, nur weil wir das seltsam finden? Noch ein Zitat:

Whenever we get a chance, we like to spread the experience.

Aus Gründen die mir nicht ganz klar sind, liest Jan da heraus, dass die Entwickler des Spiels gerne afrikanische Kinder prügeln. Hallooo? Jemand zu hause, McSchneider? Das ist echt völlig daneben.

Wenn Videospiele langfristig relevant bleiben sollen, dann muss man mit ihnen auch eine Message rüberbringen dürfen. Je mehr Leute genau das machen, desto schwerer fällt es übrigens auch Politikern mit näherrückenden Wahlterminen, Videospiele als Sündenbock für alles Übel unserer Gesellschaft zu missbrauchen. Andersrum fällt es Organisationen wie dem Deutschen Kulturrat um so leichter Videospielen Rückendeckung zu geben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Aussage solcher Spiele nicht kritisiert werden dürfen. Im Gegenteil, dafür wäre ich dankbar. Selbst wenn ein Spiele heutezutage mal eine Aussage hat, dann wird sie ja im Allgemeinen geflissentlich ignoriert, denn eine intelligenter inhaltlicher Diskurs passt halt nicht in einen Wertungskasten.

Man darf auch gerne religiöse Spiele dafür kritisieren, dass sie einen Inhalt transportieren, den man für fragwürdig hält. Ich selbst habe das mit Left Behind, einem Spiel in dem Ungläubige wie Jan und ich mit einer Kugel in den Kopf aus dem Weg geräumt werden, ausführlich gemacht.

Aber Jan kritisiert nicht den Inhalt des Spiels, denn er kennt den Inhalt des Spiels ja noch gar nicht. Wir wissen schließlich fast nichts über Heaven, außer dass es irgendwie christlich ist und wohl zum Teil im Himmel spielt. Aber das ist Jan anscheinend schon viel. Er hält es wohl schon für unverschämt, wenn es jemand mal wagt eine andere Weltsicht als die Schneidersche zu vertreten.

Peinlich.

99 Kommentare Autor: Richard
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