Hallo, mein Name ist Kurt. Kurt Kraken.

Ich bin’s. Kurt Kraken. Ihr habt wahrscheinlich noch nie von mir gehört. Kein Wunder, denn mich gibt es eigentlich gar nicht wirklich. Ich bin eine virtuelle Figur und lebe in einer virtuellen Welt. Second Life. Aus der möchte ich euch berichten.

Second Life ist ein verrückter Ort. Der vor einigen Jahren ziemlich leer anfing. Die Bewohner haben dann nach und nach alles gebaut, was man dort so braucht — und vieles, was man vielleicht nicht braucht. Die absurdesten Dinge haben sie sich ausgedacht. Nichts ist unmöglich! In den wenigen Tagen, die ich bereits existiere, habe ich Dinge gesehen, die könnt ihr euch nicht vorstellen: riesige Kampfroboter, sprechende Tiere, Sexclubs mit Gangbangriesensofas — na gut, die könnt ihr euch vielleicht vorstellen –, sogar vollautomatische Penisprothesen, die auf Befehl ihr, äh, Werk tun.

Wie auch im First Life regiert in Second Life das Geld die Welt. Hast du genug, kannst du dir alles kaufen, was das virtuelle Herz begehrt. Sonnenbrillen, Autos, Häuser, Raumschiffe, auch oben erwähnte Penisprothesen. Alles hat natürlich seinen Preis, und der landet dann beim Erbauer. Oder du erfindest selber etwas und verkaufst es. Es gibt auch Dienstleister! Privatdetektive, Architekten, Übersetzer, Filmregisseure, Begleitservices — für ein paar L$, die offizielle Währung in Second Life, bekommst du alles.

Aber gestern habe ich mich erstmal mit einem kleinen Hovercar begnügt. L$300 hat es gekostet. Und todschick sieht es aus! Ich bin damit gleich ein paar Mal um den Block gefahren. Das war in einer netten, ruhigen Gegend, in der ich eigentlich nur war, um mir ein kostenloses Eis zu holen, das gibt es da nämlich. Das Eis war okay, aber das Auto hat natürlich mehr Spaß gemacht. Ich fuhr also ein wenig umher, da traf ich auf eine junge Frau, die sich auch für das kostenlose Eis interessierte. Aber auch sie fand mein Hovercar viel schicker. Ich spielte den Coolen, blickte ihr in die Augen und sagte: “Steigst du jetzt ein oder nicht?”

Was sie dann tat. Also fuhr ich sie ein wenig durch die Gegend. Was ihr großen Spaß bereitete. Dann bemerkte ich, dass das Hovercar auch springen konnte. Ziemlich hoch sogar. Ich drückte den Knopf so fest ich konnte. Wooooosh! Hunderte von Metern ging es hoch mit uns. Bis in die Wolken. Das war super. Leider ging es dann auch wieder abwärts. Während der Boden auf uns zu raste, fragte ich mich, ob man in Second Life sterben kann. Nun: kann man nicht. Da hatten wir also nochmal Glück gehabt. “Wenn das jetzt echt gewesen wäre”, sagte meine Begleiterin, “müsste ich mich jetzt übergeben.”

Danach gingen wir nackt tanzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

5 Kommentare Autor: Kurt Kraken
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